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2025-07-22

KAMASI WASHINGTON und NOVINE live in der Fabrik, Hamburg (21. Juli 2025)


Beinahe zehn Jahre nach seiner spektakulären Gruenspan-Show während seiner ersten Deutschlandtour und neun Jahre nach der nicht minder ekstatischen Wiederholung kehrte Saxophonprophet Kamasi Washington nun endlich endlich nach Hamburg zurück!

Und war es wieder ein super Konzert? Ja, aber...


Doch zunächst einmal gab es gestern tatsächlich einen Supportact:


NOVINE

Wer gerne unverschämt schönen Menschen mit samtweichen Stimmen zuhört, der war bei der nur von einem Gitarristen begleiteten Neosoulsängerin Novinedie neben ihren eigenen R'n'B-Stücken auch noch ein Prince-Cover zum Besten gab, exzellent aufgehoben.

Ich musste stimmlich of an Janelle Monáe denken - und es gibt ja wirklich schlimmeres als das. Eine wunderbare, sehr entspannte Einstimmung auf den Rest des Abends.








KAMASI WASHINGTON

Entspannt war auch der Umbau, war ja eigentlich schon fast alles auf seinem Platz. So musste der Roadie nur einmal für elle Instrumente und Mikros einen Linecheck machen, Setlisten und Handtücher verteilen. Das dauerte bei acht Personen auf der beinahe komplett zugestellten Bühne der Fabrik aber auch schon lange genug.

Nein, viel mehr Musiker hätten wohl nicht mehr Platz gefunden; dabei ist Kamasi ja durchaus schon mit deutlich größerem Besteck unterwegs gewesen. Auch wenn die Next Step-Gesichter bis auf einen neuen DJ/Perkussionisten vertraut waren, hat sich die Konstellation doch etwas geändert. So wurde die Bläsersektion aus Washington (Tenorsaxophon und nun auch häufig Keyboard), seinem Vater Rickey (Sopransaxophon, Querflöte) und Dontae Winslow (Trompete) nicht von Posaunist Ryan Porter unterstützt. Noch auffälliger war das Fehlen des früheren Markenzeichens. mit zwei kompletten Drumkits anzutreten.

Tony Austin trommelte zwar immer noch ungezügelt vielarmig wie fünf Schlagzeuger auf einmal, aber das war auch ein bisschen Teil des Problems, dass die Show trotz aller Klasse einfach nicht so sehr zünden mochte wie 2015 und 2016. Wenn man sich schon weiter vom Spiritual Jazz-Maximalismus entfernt hat und auf den Sturm und Drang des Doppeltrommeldauerfeuers verzichtet, dann hätte man vielleicht auch konsquenter sein können und insgesamt noch mehr rhythmisch zurückgenommene, feinfühligere Momente einbringen können.

Natürlich kann ich diese Show nicht wirklich verreißen. Der größte Teil der Performances war natürlich großartig, kein Solo enttäuschte, auch wenn vielleicht das erste Brandon Coleman-Piano-Feature und die DJ-Sample-Passagen, in denen mit Rap und Hooks gespielt wurde, ein paar Längen entwickelten. Doch vor allem Miles Mosley am Kontrabass (wie immer ein Highlight der Show) und selbstverständlich Kamasi selbst bügelten dies locker wieder aus. Darüber hinaus trat der Bandleader wieder sehr sympathisch und als humorvoller Geschichtenerzähler auf.

Irgendwie funktionierte die ganze Geschichte aber trotzdem lange nicht so grandios wie damals im Gruenspan, und ich denke das hat auch mit der Location zu tun. Ich stand vorne in der Mitte und konnte aufgrund der dicken Säulen auf der Bühne schon einige Akteure kaum sehen - die Anwesenheit von Sängerin Patrice Quinn, die ohnehin nur relativ unauffällig in der Setlist des Abends vertreten war, konnte man so zwischenzeitlich schon beinahe vergessen.
Es gab sicherlich kaum jemanden im Publikum, der alle Musiker im Blick hatte. Ich würde nicht einmal darauf wetten, dass die Band selbst immer freien Sichtkontakt zueinander hatte. Auf jeden Fall kommt eine offenere Bühne mit größerem Kontakt aller Beteiligten im Raum zueinander der Show sicherlich zugute.

Was man vielleicht auch nicht ganz vergessen darf ist, dass das aktuelle Album "Fearless Movement", welches auch über die Hälfte der Setlist stellte, natürlich eine gewaltige Vorlage darstellt, die live einfach schwer zu toppen ist, selbst wenn man den Trick anwendet, alle Songs des Konzerts ohnehin konsequent deutlich anders zu arrangieren. Und klar, meine persönlichen Jazzansprüche mögen in den letzten zehn Jahren auch ein bisschen gestiegen sein.

Und trotz allem soll dies - ich wiederhole mich - ja kein Verriss sein. Kamasi Washington hat definitiv abgeliefert. Es fehlte eben nur das entscheidende magische Sahnehäubchen obendrauf, um den Abend wirklich besonders werden zu lassen. Doch das kann man wohl auch einfach nicht von jeder Band an jedem Tag verlangen.








