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2017-03-18

OVERKILL / KREATOR - Man In Black / Warrior Heart

Moin Internet! Hier ist wieder dem Ohlsen sein Blog, das sich nicht einmal für einen Namen entscheiden kann, mit der Rubrik "Rezensionen, nach denen wirklich niemand gefragt hat". Aber wenn man alle im aktuellen Jahr erschienen Musikkäufe bespricht, dann passiert es halt auch ab und zu, dass man etwas zu einem Zeitschriften-Gimmick schreibt.
Ok, wenn es ein regulärer CD-Promosampler wäre, dann würde ich mir das Getippe natürlich sparen. Aber gerade das RockHard kaufe ich ja seit Jahren nur noch in seltenen Einzelfällen - und dann bevorzugt eben wegen des Extras. Damit bin ich sicherlich nicht allein, das kommerzielle Kalkül dahinter geht also auf.

Womit ich den Machern keineswegs seelenlose Geschäftemacherei unterstellen möchte, denn die letztes Jahr mit Running Wild und Sodom gestartete Entdeckung der Vinyl-Split-Single mit vollwertigem Artwork als Beigabe ist mit Sicherheit auch eine Herzensangelegenheit. Ganz davon abgesehen, dass die Produktion der Scheibe sicherlich mehr kostet als bei einer CD. Bei einer Auflage von um die zwanzigtausend Stück (bei wie vielen Singles gibt's das denn noch?) und den Verzicht auf eine Innenhülle dürfte der Einkaufspreis aber auch ok gewesen sein. Wenn der nicht eh schon Promoausgabe von Nuclear Blast Records ist. Man steckt da ja nicht drin...




OVERKILL / KREATOR - Man In Black / Warrior Heart (Split 7") (2017)

Nachdem die erste RockHard-7" für mich wegen Running Wild-Allergie nicht so interessant war, habe ich bei der aktuellen März-Ausgabe (Nr. 358) dann doch mal zugeschlagen. Die Single kommt wie gesagt zwar ohne Schutzhülle, aber immerhin im stabilen Karton. Und da das ganze Heft ja eingeschweißt ist, kann man damit gut leben. Das Entfusseln war allerdings schon mittelmühsam.

So mittel (aber mit leichter Tendenz nach oben) ist auch die Lesbarkeit des der Single beiliegenden RockHards, das immerhin geschmacksicher "Here Now, There Then" von Dool zum Album des Monats gekürt hat.

Doch nun zum eigentlichen Objekt, welches absurderweise jetzt schon für zwölf bis fünfundzwanzig Ocken auf Discogs angeboten wird, obwohl es doch sogar noch ein paar Tage ganz normal im Zeitschriftenhandel zu haben ist.


Overkill sind mir grundsätzlich sympathisch, ich habe schon ein paar Konzerte von ihnen gesehen, die ordentlich gefetzt haben. Und dann war da natürlich jener Viel-zu-laut-Gig nur ein paar Minuten von hier im High Noon, der damals von den Wacken Open Air-Chefs betriebenen schenefelder Musikkneipe, bei dem der Mischer mit fetten Luxus-Ohropax einen Sound zauberte, der draußen an der Straße, weit vom Eingang entfernt, den idealen Pegel hatte, drinnen aber kaum auszuhalten war.
Auf Konserve allerdings sind mir die Thrash-Veteranen ziemlich egal. Ich besitze zwar die "Horrorscope", doch jenseits des Titelsongs hat sie mich nie gekickt.

Von daher war ich bei der A-Seite hier erstmal skeptisch, zumal hier auch noch einer der Johnny Cash-Klassiker gespielt wird. Sowohl genrefremde Cover von Thrash-Metal-Bands als auch Cash-Cover allgemein stehen nun nicht gerade an vorderster Front, wenn es darum geht, die Musikwelt um etwas zu bereichern, was ihr noch ganz dringend fehlt.
Doch Overkill interpretieren das Ding gar nicht schlecht. Sie versuchen zum Glück gar nicht erst, einen Metalsong daraus zu machen, sondern begnügen sich neben der originalgetreuen Gitarre mit etwas zusätzlichem Rhythmus und ein wenig Solo, lassen darüber hinaus aber einfach nur Bobby "Blitz" Ellsworths Stimme die Arbeit machen.

