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2020-03-23

PULLED BY MAGNETS - Rose Golden Doorways

Neuer Scheiß von Sly & The Family Drone und den Dead Neanderthals? Für die sehr groben ersten zwanzig Sekunden könnte man dies durchaus glauben, doch dann geht "Rose Golden Doorways", das Debüt des Trios Pulled By Magnets doch andere Wege - die allerdings durchaus mit dem Sound der genannten Extremjazzer verwandt sind.




PULLED BY MAGNETS - Rose Golden Doorways (LP) (2020)


Wenn es einen Ort gibt, an dem es einem als Musikfan heutzutage nicht langweilig werden kann, muss es wohl die moderne Londoner Jazzszene (vor dem aktuellen Corona-Malus versteht sich) sein. Alleine was rund um die Sons Of Kemet alles brodelt, ist spannend ohne Ende.

Pulled By Magnets ist ein Projekt von Seb Rochford, einem der beiden Drummer der Söhne. Doch anders als sein Tuba blasender Kollege Theon Cross ist seine Handschrift hier ein gänzlich anderer Schnack als auf "Your Queen Is A Reptile". Ein paar an King Shabakas Ableger The Comet Is Coming erinnernde Passagen kann ich hier schon weit eher ausmachen.

Am meisten steht Pulled By Magnets schon mit der klassischen Dreierbesetzung aus Schlagzeug, Bass und Saxophon in der Tradition von advantgardistischen Krachmachern wie den von mir immer wieder gerne als Referenz herangezogenen PainKiller. Das betrifft nicht nur das brutale Geschepper, sondern auch die ruhigere Dark Ambient-Passagen, sowie den großräumigen Flugzeughallenklang. Kein Wunder, wurde "Rose Golden Doorways" doch tatsächlich im Inneren einer Kirche aufgenommen.

Worin sich die Gruppe aber trotz der ähnlichen Bandbreite zwischen Grindjazz und atmosphärischem Gewaber grundsätzlich unterscheidet, ist dass das Saxophon auf die brutal schrillen Ausbrüche eines Zorn oder Brötzmann verzichtet und stattdessen selbst inmitten des Sturms eher in beruhigender Tiefenentspanntheit schwelgt.
Durch die epische Raumakustik und zusätzlichen Effekteinsatz klingt das Blasinstrument hier mal beinahe nach Walgesang und wirkt dort eher wie ein Orchesterscore.

Pulled By Magnets schaffen es irgendwie, gleichzeitig aufbrausend und gelöst, bedrohlich und betörend, laut und leise, dreckig und wunderschön zu sein.
Es ist beeindruckend, zu welcher cineastischen Größe sich dieses Album in seinen langen Atemzügen mitunter aufbläst, so dass man glatt vergessen kann, dass hier wahrhaftig nur ein Trio spielt.

Beeindruckendes, packendes Zeug. So mag ich meinen Free Jazz of Doom.






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