2024-02-01

SPIDERGAWD und ÅRABROT live in der Fabrik Hamburg (31. Januar 2024)


Yay! Nach zwei Monaten Winterpause geht meine Konzertsaison jetzt wieder los. Und gerade in den nächsten zwei Wochen habe ich schon wieder viel mehr vor als ich eigentlich vorhatte vorzuhaben...

Gestern gab es - zum Glück ohne Behinderung durch ihren subventionierten Biodiesel für Straßenbeschädigungen verschwendende Energieunternehmer aka Landwirtschaftssimulatoren - den norwegischen Rock'n'Roll-Auftakt.





ÅRABROT

Wow, über neun Jahre ist es nun schon her, dass ich das letzte Mal eine Show in der Fabrik Hamburg besucht habe! Radikal geändert sich in dem Laden in der Zeit soweit ich beurteilen kann aber nichts. Was ich auch sehr lange nicht mehr erlebt habe, ist ein derart unvorteilhafter Sound der Vorband in der ersten Reihe. Irgendwie bekommen die meisten Locations das mittlerweile besser hin, oder? So waren Årabrot für mich doch sehr drumlastig und gesangsarm. Da half es auf jeden Fall, die Musik des Trios aus Kjetil Nernes (Gitarre/Gesang), Karin Park (Bass Moog u.a. Synthies/Gesang) und aktuell Mono/JeGong-Drummer Dahm Majuri Cipolla zu kennen.

Illuminiert durch ihr großes Glühbirnenkreuz, welches aufgrund der Deckenhöhe und der kirchenschiffähnlichen Form des Raumes sehr gut zur Geltung kam, wusste die Band mit dem unverkennbaren Hut aber ansonsten zu überzeugen. Es gab hauptsächlich Stücke vom aktuellen Album "Of Darkness And Light" zu hören, aber auch Highlights von "Norwegian Gothic",  "Who Do You Love" und das Nancy Sinatra-Cover "Lightning's Girl" von der "Heart"-EP.

Eine große Hitdichte, interessant reduzierte Arrangements und die Post Punk Noise Rock / Alternative Pop-Doppelgesangsspitze - eigentlich alles richtig gemacht.
Als Headliner können 
Årabrot ihre Stärken allerdings sicher besser ausspielen. So war dies bei aller berechtigten Liebe auch noch recht deutlich von der Magie des 2022er Roadburn-Aufritts entfernt. Trotzdem natürlich nach wie vor eine tolle Band!









SPIDERGAWD

Puh, ich bin ja eine ganz schöne Weile draußen gewesen was Spidergawd angeht. Im Februar 2016 hatte ich sie zuletzt gesehen und auch die Alben seitdem nur am Rande verfolgt. Das machte allerdings gar nichts, denn da sich nichts daran geändert hat, dass die Show der Gruppe ein Glückshormone ausschütternder Abriss ist, fühlte man sich unmittelbar wieder zu Hause.

Angetrieben vom vielarmigen Iron Maiden-auf-Speed-und-Jazz-Drumming von Ex-Motorpsycho-Trommler Kenneth Kapstad und mächtig angedickt durch das Alleinstellungsmerkmal des oft wie ein Nebelhorn dröhnenden Bariton-Saxophons fetzten die Trondheimer von einem Hard Rock-Knaller zum nächsten (Tendenz: je Heavy Metal desto hui!) und sorgten mit Leadgesangsrotation durch fast alle Mitglieder und geschickt gestreute instrumentale Spotlights dafür, dass nie Langeweile aufkommen konnte.

In jener Hinsicht haben Spidergawd inzwischen auch mehr Möglichkeiten, da die Gruppe sich zwischenzeitlich um einen zweiten Gitarristen zum Quintett vergrößert hat. Was sich sonst noch geändert hat ist dass das Riesendrumki nun nicht mehr ganz vorne am Bühnenrand steht. Außerdem gab es auch einen Besetzungswechsel an der Tröte, der allerdings keine Rolle mehr spielte, da die Band die Rückkehr von Originalsaxophonist Rolf Martin Snustad feierte. Diese verpasste ihnen offensichtlich einen mächtigen Motivationsarschtritt. Ich kenne den Vorher/Nachher-Vergleich zwar nicht, kann mir die Gruppe aber bei allen anderen Stärken echt schwer ohne seine Präsenz vorstellen.

Als i-Tüpfelchen auf einem astreinen Auftritt, der Per Borton dazu verleitete das wohlwollende hamburger Publikum zu Ehren-Skandinaviern zu erklären (hey, wir alle finden doch, dass nördlich von uns die cool kids von Europa leben!), kam für einen wirbelwindigen Song noch Karin Park zurück auf die Bühne, bevor zum Finale auch der Gitarrenroadie (glaube ich...?) mitmischen durfte.

Was für eine exzellente Party!