Da kann man nicht meckern. Lässig.
     



Die Kreator-Seite mit dem exklusiven Non-Album-Track "Warrior Heart" ist da schon ein bisschen schwieriger. Die Tendenz, einerseits richtig derbe böse auf den Putz zu hauen, dem anderseits aber immer mehr melodisch-hymnische Heavy Metal-Einflüsse entgegenzustellen ist bei Mille, Ventor und Co. jetzt ja nichts ganz Neues.
Mittlerweile treiben Kreator dieses Spiel aber schon grenzwertig weit. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum ich noch nicht ernsthaft über den Kauf der "Gods Of Violence" nachgeacht habe und mich nun erstmal hiermit als Substitut begnüge.

Schlecht ist der Track ja nicht. Gewöhnungsbedürftig ist diese Ausrichtung aber schon. So ein bisschen klingen Kreator hier so, wie viele auf bösen harten Macker machenden Tralala-Gruppen sich eigentlich ihrem Posing nach anhören müssten.

Wie auch immer man ihr Kunststück, hier truee Traditionalisten mit trueem Traditionalismus anzupissen, musikalisch bewertet - ich bin da persönlich noch etwas unentschlossen -, meinen Respekt dafür, wirklich immer das Ding durchzuziehen, nach dem ihnen gerade der Sinn steht, haben Kreator auf jeden Fall.



Highlights: Ja, manchmal denke ich, ich sollte die Sache mit den "Highlights" einfach lassen. Ausschließlichen Schlager-Fans empfehle ich, das Ding einfach unausgepackt bei Discogs zu verscherbeln. So zwölf bis fünfundzwanzig Euro sollten drin sein! *g*




2016-07-29

BLUES PILLS - Golden Treasures

In ein paar Tagen erscheint die Neue von den Blues Pills. Haben oder nicht haben?

Das Video zum Titelsong "Lady In Gold" fand ich ja etwas enttäuschend. Hmm... Ich befinde mich noch im Prozess der Entscheidungsfindung.

Wie auch immer dieser Prozess ausgeht - damit mein Blog keine Sehnsucht nach Elin Larsson und Co. bekommt, wird hier jetzt einfach mal die CD-Beilage zum aktuellen RockHard (Nr. 351 / August 2016) sternenförmig abrezensiert!


BLUES PILLS - Golden Treasures (2016)

Zunächst einmal muss man natürlich loben, dass die Hülle für so eine Zeitschriftenbeilage ja regelrecht edel ist. Nur dass die schmale Seite (welche man im CD-Regal sieht) ganz unbedruckt ist, sieht ein bisschen nach Layoutfehler aus.
Bei der Diebstahlsicherung des Tonträgers selbst sehe ich auch noch Luft nach oben. Man sollte beim Kauf also schon drauf achten, dass das Ding auch wirklich drin ist!

Die CD enthält acht Tracks und ist damit von der Länge der als vollwertiges Album zu betrachten, inhaltlich allerdings doch eher eher eine Live-EP mit Studio-Bonustracks.

Es beginnt der schon erwähnte Titelsong von "Lady In Gold". Nein, es ist nicht das Klavier, welches mich an dem Track gestört hat, ebensowenig die Orgel, die wohl auf dem gesamten Album präsent sein soll und ab sofort auch live dabei ist.
Und diese motown-mäßigen Oldschool-Soul-Chöre gefallen mir sogar richtig gut und retten hier tatsächlich das Stück.

Nein, was hier einfach schwächelt ist der Refrain. Der ist zwar durchaus ein Ohrwurm, aber halt keiner von der wirklich guten Sorte. Diese Hook bleibt unter gewohntem Blues Pills-Niveau.
Ansonsten könnte die Gitarre im Mix auch ruhig noch präsenter sein.

