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2015-08-10

WACKEN 2015 - Matsch? Egal. Becherskandal!

Yep, ich bin spät dran. Erst hatte ich ein paar Tage lang noch keine Lust, diesen Bericht anzufangen, und dann kam Wackens Rache - eine fiese Sommererkältung, die ich mir eben dort eingefangen habe.



Dabei war das Wetter doch super, so wie fast jedes Jahr am Wochenende rund um den ersten Samstag im August. Ok, es hat kurz vorher ziemlich heftig geregnet, aber das zählt nicht. Bis inklusive Freitag war schließlich noch Juli.

Würde sich das Veranstaltungsdatum nach dem ersten Freitag im August richten, dann hätte die Gesamtsituation wohl schon ganz anders ausgesehen. Doch ich will gar nicht, dass sich da etwas ändert, denn auch wenn Matschzombie-Bilder zur medialen Folklore gehören; bis auf einzelne Schauer ist das Wacken Open Air durchschnittlich eine - zumindest meteorologisch - recht trockene Angelegenheit. 1999, 2002, 2012 und 2015 waren während der gesamten Laufzeit des Festivals die einzigen Jahre, in denen das Pisswetter zu einer ernsthaften Herausforung wurde.
Und abgesehen davon, dass das Vorankommen auf dem matschigen Grund für alle schwierig war, muss ich mal ganz egoistisch feststellen, dass ich mit den wirklich schlimmen Problemen (gesperrte Campingplätze, Ausweichparken in Itzehoe oder sogar Hungriger Wolf usw.) als bei einem Anwohner parkender Heimschläfer zum Glück nichts zu tun hatte.


Mittwoch

Der Weg zur Bandausgabe hat sich selten so lang angefühlt. Was für ein Matsch auf dem Weg über die Campingplätze! Die Wartezeit in der Schlange hielt sich jedoch in Grenzen, so dass noch ein gesundes Zeitfenster zum ersten Programmpunkt auf meiner persönlichen Running Order blieb.



Unmittelbar vorher machten noch die bekloppte holländische Marching-Band Blaas Of Glory in der Nähe der Wackinger Stage Station. Das Lied, mit dem die Gruppe zu ihrem nächsten Auftrittsort abmarschierte, war ganz klar der Theme Song des heutigen Tages: "The Final Countdown"




Danach hieß es dann, sich von der Bühne aus verzaubern zu lassen. Anders kann man ja nicht beschreiben, was passiert, wenn Anneke van Giersbergen den Mund aufmacht. Die Dame könnte auch alleine das Telefonbuch von Amsterdam vorlesen und es wäre ein Ereignis. Einfach wunderschön, charismatisch, zauberhaft.
Statt Namen und Nummern gab es natürlich in erster Linie Musik von The Gentle Storm, bekannterweise live ohne den scheuen Mann hinter dem Vorhang Arjen Lucassen. Ebenfalls nicht dabei war der Keyboarder der Band, weil diesem am Morgen das Auto mit seinem kompletten Equipment gestohlen worden war!
Trotzdem wurde es ein tolles Konzert. Die Mannen und Frauen um Drum-Maschine Ed Warby ließen nichts anbrennen. Auch die Backgroundsängerin wusste die richtigen Akzente zu setzen.
In einem Cover-Block kamen u.a. noch im Original ebenso von Anneke van Giersbergen gesungene Songs von The Gathering und Devin Townsend zum Zuge.

Nur ein bisschen nass war es.

Aber zum Glück fand der Rest unseres Musikprogramms komplett auf den den beiden Bühnen im Zelt statt, welches dieses Jahr erstmals einen kompletten festen Boden hatte, so dass es keine Mudpits vor den Bühnen gab. Allerdings folgten die Bodenplatten durchaus den Unebenheiten des Geländes, für kalte Füße in großen Pfützen war also trotzdem gesorgt.

Und das war wohl auch, wo ich mir meine Erkältung abgeholt habe.



Nachdem wir noch die letzten Stücke des Superhelden-Kasperletheaters der Grailknights mitbekommen hatten, war es Zeit für den Wacken-Klassenclown Nr. 1 Mambo  Kurt.

