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2011-09-10

MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus

Damals, die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht... Einige Jahre ist es ja nun auch schon her, dass der wohl charismatischste Death-Metal-Sänger und -Bassist unseres Höllenkreises, David Vincent, zu den legendären Morbid Angel zurückgekehrt ist. So lange tatsächlich, dass mir die Phase ohne ihn - trotz Spitzenalben wie "Formulas Fatal To The Flesh" und "Gasteways To Annhilation" - kaum noch im Gedächtnis geblieben ist. (Ich muss aber auch zugeben, dass ich die wirklich lange nicht mehr gehört habe.)

Man hat sich also sehr lange Zeit gelassen, ehe endlich ein neues Studioalbum anvisiert wurde, begleitet von jeder Menge schwarzmalerischem Blabbermouth-Buhei, als bekannt wurde, dass Pete Sandoval wegen schwerer Rückenprobleme im Studio und auch für die Touraktivitäten danach nicht zur Verfügung stehen würde. Morbid Angel ohne die genialen, ganz eigenen Blasts und (Nicht-)Grooves Sandovals? Für viele Fans schwer vorstellbar und auch für mich ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke.

Dennoch waren mein Vertrauen und meine Vorfreude ungebrochen groß.

Zu Recht?

MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus (2011)

Wenig überraschend macht "Illud Divinum Insanus" ziemlich genau dort weiter, wo "Domination" (das letzte Studioalbum mit Mr. Vincent, wie ihn das Booklet heute nennt) 1995 aufhörte. Es gibt also großenteils den klassischen Morbid-Angel-Death-Metal-Sound in klarer, druckvoller Produktion, mit sehr kraftvollen, deutlich artikulieren Grunts, den einmalig bösen Riffs und kranken Soli, an denen die Band sofort zu erkennen ist, alles angereichert mit einigen experimentelleren Klängen und Ideen.

Und das Schlagzeug? An manchen Stellen fehlen im Hochgeschwindigkeitsbereich schon die ganz typischen, gewohnten Snare-Akzente, aber eine enorme Kompetenz in seinem Fach ist Ersatztrommler Tim Yeung, der dafür mit ausgesprochen nähmaschineninspirierter Doublebase zu bestechen weiß, weiß der Teufel nicht abzusprechen.

Aber war da nicht noch etwas? Klar. Denn hätte die Scheibe nur typische Songs der Marke "Nevermore", "Blades For Baal" oder "Existo Vulgoré" zu bieten, hätte sie unter den Fans wohl kaum eine große Kontroverse entfacht.

Nein, das Ausmaß, in dem Morbid Angel im guten alten Industrial(-Metal) der Achtziger und frühen Neunziger wildern, und vor allem die Tatsache, dass Chefsaitenhexer Trey Azagthoth offenbar weit von seinem Mystikerthron hinabgestiegen ist und sich nicht scheut, seine Virtuosität auch mal von aus dem Thunderdome ausgebrochenen Beats niederbügeln zu lassen, ist vielen Hörern dann wohl doch zu wild.

Ich persönlich war gleich von Beginn an entzückt, als mich das Intro "Omni Potens" an die "Nova Akropola"-Phase von Laibach erinnerte. Beim dann folgenden, eigentlichen Opener "Too Extreme!" könnte ich dann gar nicht anders, als freudig zu grinsen. Eine derart manische, auch noch überlange Stumpfsinnsorgie gleich am Anfang - das ist mutig. Und macht Laune.

An "Destructos Vs. The Earth" stört mich nur ein wenig das max-cavaleraeske "March!"-Gebrülle, auch wenn es dem Thema und Rhythmus des Songs eigentlich angemessen ist. Das kleine Song-Anhängsel "Attack" entpuppt sich dann aber als die Blast-Spitzenleistung des Albums.

Die absolute Spitzenleistung heben sich die Floridianer aber bis ganz zum Schluss auf. In "Profundis - Mea Culpa" verschmelzen anspruchsvoller Hochgeschwindigkeits-Death-Metal, mich in ihrer Phrasierung an den frühen, noch slowenisch brüllenden Milan Fras erinnernde Beschwörungen und ein hirnkranker Schuss Kirmestechno zur Quintessenz des ganzen Albums. Mein Favorit!

Auch bei mir haben aber ein paar Stücke nicht sofort funktioniert, nämlich zunächst einmal "I Am Morbid", welches wohl die größtmögliche Annährung Morbid Angels an eine Manowar-Selbstbeweihräucherungshymne darstellt und mich vor allem wegen der Einbeziehung des Live-Publikum-Chors irritierte. Sowas wirkt fast immer aufgesetzt und darf seit der ironischen Brechung in "Silence Is Sexy" von den Einstürzenden Neubauten ja eigentlich gar nicht mehr gemacht werden. Bei der Darbietung in Wacken habe ich das Lied dann aber lieb gewonnen.

Bleibt als problematischstes Stück die andere Selbstbeweihräucherungshymne "Radikult", die textlich dann doch weit in satirische Sphären vorstösst (nicht, dass das im Metal Seltenheitswert hätte...) und musikalisch eher ein Genitorturers- als ein Morbid-Angel-Werk zu sein scheint, zumindest bis das wirklich geile Gitarrensolo kommt. Und das Outro kommt auch gut. Wobei, so wirklich schlecht ist das Lied im Grunde auch nicht. Ok, der Text schon.


Alles in allem gibt es unterm Strich wirklich wenig zu meckern an "Illud Divinum Insanus".
Kein Jahrhundertwerk, was für zukünftige Veröffentlichungen (das Alphabet ist hinter "i" ja noch lang) Luft nach oben lässt, aber eine sehr geile Scheibe allemal!


Und all jenen, denen die vier Musiker (zweiter Gitarrist ist derzeit ein Herr mit dem lustigen Namen "Destructhor") bei der Aufnahme zu viel Spaß hatten, winkt auf der Rückseite der CD noch ein grinsender Beelzebub hinterher.

Absicht?


Anspieltipps: Profundis - Mea Culpa, Blades for Baal, Beauty Meets Beast

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