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2020-07-10

GÖDEN - Beyond Darkness

In meiner Rezension der Vinyl-Wiederveröffentlichung des 1990er Doom/Death-Klassikers "Into Darkness" von Winter drohte ich ja bereits an, hier auch die Nachfolgeband zu besprechen.

Während der kurzen Reunionsphase in den Jahren 2011 und 2012 machten die berühmten zwischenmenschlichen Probleme eine dauerhafte Wiederbelebung der originalen Band unmöglich, so dass Gitarrist Stephen Flam und Keyboarder Tony Pinnisi Göden gründeten.

Die Benennung nach einem Winter-Song, sowie der auf "Into Darkness" Bezug nehmende Albumtitel deuten es schon dezent an, doch neben weiteren offensichtlichen Bezügen, auf die ich später eingehen werde, lassen vor allem die (in der CD-Version sogar im Booklet und auf der Jewel-Tray-Innenseite doppelt gemoppelten) Liner Notes keinen Zweifel daran, dass es  sich bei Göden um eine direkte spirituelle Fortsetzung und Weiterentwicklung von Winter handeln soll.
Naja, so "direkt", wie es mit dreißig Jahren Abstand zwischen zwei Alben wohl möglich ist.

Göden verhält sich zu Winter also ähnlich wie Triptykon zu Celtic Frost.

Und auch als Maßstab für die Ermittlung des kreativen Erfolgs von "Beyond Darkness" erscheint es mir realistisch, die zugegebenerweise gemein hohe Frost-Messlatte anzulegen, nämlich in Form des überragenden Reunionswerks (und letzten gemeinsamen Albums von Tom Warrior und Martin Eric Ain) "Monotheist".
Als zweite Referenz möchte ich die sowohl in ihrer enormen Kultigkeit als auch der ähnlich langen Schaffenspause naheliegenden Cirith Ungol mit ihrer phänomenalen, authentischen Wiederkehr "Forever Black" anführen.

Mit diesen beiden Marken mitzuhalten ist natürlich nahezu unmöglich und wäre aus Gödens Perspektive zweifellos das absolute Traumszenario.

Und tatsächlich machen Göden auf dem Weg zu diesem Idealfall einiges richtig. Allerdings nicht alles...



GÖDEN - Beyond Darkness (CD) (2020)


Der neunminütige instrumentale Opener "Glowing Red Sun" fungiert vor allem als eindeutiges Wiedererkennungssignal, indem es nahezu perfekt den gewohnten schleppenden Doomdeath-Winterzauber beschwört.
(Als Ergänzung gibt es allerdings noch schwermütige My Dying Bride-Streicher obendrauf.)

Dass Flam und Pinnisi, die beide nun ein erweitertes Aufgabenfeld haben, während sie von unterschiedlichen Drummern und Gastgitarristen unterstützt werden, den Grundsound noch beherrschen, ist also klar.
Ebenso merkt man am fetteren, aber immer noch räudigen Sound, dass der Band bewusst ist, dass es ein Sakrileg darstellen würde, die sehr... ich sag mal eigene Produktion von "Into Darkness" kopieren zu wollen. Das wäre nach dreißig Jahren Weiterentwicklung der Studiotechnik auch ein peinlicher Ansatz gewesen.

Sängerin* Vas Kallas hat ein solides Todesorgan, welches zwar weniger tief und markant als das von Winter-Bassist John Alman vor drei Jahrzehnten ist, allerdings auch keinen Anlass zum Meckern gibt.
So ein bisschen erinnert sie mich an Martin Ain auf - da ist es wieder! - "Monotheist".
[*EDIT: Ja, das Geschlecht hatte ich hier zuerst verkehrt. Das kommt von Bandfotos im diffusen Halbdunkel.]
Überhaupt scheint es, dass dort wo Winter wie eine heruntergebremste Version der alten Celtic Frost klangen, Göden sich auf "Beyond Darkness" sehr stark vom letzten Frost-Album beeinflusst zeigen.
Mit ca. fünfundsiebzig Minuten Spielzeit und neunzehn Tracks scheint das Album auf jeden Fall ebenso ambitioniert.