Im Zelt hatte ich den Mann in beige bisher tatsächlich noch nie gesehen. Ansonsten war es natürlich der gewohnte Heimorgel-Hardcore. Und natürlich durfte im Reigen von Mambos Coverversionen nicht die absolute Hymne des Tages fehlen: "The Final Countdown"
Highlight war diesmal allerdings das letzte Stück, bei dem er einen "Mambo II" an die Heimorgel setzte, während er selbst crowdsurfen ging. Und sein Ersatz war echt mal eine Bühnensau und hat bis ganz zum Schluss super einen hingeorgelt.


Als nächstes spielte eine Kultband der Achtziger, die früher komplett an mir vorbeigegangen war, jedoch genauso klang, wie ich sie mir optimistisch vorgestellt hatte.
Der treibende Postpunkfolkindependetrocksound von New Model Army räumte gut ab und wusste auch mich ohne Einwände zu überzeugen.



Ganz anderes Programm dann direkt im Anschluss auf der anderen Bühne.
Uli Jon Roth hatte ich bisher nur bei seinem ziemlich wirkungslosen Gastauftritt beim Wacken-Konzert von Deep Purple erlebt. Dementsprechend waren meine Erwartungen eher gedämpft. Technisch gut, aber zu generisch, das war meine Prognose, mit der ich allerdings weit daneben liegen sollte!

Tatsächlich dachte ich auch die ersten zwei, drei Lieder lang noch, dass der Sänger klasse ist, mir die Musik an sich gut gefällt, aber dieses hohe Gefiedel vom alten Hippie auch weg könnte... Doch dann kam eine Nummer, in der er richtig aufdrehte und von da an habe ich kapiert, was der gute Mann da macht, und wie er selbst bei Mordstempo aus den höchsten Bünden noch total gefühlvolle Klänge aus seinem Instrument holt. Am Ende war ich von diesem Auftritt komplett überzeugt. Großer Gitarrenrock vom Altmeister!


Nun war es beinahe Mitternacht. Zeit für den finalen... naihrwisstschon.


Zu den unmöglichsten Dingen dieses Wacken Open Airs, die ich mir noch vor wenigen Jahren wohl selbst nicht geglaubt hätte, gehört ganz klar, mittwoch nachts im Zelt ausgerechnet Europe abzufeiern.
Die Band mit diesem einen, vollkommen überspielten Stratosphärenhit, den man als Kind in falschem Englisch mitgesungen hat und der einem zur Zeit der ersten Wackenbesuche vollkommen peinlich gewesen wäre.
Und dann ist da ja auch noch der kleinere Zwillingshit "Rock The Night", welcher auf exakt denselben Akkorden beruht, und den ich, bis er gespielt wurde, erfolgreich verdrängt hatte.
Und Aaaaalter, war das eine Ekstase in der Menge, als dieses Zeug gespielt wurde!

Doch Europe waren ja niemals die Band, für die man sie angesichts ihrer anderthalb Hits halten könnte. Und tatsächlich ist ja auch "The Final Countdown" an sich ein gut arrangierter Song.
Der Grund, warum ich mir Europe überhaupt auf der Running Order markiert hatte, ist das aktuelle Album "War Of Kings", welches einfach mal - ganz ohne wenn und aber - saustark ist.

Alle Daumen hoch für Europe! Ganz großer Rock!


Donnerstag


*brrr*  Zu Wacken eine richtige Jacke anziehen? Was soll man machen...


Abgesehen davon, dass es recht kühl war, hielt sich das Schlechtwetter aber bereits in Grenzen, viel ernsthafter Regen kam da nicht mehr. Reicht ja auch, schon ständig aufpassen zu müssen, dass man sich nicht am Boden festsaugt.


