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2016-02-17

SULA BASSANA - Shipwrecked

Ich erinnere mich zwar nicht wo, doch vor nicht allzu langer Zeit las ich in einem Interview die sinngemäße Aussage von David Schmidt, dass es keinen guten oder schlechten Psych gäbe. Vielmehr, so sagt er, ist Musik entweder Psych, oder sie ist es eben nicht.

Da mag durchaus etwas dran sein. Zum einen sollte der auch als Sula Bassana bekannte Hansdampf der Krautjamszene (u.a. aktiv mit Electric Moon, Zone Six, The Papermoon Sessions) und Labelguru von Sulatron Records ja eine gewisse Fachkompetenz besitzen.

Zum anderen würde es auch erklären, warum ich das Gefühl habe, ein Review zu seinem neuen Solowerk verfassen zu können, welches ich vollkommen unverändert ebenso für das gleichzeitig erworbene Debütalbum von Yuri Gagarin verwenden könnte, obwohl beide Platten sich in in Sound, Instrumentierung und Arrangements erheblich unterscheiden.

Aber da ist diese Stimmung, dieser Soundtrack zu einem imaginären Weltraumdrama, bei dem Fernweh und Verlorenheit, Reise und Absturz, Nähe und Distanz, Staunen und Einsamkeit untrennbar miteinander verwoben sind.

Oder wir sagen einfach: es ist halt sehr trippy.


Und das wäre bei schlechter Musik nicht möglich; das könnte es tatsächlich nicht sein, wenn es nicht auch gut wäre. Diese Reise gibt es also anscheinend tatsächlich nur in gut. Demnach müsste das Wort "Psych" als komplette Rezension eigentlich genügen. Faszinierend.



SULA BASSANA - Shipwrecked (orange marbled vinyl) (2016)

Psych.























Ok, es gibt durchaus noch mehr zum individuellen Charakter des Albums zu sagen. Und zwar nicht nur, dass die LP super aussieht und das schwere Vinyl qualitativ 1a ist.

Auch wenn die obligatorische Gitarre nicht fehlt; auf "Shipwrecked" dominieren vor allem Elektroklänge.
Herr Bassana setzt dabei auf analoges Synthie- und Orgelgedöns, sowie Spielzeuginstrumente. Am meisten "retro" daran wirken die Beats, welche vollkommen aus der Zeit gefallen ganz unverhohlen nach wieder aufgepeppeltem Elektroschrott-Heimcomputer vom Flohmarkt klingen.
Neben den Rhythmusmaschinen gibt es auch noch andere Sounds, die für sich genommen wohl kindisch wirken würden.
Doch in der Mischung mit den warmen Analogsounds entwickeln diese vermeindlich billigen und naiven Bestandteile einen geradezu unwiderstehlichen Charme, und tragen ihren wichtigen Teil zum Gelingen der gesamten Mission bei.

Die erste Seite ist mit ihren zwei hypnotischen Longtracks voller wabernder, organischer Bewegung und suggeriert den Aufbruch in die abenteuerliche Ferne.
Auf Seite B kommen wir dann in jenen neuen Galaxien an, doch es läuft nicht so wie erhofft, denn das Schiff gerät in Turbulenzen und strandet. Upbeat und positive Vibes werden dementsprechend zurückgefahren und machen anderen Themen Platz, während wir vorsichtig die neue Umgebung erkunden...

Wie die Geschichte nun im Detail verläuft, muss jeder Hörer in seinem eigenen Kopfkino entscheiden. Eines ist allerdings gewiss: die Reise lohnt sich!
"Shipwrecked" ist ein sehr kurzweiliges Vergnügen für alle Freunde des instrumentalmusikalischen Milchstraßensurfens und extraterrestrischer National Geographic-Reportagen.


Und um noch einmal auf den Vergleich zur ersten Yuri Gagarin zurückzukommen: Schon diese Landschaften auf den Covern beider Scheiben... Ich glaube, der Kosmonaut und der Bassanaut sind tatsächlich auf genau dem selben Planeten gelandet!

Vielleicht treffen sie sich ja eines Tages?



Anspieltipps: Shushie Express, Shipwrecked, Moonbase Alpha Alpha

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