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2010-03-13

"Was war denn DA los?"

Ich habe Freitag abend ferngesehen und ich muss sagen: Ich habe mich wirklich sehr lange nicht mehr so verarscht gefühlt.
Klar, es gibt Fernsehsender, Politiker, Institutionen etc., von denen man sich ständig verarscht fühlt, nur da erwartet man es ja nicht anders...

Also ja, ich gebe es ohne mich dafür zu schämen zu: ich habe in den letzten Wochen große Teile von "Unser Star für Oslo" verfolgt, wobei ich allerdings den Titel der Sendung nie gerne aussprechen mochte, da mich das Ziel (Teilnahme an der Parade europäischer Peinlichkeiten) nun gar nicht interessierte, sondern gerade nach dem berühmten letzten Song der ersten Sendung nur der Weg dorthin.

Lena Meyer-Landrut stand ja eigentlich schon von diesem Zeitpunkt an als "Gewinnerin" (zu den Anführungszeichen komme ich noch) fest, und das auch völlig zu recht. Wann ist in der Geschichte der Castingshows in Deutschland schon vorgekommen, dass eine Achtzehnjährige innerhalb kurzer Zeit gleich reihenweise Nicht-Mainstreamsongs bekannt und beliebt gemacht hat. Bis auf ein paar vereinzelte Ausreißer wie beispielsweise der einzige Auftritt der nicht weitergewählten Franziska Weber mit "Love Foolosophy" hat sie ja durchgehend in einer komplett anderen Liga gespielt als ihre teilweise deutlich erfahreneren Mitbewerber.

Ich werde hier jetzt aber gewiss kein Bashing anderer Kandidaten betreiben, denn dafür könnte ich mich auch in die Foren von TV Total, YouTube, Spiegel oder jeder anderen Internet-Diskussionsdrecklöchern, bei denen ich bewusst noch niemals einen einzigen Beitrag zu irgendeinem Thema verfasst habe, begeben. Was da über junge talentierte Menschen aufgrund von ein paar Fernsehminuten für niederträchtige Widerlichkeiten und Hasstiraden abgesondert werden - und das nicht nur von Teenies - ist schon bemerkenswert und zweifellos eine der größten Fremdschämquellen rund um diese ganze Geschichte.

Klar, mir gefiel nun bei weitem nicht jede Darbietung aller Kandidaten, aber insgesamt war das Niveau für die Verhältnisse eines solchen Formates schon sehr hoch. Und diese Lena hat trotzdem in allen Belangen von Songauswahl über Ausstrahlung/Performance bis hin zum exzellent eigentümlichen und überraschenden Gesang immer wieder noch eine Schippe obendrauf gelegt. Das war äußerst beeindruckend und gewiss nicht nur für mich der Grund, die Sendung weiter zu verfolgen.

Und so habe ich auch das Finale nicht wegen des Resultats gesehen, sondern nur weil ich gespannt war, was für drei Auftritte von der jungen Dame dort noch kommen mochten.
Die zweite Finalistin Jennifer Braun muss man an dieser Stelle natürlich netterweise erwähnen. Die hatte vorher zwar auch ein paar sehr respektable Auftritte und ist für jede Top-40-Coverband sicherlich Gold, aber am Ende stimmlich und interpretatorisch doch recht austauschbar. Es blieb doch immer eher der Originalsong als ihre Version davon hängen, und schon deswegen konnte es auch bei guter Leistung für sie hier eigentlich nur zur Statistenrolle reichen.

Aber was dann tatsächlich gestern im Ersten Deutschen Fernsehen geschah war ja das reinste Grauen!
Da reißen sich Kandidaten und Heavytones, welche ja eigentlich das uneingeschränkte Maß der Dinge im Bereich der Fernsehshowbands sind, also wochenlang den Arsch auf und schüren doch eine gewisse Erwartungshaltung - und dann gibt es derart unterdurchschnittliche, überhaupt nicht zu den Sängerinnen passende Allerweltssongs zu hören? Ein ganz klarer Fall von Universal, wir haben ein Problem!
In sechs (bzw. vier teilweise unterschiedlich dargeboteten) Songs gerade mal ein paar mit gutem Willen passable Strophen und ausschließlich schwache, nervtötende Refrains. Gerade angesichts der vorher so anspruchsvollen Liederauswahl Lena Meyer-Landruts geradezu ein (Un-)Kulturschock! Oder um es mit Raab zu sagen: Was war denn daaa los?

Apropos Raab: "Love Me" roch leider schon nach wenigen Sekunden nach seiner Handschrift. Und beim Refrain hatte ich spontan im Kopf, wie umarrangiert er mir sehr viel besser gefallen würde. Und trotzdem war's das einzige Stück des Abends welchem ich mit gutem Willen noch etwas abgewinnen konnte. Schlimm, mich ärgert die gestohlene Zeit des Abends. Und mich ärgert, dass es mich so ärgert, dass ich mir hier Luft machen muss. ;)

Und dieser Eurovision Song Contest in Oslo, der mir eigentlich total Banane war, der ärgert mich jetzt auch, da dort nun vielleicht durch ein absolut nicht ihrem Niveau gerechten Stück, auf das sie offensichtlich nichteinmal sonderlich viel Bock hat, die musikalische Zukunft einer erfreulich unangepassten, eigentlich äußerst hoffnungsvollen Sängerin riskiert wird. (Die skrupellose, raabfeindliche Springerpresse wetzt schließlich schon die Messer...)
Das meinte ich mit den Anführungszeichen weiter oben: Diese Sendung hatte keine Gewinnerin, sondern nur Verlierer.
Als Gewinner ließen sich wohl höchstens jene Kandidaten zählen, die sich bis maximal zum Halbfinale präsentieren durften und dieses Affentheater am Schluss nicht mehr mitmachen mussten.

Hmm... Erwähnte ich schon, dass ich die Backgroundsängerinnen überflüssig fand?

Nein, Fernsehen ist doof. Ich wende mich jetzt lieber wieder CD- und DVD-Player zu.

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