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2012-08-09

WACKEN 2012 - Heavy Fucking Matsche!

Ja moin!

Ich könnte jetzt vielleicht abenteuerliche Geschichten vom Chaoscampen mit knietief im Schlamm versunkenen Zelten, nicht mehr geleerten Dixies, Mudwrestling und meiner von oben bis unten tiefschwarz verdreckten Karre erzählen.

Aber ich bin ja Heimschläfer und habe im Dorf geparkt, also habe ich mir das ganz schlimme Elend auf den Campingplätzen ersparen können.
Doch auch auf dem Festivalgelände gab es spätestens Samstag Nacht Bodenverhältnisse, die jeder Beschreibung spotteten und die ich nach allen Maßnahmen der letzten Jahre so wirklich nicht mehr auf dem Wacken Open Air erwartet hatte. Die Inuit sollen ja unglaublich viele Worte für "Schnee" kennen. Für "Matsch" müsste es auch viel mehr abstufende Begriffe geben, um dieses glitschig suppige Geschmiere, das teilwiese nur im tapsigen Zeitlupenschritt sicher zu passieren war, auch nur annähernd adequat umschreiben zu können.

Dabei hatte es eigentlich gar nicht viel geregnet. Nur eben gewaltig große Mengen auf einmal.


Aber damit für's erste genug vom Wetter, das ist ja in diesem Sommer ohnehin kein erfreuliches Thema...

Zum Glück haben die meteorologischen Umstände es nicht geschafft, mir das Festival zu verderben.
Nein, es war wie schon in den vergangenen Jahren große klasse!

Dennoch beginne ich mal mit einem Schwall Negativkritik:

Kann bitte irgendwer den Herren Hübner und Jensen ein Lexikon mit der Definition von "Überraschung" schenken?
Da entpuppt sich doch der "Surprise Act" tatsächlich als Edguy, eine Band die im vergangenen Jahrzehnt nicht nur schon eins, zwei, drei, vier, fünf Mal in Wacken gespielt hat (zuletzt 2010), sondern deren Seitenprojekt Avantasia ja erst letztes Jahr auf uns losgelassen worden ist.
Mal ganz unabhängig davon wie wenig ich mit der Musik anfangen kann; eine Gruppe, die sowieso jedes zweite Mal dabei ist, als Überraschung anzukündigen, erfüllt meiner Meinung nach schon den Tatbestand grober Verarsche.

Und klar, für einen Festivalneuling mag es durchaus überraschend sein, dass das Programm auf den Hauptbühnen des größten Metalfestivals der Welt mit einer erschreckend mittelmäßigen Coverband, bei der einer der Veranstalter irgendwann zwischen Paläozoikum und Neoproterozoikum mal Bass gespielt hat, eröffnet wird. Wenn bei diesem komischen Ritual aber Doro Pesch aus der Ledertorte hüpft, um uns mit der von uns doch niemals verlangten Warlock-Gedenk Wacken-Hymne "We Are The Metalheads" fremdzubeschämen, dann ist sie definitiv kein Überraschungsgast.

Da könnte man mir ja genauso gut das übliche Frei.Wild-Merchandising in der Full Metal Bag als Sensation verkaufen.

Man werfe nur einen schnellen Blick auf das Program von True Metal Stage und Black Stage; immergleiche Nummer-Sicher-Auftritte von Hauptbühnen-Dauerabonnenten, wo man nur hinschaut: Saxon, U.D.O., Hammerfall, The Boss Hoss, Overkill, In Flames usw.... *gääähn*
Auch wenn ich selbst mit manchen dieser Dauerrotations-Bands ja tatsächlich persönlich etwas anfangen kann - als Kreativleistung der Bookingabteilung ist das ständige Auftischen desselben Breis einfach unterirdisch.
Und dann waren da ja noch die Scorpions, die doch neulich erst halbwegs versprochen hatten, dass ihr Night-to-Remember-Auftritt einer ihrer letzten sein sollte und die nun doch wieder auf der Matte standen. Zum Glück gingen dieses Ohrenzeugen zufolge äußerst magere Schauspiel vollkommen an mir vorbei.

Mit Deep Purple sind für 2013 immerhin schon hochkarätige Wacken-Debütanten angekündigt. Anderseits spielen aber auch "Sensationsgäste" wie Nightwish, Subway To Sally, Arch Enemy und Rage mit dem Lingua Mortis Orchestra. Leute, fällt euch wirklich so wenig neues ein?
Als am Samstag über die Videowände dann zu allem Überflüss auch noch die offensichtlich unvermeidliche 30-Jahres-Jubiläumsshow von Doro angekündigt wurde, brandete verständlicherweise ironischer Applaus auf.

Ist der Pool an möglichen Bands wirklich schon so erschöpft? Ich glaube nicht.
Zumal ja z.B. das Doom-Genre nur selten bedient oder der Progmetal-Sektor geradezu sträflich vernachlässigt wird.
Zum Glück treten ja insgesamt so viele Künstler auf, dass man am richtigen Ort zur richtigen Zeit immer noch etwas entdecken kann. Dennoch wäre meiner bescheidenen Meinung nach bei der Besetzung des Infields noch sehr viel mehr Abwechslung möglich.


Abwechslung gab es mal wieder bei einigen Hauptsponsoren, was gute und schlechte Auswirkungen hatte.
So wurde der Jägermeister-Hochsitz durch einen Turm von Captain Morgan ersetzt, welcher größer war, dadurch mehr Sicht versperrte, und auf den vor allem kaum irgendjemand überhaupt hochgelassen wurde. Macht man so Werbung?

Anderseits konnte die Fläche, auf der in den letzten Jahren der riesige Kran mit der ebenfalls sehr priviligierten orangen Schwebe-Bar stand, diesmal sinnvoller genutzt werden, u.a. durch einen Hochstand, der keinem die Sicht nahm oder ein Zelt, in dem mehrere Künstler ihre teilweise wacken-bezogenen Werke ausstellten, am prominentesten darunter wohl die großformatigen Gemälde von Jens Rusch.
Außerdem hat mich dieses Zelt vor dem ersten Wolkenbruch am Freitag bewahrt, was sich allerdings wenig später egalisierte...


Apropos Zelt: Die beste Neuerung des Jahres war eindeutig, dass das muffige W.E.T.-Stage-Zelt aus dem Infield ausgelagert wurde und auch das zu Stoßzeiten überlastete alte Bullhead City-Zelt das zeitliche gesegnet hat.
Stattdessen gab es nun ein gigantisches neues Zelt mit acht Pagoden, in dem man ein ganzes Dorf hätte errichten können und das mit einer stilvollen Doppelbühne fast ständig bespielt wurde.
Wet-T-Shirt-Contests gab es meines Wissens nach keine mehr, und auch Masters Of Comedy und Wrestlingzirkus befinden sich anscheinend wieder auf dem Rückzug.

Das neue Thrash Of The Titans Field, auf dem diverse Bastler ihre feuerspeienden Pferde, Drachen und Hyänen präsentiert haben, wird wohl auch eher eine temporäre Episode bleiben. Abgesehen davon, dass man jenseits der zweiten Reihe kaum etwas vom Geschehen sehen konnte, war es nach anfänglicher Faszination für die handwerkliche Kreativität dann doch nicht so spannend, dass man es als feste Institition bräuchte.
Dann doch lieber das Wackinger Village etwas umgestalten. Jenes war diesmal zu sehr Durchgang und längst nicht so gemütlich wie die letzten Jahre. Wo waren all die Sitzgelegenheiten hin? Außerdem haben wir die leckeren überbackenen Apfelringe vermisst.
Nun war die Beschaffenheit des Bodens nicht gerade zur Förderung von Gemütlichkeit gemacht. Bei Supersommersonnenschein wäre die Umgestaltung des Platzes vielleicht auch weniger unvorteilhaft gewesen, das vermag ich nicht zu beurteilen.

Schön ist, dass Wacken nach wie vor ein Festival relativ kurzer Wege ist. Innerhalb des eigentlichen Festivalbereiches (also Infield plus Vorplatz, Metalmarkt, Wackinger und Bullhead City) war selbst unter diesen Exremumständen jeder Ort relativ flott zu erreichen.
Am fiesesten fand ich den Weg vom Festivalgelände zum Dorf entlang des autofreien Zeltplatzes. Dass man auf einer so wichtigen Strecke schon von Anfang an einen Graben überklettern musste und direkt daneben einen der trügerischsten Tümpel des Areals durchqueren (die armen Schweine, der Zelte dort tief im Wasser standen, waren nur zu bedauern), das war schon ziemlich heavy, vor allem Samstag um drei Uhr nachts, als man eigentlich dachte, jede Form von aufgematschtem Katastrophenboden schon gesehen zu haben, nur um ganz zum Schluss noch einmal die Krönung serviert zu bekommen.
Aber ich will mich nicht beschweren. Trotz einiger knapper Situationen konnte ich mich immer auf den Beinen halten und bin oberhalb der Knie von porentiefer Verdreckung verschont geblieben. Das hat weiß der Teufel nun wirklich nicht jeder geschafft. *g*


Mittwoch

... konnte ich dieses Jahr noch nicht hin. Das finde ich im Nachhinein auch nicht weiter schlimm, weil das ja auch Kräfte geschont hat und ich mich so schneller vom Festival erholen konnte als in den Vorjahren.
Ein bisschen Wacken-Feeling gab's natürlich schon, als ich am itzehoer Bahnhof einen Anreisenden beobachten durfte, der gerade vollkommen dicht in seine Mütze gekotzt hatte. Lecker.


Donnerstag

... war es auf dem Platz zum Teil noch staubtrocken.

Dafür fehlte mir zur fortgeschrittenen Stunde etwas der einer Night To Remember würdige Headliner.
Bei Volbeat und U.D.O. kann ich schon dem Gesang nicht genug abgewinnen und Saxon waren auch einfach schon viel zu oft da.
Die Eröffnung mit Skyline hatte ich ja schon weiter oben angesprochen. Wahrscheinlich hat es System, nicht gleich mit einer Kracherband anzufangen, damit die Leute sich nach Öffnung der Eingänge noch etwas Zeit lassen, anstatt sich gleich alle auf einmal durchquetschen zu wollen.

