Even though I finished my last report for this year a few days ago - somehow it's still Post Roadburn Blues season. So what fits better than a visit to one of Hamburg's most roadburnish locations in terms of program, to be surprised by a crazy, previously unknown Japanese band, as well as to finally tick a box behind an also extremey roadburn-compatible German trio, which I had already missed several times?
ZAHN
Wow! I knew Zahn (="tooth") from their studio work - most recently on their EP "Seite E" and the album "Purpur" -, but how much the polythythmic complexity determines their instrumental music only dawned on my with this performance. And drummer Nic Stockmann has a very special mechanical style of running obliquely to the analog synth loops underneath each track, as well as still coming together with bass and guitar. In that regard this show was definitely the most challenging mindfuck on Hafenklang's "Golden Saloon" stage I had experienced since Kukangendai in November.
The reason I wasn't that aware of Zahn's metric whatthefuckery before of course lies in the quality of the musical environment it's embedded in. And that wasn't lost on stage at all. Their equally forward-thinking, timeless and nostalgic sound between various shades of Post Rock and Kraut was as unique as compelling. From Butter Ride to hike on the volcanic crater, from diving through the coral reef to hopping onto the Flying Cigar, this excellent trip just flew by.
HYPER GAL
The Japanese duo Hyper Gal felt like it was derived directly from the soundtrack to an imagined dystopian anime, where it worked as the rebellious club music of the future. Only consisting of a singer and a drummer, who also operated some kind of electronic synth/sampler/loop device (her floor tom basically only served as a stand for that) their minimalist setup and the energy generated with it reminded me of Benefits at Roadburn 2024, but logically as a female version from the other side of the globe.
Their mixture of hypnotic agitative rally-chant-style vocals and Electronic Harsh Noise / No Wave with ferocious Punk / Grind and danceable drumming felt as thrillingly experimental as gloriously bold and primitive. Koharu Ishida and Kurumi Kadoya for sure gave me one of the weirdest kicks into the face I received in a while.
Hyper Gal's performance wasn't very long, but just right, especially for the Hafenklang crew, who didn't have to deal with states of shock and cardiac arrests in the audience that way. Yeah, this was fun!
Die neue Zahn ist heute offiziell rausgekommen. Aber da echter schneller Musikjournalismus inkl. Rezensionen großzügig vor VÖ offensichtlich nicht so mein Ding ist, frühstücke ich hier erst einmal die letzte EP des Trios ab, welches bereits weit zurück im vergangenen Jahr erschien.
ZAHN - Seite E (one-sided 12" EP) (2025)
Bei Kenntnis des 2023er Albums "Adria" sind Cover und Name selbserklärend. Während der Aufnahmesessions zum Doppelalbum wurden drei Tracks Überschuss produziert, die hier auf nur einseitig gepresstem Vinyl als fünfte Seite nachgereicht werden. Ästhetisch und klanglich sind "Bain de Soleil", "Aula" und "Mandarine" erwartungsgemäß koherent zum zwischen Alltagsschönheit und großer Kinogeste aus Kraut-, Post-, Prog- und Jazzrock zusammengrührtem Sound des Longplayers.
Ein gelungener Nachtisch, bzw. Aperitif zum jetzt erschienenen neuen Obstteller...
ZAHN - Purpur (Mango Glow vinyl LP) (2026)
Und auf "Purpur" geht es dann auch in logischer Evolution weiter. Die drei Instrumentalisten Chris Breuer, Nic Stockmann und Felix Gebhard hauen neue Schippen Songwriting und Bandchemie nach und präsentieren (wahlweise in schwarz oder den fruchtigen Varianten Mango Glow und Kir Royal) ein Album, das zwar kürzer ist, aber dafür sowohl einerseits mächtiger stampft und rockt, anderseits kantigere zombieske Elekrovibes versprüht.
Synthwave, schwerer Post Rock bis Metal, cineastischer Glanz, krautige Kauzigkeit (oder kauzige Krautigkeit) und eine Spur librarymusikalischer Leichtigkeit - das scheinen dieses Mal die Hauptzutaten zu sein. Oder auch: Komfort und Abenteur, Nostalgie und Science Fiction, Schrankwand und Rakete, Morriconeund Ed von Schleck. Es bleibt dabei, dass ich über Zahn einfach nicht viel gehaltvolles schreiben kann. Musik mit Charakter, Tiefe und Freude, die außerdem mehr denn je unmittelbar fetzt wie der "Diaabend" nach der "Butter" fahrt ums "Atoll" im "Katamaran". Geil!
Ehrlich gesagt wäre ich statt diesen Post zu tippen jetzt gerade eigentlich lieber auf dem Weg zur heutigen Releaseshow in Hamburg. Aber akuter Sparzwang hält mich leider im Moment von einigen verlockenden Liveshows fern. Habt Spaß für mich im Betty (oder morgen in Berlin), Leute!
Mein Musikkonsum der letzten paar Wochen war u.a. davon geprägt, die Reihenfolge meiner TOP 23 Lieblingsalben des Jahres festzulegen - und natürlich zu entscheiden, wer es überhaupt in diese erlesene Auswahl schaffen sollte.
Bei einem so schwierigen Prozess nimmt man natürlich gerne jede Gelegenheit wahr, die große Anzahl der Kandidaten irgendwie zu minimieren. Zahn beispielsweise habe ich ohne großes Nachdenken schnell und gnadenlos aus dem Rennen geschmissen, ganz einfach weil mich ein sehr unschöner Pressfehler auf den Seiten C und D des ansonsten so hübsch geratenen Doppelalbums gewurmt hat. Nun ist "Tabak" ja eh nicht gesund, was vielleicht eine ganz sinnvolle Eselsbrücke darstellt, um sich zu merken, dass der so betitelte Song auf Schallplatte übersprungen werden sollte. Für "Velour" allerdings habe ich leider keine Merkhilfe dieser Art parat.
Rezension Ende. Nee Quatsch, so ein A*** bin ich dann auch nicht.
ZAHN - Adria (Apricot Edition 2LP) (2023)
Das Instrumentaltrio war schon eine Weile als "interessant, muss aber nicht zwingend in die Sammlung" auf meinem Radar. Mit "Adria" hat sich dies allerdings bereits beim ersten Hören geändert, denn der weiter gereifte, eingängige originelle Sound, den die Band hier präsentiert, zündete sofort.
Wie das Coverfoto schon suggeriert, ist durchaus eine Wesensverwandtschaft mit dem Duo Jegonggegeben. Auch hier wird Post Rock auf eine es Schubladenliebhabern schwer machende Weise mit Krautrock vermischt. Zahn allerdings lassen diese Kombination trotz immer wieder auftretender Heaviness in den Geschmacksrichtungen Noise, Grunge und Post Metal insgesamt noch sonniger - um nicht zu sagen poppiger- klingen.
Über meist organischen, machmal jedoch auch elektronischen Grooves bestimmen analoge Synthieklänge, mal luftige, mal schwere Gitarrenmelodien und eine leichtfüßig proggige Verspieltheit, die ab und zu auch beinahe die Grenze zum Jazz überschreitet, das Bild. Von der Stimmung her erinnert mich hier einiges an die israelischen Experimentalinstrumentalisten Tiny Fingers, an Gallops und diverse Synthwavekünstler, ohne annähernd tatsächlich nach einem dieser Beispiele zu klingen. Und mit Assoziationen aus der Welt der Siebziger Jahre, Bumsfilmmusik und modernen Qualitätsgitarrenrocks fange ich am besten gar nicht erst an. Da gibt's einfach zu vieles, was irgendwo als Referenz passt, im nächsten Track aber schon als Vergleich absurd erscheint.
Das Fazit ist ohnehin immer, dass man letztendlich selbst reinhören muss. (Was ich als Schreiber ja eigentlich gar nicht sagen darf, da es mein ganzes Tun hier obselet macht.) Zahn sind zwar schwer in eine Formel pressbar - dafür aber im Grunde sehr leicht zu verstehen. Urlaub für die Ohren.