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2017-03-05

HELL OVER HAMMABURG 2017 • TAG 1: Freitag, 03. März (mit GRAVE MIASMA, TYGERS OF PAN TANG, UADA u.a.)

Tygers Of Pan Tang


Letztes Jahr habe ich trotz einiger Bands, die ich sehr gerne gesehen hätte, zugunsten eines anderen Einzelkonzerts auf meinen Einstand beim Hell Over Hammaburg in der Markthalle Hamburg verzichtet, was ich nicht unbedingt als meine cleverste Entscheidung werten würde.

Es war nun also Wiedergutmachung und Ausgleich des Metalkarmakontos angesagt.

Das zweitägige Festival besteht vom Billing her etwa zur Hälfte aus extremem Metal, der die titelgebende Hölle bereitstellt und zum Rest aus diversen Spielarten klassischen Hard Rocks, Dooms und Heavy Metals (inklusive ein paar altgedienter Szenehelden als Headliner), sowie einzelnen interessanten Aus-der-Reihe-Tänzern.


Arroganz

Es begann am Freitag Nachmittag mit den kurzfristig ins Programm gerutschten deutschen Black/Death-Metallern Arroganz, von denen ich eigentlich nur sicher sagen kann, dass sie eine Menge böses Knochen- und Okkultgedöns als Bühnendeko dabei hatten. Ich kam nämlich erst an, als die Gruppe schon im letzten Song steckte. Der war soweit schon ganz geil, aber zu wenig, um mir ein echtes Urteil bilden zu können.



Night Viper

Flying-V-Gitarre, Patronengurte, Acid-Shirt, Sängerin im schwarzen Lederjumpsuit.
So ein bisschen wirkten die zwei Damen und drei Herren von Night Viper auf mich wie die Heavy-Metal-Version von Honeymoon Disease. Innovation war nicht zu erwarten, wurde aber auch nicht verlangt.
Dafür hatten die Schweden eine Menge cooler Riffs und Gitarrenmelodien dabei, die ihren treibenden Traditions-Heavy Rock zu einer sehr kurzweiligen Angelegenheit machten. Müsste ich jetzt auch nicht auf Konserve haben, aber live kann die Mucke ordentlich was.


Uada


Mit den hier erstmals in Europa auftretenden US-Black Metallern Uada brach unter minimalistischer Lightshow und von schwarzen Kapuzen verdeckt eine erstklassige Blast- und Bösartigkeitssalve über den Saal herein. Einerseits über jedes Maß roh und brutal, anderseits - gerade wenn man gerade einen müden Durchhänger hat - auch irgendwie hypnotisch einlullend. Die volle Macht des brachialen Grundrauschens. Die eigene Note Uadas ist - obwohl ganz klar vorhanden - leider in meiner Erinnerung durch die späteren verwandten Bands des Wochenendes etwas verdrängt worden.


Our Survival Depends On Us

Auf Tarot hatte ich einigermaßen Bock gehabt, bevor diese ihren Auftritt canceln mussten. Bei ihrem Ersatz Our Survival Depends On Us ging ich eigentlich eher davon aus, Pause zu machen, da ein paar Schnipsel auf Youtube nach ganz schlimmen Mittelaltermetal geklungen hatten. Da ich aber gar kein ernsthaftes Pausenbedürfnis verspürte und es ja auch kein Alternativprogramm gab, habe ich mir die Österreicher dann doch angeschaut.

Ich war positiv überrascht, denn die eigenwillige Mischung aus Post Metal/Sludge und Folk, Ambient und vielem anderen Zeug war großenteils gar nicht von schlechten Eltern und baute in einigen Passagen eine gewaltige, an Cult Of Luna erinnernde Soundmauer auf.
Zwischendurch gab es sie allerdings auch, diese seltsamen Folk-Stellen mit dem ganz üblen Knödelgesang, so dass bei allen Punkten die Our Survival Depends On Us machen konnten, doch insgesamt ein durchwachsener, leicht ratloser Eindruck bleibt. Was will mir die Band mit dem ausgestopften Fuchs am Mikro genau sagen?