Ein richtiges Highlight gab es auf der Black Stage mit Sepultura aber schon. Den größten Teil des Auftritts wurden die Brasilianer von der Ölfass-Trommlertruppe Les Tambours Du Bronx unterstützt, was super funktionierte und mal eine angenehme Abwechslung von den auch schon bald inflationären Orchester-Shows (dieses Jahr u.a. Dimmu Borgir) darstellte.
Beim letzten Stück, dem eigentlich ja ziemlich stumpfen "Roots Bloody Roots" hatte ich sogar ein bisschen Gänsehaut. Sehr guter und symphatischer Auftritt!


Danach ging es nach etwas Geländeerkundung in das Bullhead City-Zelt, um die belgische Thrash/Hardcore-Gruppe Channel Zero zu sehen, die ich von einem Auftritt im schenefelder "High Noon" (R.I.P.) im letzten Jahrtausend noch in guter Erinnerung hatte. Vom einzigen Album der Band, dass ich besitze ("Stigmatized For Life", 1993) habe ich zwar keinen Song erkennen können, aber trotzdem war das Konzert eine runde, mehr als einmal an Pantera erinnernde Sache.

Unmittelbar davor gab es auf der benachbarten Bühne mit Chthonic aus Taiwan noch ein ganz derbes Black/Folk-Metal-Brett. Nicht unbedingt mein Leib-und-Magen-Genre, aber schon ziemlich geil.
Zwischen den beiden Bühnen im Zelt hängt - ebenso wie draußen auf dem Vorplatz - auch ein Bildschirm. Die Bildregie dafür hing während der Chthonic-Show übrigens auffallend oft am Close-Up der Bassgitarre und somit auch der Strapsstrumpfklamotte der Bassistin fest. Als für die letzten beiden Stücke der Violinist von Turisas auf die Bühne kam, merkte man richtig, dass jemand mal froh war, ein anderes Motiv zeigen zu dürfen.

Insgesamt fand ich die Bildauswahl auf dem Festival allerdings besser als letztes Jahr. Nur dass Samstag Nachmittag offenbar mal wieder die Kameraleute aufgebraucht waren und man sich bei Six Feet Under auf der Black Stage nur mit einer Bühnentotalen zufrieden geben musste, war wie schon bei Sodom letztes Jahr etwas halbgar.

Aber nun mal wieder schön der Reihe nach! Vor Samstag kommt schließlich immer noch... genau:


Freitag:

Bei aller Kritik möchte ich noch einmal betonen, dass die Veranstalter - gerade angesichts der Umstände - das meiste richtig gemacht haben. Die größten Versager waren an diesem Wochenende andere, nämlich der Wetterbericht und jene, die ihm vertraut haben - also ich!
Das bisschen Regen? Da ziehe ich doch heute nur Turnschuhe an!

Tja, das war nicht ganz so schlau.
Den ersten Wolkenbruch überstanden mein Bruder und ich ja, wie schon weiter oben erwähnt, im W:O:Art-Zelt, wo - soviel Boulevardberichterstattung muss sein - auch Hans-Werner Olm und Dietmar Wischmeyer fest hingen. Der Mann hatte einen Artist-Pass. In welcher Band spielt er eigentlich?

Glück hatten nebenan die Pfahlsitzer, die ihre sechs Stunden nicht mehr voll aussitzen mussten und trotzdem an ihren V.I.P.-Pass kamen. Wesentlich unmatschiger dürfte es aber auch im Backstagebereich nicht gewesen sein...

Der Musikgeschmack meiner erneut aus Helvetien angereisten Begleitung unterscheidet sich in einigen Punkten erheblich von meinem, so dass sie sich währenddessen in der ersten Reihe bei Kamelot für den Rest des Tages bis auf die Knochen durchnässte, was mir natürlich niemals hätte passieren können. Doch dasselbe Schicksal sollte mich noch am frühen Abend bei meinem persönlichen Headliner ereilen.

Dieser war ebenfalls aus der Schweiz angereist und hatte mich im April auf dem Roadburn Festival in Tilburg schon uneingeschränkt überzeugt; die Rede ist natürlich von den Ausnahme-Thrashern Coroner.
Nach etwas Overkill hier und ein bisschen The Boss Hoss dort ging es um 18:30 Uhr auf der Party Stage endlich los: Mit der Präziszion eines schweizer Uhrwerks, um mit dem wohl ausgelatschtesten aller Bilder zu sprechen, feuerten die Herren Broder, Vetterli und Edelmann (plus Gastkeyboarder) ihre unerreichten Riffs, Soli und Grooves in die Menge und hatten dabei einen so gnadenlos guten Sound, dass selbst Petrus der Mund offen stand und sich der Regen in Kübeln auf das tapfer ausharrende Publikum ergoss.
Unter diesen Bedingungen - und mit Opeth parallel auf der größeren Bühne - versammelte sich natürlich keine rekordverdächtige Menge vor der Party Stage, doch die Band blieb von all dem unbeeindruckt und man hatte das Gefühl, dass Erlebniswert und Exklusivität des Konzerts dadurch sogar gesteigert wurden.
Der Schwerpunkt des Sets lag wie erwartet auf dem 1993er Meisterwerk "Grin", welches damals seiner Zeit gnadenlos voraus war und bis heute nichts von seiner Relevanz eingebüßt hat. Als der Auftritt schließlich mit dessen Titeltrack endete, zollte sogar der Himmel Coroner Respekt und goldener Sonnenschein begann unsere durchsuppte Kleidung wieder zu trocknen.

Dummerweise konnte ich sie ihre Arbeit leider nicht beenden lassen, denn ich musste ja gleich rüber auf die komplett andere Seite des Festivalareals, wo im Zelt auf der Headbanger Stage die Hardcore-Veteranen Dirty Rotten Imbeciles (oder auch kurz D.R.I.) zockten.
Nach Coroner waren die Texaner natürlich im Vergleich eine ganze Ecke gröber, so dass ich mich schon kurz mit dem Sound akklimatisieren musste. Stücke wie "Five Year Plan" oder "Beneath The Wheel" machten dann aber ordentlich Laune.

Direkt im Anschluss spielte die krudeste Gruppe, die ich dieses Jahr erlebt habe, welche die Hälfte ihres Publikums vermutlich aus jenen Interessierten rekrutiert, die einfach mal wissen wollen, was sich hinter diesem bekloppten Bandnamen We Butter The Bread With Butter verbirgt.
Also richtige Songs sind es kaum, aber da macht eigentlich nichts. Stattdessen gab es einen ziemlich extremen Mix aus Death und anderem Metal, Kirmestechno und hastenichtgesehen und scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste zufällig zusammengewürfelt.
Und irgendwie ist das so bekloppt, dass es funktioniert. Die Stulle eben fett mit Fett beschmiert! Noch ein Deichkind-Cover, welches Mambo Kurt allerdings auch schon x-mal in Wacken performed hat, dazu und die junge Fanschar flippt fachgerecht aus.

Wieder im Freien hatte die Sonne sich inzwischen fast verabschiedet und es wurde im Verlauf der nächsten Stunden dann ohne Wechselklamotten doch unangenehm klamm und kalt. Die Regenjacke aus der Full Metal Bag hätte da sicherlich helfen können, aber ich Opimist wollte sie mir ja aufsparen für den Moment, in dem sie wirklich nötig sein würde. Haha.
Wir wollten nun eigentlich alle drei nach Hause unter die warme Dusche, konnte dies nur dummerweise dank des überlasteten Handynetzes untereinander nur mit ewiger Verspätung kommunizieren, so dass die letzten Stunden noch recht hart wurden und wir für den Moment so gar nicht wussten, ab wann und wie gesund wir uns am nächsten Tag ins Getümmel stürzen würden.

Zu Hause aus den glitschigen schwarzen Turnschuhen rauszukommen war dann allerdings die finale schwerste Prüfung des Tages. Und Junge, was waren unter den Socken auch meine Füße tiefenverdreckt! Das hätte ich eigentlich dokumentieren sollen.

Dokumentationstechnisch lief bei mir sowieso nicht viel. Ich hatte die gleiche unkonventionelle Kamerapaarung aus Adox Golf und Pingo-Spielzeugkamera wie letztes Jahr dabei, doch ich war irgendwie mehr damit beschäftigt, mich auf den Untergrund zu konzentrieren, als Bilder machen zu wollen, so dass ich nicht mal meine zwei Filme gefüllt bekommen habe, dafür aber lästig oft an misstrauische Ordner geriet. Einem musste ich sogar erst erzählen, dass sein Kollege sich im Vorjahr zur Lachnummer gemacht hatte, als er mich mit meinem "Zoom" abweisen wollte, um durchgelassen zu werden.

Beim Thema alte Geschichten fällt mir ein, dass uns Henry Rollins zum Auftakt des Freitags ja auch eben solche erzählt hat. Das hätte ich doch beinahe unterschlagen.
Manchmal wirkte es zwar ein bisschen, als sei er im Wahlkampf zum Präsidenten der globalen Metal-Gemeinde, insgesamt waren seine Anekdoten von diversen Extremsituationen auf Tour mit Black Flag oder einem Rattenbarbeque in Indien aber durchaus sehr unterhaltsam. So ein Spoken Word-Auftritt von jemandem, der wirklich etwas zu sagen hat, ist mir dann im Grunde auch lieber als die etwas bemühten Versuche, Comedy auf dem Festival zu etablieren.

Die eigentliche Comedy, so zeigte auch dem Letzten das Licht des neuen Tages, lag ja ohnehin unter unseren Füßen...


Samstag:

Spät sind wir aus dem Bett gekommen, und ich hätte gut noch ein paar weitere Stunden dranhängen können.
Doch die Running Order war gnadenlos und brüllte schon um 14:00 Uhr Napalm Death!

