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2018-09-08

DYLAN CARLSON live im Hafenklang (07.09.2018)



Moshpits und Walls Of Death erwartete gestern im Goldenen Salon, dem Obergeschoss des hamburger Hafenklang, niemand. Stattdessen waren Stühle und Bänke aufgebaut. Auch wenn es vor Abfahrt Stellingen noch geklemmt hatte, waren mein Bruder und ich so auf den Punkt vor Ort eingetroffen, dass wir uns noch Plätze in der ersten Reihe sichern konnten.

Auf der Bühne gab es zwar keinen Stuhl, dennoch war auch dort nicht mit Dillinger Escape-Action zu rechnen. Nein, es war ein simpler Abend: ein Mann, seine Gitarre, zwei Amps und ein paar Effekte.





Dylan Carlson, in seinen breit genuschelten Ansagen leicht sympathisch verpeilt wirkender, optisch saucooler Wino-Doppelgänger, ist als Gitarrist von Earth natürlich eine stilprägende Legende. Allerdings hatte man hier nie den Eindruck, dass hier jemand unter dem Druck eines vorauseilenden Rufes auftrat.
Nein, genau wie bei seinem gemeinsamen Auftritt mit The Bug (Earth selbst stehen nach wie vor auf meiner To-see-Liste), spielte der Mann hier einfach ganz lässig seinen Dronecowboystiefel runter. Ein Gitarrenheld ohne jegliches Gitarrenheldentum.

Das komplett als Soundtrack zum Verdursten in der texanischen Wüste geeignete Set bestand zu gleichen Teilen aus Stücken seines aktuellen Soloalbums "Conquistador" und Klassikern seiner Band, darunter auch der Titeltrack des vor kurzem auf Vinyl wiederveröffentlichten "The Bees Made Honey In The Lion's Skull".




Was genau an einem in Zeitlupe desert-rockenden Gitarristen so großartig ist, lässt sich eigentlich nicht beschreiben, sondern nur erfahren. Der Ton, der Twang, das Dröhnen, die Atmosphäre, sind es, um die es bei dieseer Musik geht.

Nach einem gefühlt das lineare Zeitempfinden transzendierenden, tatsächlich etwa einstündigem Set hätten wir jedenfalls durchaus noch gut ein, zwei Nummern mehr hören können.

Fazit: großartiger Typ. Genialer Gitarrist. Tolles Konzert.






[EDIT Montag, 11.09.2018: Dylan Carlson schien Freitag Abend ein wenig angeschlagen zu sein und musste sich zwischen den Songs immer die Nase putzen. Tatsächlich war es wohl schon schlimmer als es aussah, da er alle folgenden Termine der Tour absagen musste und derzeit immer noch mit Leberproblemen in einem Krankenhaus in Berlin liegt. Gute Besserung!]

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