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2025-05-17

KARA DELIK - Kara Delik

And here's another overdue review! Ok, I must admit that after being occupied with covering Roadburn almost every post feels that way. The self-titled debut album of Kara Delik however seems to be among the especially urgent cases, since I've already enjoyed most (if not all?) of this short but sweet release live on the MS Stubnitz a little over a week ago.


KARA DELIK - Kara Delik (Green Marble vinyl LP) (2025)

Kara Delik is an international trio from Berlin, which brings together three very distinct characters:

Barış Öner plays the electric Saz, which brings strong Anatolian Folk vibes into most of the band's vibes, a feature which is also underlined by Andi Sommer's bass lines and the unorthodox uneven beats of drummer Ellis Frawley.
But I'm getting ahead of myself: When he's in charge of lead vocals, which is a duty shifting even within one song in this band, the Turkish lyrics and his Near Eastern timbre drive this aspect of Kara Delik to the max.

Kara Delik live in Hamburg 2025
The other two band members sing in English. Sommer, who's also in charge of analogue Electronic sounds goes for a deep sonorous dark Wave / Post Punk voice, while the verbose narrations of the drummer pierce through the music as an almost opposite element.

And just like the combination of voices shouldn't necessarily work at any given moment, the music is completely unafraid of combining different elements from the worlds of Psychedelic Rock, Folk, New Wave, Post Rock on eye level with an almost naive ease, that has to be explained mainly by a great amount of human and artistic chemistry.

If you're already familiar with their previous "Singularities" series: Kara Delik just continue as creatively diverse and put it together in one fun, all around compelling package.

Yet they feel even more balanced now, with each member's role being equally important, all bringing their personality into a collection of eleven mostly quite short but - like I said about the whole album in the beginning - all the more sweet, just great songs.

While I'm not sure what the abstract cover artwork wants to tell me, the package with the limited green vinyl and lyrics for sure is a pleasing companion to the fresh, exciting music on this album.






2025-05-10

KARA DELIK und FANTA PANDA live an Bord der MS Stubnitz, Hamburg (09. März 2025)


Ja, das ist der letzte Konzertbericht, den ich einschiebe, bevor ich endlich meine Roadburn-Berichterstattung abschließe! Zumindest wenn sonst nichts dazwischen kommt... Man weiß ja nie.

Gestern ging's mal wieder auf die MS Stubnitz - und kann es sein, dass ich sonst fast immer zu dunkleren Jahreszeiten dort Shows besuche? Irgendwie kam mir das sommerliche Touriwetter auf dem Weg zum Boot sehr ungewohnt vor.


Doch Schluss mit Schönwettergeplänkel, meine To-Do-Liste peitscht mich an und brüllt, ich soll mal etwas Tempo machen. Also gleich zur Musik des Abends!





FANTA PANDA

Die Stärke der Hamburger Fanta Panda war, dass sie genauso klangen, wie ihr Name verspricht. Die Schwäche von Fanta Panda war, dass sie manchmal ein bisschen zu sehr genauso klangen, wie ihr Name verspricht.

Das um kleine Yamaha Portasound-Keyboards herum konzipierte Synthpop-Duo mit weiblichem, männlichen und "Computer"-Gesang schien vor allem aus der Klangbibliothek des (Vorsicht, antike Fernsehreferenz!) Formel Eins-Arcadespiels im Electric Café zu schöpfen. Das war grundsätzlich sehr sympathisch, hatte mir aber ein bisschen viel Backingtrack und war für meinen persönlichen Geschmack zwischen fröhlichem Enya-Tribut und dem Mike Oldfield/Maggie Reilly-Cover "Moonlight Shadow" einfach eine Nummer zu wohnzimmrig harmlos.

Zum Backingtrack muss allerding ergänzt werden, dass er normalerweise wahrscheinlich weniger Spuren enthält und teilweise für eine bandagierte, aktuell nicht zum Keyboard spielen fähige Hand einspringen musste. In der Beziehung war der Auftritt also sicherlich untypsich gehandicappt.

Was die Performance allerdings ernsthaft aufwerten würde, wäre wenn nicht jedes Lied mit dem Einschalten des Beats beginnen würde, sondern wenn die Rhythmen - genauso minimalistisch und mit denselben klassischen Sounds! - von einem echten Schlagzeuger auf einem lächerlich kleinen Elektrokit gespielt würden. Meinetwegen auch gerne im Pandakostüm. Ich sehe es ganz deutlich vor meinem inneren Auge und werde den Anblick nicht mehr los.








KARA DELIK

Gekommen war ich natürlich für das Berliner Trio Kara Delik, dessen selbstbetiteltes Debütalbum (nach einer ganzen Reihe von Singles) bei mir schon seit einigen Wochen läuft und ohne meine ständige Konzertaktivität vielleicht auch schon hier rezensiert worden wäre. Also jetzt schon einmal der Spoiler: Es ist ein bisschen mehr als ganz ok.

Da die Songs der drei musikalisch und stimmlich sehr unterschiedlichen Typ(inn)en zumeist ziemlich kurz sind, passten in dieses sicherlich längere Set als letztes Jahr als Support von Oum Shatt im Molotow eine ganze Menge alter wie neuer Stücke.

Es gab also einen knallbunten, nicht nur durch den Einsatz von Saz statt Gitarre, sondern auch durch Basslinien und folkloristisch ungerade Rhythmik in starkem anatolischen Duft daherkommenden Musikstrauß zwischen Zauber von tausendundeiner Nacht und stressiger Konfrontation in einer überfüllten U-Bahn auf die Ohren.

Orientalischer Psychedelic Rock, Post Punk, Post Rock, Dub, ein wenig analoges Elektrogedöns, alles auf ungewöhnliche, unbekümmerte und humorvoll präsentierte Weise zusammengethermomixt, mit viel Zwiebel übrigens, wie Barış Öner auf Nachfrage sicherlich gerne erläutert.

Ich kann nicht meckern, Kara Delik haben einfach Bandchemie und tolles Songmaterial. Das war folgerichtig wieder ein exzellentes Konzertchen auf dem übrigens ganz respektabel gefüllten Kultur.Raumschiff.








2024-03-10

OUM SHATT und KARA DELIK live im Molotow, Hamburg (08. März 2024)


Mein Terminkalender sagt mir, ich habe bis Anfang April einmal pro Woche nach Hamburg zum Konzert zu fahren. Den Anfang dieser Serie markierte am Freitag das Doppel aus den mir erst jüngst mit ihrer "Singularities"-Singlereihe begegneten Kara Delik und den von mir tatsächlich nur durch ein, zwei Videos recherchierten Headlinern Oum Shatt.

Zum Glück war meine Ahnunglosigkeit aber nicht ansteckend, denn das leider zur Schließung wegen Bullshitimmobilienneubau in diesem Jahr verdammte Molotow war komplett ausverkauft. Und zum noch größeren Glück kam ich nach ein paar bangen Minuten hin und her auch tatsächlich rein, obwohl mein auf der Gästeliste stehender Name nicht auf physisch anwesenden Gästeliste stand. Das ist bei der Stunde Anfahrt, die ich habe, dann schon ein wenig stressig.

Darüber habe ich dann auch die örtliche Einweisung am Einlass verpasst und schnell gemerkt, dass mein letztes Konzert hier schon eine Weile her sein musste (Esben And The Witch und Nadja; immerhin Anfang 2019), da ich mich doch glatt halbwegs auf dem Weg vom WC zum Saal verlief. Spinal Tap aus Publikumssicht sozusagen. Dabei ist der Laden ja nun wirklich nicht riesig. Tatsächlich war die Bude so voll, dass der Merchstand in die Kälte des Innenhofs verbannt wurde. Brrr.






KARA DELIK

Musikalisch ging es an diesem Abend allerdings heiß her. Das sich sehr basisdemokratisch mit gleichem Gewicht der drei Musiker/Sänger präsentierende internationale Trio Kara Delik lieferte genau, was ich mir erhofft hatte, und das war neben der Qualität ihrer schwer definierbaren Mischung aus psychedelischem Rock, Post Punk, Dub und jeder Menge Anatolika (falls dies überhaupt ein Wort ist) vor allem eine Riesenladung Spaß.

Die präzise polyrhythmisch in the pocket groovende Drummerin und exzentrischste Sängerin der Runde Eilis Frawley war für sich schon eine Show, und auch Elektrolautenspieler Barış Öner brachte seine Mitmusiker mit gelegentlichen stimmlichen Rockstaranfällen zum Grinsen, während Andi Sommer an Bass und Elektro/Effektgedöns die Kiste wahlweise zusammenhielt oder spannend dekorierte.

Es war ein verrücktes und doch zugängliches Orientrockfest einer sympathischen - wenn auch nach drei Wochen Tour etwas "langsamen" und kommunikationswackligen Gruppe, deren letztjährige Single-Quadrologie ich dann auch gerne später draußen aberntete.











OUM SHATT

Das Quartett Oum Shatt hat im Vergleich sicherlich einen von Song zu Song koherenteren Stil mit unzweifelhaft auch kommerziell größerer Strahlkraft. Und wenn ich anfange, die Band zu beschreiben, klingt es zunächst so, als läge sie weit außerhalb meiner Komfortzone: Alternative Rock, der in seiner Evolution jenseits der Wurzeln im Post Punk bei einem an Gruppen wie Franz Ferdinand erinnernden Sound angekommen ist und gelegentlich sogar die Grenze zum Allgemeinplatz Pop überschreitet. Nein, mit der Beschreibung allein köntest Du mich vermutlich nicht locken.

Allerdings - und das ist ein gewaltiges allerdings - ist das Ganze bis Kinnladenhöhe in Arabismen getränkt. Großartiges, komplexes und doch nachvollziehbares Drumming mit vielen nahöstlichen Sounds und Ideen und zwar kein traditionelles Saiteninstrument wie bei Kara Delik, aber zwei Gitarren, die dennoch oft klingen wie ein in morgenländischen Stakkatos frage-antwortendes Lautenduo. Dazu der Bass wechselweise auf Saiten oder Tasten und entspannt sonor in den Achtzigern hängengebliebener Gesang. Interessanter Moment in der Zugabe, als ich mir eine Leadgitarre statt clean und twangy in verzerrt vorstellte und eine astreine Blackmetal-Tauglichkeit feststellte.

Ich will nicht sagen, dass Oum Shatt so tight klangen, dass es burnte, aber ich sage trotzdem einfach: Oum Shatt waren so tight, dass es burnte. Diese Gruppe hat ihre Formel perfektoniert und weiß sie beeindruckend auf die Bühne zu bringen. Saygım!