Tygers Of Pan Tang

Der Tiger alleine brüllt es ja schon: Zeitreise!

Die Tygers Of Pan Tang, Ikonen der New Wave Of British Heavy Metal waren merkwürdigerweise vielleicht eine der außerirdischsten Bands der Running Order. Wo sich die heutigen Superdüstertruppen in Dreck, Dunkelheit und schwarzkapuziger Anonymität verstecken, da stammen die Tygers aus der Zeit, als Michael Schenker die Welt beherrschte und Metaller noch durch und durch Rockstars waren. Und Junge, was haben die Dinosaurier es drauf! Top Sänger, hammer Musiker, exzellentes Gitarrenheldentum in einem Hit nach dem anderen. Diese Band ist definitiv kein cash grabbender Museumsact. Die meinen es Ernst und haben es drauf!

Und auf den allerletzten Ton des abschließenden ZZ Top-Covers mussten die ansonsten lässig unterbeschäftigen Securities plötzlich in den Graben jagen, da sich locationuntypisch tatsächlich ein Crowdsurfer genau auf den Punkt über die Absperrung wuchten ließ. Danach erstmal ein Beruhigungsmittel. Oder stattdessen das vollkomme Hölleninferno...


Grave Miasma

Denn was die Engländer Grave Miasma im dichten Bühnennebel entfesselten, war wahrlich eine reine Urgewalt. Hochgeschwindigkeits-Death Metal der finstersten Ausprägung inklusive Morbid Angel-Tremologejaulewahnwitzsoli und Possessed-Gedenk-Brüllgegrunze vom allerfeinsten. Der Gesamteindruck ist aber allein durch musikalische Analyse nicht zu vermitteln. Grave Miasma katapultierten sich und das Publikum in einen schwefelig stinkenden, extasischen Rausch des Bösen, wie ich es nur selten vergleichbar erlebt habe. Was für eine Macht!

Die aktuelle EP "Endless Pilgrimage" hätte ich mir eigentlich zwingend vom Merchstand mitnehmen müssen, aber ich war noch diszipliniert und beließ es an diesem Abend beim erfreulich günstigen Festivalshirt.


Das Fazit des ersten Tages: Geiles, innerhalb seiner Reinmetalligkeit schön abwechslungreiches Festival mit herrlich höllischer Schlagseite. Mehr!




Als kleines Setup für den bald folgenden Bericht vom Samstag muss ich noch erwähnen, dass ich noch so sparsam war, meine Jacke nicht in der Garderobe abzugeben. Bei Grave Miasma lag sie dann auf einer Stufe der Fotograbenabsperrung, was so lange kein Problem war, bis sich dieser angeheiterte Partytier mit Lamasyndrom an meine Seite gesellte und immer wieder über sie hinüber spuckte. Es kam nicht zum Treffer (und dieser wäre spätestens bei dem Starkregen, der mich draußen erwartete, augenblicklich Geschichte gewesen), doch dass ich die Garderobe morgen nutzen würde, stand auf jeden Fall fest.

Wie es weitergeht erfahren Sie demnächst in HELL OVER HAMMABURG 2017 • TAG 2: Samstag, 04. März oder "Der Garderoben-Troll aus der Hölle".


Für Neuleser erwähne ich an dieser Stelle am besten mal wieder, dass meine Fotos alle aus einer bewusst trashigen japanischen Spielzeugdigitalkamera namens Digital Harinezumi stammen und tatsächlich genau so aus der lütten Knipse herauskommen.

Hier noch ein paar Aufnahmen vom Freitag:




Night Viper:













Uada:








Our Survival Depends On Us:










Tygers Of Pan Tang:
























Grave Miasma:

















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