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2024-06-22

EYE - Dark Light

Electro-Gothic-Doom

My work here is done I guess. Everything you need to know about Eye has been said by Eye on Eye's Bandcamp page. So my review is already redundant before I've even begun writing it.

But no worries, I'll praise this swoon-worthily beautiful (but in a cool way, bro!) debut album now anyway.


EYE - Dark Light (green/purple half and half vinyl LP) (2024)

Eye is a new trio led by MWWB / Mammoth Weed Wizard Bastard frontwoman Jessica Ball. The step from the Stoner Doom Metal band to the sound on "Dark Light" isn't actually that gigantic, because MWWB already established Jessica's dreamy ethereal vocal presence and the heavy use of synthesizers. It's still significant though.

Eye are even dreamier and much more Electronic. But it depends on the song. Some tracks are more focussed on synth bass and strummed Shoegaze six-strings, others lean more towards a floating guitar sound. Everything oozes a contemporary Gothic vibe and is delivered in subdued Doom pace. And when you think the distinction between the two bands couldn't be clearer you might suddenly be crushed by a tasty Metal crunch after all.
Previous comparisons of Ball's music to Undersmile, King Woman or Yob are still applicable to varying degrees, but you have scale them back in favour of achingly beautiful variations of Dream Pop, Post Rock, Emma Ruth Rundle and whatever else feels light and angelic, yet also sad and eery. And all of this is achieved without artificial kitsch. This album always sounds heartfelt and real. 

On their debut Jessica Ball, Gid Goundry (drums) and Jonathan Brooks-Jones (synths) have already defined their own vision and steer it into slightly different directions with each song.

If we look at this year's releases so far the variety in which the Electro-Gothic-Doom presents itself here, as well as the sheer quality of it all puts "Dark Light" in comfortable vicinity of Chelsea Wolfe (who I will finally see live again tonight, yay!) and Lethe for me.
Hell, even the colour schemes of the three covers look related. Speaking of it: The artwork and two-coloured vinyl are also beautiful match here.

So what's not to love? Already being a fan of MWWB helps to enjoy this, but is definitely not required, because Eye are just as great on their own. An absolutely splendid record!







2022-07-25

MWWB - The Harvest

Und der erste Preis in der Kategorie Rezensier mich endlich, Du fauler Sack! geht in dieser Saison an das neue Album von der Band formerly known unter dem Namen, den man immer noch überall in ihrer Social-Media-Präsenz, auf Bandcamp und in ihrer Diskographie etc. findet, der mittlerweile aber doch etwas unzureichend und auch ein wenig peinlich geworden ist und deswegen nun einfach als MWWB abgekürzt wird. 

Die Lektion: Es mag vielleicht witzig sein, bei der Namensgebung deiner Musikgruppe tief in die Klischeekiste zu greifen, doch scheißegal, wie ironisch auch immer Du es gemeint hast, irgendwann wird dich dein Einfall "Mammoth Weed Wizard Bastard" evtl. nicht nur nerven, sondern sich durch die falsche Erwartungshaltung, die er hervorruft, sogar regelrecht als hinderlich herausstellen.
  


MWWB - The Harvest (transparent blue and cherry vinyl LP) (2022)

Schon vorher, sei es z.B. auf dem Vorgängeralbum "Yn Ol I Annwn" oder auf der fabelhaften Split mit den Slomatics "Totems" hatten MWWB bewiesen, dass ihr Sound weit über stumpfe Stonerdoomklischees hinausgeht. Die fuzzig dröhnenden Gitarren und das groovende Powerdrumming passten zwar komplett in diese Kategorie, doch der sich auch musikalisch niederschlagende konzeptionelle Spagat zwischen keltischer Mythologie und Science-Fiction und nicht zuletzt die ungewöhnliche Stimme von Bassistin/Sängerin Jessica Ball, die eher in den geisterhaften Sphären von Undersmile und Ex-Sinistro-Vokalistin Patricia Andrade als im dreckigen Bongwasser schwebten, gaben der Gruppe schon immer eine ureigene Identität, welche mit größerer Sorgfalt bei der Namenswahl sicherlich besser nach außen hätte verkauft werden können.

Aber nun ist das Kind ja längst in den Brunnen gefallen und hat es sich dort gemütlich eingerichtet. Und jetzt klingt von dort wie eine Botschaft aus einer anderen Welt "The Harvest" zu uns herauf.

Die Basis der meisten Stücke bleibt weiterhin Doom Metal. Sowohl kantige als auch epochaler angelegte Riffs erinnern oft an Yob, mit grungigerem Anstrich an King Woman, oder auch in klassischster aller Traditionen an Black Sabbath. Darüber wird allerdings mit Cello, Keyboards, Sequenzern und Space FX (bei drei von vier Bandmitgliedern so in den Credits gelistet) nicht gegeizt, ja teilweise geradezu übertrieben. Und das ist auch gut so, zumal das Songwriting immer stark genug ist, um sich durch Zirpen, Fiepen, Laserduelle und das kosmische Rauschen des sich ausbreitenden Universums nicht überschatten zu lassen.
Einige instrumentale Stücke widmen sich vollkommen dem Retrofuturismus der Siebziger und fesseln gekonnt mit Soundtrackanleien und tangerineverträumten Synthwaveexzessen, während andere Songs sich das Hineinsteigern in die analog-elekronische Ekstase zum ausgiebigen Finale aufheben.

