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2012-11-24

LED ZEPPELIN - Celebration Day

10. Dezember 2007, O2 Arena London - das einmalige Reunionskonzert, die größte Kartennachfrage in der Geschichte der Rockmusik. Ich müsste jetzt voranstellen wie sehr ich mir gewünscht hätte, einer der Glücklichen zu sein, die live dabei sein durften... Das wäre allerdings übertrieben.

Zu Led Zeppelin habe ich dann doch eher ein entspannt ambivalentes und weniger fanatisches Verhältnis. Klar, ich sehe bzw. höre einerseits schon ihre musikhistorische Bedeutung, das individuelle Talent der Herren Plant, Page, Jones und Bonham und das Genie der Band als Ganzes. Das Ausmaß des Hypes und der Superlative um die Gruppe kam mir anderseits allerdings schön immer reichlich übertrieben vor.

Doch nun ist das 2007er Konzert nach fünf Jahren auf Bild- und Tonträger in gefühlt dreißig Varianten  erschienen, von denen ich mir das 2CD/2DVD-Digipack ausgesucht habe.

Werde ich nun auch zum fundamentalistischen, an nichts anderes mehr glaubenden LedZep-Knecht?


LED ZEPPELIN - Celebration Day (2012)

Zunächst einmal hatte ich mit "Celebration Day" ja meine Startschwierigkeiten, für die Band allerdings nichts kann. Denn nicht nur dass das eigentlich sehr schöne Digipack durch amazons Sparsamkeit bei der Verpackung schon ziemlich ramponiert aussieht und mich das Entfernen des FSK-Aufklebers mal wieder unnötig Nerven kostete - nein, mein DVD-Player kommt auch nur nach einem Opfer von mindestens drei jungen Ziegen über das Startmenü hinaus.
Hat da mal wieder jemand mit neuen Kopierschutztricks experimentiert? Dass man niemals sicher sein kann, ob eine Silberscheibe auch auf allen Abspielgeräten funktioniert, das hasse ich ja an diesem Medium...

Aber zurück zu Zeppelin: Was die Band da nach so langer Pause auf die Beine gestellt hat, ist wirklich aller Ehren wert. Ob man die perfekt aufeinander abgestimmte Rhythmussektion nimmt, in der Jason Bonham seinem verstorbenen Vater großartig Tribut zollt, Jimmy Pages Gitarrenspiel, oder die altersbedingt natürlich etwas tiefere Stimme Robert Plants: Besser kann man es eigentlich nicht machen.
Die Soli und Improvisationspassagen sind natürlich nicht ganz so ausufernd wie in den 70ern. Da wollte man wohl entweder auf Nummer sicher gehen, oder es fehlte einfach der entsprechende Drogenkonsum. Mich persönlich stört es nicht.

Jenseits der ganz großen Übersongs gibt es ein paar Stücke, denen für mich dieses zeitlose Format fehlt und die deswegen daneben etwas Lückenfüller-Charakter besitzen. Wollte ich also nach Schwächen im Konzert suchen, dann würde ich also am ehesten bei einer handvoll (von sechzehn) Lieder ansetzen, die für mich den Kult um die Gruppe nicht so rechtfertigen. Knaller wie "Kashmir" oder "Dazed And Confused" gleichen das aber im Gesamteindruck leicht wieder aus.

Die eindeutige Schwäche dieser Veröffentlichung ist ganz klar die komplett überflüssige Bonus-DVD, auf der es statt wirklichem Hintergrundmaterial die Generalprobe des Konzerts zu sehen gibt - gefilmt mit Standbild aus gefühlten fünfhundert Metern Entfernung. Da hätte man die Box auch etwas schlanker gestalten können - dann wäre meine vom Transport wohl auch weniger lädiert...

An der eigentlichen Konzert-DVD und den beiden CDs gibt es erwartungsgemäß nichts auszusetzen (sofern sie erstmal laufen - siehe oben). Sound, Bild, alles super.

Fazit: Klasse Konzert, optimal für die Nachwelt aufgezeichnet. An der grundsätzlichen Einstellung zur Band (egal ob man sie liebt, hasst oder alles dazwischen) dürfte "Celebration Day" aber kaum bei irgendwem etwas ändern. Alles was sich neben Led Zeppelin in meine Musiksammlung gewagt hat verbrennen werde ich also nach wie vor nicht.

Glück gehabt.

Anspieltipps: No Quarter, Kashmir, Dazed And Confused, Whole Lotta Love, Stairway To Heaven

SWANS live im Kampnagel, Hamburg (22.11.2012)

"Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist / Wenn sie ihr in den Magen fährt / Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist / Wenn der Boden unter den Füßen bebt [...]"

Weiter habe ich Herrn Grönemeyer nicht mehr singen lassen. Trotzdem schon ein bemerkenswerter Zufall, dass das Stück letzte Nacht gerade dann im Radio lief, als ich gerade nach zwei Stunden Lärmkaskade (= Swans-Konzert) die Heimfahrt antreten wollte.

Dabei ging es doch zunächst ganz entspannt los...

Da ich vorher noch nie im Kampnagel war, vorher noch ein paar Zwischenstopps auf dem Hinweg eingeplant hatte, die dann doch nicht so lang ausfielen, und vor allem weil ich mir nicht sicher war, ob die Zeitangabe auf dem Ticket für Einlass oder Beginn stand, war ich ziemlich früh da und hatte vor Ort reichlich Zeit, mich weiter vorzufreuen und den Merchandising-Stand leerzukaufen. Nur der Umstand, dass ich vergessen hatte, noch etwas Bargeld abzuheben, hat mich davor bewahrt. ;)

Und auch musikalisch war es zunächst einmal eher ruhig.

Sir Richard Bishop setzte sich mit seiner Akustikgitarre mitten in die mit Boxen, Verstärkern und Instrumenten gefüllte Bühne und spielte gekonnt zum Flamenco auf.
Als er dann aber anfing mit Delay und weiteren Effekten zu spielen, wurde es mitunter auch schon ziemlich krank und getösig, also die perfekte Unplugged-Einstimmung auf das, was danach kommen sollte...


Ob die Swans live einfacher oder schwerer zu beschreiben sind als auf Platte, da kann ich mich noch nicht entscheiden. Einerseits leichter, weil sie während der zweistündigen Darbietung von sieben Songs auf ruhigere Stücke komplett verzichtet haben, so dass nur wenige Minuten - extrem relativer - Entspannung im Set blieben. Man kann also sagen, es war eine riesige Krachorgie und liegt damit sachlich nicht falsch.

Anderseits ist der unglaubliche Lärmorkan, den die sechs Herren auf der Bühne entfachen, in seinem Nuancenreichtum sowohl der Darbietung als auch der Rezeption noch viel unmöglicher zu fassen als eine Studioproduktion.

Denn in Wahrheit ist das, was einem da die Ohren grundreinigt, ja nicht zufällig dahingeschreddert, sondern alles vielschichtige, anspruchsvolle Musik, die sich ganz bewusst ihren Plätze zwischen Postrock-Symphonie und Grundrauschen sucht - und sich von dort aus so tonnenschwer auf uns kleine Menschlein stürzt, dass ich mich in dem Tagtraum wiederfinde, die Swans würden in Wacken spielen. Wieviele tausend Metaller würden sich dort wohl vor Angst in die Hosen kacken?

Kontrolliert und dirigiert wird alles von Michael Gira, der minimale Riffs zu Ritualen macht und die überlangen Stücke wie der Zeremonienmeister eines Kultes zelebriert.

Was seine Schwanenkirche mit meiner Seele letztendlich anstellen will, weiß ich zwar noch nicht, doch ich bin zum Jünger konvertiert, so viel steht fest. Obwohl ich ja ohnehin schon lange ein Freund kakophonischer Katharsis bin, hat dieser Abend im Kampnagel mein Musikverständnis noch einmal um einige Meter erweitert.

Und was kann man von einem Konzert mehr erwarten?


Setlist:

  • To Be Kind
  • Avatar
  • She Loves Us
  • Coward
  • The Seer
  • Nathalie
  • The Apostate

2012-11-22

SWANS - The Seer

Beim Review zur neuesten Magma-Scheibe hatte ich ja um einen zentralen Begriff meditiert, nur um festzustellen, dass er auf das besprochene Album eben nicht anwendbar war.

Zum Ausgleich packe ich dafür aber nun einen Brocken auf den Tisch, der wie kaum etwas anderes, was jemals durch den Tinnitus in mein Ohr gedrungen ist als Synonym und Klangwerdung eben jenes Begriffs verstanden werden kann.

Das Wort: MONOLITHISCH

Das Album:

SWANS - The Seer (2012)

Außer "monolithisch" fällt mir auch keine Beschreibung ein, die einen Leser ernsthaft auf das vorbereiten könnte, was ihn in diesem auf zwei CDs verteilten, zweistündigen Magnum Opus der Swans erwartet. Zumindest glaube ich das. Versuchen will ich's natürlich trotzdem.