Das ebenfalls dem Studioalbum entnommene Tony Joe White-Cover "Elements And Things" hingegen hat keinerlei Probleme zu zünden. Ich würde mal tippen, dass dies einer der traditionellsten, am meisten an das Debütalbum erinnernde Stück sein wird. Groovepumpt ziemlich gut ab, Dorrian Sorriaux zeigt an der Gitarre mal eher seine spacerockige Seite, und die Orgel setzt ein paar lecker donnernde Akzente. 

Für Track drei wurde die Studioversion von "Bliss" ausgegraben. Klingt trotz Demosound ziemlich frisch und fällt somit in die Kategorie nicht nötig (man hat ja schon die "Blues Pills Live"-Version und den hiervon abgeleiteten Song "Jupiter") aber nett.

Das wichtigste passiert bei den Blues Pills auf der Bühne, und so besteht der Kern der "Golden Treasures" aus den folgenden fünf Liveaufnahmen vom RockHard Festival 2014.
Klar, die Stücke hat man inzwischen alle schon reichlich gehört, aber besonders an den sechs Saiten variiert die Gruppe ja auch immer wieder gerne, so dass jede neue Liveversion eines Songs nach wie vor seine eigene Energie entfaltet.
Die Band kann es einfach. Einzig der Abschluss "Devil Man" ist für mich ja schon seit einer Weile der einzige Blues Pills-Song, den ich eigentlich nicht mehr hören kann.

Unterm Strich ist diese CD also ein lohnenswertes Ding, für das man auch gerne den Kauf eines RockHards in Kauf nehmen kann. Das würde ich sonst ja nicht mehr tun, auch wenn mir die Themenauswahl hier vom Überfliegen her sogar noch einigermaßen vertretbar erscheint. (Nein, damit meine ich natürlich nicht das große Sabaton-Interview.)


Und kaufe ich mir die "Lady In Gold" nun?

Naja, inzwischen hat die Band ja auch "Little Boy Preacher" vorgestellt, und der ist trotz auch hier etwas untergebutterter Gitarre doch gar nicht übel...  Ok, ich bestell sie ja schon. Also nicht heute... aber demnächst.


Highlights: Dig In (live), High Class Woman (live), Elements And Things

2014-08-30

Pressespiegel 08/2014 : eclipsed / Metal Hammer / Deaf Forever

Boah, was hab ich mich erschrocken! Was ist überflüssiger als Print-Magazine zum Thema Musik? ;)

Und ich hab mir diesen Monat doch glatt drei Stück davon gekauft!


Ein Schnellcheck:



eclipsed 

Was ist die wirksamste Methode, um sich abzugewöhnen, eine Zeitschrift zu lesen? - Ein Abo.

Mit Zeitschriftenabos ist es doch immer dasselbe. Ein Jahr lang liest man das Blatt fleißig von vorne bis hinten durch, doch irgendwann lässt das Pflichtgefühl nach, die Zeitschrift trudelt ein, wird einmal quer durchgeblättert und bleibt erstmal liegen... und irgendwann hört man vielleicht auch mal in die beigelegte CD rein...   Aber kündigen mag ich es im Fall des ecplipsed dann doch nicht. Denn eigentlich hat das Ding schon einiges zu bieten:
Im Abo günstiger als im Handel, dazu jeden Monat eine CD, die fast immer durchweg hörbar bis sehr gut hörbar ist - Ausfälle sind neben dem üblichen Classic-, Art-, Prog-, Post-, Jam-Rock, Blues usw. am ehesten mal kitschige Progmetal-Beiträge. Also eigentlich immer eine gute Ergänzung für den heimischen Zufallsplayer.
Dazu ausführliche Stories (wenn auch mit zu großem Gewicht auf Retro-Wohlfühlerei - ein Jahr ohne gefühlt zwei Pink Floyd-Titelgeschichten scheint unmöglich) und vor allem immer wieder schöne TOP-100-Ratings, die immer anregen, Rockbildungslücklen zu schließen.
Lästig ist manchmal ein gewisser Snobismus, der sich z.B. äußert, wenn in einem Interview unbedingt (erfolglos) versucht wird, aus der Sängerin der Blues Pills eine abfällige Bemerkung zum Metal-Publikum, vor dem die Gruppe auf Festivals viel spielt, herauszukitzeln.