Donnerstags ist ja immer die Gelegenheit, ein paar meiner Lieblingshassthemen auszupacken, doch ich denke zu Skyline und MegaBosch, welche beide gerade spielten, als wir ankamen, habe ich wohl in der Vergangenheit bereits genug gesagt. Ganz davon abgesehen haben wir ja zum Glück auch so gut wie nichts von beiden mitbekommen. Die Wastelandblablubb-Stage haben wir aus Sicherheitsgründen das ganze Festival lang nicht aus der Nähe gesehen.

Auch von U.D.O. mit dem Bundeswehr Musikkorps blieben wir gänzlich unbehelligt.


  
Stattdessen sahen wir uns im Bullhead City Circus noch ein paar Mini-Gigs der am internationalen Metal Battle teilnehmenden Gruppen an.

Den Anfang machten Troldskugge aus Norwegen, deren Pagan-Tralala-Black Metal gut gemacht, aber nicht wirklich mein Ding war. Trotzdem ganz witzig - und der Sänger ist so arschhässlich, dass er einen Sack überm Kopf tragen muss.



Ein ganz anderes Kaliber waren die Walkways aus Israel, welche sehr viel System Of A Down gefrühstückt hatten, jedoch mehr als ein reines Plagiat der Vorbilder waren.
Bühnenbild und Corporate Identity waren auch ziemlich gut durchdacht.
Im Wettbewerb haben sie am den zweiten Platz (von 28 Bands) gemacht, und das sicherlich nicht unbegründet.


Das Trio Libertad O Muerte aus Urugay überzeugte danach mit derbe dreckigem Thrash Metal, der meist gut in die Fresse ging, aber auch mit ein paar gelungenen rhythmischen Elementen der Marke Sepultura aufwarten konnte.


Stortregn aus der Schweiz zelebrierten dann zerstörerisch blastenden Black Metal wie er wohl am meisten Spaß macht.



Eine Band Pause, dann betraten die Teilnehmer aus Großbritannien die Bühne und machten schnell klar, dass die Jury sie wohl weit nach vorne wählen würde.

Der vierte Platz sollte es immerhin werden für Metaprism, die jetzt gar nicht die Musik spielen, welche ich mir kaufen würde, die sich jedoch mit ihrem Frontmännlein/Frontweiblein-Doppelpack ziemlich professionell präsentierten.
Etwas zu notgeil kam mir die Bildregie vor, welche anscheinend extra einen Kameramann abgestellt hatte, nur um das Dekolleté zu filmen, wenn diese die Matte kreisen ließ. Was ziemlich oft vorkam.

Tatsächlich ist mir im Dankeschön-Filmchen auf der Wacken-Homepage aufgefallen, dass dort jeden Menge Livebilder von den Hauptbühnen gezeigt werden, jedoch nur ein einziger Ausschnitt aus dem Zelt - ja, genau dieser Ausschnitt.


Jetzt stehe ich zugegebenermaßen etwas auf dem Schlauch. Habe ich die letzte Metal Battle-Band Arana aus Costa Rica gesehen? Fand ich sie gut? Ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich hatte ich gerade einen Durchhänger. Auf jeden Fall habe ich eine Erinnerungslücke.

Noctiferia hatte ich mir als evtentuell interessant markiert. Waren sie dann aber doch nicht.
Also rüber zum Hauptgelände!


Dort hatte auf der True Metal Stage gerade Rob Zombie sein Coole-Sau-Programm begonnen. Ist schon sehr festivaltaugliches Zeug, gegen das man eigentlich nichts sagen kann.
So richtig mitnehmen konnte er mich allerdings auch erst mit alten White Zombie-Klassiker "Thunder Kiss '65".
Insgesamt hat mir der Mann zu viel Rockstarstimmungsquatsch und Coverversionen eingeschoben. James Brown anzuteasen war ja noch ganz witzig, aber wozu ein halbherziges "Enter Sandman"-Cover anspielen?




Im Anschluss gab es eine ungewöhnlich lange Pause, mussten für den Headliner der "Night To Remember" doch beide Bühnen umgebaut und zusätzliche LED-Leinwande anstelle der großen Werbebanner installiert werden.
Bzw. für die Headliner des Abends, handelte es sich doch um den ersten Auftritt der Power Metal-Legende Savatage seit über zehn Jahren, zusammen mit dem einstigen Ableger - und jetzt in den USA irre erfolgreichem Hauptprojekt der Truppe -  Trans-Siberian Orchestra.