Am hilfreichsten ist selbstverständlich, die Band um Meisterhirn Michael Gira bereits zu kennen. In dem Punkt muss ich zugeben, noch große Defizite zu haben, da sie mir in erster Linie als maßgeblicher Einfluss von Godflesh- und Jesu-Macher Justin K. Broadrick und anderer Projekte aus der personellen Napalm Death-Verwandschaft (z.B. PainKiller) ein Begriff sind, und ich aus ihrer Album-Diskographie bislang einzig "Great Annihilator" inhaliert habe.
Und auch Archive haben natürlich von Zeit zu Zeit ihre schwanenhaften Momente. Ganz zu schweigen von der extremen Doom-Szene, in der es von Swans-Jüngern gewiss wimmelt.

Dass ich es dennoch wage, mit diesem Marginalwissen vom Schaffenshöhepunkt der 1982 gegründeten Band zu sprechen, hat einen ganz einfachen Grund, und der kommt - in möglichst großer Lautstärke - aus den Boxen gedröhnt, gekrochen, gescheppert, geflüstert und explodiert. Es ist rational kaum festzumachen, doch es quillt dem Album einfach über die gesamte Länge aus allen Poren: "The Seer" kann und darf nichts anderes sein als die absolute Kulmination eines abgründig visionären Musikerdaseins.

Dabei ist es müßig, einzelne Stücke besonders herauszuheben, denn egal ob in kleinen Folkballaden wie "Song for a Warrior" und "The Daughter Brings The Water" oder massiven Ungetümen jenseits der 20- und sogar 30-Minuten-Grenze wie "The Apostate" und dem Titelsong: "The Seer" funktioniert nicht als Sammlung von Liedern, sondern als unabhängig von der musikalischen Form immer gleichsam intensives Gefühlskaleidoskop. Und der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig am finsteren Ende des Spektrums.

Wechsel geschehen oft abrupt und radikal, Geräusch wird zu Musik, wenn man es schon gar nicht mehr erwartet. Das ist kein traditionelles Songwriting, sondern Collage.

Die Texte dazu sind sind Psalme und Mantren, verdichtet, oftmals gleichklingend und repetiv, nichts für das Poesiealbum.

Und das Ganze ist in dieser Form verdammt einzigartig -  monolithisch eben.

Das Cover passt auch zum Inhalt: Das alptraumhafte Spiegelbild einer nachtschwarzen Seele.


Als Fazit der Rezension kann ich nur die Swans selbst zitieren:

"We're on a ladder to God.
We're on a ladder to God.
We are blessed!
We are blessed!
Fuck!
Bliss!
Fuck!
Bliss!"

Um die Kür eines Albums des Jahres werde ich mich für 2012 wegen zu starker Auswahl wohl voraussichtlich drücken. Ansonsten wäre "The Seer" auf jeden Fall ein ganz heißer Kandidat!

Es ist nun schon fast wieder mitten in der Nacht, das Finale des letzten Stücks fliegt mir um die Ohren und lacht mich aus, wie ich jetzt denn wohl Schlaf finden soll.
Mal sehen, wie es mir morgen um diese Zeit erst geht. Heute Abend sehe ich die Herrschaften nämlich livehaftig in Hamburg...


Anspieltipps: A Piece Of The Sky, The Seer, Avatar, Lunacy, The Apostate

2012-11-04

MAGMA - Félicité Thösz

Ok, was die Faktentreue angeht, war mein letztes Review wohl etwas öhm... undiszipliniert.

Aber das gleichen wir jetzt schön wieder aus. Denn für eine Magma-Rezension gibt es ja zum Glück ein paar ganz klare Regeln.


MAGMA - Félicité Thösz (2012)

Zunächst gilt es, die Grundlagen aufzufrischen. Wie sehr man dabei ins Detail geht, liegt im eigenen Ermessen, je nachdem wie man den Kenntnisstand der Leserschaft einschätzt. Drei Begriffe müssen dabei aber zwingend genannt werden: Christian Vander, Zeuhl und Kobaïa.

Der französische Schlagzeuger Christian Vander gehört zu den wenigen Menschen, die mit Recht für sich in Anspruch nehmen können, ein originäres Musikgenre begründet zu haben. Dies geschah vor über vierzig Jahren, und das aus Versatzstücken der Klassik, Jazzfusion und des Progrock zusammengerührte, eigenwillige Gemisch nannte er Zeuhl.
Der Begriff stammt aus dem Kobaïanischen, der von den Kobaïanern, also den Bewohnern des Planeten Kobaïa gesprochenen Sprache, in der auch die Texte Magmas verfasst sind, welche von der Geschichte eben jenes Planeten handeln.

Das liest sich dann beispielsweise folgendermaßen: "Ô rindöh tendëï ẁëh sündi / Ïüwa sïn dö ẁïr tendëïa / Ô ẁërïssï dëhn / Doẁï ïošaah / Kobaïa ïss tendiwa"

Der Gesang ist meistens choral und wiederholt sich oft in geradezu hypnotischen Schleifen. Überhaupt ist das repetive, einhämmernde Element auch in der Musik sehr wichtig.

Die Wirkung, welche dadurch erzielt wird, führt wiederum zu der absolut zentralen Vokabel, die in einem Magma-Review unausweichliche Pflicht ist, und deren Nicht-Benutzung in der Rezensentenhöllehöllehölle mit ewiger Wolfgang-Petry-Beschallung bestraft wird:

MONOLITHISCH


Das Problem ist nur: "Félicité Thösz" ist ein (für Magma-Verhältnisse!) äußerst zugängliches und gerade zu lebensbejahend beschwingtes Stück Musik geworden, das man ausgerechnet mit jenem Pflicht-Attribut einfach nicht belegen kann.

Das Gewicht der einzelnen musikalischen Zutaten hat ja immer variiert, doch dieses (mit knapp über dreißig Minuten leider nicht mit einer monolithischen Spielzeit gesegnete) Werk führt weiter, was schon in einzelnen Passagen des Vorgängers "Ëmëhntëhtt-Ré" angedeutet wurde und hat schon Züge eines Musicals.
Das ist glücklicherweise nichts Schlimmes, da einfach immer noch genügend kauziges, virtuoses, unverkennbar unfassbares Magma drin steckt.

Nur eben diesmal nicht monolithisch.

So gesehen ist das Album (oder doch eher die EP?) für den Fan eine durchaus sehr schöne Sache, wer als Neuling jedoch wissen möchte, was bei den  französischen Zeuhlisten wirklich Sache ist, für den ist das erwähnte "Ëmëhntëhtt-Ré" sicherlich ein besser geeigneter Einstieg.

Anspieltipps: Félicité Thösz

2012-11-03

Ein Buch! Ein Buch!

Ich habe auf Lulu ein kleines, aber feines, 100seitiges Buch veröffentlicht, welches ab sofort on demand bestellen werden kann!

Das Thema hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber das mach die Serie ja nicht schlechter, oder?




Ein weiteres Fotobuch mit neueren Bildern ist übrigens in Arbeit! Ich befinde mich da allerdings noch in der Auswahlphase und möchte deshalb noch nicht allzuviel verraten...

2012-11-02

DIE ÄRZTE - Ist das noch Punkrock? / LATERNEN-JOE

Damals nach dem Krieg, unter Adenauer, haben sie den Punk erfunden. Doch spätestens als die ganze Welt gebannt verfolgte, wie der lustige Astronaut Lance Armstrong gedopt bis zum Trompetenmundstück zum siebten mal auf dem Mond landete, war es aus mit der Ärzte-Seligkeit.
Von da an gab es von den ehemals supersiffigen Vorzeigepunkern nur noch uninspirierten Kommerz-Reggae. Auf dieser traurigen Kommerzschiene fahren Bela, Farin und Rod leider noch heute.

Der Titel der dritten Singleauskopplung des Albums "auch" ist angesichts dessen natürlich der blanke Hohn...


DIE ÄRZTE - Ist das noch Punkrock? / LATERNEN-JOE (Split-Single) (2012)

Würde man nur die A-Seite dieser CD zählen, bräuchte sie natürlich keine Sau. Seit Hitler sich im Bunker-Bunker unter seinem Bunker hat kryonisch einfrieren lassen, machen Die Ärzte ja nichts anderes mehr als diese elende Dancehall-Scheiße...

Eines muss man ihnen jedoch bei allem berechtigten Hass zugute halten: Wahrscheinlich weil sie ihre vom Kaviar fett gefressenen Ärsche nicht für mehr als einen einzigen Song aus den Luxus-Designersesseln hochbekommen konnten, haben sie die B-Seite von "Ist das noch Punkrock?" einer echten Kultgruppe überlassen, die tatsächlich noch weiß, was Punkrock ist:

 
Laternen-Joe polieren den zurecht in der Gosse gelandeten, abgehalfterten Pseudopunks mal so richtig die Fresse und verschütten literweise Dosenbier, während sie auf ihrem Grab pogen!