Und es würde auch erklären, woher Göden nicht nur ihr düster theatralisches Element, sondern vor allem ganz spezifisch die Idee genommen haben, als amerikanische Band einige Songpassagen auf deutsch (vgl. "Monotheist"s "Synagoga Satanae)" zu singen.

Zum Glück befindet sich im Booklet an jenen Stellen auch eine englische Übersetzung, so dass man als deutscher Muttersprachler in der Lage ist, nachzuvollziehen, was jenes putzige Kauderwelsch zu sagen versucht. So wird in "Komm Susser Tod" die Zeile "Come final solace, In your embrace I know all men must die" übersetzt zu: "Komm endgultig Trost, In Dein Umfassen ich wissen alles Menschen mussen sterben". Dass eine Band mit (stummem) Metal-Ümlaut im Namen die echten Umlaute derart konsequent ignoriert, ist schon bemerkenswert.

Nun finde ich als Laibach-Jünger etwas schief verfremdetes Deutsch ja durchaus sympathisch, aber ob es in diesem Fall Absicht war, um eine bewusst imperfekte Note zu erzeugen, oder ob man einfach nicht auf die Idee gekommen ist, mal vorsichtig auf facebook in die Runde zu fragen, ob vielleicht eine deutscher Fan in der anwesend ist, der Lust hat, mal ein paar Zeilen zu checken, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.

Der Rausschmeißer "Winter" enthält übrigens die komplette fantasiedeutsche Transferierung des Winter-Klassikers "Eternal Frost". Who knew that us Germans write Vinter with a V? Man lernt nie aus.

Letztendlich ist das aber ein skuriller Nebenschauplatz, der sich auf die Qualität des Albums nicht groß auswirkt.

Diese leidet eher darunter, dass Göden bei aller mit Frost wetteifernden Ambitionen hier einfach nicht den Abwechslungreichtum der Schweizer auf die große Länge von "Beyond Darkness" bringen können.
Die guten Ideen sind zweiflsohne da, doch es wäre schlauer gewesen, sie in weniger Stücken zu konzentrieren.

"Into Darkness" hatte damals eigentlich genau die richtige Spielzeit, bei der man am Ende immer noch ein bisschen mehr wollte, während "Beyond Darkness" doch auf Dauer in der Gesamtheit etwas zu gleichförmig erscheint. Und dass ein Stück wie "Ego Eime Gy" in Manier von Karyn Crisis' Gospel Of the Witches wieder und wieder eine Beschwörungsformel durchnudelt, ist da nicht hilfreich.

Dabei ist hier kein Song für sich schlecht, wo immer man kurz reinhört, kann man sagen wow, das ist ja wie "Monotheist"! Himmel Hölle, das Schlagzeug könnte oftmals direkt aus Triptykons überlebensgroßem "Requiem" übernommen sein!

Doch es sind schlicht ein paar Songs zu viel.

Noch problematischer sind die Zwischenspiele oder auch "Manifestations" (noch ein Rückgriff, diesmal auf das letzte Stück der "Eternal Frost"-EP), in denen die Schöpfergestalt Göden sich enttäuscht von ihrer Schöpfung zeigt und die Dämmerung eines neuen Zeitalters ankündigt.

Drei oder vier dieser mich tatsächlich am ehesten an Arjen Lucassens Progmetal-Rockopernprojekt Ayreon erinnernden Episoden hätten als Maximum locker ausgereicht, aber gleich acht dieser im Vortrag identischen Dinger sind schon etwas ermüdend.


Trotz alledem sind Göden für mich eine glaubhafte und würdige Winter-Nachfolgeband, die hoffentlich zukünftig ihr volles Potential umzusetzen weiß.

"Beyond Darkness" hätte dies bereits sein können, ist es wie gesagt ja durchaus voller gutem Zeug. Es will jedoch ein bisschen zu viel.

Ein paar Songs und Zwischenspiele weniger, evtl. auch eine Fremdsprache weniger, dafür ein knackiges, die Hörergunst nicht überstrapazierendes Album, welches einen noch ein bisschen hungrig nach mehr hinterlässt - so wie bei Cirith Ungol eben - und Göden hätten hiermit einen absoluten Hauptgewinn abgeschossen.






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