So ganz klar war mir nicht, wie ich mir die Sache mit den zwei Bühnen vorstellen sollte, also bezog ich sicherheitshalber einen Platz ziemlich weit vorne in der Mitte, von dem aus man das Geschehen auf beiden Seiten gut beobachten konnte.

Die Show begann dann alleine auf der Black Stage mit dem Auftritt von Savatage, die als Sänger sowohl den Mountainking höchstselbst, Jon Oliva, als auch Zachary Stevens auffuhren.
Es begann mit Oliva und dem Doppelpack "Gutter Ballett" / "24 Hrs. Ago" und es war gleich klar, wer hier der unangefochtene Zeremonienmeister sein würde. Was für eine großartige, gepeinigte, authentische Stimme!

Nach sieben Stücken inklusive "Edge Of Thornes" und natürlich "Hall Of The Mountain King" ging dann das Licht aus und auf der True Metal Stage begann - zunächst ohne jegliche personelle Überschneidung mit Savatage - das Trans-Siberian Orchestra.

Das Konzept von TSO ist ja, bekannte Gassenhauer aus Klassik, Oper und sogar dem Weihnachtsliedergesangsbuch zu nehmen, und diese mit savatage-ähnlichen Riffs zu verheiraten und diese schon ziemlich kitschige Melange noch mit einer Armee von Lead- und Backgroundsänger(inne)n und sogar Tänzerinnen zu veredeln.

Yep, die Philosophie nutzt sich schnell ab. Anderseits kann ich mir auch schwer vorstellen, mit welcher anderen Art von Musik diese epochale Show vorstellbar gewesen wäre, insbesondere nachdem schließlich tatsächlich beide Bühnen gleichzeitig bespielt wurden und man gar nicht mehr wusste, wo man hinschauen sollte. Die totale Reizüberflutung!



Als Prinzip kristallisierte sich heraus, dass immer beide Bühnen gespiegelt wurden, d.h. es spielten permanent zwei Drummer zusammen, wenn auf einer Bühne ein Solo-Geiger stand, dann auch auf der anderen, fast alle Gesangsparts wurden zu Duetten mit einem Partner auf der anderen Bühne usw... Und wenn unter diesen Sänger dann mal eben eine Hausnummer wie Russell Allan dabei ist - das alleine sagt ja schon etwas aus.

Also auch wenn mein inneres Kitschometer geprüft wurde - das war einfach eine ganz schön epochale, musikhistorische Show!
Die Fernsehaufzeichnung gibt dies übrigens nur unzureichend wieder, da zum einen der Anfang fehlt, und sich dieses Zwei-Bühnen-Ding vielleicht auch gar nicht wirklich auf Konserve einfangen lässt.

Könnte ich nachträglich etwas ändern, dann würde ich am Mittelteil, in dem TSO alleine gespielt haben, kürzen, und dafür der reinen Savatage-Show noch zwei, drei Songs zuschlagen.





Freitag


Endlich normales Festivalwetter!

Den musikalischen Auftakt um eins servierten uns die Inzwischen-auch-schon-Dauergäste Sepultura.
Aber die Konzerte der Brasilianer in Wacken sind ja auch immer super. Diesmal wurde Bandjubiläum gefeiert und dementsprechend beinhaltete das Programm auch ein paar ganz alte Gassenhauer aus der Thrash Metal-Gruft. Kann man machen!




Kvelertak auf der Nachbarbühne interessierte mich dann nicht, doch mit dem melodischen Death Metal von At The Gates ging es danach mit hervorragendem Geboller weiter, ehe das erste der proggigeren Highlights des Tages anstand:

Queensrÿche boten eine hervorragende Mixtur aus technischer Versiertheit und eingängigen Hooks, so wie man es erwarten konnte. Natürlich schafften es auch einige "Operation: Mindcrime"-Hits ins Set, auch wenn die Band das Album ja nicht mehr komplett spielen darf. Sänger Todd La Torre war fantastisch aufgelegt, man brauchte also keine berüchtige Drama Queen am Mikro vermissen...


Nun stand ein böser Clash an: Opeth oder Annihilator?

Wir begannen zunächst einmal mit den kanadischen Thrashern auf der Party Stage. Die Mannen um Jeff Waters, bei denen für ein Lied - eine Stunde vor seinem Auftritt mit Dream Theater - ihr Ex-Drummer Mike Mangini vorbeischaute, machte ihre Sache zwar ordentlich, konnten mich aber bei weitem nicht so packen wie bei ihrem letzten Gastspiel in Wacken.

Nach einer Weile sortierten wir uns vor der True Metal Stage für Dream Theater ein und verfolgten währenddessen noch einen guten Teil der Show von Opeth.
Ich muss schon sagen: Der Trend ihres Headlinergigs auf dem Roadburn Festival hält an: die Schweden gefallen mir live immer besser. Allein diese mahavishnu orchestra-würdigen Schlagzeuggrooves sind der Hammer. Die Balance zwischen Seventies Prog, Folk und Death Metal stimmte und die Laut/leise-Dynamik funktierte diesmal auch wunderbar, da die Soundcrew hier eine der sicherlich besten Leistungen des Wochenendes ablieferte. 1a!



Und nun war es soweit. Der Augenblick, auf den ich in meinen Reviews seit zehn Jahren hingemeckert habe: Dream Theater spielten in Wacken!

Statt eines typischen Festivalprogramms aus Klassikern plus ein paar neuen Stücken feierten die Progmetaller auf ihres Sommertour ihr dreißigjähriges Jubiläum, indem sie in chronologischer Reigenfolge von jedem Album einen Song spielten.
Das waren allerdings ein paar Stücke zu viel für die in Wacken vorgesehene Zeit, so dass die Alben "Awake", "A Change Of Seasons", "Six Degrees Of Inner Turbulence" und "Black Clouds & Silver Linings" hier unberücksichtigt bleiben mussten. Gekürzt wurden vor allem ruhigere Stücke, so dass abgesehen von der Mitsing-Ballade "The Spirit Carries On" ein ziemlich metal/rifflasiges Set übrig blieb.

Die Fans liebten es und feierten die Band zurecht ab, auch wenn die vorangegangene Tour der Stimme James LaBries anscheinend nicht gut getan hatte. Gesanglich war das verglichen mit den letzten Dream Theater-Konzerten, die ich gesehen habe, leider ziemlich schwach.
Natürlich waren das Set und die Dramaturgie letztes Jahr in Hamburg noch besser, aber das damalige Programm mit einer Festivalshow schlagen zu wollen, wäre auch illusorisch.
Nee, das war schon super! Ein bisschen vermisst habe ich allerdings die Comic-Alter-Egos der Band, die diesmal in keinem Filmchen vertreten waren.


Für das Finale des Freitags ging es nun wieder rüber ins Zelt, wo wir noch die letzten Minuten von Armored Saint mitbekamen, die klar machten, dass die Show von John Bush, Joey Vera und co. sicherlich nicht von schlechten Eltern gewesen war.
Aber man kann halt nicht alles haben. Gerade jetzt verzichteten wir ja auch auf die Black Label Society, um an der folgenden Zeremonie teilzunehmen...




"Zeremonie", da die Schweizer Samael das zwanzigjährige Jubiläum ihres Klassiker "Ceremony Of The Opposites" feierten, ein Album, welches ich damals ziemlich geliebt habe - und zugegeben auch das letzte Album der Band, mit dem ich mich beschäftigt habe. Von daher war der Auftritt für mich auf jeden Fall sowohl nostalgisch als auch immer noch aktuell.

Eines der ungewöhnlichsten Merkmale des (Post-)Black Metals von Samael ist, dass der Großteil des Schlagzeugs aus dem Computer kommt, nur hin und wieder akzentuiert durch zusätzliche echte Drums, da der Schlagzeuger (übrigens noch derselbe Herr wie vor zwanzig Jahren) ansonsten die Keyboards bedient. Nein, das entspricht nicht dem traditionellen Metal-Reinheitsgebot, ist tatsächlich aber ziemlich geil.
Einige Songs des komplett gespielten "Ceremony"-Albums wurden auch darüber hinaus ein wenig mehr an den elektronischeren Sound der modernen Samael angepasst, aber das machte das Ganze nur interessanter.

Ungewöhnlich, eigenwillig, auf die Glocke, böse. Sehr gut, Samael!



Es war nun zehn und es standen u.a. mit Nuclear Assault und My Dying Bride durchaus noch interessante Gruppen auf den Brettern, doch wir waren schon lange genug auf den Beinen und machten uns für heute auf den Heimweg.

Bei trockenen Bodenverhältnissen, die einem auch mal erlauben, sich eine Weile hinzulegen, schafft man doch wesentlich mehr Programm.



Samstag


Erkältungsbedingt war unser Wacken-Kommando inzwischen auf zwei Leute (mein Bruder und ich) geschrumpft. Das bedeutete für mich vor allem, dass weniger Leute genervt warten würden, während ich zum ersten Mal seit bestimmt mindestens zehn Jahren das Metal-Markt-Zelt heimsuchen wollte.

Tatsächlich habe ich mich auch nicht durch die komplette Vinylauswahl gearbeitet, sondern nur stichprobenartig in einigen Ecken zugeschlagen. Auch die Bühne mit ihren Krankenschwester-Shows und solierenden Drummern ließ ich links liegen.

Obwohl es der letzte Festivaltag war, gab es noch viele Schätze zu entdecken und die Versuchung, sich diverse Klassiker endlich auch auf Platte zu holen, war groß. Im Sinne meines Budgets (und meiner Schulter, welche die Einkaufstasche schließlich den Rest des Tages trage sollte) blieb ich allerdings standhaft und beließ es insgesamt bei vier LPs:



Ja, bis auf unten rechts eine ziemlich antizyklische Auswahl für dieses Festival - dafür aber sehr geil. ;)


Zu Powerwolf sage ich besser nichts. Wer's mag...

Es ist zu ertragen, wenn man danach mit einem der absoluten Highlights des Festivals belohnt wird:


Amorphis spielten "Tales From A Thousand Lakes".

Yep, noch ein Album, das Geburtstag feierte. Mit genau diesen Stücken hatten wir die Band vor zwanzig Jahren in einem winzigen Liveclub in Itzehoe gesehen, wo sie vor überschaubarem Publikum und erheblich alkoholisch angeheitert eine ziemlich chaotische, aber kultige Show abgeliefert hatten.

Und nun nur wenige Kilometer entfernt, doch auf der Black Stage des größten Metal Open Airs der Welt. Was für ein Gegensatz!
Und die Finnen waren verdammt gut, auch wenn der strahlende Sonnenschein so gar nicht auf Songs wie "Black Winter Day" abgestimmt war. Wie gesagt: Amorphis waren eines der Festivalhighlights!


Danko Jones nahm ich wohlwollend nebenbei auf, doch der nächste Auftritt, dem wir vollständig beiwohnten, fand auf der beschaulichen Bühne des Biergartens statt, wo wir direkt noch gute Sitzplätze in direkter Hörweite zur Action ergatterten.


Steve'n'Seagulls, finnische banjobekloppte Partycoversensation aus diesem Internet spielten Rock- und Metalklassiker auf ihre eigene, ganz unnachahmliche Weise und die Meute war aus dem Häuschen.

Definitiv die Partyband, die man dieses Jahr gesehen haben musste!


Auf der Black Stage war parallel dazu anscheinend auch Party, als unter dem minimal spannenden Titel Rock Meets Classic anscheinend gerade Dee Snider mit schickem "Stop Taking Selfies!"-Shirt seinen größten Hit sang. Hatte ich gar nicht gewusst, dass der auch hier auftauchen würde...


