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2026-06-28

Is It Karisma? • AGUSA - Panacea • RED KITE - This Too Shall Pass


Bei der Labelfamilie Dark Essence Records Karisma Records / Is It Jazz? Records war neulich mal wieder Summer Sale und ich habe einige günstige Compact Discs abgegriffen. Solstein, Dwaal und Erland Dahlen waren dabei, aber auch zwei frische Alben von diesem Jahr.







AGUSA - Panacea (CD) (2026)

Meine herzallerliebsten Retropsychedelikproginstrumentalisten aus Schweden sind jetzt bei Karisma Records zu Hause und haben dort bisher ein Remaster ihres Debüts "Högtid", sowie nun dieses neue Livealbum rausgebracht.

Normalerweise genieße ich das epische, jazzrockig, folkloristisch eingefärbte Kraut von Agusa ja vorzugsweise auf Vinyl, doch ich bin eigentlich ganz froh, dass ich hier zum zweiten Mal eine Ausanhme gemacht habe, denn die Gestaltung des Booklets, durch das man einfach gerne durchblättert, erinnert mich daran, dass man mit etwas Liebe so eine CD auch sehr attraktiv geraten kann.

Musikalisch gibt es wie es wie immer maximale Wohlfühlekstase bei minimaler Tracklist. Diese im September 2024 aufgezeichnete Show bestand nur aus drei Stücken, zwei davon vom letzten regulären ("Noir" war ja ein Soundtrack) Album "Prima Materia". Beide Songs sind für die Verhältnisse des Quintetts erstaunlich nah an der Spielzeit der Studioversion, wahrscheinlich weil das Album damals noch ziemlich frisch war. Der von beiden eingerahmte Brocken "Den Förtrollade Skogen" vom selbstbetitelten 2017er-Album, der sich auf dem Livaalbum "Ekstasis" bereits von achteinhalb auf  elf Minuten verlängert hatte, strahlt dafür nun in orgelröhrender, trommelwirbelnder, gitarrenhexender, flötenzaubernder Pracht von beinahe einundzwanzig Minuten!

Im Grunde bleibt alles wie immer: Agusa lösen bei mir einfach unmittelbar Glückshormonone aus. Und diese Songauswahl könnte kaum besser sein. Und von Minute 7:19 bis 7:57 von "Ur Askan" zeigt sich eindrucksvoll, welchen Luxus sich die Band damit erlaubt, Frontfrau Jenny Puertas "nur" Querflöte spielen zu lassen. Denn was für ein magischer Moment ist diese einmalige Gesangseinlage? Verdammt, als ich die Band vor Ewigkeiten live kennenlernte, war die Dame ja mutterschaftsbedingt nicht einmal dabei... Hoffentlich kommt in absehbarer Zeit endlich mal wieder eine Gelegenheit, diese fantastische Gruppe wieder zu erleben! "Panacea" macht auf jeden Fall sehr viel Bock darauf.








RED KITE - This Too Shall Pass (CD) (2026)

Von Karisma zu Is It Jazz? und von Schweden hinüber nach Norwegen und was auch immer dort im Wasser ist! Wenn es darum geht, Heavy Rock und Jazz auf natürlichste Weise scheinbar mühelos in grandioser Meisterschaft zu verbinden, scheint das Land zwischen Berg und Fjord ja einen unerschöpflichen Quell zu besitzen. Und Red Kites neues Album "This Too Shall Pass" ist nicht einmal ein ständig verspielter Instrumentalrausch, sondern entstand unter dem Eindruck vieler bedrückender Ereignisse einschließlich des Abgangs eines Bandmitgliedes aus gesundheitlichen Gründen, und zeigt dies auch musikalisch.

Vieles von dem, was das Quartett aus Even Hermansen (Gitarre), Trond Frønes (Bass), Gisle Johansen (Saxophon) und Torstein Lofthus (Schlagzeug, spielte auch auf Hedvig Mollestads "Maternity Beat"), sowie ihr illustrer Gastkeyboarder und u.a. regelmäßger Motorpsycho-Kollaborateur Ståle Storløkken auf den acht Tracks dieses Albums präsentieren, geht sehr tief. Ausdrucksstarke emotionale Substanz trifft auf aufregend dynamische, kreativ explodierende Virtuosität.

Habe ich in diesem Genre für dieses Jahr etwa schon wieder einen neuen Liebling? Die Auswahl ist echt hart. Dass mich nicht nur die Gitarre/Saxophon-Läufe hier häufig an Seven Impale erinnern, ist sicherlich nichts schlechtes. Red Kite kommen noch mehr aus der freien - eben jazzigen - und noch psychedelischeren Ecke. Vom Opener "Not To Be" bis zum versteckten Bonustrack hinter "All's Well That Ends" überzeugt mich jede einzelne der fünfzig Minuten dieses Albums. Besser geht's kaum.






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