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2013-12-21

JANELLE MONÁE - The Electric Lady

"To get lost in your thoughts is a very, very complex thought and the things that you find are surprising."

Ist das jetzt die Anleitung, um die ultimativ interessante Musikkritik zu schreiben? Darüber muss ich wohl noch nachdenken...

Aber ehe ich das tue, freue ich mich erstmal, dass sich die unfassbare Janelle Monáe drei Jahre nach ihrem Meisterwerk "The ArchAndroid" endlich mit einem neuen Album zurückgemeldet hat.


JANELLE MONÁE - The Electric Lady (2013)

Schon das lässig sowohl an Jimi Hendrix als auch an die Discowelle der 70er angelehnte Cover birgt einen Grund zur Freude: Wie schon auf "The ArchAndroid" und davor der "Chase Suite"-EP zeigen uns Kreise an, wo wir uns gerade in Monáes Metropolis-Saga befinden. "The Electric Lady" enthält demnach nicht wie erwartet die abschließende vierte Suite, sondern auch eine fünfte - und es folgen noch zwei weitere. Das heißt wohl, dass uns das Alter Ego der Sängerin, die Androidin Cindy Mayweather, noch mindestens ein Album länger als ursprünglich geplant erhalten bleibt.

Darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein, genau wie über das vorliegende zweite Album. Ich persönlich mache mir keine Sorgen, dass die Dame an Kreativitätsmangel leiden könnte. Nein, ganz im Gegenteil, denn auch wenn wie beim Vorgängeralbum die einzelnen Suiten durch Overtüren eingeleitet werden, ist "The Electric Lady" alles andere als ein zweites "The ArchAndroid" geworden. Tatsächlich könnte ich mir nur wenige Stücke wie "Look Into My Eyes" oder "Sally Ride" auf dem Album von 2012 vorstellen.

"The Electric Lady" ist nicht mehr die ganz große Umarmung aller denkbaren im und um den Pop herumschwirrenden Genres, sondern tendiert eher in eine Richtung, was allerdings nicht heißt, dass hier auch nur ein Song einem anderen gleicht.
Ich habe ja schon diverse Reviews gelesen. Manche meinen, Janelle Monáe spielt hier die Evolution der Soulmusik durch, oder Sie erzählt die Geschichte der Emanzipation der schwarzen Frau in der nordamerikanischen Popmusik von den 60ern bis heute, wobei wahlweise auch noch die Roboter-Persona als Sinnbild ihrer Sexualtät interpretierbar ist. Oder auch: Janelle Monáe kreiert eigentlich Progrock-Alben, nur eben mit den Mitteln des R'n'B.
Und irgendwas ist wohl an all diesen Sichtweisen dran.

Tatsächlich scheint jeder Song für eine Spielart der Black Music zu stehen und einen anderen Paten wie z.B. Stevie Wonder oder die Jackson Five zu haben. Vor allem der Geist von Prince durchweht das gesamte Album, welches folgerichtig auch gleich mit einem Duett Monáes mit dem Artist formerly known as the artist formerly known höchstselbst und dessen Gitarre eröffnet wird. Es gibt noch ein paar Gastauftritte weiterer Sänger/innen, von denen man ein paar beim ersten Hören allerdings überhören könnte, einfach weil die Stimme von Janelle Monáe selbst so wandelbar ist, dass mir ihr die Parts von Solange Knowles oder Esperanza Spalding zunächst einmal ebenfalls zurechnet.

Wie gut einem "The Electric Lady" gefällt hängt natürlich zu einem großen Teil davon ab, was man den einzelnen Musikstilen und deren Vermengung miteinander abgewinnen kann.
So bin ich zwar grundsätzlich im gesamten Genre wenig zu Hause, jedoch für gut gemachten "klassischen", angejazzten Soul, Motown-Sound und knackigen Funk schnell zu haben, während ich mich mit dem Destiny's Child-R'n'B der 2000er oder dem mir völlig fremden Slow Jam meine Anlaufschwierigkeiten habe. Aber irgendwie schafft diese Künstlerin es doch, mir das alles im Gesamtzusammenhang zu verkaufen.
Eine besonders harte Nuss, die ich zunächst ab und zu ausgelassen habe, ist ausgerechnet das Finale des letzten Stückes "What An Experience", in dem sich einer der schlimmsten Musikarten der Moderne, des 80er-Jahre-Reggae-Pops bedient wird. Aber selbst das funktioniert für mich inzwischen irgendwie.

