Sometimes German, sometimes English. • The title of this blog used to change from time to time. • Interested in me reviewing your music? Please read this! • I'm also a writer for VeilOfSound.com. • Please like and follow Audiovisual Ohlsen Overkill on Facebook!

2015-08-15

LUCIFER - Lucifer I

Abracadabra! Da ist es nun, das Debüt-Album von Lucifer!

Und es hält, was sowohl die vorherige Single als auch der Auftritt beim Roadburn Festival versprochen haben.



LUCIFER - Lucifer I (purple vinyl) (2015)

Johanna Sadonis mag es schlicht und direkt. Ein Bandname, so originell, dass er bei Discogs den Zusatz "(37)" trägt, ein einfaches grafisches Cover, Songtitel wie "Sabbath", die einen ihren Haupteinfluss ohne Umschweife gegen den Latz knallen, und ein Albumtitelkonzept, dass sich u.a. schon bei so unterschiedlichen Künstlern wie Led Zeppelin, Danzig und Eisenvater zumindest für eine Weile bewährt hat.

Der Sinn dahinter ist einleuchtend: Nichts lenkt wesentlich von der reinen Qualität der musikalischen Darbietung ab. Wenn Lucifer ein großes Ding werden, dann hat das nichts mit dem crazy Bandnamen oder den süßen Katzenbabys auf den Covern zu tun, sondern liegt einzig daran, dass die Fans auf die Musik stehen.

Trotzdem ist das Artwork natürlich schon schick und trägt zu einem runden, in sich stimmigen Gesamtbild bei. Das Vinyl gibt es übrigens in mehreren Farbversionen, die sich am Logo (gold) oder Songtiteln ("White Mountain", "Purple Pyramid") orientieren.

Ich habe mich im Sinne der Kontinuität mit der gleichfarbigen LP der Vorgängerband The Oath für die in Europa nur fünfzig Mal angebotene lila Langrille entschieden.



Zur Musik lässt sich eigentlich gar nicht viel sagen, so unmittelbar ist sie ganz nah bei den großen Pionieren des Doom und düsteren Hardrocks und will auch gar nicht irgendwo anders hin.
Wer den schon von der Single bekannten Song "Morning Star" kennt, der kann sich das Niveau des ganzen Albums sicherlich schon ganz gut vorstellen.

Neben Sadonis, die über den heavy Stücken schwebend ihre magische Messe zelebriert, bestimmt vor allem Ex-Cathedral-Gitarrist Garry Jennings den Sound der Band - und der Mann weiß natürlich ganz genau, was er tut.


Haben Lucifer irgendwas neues geschaffen? Nein.
Gibt es also unzählige Alben, die zum Verwechseln ähnlich klingen? Nein, das auch nicht.

Denn die Stimme, die Gitarre, die exakte Vision und das Gespür für einfach gute Songs machen "Lucifer I" zu einem genre- und selbstbewussten Statement, wie man es von einem Debutalbum wirklich nicht erwarten muss. Diese Band braucht sich weder vor den Großen des Genres noch vor der Vergangenheit ihrer eigenen Mitglieder verstecken.

Luft nach oben gibt es zwar auch weiterhin noch, doch das rüttelt keinesfalls an der Klasse dieses Doom-Werks.




Anspieltipps: Sabbath, Total Eclipse, Abracadabra, Morning Star, Izrael


GOBLIN REBIRTH - Goblin Rebirth

Nach der "Profondo Rosso"-10-Zoll von Claudio Simonetti habe ich nun auch den aktuellen Tonträger eines anderen Ablegers der italienischen 70er-Horrorfilm-Soundtrack/Prog-Kultband Goblin meiner Sammlung einverleibt.

Es handelt sich um das selbstbetitelte Debutalbum von Goblin Rebirth.



GOBLIN REBIRTH - Goblin Rebirth (LP) (2015)

"Goblin Rebirth" ist der Soundtrack zu einer imaginären Geschichte, die im Beipackzettel des Albums kurz angerissen wird und in der es sich - Überraschung! - um die Wiedergeburt des Goblins dreht. Allerdings kann man das auch außen vor lassen, denn das (Fast-)Instrumentalwerk spricht auch unter alleinigem Einsatz der eigenen Fantasie hervorragend für sich selbst.

Der Soundtrackcharakter ist in der Tat stark ausgeprägt, insbesondere bei Stücken wie dem ganz auf Atmosphäre ausgerichteten "Forest" oder wenn z.B. Cello und Chor den "Dark Bolero" mit klassischer Klasse anreichern.

