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2015-04-03

MORGOTH - Ungod

Morgoth, in den frühen Neunzigern die deutsche Death Metal-Band von Weltformat, ist zurück!

Ok, das ist jetzt nicht ganz neu, da die Jungs ja schon seit ein paar Jahren wieder live unterwegs sind. Doch nun gibt es auch endlich wieder ein neues Studioalbum.



MORGOTH - Ungod (Vinyl) (2015)

Reden wir gar nicht erst um den heißen Brei herum! "Ungod" ist exakt das, was die allermeisten Fans erhofft und erwartet haben dürften: wohlfühlige Oldie-Komfortzonenmusik für alle, die musikalisch mit Death Metal rund um 1990 - und speziell natürlich mit Morgoth - musikalisch sozialisiert wurden.

"Cursed" und "Odium" waren damals eine Macht und haben sich auch bis heute gut gehalten.
"Ungod" schließt nun genau an diese beiden Klassiker an, bzw. könnte stilistisch im Grunde dazwischen liegen, auch wenn es technisch beiden überlegen ist. Aber keine Sorge: Die Kernkompetenz der Gitarristen beschränkt sich nach wie vor auf eingängige, maßgeblich von den frühen Death inspirierte Riffs und Leads ohne prog-tastische Schnörkel.

Das thrashige Geknüppel, die Grooves, die Schreibmaschinenbassdrums, die energisch düstere Stimmung - alles wie früher. Der Sänger ist zwar neu, hat aber einen Grunzstil der kaum noch näher an Marc Grewe sein könnte. Der Titelsong ist ein Instrumental, also wie auf den Referenzalben. Der Rausschmeißer "The Dark Sleep" ist ebenfalls ein Instrumental, also wie auf den Referenzalben.

Ja sogar an ein paar Textzeilen in leicht klopsigem Englisch (besonders in "Descent Into Hell") wurde gedacht. Ich will den ganz komischen Klops gar nicht zitieren, aber kennt ihr als international gefeierte Kultband da denn niemanden, der das mal lektorieren kann?

Insgesamt sind die Lyrics allerdings schon ok. Düsterer Wortbaukasten, effektiv und mit einprägsamen Schlüsselversen - passt alles zusammen. Schön auch die augenzwinkernd programmatische Ansage am Ende des kurzen Openers "House Of Blood": "Close your eyes and you will know / This is the ultimate death metal show".

 Ja, "Ungod" ist tatsächlich 100% lupenreiner Old-School-Death Metal. Keine Experimente wie auf dem vielverrissenen, aber auch sträflich unterbewerteten "Feel Sorry For The Fanatic" von 1996, nicht einmal die vergleichsweise kleinen Schlenker von "Odium".

Die musikalische Abenteuerlustigkeit des neuen Werkes liegt demnach klar bei plusminus Null. Dem Gegenüber ist die Qualität des Gebotenen jedoch exzellent. "Ungod" ist einfach ein schweinegeiles Album.

Und für ein Comeback-Werk nach langer Pause halte ich es auch für legitim, sich an seiner besten bzw. beliebtesten Phase zu orientieren (siehe auch Godflesh oder Dead Can Dance) - unter der einen entscheidenden Bedingung allerdings, dass man nicht nur einen müden Aufguss des Vergangenen abliefert, sondern auch klar erkennen lässt, dass man auf wirklich Bock auf den Scheiß hat.
Auf dem nächsten Album allerdings dürften Harry Busse und Co. demnach von mir aus aber auch gerne wieder riskieren, möglichwerweise den einen oder anderen engstirnigen Fan vor den Kopf zu stoßen.

Denn dass ihr geile Hach-damals-Kopfschüttelmucke von früher immer noch perfekt drauf habt, das wissen wir ja nun.

Was kann man noch sagen?

positiv: Das Cover ist sehr böseschön und kommt dem matten rauhen Karton der LP-Hülle besonders zur Geltung..

negativ: Leider ist Century Media noch nicht auf den Dreh gekommen, dass sich bei Vinyl-Alben zumindest ein Coupon für die digitale Version echt gut macht und eigentlich mittlerweile Standard sein sollte. Da fragt man sich im Nachhinein dann doch, warum man sich das Ding nicht lieber inklusive AutoRip beim kleinen Plattendealer um die Ecke amazon bestellt hat.


Anspieltipps: Ungod, Snakestate, The Dark Sleep, Voice Of Slumber, God Is Evil

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