Und so steht auf dieser Split-Scheibe eine Die Ärzte-Pop-meets-Klassik-Charity-Schnulze viermal echtem Punk gegenüber.

Unterm Strich lohnt es sich also schon, sich dieses Ding zu kaufen klauen.

In diesem Sinne:

"Laternen-Joe - so heißt die Mancht im Universum. Und so heißt auch eure Lieblingsband."  (Laternen-Joe, "Hymne wider Willen")


Anspieltipps: alle Punkrock-Stücke auf der LATERNEN-JOE-Seite

2012-11-01

ARCHIVE live in den Docks, Hamburg (31.10.2012)

Wie gut, dass es das Internet gibt! Und wie gut, dass meine Anreise zum Archive-Konzert in Hamburg nicht so weit war, wie jene für Laibach im September... Dann hätte mir nämlich auch das Internet am Montag nicht geholfen. Das Gerücht geht um, die Band habe etwas falsches gegessen. Wie auch immer, das Konzert wurde kurzfristig wegen Krankheit abgesagt, aber zum Glück nur zwei Tage später nachgeholt.

Pünktlich nach der Tagesschau legte das mit allen vier Lead-Sänger(inne)n des aktuellen Albums "With Us Until You're Dead" angerückte und somit auf der Bühne bis zu neunköpfige Kollektiv mit einem unerwartet brachialen Intro los, ehe Pollard Berrier gleich im Opener "Wiped Out" für mächtig Gänsehaut sorgte.

Es folgte ein Set, das fast das gesamte aktuelle Album, aber auch genügend ältere und sogar zwei brandneue, noch unveröffentlichte Songs enthielt, und bei dem auch die Bühnenpräsenz der Mitglieder ziemlich gerecht verteilt war.
Besonders umjubelt wurden dabei die Auftritte von Maria Q, ebenso wie die aktuellen Video-Auskopplungen "Violently" und "Hatchet" mit Neuzugang Holly Martin am Mikro, und bewährte Klassiker wie "Fuck U" oder "Dangervisit".

Streng genommen verbietet es sich aber schon fast, Highlights zu nennen, wurde man doch über die gesamte Konzertlänge von der einzigartigen Electronica/Postrock/Prog-Mélange Archives in verzückte eskapistische Sphären entrückt.

Schade war für mich, dessen erstes - und garantiert nicht letztes - Archive-Konzert dies war, eigentlich nur, dass der epische Showeröffner "Lights" gar nicht und "Again" nur in einer abgespeckten Akustikgitarrenversion, die zwar wunderbar begann, dann aber die meiner Meinung nach besten Stellen des Songs vermissen ließ, gespielt wurden. Kürzen ist halt immer blöde. Vielleicht lieber ein Medley? Ich bin mir allerdings der Problematik, die Longtracks jenseits der Zehn-Minuten-Grenze für die Gestaltung einer Setlist bedeuten, bewusst und sehe diese Variante von daher schon ein.

Als Ausgleich gab es als letzte reguläre Zugabe dafür ja auch den auf der "Live in Athens"-DVD fehlenden Titelsong von "Controlling Crowds" auf die Ohren!


Und wohl auch als Entschuldigung für die Umstände, die die Konzertverlegung einigen Besuchern gemacht haben dürfte, wurde der Abend dann mit zwei weiteren musikalischen Sahnehäubchen odendrauf abgeschlossen, womit das Konzert meines Wissens nach das bisher der längste der Tour gewesen sein müsste.

Was will man noch mehr?


Fazit: mind = blown


Und als Bonus an diesem Super-Musikabend habe ich auf dem Hinweg bei Hoeffner sogar noch ein paar passende Rahmen für ein paar der Fotos aus der Fanta-4-Deluxe-Box gefunden. ;)



Setlist:

  • Wiped Out
  • You Make Me Feel
  • Sane
  • Interlace
  • Stick Me In My Heart
  • Conflict
  • Violently
  • neuer Song
  • Again (Akustikversion)
  • Fuck U
  • Pills
  • Black And Blue
  • Dangervisit
  • Damage
  • Rise
  • Silent
  • Hatchet
  • Controlling Crowds
  • Twisting
  • Kings Of Speed

2012-10-28

ARCHIVE - With Us Until You're Dead

Nun mal wieder zu einer Band, die sich ganz schwer adequat beschreiben lässt. Es hilft nichts: Man muss die Musik von Archive einfach erleben.

Und da ich das ja morgen in Hamburg endlich zum ersten Mal live tun werde, haue ich hier doch vorher nochmal ein paar Worte zum betourten Album raus.


ARCHIVE - With Us Until You're Dead (2012)

Nach "Controlling Crowds, Parts I-III" plus "Part IV" ist es wieder ein Konzeptwerk zu einem ganz großen Thema geworden.
Es ist - Achtung, angeschnallt! - die Liebe!

Klingt gefährlich, ist es aber nicht. Liebe hat nämlich verdammt viele Seiten, von denen einige auch ziemlich abgründig sind - Streit, Abhängigkeiten, seelischer Missbrauch, Schmerz... Trotz einiger heller Momente ist "With Us Until You're Dead" demnach alles andere als ein Schmusepop-Album geworden.

Archive sind also nach wie vor sie selbst. Nur mit tieferen Emotionen als zuletzt, was Pollard Berrier, Dave Penney und Maria Q zu neuen gesanglichen Höchstleistungen antreibt.
Komplettiert wird das Gesangs-Quartett diesmal nicht von Rapper Rosko John, sondern von der jungen Sängerin Holly Martin, die mit "Violently" und "Hatchet" gleich zwei ganz zentralen Stücken des Albums ihre Lead-Stimme leihen darf.

Stark sind die Songs aber alle. Es zieht sich allmählich wie ein roter Faden durch meine Reviews, aber negativ zu beanstanden gibt es für mich auf diesem Album eigentlich nichts. Nur dem Booklet hätten Texte durchaus noch gut getan.

Und nun bin ich fast am Ende und habe noch kein Wort über den Musikstil verloren, hehe.

Auf facebook steht als Genre:
Trip Hop / Rock / Psychedelic / Soundscape / Shoegaze
Noch Fragen?

Ich bin dann mal gespannt, was mich morgen so alles erwartet. Mind = ready to be blown.

Anspieltipps: Violently, Twisting, Wiped Out, Hatchet, Conflict

Die Fantastischen Vier - MTV Unplugged II (Limited Deluxe Edition)

Der größte Vier-Fan auf dem Erdball bin ich sicherlich nicht, habe ich sie doch noch nie livehaftig gesehen und besitze neben einem Soloalbum von Thomas D., dessen Umsetzung nicht ganz an seine Ambition heranreicht, als einziges Studioalbum bisher nur "Viel".

Und dann natürlich das legendäre "MTV Unplugged" aus der Balver Höhle, bei dem Die Fantastischen Vier ganz dick aufgetischt und mit einem Riesenarsenal an Musikern ihrem Repertoire einen spannenden frischen Anstrich gegeben haben.

Zwölf Jahre später nun also die Fortsetzung. Die Messlatte liegt weit oben!

Als ich Anfang August sah, dass auf amazon zu einem vergleichsweise harmlosen Preis die handsignierte Box mit Doppel-Live-CD und DVD angeboten wurde, war es für mich auf jeden Fall gar keine Frage zuzuschlagen, obwohl noch gar nicht bekannt war, was ansonsten für Extras enthalten sein würden.

Seit ein paar Tagen ist die große, edle Box nun da...


DIE FANTASTISCHEN VIER - MTV Unplugged II (Limited Deluxe Edition) (2012)

Zunächst einmal leichtes Kopfschütteln. Warum lässt man eine exklusive Box vom Künstler signieren und klebt dann einen Aufkleber über eine der Unterschriften? Vor allem angesichts der Tatsache, dass das ganze Teil doch eh eingeschweißt ist und man die wichtigen Verbraucherinformationen auch außen anbringen könnte, finde ich das etwas schwach. Man ärgert sich ja schon oft genug über das gleiche Problem mit den FSK-Stickern bei DVDs. Zum Glück ließ er sich halbwegs sauber lösen, ohne allzuviel vom silbernen Edding mit sich fortzunehmen.

Im Inneren der Schachtel dann Bild- und Tonträger, ein großformatiges Booklet mit sämtlichen Texten, bei denen sogar Abweichungen von den Studioversionen-Lyrics berücksichtigt wurden, ein großes Bandposter und zehn Fotodrucke mit stimmungsvollen Liveeindrücken und Bühnenstillleben aus der Höhle.
Wie gesagt, ich bin jetzt nicht der Riesenfan, der sich nun komplett die Wohnung neu tapeziert, aber von den Fotos werden es drei oder vier wohl schon zusammen eingerahmt an meine Deluxe-Musikwand schaffen.
Wie große Teile des Artworks eher schlicht (nicht schlecht!) gestaltet ist das T-Shirt, welches mit Einheitsgröße L bei mir allerdings nur dazu taugt, dass der restlichen Boxeninhalt nicht hin- und herklappert.