Die britischen Grindcore-Veteranen habe ich mit ihrem aktuellen Album "Utilitarian", welches für mich bisher heißester Anwärter auf den Titel Metalalbum des Jahres des Jahres ist, auch wenn ich mich bislang nicht zu einem Review bequemt habe, ja gerade erst diesen Februar wiederentdeckt, und so stand ich begleitet von den letzten Kinderliederklängen von Gamma Ray dann auch rechtzeitig auf der Matte, um mir von Tanzbär Barney und Co. die Welt des gepflegten Geknüppels erklären zu lassen.
Und gerade die neuen Stücke wie der Opener "Errors In The Signals", "Analysis Paralysis" oder der Ohrwurm "The Wolf I Feed" mit Leadvocals von Mitch Harris wussten mich auch besonders zu begeistern. Und ein paar Sekundenbruchteil-Epen durften natürlich auch nicht fehlen. Daumen nach oben für Napalm Death.


Als nächstes wollte ich dann gerne im Zelt Electric Wizard sehen, von denen ich einiges Gutes gelesen hatte, doch die Band stand leider im Stau und fiel deswegen aus. Als Überbrückung zu diesem nicht stattgefundenen Auftritt spielten vorher aber noch die Stoner-Metaller von Kylesa, die mit Trademarks wie zwei Drummern, männlichem und weiblichem hingerotzten Scheißegal-Gesang und einem letzten Stück, dass ein bisschen wie eine Black Sabbath-Interpretation von "Set The Controls For The Heart Of The Sun" klang, einen schönen, kurzweiligen Gig hinlegten.

Zurück vor den Hauptbühnen waren nach einer Dosis Six Feet Under-Death Metal als Thrash-Highlight des Tages Testament am Start. Ob ich von der Band jemals einen Tonträger brauche? Keine Ahnung, aber live sind sie zweifellos eine Macht. Vor allem Frontmann Chuck Billy beeindruckt nicht nur mit seiner powervollen Stimme, sondern auch durch das unermüdliche Air Guitar-Spiel auf seinem eigens dafür optimierten Mikrofonständer. Meine Theorie ist ja, dass die Gitarristen bei Testament nur Playback spielen und der gesamten Saitensound in Wahrheit von seinem Mikroständer erzeugt wird. Hoffen wir also, dass dieser live nie ausfällt!

Am frühen Abend kam wieder eines dieser heavy Regenbänder vorbei und trieb uns rasch mal wieder in den Bullhead City -Dom. Im hinteren Bereich des Zeltes gab es tatsächlich eine noch trockene, mit echtem Gras bewachsene Liegewiese! Da traf es sich hervorragend, dass Moonspell ein semiakustisches Set mit Kammerorchester spielten, bei dem es sich hervorragend mal vierzig Minuten lang entspannen ließ.

Im Anschluss machte der mächtig abgehende melodische bis deaththrashige Alles-mögliche-Metal von Sylosis dann jedoch wieder schnell munter. Gleich im Anschluss gab es mit Nasum eine Vollbedienung Grindcore mit einigen fiesen Breaks und amtlicher Groovefestigkeit zwischen den dominierenden Blastbeats.

Und sofort wartete der nächste Programmpunkt, die Scorp... nein Quatsch, auf der Wackinger Stage gab das mittlerweile anscheinend auch festangestellte Partykollektiv Russkaja seine letzte Wacken-Vorstellung für dieses Jahr. Die Öster-Russen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nochmal gesteigert und spielten das Gute-Laune-Konzert des Festivals. In Sachen Publikumsanimation und Spaß auf der Bühne konnte ihnen niemand das Wasser reichen. Zu geil, muss man mal gesehen haben!


Der nächste Wolkenbruch kam zum Glück genau pünktlich nach Russkaja, als ich mich gerade unter dem Vordach einer Crêpe-Bude befand. Im Schutze der inzwischen dann doch mal ausgepackten und schon halb eingerissenen offiziellen Full Metal Regenjacke ging es ein letztes Mal ins Zelt, wo Suicide Silence der abtropfenden Meute abermals eine kräfte Deathgrind-Abreibung verpassten, dessen Kernkompetenz dank korneskem Tuning vor allem im ganz tiefen Erdrutschbassbereich lag.

Als krönender Abschluss waren um 00:45 Uhr Ministry angedacht, von denen ich beim W:O:A 2006 kaum etwas mitbekommen hatte, weil ich damals ja mein Auto auf einem weder gekennzeichneten noch beleuchteten Campingplatz suchen musste.

Da die Herren Meine und Schenker allerdings zu spät auf die Bühne gekommen waren, hatte sich das Programm um eine Viertelstunde nach hinten verschoben, was für den Wacken-Zeitplan mittlerweile eine halbe Ewigkeit darstellt, so dass ich auch noch ein paar Songs von Machine Head mitbekam. Ist ja alles super gespielt, aber irgendwie erreicht mich deren Musik einfach nicht. Und vor einem vieltausendfachem Publikum einen Besucher in der ersten Reihe aufzuziehen, weil die Mädels neben ihm mehr headbangen als er, finde ich eher peinlich als cool. Das könnte man im Grunde auch als Mobbing verstehen.

Ministry waren da sehr viel distanzierter. Da über die Bildschirme nur Videos, aber keine Livebilder liefen, musste man schon näher rankommen, um etwas von der Stageaction zu sehen. Und selbst die Gestalten auf der Bühne waren sehr, ich sag mal anonym ausgeleuchtet.
Das hat natürlich Methode, will der hochpolitische Industrialmetal der Mannen um Oberhäuptling Al Jourgensen doch kalt und brutal serviert werden. In seiner (sicherlich berechtigten) extrem anti-republikanischen Haltung mit den zahlreichen Sprachsamples und Filmschnipseln der Herren Bush senior wie junior und ihrer Kader wirken Ministry phasenweise erstaunlich retro, aber die Songs stammen ja nunmal aus jenen Zeiten, und wenn man bedenkt, in welchen Drachentöter-Äonen viele andere Bands steckengeblieben sind... also drauf geschissen!
Was hier abgeliefert wurde, das kann so sonst keiner. Obwohl ich die zahlreichen Alben nach "Filth Pig" nicht kenne, und somit die meisten Songs neu für mich waren, fühlte ich mich allerbestens unterhalten. Dennoch war das Trio aus den Klassikern "N.W.O.", "Just One Fix" und "Thieves" am Schluss natürlich das Highlight eines insgesamt viel zu kurzen Auftritts. Wollte / müsste ich eine Rangfolge aufstellen, dann kämen vor Ministry bei diesem 23. Wacken Open Air wohl nur Coroner.


Als letzte musikalische Notiz sei fairerweise bemerkt, dass die vor einer tapfer ausharrenden Traube den Rausschmeißer machenden Edguy dann gar nicht so schlimm waren, wie ich sie in Erinnerung hatte. Verglichen mit ihrem Ableger Avantasia sind sie ja quasi schon cool wie Slayer. Ok, alles ist relativ...

Ich war relativ glücklich, mich auf dem Weg aus dem Infield mit drei, vier Ausfallschritten vor einem späten Sturz in den tiefschwarzen Modder retten zu können, und auch auf dem berüchtigten Weg zum Dorf mit dem fiesen Graben, welcher alles vorher an Schlamm Gesehene noch einmal in den Schatten stellte, nicht zu Fall zu kommen, z.B. als sich an sehr kritischer Stelle plötzlich ein Betrunkener auf mir abstützte.

Am Ende war alles gut, wir sind dreckfüßig, aber wohlbehalten zu Hause angekommen, und letztendlich muss ich sagen, dass unter den insgesamt siebzehn Wacken-Besuchen, die ich seit 1992 hinter mir habe, doch eine ganze Reihe war, nach denen ich mich wesentlich geräderter gefühlt habe. Und dass obwohl ich eine Woche vorher noch unter einer Mörder-Sommergrippe gelitten hatte.


Die Ohlsen-Twins sammeln ihre letzten Kräfte vor dem Heimweg

Fazit: Trotz Kreativitätsmangel bei den Headlinern und Sommermangel zwischen Frühling und Herbst ein tolles Wacken Open Air mit hervorragender Stimmung, auf der ich mal wieder viel mehr gute Bands als erwartet gesehen habe.

Ganz ehrlich: ich glaube, schlecht kann das W:O:A mittlerweile gar nicht mehr, auch wenn sich die Veranstalter noch so Mühe geben würden.

Das X-Mas-Ticket (Kann man das nicht mal anders nennen, jetzt wo es schon immer knapp fünf Monate vor Weihnachten ausverkauft ist?) für 2013 ist schon geordert!


Und als Bonus zum Fazit noch eine kleine Randnotiz:
Eine positive Nebenwirkung des Wetters war, dass es so gut wie gar keine Crowdsurfer gab, man sich also niemals vor Stiefeln im Nacken fürchten musste und die Anzahl der Verletzungen dadurch auch im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken ist - und das obwohl es sicherlich sehr viele Stürze gab.

Nein, ihr Security-Graben-Touristen, wir haben euch nicht einen Moment lang vermisst! :)

2012-07-01

OPETH - Heritage

Ich hätte zwar noch einige aktuellere und - soviel sei vorweg genommen - auch bessere Scheiben zu rezensieren, aber heute befasse ich mich mal mit einem Album aus dem Vorjahr.

Da es zeitgleich mit den letzten Veröffentlichungen von Dream Theater und Arch/Matheos rauskam und ich Progbereich somit schon reichlich versorgt war, habe ich mich damals mit der Live-CD vom RockHard-Festival begnügt und es mir erst einige Monate später zugelegt:

OPETH - Heritage (2011)

Opeth fand ich schon immer etwas rätselhaft, gehören die Schweden doch zu jenen Bands, die live stets überzeugen, dazu super Alben rausbringen und mit ihrem Stilmix aus Death Metal, Progrock, Jazz etc. im Grunde alles richtig machen, um in der Theorie zu meinen absoluten Lieblingsgruppen zu zählen.
In der Praxis finde ich ich sie aber dennoch lange nicht so genial, wie ich es eigentlich müsste. Das mag vielleicht an wenig an ihren Fans liegen, die einerseits Bandleader Mikael Åkerfeldt zum Erfinder von Feuer, aufrechtem Gang und Musik hochstilisieren, die anderseits aber auch gerne alle ruhigen Passagen live niedergröhlen. Aber das ist ja nicht der Band anzulasten.