Die Basis der meisten Tracks ist allerdings ein sehr dicht groovender Progrock-bis-Progmetal-Sound für den die Rhythmussektion der originalen Goblin das Fundament legt.
Die Rock- und Horrorthemen von Gitarre und Keyboard erinnern in Ton und Ausführung mehr als einmal an ihre Pendants in Dream Theater. Ja, Goblin Rebirth klingen ein bisschen so, als hätten die Progmetalgötter nach ihrem epischen Horror-Meisterstück "The Count Of Tuscany" Blut geleckt und sich noch ein ganzes Album in diese Richtung aus dem Ärmel geschüttelt. Und dieses danach natürlich von der Siebziger-Fee mit Sternenstaub beträufeln lassen.

"Goblin Rebirth" ist ein eigenständiges, kurzweiliges Werk, bei dem jeder der aucht Tracks auf etwas andere weise Laune macht.

Besonders hervorheben unter all den Instrumentals muss ich noch "Evil In The Machine", welches sich mit seinem Vocoder-Gesang schnell zu einem unverschämt aufdringlichen Ohrwurm entwickelt.

Super Album, nichts zu meckern.


Anspieltipps: Evil In The Machine, Book Of Skulls, Back In 74, Dark Bolero


2015-08-14

BEAST - Människan

Mikro-Review. Aber was soll man machen? Die Scheibe ist schließlich von 2015 und meine Regeln sind meine Regeln.


BEAST - Människan (7") (2015)

Schwedisch und englisch geshouteter Elektropunk mit biggen Bässen, trippigen Drums und schwurbelnden Maschinen.

Diese Scheibe wird kein Leben ändern. Aber cool ist sie.

Und wenn es darum geht, dass der Versand aus Schweden sich noch mehr lohnen soll, wenn man ja eh schon die neue Agusa bestellt, denn macht man mit der Single auch nichts verkehrt.

Anspieltipps: Människan, High/Low


2015-08-13

AGUSA - Två

"Jag älskar Sverige!" sang Dichter und Denker Farin Urlaub einst auf dem Traktat "Geräusch" von 2003. Und das, obwohl es Agusa damals noch gar nicht gab!




AGUSA - Två (LP) (2015)

Kennengelernt habe ich Agusa im April auf dem Roadburn Festival, wo die Instrumentalband mich schon schwer begeistern konnte, obwohl es dort ein paar technische Problemchen gab und ein Mitglied gar nicht anwesend war.

Auf dem neuen Album gibt es nun die ganze Wahrheit zu hören. "Två" ist, wie der Titel schon sagt, nicht nur das zweite Werk der Gruppe, sondern besteht auch nur aus zwei langen Stücken.

Die Musik ist ganz fest in den frühen Siebzigern / späten Sechzigern verankert: tiefenentspannter, psychedelischer Prog, der mehr der Stimmung als der Technik verpflichtet ist und einen mit seiner Orgellastigkeit, den Flöten und dem Mut zur beschwingt luftigen Meldodie auf eine bilderreiche Reise nimmt, auf der das Colosseum, Pompeji (ja, wegen Pink Floyd natürlich) und die Krautrockszene ganz klar wichtige Stationen sind.

Altmodische Musik vielleicht. Eher aber ewig junge Musik. Frisch und inspirierend.

Für die hübschen Farbeditionen kam ich diesmal zu spät, das Artwork der Scheibe (Cover und Innenseite des Gatefolds) ist aber auch mit schwarzer Rille innen drinnen großartig. Sowohl optisch als akustisch ist "Två" also ein Sahnestückchen für die Sammlung. Da kann man auch mal für das Porto aus Ikeastan etwas tiefer ins Portemonaie greifen.




Anspieltipps: Gånglåt från Vintergatan, Kung Bores Dans



2015-08-12

MORDRED, SEEKING AKIRA und METRUM live im Knust, Hamburg (11. August 2015)

So, Wacken ist für dieses Jahr abgehakt, war geil - aber kein Einzelkonzert dort hat mich so sehr entzückt wie das Thrash Metal/Funk/Crossover-Fest, dem ich gestern in Hamburg beiwohnen durfte.

Der Besuch war angesichts des Kultstatus des Headliners leider eher mäßig, aber es ist halt auch Hamburg, in der Woche während der Open-Air-Saison - und auch noch parallel zur Konkurrenz u.a. durch Bad Religion.

Immerhin wurde man so aber gleich nach Eintritt mit "Hi, I'm Scotty, how are you?" direkt vom Sänger begrüßt.