Der zentrale Inhalt ist aber natürlich das Konzert, welches mit "Zugabe"-Rufen beginnt und sich tatsächlich sehr deutlich nicht als Wiederholung, sondern als Fortsetzung des ersten "MTV Unplugged" versteht.
Die Anti-Atomkraft-Overalls der Musiker und die Polohemden der Vier sind exakt identisch, als habe sich nur Thomas D. in der zwölfjährigen Pause mal eben rasiert, und es wird keiner der alten Songs erneut gespielt. Stattdessen gibt es fast nur Material der inzwischen erschienen Alben zu hören.

Und schon nach den ersten paar Stücken wird klar, dass Die Fantas in der Zwischenzeit deutlich an Souveränität beim Umarrangieren ihrer Songs gewonnen haben und sich instrumental und stilistisch noch eine ganze Menge mehr trauen. Wo das erste Unplugged insgesamt eher entspannt mit nur wenigen Ausbrüchen daher kam,  ist das 2012er Konzert noch mehr zur Achterbahnfahrt geraten, auf der fast alles passieren kann; mal abgesehen davon dass bis auf das Instrumental "Mission Ypsilon" überall gerappt wird natürlich.
Die Stücke mit Gospelchor und spanischem und lateinamerikanischem Feuer durch zusätzliche Gastmusiker sind nur die offensichtlichsten Beispiele für die musikalische Vielfalt.

Egal woran man es festmacht - z.B. an den noch gewagteren Streicher-, Bläser- und Backgroundgesang-Arrangements - "MTV Unplugged II" setzt seinem Vorgänger in jedem Punkt noch einen obendrauf.


Fazit: Besser hätten es die Herren Beck, Dürr, Rieke, Schmidt und ihre hervorragend besetzte Big Band nicht machen können. Ganz große Show, egal ob auf CD oder im Bild und in 5.1 auf DVD.


Auf letzterer gibt es übrigens als letztes Extra, das ich noch erwähnen muss, neben dem Konzert noch das obigatorische "Hinter den Kulissen"-Filmchen inklusive Auschnitten aus der Generalprobe vor Publikum zu sehen. Das muss man dann natürlich auch kucken, wenn man sich "MTV Unplugged II" schon gönnt - was ich hiermit ausdrücklich empfehlen möchte!


Anspieltipps: Populär, Geboren, Smudo in Zukunft, Was wollen wir noch mehr?, Fornika, Danke, Einfach sein

2012-10-27

MUSE - The 2nd Law

Hübsch buntes Cover - naja, könnte allerdings auch von Depeche Mode sein, für deren nächste Tour ich übrigens ein Ticket habe. Mann, war das Krieg.

Aber egal, es zählt ja ohnehin der Inhalt. Also des Muse-Albums, nicht des DM-Tickets. Dieses böse Abschweifen von mir auch immer...


MUSE - The 2nd Law (2012)

Im Großen und Ganzen stimmt schon, was mein Bruder über Muse sagt, nämlich dass sie sich in zwei Richtungen gleichzeitig entwickeln.
Zum einen werden die Songs immer catchier, anderseits werden exzentrische Spielereien und Auf-den-Putz-hauen im großen Stile dadurch nicht weniger - ganz im Gegenteil.
Natürlich lässt sich diese Regel nicht auf jeden Song anwenden, aber wie gesagt - im Großen und Ganzen eben.

Das erste was mir über "The 2nd Law" klar war, ist, dass mich das Album definitiv mehr kickt, als der leicht verkopfte und bemüht utopolitische Vorgänger "The Resistance".
Ob es die Bläser in "Panic Station", die Chöre im kämpferisch-schwülstigen Olympiasong "Survival" oder die Dubsteb-Attacken in "The 2nd Law : Unsustainable" sind - alle Extras und Experimente, ihren Sound weiter von einem gewöhnlichen Rocktrio zu entrücken, scheinen den drei Engländern ganz locker von der Hand zu gehen, klingen frisch, machen einfach Spaß zu hören.

Doch bei allen Klängen des neuen Jahrtausends, bleibt der vielzitierte Queen-Einfluss stets präsent: Immer wieder schleicht sich Brian May in Matthew Bellamys Gitarrenspiel und der ungezügelte Pathos Freddie Mercurys in seinen Gesang. Dazu kommt als Gemeinsamkeit wie gewohnt die unglaubliche Diversität an Genres, die im Laufe eines Albums zelebriert wird, ohne das Gesamtwerk je zerfahren wirken zu lassen.

Gerade im Bereich der Vielfalt setzt "The 2nd Law" neue Duftmarken, die bei aller kommerziellen Zugänglichkeit wohl auch den einen oder anderen Fan vor den Kopf stoßen mögen. Vor allem das letzte Drittel der Platte hat es diesbezüglich in sich. Wer würde beim ersten Hören schon ahnen, dass "Big Freeze" als neunter von insgesamt dreizehn Tracks der letzte "normale" Song ist, in dem Bellamy als Frontmann in typischer Stimmlage nennenswerten Text von sich gibt?

Darauf folgt mit der Ballade "Save Me" und "Liquid State" nämlich das überzeugende Leadgesangs-Debüt von Bassist Chris Wolstenholme im Doppelpack. Der Mann lässt einen durchaus an Porcupine Tree denken...

Track 12 und 13 bilden dann den zweiteiligen Titelsong, bei dem Bellamys Gesang eher instrumentalen Charakter hat bzw. bis zur Unkenntlichkeit robotisiert ist. Ansonsten dominieren bei "Unsustainable" Sprachsamples, während "Isolated System" insgesamt schon mehr Filmscore als Rockmusik ist.

Aber nun komme ich mal zu allem, was mir an "The 2nd Law" so gar nicht gefällt:














-








Hmm, nö. Nichts.

Muse haben wirklich alles richtig gemacht.

Auf der Bonus-DVD gibt's dann noch ein paar interessante Einblicke in die Aufnahmen. Ein kurzweiliges Making Of, das sich gute Momente aus der großen Produktion herausgepickt hat und einem nochmal richtig klar macht, in welchen Dimensionen hier gearbeitet wird.


Anspieltipps: Survival, Save Me, Panic Station, The 2nd Law : Isolated System

TORI AMOS - Gold Dust

Eine große Überraschung ist das Erscheinen dieses Albums im Grunde nicht. Nach ihrem letztjährigen klassisch inspirierten Meisterstück "Night of Hunters" ist Tori Amos ja nach wie vor bei der "Deutschen Grammophon" unter Vertrag, was ein Elektropop-Album ziemlich sicher ausschließt. Und die Idee, nach den Werken anderer großer Komponisten nun ihre eigenen Klassiker neu aufzubereiten, war natürlich naheliegend.

TORI AMOS - Gold Dust (2012)

Dass dieses schon bei vielen Künstlern bewährte, aber auch schon grandios gescheiterte Konzept bei Frau Amos generell in den richtigen Händen liegt, würde wohl kaum jemand mit etwas musikalischem Verstand ernsthaft bezweifeln. Zumal ihre Klasse als Komponistin einfach zu groß und dieses Metier für sie ja nun kein absolutes Neuland ist. Allerdings war dieses Projekt tatsächlich das erste Mal, dass sie live mit großen Orchester im Studio gearbeitet hat, also sicherlich auch kein mit links abgehakter Selbstläufer

Wie auch immer - das Resultat kann sich absolut hören lassen. Zwar entfernen sich die Arrangements niemals so drastisch von den Originalversionen wie beispielsweise ihre auf "To Venus And Back" konservierte Plugged-Variante von "Horses" oder ihre unzähligen Coverversionen anderer Künstler, doch mit Streichern, Pauken und Trompeten entwickeln sie schon noch eine andere Tiefe und Dynamik, zum Glück ohne sich dabei jemals vom Klangteppich begraben zu lassen. Kurzum: Besser lässt sich das "Hits mit Sinfonie-Orchester"-Konzept kaum umsetzen.

Wobei die Auswahl der 14 Stücke aus verschiedensten Schaffensphasen nicht nur "Hits", sondern auch ein paar Lieder aus der zweiten Reihe einschließt. Wie schon auf der wunderbaren "A Piano"-Sammlung liegt dabei schon ein leichter Schwerpunkt auf dem Debüt "Little Earthquakes", und manche Alben fehlen ganz. Doch dies ist wohl weniger fehlendem Potential jener Werke, sondern viel mehr schlicht der immensen Größe das Backkatalogs zuzuschreiben.

So gesehen ist der einzige Vorwurf, den man Tori Amos hier machen könnte, dass "Gold Dust" kein Doppelalbum geworden ist. Denn jeder Fan wüsste sicherlich noch zahlreiche Stücke, die er gerne im neuen Gewand gehört hätte. Mir fallen da z.B. spontan "I Can't See New York", "Datura", "The Beekeeper" und "Hotel" ein. Aber wer weiß? Vielleicht gibt es ja eines Tages eine Fortsetzung.

