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2021-10-09

SINISTRO - Live At Roadburn

Woah, langsam! Ganze zwei Blogeinträge hintereinander ohne Roadburn-Bezug!

Das geht aber nun wirklich nicht.



SINISTRO - Live At Roadburn (white vinyl LP) (2021)

Die Portugiesen Sinistro begannen vor zehn Jahren als reine Instrumentalgruppe, welche Elemente aus Ambient, Soundtrack und Post Rock mit derbe, also wirklich derbe reinknarzendem Doom Metal verband.
Doch schon 2013, ein Jahr nach dem selbstbetitelten Debüt, veröffentlichte die nur mit Buchstabenkürzeln statt der vollen Namen der Musiker auftretende Band eine gemeinsame EP mit der Fado-Sängerin und Theaterschauspielerin Patrícia Andrade, welche sie so erfolgreich um eine im Doom-Genre so noch nicht gesehene und gehörte, charismatische Note erweiterte, dass sie für zwei auf Season Of Mist erschienenen Alben zum festen Mitglied wurde.

Sinistro live, Roadburn 2016

Zu den ersten Auftritten in dieser Konstellation zählte auch die Performance im Green Room des Roadburn Festivals 2016, welche sie für mich zur wichtigsten Neuentdeckung dieser Festivalausgabe machten. Die Gruppe spielte in den folgenden Jahren noch auf weiteren prestigeträchtigen Veranstaltungen und tourte u.a. gemeinsam mit SubRosa und später als Support von Paradise Lost durch Europa.

Immer beeindruckend war die Kombination der gnadenlos verzerrter, sich tonnenschwer auf die Brust wuchtender Heaviness mit dem leidenschaftlichen portugiesischen Gesang Andrades und ihrer im besten Sinne überaus theatralischen Performance.
Ich rede in der Vergangenheit, denn inzwischen ist die Gruppe zur instrumentalen Urbesetzung zurückgekehrt und wird in dieser voraussichtlich nächstes Jahr ein neues Studioalbum rausbringen.

Und so präsentiert sich das nun wahlweise in schwarzem und weißem Vinyl erhältliche Livealbum auch als Rückblick auf diese Zeit und Abschluss einer Ära, mit Tourdaten und Plakaten dieser Zeit. Auch das Backcoverfoto stammt nicht vom Roadburn-Auftritt, wurde aber vermutlich ausgewählt, weil darauf alle Musiker inklusive Drummer - mehr oder weniger - zu sehen sind.
Das Frontcover allerdings ist eines jener tatsächlich vor Ort entstandenen Gemälde, die Kim Holm in jenem Jahr live vor oder neben der Bühne hockend von zahlreichen Künstlern angefertigt hat, und hätte wohl nicht besser ausgewählt werden können.

Als für sich alleine stehenden Album ist Sinistros "Live At Roadburn" nicht perfekt, alleine schon, weil es nur vier der sechs tatsächlich gespielten Songs enthält - dazu noch in veränderter Reihenfolge -, und dadurch insgesamt nur auf die Länge einer EP kommt.

Über die Gründe dafür kann ich nur spekulieren. Zum einen mag es natürlich sein, dass man das Ding auf eine Einzel-LP beschränken wollte. Ich kann mir allerdings ebenso vorstellen, dass die nicht veröffentlichten Stücke einfach nicht gut genug klangen. Der Sound ist nämlich teilweise schon grenzwertig. So wünschte ich mir passagenweise den Gesang lauter, doch wahrscheinlich ist dies nicht möglich, da auch der gesamte mächtige Bass- und Gitarrenwumms über das Gesangsmikrophon dann noch übertriebener als ohnehin schon wäre. Nein, leicht zu produzieren waren Sinistro sicherlich nie.

Als bandhistorischen Rückblick auf eine ihrer wichtigsten Shows und nostalgische Erinnerung an eine der eigenständigsten und besten Konstellationen im modernen Doom erfüllt diese Platte ihren Zweck aber auf jeden Fall. Und da ich mich an keinem der Songs jemals satt hören kann, steht einer mehrfachen Rotation hintereinander von "Live At Roadburn" auch nichts im Wege.





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