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2022-10-30

PINK TANK FESTIVAL • 29. Oktober 2022 in der Pumpe, Kiel • mit 10.000 KM² GEGEN DIE ZEIT, BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE, CAMEL DRIVER, LOW ORBIT und LOST MOON


Letztes Mal hatte ich es noch ausgelassen, doch dieses Jahr entschloss ich mich kurzfristig, endlich wieder eines der Pink Tank Records-Festivals zu besuchen, die diesmal in Hamburg, Lübeck und Kiel stattfanden. Fürs Fundbureau am Donnerstag war ich zu müde - und Kiel liegt eigentlich ja eh näher von mir aus. Erstaunlich überhaupt, dass ich so ewig lange nicht mehr in der Landeshauptstadt gewesen bin. Lass mich nicht lügen, aber ich glaube gestern war meine erste Fahrt dorthin seit dem prä-pandemischen März 2019 zur Abschiedssause von Bone Man - ebenfalls in der Pumpe. Wow.

Und tatsächlich bin ich diesmal auch eine neue Route gefahren. Allerdings nur, um spontan einem Unfallstau zu entgehen. So schlimm, mich nicht an die Route erinnern zu können, alzheimere ich noch nicht.





ZQKMGDZ  /  10.000 KM² GEGEN DIE ZEIT

Da das Label jetzt nicht so einen gewaltig anschwellenden Roster hat, hatte ich alle fünf Bands des Abends natürlich schon (mindestens) einmal gesehen. Beim Opener war dies allerdings bereits sieben Jahre her. Damals spielten sie auf dem Pink Tank Festival im Atzehoe (Wer erinnert sich an den Laden?) in Itzehoe (Wer erinnert sich an die Stadt?) und waren wenig bei mir hängengeblieben, so dass ich ihnen eine zu große Beliebigkeit attestierte.
Zwar finde ich den Bandnamen 10.000 km² gegen die Zeit (oder auch kurz ZQKMGDZ) ja immer irgendwie noch ein bisschen besser als die Musik, aber so stehen lassen kann ich meine 2015er Betrachtung fairerweise auch nicht mehr. Denn die Mischung aus Stoner-Rock'n'Roll und Krautrockrobotikelementen ist schon ganz launig. Ich würde jetzt auch die eng aufeinander abgestimmte Rhythmussektion erwähnen, doch gnadenlos zu exzellentem Drumming groovende Bässe zogen sich eigentlich durch den ganzen Abend. Ist so ein Pink Tank-Markenzeichen glaube ich.










LOST MOON

An meine erste Begegnung mit den Italienern Trio Lost Moon hatte ich damals nach dem überladenen itzehoer Festival auch nur eine ungefähre Erinnerung, doch anders als die Zeitplasmanauten habe ich sie seitdem noch zwei Mal mehr gesehen, zuletzt auf dem Heidenlärm Festival 2018. Technisch kann man dem Stonerrockpowertrio kaum etwas vormachen, vor allem die Übungen des Drummers, einen 4/4-Takt möglichst interessant zu füllen sind nicht von schlechten Eltern. Aber auch, wie der Gitarrist mit vorher geloopten Sounds das Instrument hin und wieder alleine spielen lässt, während er singt, ist ein cooles Detail. Überhaupt gefällt mir die Gruppe jedes Mal ein bisschen besser. Geht ab!










LOW ORBIT

Nach Italien ging es nun inklusive zweier italienischstämmiger Brüder and Gitarre/Gesang und Drums nach Kanada. Auch mit Low Orbit hatte ich bislang nur eine Kollision, und zwar auf dem Pink Tank Festival in Heide 2016. Was immer ich damals noch an manchmal ein bisschen zu sehr die Treppe runterfallenden, stolperbremsenden Rhythmen zu bemängeln hatte, muss sich mittlerweile in der Erdumlaufbahn aufgelöst haben. Gebremst wird in diesem frei nach Sleep doomigen Geranze aus dem rifferfüllten Land zwar gerne, aber auch immer geil. Wenn der Bass alleine einen Song eröffnet, fragt man sich mitunter, was die beiden anderen Klampfen dem fetten Monstrum überhaupt noch hinzufügen können, und die Antwort lautet: ja. Zum intensiven Conangedenkmitnicken. Fett.









BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE

Es folgten nun noch die zwei deutsche Gruppen, die ich definitiv in diesem Line-Up am besten kenne und am meisten schätze - und die ich beide zuletzt im September 2021 auf Headlinershows im hamburger Fundbureau gesehen hatte. Dass Bees Made Honey In The Vein Tree die bislang stetig steigende Wummskurve der Nacht auf die Spitze treiben würden, dabei aber auch in Kategorien wie Weltflucht, Gefühlsüberwältigung und musikalischer Diversität glänzen würden, war von daher auch keine Überraschung.
Dabei hatten die Stuttgarter neben dem bisher nur auf dem hervorragenden Livealbum "Harvestman" vorgestellten "Threatening" auch noch ein weiteres brandneues Stück im Gepäck. Shoegazigen Dronedoom mit Postrockelementen hatte ich den entrückenden bis erdrückenden Sound der Band im Review genannt, im vollen Bewusstsein, dass dies noch nicht die Gesamtheit dieses ins Endlose verstärkten Bienengesummes ausdrückt.  Der Auftritt ließ für mich erneut keinen Zweifel daran aufkommen, dass Bees Made Honey In The Vein Tree sich zum goldenen Pferd im pinken Stall gemausert haben. Woraus auch immer ich mir diese Redewendung zusammengeklaubt habe.










CAMEL DRIVER

Schon weit jenseits von Mitternacht war nun Heimspielparty angesagt, als die instrumentalen Stonerpsychprogpostmetallfusionisten Camel Driver - wie immer etwas fahriger und chaotischer im Auftreten als man aufgrund der Komplexität ihrer Musik annehmen würde. Für das Trio gibt es scheinbar kein Genre, welches sich nicht nach Bedarf wirkungsvoll einstreuen ließe, während parallel beinahe jeder Groove zielsicher der Erwartungshaltung des Hörers entrissen und in einem irgendwie anderen Wüstenschifffahrtsknoten vollendet wird.
Und auch wenn ich nicht glaube, dass dies bei oberarmverschränkter Musikerpolizeibetrachtung ihr allerbester Auftritt gewesen ist, haben Camel Driver wieder höckerfett abgeliefert.

Nur einen anschließenden 10.000 Bienen gegen das Kamel-Jam, hat die zur fortgeschrittenen Stunde müde Pumpe-Crew dann doch im Ansatz unterbunden. Nicht wirklich schlimm, denn der Abend war lang und allmählich brauchten Füße und Rücken auch mal ihren Feierabend.

Dass ich ganz schon durch war, zeigte sich wenig später als ich im parkenden Auto meinen Energydrink anbrach, mich dann aber von einem anderen Verkehrsteilnehmer, der offenbar irre scharf auf meinen Parkplatz war,  zum Losfahren  drängeln ließ. Als der mich dann jedoch abschnitt und ausstieg hatte ich einen Moment lang schon Bammel vor Krawall, eh ich kapierte, dass es sich nur um eine mangels Alkoholkonsum absolut harmlose Zivilstreifenkontrolle handelte. Puh.










2016-10-29

PINK TANK Festival in der Rosengasse, Heide (27.10.2016)

Libido Fuzz

Yep, mein Blog hat gerade so ein bisschen  rosa Panzerwochen. Zu deren Abschluss war ich vorgestern auf dem vierten (von sechs) Labelfestivals in Heide. Gestern folgte noch eines in Kiel, sowie heute das bereits ausverkaufte Heimspiel in Hamburg.

Zum vorbestellten Ticket gab es netterweise einen CD-Sampler mit allen insgesamt neun beteiligten Bands, von denen immerhin fünf live auf der Matte standen.
(Nein, ich frühstücke hier ja sonst alles rezensionsmäßig ab, aber in dem Fall spar ich mir das mal.)




Ich muss zugeben, dass ich noch nie in der Rosengasse gewesen bin, wo sich u.a. ein Restaurant und der fürs Festival genutzte Veranstaltungsraum um einen schmalen historischen Innenhof schmiegen. Ich hatte kurz auf Google gekuckt - ach, Fußgängerzone, ein paar Meter vom McDonalds, alles klar - parkte unter der hässlichen Stadtbrücke und latschte dann, obwohl ich in meinem Leben wirklich oft genug in dieser Straße gewesen bin, zielstrebig daran vorbei.

War der Eingang etwa auf der anderen Seite? Ich ging einfach mal ein Stück weiter und dann um die Ecke, um nachzuschauen. Waren da nicht nur die Ärsche und vielleicht noch Anlieferzonen der Geschäfte? Ja, absolute Wüste. Aber wenn ich schon mal hier bin, nehme ich doch einfach ganz vip-mäßig den Hintereingang.

Tatsächlich bekam ich so eine leise Ahnung davon, wie es sein muss, als Deaf Forever-Schreiber aufs Party San Festival zu kommen und von allen Musikern auf seine letzten Ergüsse angesprochen zu werden. Schließlich hatte ich ja neulich erst Review zu den Split-LPs von Camel Driver / Moewn und Bone Man / Burnpilot geschrieben, und gerade das letztgenannte ist aus mir völlig unerfindlichen Gründen ja blitzschnell zum meistgeklickten Tonträger-Review meiner Musikschwafelgeschichte avanciert.