Als Bonus erhält die Special Edition, die ich besitze, neben einem schicken Digipack-Booklet mit Texten (immer lobenswert auch bei Veröffentlichungen mit schon bekannten Songs) eine kleine aber feine DVD, auf der sich neben dem Video zu "Flavor" auch ein Studio-Performance-Video vom Titelsong befindet, der mich in Bezug auf Toris Erscheinung etwas beruhigt hat.
In meinem letzten Review habe ich ihr ja schon ziemlich harsch ein trauriges Problem mit dem Altern in den vergangenen Jahren attestiert, doch angesichts dieser Aufnahme scheinen die schlimmen Bilder wohl eher dem maßlosen Umgang mit Make-Up und Photoshop als ernsteren Maßnahmen geschuldet zu sein.

Da sieht man mal, dass ich die Dame schon viel zu lange nicht mehr mit eigenen Augen livehaftig am Klavier gesehen habe! Aber hören kann und werde ich sie dafür ja immer reichlich. Dafür sorgt ja schon der Zufallsmodus meines RealPlayers, da Tori Amos aktuell hinter Laibach mit den zweitmeisten Tracks auf meiner Festplatte vertreten ist. Und ich habe noch nicht einmal alle CDs aus meinem Regal gespeichert. ;)

Anspieltipps: Flavor, Precious Things, Winter, Flying Dutchman, Yes Anastasia, Gold Dust

2012-10-26

Fliegt, Blätter, fliegt!

Wenn facebook und flickr keine animierten GIFs erlauben, dann eben hier. ;)


Aber ganz im Ernst:

Letzten Sonntag passte echt alles zusammen - Model, Wetter, Ort und Zeit.

Da klopf ich mir doch gerne selbst auf die Schulter und gratuliere mir dazu, die wahrscheinlich einzige Gelegenheit für so ein sonnig-buntes Herbstshootung so schön genutzt zu haben! ;)

Hier gibt es das (noch längst nicht komplette) Album dazu:

Der Ohlsen - View my 'autumn sunday' set on Flickriver

Und Film kommt ja demnächst auch noch...

Vielen Dank, Anja!

2012-10-16

VOIVOD live im Hafenklang, Hamburg (14.10.2012)


Nach Wacken 2010, Zürich 2011 und dem Doppelpack auf dem Roadburn Festival im April, war Sonntag doch glatt schon wieder mal Voivod angesagt!

Langeweilegefahr besteht für mich allerdings nicht im geringsten. Denn erstmal sind Voivod natürlich Voivod, und selbst mit einer Messlatte wie der legendären Dimension-Hatröss-Show mit der Livepremiere von "Jack Luminous" in Tilburg gilt nach wie vor: Irgendwie wird's trotzdem immer noch geiler.

Hamburg hat sich für Snake und Co. zu einem echten Heimspielpflaster entwickelt. Letztes Jahr wurden die Kanadier ja für eine weitere Zugabe von den Fans aus der Backstage gezerrt, und auch diesmal war das Set länger als der Tour-Durchschnitt, und die Begeisterung kannte am Schluss keine Grenzen.
Erst lange nach Einsetzen der Konservenmusik, als ein Roadie anfing, die Becken vom Schlagzeug zu schrauben, gaben wir vor der Bühne endlich Ruhe. ;)

Aber mal ehrlich: Wie kann man nach so einem Set (siehe unten!) wollen, dass der Abend zu Ende geht?

Den schon erwähnten 17-Minüter "Jack Luminous" werden Voivod nun natürlich nicht mehr los, nachdem sie ihn einmal aus der Kiste gelassen haben.
Dazu einige der größten Klassiker von "Killing Technology", "Dimension Hatröss" und "Nothingface", sowie drei Stücke der neuen Scheibe "Target Earth", die zum 30jährigen Bandjubiläum im Januar 2013 endlich erscheinen soll und stilistisch ganz klar an die Phase der eben erwähnten Alben anzuknüpfen verspricht.

Was soll ich noch sagen? Voivod ist einfach die ultimative Rock'n'rollcyberprogpunkmetal-Vollbedienung!
Zusätzlichen Respekt gebührt der Band angesichts der Tatsache, dass Snake mit Ripping Ribaches (Riesenwärmepflaster unterm T-Shirt) und Blacky extrem erkältet (nach der Show kaum ansprechbar) dermaßen souverän abgerockt haben. Da darf man sich aus Solidarität als Fan auch gerne nachher die Hände blutig klatschen.

Und nächstes Jahr sieht man sich dann hoffentlich auf der großen Jubiläumstour!

VOIVOD @ Hafenklang 2012


Setlist:

  • Voivod
  • Ripping Headaches
  • Target Earth
  • The Prow
  • Forgotten In Space
  • Mechanical Mind
  • Nothingface
  • Jack Luminous
  • Kluskap Okom
  • Psychic Vacuum
  • Overreaction
  • Tribal Convictions
  • Astronomy Domine
  • The Unknown Knows


2012-10-01

TENACIOUS D - Rize Of The Fenix

Für ein umfassendes Review genügen manchmal drei Sätze:

TENACIOUS D - Rize Of The Fenix (2012)

Hätte Rock'n'Roll einen Arsch, dann wäre es der haarige Hintern von Jack Black.

Nichts verbreitet im Heavy Metal mehr Furcht als die Frisur von Akustikgitarrentier Kyle Gass.

Das Cover ihres neuen Albums zeigt den Fenix, einen Feuervogel mit zufälliger Ähnlichkeit zu einem erigierten Penis.



Anspieltipps: Roadie, Rize Of The Fenix, To Be The Best, Deth Starr

2012-09-30

MOTORPSYCHO AND STÅLE STORLØKKEN - The Death Defying Unicorn

"We ventured to find the hollow earth
but all we've found are the hollows in our souls"

So kurz und knackig lässt sich die Handlung eines Konzept-Doppelalbums zusammenfassen. Und was für ein Album das ist! In der aktuellen Ausgabe des eclipsed schon jetzt auf Platz 90 der "150 Prog-Alben für die Ewigkeiten", wage ich mal zu behaupten, dass es mit den Jahren durchaus noch weiter nach vorne rutschen dürfte.

Bei mir persönlich rangiert der folgende Balanceakt zwischen Genie und Größenwahn jedenfalls dieses Jahr ganz weit vorne - mit ziemlich sicherer Stammplatzreservierung für die Ewigkeit.


MOTORPSYCHO and STÅLE STORLØKKEN - The Death Defying Unicorn - A Fanciful And Far-Out Musical Fable (2012)

Die Messlatte lag hoch. Ich hätte nach dem furiosen "Heavy Metal Fruit" von 2010 mit seinem epochalen Finale "Gullible's Travails" definitiv nicht mein letztes Hemd darauf verwettet, dass Motorpsycho da gleich mit dem nächsten Album einen obendraufsetzen würden.
Aber Pustekuchen! Die Norweger haben sich mit der Schwermetallfrucht tatsächlich nur warmgemacht für ein in der Rockmusikgeschichte wohl vergebens seinesgleichen suchendes Konzeptalbum.

Die von Homer, Melville und weiteren Autoren inspirierte Geschichte selbst ist ziemlich einfach und wird sprachlich meist auf das Wesentliche verdichtet. So reichen gleich zu Beginn beispielsweise das Instrumentalstück "Out of the Woods..." und drei Textzeilen, um die Vorgeschichte des Protagonisten zu erzählen, der beim Wildern erwischt und vor die Wahl zwischen Galgen und dem Dienst als Schiffsjunge gestellt wurde. Das ist große Lyrik!

Vom Rest der Handlung möchte ich nur soviel verraten: Das Schiff, auf dem er zwangsanheuert, gehört Edelmännern, die auf der Suche nach einem Eingang zur Hohlwelt sind. Die Reise gerät zu einer hoffnungslosen Odyssey zwischen Mahlstrom, Nebel und Flaute, an deren Ende die Besatzung in ihrer Not ihre Menschlichkeit über Bord wirft. Für den Helden heißt es nun: Meuterei!
Der Ausgang ist dann aber... überraschend.

Überwältigend ist es, wie diese Geschichte musikalisch erzählt wird. Ihr eigener - an sich ja schon zahlreiche Grenzen des Rock'n'Roll mühelos einreißende - Sound reichte dem Trio nämlich nicht aus.
So wurde als gleichberechtigter Komponist der Jazz-Keyboarder Ståle Storløkken an Deck geholt, und als weitere Gastmusiker wirken ein Mellotronspieler, das nur aus Bläsern bestehende Trondheim Jazz Orchestra, ein Solo-Geiger plus ein achtköpfiges Streicherensemble mit.

Dieses Aufgebot an Gastmusikern fungiert dabei niemals nur als Gimmick, das mal hier mal da den Hintergrund aufhübscht, sondern ist fast ständig im Einsatz und insgesamt absolut gleichwertig in die Arrangements eingebunden. Phasenweise bestimmt es sogar das Geschehen. Gerade die Bläser - sei es als geradezu riffrockender Satz in "Through the Veil" oder als erlösendes Saxophonsolo in "La Lethe" setzen dabei viele Akzente.

