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2023-08-05

DEAD NEANDERTHALS - Specters

So what was the last Dead Neanderthals release? The "Click" EP? Wow. That came out before New Year's Eve, already over half a year ago!


DEAD NEANDERTHALS - Specters (citron vinyl LP) (2023)

But seriously, Otto Kokke and René Aquarius are still incredibly prolific. As you can tell by the similar cover artwork, their new album is a succession of "Ghosts", their 2019 cooperation with Scott Hedrick (Skeletonwitch), and it's ridiculous how long I had to browse through my Dead Neanderthals tag to get to the review of that one.

The second album in this trio formation picks up some of the modern Swans vibes of "Ghosts", but mixes it with the Kraut Rock feeling of "IXXO" and the brutal crunch of "Metal", so yes, it continues the trend of Otto playing the certainly not always obvious synthesizers instead of saxophone to form the repetitive backbone of the two longtracks "Necrology" and "Banishment".

Again the edition of  the third member's idea changes the dynamics completely. Since they didn't record in a room together, yet the Dead Neanderthals duo still provided the foundation, the disciplined minimalistic restriction is still intact, but it obviously crashes with an abundance of guitar and keyboard layers Scott Hedrick adds on top of it.

So even if you have only one true change like the switch to a  slower tempo for the last couple of minutes in "Banishment", it feels like both tracks are going through a lot more phases, because there's such a neat subtle increase of always new sounds being added going on.
And these sounds bring so much atmosphere and steadily raise to such huge climaxes! As they evolve from stages of Ambient and hypnotic Psych to Post Rock and sheer hellspawnish Blut Aus Nord worship, they suck you into a vortex and spit you out ito the zero-g void. All while the untiring AquariousKokke machine just keeps on going and going.
It is gloriously crushing and elevating a the same time!

There seems to be a pattern (see "Corporeal Flux" with Aaron Turner or their DNMF project with Machinefabriek), but whenever Dead Neanderthals team up with a third creative party, there's a high likelihood of that work going right to my favorites within their quickly growing discography. (My personal collection is between twenty and thirty releases strong - and that doesn't even count all related bands like Cryptae or Plague Organ.)

Verdict: Fantastic! Especially the last quarter of this album is one of the mightiest things I've heard this year.





2019-09-18

DEAD NEANDERTHALS - Ghosts

Und hier ist sie wieder, die kleine New Wave of Dutch Heavy Jazz-Band, welche weiterhin hart daran arbeitet, die meistrezensierte Gruppe in diesem Blog zu werden. Nur ein paar Hindernisse sind noch zu nehmen. (Laibach einzukassieren wird ohne exzessive norddeutsche Touraktivitäten allerdings schwierig.)

Diesmal haben Otto Kokke (Saxophon) und André Aquarius (Schlagzeug) - also known as Dead Neanderthals - den Gitarristen Scott Hedrick von der us-amerikanischen Black/Thrash-Band Skeletonwitch zur transatlantischen Fernkooperation eingeladen.




DEAD NEANDERTHALS - Ghosts (teal/black vinyl) (2019)


Das Album "Ghosts" besteht aus den zwei jeweils etwas länger/kürzer als zwanzigminütigen Tracks "Bone Hill" und "Death Bell".

"Bone Hill" basiert - wie so oft bei den Dead Neanderthals - auf einer extrem minimalistischen, repetitiven Idee. Die Drums pumpen gleichförmig, aber unnachgiebig vorwärts, während das Saxophon, für den Unwissenden fast unkenntlich durch Effekte gejagt, einen breiten, jaulenden und dröhnenden Sirenen-Klangteppich bildet. Oft disharmonisch und anfangs dadurch geradezu unangenehm drückend, steigert sich die Orchestrierung ganz allmählich immer weiter und zwingt einen dadurch irgendwann in Trance.

Ob und wie viel Gitarre in dieser dichten Klangbrühe vorhanden ist, kann ich für die ersten drei Viertel des Stückes ehrlich gesagt überhaupt nicht beurteilen. Erst kurz vor der Fünfzehn-Minuten-Marke steigt eine eindeutige Black-Metal-Leadgitarre ein und hebt das Stück plötzlich auf eine höhere und weitere, geradezu bombastische Ebene, welche sich schließlich als Ganzes hinabsenkt und sanft in einem geisterhaften, ebenfalls vom Gast Scott Hedrick eingespielten, Klavier mündet.


Hat dieses Stück schon bereits aus dem Neander-Tal bekannte Elemente genommen und mit einer deutlichen neuen Note versehen, so geht die B-Seite noch viel weiter.
Im Prinzip ist "Death Bell" ganz ähnlich aufgebaut, doch ist nicht nur der Drumbeat lebhafter, groovender und die darüber schwebende Kokke-Klangschicht sehr viel leichter und ätherischer, sondern sie werden auch von Beginn an von cleanen postrockartigen Gitarrenlicks umspielt, was den Dead Neanderthals einen komplett neuen Appeal verleiht, der mit Freejazz sowieso gar nichts mehr zu tun hat, aber auch von Drone, Noise oder experimentellem Metal weit entfernt ist.

Stattdessen klingen die ersten zwei Drittel des Stücks dermaßen nach prä-eskalierenden modernen Swans, es bräuchte tatsächlich nur noch den langsamen, unverkennbaren Sprechgesang Michael Giras, und dies könnte locker als eine verträumte, aber gleichzeitig Spannung aufbauenden Passage  auf "The Glowing Man" durchgehen!

Doch damit erschöpft sich der Schwanenvergleich keinesfalls, denn zum Finale explodiert der Song zu einer gigantischen Wall of Sound, einer ebenfalls absolut der Legende würdigen, allumfassend erhabenen Kakophonie, über der zum ersten Mal auf dem Album eindeutig erhörbar das Sopransaxophon trillert, ehe auch hier das Piano den Schlusspunkt setzt. Gigantisch!

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: "Death Bell" ist möglicherweise eines der besten Swans-Instrumentals, welches Gira und Co. nicht selbst komponiert und veröffentlicht haben.
Ganz klar ist dies einer der ganz genreunabhängig besten Tracks des Jahres.

Wer im allgemeinen weniger an sperrige Advantgarde gewöhnt ist und/oder speziell die Dead Neanderthals bisher kaum bis gar nicht kennt, der findet hier mit der B-Seite sicherlich auch den leichter verständlichen Zugang.


Jetzt bleibt mir vor dem abschließenden Yay! nur noch, darauf hinzuweisen, dass "Ghosts" in stilvoller Aufmachung und mehreren Vinylfarben wie immer übersichtlich limitiert zu haben ist.
Die blaugrün/schwarze Variante, für die ich mich entschieden habe, ist auf jeden Fall sehr schick geraten:
 




Yay!