Aber abgesehen von den Leuten, die mich ohnehin kennen, hat mich zu meiner Freude immerhin noch ein Musiker als Mitglied von Das Rote Universum erkannt - und dass, obwohl unser Bühnen-Hiatus mittlerweile ja schon in Jahren gemessen werden muss. Non-music related personal issues, Leute, sorry...


Low Orbit

Die Livemaschine wurde pünktlich um zwanzig Uhr mit Low Orbit angeschmissen. Die Kanadier waren eindeutig die doomigste Band des Abends. Tiefbratiger Slowmotion-Kifferock, dessen stolperbremsende Rhythmen mir zwar manchmal ein bisschen zu sehr die Treppe runterfielen, der insgesamt aber als Einstimmung voll in Ordnung ging.

Publikumszuspruch war auch schon vorhanden, denn die meisten Besucher hatten sich bereits eingefunden. Dass dies nicht die Gelddrucknacht des Wochenendes werden würde, war klar, aber für einen Donnerstag nahe am Rand der kartographierten Welt war das schon durchaus ok.

Testosteroll

Testosteroll waren letztes Jahr auf dem Pink Tank Festival in Itzehoe die Gruppe, die eher nicht so mein Fall waren. Ich war also ein bisschen auf eine Zwangsübung, durch die man eben durch muss, vorbereitet.
Ziemlich schnell begann ich jedoch, an meiner Erinnerung zu zweifeln, denn die (auch hier einzige vierköpfige) Band, die nun auf der Bühne stand, kam mir sehr viel psychedelisch verspielter und auch gesanglich besser vor. Ich hatte diesmal wirklich nichts zu meckern.
Das kann vielleicht ein bisschen damit zu tun haben, dass der Sound in der Rosengasse dem im Atzehoe überlegen war. Allerdings erfuhr ich später auch noch, dass tatsächlich auch viel neues Songmaterial gespielt wurde. Fettes Ding. Nur zum Bandnamen, der doch eher nach prollig pussy grabbendem Schweinerock klingt, passte das alles so gar nicht.


Camel Driver

Auf Camel Driver war ich sehr gespannt, denn auf Tonträger ist der instrumentale Stoner Prog der Kieler ja schon geiler Scheiß, der sich trotz einer Flut von neuem Zeug aktuell sehr erfolgreich in meiner Playlist eingefressen hat.
Und enttäuscht konnte man vom Auftritt wohl nur sein, wenn man redselige Ansagen mit ausschweifenden Geschichten zu jedem Stück erwartet hat. Auch dass der Gitarrenamp anscheinend nicht immer so wollte wie sein Herrchen, konnte dem Gig nicht ernsthaft etwas anhaben. Camel Driver haben wirklich ein gutes Gleichgewicht zwischen Geriffe, Gefrickel und Melodie raus, welches live einfach super funktioniert.


Bone Man

Was soll ich noch groß zu Bone Man schreiben, ohne frühere Rezensionen zu wiederholen? Selbst wenn der Rest der Mucke scheiße wäre, könnte man sich MarianArneÖtzi ja schon wegen des herrlichen Panikdrummings alleine anschauen.
Es stimmt aber auch sonst alles bei den Knochenmännern. Und bei allem In-die-Fresse-Getrete ist "The Wicker Man" einfach mal ein Riesenhit. Neu im Set wusste auch "Where My Heart Was", das Cover der an diesem Abend nicht auf dem Billing stehenden Burnpilot zu gefallen. Ein rundum gelungener Auftritt mal wieder!


Libido Fuzz

Es war schon bereits nach Mitternacht, als mit der zweiten ausländischen Gruppe, den Franzosen Libido Fuzz, das Festival seinem Ende entgegensteuerte.
Im Vergleich zum Bone Man-Abriss wurde nun zwar einen entspannteren, trippigeren Gang runtergeschaltet, es blieb aber immer noch hypnotisch und mitreißend. Libido Fuzz erinnerten mich dabei gar nicht wenig an ein isländischen Powerrock-Trio, allerdings in einer deutlich - na klar - fuzzigeren Version. Ich sag mal The Vintage Caravan meets White Hills.

Ich hätte die Show gerne noch komplett gesehen, doch leider wurde es einem Anwohner für einen Arbeitstag dann doch zu spät und zu laut, so dass der Abend um zwanzig vor eins ein paar Songs früher als geplant per polizeilichem Anruf beendet werden musste. Zum Glück standen hier ja nicht wie im Atzehoe ganze sieben Bands auf der Running Order, auch wenn mir persönlich gerade Moewn natürlich noch gut auf die Ohren gepasst hätten.

Trotz dieses Minimalabzugs war das Pink Tank Festival in Heide aber insgesamt gelungen und wird sicher allen Anwesenden in sehr guter Erinnerung bleiben. Nächstes Jahr bin ich bei einer der norddeutschen Ausgaben bestimmt wieder dabei!


Low Orbit:










Testosteroll:








Camel Driver:











Bone Man:














Libido Fuzz: