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2017-11-11

PAPIR, THE SONIC DAWN und HYPERTONUS im Hafenklang, Hamburg (09. November 2017)

The Sonic Dawn



Papir, unbestritten Mitglieder des aktuellen dänischen Psych-Hochadels hatte ich bisher "nur" gemeinsam mit Electric Moon als The Papermoon Sessions live gesehen. Und spätestens seit Veröffentlichung ihres fantastischen "Live At Roadburn"-Albums steht ein Konzert von ihnen auf meiner Wunschliste.

Donnerstag kamen sie endlich mit Support im Goldenen Salon des Hafenklang vorbei. Zunächst nur mit einem Support-Act angekündigt, war es nun ein facettenreiches Dreier-Paket, das uns erwartete.


Hypertonus

Den Anfang machten die Bremer Hypertonus und es war nach Sekunden klar, dass dieses Instrumentaltrio unterhaltsam sein würde, als zunächst ein Dub, wie ihn King Crimson oder Blind Idiot God spielen würden, das Set eröffnete, um bald darauf in funkige Licks umzuschlagen. Und von da an war eigentlich alles möglich.

Überhaupt sind bei diesem agilen, kreativen, trippigen Progrock mit einem das ganze Set über zwischen Funk, Jazz und Post Rock tanzenden Gitarrensound King Crimson als Referenz für mich nicht zu vermeiden. Der Auftritt von Hypertonus war zwar nicht besonders lang (glaube ich zumindest, ich habe den ganzen Abend nicht auf die Uhr geschaut), dafür aber auch super kurzweilig. Eigenwilliger Sound, tolle Band.


Papir

Vollkommen aus dem normalen Zeitgefühl riss mich dann aber der Headliner.

Da sie sich Drums und Equipment großenteils mit Hypertonus teilten, während The Sonic Dawn ihr ganz spezielles Setup benötigten, waren sie schon jetzt in der Mitte dran.

Papir sind Hendrix plus Hills plus Duracell. Mit einem sich perfekt gegenseitig ergänzenden Zusammenspiel, getrieben von einer nimmermüden, actiongeladenen Rhythmussektion, spielte sich das Trio in jedem seiner Stücke in einen Rausch.  Egal ob alle exzessiv durchdrehen oder die Gitarre Dich mit geschlossenen Augen schweben lässt; wie diese Musik sich ohne Unterlass immer weiter selbst nach vorne treibt, das ist wirklich Oberklasse.

Nur Ansagen können die Jungs nach wie vor gar nicht, haha. Fantastischer Auftritt - und ich habe wirklich null Ahnung, ob Papir nun eine Stunde oder neunzig Minuten gespielt haben.


The Sonic Dawn


Eine andere Art von Zeitkrümmung bot die zweite dänische Gruppe des Abends, die später aufs Billing gerutschten The Sonic Dawn. Die Band zeigt nicht nur im hippiehemdig-cordhosigen Erscheinungsbild eine vollkomme Retro-Konsequenz, sondern ebenso in der Wahl ihres Equipment, was nicht nur die üblichen Vintage-Verstärker, sondern auch die Wahl der Mikrofone für Leadgesang und Overhead-Abnahme des Schlagzeugs mit einschließt.
Dass die Drums wie früher klingen, wird aber vor allem auch durch das antike Kit erreicht. So eine spindeldürre Grundschul-Musikzimmer-Hardware hatte ich zuletzt bei DeWolff im Vorprogramm der Blues Pills gesehen.

Die Musik war dann die absolute Zeitreise in die Psychedelikrockwelt der späten Sechziger Jahre. Das wirkte manchmal vielleicht etwas naiv oder fast albern, aber es war perfekt dem Zeitgeist nachempfunden und sehr gutes Entertainment, auch wenn nach der längeren Umbaupause und zu fortgeschrittener Stunde innerhalb der Woche nicht mehr so viele Zuschauer den Salon bevölkerten.
Neben den bluesigeren (und eine etwas spätere musikhistorische Phase emulierenden) DeWolff musste ich hier auch das ein oder andere Mal an (die kalifornischen) Monarch denken.

Vor allem - und das gilt auch für beide Band davor - war der Sound einfach klasse. Bei The Sonic Dawn im Speziellen beeindruckte aber noch der Trick, dass der Gitarrist seine Signal mit leichter (regulierbarer) Verzögerung auch über die Bassanlage schickte, so dass sein Instrument einem ständig in Stereo um die Ohren flatterte. Sehr trippy!



Auch wenn Papir ganz klar das Highlight und der Grund für mein Erscheinen waren, gefielen mir doch alle Bands des Abends. Eine rundum gelungene Zusammenstellung zum schmalen Punkerpreis. Da zahlt man aus Fußfaulheit auch gerne ausnahmsweise mal die Gebühr fürs nahe Luxusparkhaus mit angeschlossenem Hummerrestaurant. 

Warum hatte das eigentlich um ein Uhr nachts nicht mehr geöffnet? Ich hätte so gerne noch vollasig einen Hummer-to-Go hinterm während der Fahrt hinterm Lenkrad verputzt. Aber irgendwas muss einem dann ja doch immer noch den Tag verderben.




Hypertonus:

















Papir:























The Sonic Dawn:


























2017-11-06

#LBS 44|52 - november


Due to our concert and its influence on the following Sunday, I'm only uploading this now on Monday. Took the Lensbaby picture on Saturday morning though.



2017-11-04

BOTANIST - Collective: The Shape Of He To Come

Die Studiowerke des kalifornischen Blackmetal-auf-Hackbrettern-Projekts Botanist sind für gewöhnlich Soloeinspielungen des eigentlich als Drummer gestarteten Multiinstrumentalisten Otrebor. Bei den zwei(!) neuen Alben ist dies jedoch anders, wie der Zusatz "Collective" verrät.

Das zweite neue Album "Collective: Setlist 2017" habe ich bereits neulich nach dem Konzert in Kiel besprochen. Es entstand in erster Linie, um einen für die Tour repräsentativen Tonträger dabei zu haben, denn vom eigentlichen neuen Album wurde live nicht ein Ton gespielt.

Und nein, zu schlecht ist es nicht, ganz im Gegenteil.




BOTANIST - Collective: The Shape Of He To Come (hazy clear vinyl) (2017)

Die Grundidee dieses ersten "Collective"-Albums war es, die Mitglieder der Liveband an den Aufnahmen zu beteiligen, aber auch im kreativen kompositorischen Prozess einzubinden. Konkret bedeutete dies, dass tatsächlich alle Mitglieder, die von 2013 bis 2016 irgendwann dabei waren, hier etwas beigetragen haben, auch solche, die zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr dabei waren wie die ursprüngliche Bassistin Bezaelith.

Und dadurch dass sich die Zusammensetzung der Band inzwischen wieder geändert hat, waren Botanist schlicht nicht in der Lage, die Songs von "The Shape Of He To Come" für die Liveperformance zu lernen. Das klingt zunächst nach doofer Ausrede, ist aber tatsächlich verständlich, wenn man bedenkt, dass Otrebor inzwischen von seiner gewohnten Bühnenrolle am Mikrofon und Harmonium and den gehämmerten Dulcimer gewechselt ist und keinen der Dulcimerparts auf diesem Album selbst erdacht und eingespielt hat.

Die Band hat diesen Umstand überlebt, doch schade ist es durchaus, da es sich hier um ein sehr abwechslungsreiches und oft von der gewohnten Botanist-Formel abweichendes Werk handelt.

Am offensichtlichsten und prägendsten dafür verantwortlich ist Bezaelith. Da der Bass schon eingespielt war, bedient sie hier nämlich nicht den Viersaiter, sondern singt.
Und da an ihrer oft choralen, mystischen Stimme kaum vorbeizuhören ist, klingt "The Shape Of He To Come" insgesamt wie eine 50:50-Mischung aus gewohnten Botanist (wie auf "VI: Flora") und "Gramarye" von ihrer ähnlich nerdigen (und nebenbei wie auf dem Prophecy Fest live erlebt ziemlich epochalen) Band Lotus Thief.


Dazu versucht sich auch Otrebor erstmals am Klargesang, und die von den Instrumentalisten hineingeflossenen neuen Einflüsse heben das Album ebenso vom Rest der Diskographie ab.
Alles in allem also eine größere, bombastischere, abwechslungsreichere Version von Botanist, die enorm viel Freude bereitet.

Dies gilt auch für die Verpackung, ist die transparente LP doch in ein sehr ansehnliches Cover verpackt, auf dem die pflanzlichen und tierischen Komponenten der Erlöser(und Zerstörer)gestalt, von der das Album erzählt, sich erst in verschiedenen Schichten zum kompletten Bild zusammenfügen.



Die Songreihenfolge unterscheidet sich in der digitalen und vinylen Version leicht, weil die zunächst ruhige Eröffnung "Praise Azalea, The Adversary" auf die B-Seite der Schallplatte verschoben wurde. So fängt diese Version also gleich mit der vollen Dulcimer-Geboller-Packung an. Funktionieren tut das beides gut.

Vielleicht das beste - auf jeden Fall ein sehr gutes - Album einer Post Black Metal-Band, die klingt wie keine andere Gruppe auf dem Planeten. Uneingeschränkt empfehlenswert.


Highlights: The Shape Of He To Come, Upon Veltheim's Throne Shall I Wait, The Recociliation Of Nature And Man


2017-11-03

FATHER SKY MOTHER EARTH - Across The River Of Time

Nicht dass ich nicht ohnehin genügend Alben auf meiner Review-To-Do-Liste hätte, aber ein spontan eingeschobener Bandcamp-Download (in diesem Fall aber auch als Kassette zu haben) muss immer drin sein.


FATHER SKY MOTHER EARTH - Across The River Of Time (download) (2017)

Father Sky Mother Earth sind ein Drone-Metal-Duo aus Hamburg, welches auf seinem zweiten Album mit zwei über achtzehnminütigen Longtracks am Start ist.

Nicht nur dieses Songformat, sondern auch der Sound der Band erinnert sehr an Bong, dies gilt neben dem minimal melodisch variierenden, hypnotischen Grundgedröhne von Bass und Gitarre vor allem für das gerade für das Genre untypisch actionreiche Schlagzeug.

Obwohl es teilweise ziemlich wild abgeht - und auch ohne betont indische Sound von Sitar oder verwandten Instrumenten, hat die Musik von Father Sky Mother Earth stets eine stark meditative Note. Das mag auch an der Produktion liegen, die alles in für fast jede andere Stilrichtung vollkommen übertriebenem Maße in Raumhall ertränkt. Die vermeintliche Höhle, in der die Drums poltern, kommt schon fast dem Industrietunnel nahe, in dem die Dead Neandethals ihre "The Depths"-Improvisationen gespielt haben.

Wie gesagt, wenn man einige Alben von Bong kennt, klingt die Gruppe hier schon sehr vertraut. Aber eben auch ziemlich großartig.

Ommmmmmmmmm...



Highlights: The Return Of Alhazred, Across The River Of Time