Bloodbath spielten ordentlichen Death Metal, den ich allerdings nicht wirklich beurteilen kann, da wir nur ein Stückchen des Auftritts aus weiter Ferne betrachteten.
Wir wollten nämlich keinen Schlenker durchs Infield machen, da der nächste Hauptprogrammpunkt doch wieder am anderen Ende des Geländes im Zelt stattfinden sollte.



Setz mir die Pistole auf die Brust und frag mich, was der eine beste Auftritt des W:O:A 2015 war - wenn ich mich entscheiden müsste, dann könnte es tatsächlich der Gig von Morgoth gewesen sein.

Ein Indiz dafür ist auf jeden Fall, dass ich nach keiner anderen Show so sehr überrascht war, dass es schon zu Ende war. Viel zu kurz!

Die Könige des deutschen Todesbleis bretterten uns Hits von "Cursed" und "Odium", sowie Stücke des neuen Albums "Ungod" um die Ohren  und es war einfach die ultimative Death Metal-Show".
Viel besser als 2011 auf der Party Stage. Fantastisch!

Apropos Party Stage...




Dort hatte bereits die nächste Death Metal-Abreibung begonnen.

Cannibal Corpse blasteten, staubsaugten und solierten, als gäbe es kein Morgen. Saugeil!
Und besonders komisch, wenn sich zu ihrem Ultrabrutalgebolze die Leinwandbilder der Hauptbühne anschaute, auf denen Sabaton (siehe Powerwolf...) herumposten.

Für den Death Metal war dies auf jeden Fall ein ganz großer Tag.



Doch nun hieß es erstmal Heavy Metal, denn Judas Priest gaben sich auf der True Metal Stage die Ehre.

Was soll man zu Priest schon groß sagen?
Ich bin überhaupt kein Experte für die Band, doch 2011 fand ich sie überzeugend, und diesmal ebenso. Rob Halford an sich ist ja schon eine Metal-Großmacht. Und er war wohl der einzige Sänger mit so viel Geschichte in seiner Stimme wie Jon Oliva an diesem Wochenende.

Vor der Bühne war es zurecht proppevoll, kein Wunder, gönnte sich doch nun auch die Chefetage mal ein Konzert vom Publikum aus. (Zumindest Thomas Jensen sortierte sich direkt neben mir ein.)

Nach vielleicht zwei Dritteln von Judas Priest verzichteten wir allerdings auf die ganz großen Hits und machten uns zum nächsten Death Metal-Sahnestück auf.



Aaaalter! Was hatten die Todesmetaller denn heute alle im Tee?

Wie geil bitte waren Obituary?

Nee, komm, mir fällt nichts mehr ein. Wahnsinn.



Und das war dann mal wieder ein großes, langes, wunderprächtiges Wacken Open Air für uns.


Es gab wieder diverse kleine Verbesserungen hier und da, die Stimmung unter Fans und Crew war bestens und für das Wetter kann ja niemand was.

Das einzige was mich wirklich negativ gestört hat war die Getränkepreiserhöhung über die Verkleinerung der Becher.

Vielleich wäre mir dies alleine gar nicht aufgefallen. An einem Getränkepils wurde mir allerdings ein größerer Becher vom Vorjahr (entsprechend weniger gefüllt) angedreht. Und diesen Becher hat dann natürlich niemand mehr zurückgenommen!

SKANDAL! ICH KOMME NIE WIEDER!!!!elf!!!



Zum Schluss noch meine obligatorischen Bandwünsche für nächstes Jahr. Ich beschränke mich mal auf Gruppen, deren Buchung für Wacken ich tatsächlich für realistisch vorstellbar halte - und Junge ist das ungewohnt hier zum ersten Mal nicht Dream Theater auflisten zu müssen...

Anthrax
Blues Pills

Melvins
Metal Allegiance
Motorpsycho
Sulphur Aeon
The Dillinger Escape Plan
The Winery Dogs
Voivod 

Das würde mir erstmal reichen. Aber dass ich komme, ist ja eh schon gesichert.


(edit: Aus aktuellem Anlass gehören auch Mordred unbedingt auf die Wunschliste!)

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