U.a. in dieser Ausgabe:
• Teil 1 einer großen Story zur Geschichte der Rockfotografie - yep, gut gemacht, interessante Interviews und viele Seiten mit relativ großen Bildern
• "Weltkulturalbum" des Monats: Santana "Lotus" - Oh ja, eines der absolut besten Live-Alben aller Zeiten!
• "Weiter im Text - Kultige Songs und ihre Bedeutung": fast immer interessant, diesmal The Velvet Underground "I`m Waiting For The Man" - cool, aktueller Ohrwurm von mir
• Huch, eclipsed schreibt tatsächlich über Godflesh!
• Album des Monats von Opeth - keine Überraschung hier



Metal Hammer

Ich geb's zu:  Über die Notwendigkeit unbedingt eine ausführliche Wacken-Titelstory zu lesen, weil ich selbst ja nur knapp über zwei Dutzend Bands gesehen habe, vergaß ich doch glatt, dass der Metal Hammer ja Springer-Presse ist. War also definitiv das letzte Mal, versprochen!

Weiterhin gibt's auch keinen Grund, die "Metal-Bravo" zu kaufen. Klar, das eine oder andere Interview kann man lesen, aber das meiste ist für mich absolut uninteressant, was sich auch in der beiliegenden CD wiederspiegelt, die durchzuhören teilweise richtig schmerzhaft ist. Nein, in den populärsten Bereichen des Metal tummelt sich viel stumpfer Kitsch.
Die Rezeption zur neuen Opeth fällt natürlich nach guter Metallermanier - zumindest bei einigen Schreibern - sehr viel anders als im eclipsed aus.
Im Wacken-Bericht freue ich, dass immerhin mal auf die "Qualität" des Daueropeners Skyline hingewiesen wird und dass das ganze Ding mit knapp 30 Seiten recht üppig ausfällt.
Geradezu frech ist allerdings die geballte Inkompetenz und das affige Ins-Lächerliche-Ziehen zum Thema King Diamond... ganz untere Schublade. Aber Hauptsache, auf dem Cover macht er sich gut...



DEAF FOREVER

Eine ganz andere Haltung zum King demonstriert da doch die erste Ausgabe des DEAF FOREVER mit einer Titelstory inklusive der königlich abgesegneten Vorstellung diverser Mercyful Fate-Bootleg-LPs.
Diese Titelgeschichte ist natürlich an sich schon ein Statement, ist das DEAF FOREVER doch das neue Kind des RockHard-Urgesteins Götz Kühnemund, der hier u.a. zusammen mit Frank Albrecht und Wolf-Rüdiger Mühlmann, der hier seinen neugewonnen Bock auf Metal und ehrlichen Musikjournalismus ohne Sponsorzwänge auslebt. Und sich so natürlich in eine klar abgegrenzte Position zum RockHard, von dem er sich bekanntlich abgespalten hat / abgespalten wurde, begibt.

Tatsächlich merkt man dem ganze Heft eine Menge Enthusiasmus an, es werden neben Geschichten zu den "Großen" auch viele Bands und Festivals besprochen, die in anderen bundesweit erhältlichen Zeitschriften wohl weniger prominent wegkämen. Die 130 Seiten sind prall gefüllt und lesen sich deutlich besser, als es beim RockHard zuletzt der Fall war. (Soweit ich das beurteilen kann zumindest - ich kaufe das RH ja auch nur noch wenn z.B. eine exklusive Live-CD von Opeth oder Kreator dabei ist.)

Für 100%ige Metalfans, die das ganze Ding richtig leben und auf Linie der hier gebotenen handverlesenen Mischung liegen,  ist das DEAF FOREVER auf jeden Fall zu empfehlen.

Bei mir persönlich kommt es wohl auf die Themen der Ausgabe an. Insbesondere bei der großen Bestandsaufnahme der deutschen Metal-Landschaft, inkl. der 50 wichtigsten deutschen Platten seit der Jahrtausendwende, habe ich gemerkt, dass ich nicht wirklich die Zielgruppe bin. Von den Scheiben kenne ich nämlich mit "Pelagial" von The Ocean tatsächlich nur eine einzige.

Und dass es mir bei vielen der anderen überhaupt irgendwie in den Fingern juckt, kann ich jetzt trotz meiner momentan doch sehr lebendigen Musikbegeisterung nicht behaupten. Klar sind da ein paar interessant klingende Alben dabei, aber sofort reinhören muss ich nicht... Die besten Chancen haben wohl The Oath, weil ich gerade wieder in das Medium Schallplatte eingestiegen bin und mir die Damen auf dem Cover natürlich gerne groß ansehen würde. Aber auch wegen der Musik. ;)




Und NEIN, das hier war ein einmaliger spontaner Text und wird keine feste Rubrik...


2012-07-01

KREATOR - Terror Prevails, Pt. 2

Ich gebe es zu: Ab und zu kaufe ich mir tatsächlich noch ein RockHard, z.B. letztes Jahr, als das Heft eine exklusive Live-CD von Opeth enthielt.

Und da ich dank "Phantom Antichrist" ja momentan in Kreator-Laune bin, habe ich mir auf den letzten Drücker nun auch die Juni-Ausgabe besorgt, auf dessen Tonträgerbeigabe sich die zweite Hälfte des Konzerts vom RockHard-Festival 2010 befindet.

Ein zweiter Grund das Heft zu kaufen war noch Bericht vom Roadburn Festival. Direkt nach der Dame an der Hotelrezeption war Götz Kühnemund übrigens eine der ersten Personen überhaupt, die mir dort über den Weg gelaufen sind. Sehr interessant, ich weiß.
Weniger interessant für mich dann aber doch, was die Herren Metaljournalisten über das Fest zu schreiben haben. Nach der Feststellung, dass der Absatz über das zweite Voivod-Konzert ohne Erwähnung von "Jack Luminous" auskommt, habe ich das Papier erstmal auf unbestimmte Zeit zur Seite gelegt.

Die Kreator-Titelstory werde ich beizeiten wohl noch lesen, aber zunächst einmal halte ich mich an die CD:

KREATOR - Terror Prevails - Live at Rock Hard Festival, Pt. 2 (2012)

Acht Mal brutalgeile Thrash-Scheiße der Oberklasse mit hohem Kult-Klassiker-Anteil!

Also im Grunde fast so wie die Bonus-DVD der "Phantom Antichrist", nur leider nicht ganz so lang, da der erste Teil des Konzerts noch an einer älteren RH-Ausgabe pappt.

Durch die Ansagen muss man wie immer durch. Der Rest ist seliges Rübeschütteln.

Anspieltipps: Coma Of Souls, When The Sun Burns Red, Violent Revolution

2012-02-12

Tonträger 2011, Teil 8 : mehr ist mehr ist mehr (TRANSATLANTIC, OPETH, VOIVOD)

"Mehr ist mehr" ist bekanntermaßen, das nicht immer aber im Falle von Transatlantic durchaus zutreffende Motto des Duos Neal Morse / Mike Portnoy.

Im Falle der folgenden drei Kritiken werde ich mich aber endlich einmal an meinen im Dezember gefassten Vorsatz halten, und mich an den Klassiker "weniger ist mehr" halten.
Sonst werde ich hiermit ja nie fertig. ;)


TRANSATLANTIC - More Never Is Enough - Live @ Manchester & Tilburg 2010 (2011)

Von allen Veröffentlichungen des letzten Jahres ist diese objektiv gesehen wohl die unnötigste. Die Whirld Tour 2010 ist mit der gleichnamigen DVD/CD-Kombi ja schließlich schon hervorragend für die Nachwelt konserviert worden.