Anderseits klangen sie aber auch oftmals eine Spur zu sauber und perfekt, um noch spannend zu sein und haben gerade die death-metal-lastigeren Kompositionen immer mal wieder ihre Längen gehabt.

Mit der im Vorfeld schon bekannt gewordenen Abwendung von Metal und Growls versprach sich dieses Problem ja auf "Heritage" zu erledigen. Und tatsächlich ist das Werk in vielerlei Hinsicht erfrischend geworden.
Nicht in dem Sinne, dass hier irgendein Ton Musik neu erfunden worden wäre, nein. Aber das war ja bei Opeth auch niemals wirklich der Fall. Und selbst für jemanden, der nicht alle Vorgängeralben hoch und runter gehört hat, kommt die stilistische Entwicklung hin zum 70er-Jahre-Retrosound alles andere als überraschend. So sind ja vor allem die King Crimson-Einflüsse nicht erst seit gestern vorhanden.
Die spielerische Umsetzung jedoch ist es, die aufhorchen lässt, insbesondere das Schlagzeug spielt einen lockerflockigen Jazzrock, der weit von dem entfernt ist, was einem gewöhnlichen Metaldrummer zum Thema einfallen würde und einfach Freude macht. Aber auch die Keyboards, Gitarren... instrumental ist "Heritage" wirklich gar nichts anzuhaben.

Neulich hatte ich die CD nebenbei bei der Arbeit an, d.h. ich hörte mit wechselnder Aufmerksamkeit hin und musste sie zwischendurch auch mal unterbrechen. Und in einem Moment nach einer Pause, als mir gerade gar nicht bewusst war, was ich da eigentlich im Player hatte, dachte ich doch tatsächlich da liefe ein ruhiges Stück vom Mahavishnu Orchestra. Es war dann aber doch nicht "You Know, You Know", sondern "Nepenthe". Allein das ist ja schon eine Auszeichnung an sich und sagt schon einiges über die Qualität des Albums aus.
Allerdings zeigt es auch, dass alles irgendwie schon einmal dagewesen ist. Dies gilt auch für weniger proggige Stücke wie "Slither", in dem dafür halt mehr Rainbow und Deep Purple Tribut gezollt wird.

Da aber alle Gruppen, die als Inspiration herhalten mussten, von gutem Geschmack zeugen, ist das auch nicht weiter schlimm. Es ist nur merkwürdig, wie sehr das Album von einigen Befürwortern (zu denen ich mich ja auch zähle) als etwas absolut neues gefeiert wird. Das ist es nicht, aber es ist gut.

Vom Cover, seiner Symbolik und Umsetzung habe ich indes bereits mehrfach gelesen, dass es geklaut sein soll. Sicherlich mögen Status Quo und The Moody Blues den Zeichner inspiriert haben, aber wenn die Idee gestohlen sein soll, dann fällt mir wirklich in sämtlichen künstlerischen Ausdrucksformen nichts mehr ein, was man ruhigen Gewissens genießen dürfte.

Eine Schwäche offenbart das Album aber schon. Das ist nicht das Retro-Konzept und auch nicht die Tatsache, dass den ruhigen Passagen sehr viel Raum gelassen wird (wozu man natürlich schon in der Stimmung sein muss).
Der sehr entspannte Gesang ist es, bei dem ich mir manchmal mehr wünschen würde. Und damit meine ich nicht Death-Metal-Grunzen, was nun wirklich nicht ins Klangbild passen würde. Etwas kräftiger, höher, mutiger, dreckiger könnte es manchmal allerdings schon sein. So hat man manchmal den Eindruck, Åkerfeldt sei gegenüber der musikalischen Action um ihn herum etwas gleichgültig.

Unterm Strich bleibt "Heritage" ein zwar nicht essentielles, aber dennoch sehr gutes Album.

Gegen vom ersten Moment an mitreißende Kracher wie die neue Lis Er Stille oder die (von mir noch nicht rezensierte) Motorpsycho kann sie in meiner Sammlung dann aber doch nicht anstinken.


Anpieltipps: The Devil's Orchard, Nepenthe, The Lines In My Hand

KREATOR - Terror Prevails, Pt. 2

Ich gebe es zu: Ab und zu kaufe ich mir tatsächlich noch ein RockHard, z.B. letztes Jahr, als das Heft eine exklusive Live-CD von Opeth enthielt.

Und da ich dank "Phantom Antichrist" ja momentan in Kreator-Laune bin, habe ich mir auf den letzten Drücker nun auch die Juni-Ausgabe besorgt, auf dessen Tonträgerbeigabe sich die zweite Hälfte des Konzerts vom RockHard-Festival 2010 befindet.

Ein zweiter Grund das Heft zu kaufen war noch Bericht vom Roadburn Festival. Direkt nach der Dame an der Hotelrezeption war Götz Kühnemund übrigens eine der ersten Personen überhaupt, die mir dort über den Weg gelaufen sind. Sehr interessant, ich weiß.
Weniger interessant für mich dann aber doch, was die Herren Metaljournalisten über das Fest zu schreiben haben. Nach der Feststellung, dass der Absatz über das zweite Voivod-Konzert ohne Erwähnung von "Jack Luminous" auskommt, habe ich das Papier erstmal auf unbestimmte Zeit zur Seite gelegt.

Die Kreator-Titelstory werde ich beizeiten wohl noch lesen, aber zunächst einmal halte ich mich an die CD:

KREATOR - Terror Prevails - Live at Rock Hard Festival, Pt. 2 (2012)

Acht Mal brutalgeile Thrash-Scheiße der Oberklasse mit hohem Kult-Klassiker-Anteil!

Also im Grunde fast so wie die Bonus-DVD der "Phantom Antichrist", nur leider nicht ganz so lang, da der erste Teil des Konzerts noch an einer älteren RH-Ausgabe pappt.

Durch die Ansagen muss man wie immer durch. Der Rest ist seliges Rübeschütteln.

Anspieltipps: Coma Of Souls, When The Sun Burns Red, Violent Revolution

2012-06-17

KREATOR - Phantom Antichrist (CD & DVD Edition)

Don Draper ist schuld.

Die großartig inszenierte Endmontage am Ende dieser einen Folge der fünften Staffel von Mad Men, als er den Plattenspieler anwirft und von "Tomorrow Never Knows", überrollt wird. Dieser Song, den ich eh schon vom Film "Sucker Punch" im Ohr hatte. Da war mir klar: Die "Revolver" ist die nächste Scheibe der Beatles, die Du Dir bei Gelegenheit mal vom MediaMarkt mit nach Hause nimmst!

Gestern war ich nun dort, steuerte nach anderen Besorgungen zielstrebig auf das "B" zu und fand dort wohl sämtliche 2009er Remaster der Beatles - bis auf die eine Scheibe, die ich haben wollte. Grmpf!

Ein Kompensationsfrustkauf war nun natürlich zwingend erforderlich. Aber wer kann schon für JohnPaulGeorgeRingo, die von jedem nachfolgenden Song aus allen Rock- und Popgenres bereits eine Blaupause aufgenommen hatten, einspringen? Eigentlich ja nur die Beatles selbst, aber das verbot sich mir aus Prinzip. Nee nee, wenn schon, dann die "Revolver"!

Vielleicht war es ja ein Zeichen vom Musikgott (nicht verwandt oder verschwägert mit dem Fußballgott), dass ich mich nach etwas ganz anderem umsehen sollte. Und tatsächlich kam ich auf das neue Album einer Band, die wohl kaum jemand jemals mit den Pilzköpfen in Verbindung bringen würde. Und hätte es sich nicht um eine Special Edition mit dem aufgeklebten Hinweis "Bonus DVD incl. LIVE @ WACKEN 2011 & 2008" gehandelt, hätte ich sie vermutlich auch liegen gelassen. "Phantom Antichrist" vom deutschen Thrash-Metal-Urgestein Kreator.


Wie, die Einleitung war jetzt zu verschwurbelt?
Ok, ich fang nochmal von vorne an:


Miland Petrozza ist schuld.
Miland, oder Mille, wie wir guten Freunde ihn nennen, ist schuld, dass ich ganz furchtbare Angst hatte. Damals, vor über zwanzig Jahren, als ich zum ersten Mal Kreators "Coma of Souls"-Album hörte, eine meiner ersten Metal-Scheiben jenseits von Iron Maiden und Metallica. Dieses infernalische Riffgewitter nach dem Intro vom Opener "When The Sun Burns Red" - und dann - Aaaahhh! - dieser böse, gepeinigte, unmenschliche Schrei! Mensch, da hab ich mich erschrocken!

Ok, damals kamen diese Erlebnisse ja zackzack hintereinander weg - schon bald war der Eindruck durch die erste Death Metal-CD, ausgerechnet das kranke Atrocity-Debüt "Hallucinations", ein wenig relativiert.
Dennoch ist der Schrei für Mille-Verhältnisse immer noch ganz gut böse, und "Coma of Souls" ist nach wie vor eine ganz großer, wichtiger Metal-Klassiker.

Mille ist definitiv mitverantwortlich für meine musikalische Sozialisation.

"Coma" und die vier Alben davor habe ich rauf und runter gehört.
Danach jedoch hatte ich nur noch selten das Bedürfnis, mir ein Studioalbum der Ruhrpottler zuzulegen und habe tatsächlich auch nur "Cause For Conflict" in meiner Sammlung.

Das hat natürlich damit zu tun, dass irgendwann eine allgemeine Übersättigung an teutonischer Haudraufmusik einsetzte.
Und man schämte sich vielleicht auch ein bisschen, denn klar - neben lichten Momenten befand sich auf den ersten Kreator-Werken natürlich sehr viel Schülerbandgerumpel. Aber es hat einen durch die Aggressivität des Vortrags und weil man's einfach nicht besser wusste, schon nachhaltig beeindruckt und sogar beeinflusst.