"The Death Defying Unicorn" wird so zu einer perfekten Mixtur aus wildem Progrock, Jazz und Klassik, wobei diese Elemente auch durchaus gerne alle auf einmal zu hören sein dürfen. Ohne Scheu vor ihrer eigenen Hybris türmen Motorpsycho mit Leichtigkeit alles übereinander, was ihnen zur Verfügung steht und verzichten dabei im Grunde nur auf eine Zutat, die gerade in Story-Konzeptalben sonst gerne eingerührt wird: Kitsch.

Stattdessen jazzrocken sich Hans Magnus Ryan, Bent Sæther und Kenneth Kapstad geradezu unverschämt cool und lässig durch ihren monströs ambitionierten Magnus Opus. (Zweimal "Magnus" in einem Satz, haha!)

Das heißt aber keineswegs, dass es keine stillen oder abgründigen Passagen gibt. Nein, gerade zu Beginn der zweiten Hälften schleppt es sich zeitweise geradezu quälend dahin. Doch gerade hier wird die eigentliche ganz große instrumentale Stärke des des Albums voll ausgespielt: Dort wo es keine lyrische Erzählung gibt - und der Instrumentalanteil ist sehr hoch -, dort reichen schon Songtitel wie "Sculls in Limbo" oder "Flotsam" alleine aus, um einen in Verbindung mit der Musik die Geschichte erleben zu lassen. Wellengang, Wetter und Schicksal - alles steckt tief in den Arrangements.

Es mangelt mir wahrhaftig an Superlativen, um "The Death Defying Unicorn - A Fanciful And Fairly Far-Out Musical Fable" gerecht zu werden.
Da ist es beruhigend zu wissen, dass den Herren ihr eigenes Genie wohl niemals zu Kopf steigen wird. Denn angesichts dessen, was sie hier aufgetischt haben, nehmen sich Motorpsycho erstaunlich wenig ernst, was sich u.a. im mal im von außen nicht zu erahnenden, wieder reichlich bekloppten Bookletcover ausdrückt.

Und dann ist da natürlich noch dieser super umständliche, seltsame Albumtitel, den ich so gar nicht mit der Geschichte zusammenzubringen vermag. Also entweder bin ich zu blöd, oder genau das ist volle Absicht. Ich gehe mal zu meinen Gunsten von letzter Möglichkeit aus...

Wie auch immer - das dem Tod trotzende Einhorn wird gewiss noch weit über dieses Jahr hinausstrahlen!
Ganz ganz riesengroß! 

Anspieltipps: Through The Veil, La Lethe, Into The Gyre, Mutiny!

MAIDEN UNITED - Across The Seventh Sea

Und nun noch schnell zu dem gerade frisch erschienen Zweitwerk einer Tributband, die mich schon auf dem Wacken Open Air 2011 überrascht und begeistert hat:


MAIDEN UNITED - Across The Seventh Sea (2012)

Ein paar niederländische Musiker spielen neben ihren jeweiligen Hauptbands als Projekt semi-akustische Versionen von Iron Maiden-Hits der frühen Alben bis "Seventh Son Of A Seventh Son". Ende Bandbeschreibung.

Aber es ist dann schon spannender, als es klingt, weil es einfach verdammt gut klingt. Denn hier wird nicht nur ohne Verstärker nachgespielt, sondern bei der Übertragung auf Piano und Akustikgitarre auch mit viel Liebe umarrangiert, so dass die Songs ganz neue Stärken entfalten.

Eigentlich braucht es nur zwei Grundvoraussetzungen, um dieses Kleinod zu mögen:

1. Man sollte mit dem Gesang von Threshold-Sänger Damien Wilson klarkommen. Ich erinnere mich, dass ich mich bei seinen ersten Gastauftritten bei Ayreon erst ein wenig an seine Stimme gewöhnen musste.
2. Man sollte irgendwann während der vergangenen drei Jahrzehnte den Namen Iron Maiden gehört haben und einordnen können.

Der Rest sollte bei diesem klasse Album dann eigentlich von alleine flutschen.

Ein bisschen schade ist eigentlich nur, dass anders als beim Debüt "Mind The Acoustic Pieces" - und auch live in Wacken - die Wunderstimme von Anneke van Giersbergen nicht dabei ist. Man kann halt nicht alles haben. Dafür ist das Gast-Cello von einem Apocalyptica-Mitglied eingespielt. Ist ja auch schon was.

Neben der Musik weiß auch die Optik zu punkten. Das Artwork von Cover und Booklet greift nämlich nicht zu penetrant und sehr gekonnt diverse Maiden-Cover auf.
Und wer nicht wie ich banausiger CD-Hörer, sondern Vinyl-Freund ist, der sollte sich auf der Homepage der Band mal diese Special Edition anschauen. Hui!


Anspieltipps: 22 Acacia Avenue, The Evil That Men Do, Children Of The Damned, Infinite Dreams

2012-09-29

Grind & Gore Day 2012 (AUTOPSY, TERRORIZER, NAPALM DEATH)

Der 24. Februar war dieses Jahr für mich so eine Art Grunz-und-Röchel-Feiertag, erschienen an diesem Tag doch neue Scheiben von gleich drei Genre-Legenden des brutalen Haudraufs...



AUTOPSY - All Tomorrow's Funerals (2012)

Ein Jahr nach der Comeback-Gedärmbombe "Macabre Eternal" schon das nächste Album der Gore-Death-Metal-Großmeister?

Nein, auf "All Tomorrow's Funerals" befindet sich nur eine handvoll neuer Stücke, ansonsten war die Grundidee hinter der Veröffentlichung, einmal alle teilweise vergriffenen EPs und sonstige nicht auf Alben vertretenen Tracks in einem Stück wiederzuveröffentlichen.
Die Präsentation erfolgt dabei chronologisch von neu nach alt, was gut funktioniert und einen gewissermaßen immer tiefer ins modrige Grab hinabsteigen lässt.

Der Kenner weiß daher natürlich schon, welche schimmelige, Leichenwasser gurgelnde Feinkost ihn hier erwartet. All die autopsy-typischen Grooves, Riffs, Doppelleads und natürlich das Kinderfresserorgan von Drummer Chris Reifert ziehen sich selbstverständlich durch die kompletten 22 Tracks. Bei zwei der neuen Kompositionen darf sich auch Gitarrist Eric Cutler mal wieder bösartigst auskotzen.

Die 17 wiederveröffentlichten Stücke stammen ursprünglich vom "Peaceville Vol.4"-Sampler, sowie den EPs bzw. Singles "Retribution for the Dead", "Fiend for Blood", "Horrific Obsession" und "The Tomb Within". Gerade letztere ist ja eigentlich noch ziemlich frisch und wäre von daher wohl am ehesten verzichtbar gewesen. Bei den älteren Tracks, wie denen von "Fiend for Blood", die ich nun auch doppelt besitze, hat man hingegen noch den Mehrwert eines neuen Masterings. Manchen Fans ist der Sound nun natürlich nicht mehr true genug, ich persönlich stimme aber den liner notes im Booklet zu: "[...] now the old stuff sounds better than ever. Don't worry folks, we didn't ruin anything. Hah!"
Denn gerade der "Fiend" mangelte es früher bei aller Liebe zum Kultklang ja gehörig an Wumms.

Das Booklet des Digipacks ist überhaupt sehr schön aufgemacht und erhält neben liner notes und bekloppen Bandfotos auch sämtliche Texte und die Coverartworks der Ursprungsplatten.
Auch für den Fan, der vieles schon kennt, gibt's also genügend Gründe sich das Ding zuzulegen.

Für Autopsy-Einsteiger ist "All Tomorrow's Funerals" ohnehin zu empfehlen. 

Anspieltipps: All Tomorrow's Funerals, In The Grip Of Winter, Keeper Of Decay, Mutant Village



Während bei Autopsy die Toten ja meist eher passiv der Sammelleidenschaft und anderen Gelüsten des kranken Ich-Erzählers dienen, sind sie woanders selbst deutlich aktiver...

TERRORIZER - Hordes Of Zombies (2012)

Der Haken ist nur: sie sind gar nicht tot bzw. untot oder wie auch immer der klassische hirnfressende Zombie wissenschaftlich korrekt kategorisiert wird. Und besonders aktiv sind sie eigentlich auch nicht, eher abgestupft, seelenlos, apathisch. Denn Terrorizer sind ja nicht gory, sondern eher so prophetisch postapokalyptisch politisch. Und die Zombies sind wir, die Menschheit, irgendwann, bald wahrscheinlich.

Ok, meine Möchtegern-Delling-Überleitung zu dieser Rezension war zu gewollt. Aber was soll's...

Wichtiger als die Botschaft ist hier ohnehin der Vortrag. Wunderbar schnörkelloses superstumpfes Hochgeschwindigkeitsgeknüppel, dargeboten auf technisch allerhöchstem Niveau. Klar, mit der klassischen Morbid Angel-Rhythmussektion aus Basser David Vincent  und Drummer Pete Sandoval, der bei der Hauptband ja aus gesundheitlichen Gründen pausiert, flutscht es natürlich fast von alleine.

Musikalisch neu erfunden wird auf "Hordes of Zombies" erwartungsgemäß nicht eine Note. Wozu auch? Das haben Terrorizer schließlich schon 1989 gemacht, als sie mit "World Downfall" so etwas wie eine Blaupause für fast alle nachfolgenden Platten des Grindcore-mit-Deathmetaleinschlag-Genres rausbrachten.

Die Songs sind alle ziemlich ähnlich aufgebaut, so bestehen sie z.B. häufig aus einem Strophe-Bridge-Refrain-Block, der mit identischem gegrunztem Parolentext einfach nochmal wiederholt wird, damit man zumindest die Zwei- oder maximal die Drei-Minuten-Grenze sprengt. Aber das ist keine Negativkritik, sondern macht großen Spaß.

Ehrlich gesagt erinnern mich die 15 Klon-Tracks in einer Dreiviertelstunde so ein bisschen daran, wie es damals in den frühen Neunzigern war, wenn man eine Bad Religion-Kassette in den Walkman eingeworfen hat. Nur in Deathgrind statt Radiopunk natürlich. ;)

Anpieltipps: A Dying Breed, Ignorance and Apathy, Malevolent Ghosts, Generation Chaos




Dass Deathgrind allerdings nicht nur perfekt gespielt, sondern dazu auch sehr abwechslungsreich arrangiert möglich ist, zeigen die ganz großen Legenden der Szene mit ihrem aktuellen Meisterwerk:

NAPALM DEATH - Utilitarian (2012)

Auf satten 18 Stücken zeigen die Engländer hier alles, was sie können, und das ist innerhalb ihres stilistischen Rahmens bekanntlich eine ganze Menge.

Auf "Utilitarian" passiert so vieles in so kurzer Zeit, dass ich gar nicht versuchen möchte, das Album allzu tief zu analysieren, um nicht in eine "Analysis Paralysis", um mal ganz geschickt einen Songtitel einzuwerfen, zu verfallen. Wichtig ist: es ist aggressiv, es knallt, haut Dir links und rechts in die Fresse, bläst Dich um, zwingt Dich im Auto, besonders aufzupassen, dass die Nadel nicht zu weit nach oben schießt.
Denn abgesehen vom instrumentalen Opener "Circumspect" spielt sich tempomäßig fast alles zwischen schnell stampfendem Death Metal und Blastbeat-Grindcore ab. Und dabei ist es richtig abwechslungreich, ohne allerdings in Mathcore-Gefilde abzudriften.

Am auffälligsten ist, dass Barney ("throat") und Mitch Harris ("chops / throat") durch ein paar erfolgreiche Gesangsexperimente zusätzlich Farbe hineinbringen. Sei es, dass der Gitarrist wie beim Schon-jetzt-Klassiker "The Wolf I Feed" den Großteil der Leadvocals übernimmt - und zwar sowohl mit Krächz- als auch mit an Fear Factory erinnernder Klarstimme. Dazu kommen noch ein paar von den Swans inspirierte Düsterchoräle.

Wer wie ich seit mindestens zwanzig Jahren die "Naked City" von John Zorn bzw. sein Jazzgrind-Projekt Painkiller (mit Ex-Napalm Death-Drummer Mick Harris) liebt, der erlebt mit dem vom Meister höchstselbst in "Everyday Pox" eingetröteten Saxophonsolo einen schönen Nostalgiemoment.

Alle anderen geilen Momente müsst ihr dann schon ohne Vorwarnung von mir über euch hineinbrechen lassen!

Wie schon eingangs gesagt: "Utilitarian" ist  ein Meisterwerk. Momentan würde ich es sogar noch vor der "Phantom Antichrist" von Kreator als heißesten Anwärter auf den Titel "Metal-Album des Jahres" handeln.

Anspieltipps: The Wolf I Feed, Fall On Their Swords, Everyday Pox, Orders Of Magnitude, Leper Colony, Collision Course

2012-09-18

LAIBACH comes in peace über dem København (15.09.2012)

Again? Another post about Laibach? Haven't there already been three CD reviews in this blog this year?

Yes, there was the "Iron Sky" soundtrack, then the phenomenal live recording "Monumental Retro-Avant-Garde" and lately the compilation "Reproduction Prohibited".

So for the sake of variety I'm doing this live review in english instead of german, which makes also sense, considering the concert not being in Germany and english being the main language I used in conversation with the people I met there.

I've made this decision once before in April, for the review of the Roadburn Festival in Tilburg (Netherlands). As german readers might already know, it was there where I've been asked that famous unanswerable question "What kind of band is Laibach?" the last time. While my own unprepared stumbled explanation didn't really satisfy me - once again -, I was not aware that in that very same moment of my failure Laibach themselves where giving a far better answer playing their historical "Monumental Retro-Avant-Garde" show in the Tate Modern Museum in London.
And right now, as I am typing the words of this paragraph, Laibach are where I was then - in Tilburg. Now, if that's not circles closing everywhere! Too bad I don't believe neither in fate nor in Illuminati world conspiracies...

With Laibach leaving out Hamburg on several tours (I've already had a five-year-hiatus of seeing them) and the recording of the Tate Modern show raising my expectations to the highest level, there was no question that I would drive as long as it was necessary to see them again this time.
About four hours plus breaks to Berlin or to Copenhagen, those were my two dates to choose from. I went with my Northern German affintiy to the Danish, with the weekend and with the fact that the Copenhagen concert was going to take place in a location that promised a very special occasion: the National Art Gallery of Denmark.

Since my mobile phone is one of those rare subversive devices which are only made and used for short text messages and phone calls, I can just offer some shots from the outside which I did the next morning to illustrate the venue:


As you can see the Statens Museum for Kunst is just what you expect of such an institution: one of those classic magnicifent buildings, where everything is designed in such a huge scale that - viewed in total - it almost looks small again.


Attached to the old building is a modern tract with a large glass wall on the backside. So the original facade of the old building is still intact.
 

Right at the foot of the new building they set up the stage and movie screen. All the stairs were filled with the audience watching the performance from above.

And don't mistake me for being clever enough to have done this on purpose, but just where you can see the reflection of my head and camera - that was my spot during the concert! ;)

So, if that's seriously not enough to fit in the whole rest with your imagination... In this gallery on the facebook page of Laibach you can see pictures of the actual event.


The evening started with Ivan Novak representing the "old Laibach" and Mina Špiler ("the upgrade") sitting in front of the stage and being interviewed. A nice idea, though it didn't work out as good as it might have been due to the lack of creative new questions.
In this setting with this audience one can assume that most visitors are familiar with the basics. So what's the point in coming with "Opus Dei" and "Geburt einer Nation" again? Luckily Ivan and Mina, who was obviously too young to answer most questions and basically functioned as eye candy and a mike stand, were aware of this and loosened up the conversation with some humour. I would't say that it was wholly uninteresting, because it wasn't, yet still - it felt as if the interview stayed below its potential. With all those different activities since "W.A.T." alone, there should have been some fresh subjects, I guess.


Act II of the night followed immediately afterwards - a screening of "Iron Sky", the famous finnish Moon Nazi satire, for which Laibach contributed the score and initial inspiration of the director.
This being the "We Come In Peace" tour, what better way to warm up for the show could there be?

For me it was the second time I saw the movie (can't tell how often I've listened to the soundtrack though), and it was still good for many laughs. I even spotted one of the many visual Laibach references I missed during the first time. Good thing that the Danish don't dub movies (this german habit is a pain in the ass if you ask me), so my fun was as unspoiled as everyone else's in the hall.




After those 90 minutes of brutal Laibach teasing, when the end credits had rolled over the screen, you could grab the anticipation. Time for the real McCoy, as the fictional President of the United States of ze Amerikas would have put it.

It started with pre-recorded spoken words, the snarling voice of singer Milan Fras booming in Slovene, so deep and mighty that you immediately knew that the acoustics of this vast auditorium of glass and concrete would serve the Slovenian Kunst Machine very well.
And when the band entered the stage and joined in for "Sredi Bojev"- so it was!

Roughly following the scheme of "Monumental Retro-Avant-Garde", skipping only the most exlusive primeval soup elements with which they started then, the two-hour-set of Laibach was divided into two sections, the first being a dive into the "revisited" versions of their very early works, which still aren't out as a studio album. With a delay of over a year and three records being released in the meantime, it will hopefully turn out to be number four to blog about here this year.

The re-interpretations differ very much from the originals, but they doubtlessly are still laibachian through and through, carrying a timeless quality like something that's been with you for an eternity, even though you have just heard it for the first time.
Milans real-life voice could compete with the intro astonishingly well. This was my sixth Laibach concert since 1994, and the man's voice never sounded this abysmal and bottomless. Speaking in his mother tongue it sounds even deeper than in english or deutsch. If the citizens of Copenhagen ever had a nightmare of a maelstrom swallowing their famous mermaid (I've seen half of Japan snapshooting that poor thing...) - Milan opening his mouth may have been the closest thing to that.

Visually Laibach isn't as scary and untouchable as it used to be in the good bad old times, but honestly I don't really miss that aspect. Of course I loved the "W.A.T." performances with the two sternly sexy drummer girls, who revived the strong symmetrical aesthetic which had been established in the eighties and temporarily abandoned for the heavy metal approach of "Jesus Christ Superstars". Yet in retrospect they made a really good point about how mainstream a military approach has become in pop music. If Laibach would recruit some new angry young men with army haircuts in pseudofascistic uniforms today to look scary again, it might just give them a big yawn, if not only a small shrug of the shoulders, because by now we are much too used to musicians wanting to shock us with their appearances.
(Though I have to admit that some of the new old school provocative merchandising articles like the "Schwitz aus!" soap still work very well in waking people's anger instead of their minds.)

Good thing then that Laibach kept improving the musical performance instead. I'm not overstating, when I say that I am absolutely stunned by the way they just keep getting better and better.

The basis of the band's current live sound is the mixture of electronic sound delivered by three keyboard players, delivering the wagnerian orchestral bombast as well as piano and sequencer tunes, and the excellent organic drumming of Janez Gabrič.

The center of attention - and the midst of the stage - was equally apportioned between Milan Fras and Mina Špiler, who has really grown into her role as second lead singer (also handling keys and effects) since she joined Laibach for the "Volk" tour.

A captivating appearance, gifted with a beautiful voice and unique style of singing, yet also in charge of giving a megaphon rendition of the Josip Broz Tito speech in "Država" - I can't write enough propaganda for this woman. With The Beatles' "Across The Universe" and the schmaltzy "Take Me To Heaven" she surely took the level of purity and elegancy in Laibach shows to a new level.
And of course I have to mention those panic screams, which I had always considered to be samples on the Tate recording...

Each former manifestation of the band had its own special qualities, but I don't think that any of them could so flexibly switch between all those different musical directions which are actually fused together in a Laibach show.

Listen to passages like the noisy outbreaks in "Smrt Za Smrt" - with this wild piano on top of the chaos it is as much classic industrial as it something that could happen in an avantgarde jazz performance. And that may just be the range wherein it all happens.
The kraftwerkian minimalism of "Le Privilège des Morts" (more "Kapital" songs please!), the brutality of "Leben heißt Leben" or the Bob Dylan cover "Ballad Of A Thin Man", the strangely distanced bombast in "Ti, Ki Izzivaš", hints of barbershop in "Take Me To Heaven" and a space zeppelin full of James Bond references in "Under The Iron Sky"... this line-up just nails everything.


You might have noticed by now: What Laibach delivered in Copenhagen was nothing but a spectacular show. I could go on and on with highlighting all the highlights of it, but instead let me just point to the setlist below this report! I was simply blown away and happily brainwashed once again.

If the Neue Slowenische Kunst comes to town - you definitely need to get there!


This is not an advice, but ein Befehl, Herr Nachrichtenübermittlung-Oberführer!


Setlist:
  • Sredi Bojev
  • Mi Kujemo Bodočnost
  • Brat Moj
  • Smrt Za Smrt
  • Ti, Ki Izzivaš
  • Država
  • Le Privilège Des Morts
  • Across The Universe
  • B Mashina
  • America
  • Under The Iron Sky
  • Take Me To Heaven
  • See That My Grave Is Kept Clean
  • Ballad Of A Thin Man
  • Alle Gegen Alle
  • Du Bist Unser
  • Love On The Beat
  • Warme Lederhaut
  • Tanz mit Laibach
  • Leben heißt Leben
  • Geburt einer Nation





2012-09-11

www.derohlsen.de

Nach anderthalb Jahren ohne Update habe ich nun doch mal wieder die Galerien auf meiner Hompage etwas aufgefrischt. ;)


Hat natürlich nach wie vor keinen Anspruch darauf, ein Best-Of zu sein,  sondern bestenfalls ein Einstieg in und grober Überblick über mein Zeug...

2012-09-10

Wie konnte ich die nur vergessen?

In meinem Musikvideo-Posting von neulich habe ich nicht ohne Grund vermieden, "Die 10 absolut besten Videos aller Zeiten" oder ähnlichen Quatsch zu schreiben, sondern bewusst vage formuliert: "hier mal ein paar Lieblinge, die mir spontan einfallen".

Diese fünf z.B. hätten auch noch unbedingt dazugehört:


M.I.A. - Born Free

Politisch, direkt, brutal - und viel zu nah an der Realität, als einem lieb sein kann..
Ein sehr intelligentes, beeindruckendes Video.


M.I.A, Born Free from ROMAIN-GAVRAS on Vimeo.



TOOL - Schism

Als ich das damals zum ersten Mal im Fernsehen sah (damals gab es noch sogenannte Musiksender), konnte ich gar nicht verarbeiten, dass die ihrer Zuschauerschaft so etwas geniales zumuteten. ;)

Nichts für Kunsthasser.





MUSE - Knights Of Cydonia


Alter! Wie konnte ich ausgerechnet dieses wahnsinnige Sci-Fi-Western-Mashup vergessen?

Immerhin hat dieses Video meine Band ja spontan bewogen, den Song in unser Liveprogramm aufzunehmen! Und wir covern generell sonst eher wenig...




DIE ÄRZTE - Goldenes Handwerk


Von der besten Band der Welt muss natürlich auch ein Video vertreten sein.

Die Zombiekalypse in "Junge" beispielsweise...

Aber weil ich Schlagzeuger bin, entscheide ich mich natürlich für das Video zur erfolglosesten Ärzte-Single aller Zeiten. ;)





CANDLEMASS - Bewitched


Und zu guter letzt noch etwas ganz köstliches, diesmal auch mit Zombies in 80er-Jahre-Turnschuhen!

Der Song ist klasse, das Video hingegen allerfeinster, putziger Trash.

Nach dem Genuss dieser audiovisuellen Party empfehle ich, sich mal die Referenzliste des Regisseurs anzuschauen, um dessen Erstlingswerk es sich hierbei handelt. Der Mann hat tatsächlich später u.a. sowohl das legendäre "Smack my Birch Up" für The Prodigy, als auch "Paparazzi" und "Telephone" für Lady Gaga gedreht. Respekt!


Und nun mal sehen, wann mir die nächsten 5 einfallen...

2012-09-09

HELGE SCHNEIDER im Stadtpark Hamburg (08.09.2012)

Eine Woche nach Bodo Wartke zog es mich gestern wieder zur Freilichtbühne des Hamburger Stadtparks.

Diesmal hätte ich mit 25 Minuten Verspätung wahrscheinlich weniger Musik verpasst, da Helge Schneider sich gerade am Anfang sehr viel Zeit vor und zwischen den Songs genommen hat.
Wobei die ausgiebige Quatschmacherei natürlich auch zu seiner Show dazugehört. Bei epischen Ansagen wie jener vor "Hunderttausend Rosen" tat mir vor Lachen schon der Bauch weh. ;)

Der Rhythmus, in dem bei Helge Schneider Jazz und Komik zusammenspielen sucht sicherlich nicht nur in Deutschland seinesgleichen. Einfach absolut unkopierbar!
Ob er nun lange instrumentale Improvisationen spielt oder sein Gag-Feuerwerk zündet, irgendwie ist das alles seine Art von anarchischem Jazz.

Die wichtigsten Hits waren ausgespielt oder in chaotischen Potpourries fast alle vertreten. Helge spielte hauptsächlich Klavier, aber auch Orgel, Gitarre, Melodica, Trompete, Xylophon und noch ein paar Kleinigkeiten.
Begleitet wurde er von zusammen ca. fünftausend Jahre alter Band, weiteren Gastmusikern an Schlagzeug (Pete York, der schon in "Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm" mitwirkte) und Saxophon, und natürlich seinem persönlichen Leib-Teekocher.

Als ganz besondere Trümpfe waren Sergej Gleithmann, dessen Ausdruckstanz u.a. beim "Meisenmann" zu Freudentränen rührte, dabei, sowie die sensationelle, u.a. durch America's got Talent bekannt gewordene Butterscotch, die nicht nur zusammen mit Helge spielen durfte (besonders lustig bei "Ich drück die Maus"), sondern auch dem Meister eine Pause gönnte, indem sie einen eigenen Song performte, bei dem sie gleichzeitig Gitarre spielte, sang und beatboxte. Ach ja, dass die Dame auch hervorragend Posaune und Trompete spielen kann (und dafür noch nicht einmal Instrumente benötigt) muss man natürlich auch erwähnen!

Und für ein Duett mit Udo Lindenberg war im über zwei Stunden langen Programm auch noch Platz.

Und es hat wieder nicht geregnet! Fitze Fitze Fatze!