Hier gibt es nun noch einmal gleich zwei Konzerte dieser Tour in einem. Aber echte Fans leben natürlich das Bandmotto und können nie genug bekommen. Denn auch wenn die Setlists der Shows sich gleichen, im Detail gibt es doch viele Unterschiede. Gerade beim Manchester-Gig, der die Tour nach der bereits bekannten DVD-Aufnahme abschließt, merkt man z.B., dass die Band, was Albernheiten angeht, mal so richtig Fünfe gerade sein lässt. Zum Ausgleich glänzt Roine Stolt aber auch mit besonders kreativem Spiel.

Beim Auftritt in Tilburg ist es besonders das extra-enthusiastische Publikum, welches die Band sogar zu einer weiteren Zugabe zwingt, das die Aufzeichnung bemerkenswert macht.

Wer Transatlantic ganz in Ordnung findet und ab und zu mal hört, der braucht dieses Doppelpack nicht. Fans allerdings kommen im Grunde gar nicht daran vorbei. Denn wer weiß schon, wie lange es dauert, bis diese fantastischen Fünf mal wieder unterwegs sind?


Anspieltipps: All Of The Above, Duel With The Devil, The Whirlwind





OPETH - The Devil's Orchard - Live at Rock Hard Festival 2009 (2011)

Musikzeitschriften an sich sind ja zu Zeiten des schnellen Internets schon ein Anachronismus. Mein eclipsed-Abo beispielsweise läuft eigentlich auch nur noch aus Bequemlichkeit weiter - und weil deren CD-Sampler eigentlich immer gutes Futter für die Zufallswiedergabe meines Real Players sind.

Ansonsten braucht es schon besonders interessante Aufmacher oder Gimmicks, damit ich irgendein Magazin mit nach Hause nehme.
So ein Gimmick hatte das dortmunder Proletenblatt RockHard im September mit einer exklusiven Opeth-Live-CD zu bieten.

Aus nachvollziehbaren kommerziellen Gründen eröffnet die Scheibe zunächst einmal mit einem Studiotrack des aktuellen Albums "Heritage", welches ich tatsächlich noch nicht besitze, obwohl es ja schwer danach riecht, die Krönung der bisherigen Discographie der Schweden zu sein.

Dieses Live-Album hingegen ist eher ein Best Of. Fünf klasse Songs zwischen jeweils neun und zwölf Minuten Länge, fabelhaft gespielt, super Stimmung... da wäre man gerne dabeigewesen. Dafür nimmt man die RockHard-Ausgabe als Anhängsel doch gerne in Kauf.

Anspieltipps: The Leper Affinity, Deliverance





VOIVOD - Warriors Of Ice (2011)

Eigentlich müsste ich dieses Livealbum ja scheiße finden, weil die Band doch noch Fotos dieses Konzertes in Montreal gefunden und dementsprechend doch nicht meine Aufnahmen aus Wacken verwendet hat.
Aber anderseits ist es so natürlich stimmiger - und der Kontakt zu den kanadischen Metal-Ikonen hat sich für mich ja auch schon letztes Jahr in Zürich bezahlt gemacht. ;)

Vom Sound her ist mir diese Aufnahme schon fast etwas zu sehr in die Fresse. Aber nur fast. Schließlich handelt es sich hier ja um eine Band, die wie kaum eine andere spielerisch höchst anspruchsvolle Musik mit einer Attitüde wie Motörhead auf Speed ins Publikum schmettert. Und wo andere Gruppen sich für Aufzeichnungen besonders am Riemen reißen, da trinkt Snake anscheinend auch mal ein paar Bier mehr. Zumindest die immer irrer klingenden französischen Ansagen machen auf "Warriors Of Ice" diesen Eindruck. Und auch spielerisch klingt diese Scheibe selbst für Voivod-Verhältnisse besonders räudig.

Spielerisch bleibt es aber immer einwandfrei, und so ist dieses Livealbum ein ganz klares Statement, an wen man sich wenden muss, wenn man maximal gerockt werden will. Mehr als bei Voivod geht gegenwärtig nicht!

Und mehr - ich erwähnte es bereits weiter oben - ist mehr ist möööaahrrr!

Anspieltipps: Tribal Convictions, Nothingface, Panorama, The Unknown Knows, Astronomy Domine