Aber zurück zu Mille:
Mille
ist überhaupt ganz viel. Und alles, was man über Mille sagen kann, ist eigentlich immer nett gemeint.

Denn Mille ist ganz klar einer von den Guten.

Mille hat uns im Gegensatz zu früher inzwischen natürlich ganz viel zu sagen. Will uns wachrütteln und politisieren. Und dennoch ist er als Texter irgendwie doch bei "Flag Of Hate" und "Tormentor" stehengeblieben und erster Linie immer noch ein Sklave des möglichst böse klingenden Reims.

Mille spricht sich auf der Bühne gegen Rassismus im Metal aus und präsentiert dann als Lösung des Problems - den Moshpit.

Als es in den jungen Jahren des Privatfernsehens auf dem "Heißen Stuhl" hieß, dass Heavy Metal Teufelszeug sei, da wollte man natürlich auf Milles Seite sein, aber man konnte nicht so recht verstehen, was ich er sich da so nervös einen zurechtstotterte...

Mille mag Milch nicht, weil das selbst dem Antichristen zu böse ist und unterstützt die Zeigefingerzeiger der Peta, die so gerne die Welt retten möchte, es dabei aber schon an der Befähigung zum konstruktiven Diskurs erheblich mangeln lassen.

Aber ganz im Ernst, dass mich hier niemand falsch versteht: Mille ist ein feiner Kerl!

Denn das alles spricht ja FÜR Mille.
Mille ist hat eben kein perfekt gepflegtes Image, ist eben kein allmächtiger Metal-Gott, sondern manchmal eben auch nur Mensch und dabei mitunter fehlbar.

Mille ist einer von uns.



Mille
ist Gesicht, Gitarrist, Sänger und Konstante im Line Up von  Kreator.Die Band ist natürlich inzwischen in fast allen Belangen befähigt, hämmert präzise wie Slayer, kann aber auch Melodien und Soli und Songwriting - und Mille hat sich auch im Großen und Ganzen damit arrangiert, dass seine gesanglichen Möglichkeiten eher limitiert sind.

Aber manchmal kommen sie dann doch, diese Momente, in denen er mal anders singen will, aber es einfach... naja, einfach nicht so toll kann, und auch musikalisch war man nie gefeit vor Augenblicken, in denen plötzlich ein plumpes retrospektives Arrangement an die Stumpfheit des Schülerbandkellers erinnerte, in denen Aggression plötzlich zu Putzigkeit umschlug.

Diese Widersprüchlichkeit gehört zu Kreator wohl einfach dazu, spiegelt sie doch den Menschen Mille wider, und damit - na klar - ja auch uns alle.

Dass Mille manchmal etwas klausmeinelt? Wen juckt's? Kreator schreibt man schließlich mit K.
Und das schon länger als die Herren von KraftKlub "K" überhaupt aussprechen können.

Kraftklub meineln allerdings nicht, sondern singen gleich deutsch.
Das ist von der weltweit bekannten Kultband Kreator natürlich nicht zu erwarten, auch wenn der Titel des neuen Albums in mehreren Sprachen funktioniert...


KREATOR - Phantom Antichrist (2012)

"Aaaaaaaaaalter Mille! Die Krieäytöhr knallt ja richtig! :)"
Das war mein erster Impuls auf facebook und dabei bleibe ich auch.

Schon vor dem Knall, verspricht das Machwerk eine Menge value for money. Dem Album eine DVD mit einem Zusammenschnitt der Wacken-Auftritte von 2011 und 2008 beizufügen, anstatt dieses Material separat zu veröffentlichen - das ist schon aller Ehren wert! Und für mich war es auf jeden Fall ein entscheidender Kaufanreiz. Erwartungsgemäß handelt es sich um in allen Belangen professionelle Mitschnitte, die zu hundert Prozent zeigen, welche Macht Kreator live sind und dass es kaum Thrashbands auf diesem Planeten gibt, die es mit ihnen aufnehmen können. Die Sache mit den ungelenken denglischen Ansagen, die aber auch irgendwie dazu gehören, vertiefe ich jetzt mal nicht weiter.

CD und Bonus-DVD kommen in einem Schuber daher. Meistens bedeutet dies ja, dass man in verschiedenen Schichten immer wieder auf das gleiche Artwork trifft, aber Kreator haben sich nicht lumpen lassen und für "Phantom Antichrist" gleich zwei verschiedene Cover plus jede Menge apokalyptisches Zeugs für das Booklet pinseln lassen.
Das Außencover zeigt den klassischen Kreator-Dämonen in der finalen Endschlacht, vom Gauntlet-Niveau auf "Pleasure To Kill" aufgepumpt zu epochaler Größe. Ich fühle mich etwas an Celtic Frosts "Into The Pandemonium" erinnert. Stumpfestes Metal-Klischee, aber sehr schön ausgeführt und leider geil.

Noch geiler ist allerdings das alternative superkranke Cover von Wes Benscoter, der neben vielem anderen auch schon Autopsys "Macabre Eternal" veredelt hat.

Das gesamte Artwork deutet schon darauf hin, dass es musikalisch auf diesem Album, wie Kreator selbst es auch in dem ebenfalls auf der DVD befindlichen zwanzigminütigen Making-Of-Filmchen sagen, sehr over the top zugeht. Alles episch, übertrieben, hart an der Grenze zum zu viel.

"Phantom Antichrist" zeigt die Essener am absoluten Limit dessen, was sie können. So viele Melodien, Harmonien und furiose Soli haben sie gewiss noch nie aufgefahren. Dazu kommen in "From Flood Into Fire" oder "Until Our Paths Cross Again" größtmögliche Annäherungen an teutonischen Heldenhymnengesang, bei denen Kreator schon fast in kitschige Gefilde schliddern. Trotzdem gibt das volle Brett, welches hier zelebriert wird, nie Anlass, daran zu zweifeln, dass es sich hier um Thrash Metal handelt.

Das heißt nicht, dass es gar keine holprigen Mille-Momente gäbe. Aber es sind zum Glück nur wenige. Die eine oder andere Idee oder Gesangslinie fordert immer noch etwas Gewöhnung. Und auf die Texte darf man auch nicht immer zu genau hören. Aber das ist ja bei John Petrucci oder Neal Morse auch nicht anders.

Ich fasse die Texte aller neun Songs mal als Précis zusammen: "Terror from the left, terror from the right, slaughtering creatures with no signs of regrets. Mother earth, all your beauty we have raped. Let's walk this path through flame and flood. Let there be darkness, let there be blood tonight. We are legion, united in hate, forward march, warrior race! So come on, take my hand now - let's celebrate the apocalypse! Victory will come and only death will triumph over us, only the soul will remain."

Hmm... Also, ich nehme das mit den Texten mal zurück. Eigentlich hat das in seiner Gesamtheit doch schon wieder was!

Vielleicht darf man auch gar nicht so viel darüber nachdenken. Ich schwinge jetzt lieber noch eine Weile zu "Phantom Antichrist" meine Phantom-Matte! (War gestern vorm MediaMarkt beim Friseur.)


Und "Revolver" habe ich mir jetzt bei amazon bestellt, basta!
Und den "Sucker Punch"-Soundtrack gleich dazu.

Anspieltipps: Phantom Antichrist, The Few The Proud The Broken, From Flood Into Fire, Civilisation Collapse

2012-06-10

LIS ER STILLE - Nous

Der erste Spieltag der deutschen Gruppe ist vorüber und ich fühle mich nach dem Sieg unserer nördlichen Nachbarn über die Niederlande gerade in dänischer Laune. Ein guter Zeitpunkt, um mich dem neuen Album meiner seit vorletzte Weihnachten liebsten dänischen Band zu widmen.

LIS ER STILLE - Nous (2012)

Wie schon beim nach wie vor spannenden Vorgänger "The Collibro" fällt schon gleich die originelle Verpackung auf. Diesmal hält man kein gealteretes Buch in der Hand, sondern wird in Zeiten zurückversetzt, als besonders fleißige Demobands mit Pappe, Schere und Kopierer noch liebevoll selbst Hand an die Verpackung legten. Die weiße CD-Hülle mit "Nous"-Stempel, Aufkleber und faltbarem Innenleben, die Bandarole aus schwarzem Bastelkarton, der einseitig schwarz bedruckte rosa Faltzettel, das ist von der Idee her schon ziemlich charmant. Nur leider kann die Umsetzung mit der Idee nicht ganz mithalten. Oder ist gerade das Absicht? Auf einer Seite war meine Hülle nicht vernünftig geklebt und - noch viel schlimmer - die Maße sind einfach zu klein für eine CD. Nachdem ich die Scheibe zwei Mal äußerst mühsam da rausgepult habe, lagere ich sie nun in einer externen Hülle. Da muss ich doch ein wenig an das Diorama von Spinal Tap denken.

Musikalisch werden zum Glück vor allem Erinnerungen an "The Collibro" wach. Jedes Stück von "Nous" hätte ebenso auf das vorige Album gepasst, die Band bleibt ihrem höchst eigenständigen Sound also treu. Von Stagnation auf hohem Niveau möchte ich nicht reden, da die Songs durchaus etwas sortierter, konkreter geworden sind, als die wild von einem Extrem zur nächsten springenden "Collibro"-Kompositionen. Es ist einen Hauch konventionell rockiger, allerdings nicht in einem Maße, dass man sich Sorgen machen müsste. Man könnte auch sagen, dass der Muse-Einfluss gegenüber anderen Klangkomponenten ein bisschen dominanter geworden ist.

Letztendlich ist aber auch "Nous" wieder eine stürmische, herausfordernde Angelegenheit zwischen sanftem Pianoklang und bombastischer Wall of Sound mit eigenwilligem Gesang (auf "Myte" übrigens auch mal auf dänisch), die sich ihre ganz eigene Nische irgendwo zwischen Artrock, Metal und Progressive erspielt.

Und welches Album ist nun besser? Eigentlich tun sie sich nicht viel, aber auch wenn ich die Sache mit der Verpackung ignoriere, liegt das Meisterwerk "The Collibro" immer noch vorne, schon weil es satte zwanzig Minuten länger ist. "Nous" hingegen ist nach einem Intro und sechs im schnitt etwa siebenminütigen Titeln auch schon vorbei. Und für dermaßen epische Musik nur eine Dreiviertelstunde? Da muss man das Ding wohl zum Ausgleich entsprechend häufiger hören.

Naja, meinetwegen!

Anspieltipps: Torchers, Epitome, Myte

2012-05-27

LAIBACH - Monumental Retro-Avant-Garde

"Sag mal, worum geht es eigentlich im Herrn der Ringe?"

Eine Frage dieser Art (statt "Herr der Ringe" könnte man auch "Mad Men", "Lost" etc. einsetzen) hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört.

Man muss ja auch zugeben: An die meisten popkulturellen Phänomene haben wie die Erwartungshaltung, sie uns nach einigen beschreibenden Sätzen und Vergleichen zumindest grob vorstellen zu können - und ebenso glauben wir als gefragte Experten für jenes Fan-Wissen natürlich, mal eben eine nachvollziehbare Beschreibung rausschütteln zu können. Und oftmals funktioniert das.

Wird es allerdings wie in den obigen Beispielen weit komplexer, dann stammelt man sich schnell stundenlang von einem Teilaspekt zum nächsten und kommt dabei doch nicht wirklich auf den Punkt. Am Ende ist der Fragesteller vor allem verwirrt, und es bleibt nur die dringende Empfehlung, dass er sich einfach mal selbst mit dem Thema befassen solle. Und als Experte ist man trotz fortgeschrittenen Nerdtums höchst unzufrieden mit sich, weil man letztendlich ja in seiner Funktion als kriecherischer Götzendienstler sein Goldenes Kalb weit unter Wert verkauft hat.

Eine persönliche Klassiker-Frage, an der ich schon oft derart gescheitert bin, lautet:
"Was für eine Band ist eigentlich Laibach?"

Dabei könnte man ja schon die Frage an sich in Frage stellen, da sie voraussetzt, dass es sich bei Laibach überhaupt 1. um eine Band und 2. um eine Band handelt.
So sage ich gerne, dass es sich bei den Slowenen um die vielleicht einzige Band mit konsequentem Konzept (im Gegensatz zu Image) handelt. Aber ist es nicht eher so, dass hier nicht die Band das Konzept hat, sondern umgekehrt die Band nur ein Arm einer übergeordneten Idee ist?
Und welche der unterschiedlichen Musikerkonstellationen, die in den letzten fünf Jahren (die ich sie leider seit der "Volk"-Tour in Hannover schon nicht mehr live zu Gesicht bekommen habe) je nach Motto der Tour oder des Konzertes auf der Bühne standen, sind denn nun die echten Laibach?

Fragen über Fragen. Bücher wurden über Laibach geschrieben und Dokumentationen gedreht Alle kommen Sie zu dem Schluss, dass die Frage, das Infragestellen zentrales Element der Laibach-Kunst sind.
Und ich kleines Licht soll im Ernst diese Frage beantworten?

Zuletzt geschah dies letzten Monat, am Samstag, den 14. April 2012, im tilburger Musikclub 013 während des Roadburn Festivals.

Ich ahnte nicht, dass genau in dem Moment, in dem ich wieder einmal an der Erklärung kläglich scheiterte, grob 200 km westlich an der Themse das Tate Modern mit einer Ausstellung über die Neue Slowenische Kunst der Antwort wesentlich näher war als ich. Und zum Glück war mir auch nicht bewusst, dass eben dort wohl der einzige Ort war, an dem ich mich - trotz meiner grenzenlosen Begeisterung für das Roadburn-Festival - zumindest an diesem Tag tatsächlich noch lieber befunden hätte, da nämlich Laibach diese Ausstellung mit einer historischen Show krönten.

Den Blick von rückwärts auf die subversiven Wurzeln der Gruppe in Jugoslawien bis mondwärts auf den Iron Sky-Soundtrack richtend, lautete das Motto des Abends "Monumental Retro-Avant-Garde".

Wie schon 2007 das Londoner Konzert der "Volk"-Tour hat das Team von Live Here Now den Auftritt mitgeschnitten und bereits direkt nach dem Konzert an die Besucher verkauft. Zum Glück ist die stilvoll aufgemachte Doppel-CD nun auch für uns zu haben, die wir dem Ereignis nicht live beiwohnen konnten.


LAIBACH - Monumental Retro-Avant-Garde - Live at Tate Modern / 14 April 2012 (2012)

Die erste Konzerthälfte ist komplett den Industrial-Anfängen Laibachs gewidmet und konzentriert sich vor allem auf Material aus den frühen Achtziger Jahren. Doch schon der zwischen Karl Marx und "Heitschi Bumbeitschi Bumbum" lärmende Opener "Siemens" zeigt mit der prominenten Verwendung von Sounds der in späteren Dekaden aufgenommenen Songs "War" und "B-Mashina", dass es sich um renovierte Arrangements der Stücke handelt und es zwar - im besten Sinne - anstrengend, aber schon etwas zugänglicher als zu "Rekapitulacija"-Zeiten zugehen wird.

Am klassischsten lärmt es noch bei den ersten Stücken aus den Boxen. Ausgehend von dem, was ich höre, und den Booklet-Fotos , gehe ich mal davon aus, dass hier auch einige der ansonsten nicht mehr oder nur noch selten live auf der Bühne mitwirkenden Ur-Mitglieder wie Ivan Novak und Dejan Knez dabei sind, ehe man zur aktuellen Besetzung übergeht. Diese wird vor allem durch das mittlerweile fast zu gleichen Anteilen agierende Gesangsduo aus Tiefsprechgroßmeister Milan Fras und der ebenfalls unverkennbaren, wunderbaren Mina Špiler geprägt, und zeigt sich musikalisch vielseitig, dynamisch, elektronisch (und nach wie vor saiteninstrumentefrei).

Die vorherrschende Sprache auf CD 1 ist slovenisch. Und schon wenn sich Fras nach einer Viertelstunde, die vor allem in klangcollagenhafter Ursuppe gerührt wurde, in "Sredi Bojev" erstmals zu Wort meldet, hat man den Eindruck, dass sein unmenschliches Organ in seiner Muttersprache noch tiefer dröhnt und droht als sonst.
Ob sie nun aus Freiheit und Gerechtigkeit die Zukunft schmieden ("Mi Kujemo Bodocnost"), nach schrecklichen Greueln ("Smrt Za Smrt", mit einem Gastsänger, der wunderschön ein abgestochenes Schwein imitiert) heldenhaft in der Schlacht sterben ("Ti, Ki Izzivaš") oder uns mit ihnen zum neuen Lichte emporsteigen lassen ("Brat Moj"), die Propagandamaschine läuft auf Hochtouren und hämmert uns ihre Botschaften nicht nur mit Bombast und eiserner Industrialfaust ein, sondern klingt gleichzeitig auch oft beinahe sehnsuchtsvoll entrückt.

Das Finale des ersten Sets bilden nach einer überraschend tanzbaren Version von "Država" der erste deutschsprachige Titel "Leben - Tod" und einer meiner absoluten und leider nie live gehörten Laibach-Favoriten, der spartanisch Kraftwerk Tribut zollende Quasi-Titeltrack von "Kapital" - "Les Privilège Des Morts".
Niemals klang französisch so bösartig. C'est très bien!

Das zweite Set beginnt dann - diesmal ganz ohne Ironie - mit dem wirklich wunderschönen Beatles-Cover "Across The Universe", welches schon in seiner Studioversion das Original vergessen machte, streift dann mit der neuen Fassung von "B-Mashina" und "Under The Iron Sky" den aktuellen Filmsoundtrack und besteht neben zwei Stücken von "WAT" aus sowohl altbekannten, aber neu verpackten Coversongs ("Alle Gegen Alle", "Leben heisst Leben", "Geburt einer Nation"), als auch aus neueren Laibach-Interpretationen, die hier ihren Tonträgereinstand feiern.
Dabei schlägt "Warme Lederhaut" ("Warm Leatherette") in eine ähnliche Kerbe wie "Alle Gegen Alle" und ist somit zwar gut, aber nicht ganz so spannend wie das teilweise wieder französischsprachige "Love On The Beat" und die ganz große "Ballad Of a Thin Man", in der z.T. sogar der Gesangsduktus Bob Dylans von Milan Fras aufgegriffen wird.

Alles in allem bekommt man mit "Monumental Retro-Avant-Garde" ein relativ komplettes Bild von Laibach anno 2012 plus einen Hauch der guten alten Zeit.

Und nebenbei ist es hier endlich einmal gelungen, den schwer konservierbaren Live-Sound der Gruppe ohne Abzüge in der B-Note einzufangen. Von einem zwar guten, aber dennoch Wünsche offen lassenden Klang irgendwo zwischen Bootleg und offiziellem Live-Album, wie bei der ersten LiveHereNow-Veröffentlichung kann hier nicht die Rede sein.
In diesem Sinne: Regler so hoch wie möglich und Begeisterung, die ganze Nacht! Es gibt nur ein Klangbild! Jawoll!

Da bleibt mir am Ende eigentlich nur eine Bitte: Auf der nächsten Tour, egal unter welchem Motto sie stehen mag, bitte bitte unbedingt mal wieder nach Norddeutschland kommen!
Bis dahin bekommt diese Tonaufzeichnung einen Ehrenplatz in der Sammlung.


Anspieltipps: Le Privilège Des Morts, Across The Universe, Ti Ki Izzivaš, Love On The Beat, Mi Kujemo Bodočnost, Siemens, Leben heisst Leben, Država, Ballad Of A Thin Man, Du Bist Unser

Worldwide Pinhole Photography Day 2012


Agfa Clack PinholeHolga Wide Pinhole Camera
Nachdem ich letztes Mal ausgesetzt hatte, war ich diese Jahr - wie auch schon 2009 und 2010 - wieder dabei, als es am 29. April hieß: Linsen raus, es ist Weltlochkameratag!



Mit meinen beiden neuesten Babys, der umgebauten Agfa Clack und der Holga Wide Pinhole Camera, führte ich diesmal sogar zwei Knipsen aus.


Und das ist dabei rausgekommen:












Und mehr linsenlose Bilder von mir gibt es natürlich auf flickr! ;)


2012-05-17

KAITI KINK ENSEMBLE - Under The Iron Sky

Neben dem offiziellen Soundtrack von Laibach hat der Independent-Film "Iron Sky" noch ein weiteres, höchst hörenswertes musikalisches Nebenprodukt hervorgebracht.

Das Kaiti Kink Ensemble komponierte den nur aus Intro, Strophe und Refrain bestehenden Song zum ersten Film-Teaser und entschied sich aufgrund der großen Resonanz, nicht nur diesen Song zu Ende zu schreiben, sondern ein ganzes von Iron Sky inspiriertes Album aufzunehmen, welches nun auf kaitikink-ensemble.com zum Download zu haben ist.

KAITI KINK ENSEMBLE - Under The Iron Sky (2012)

"Under The Iron Sky" ist wie gesagt nicht der Soundtrack zum fast gleichnamigen Film und auch kein alternativer Soundtrack, wohl aber kann man dieses Album als Soundtrack zu einem alternativen "Iron Sky"-Film verstehen, in dem sich vor dem gleichen Hintergrund eine andere Handlung entfaltet, in welcher es eher um menschliche Sehnsüchte als um die Schlachten irrer US-Präsidentinnen mit Mondnazis geht.

Tatsächlich hört sich dieses Album sehr gut direkt nach dem "echtem" Soundtrack zum Runterkommen, schwelgt es doch in einer ähnlichen Stimmung wie beispielsweise dessen finale Momente.

Jazz, Dubsteb, Trip Hop, Orchesterklänge und über allem schwebend die fesselnde Stimme der finnischen Sängerin Kaiti Kink sind einige der Zutaten, aus denen sich "Under The Iron Sky" zusammensetzt. Dabei geht es sehr songorientiert zu, es funktioniert also auch vollkommen ohne jeden Bezug zum Film.

Meine Kenntnisse der angeschnittenen Genres halten sich in Grenzen, mir fallen da aus meiner Sammlung Archive, "Psyence Fiction" von U.N.K.L.E. und Little Red Lung ein, womit aber beispielsweise der Jazzaspekt noch kaum abgedeckt wäre. Eine ganz kleine Prise Milla Jovovioch vielleicht (Warum nur hat sich die Dame nach "The Divine Comedy" nicht hauptberuflich aufs Singen konzentriert?), aber eher noch - ja, die Unvermeidlichen - Laibach auf dem "Volk"-Album, zumindest was den rhythmischen Bereich angeht.
Zu einem echten Punkt komme ich mit diesen Mehr-oder-weniger-Vergleichen aber nicht.

Also sage ich einfach mal, dass es wunderschöne, cineastische Lieder mit nostalgischem Flair im modernen, experimentellen Gewand sind.

Und die waren es mir immerhin wert, den tonträgerlosen Download in eine schicke, selbstgebastelte Papp-CD-Hülle zu überführen. Ein feines Album für die Rettungskapsel auf dem Weg zum Mars, wenn hinter einem mal wieder Mond und Erde in Trümmern liegen.

Anspieltipps: The Journey, Dark Side Of The Moon, Under The Iron Sky, You're the Home

LAIBACH - Iron Sky

Der Hype ist groß - und das ist er nicht ohne Grund. Die Prämisse der finnisch/deutsch/australischen und weltweit von Fans mitfinanzierten Filmproduktion "Iron Sky" - Nazis sind Ende des Zweiten Weltkriegs mit Reichsflugscheiben auf die dunkle Seite des Mondes geflohen und haben dort ein Viertes Reich errichtet, um eines Tages zurückzukehren - ließ von Anfang an eigentlich nur einen Kultfilm zu. Die Frage war nur, ob es gemessen an seinem vergleichsweise geringem Budget ein wirklich guter Kultfilm werden würde - oder eher einer der anderen Kategorie...

Auch wenn mancher Witz etwas flach daher kommt und dem Drehbuch noch manche kleine Unbeholfenheit anzumerken ist, so kann ich diese Frage nach dem Kinobesuch doch eindeutig positiv beantworten. Man spürt, dass hier Menschen mit einer (absurden) Vision am Werk waren, die fehlende Mittel durch viel Einsatz wettgemacht haben. Insbesondere das Special-Effects-Team dürfte monatelang kein Tageslicht gesehen haben.

Am besten wird der Film "Iron Sky" immer dann, wenn er mit totalitärer Ästhetik und politischer Satire spielt und sich hemmungslos selbst daran ergötzt - beides schon seit Jahrzehnten ausgewiesene Fachgebiete des Kollektivs "Neue Slowenische Kunst".
Dass dessen musikalischer Arm Laibach den Soundtrack liefern sollte, war bei der Entwicklung des Filmkonzept tatsächlich neben Udo Kier als Mond-Führer die erste konkrete Vorstellung des Regisseurs. Und glücklicherweise konnten Laibach dann auch tatsächlich zur Epochalisierung des Streifens gewonnen werden.



LAIBACH - Iron Sky - The Original Film Soundtrack (2012)

Laibach enttäuschen nicht. Es sei denn, man gehört zur "Sind das nicht diese Nazis?"-Fraktion und kennt von ihnen nur die 80er-Hits "Geburt einer Nation" und "Leben heißt Leben" und erwartet Songs dieser Art über die ganze Länge des Films.
Aber als Fan weiß man natürlich über die wesentlich größere Bandbreite des Schaffens der Slowenen und hat dementsprechend eine etwas realistischere Vorstellung.

Es handelt sich hier bis auf wenige Ausnahmen nicht um eine Liedersammlung, sondern um einen echten auf den Film zugeschnitten Score, was auf dem Tonträger durch die Einbettung vieler Original-Dialogfetzen auch besonders betont wird. Das erweist sich als sehr hilfreich zur Überbrückung bis zur DVD-Veröffentlichung im Oktober, da man so beim Hören immer wieder den kompletten Film vor dem inneren Auge ablaufen lassen kann.

Abgesehen davon funktioniert "Iron Sky" allerdings auch noch sehr gut, wenn man es als Laibach-Album verstehen möchte. Es wäre auch nicht das erste, auf dem dem Sprechgesang Milan Fras' nur eine relativ kleine Rolle zukommt. Oder man denke nur an die Bach-Interpretation "Kunst der Fuge", auf der er sich gar nicht zu Wort gemeldet hat.

Ansonsten haben Laibach aber nicht mit Markenzeichen gespart. Die Fanfaren, das militante Stampfen, die Marschgesänge, das pompös Orchestrale, die Chöre, aber auch der erstmals auf "Kapital" gehörte, vor keinem Musikstil von Klassik über Jazz zu Hip Hop halt machende Elektrosound, dessen vollkommen unterschiedliche Ausprägungen später auf "WAT" und "Volk" zur Perfektion getrieben wurden, sind vertreten.

Einige Stücke betreten auch Neuland. So hatte ich beispielsweise die Ballade "Take Me To Heaven" aus der Eröffnungsszene des Films beim ersten Hören im Kino gar nicht Laibach zugeordnet. Auch der "Good War Blues" oder "Der Führer's Last Waltz" sind ganz und gar nicht das, was einem spontan als erstes zu Laibach einfällt, fügen sich jedoch - obwohl natürlich den Anforderungen der Filmhandlung geschuldet - auch problemlos in den musikalischen Katalog der Slowenen ein.

Wesentliche Bestandteile des Laibach-Konzeptes waren schon immer Zitate (bzw. Cover) und Überzeichnungen. "Iron Sky" ist übervoll von beidem und somit gleichzeitig ein äußerst effektiver Soundtrack, ohne den der Film kaum vorstellbar ist, aber auch - wie der Film selbst - eine wild mit Wagner, Hymnen und Versatzstücken aus Weltraumkinoklassikern spielende Persiflage.
Laibach sind hier also in jeder Beziehung ganz und gar in ihrem Element und überzeugen mit diesem Meisterstück auf ganzer Linie.

Der einzige Makel des Albums ist dieses eine Dialog-Sample in "Die Flotte ist bereit", in dem dem guten Udo Kier einfach mitten im Satz das Wort abgeschnitten wird. Das gehört sich nicht. Da hat vermutlich jemand mit ungenügenden Deutschkenntnissen an den Reglern gesessen...

Als Bonus zum eigentlichen Soundtrack beginnt "Iron Sky" mit dem Siddharta-Cover und Laibach-Klassiker "B-Mashina", welcher in den millionenfach angeklickten Trailern eine prominente Rolle gespielt hat und auch textlich ein passendes Prequel zur Filmhandlung darstellt. Der Song wurde allerdings nicht direkt von der "WAT" übernommen, sondern in einer klanglich ins Gesamtbild passenden neuen Version eingespielt.

Ansonsten ist als wiederverwendetes Stück noch "America" in einer entspeckten, soundtracktauglicheren Variante ohne Strophengesang enthalten.

Der anschließende jamesbondeske Abspannsong "Under The Iron Sky" ist die Laibach-Interpretation des eigens für den ersten Teaser-Trailer geschriebenen Stückes und entzückt mit einem Duett von Milan Fras und der großartigen Mina Špiler. Was kann es schöneres geben? Bisher der eindeutige Spitzenkandidat für den Ohrwurm des Jahres!


Anspieltipps: Under The Iron Sky, The Answer To The Question, Space Battle Suite, Götterdämmerung muss fliegen, Washington's Escape, The Moon Nazis Are Coming, B-Mashina, America

2012-04-23

ROADBURN 2012, Tilburg (April 12th - 15th 2012)

Man, that was quite a memorable weekend!

And since it was my main language in Tilburg with most people I met there, I'll try something new and write my little personal report of the Roadburn Festival in english instead of german. I'm also sympathizing with all those non-german speakers here, who had to buy the german edition of Away's art book, because the english one was sold out.

So, where do I start? With my excitement last year, when they announced that Voivod would headline the festival on two days? Or with my huge disappointment, when tickets were sold out after only 7 minutes - yet none to me?

Thanks to the band I got the chance to visit Roadburn with a photopass anyway, and with a billing which apart from the Voivod döuble pack also featured one of my alltime-favorite guitarists and musical visionaires Justin K. Broadrick, who I unfortunately hadn't seen live since way back in the 90s, and the swiss thrash metal legend Coroner, which I had never ever seen, I didn't need to think twice to take it!

As for the rest of the bands - I must admit that there was none which I was really acquainted with in noteworthy depth. Yet even with this gap of musical education, the whole selection of artists sounded exciting on paper alone. You don't need to dig deep to understand that Roadburn isn't primarily interested in only giving you the easiest music to party to, but also to challenge you and broaden your horizon. If any of the terms doom, metal or avantgarde stirs up your interest, there's a pretty high chance that you can discover a lot of great stuff.
I did so, and watching videos of acts I missed on youtube afterwards, I still feel like I've only scratched the surface. Of course the range goes far beyond those mentioned three, as for example also stoner rock, prog and punk are covered, but most of the artists seem to have something in common, which ist kind of hard to grab. Maybe it's that certain amount of edges which sets them apart from the mainstream, or the accurate balance between artistic ambition and rebellious coolness.
Or another way to conclude this whole paragraph: Here's a festival which celebrates the creme de la creme of doom and other "outsider music" in a manner that just makes you pinch yourself to make sure it is really happening. Just think: where else could Voivod, who despite their undisputed worldwide cult status are still just too odd for many regular metalheads, receive this ackknowledgement, including being curators selecting a whole bunch of the other bands for the billing, and drummer Away having an exhibition of his art near the venues and designing the main festival poster? When I arrived in Tilburg and saw those voivodish Roadburn flags saluting at the street in front of the station, I already had a feeling that I might have arrived in a slightly off part of the Multiverse, and that this might very well turn out to be one of the best indoor music events ever...

And what can I say? It was!

One part in that had the venues. There were four stages, three alone in the 013, the main stage with a hall for about 2000 people that could be entered on three levels. I had seen it on several DVDs from Transatlantic and Neal Morse before and it really answered my high expectations.
The fourth stage could be found in another building just a few footsteps away on the other side of the street. Het Patronaat wouldn't be your ordinary live club, yet the wing of a real church. So on Saturday I went to church to see Jesu. Can't remember having done that before...
All stages had good light shows and a screens for changing backdrops or films, which added to the overall visual feast, which also contained lots of painted art, in huge parts specially made for this festival and its musicians. I already mentioned Away's exhibition, where you could meet the master himself every afternoon.


But now finally something about the concerts!

Instead of trying to cover everything in chronological order, I'll just start with the two Voivod shows.

Thursday saw SnakeChewyBlackyAway starting off with the unevitable hymn "Voivod" into a ride through classics from most of their phases, as well as presenting the new song "Target Earth" which was really welcomed by the audience and makes you eager for the new album to come out - hopefully this summer. After one hour of their unique cyberpunkthrashprogmetal (or whatever you call it - as long as it rocks the way it does, who cares?) I had this same feeling like in Wacken 2010 oder last year in Zurich, that this might have been the best Voivod show I've ever witnessed. Only this time that notion should only last for not even 24 hours...

On Friday the canadians performed the whole 1988 album "Dimension Hätross" in its entirety - well almost. They skipped one rather silly bonus track of it... Instead they invited Dan Kubinski, singer of 80s post-punk act and Voivod-influence Die Kreuzen on stage for one cover song of his former band.

And after that the unbelievable happened, which fans had been hoping to see for almost twenty years: the 17-minutes epic "Jack Luminous" from their underrated 1993 output "The Outer Limits" was played live for the first time ever!

I spotted grown men come to tears in the audience - as for me, I was especially surprised because I had just talked to two band members seperately about that song and those poker-faced bastards seriously assured me that it would not happen. Yet when I suggested to Dan (guitar), that playing "Jack Luminous" would be the next special thing to do, he just said "Nah! That would be Batman." With "Batman" being the left out "Dimension Hätross" track I guess I should have suspected something by then...


As another side note it's worth mentioning, that Voivod wasn't the only band playing one regular set followed by the performance of a complete album the other day, so did Yob (who I can't say anything about) and Bongripper.

My second personal headliner was Justin K. Broadrick, who as "artist in residence" didn't play two, but even three times in Het Patronaat with three of his projects.

Due to overlapping with Voivod I couldn't watch his first show as JK Flesh / White Static Demon, of which he himself stated on facebook that it managed to clear a good portion of the audience.

Luckily I could be there for Final on Friday, which was basically just him with his Apple, guitar and some effects generating a single one-hour soundscape not even underlayed with a single beat. I doubt that it's possible to describe the real impact of this performance or that internet clips could do it justice, because you really have to allow this wave of noise to wash over you. An astonishing amount of people did. Maybe my most intense Roadburn experience.

Compared to this one Jesu surely was more accessible, though I had to adjust to the fact that they appeared in Godflesh fashion as a two-piece with a drum machine, while I had hoped to see them in a more organic lineup with real drums. But I got over it pretty soon. Broadrick may not be the greatest singer on earth, but is overall vision just is a class of its own, and with a set that starts off with the debut album masterpieces "Your Path To Divinity" and "Tired Of Me" nothing can go wrong anyway.


And then there were Switzerland's finest (besides Triptykon, who already played at the Roadburn Festival in 2010). Coroner played on Sunday night as part as the Afterburner event, which took place in only two of the four stages as an extra treat, and I struggled a while with staying for so long, because work was waiting on Monday... Let me give you this one advice, boys and girls: If you visit a four-day-festival six hours away from home and you're driving alone, make damn sure that you have a proper place to sleep for all nights!
I had only booked three nights in my hotel and went home directly after Coroner pausing several times first to get some fresh air, then for three naps - always until I woke up from the cold - on some Autobahn rest areas. And I can tell you that the rest of my work Monday was anything but productive.

Back to Coroner - they delivered their signature thrash metal classics not only with razorsharp precision, but also shined with atmospheric parts and some of the most brilliant guitar solos of the genre.
A break due to technical issues was a little annoying, but I guess digging deep into the band's demo-days past with playing a Celtic Frost style song, which was originally even sung by the the master Thomas Gabriel Fischer himself back in the days made up to it. For the trivial gossip rate of this report I have to mention that Fischer, though not performing himself could be seen as a festival visitor.
And back to Coroner once again - the show was fully worth the exhausting night drive and I can't wait to see them as a highlight of this year's Wacken Open Air!


Another good reason to stay on Sunday which I didn't know beforehand was the discovery of one of the most impressive new bands for me, when the instrumental fourpiece Bongripper played their hilariously titled album "Satan Worshipping Doom". What a mighty concrete wall of extreme slow motion doom metal!
Too bad that a not very appatizing mixture of food and beer was spilled on parts of my leather jacket at the end of the show. That was really disgusting and spoiled the memory a little. Nevertheless I've ordered my digital copy of this great album today.


I won't go into detail about every other artist I watched - be it for one or two songs or a whole set, but some names deserve to be mentioned:

OM - doom minimalism, made of at least 80% bass, drums and one guy switching between tambourine and occasionally keys or guitar - and surely a little too much to smoke. Last - and long - song performed without light show in darkness. Can't imagine another place where so many people attend such an obscure performance.
Same goes with Sleep, the evil distorted twin of OM, where the room was packed. Four amplifiers and tons of distortion for one bass. Not sure if that's what german lyricist Das Bo meant when he said "Bass, Bass, wir brauchen Bass" in his poem "Türlich Türlich", but it definitely had something to it.

Killing Joke!

Ulver playing a concept show about love with cover songs from the 60s. Trippy!
Obviously too much for some fans, but those who stayed had a good time.

Nachtmystium surprised me. Who would have thought that I would actually stay and listen to a black metal band with the notorious cheesy keys and such an awkward band name.

J.G. Thirwell's Manorexia - a chamber orchestra on progressive krautrock? I have no idea how to label it, but it was a welcome diversion.
In retrospect I would have also liked to see more of The Mount Fuiji Doomjazz Corporation, which was another interesting fully non-rock music avantgarde act on Sunday.

Sometimes a little bit too repetitive, but still Sólstafir's mixture of metal and cool psychedelic rock was a late afternoon highlight as well as the gothic death metal of Celestial Season, which fitted very well into that clerical environment.


On Saturday and more so on Sunday I felt that my absorption capacity for new music began to wear out, so I spent a little more time outside the venues or with George R. R. Martin's "Song of Ice and Fire", which may be a big book, but with its short pov chapters has proven to be a good read for short breaks, like while you're waiting for your pizza.

And anyone who knows me won't be surprised that I also took my time to walk around in Tilburg (and Oisterwijk, where I was sleeping) with some of my cameras, so you can expect that there's some tourist stuff Der Ohlsen style still to come on my flickr stream once the films are developed.


My Roadburn concert photographs can all be found HERE!


With the promise of Godflesh performing "Pure" I'm already tempted to visit again next year, but all in all it  is an expensive long weekend... and of course you need some luck with the tickets.
Concerning this I'm just realizing that writing a positive festival review might not really be helping. Damn!

Greetings to everyone I've met in Tilburg and Oisterwijk and again a cölossal thank you to Blacky and Voivod for the invitation!

 my personal fan package ;)

ROADBURN 2012 pics - days 3 (Sat.) + 4 (Sunday)

review coming even sooner than last time I mentioned it ;)

CELESTIAL SEASON:

JESU:

THE OBSESSED:

CORONER: