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2020-07-08

ESOCTRILIHUM - The Telluric Ashes of the Ö Vrth Immemorial Gods

Zwei einander diametral gegenüberstehende Fragestellungen bestimmen die Auseinandersetzung mit diesem letztes Jahr erschienenen Werk, welches ich mir neulich als Beifang zu Neptunian Maximalisms gigantomanischem "Éons" mitbestellt habe:

1. Kann ein Album, welches eine Illustration namens "Humbaba der Schreckliche" als Coverartwork benutzt, überhaupt etwas falsch machen?

2. Sollte es soziale Dienste geben, die ab und zu bei vereinsamten Multiinstrumentalisten im Heimstudio vorbeischauen und nach dem Rechten sehen, damit jene Eremiten nicht in einen vollkommen psychotischen Aufnahmewahn verfallen? 


ESOCTRILIHUM - The Telluric Ashes of the Ö Vrth Immemorial Gods
(CD) (2019)


Eines scheint mir sicher zu sein: Hätte der nette, von seinen Eltern mit dem Namen Asthâghul beschenkte Herr, welcher sich hinter Esoctrilihm verbirgt, ein Korrektiv/Kollektiv  aus weiteren Musikern um sich, dann hätte es hier wohl oft nee Alter, das ist zu viel geheißen.

Denn an diesem Blackened Death-Ungetüm ist wirklich alles zu viel:

Zu viele Gitarren. Zu viele Keyboards und Geräusche. Und nochmal Gitarre drüber. Zu viel Hall auf dem Gegrunze und Gekrächze. Viel zu viel Chaos, viel zu viel Reizüberflutung. Viel zu lange Tracks und ein viel zu langer Albumtitel. Ein viel zu schwer von der Zunge gehender Bandname und selbstredend das dazu standesgemäß viel zu unleserliche Logo. Viel zu viel Gelaber (englisch oder französisch) zu den Songs, statt Lyrics im für eine CD viel zu hohen Booklet, und das obwohl man noch nicht einmal versteht, in welcher Sprache die viel zu unverständlichen Texte dargeröchelt werden.

Oder um es auf den Punkt zu bringen: Brutalinski der Verklopper, was für bösartiges Brett!

Esoctrilihums Advantgarde-Extremmetal mit lovecraft-beeinflusstem kosmischem Horrorkonzept ist ein durchgehend geradzu bizarr überladener Dauerangriff auf die Sinne. "The Telluric Ashes of the Ö Verth Immemorial Gods" wirkt wie eine im Fieberwahn entstandene Überzeichnung eines Sulphur Aeon-Albums.

Dies bedeutet auch, dass das spielerische Niveau sich hier in ähnlichen Sphären abspielt. Aber es ist halt alles so viel zu viel - und das macht es so irre gut. Im Grunde das ganz klassische, die Metalszene musikhistorisch immer wieder herausfordernde und in neue Richtungen pushende Höherschnellerhärter in Reinkultur.

Die Songtitel der Stücke 8 und 9 - "Black Hole Entrance" und "Black Hole Exit" beschreiben, nachdem in "Aborted Sun" schon die Sonne ausgeknipst wurde, eigentlich ganz bildlich, in welcher Intensität sich dieses Biest abspielt, ehe man nach ca. fünfundsiebzig Minuten Hochgeschwindigkeitszermalmung in die "Torment Of Death" entlassen wird.

Etwas Feines für die auf Krawall gebürsteten Stunden, in denen einem Oranssi Pazuzu oder Imperial Triumphant noch eine Spur zu aufgeräumtes easy listening sind. Brilliant - nicht nur kompositorisch und spielerisch, sondern auch in seiner teilweise verdammt waghalsigen, aber umso wirksameren Produktion.

Um also die Eingangsfragen zu beantworten:

1. Nein, mit "Humbaba" gelingt alles.

2. Vielleicht sollte es diese Betreuung geben, aber wenn, dann vielleicht nicht in Asthâghuls Heimatland Frankreich. Manchmal ist Psychose nämlich künstlerisch wertvoll und wichtig.




Und ja, ihr Schlaumetaller, ich weiß, dass dies jetzt schon gar nicht mehr die neueste Veröffentlichung von Esoctrilihum ist, und dass das aktuelle Werk angeblich sogar noch eine Schippe obendrauf legen soll. Ist da noch viel Luft?

Ich werde ganz gewiss reinhören, sobald ich mich von dieser famosen Folter einigermaßen erholt habe.




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