Beinahe immer, wenn Gesang im Spiel ist, ist ein hartnäckiger Ohrwurm nicht weit. "Logic Bomb", "Altamira" oder das übergewaltige "Strontium" sind unschlagbare Genre-Hits. Und ganz am Ende dieses zwar nicht übermäßig langen, aber doch kolossalen und kreativen Albums steht die Quasi-Ballade "Moon Rise"- ein simpler, dem Hörer Ruhe zur Reflektion über die bestrittene Reise bietender Ausklang, der "The Harvest" perfekt abschließt.

Fazit: Glückseligkeit. MWWB haben noch sehr gute Chancen, sich hiermit zu meinen Genrelieblingen des Jahres krönen zu lassen.

Ich wollte das Ding eigentlich ja über Bandcamp auf Kassette ordern, habe mich allerdings irgendwie doof versmartphont und nur die digitale Variante ausgewählt. Zum Glück lief mir dann aber noch überraschend erschwinglich die transparent blau-rote Schallplatte über den Weg. Natürlich macht sich dieses Future Doom-Meisterwerk auch in dieser Form nicht schlecht.





2018-07-07

MAMMOTH WEED WIZARD BASTARD / SLOMATICS - Totems (Split)

Die Slomatics sind, wie ich hier zuletzt im Review ihres Roadburn-Livealbums festgestellt habe, ja eigentlich immer grandios. Trotz saustarker Alben ist ihr zumindest vom Hörensagen bekanntester Release aber wahrscheinlich eine Split-LP mit den Steinzeitdoomern Conan. Das mag sicherlich auch an dessem genialen Schneckenbarbarencover liegen.

Und nun haben sie mal wieder gesplittet, diesmal gemeinsam mit einer mir bislang unbekannten Gruppe, deren Bandname für mich hier sicherlich nicht das Kaufargument gewesen ist. Zum Glück klingen Mammoth Weed Wizard Bastard aber nicht nach der klischeebeladenen Kifferbreitseite, die diese zufällige Aneinanderreihung von Wörtern aus dem  Doom-Bandnamengenerator verspricht.




MAMMOTH WEED WIZARD BASTARD / SLOMATICS - Totems (Split) (transparent red 12") (2018)


Zunächst einmal genießen wir jedoch das wunderbare Coverartwork. Nach kurzem Überlegen, woher mir dieser nachkolorierte Fotostil bekannt vorkam, war ich mir sicher, dass hier die Künstlerin am Werk gewesen sein musste, die auch die Hülle von Earths "Primitive And Deadly" zu verantworten hat. Und tatsächlich, Samantha Muljat. Unverkennbarer Stil!

Passend zum Cover standen die Vinylfarben grün und rot zur Verfügung, wovon mir letztere etwas besser gefiel. Bei Black Bow Records ist diese Variante inzwischen auch ausverkauft. Grün und blau (US-Import) sind aber noch zu haben.



Optisch hat "Totems" also schon gewonnen. Die Pressqualität stimmt auch, kommen wir also zur Musik:

Mammoth Weed Wizard Bastard sind mit zwei jeweils über zehn Minuten langen Stücken am Start. Generell wird sofort klar, dass Sludgigkeit und Intensität des Sounds nah mit Slomatics verwandt sind. Instrumental ist die Gruppe mit Bass, Gitarre, Drums (statt Gitarre, Gitarre, Drums) traditioneller aufgestellt. Auch stilistisch bewegt sich der Mammutbastard trotz einiger tendentiell postmetallischer Passagen näher am klassisch Sabbath-Doom. Monolord taugen zumindest teilweise sicherlich als Referenz.
Eine starke eigene Note bringt vor allem die Sängerin hinein, deren Stimme ich ganz schwer in eine Box packen kann. Mal ätherisch geisterhaft schwebend, dann wieder ein bisschen rotzig, sage ich mich mal irgendwo auf halber Strecke zwischen Sinistro und Year Of The Cobra, mit einer Prise Julie Christmas.
Beide Songs sind tadellos, haben packende Riffs, tolle Melodien und Soli. Hier gibt es für mich absolut nichts zu meckern. Mammoth Weed Wizard Bastard sind tatsächlich auch alleine ein mehr als ausreichendes Argument, dieser Scheibe Gehör zu schenken.


Doch was uns die Science-Fiction-Doomer Slomatics auf der B-Seite servieren, lässt einen dann doch mit noch offenerem Mund zurück. In zwei Achtminütern - dazwischen gibt es als Novum ein von Klavier getragenes Instrumentalstück - geben die Iren direkt an ihr letztes Meisterwerk "Future Echo Returns" anschließend alles. Über dem eigenwillig groovenden und mächtig schiebenden Melvins/Conan-Gedröhne und stilvoll eingeflochtenem Synthiegespace erreicht der Gesang hier eine cineastische Epochalität, die so beeindruckend ist, dass ich nicht einmal nachschauen mag, ob es das Wort "Epochalität" überhaupt wirklich gibt. Vor allem das Finale von "Master's Descent" ist wunderbar, genretranszendierend, gewaltig.


Insgesamt wirkt "Totems" wie aus einem Guss, ein großartiges Doom-Album auch ohne den Zusatz "Split". Die beiden Gruppen und ihre Songs passen einfach perfekt zusammen.

Prädikat: Genrehighlight 2018
  


Highlights: The Master And His Emissary, Master's Descent