Zwei Supportbands hatten Mordred dabei.


Den Abend eröffnen durften Metrum aus Österreich. Tiefheavygroovender Crossover-Metal, mit dem hier eigentlich nichts anbrennen konnte. Gut gemacht, und aufgrund der Kürze des Sets bestand sowieso keine Gefahr, dass Langeweile aufkommen könnte.



Seeking Akira aus England waren da schon deutlich kontroverser.

Ebenfalls eine Crossover-Band, zu deren Existenz der Headliner des Abends musikhistorisch beigetragen haben dürfte, streiften sie ausgehend von Rap/Brüll-Metal mit Hardcoreeinschlag schon häufiger die Grenzen zur Vollprolligkeit, sei es mit Dance- und Dubstepeinschüben oder einem Katy Perry-Cover, welches - das muss man leider sagen - als Witz so ziemlich verpuffte und einfach der schlechteste Song des Abends war.
Das Ganze war ziemlich wild, vor allem die beiden Shouter sprangen und wirbelten fast mehr im Publikum herum als auf der Bühne. Und einen von den beiden sah ich direkt nach der Show mit einem blutigen Handtuch...

Es war absolut nicht die Musik, die ich auf Tonträger bräuchte, aber man muss Seeking Akira zu Gute halten, dass sie live alles geben und schon ein ganz respektables Energielevel für den Rest des Abends vorlegten.



Danach allerdings ging es im heißen Knust richtig ab.

Mordred, die Band aus der Blütezeit des US-Westküsten-Thrash Metals, welche ähnlich wie ihre Zeitgenossen begonnen hatte, doch bald schon kompetent wie Mother's Finest eine gehörige Portion Funk in ihre Musik einstreute und als erste Metalband einen DJ in ihre Reihen holte, noch bevor überhaupt jemand etwas von Nu Metal (welcher nie ihre Klasse erreichen sollte) oder sogar Rage Against The Machine ahnen konnte...  Diese obskuren Wegbereiter mit der erschreckend schmalen Discographie spielten hier nun ihr erstes kontinentaleuropäisches Konzert seit über zwanzig Jahren!

Ach ja, da war doch was... Die letzte Tour 1994 war nämlich komplett gecancelt worden, wir wussten dies jedoch nicht und standen vor den verschlossenen Türen der Markthalle.
Was sollten wir tun? Wir gingen stattdessen ins Kino und sahen einen total beschissenen, langweiligen Kackfilm. Dieser war auch noch zu lang, und das Parkhaus, in dem wir standen, hatte schon geschlossen und wir waren gezwungen, die Nacht in Hamburg zu verbringen...  unterm Strich ein ziemlicher Scheißabend, wenn man eigentlich einen Konzertbesuch bei Mordred geplant hatte.
Und allein, um nach dieser langen Zeit endlich den kosmischen Karmaausgleich für diesen Abend herzustellen, musste ich nun ja auch trotz Wacken-Husten dabei sein! 

Das lange Set (bis kurz vor Schicht um Mitternacht) bestand aus Material der beiden Klassiker-Alben "In This Life" und "Fool's Game", der brillianten ruhigeren EP "Vision" und einer Handvoll brandneuer, noch nicht veröffentlichter Stücke, welche schon große Hits und eine ordentliche stilistische Bandbreite versprechen.

Es gab also knallhartes Thrashgeballer, relaxte Grooves, fetzende Licks, alles auf was man von Mordred hoffen konnte.
Der einzige Song, der mir irgendwie nicht mehr wirklich zeitgemäß vorkam, war "Close Minded". Die Abwechslung, dass dabei DJ Aaron Vaughn am Mikro ist, glich dies allerdings aus.
Ansonsten entpuppten sich die Stücke alle als zeitlose Klassiker, die kein bisschen Rost angesetzt hatten. Vor allem "West County Hospital" und der Oberkracher "Falling Away", vielleicht einer der besten Metalsongs aller Zeiten, waren meine Highlights.

Die Band, fast personalidentisch mit dem "In This Life"-Line-Up, also auch wieder mit Sänger Scott Holderby, hatte richtig Bock auf diese Tour und diesen Auftritt, und das haben sie das Publikum auch jede Minute spüren lassen. Allerfeinst!

Tolle Band, lässige fan-nahe Typen, bleibt als Kritikpunkt eigentlich nur der Lateinfehler ("en" statt "in") auf meinem frischen Tourshirt.

 

Und nun noch mehr Bilder aus meiner Digital Harinezumi 3.0 Knipse:

Metrum:








Seeking Akira:











Mordred: