Sometimes German, sometimes English. • The title of this blog used to change from time to time. • Interested in me reviewing your music? Please read this! • I'm also a writer for VeilOfSound.com. • Please like and follow Audiovisual Ohlsen Overkill on Facebook!

2016-12-26

Photography 2016

Oisterwijk, Belair X 6-12 Jetsetter


Besides choosing my musical favorites of the year it has also become a December tradition for me to look back on what I've done in terms of photography.

The previous few years have been pretty similar in that I didn't shoot literally dozens to hundreds of films like I used to a while before, but mainly concentrated on a few periods of time. So I shot several films in my music-free spare time during my stay for the Roadburn Festival in April, and I also had a very long tourist day while being in Ljubljana in early September.

Other than that there were weeks and months without any film camera activity, the main reason for that (besides work) being that again I just spent my free time with other things, especially music.
Which means that at least my Digital Harinezumi 3.0 and my new Harinezumi 4.0, which I bought at the beginning of the year, got a lot of attention, be it for just covering what was up on my record player or taking live pictures at concerts.

The big bummer of this year was of course my hard drive crash and data loss drama in which I not only lost many pictures I had taken between December and April, including a bunch of my Roadburn coverage, but also many film scans. Of course I still have the film material, so at least this shit isn't really lost forever. But I had just finally finished working on all my remaining scans from 2015 and the frustration of losing them due to my lack of back-up disclipine was so frustrating that of course most of those scans still need to be repeated.

I also almost passed this very 2016 review because I didn't want to remind myself of this shit, but fuck it, what are my little luxurious hobby problems against the state of the world in general?

So here's a quick run through my photographic 2016:


Started with a walk right on New Year's Eve ...

Schleswig-Holstein, Kiev 88

Schleswig-Holstein, Kiev 88

... did some digital toycam walks, of which most pictures are lost now ...


Heide, Harinezumi 4.0

Schleswig-Holstein, Harinezumi 4.0

Schülpersiel, Harinezumi 4.0

Hamburg, Harinezumi 4.0
... used the rare occasion of real winter for some hardcore redscale shots ...


Schleswig-Holstein, Tori (Diana F+)

Schleswig-Holstein, Tori (Diana F+)

... shot a couple of other interesting films ...


Elmshorn, Holga GN

Reher, Holga GN

Wesselburen, Tori (Diana F+)

Wesselburen, Tori (Diana F+)

... and celebrated Worldwide Pinhole Photography Day ...


Kellinghusen, Holga Wide Pinhole Camera

Kellinghusen, Holga Wide Pinhole Camera

... brought some nature shots from my annual trip to the Netherlands ...


Oisterwijk, Belair X 6-12 Jetsetter

Oisterwijk, Jelly Cam

Oisterwijk, Adox Golf
  
Then came the crash plus the usual photographic summer break. 

September started with a trip to Munich ...


München, Harinezumi 3.0

... and Slovenia ...


Kranj, Harinezumi 3.0

... where I was quite productive in Ljubljana ...


Ljubljana, Adox Golf

Ljubljana, Adox Golf

Ljubljana, Holga Wide Pinhole Camera

 I even bought myself a new Split Cam for some double exposure fun ...


Ljubljana, Split-Cam

Ljubljana, Split-Cam

Film-wise my year was pretty much over after this,

with only a few exceptions like some new Itzehoelga shots ...


Itzehoe, Holga GN

No wait, I actually already did those in August.

But I shot my last Agfa Scala film
and had it processed as the slide it is for the first time ...


Nordoe, Kiev 88

Nordoe, Kiev 88

And that was it, I guess. Right?

Reher, Harinezumi 4.0

Yeah, thought so.




The ongoing theme of musical Harinezumi shots, be it at Roadburn, Wacken or numerous other concerts went through the whole year and is very obvious in this blog.

Here are a few of my personal favorites:




 











 

 
 
  









And here are some favorites from my Spin Spin Spin series, which is basically just me doing some digital double exposures while I'm listening to records:
















Ok, I don't really listen to the last one.


And that was it. Hopefully my camera collection get's a little more busy in 2017, but I'll just have to see if it's meant to be. Maybe I could also use my DSLR for some real photography again, but I already have a feeling that's unlikely to happen, haha.

If you want to stay in touch with what I'm doing, I recommend to follow my flickr stream, where I still show most of my photographic activities.








2016-12-24

THE NEAL MORSE BAND - The Similitude Of A Dream

Tief durchatmen!

Hier ist es also, das Konzeptalbum, welches Mike Portnoy in selten großen Tönen sinngemäß als Höhepunkt sowohl in seiner als auch in Neal Morses Karriere bezeichnet hat. Ob man diese Meinung teilt, das war mir schon vor dem ersten Hören klar, ist eigentlich vollkommen irrelevant. Denn selbst wenn es "nur" zum dritt- oder viertbesten Album der beiden reicht, ist das ja Lichtjahre von einem Flop entfernt.

Nachdem mich letztes Jahr das erste nicht als "Neal Morse", sondern wegen der starken kreativen Einbindung aller Musiker als The Neal Morse Band veröffentlichte Album "The Grand Experiment" schon enorm überzeugt hatte, war meine persönliche Erwartungshaltung recht stattlich. Und auch aufgrund der live demonstrierten Form und Bandchemie konnte ich mir kaum vorstellen, ähnlich wie von einer gewissen anderen "Rockoper" dieses Jahres, enttäuscht zu werden.



THE NEAL MORSE BAND - The Similitude Of A Dream (3LP/2CD) (2016)

Ja, ich muss mich hier wohl oder übel der lästigen Unsitte anschließen, das aktuelle Schaffen von Drumlegende Mike Portnoy in Bezug zu seiner Ex-Band Dream Theater zu stellen. Bislang war das ja schon mangels stilistischer Vergleichbarkeit Quatsch, doch wenn im selben Jahr wie das überlange (und überambitionierte) "The Astonishing" ein Progalbum aus dreiundzwanzig Tracks auf zwei CDs (bzw. fünf Schallplattenseiten) mit seiner Beteiligung erscheint, dann kommt man ja kaum drum herum.

Und um es kurz zu machen: Auch wenn man sicherlich Einzeldisziplinen wie bestes Gitarrensolo oder die individuelle Gesangsleistung von James LaBrie finden kann, in den denen Dream Theater mithalten können, so wird John Petruccis "Hunger Games"-Verschnitt von der Neal Morse Band nach allen Regeln der Kunst pulverisiert.

Das fängt schon bei jenem Element an, dass bei Neal Morse stets das umstrittenste ist, nämlich dem Konzept an sich.

Nun ist es nicht so, dass er sich hier bei seiner Story unglaublich weit aus seiner Komfortzone herausgelehnt hätte. Es geht wieder einmal um den Weg christlicher Selbstfindung, dieses Mal basierend auf den ersten Kapiteln von John Bunyans "The Pilgrim's Progress", einer Erbauungsschrift aus dem Jahr 1678.
Eine neue Story geht natürlich anders. Und es gibt folglich ab und zu das G-Wort (allerdings nicht das J-Wort) zu hören. Wer damit Probleme hat, könnte möglicherweise Anlaufschwierigkeiten mit "The Similitude Of A Dream" bekommen. Neal Morse hat diesbezüglich aber durchaus schon schwerere Kost serviert. 

Interessanterweise wissen übrigens auch viele englische Muttersprachler nicht, was eine Similitüde ist, nämlich ein wohl etwas eingerostetes Synonym für Parabel.
Um eine solche handelt es sich beim Ausgangswerk, und aufgrund der daraus resultierenden Bild- und Gleichnishaftigkeit ist das Ganze mit etwas Abstraktionsfähigkeit auch für Atheisten zu verarbeiten. So darf (um nicht zu sagen: sollte) man z.B. Gott selbst durchaus als Allegorie begreifen.
Wie gesagt: Es ist nicht die originellste Geschichte, aber sie wird von einem guten Lyriker angemessen erzählt. Und das ist eben immer noch eine ganze Ecke besser, als wenn man mit einer Story zu viel will und sich dabei verhebt.


Sehr gelungen ist die Verpackung: Die drei LPs (sechste Seite mit Etching) plus zwei CDs stecken in einem sehr ansprechenden Triple-Gatefold.
Das Cover ist zeitlos schön, innen gibt es eine Doppelseite mit Texten und Credits, und wenn man diese aufklappt noch eine wimmelbildliche Genesis-Hommage. Ein wunderbares Package, bei dem keine Wünsche übrig bleiben:




Es gibt übrigens ein paar kleine Unterschiede zwischen den Versionen auf LP, CD oder als reiner Download (also wenn man das Album z.B. ketzerischerweise bei iTunes kauft). Die meisten davon betreffen nur die Übergänge zwischen den Songs, die auf CD fast alle direkt aneinander anschließen, während es auf Schallplatte ja naturgemäß mehr Zwangspausen gibt, denen der Mix angepasst wurde. Zum kuriosen Progsnobwissen gehört allerdings, dass der Fast-schon-Radiohit "City Of Destruction" auf LP und im Download einen kurzen Spoken-word-Teil enthält, der auf der CD fehlt.

Womit ich ja schon mitten in der Musik stecke.

Musikalisch bietet "The Similitude Of A Dream" alles, was man von einem Prog-Album unter Morse' Regie erwarten kann, also abwechslungsreichen klassischen Progrock in technischer Meisterschaft, aber vor allem bestimmt durch die Freude und Beseeltheit des Vortrags. Große Melodien geben einander die Klinke in die Hand, während sich vor zahlreiche Idolen (u.a. Beatles, Genesis, Kansas, Queen, The Who) verbeugt wird und jederzeit Ausflüge in angrenzende Stile wie z.B. Jazz auf der einen und Metal auf der anderen Seite möglich sind.

Und da es sich um ein Konzeptalbum handelt, steckt es natürlich voller über die gesamte Spielzeit wiederkehrender, variierender Themen und Reprises. Wir haben die kurze balladeske Einführung plus die instrumentale Overtüre, welche zahlreiche Motive vorwegnimmt, Gastspiele von Streichern und Saxophon, den Pink Floyd-Gedächtnis-Gospelchor im Finale der ersten Halbzeit, das eine vollkommen zappaesk überdrehte Instrumentalstück gegen Ende und natürlich nach zahlreichen Songs von durchschnittlich vielleicht viereinhalb Minuten das epische, erhabene Finale.

Das alles kommt einem natürlich bekannt vor, weil es eben das bekannte Morse-Rockoper-Werkzeug ist, welches er schon 2002 auf dem Spock's Beard-Überwerk "Snow" - und danach noch weiter auf seinen "Testimony"-Soloalben - perfektioniert hat. Auch Transatlantics "The Whirlwind" folgte klar erkennbar dieser Konzeptalbenschablone.

Den großen Unterschied zu seinem bisherigen Schaffen machen wie schon auf dem vorigen Album Keyboarder Bill Hubauer und Gitarrenshredmeister Eric Gilette aus. Die gleichwertige kompositorische Einbindung hatte ja schon "The Grand Experiment" das gewisse Etwas, die Frische gegeben, es von anderen (nicht so konzeptionellen) Morse-Alben des Formats epic-3xshortsong-EPIC abzuheben. Dieser Effekt tritt nun auch hier ein.

So wird "The Similitude Of A Dream" zu einem echten Gemeinschaftswerk der Band, auf der sich alle Beteiligten mit großartigen Ideen einbringen. Auch der Leadgesang wurde erneut aufgeteilt. Gilette und Hubauer haben zahlreiche Einsätze und prägen auf einem Album, das trotz seiner Ausmaße keine Schwächen zeigt, einige der Höhepunkte. Vor allem Hubauers "The Ways Of A Fool" setzt ein gewaltiges Ausrufezeichen. Zu den besten Songs würde ich aber auch das energisch mit von Mike Portnoy gesungenen Strophen startende "Draw The Line" zählen.




Man könnte natürlich zu jedem Stück etwas sagen, doch das wäre mir deutlich zu viel Arbeit. Und es wäre letzendlich auch nur eine endlose, sich an zahlreichen tolle Einfälle und beeindruckenden Arrangements aufhängende Lobeshymne.

Ich kann eigentlich nur zwei Dinge finden, die man als Makel interpretieren könnte:
Zum einen die Overtüre. Natürlich ist sie super. Aber! Ist sie wirklich immer nötig? Meiner Meinung nach dürfte Morse dieses anscheinend unvermeidliche Bauteil auch gerne einmal weglassen und direkt in die Geschichte einsteigen.
Und dann ist da der Country-Ausflug "Freedom Song", der als Idee einfach zu offensichtlich recycelt ist, da es ihn sehr ähnlich schon auf "Testimony" gegeben hat. Allerdings vermute ich, dass hier live ein Jam mit Vorstellung der Band und Soloeinlagen bevorstehen könnte, was wiederum gute Unterhaltung verspricht.

Das war's auch schon mit Gemecker. Die Neal Morse Band hat hier einfach mächtig abgeliefert. "The Similitude Of A Dream" ist ein überragendes Album.

Über die Szene hinausstrahlen wird es allerdings leider nicht, dafür ist die Blase des christlichen Prog einfach zu speziell, obwohl hier rein musilkalisch für zahlreiche Rock- und Metalfans mit Hang zum Großformatigen ein köstliches Bufett serviert wird.



Und um abschließend noch einmal zu Mike Portnoys Einschätzung zurückzukommen: nein, ganz richtig liegt er nicht. An Dream Theaters "Scenes From A Memory" oder Transatlantics "Bridge Across Forever" kann dieses Album allein schon aufgrund des zeitlichen Vorsprungs und der damit einhergehenden Sentimentalitäten nicht rütteln. Und auch Spock's Beards "Snow" hat einen Klassiker-Status, an dem man vierzehn Jahre danach nicht einfach so vorbeiziehen kann.

Es wäre allerdings verwegen, zu behaupten, "The Similitude Of A Dream" sei klar schlechter als die genannten Werke. Von daher kann ich nur nochmals bekräftigen, dass es vollkommen irrelevant ist, ob man Portnoys Meinung teilt. Insbesondere da er wirklich nur knapp daneben liegt.

Prädikat: Meisterwerk und Pflichtkauf für Fans.


Und damit habe ich jetzt alle meine 2016 Platten durchrezensiert.
Halleluhjah und Frohe Weihnachten!


Highlights: The Ways Of A Fool, Sloth, City Of Destruction, Draw The Line, The Man In The Iron Cage, The Mask



2016-12-21

OATHBREAKER - Rheia

Und noch ein Spät-Eintrudler, der meine Album-Jahrescharts 2016 vielleicht noch aufgewühlt hätte, mitgenommen letzten Freitag auf dem Konzert im Hafenklang. Und ebenso wie für die EP des Supporkünstlers Wife gilt, dass ich hier möglicherweise Phrasen aus dem Livereview wiederholen könnte.


OATHBREAKER - Rheia (2LP) (2016)

"Rheia" ist ein Album, das anscheinend genau gekuckt hat, welche musikalischen Trends mir in letzter Zeit besonders zugesagt haben, und das sich daraufhin mit einer handvoll davon ganz custommäßig auf meine Bedürfnisse zugeschnitten hat.

Da ist - ich sage es jetzt zum x-ten Mal, aber es ist eben so - diese sehr von Made Out Of Babies / Battle Of Mice beeinflusste Post Hardcore-Basis, die zu gleichen Teilen mit Post Black Metal der Marke Alcest oder Vattnet Viskar durchsetzt ist. Dazu gibt es mächtigen, ambientangereicherten Post Metal (Post Post Post, ich weiß...), wie ihn Cult Of Luna perfektioniert haben, was natürlich Vergleiche mit deren Kollaboration mit Julie Christmas heraufbeschwört, insbesondere da Sängerin Caro Tanghe sowohl im Timbre ihrer zerbrechlichen Verse als auch in panischeren Passagen sehr deutlich Christmas emuliert. Das ist selbstverständlich immer lobenswert, wenn frau es kann.
Nur im ganz extremen schwarzmetallischen Bereich geht Tanghe noch weiter, so dass man - allerdings auch in einigen ruhigeren Stellen - zusätzlich noch Myrkur als Referenz ins Boot holen muss.
Und wo wir schon bei den Königinnen der Dunkelheit sind, sollten wir auch nicht den Neofolksong "Stay Here / Accroche-Moi", den Mittelteil von "Immortals" oder den Albumausklang "Begeerte" unterschlagen, in denen sie sich unser aller Gebieterin Chelsea Wolfe annähert.

Habe ich noch musikalische Äquivalente unterschlagen?
Sicher. So kann man sich zwischen all dem exzellent ausgeführten Hochgeschwindigkeitsgeschepper partiell sogar noch eine Prise Doom hineinhören. Bast und Subrosa sind da passende Stichworte. Generell ist ohnehin schnell klar, dass für diese Gruppe Genregrenzen nicht von Belang sind.

Was Oathbreaker anderseits sehr viel umtreibt, ist gutes Songwriting. "Rheia" hat keine Füller, alle Tracks sind so stark, dass man eigentlich gar keine Highlights herausstellen dürfte.
So wie die Band einen live mit offenem Mund zurücklässt, ist auch dieses Album ein gewaltiges Aufrufezeichen.

Auf der Suche nach Haaren in der Suppe kann ich eigentlich nur an der ansonsten wunschlos glücklich machenden Produktion bemängeln, dass es ein paar Stellen gibt, an denen ich den Gesang auf Vinyl (Download liegt auch bei) bitte gerne noch etwas differenzierter und verständlicher hätte. Aber wie gesagt, dafür muss ich mich schon etwas aus dem Fenster lehnen.

Die Typo auf dem Cover finde ich nicht so spitzenmäßig, haha.


Aber im Ernst: "Rheia" ist im Grunde perfekt. Hier hat eine fantastische, kreativ rotierende Band einfach alles richtig gemacht. Hat auf jeden Fall das Potential zu einem Klassiker von morgen!




Highlights: Needles In Your Skin, Immortals, Second Son Of R., Being Able To Feel Nothing, Where I Leave



2016-12-20

MOTORPSYCHO - Here Be Monsters vol. 2

Ein bisschen weihnachtliche Bescherung hatte ich diese Woche ja schon. Ok, sie war ohne Plätzchen und Tannenbaum und ein wenig bürokratischer, da mit einem Ausflug zum Hauptzollamt verbunden. Es gab dafür aber auch was feines abzuholen.

Motorpsycho haben jüngst ihr Wohnzimmer aufgeräumt und unterm Sofa noch ein paar Exemplare eines ansonsten aktuell schon nicht mehr unter fünfundachtzig Euro gehandelten Releases gefunden, den ich ursprünglich leider verpasst hatte. Ich war nämlich nicht auf der diesjährigen Tour gewesen, wo das Ding zunächst exklusiv verkauft wurde, und zur Ankündigung des Onlineverkaufs war ich gerade internetbefreit auf Musikfestivalurlaub.

Umso schöner, den Schatz nun doch noch ergattert zu haben:



MOTORPSYCHO - Here Be Monsters vol. 2 (LP+CD) (2016)

Wie der Titel schon sagt, handelt es sich bei dieser Mini-LP (ca. 28 Minuten) sozusagen um ein Anhängsel des Albums "Here be Monsters".

Oder? Hier läuft schon einiges anders. Wo das Coverartwork des Hauptalbums an abstrakter  Simplizität kaum zu überbieten war, sind nun auf einer herrlich fantasynerdigen Karte die Monster tatsächlich in voller Pracht zu sehen. Ich bin mir fast sicher, dass hier noch der eine oder andere Scherz in der Beschriftung versteckt ist, doch trotz im Inneren der Hülle abgedruckten Übersetzungsschlüssel, war ich doch bisher zu faul, hier auf Schatzsuche zu gehen.
Die Hülle, in der neben der Schallplatte auch die CD-Version steckt, ist etwas kurios, handelt es sich doch nicht um ein Gatefold, sondern einfach um eine doppelseitig bedruckte Einzel-LP-Hülle, die einfach nur nicht verklebt wurde. Da der mitgelieferte Schutz aus Kunststoff aber ein recht festes Exemplar ist, wie es auch für Picture Discs verwendet wird, kann man das durchaus so machen.

Auf jeden Fall sieht das alles sehr fein aus:




Was es ebenfalls auf "Vol. 1" nicht gab, war ein Titelsong. Hier hingegen verteilt sich das Stück "Here Be Monsters" gleich auf beide Seiten, mit einem zusätzlichen, fünfminütigen Experimental/Ambient/Noise-Track dazwischen.
"The Etching Of The Seed-Atom" ist schon eine ganz ansprechend seltsame Geräuschsammlung, allerdings eindeutig nicht als Song zu werten.

So gesehen ist "Here Be Monsters Vol. 2" im Grunde schon fast eine 12"-Single. Und zwar eine verdammt mächtige Single.

Die zunächst sehr langsam aufbauende erste Hälfte zeigt die Norweger dabei von frühen Pink Floyd inspiriert wie selten zuvor. Ich würde sogar so weit gehen, diesen Progrock-Koloss als Motorpsychos Entsprechung zu "Echoes" zu bezeichnen. Zurückhaltende Gitarre, das leicht jazzig shuffelnde Schlagzeug, vor allem jedoch der sparsam eingesetzte Gesang und diese schwebende, analoge Keyboardmelodie schlagen sehr deutlich in die Kerbe. Und es ist wunderbar!

Schließlich gibt's es aber einen Wechsel und der Song eskaliert sich immer weiter in einen roboterhaften, zwar typisch motorpsychischen, aber immer noch floydaffinen Part hinein, bis dieser vor dem Seitenwechsel plötzlich abbricht.

Auf der B-Seite und nach dem bereits erwähnten Zwischenspiel geht es dann unmittelbar in diesem Groove weiter, doch nun stapeln sich noch mehr Gitarre und ein kreischendes Saxophon darüber. Die volle motorpsychotische Maximalistenbreitseite. Sehr geil! Zum Finale kehrt dann das aus der ruhigen Phase von Teil 1 bekannte Keyboardthema zurück und treibt alles zu einem grandiosen Gipfel, ehe der Longtrack dann ohne Eile ganz entspannt ins ruhige Tal hinunter wandert und sanft und zufrieden ausklingt.

Ein Lied wie eine für die Kinoleinwand gefilmte Fjordwanderung.

Hätte ich dies hier früher in die Finger bekommen, dann sähen meine Top 5 EPs 2016 ein bisschen anders aus.


Highlights: Here Be Monsters Pt. 1 + Pt. 2


2016-12-18

DISHARMONIC ORCHESTRA - Fear Of Angst

Soweit ich weiß, haben sich Disharmonic Orchestra niemals offiziell aufgelöst, obwohl sie wirklich lange Zeit sehr wenig getan haben und zwischendurch auch tatsächlich mal nicht komplett waren. Das ist mir grundsätzlich ja schon extrem sympathisch. So viele Gruppen künden mit großem Tamtam ihren Rückzug an, machen dann noch zwei Jahre Abschiedstour und "Das war's!"-Livealbum, nur um dann zwei Jahre später festzustellen, dass Musik ja schon Bock macht, und mit riesigem Zirkus ihre sensationelle Reunion zu feiern.

Ok, man mag einwenden, dass die möglicherweise kauzigste Band der großen Neunziger-Death-Metal-Welle ohnehin gar nicht über das mediale und kommerzielle Potential verfügt, um die ganz große Scorpions-Comebackparade zu schmeißen. Meine, Schenker & Co. mussten ja bisher auch noch kein Crowdfunding bemühen, um ein Album auf Tonträger zu bannen.

Die drei Österreicher hingegen haben angesichts ihres ersten Albums seit vierzehn Jahren eine Kickstarter-Kampagne gestartet, um in Eigenregie CDs, Schallplatten und T-Shirts herzustellen. Das Finanzierungsziel wurde nach wenigen Tagen erreicht und ich durfte mich auf eines von dreißig Früher-Vogel-Vinyl-Bündel freuen.



DISHARMONIC ORCHESTRA - Fear Of Angst (red vinyl) (2016)

Da ist sie nun also, die disharmonische Nummer 5.

Das Motiv des großartigen Coverartworks kann man als Fortsetzung vom Zweitwerk "Not To Be Undimensional Conscious" (1992) verstehen, übrigens auch das letzte Album, welches noch auf Vinyl erschienen ist. Das Bandlogo ist von "Ahead" (2002) übrig geblieben, welches ja ansonsten optisch eher ein Ausrutscher in der  erlesenen Titelgemäldegalerie der Klagenfurter darstellte.

Musikalischer Hauptbezugspunkt ist allerdings der 1994er Geniestreich "Pleasuredome". Retrospektiv vielleicht schon als Post Death Metal zu bezeichnen, hat es in der damaligen Veröffentlichungsflut nur einen Bruchteil seiner verdienten Anerkennung gefunden.
Denn obwohl es voll progressiver Rhythmik war und Advantgarde geschrien hat, war die Scheibe tatsächlich gespickt mit Ohrwürmern, die als ewige Szenehits getaugt hätten. Es kam anders, wie auch die Erinnerung an ein dürftig besuchtes Konzert im Hamburger MarX bestätigt, doch für mich persönlich zählt "Pleasuredome" zu den wichtigsten Metalalben der gesamten Neunziger.

Ob "Fear Of Angst" einen entsprechenden Status überhaupt erreichen kann, sei mal dahingestellt. Dafür hat sich einfach schon in der Welt um sie herum die Tugend der abenteuerlichen Eigensinnigkeit quer durch alle Metalgenres zu sehr etabliert. (Was natürlich eine ganz wunderbare Entwicklung ist!)
Angesichts der langen Wartezeit und des Besetzungswechsels am Bass ist aber alleine die Tatsache, dass die Band mit ihrem neuen Material weiterhin ihr Niveau hält und nach wie vor unverkennbar klingt, eine Menge wert.

Es ist ein Nummer-sicher-Album geworden, welches auf den wesentlichen Stärken der Band basiert. Die neun Tracks sind allesamt vollwertige Songs, die jeder für sich auch auf "Pleasuredome" oder "Ahead" gepasst hätten. Es gibt keine bewusst trollenden Tracks oder Elektrospielereien wie auf letztem, anderseits dafür aber auch kein überragendes Instrumental wie z.B. den "Pleasuredome"-Titeltrack.
Nun haben sich Disharmonic Orchestra niemals übertrieben ernst genommen und dies neben nicht ganz so bösen Bandfotos ebenfalls mit dem einen oder anderen musikalischen Witz demonstriert. Ganz frei ist auch "Fear Of Angst" nicht davon, doch zeitaufwändige Mätzchen wie der berüchtigte Quatsch in "The Return Of The Living Beat" sind hier nicht zu finden.

Stattdessen ausschließlich knackige Metalstücke zwischen zwei und sechs Minuten Länge mit allen bekannten Trademarks: dominante catchy Riffs, gegenläufiger melodischer Bass, eigensinnig wirbelnde Drums und Patrick Klopfs kauziger Grummelräuspergesang, welcher poetische bis dadaistisch seltsame Texte transportiert.

Die Band baut dabei aber hörbar weniger Knoten ein als in den Vorgängeralben, bzw. sie verpackt die Knoten subtiler, so dass es zumindest gefühlt tendentiell schon etwas straighter zu Werke geht. Als Ausgleich zu dieser Entkernung gibt es ab und zu so richtig höhlenmenschenthrashig auf die Glocke, und für "Innamorato" entstaubt Martin Messner auch die derbe durchrollende Death-Metal-Doublebassdrum.

Disharmonic Orchestra haben hörbar Spaß am Rübeschütteln und dieser überträgt sich ohne Umwege auf den Hörer. Und reichlich kreative Ideen haben sie auch, so dass zwar jeder Song nach Sekunden ihnen zuzuordnen ist, aber doch immer wieder etwas anderes aufregendes passiert.
Hier haben wir die markanten, kurz und effektiv jaulenden "Pleasuredome"-Leadgitarren in "Flushing The Primary", dort in "Proton Radius" fette Grooves, die auch auf Coroners "Grin" gepasst hätten.
"Rascal In Me" beginnt in beinahe schon stumpfsinniger Motörheadseligkeit, hangelt sich dann aber über die Disharmonic-Entsprechung eines D.R.I.-Thrashers zu den epischsten Chuck-Schuldiner-Gedächtnismelodien des gesamten Albums.
Nein, trotz des gewohnten Stilmittels, die kurzen Strophen gerne zu wiederholen, kommt hier absolut keine Langeweile auf.

Fazit: "Fear Of Angst" ist ein absolut würdiges Comeback und für mich nach jetziger Einschätzung immerhin das zweitbeste Werk in der Diskographie von Disharmonic Orchestra.
Wer die Band nicht kennt und gerne die seltsame Abseitigkeit von Virus in einem Death-Metal-Setting hören möchte, der muss hier reinhören. Dies gilt allerdings darüber hinaus eigentlich für alle Freunde des Genres.
Für Fans ist dieses Auferstehungszeugnis ohnehin unumgängliches Pflichtprogramm.

Für meine Jahrescharts der 22 besten Alben 2016 kam "Fear Of Angst" etwas zu spät, aber es hat mich auf die Schnelle genügend beeindruckt, um es dort vorsichtshalber als Spezialnennung unterzubringen.




Mein vorbestelltes Bundle enthielt die Platte in transparentem Rot (Qualität so mittel, natürlich klingt schwarz sicherlich besser), dazu ein Download (wav-Dateien!), das komplette Covermotiv inklusive Bandportraits als sehr großformatiges Poster (Wer baut mir eine Wand?), ein doppelseitig bedrucktes T-Shirt, sowie eine signierte Postkarte (Ihr habt meinen Namen in der Widmung verkehrt geschrieben!!!drölf!!!). Egal, in den gedruckten Credits stimmt der Name ja. Und einen kleinen Disharmonic Orchestra-Ansteckbutton gab's auch noch oben drauf.

Value for money galore!






Highlights: Flushing The Primary, Rascal In Me, Down To Earth, The Venus Between Us


KATE BUSH - Before The Dawn

Anfang des Monats erschienen und somit ein Spätankömmling in meiner Sammlung, bestand doch schon während des ersten Hörens kein Zweifel, dass dieses auf drei CDs verewigte Zeugnis von Kate Bushs wohl jetzt schon legendärem Bühnencomeback im Herbst 2014 unbedingt in meine Aufzählung der besten 2016 erschienen Liveaufnahmen gehört.


KATE BUSH - Before The Dawn (3CD) (2016)

Drei Wochen hintereinander hatte Bush ins Londoner Hammersmith Apollo Theater geladen. Die Tickets waren innerhalb von fünfzehn Minuten ausverkauft und Fans aus der ganzen Welt pilgerten für diese Shows nach England.

Es handelte sich dabei nicht um ein klassisches Rock/Pop-Konzert, sondern hatte in Bühnenbild und Darbietung ganz klar einen theatralischen Bezug. Eine sehr aufwendige Produktion mit großer Band, Chor, Schauspielern und multimedialen Bestandteilen, wie zahlreiche Fotos im mit liner notes versehenen Booklet belegen.

Verwunderlich ist natürlich, dass es sich hier - ob als Dreier-CD oder weniger erschwingliche 4er-LP - um eine reine Audio-Veröffentlichung handelt. Es wird sich wohl zeigen, ob dies kommerzielles Kalkül des Labels ist, um vielleicht auch nächstes Jahr das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen, oder ob es sich um eine rein künstlerische Entscheidung von Kate Bush handelt, welche in dieser Hinsicht ja durchaus sehr eigen sein kann. Man beachte auch, wie sie sich selbst in der Präsentation zurücknimmt und ihr Name hier so selten wie möglich zu lesen ist. So heißt es auf dem Cover nicht "Kate Bush", sondern "The K Fellowship". Im Verkauf hält sich natürlich niemand an diese kontraproduktive Namensempfehlung.

Für eine künstlerische Absicht spricht die Mühe, welche in die Übertragung in ein reines Hörelebnis investiert worden ist.

"Before The Dawn" besteht aus drei Akten. Der erste davon enthält Hits wie "Running Up That Hill", "Hounds Of Love", "Top Of The City" und liegt sicherlich am nähesten an dem, was passiert wäre, wenn man einfach ein ganz normales Konzert produziert hätte.
In Akt II hingegen wird geschauspielert und es gibt ein paar komplett gesprochene Passagen. Insbesondere mit Hinblick auf diesen Teil wurde das Theaterkonzert im Sinne der Verständlichkeit in ein Hörspiel verwandelt. D.h. es gibt zwar keine Änderungen an den originalen Musik- und Gesangsaufnahmen, doch die Publikumsreaktion wurde bis auf wenige Stellen herausgemischt. Dadurch fühlt sich die sehr dynamische Aufnahme auch in ihren stilleren Momenten intimer an.

Es gibt allerdings zwei Abweichungen von der reinen Liveaufnahme: So wurde "Never Be Mine" bei den Proben aufgenommen, dann allerdings aus Zeitgründen aus dem Programm geworfen und hier nun wieder eingesetzt, was ohne Applaus zwischen den Stücken auch absolut unauffällig gelingt.
Dies gilt ebenso für das Stück, "And Dream Of Sheep", welches nicht auf der Bühne dargeboten, wohl aber als vorher mit Livegesang aufgenommene Projektion Teil der Show war.




Der dritte Akt behält zwar noch die erzählerischen Elemente und Gastgesänge ("Tawny Moon" wird komplett von Bushs Sohn Albert MacIntosh gesungen), konzertriert sich aber wieder etwas mehr auf den musikalischen Kern und enthält mit Songs wie dem "Prologue", "Sunset", "Nocturn" und "Aerial" auch die epischsten Einzelkompositionen, ehe es mit "Cloudbusting" phänomenal abschließt.

Insgesamt erstreckt sich "Before The Dawn" so über beinahe dreißig Tracks, und es ist ohne jeden Abstrich eine wunderbare Reise durch die einzigartige Artrock/Celtic Pop/New Wave/usw.-Diskographie der Ausnahmekünstlerin. Das Verhältnis zwischen Klassikern und neueren Werken ist ausgewogen und es stört den Gesamteindruck nicht, dass natürlich ein paar Wunschtitel fehlen und sogar die beiden vielleicht offensichtlichsten Greatest Hits "Babooshka" und "Wuthering Heights" gar keine Berücksichtigung finden.

Der Klang ist tadellos, die Performance aller Beteiligten selbstredend Weltklasse und Kate Bush ist und bleibt nicht von diesem Planeten. Wer dies live erleben konnte, der darf wohl aus gutem Grund beneidet werden. "Before The Dawn" ist aber schon eine ganz stattliche Entschädigung.

Das einzige was mich hier stört, ist ein Klassiker aus der Reihe "Warum hat immer noch niemand die CD-Hülle erfunden?" und betrifft die Halterungen der drei Silberscheiben an dem ansonsten sehr ansprechendem Digipack. Bei zwei davon habe ich nämlich bei jeder Herausnahme Angst, entweder den Kunststoffknubbel oder die CD selbst zu zerstören. Das ist unnötiger Nervenkitzel.

Ansonsten gilt: rundum traumhaft!


Highlights: Hello Earth, Aerial, Waking The Witch, Top Of The City, Running Up That Hill (A Deal With God), Cloudbusting

2016-12-17

WIFE - Standard Nature

Ok, dann mal im Anschluss zum geilen Konzert gestern, den ersten der dort abgeernteten Tonträger schnellrezensiert!




WIFE - Standard Nature (12" EP/ transparent green) (2016)

Das Elektro-Soloprojekt des Iren James Kelly beglückt den Freund experimentell brummzirpbleepwaberblubberpeitschender Töne hier mit einem kurzweiligen Trip durch achtzehn Minuten mal fließender, mal elegant stolpernder Geräuschsuppe.

Das Ganze entspricht wahrscheinlich großen Teilen seiner Supportshow für Oathbreaker gestern und hat - wer das Livereview kennt, wurde schon gespoilert - sowohl von seiner Klangpalette (minus orchestrale Sounds), als auch dem durch Fragmente wandernden Charakter etwas von Laibachs contrapunktischer Bach-Interpretation "Kunst der Fuge", ist allerdings trotz rhythmischer Sperrigkeiten und wegen der geringeren Laufzeit weitaus weniger verkopft und anstrengend.

Die fünf manchmal noch mit verfremdet distanziertem, shoegazigen Gesang versehenen Stücke gehen allesamt recht fließend ineinander über, so dass man eher den Eindruck eines einzigen Longtracks bekommt. Zumindest in der beiliegenden Downloadversion, denn die gründurchsichtige 45rpm-Scheibe muss man natürlich zwischendurch wenden.

Wie in dem Genre zu erwarten, funktioniert "Standard Nature" (jazzophile Anspielung auf Wynton Marsalis' "Standard Time"-Alben?) dafür auf Schallplatte besonders gut.

Und so sieht das gute Stück aus:


Nicer Shyce!

Highlights: Standard Nature, Loveblock