Allerdings beinhalten die 19 Tracks der CD noch drei nicht musikalische Zwischenspiele, an denen sich zurecht die Geister scheiden. Manchmal höre ich sie mit, weil sie die Lieder in den Zusammenhang einer pulsierenden Sci-Fi-Metropole setzten und konzeptionell einrahmen - anderseits gibt es für mein Empfinden grundsätzlich nur weniges auf der Welt, was mehr nervt als Radio-DJs... da muss man auch mal skippen können. Für das nächste Album hoffe ich doch lieber wieder auf instrumentale Zwischenspiele.

Android 57821, oder auch Cindy Mayweather, wird immer menschlicher. Der Sound ist wärmer und zugänglicher geworden als auf "The ArchAndroid", das Hit-Potential der Singles gestiegen.

Das überzogen Exzentrische, die künstlerische Distanz der Marke David Bowie, die auf "The ArchAndroid" oft spürbar war, hat abgesehen vom bewusst affektierten "Dance Apocalyptic" den Rückzug angetreten. Doch dafür legen die Stücke an anderer Stelle zu. So rücken die Leadgitarren immer mehr in den Fokus und auch Janelle Monáes Gesang ist anzumerken, dass sie trotz ihres gewaltigen Talents nach wie vor an sich arbeitet. Vor allem die Rap-Passagen in "Q.U.E.E.N.", dem Titelsong und ganz explosiv in "Ghetto Woman" gehören für mich zu den absoluten Highlights eines Albums, dessen erneut retrofuturistischer Ansatz erneut frischer klingt und mehr innovative Klasse hat als 99% dessen, was uns andere Popsängerinnen so um die Ohren nölen.

Noch einmal so überraschend aus dem Nichts die Musikwelt überflügeln wie mit "TheArchandroid" kann die Künstlerin zwar nicht, aber ich würde (bis auf die Zwischenspiele) auch nicht sagen, dass "The Electric Lady" ein schlechteres Album ist. Die Produktion ist sogar unzweifelhaft besser.

Um neue Zuhörer abzuholen, die fernab von Soul, R'n'B und Hip Hop sozialisiert sind, eignet sich der Vorgänger wahrscheinlich besser, doch wenn man eh schon mit Monáes Musik warmgeworden ist, dann sollte auch diese Scheibe bei einem heißlaufen, auch wenn man sonst wie ich auschließlich Jazz und kasachstanischen Dub Step hört.

Im Großen und Ganzen kann ich wieder sagen: Janelle Monáe - wenn schon Pop, dann doch bitte so!


Anspieltipps: Electric Lady, Sally Ride, Q.U.E.E.N., We Were Rock'nRoll, Givin Em What They Love, Ghetto Woman

2013-12-15

BLACK SABBATH - 13 (Deluxe Edition)

Was soll ich noch sagen? Ich bin spät dran und es weiß doch eh schon jeder bescheid.

Black Sabbath, Urväter von allem und jedem sind zuück, in 3/4 Original-Klassikerbesetzung mit Ozzy Osbourne am Mikro, und wollen es noch einmal so richtig ernsthaft wissen.


BLACK SABBATH - 13 (Deluxe Edition) (2013)

Ich persönlich hatte ja gar keine Erwartungen an Black Sabbath, in dem Sinne dass ich sie einfach als Geschichte angesehen und mich mit allen Gerüchten und Querelen um ein neues Album gar nicht beschäftigt habe. Umso schöner, dass sie dieses Jahr tatsächlich diesen Kracher rausgehauen haben.

An Tony Iommi und Geezer Butler hätte ja wohl eh kein Mensch gezweifelt, aber dass sie sich tatsächlich so sehr auf ihre Wurzeln besinnen würden? Doom and gloom und Blues und Riffmacht (fast) überall. Fantastisch! Ein paar Tracks mögen zwar etwas an bestimmte Klassiker erinnern, oder an andere Bands, die es natürlich wiederum vom Original haben. Aber wenn es eine Band auf dem Planeten gibt, die wie Black Sabbath klingen darf, dann ist es natürlich Black Sabbath.

Mit Ozzy ist es bekanntlich eine andere Geschichte... Mit dieser Studioarbeit hat er aber allen Zweiflern mal ganz kräftiig den Mittelfinger gezeigt. So eine rundum gelungene Gesangsleistung (Grundvoraussetzung man kommt mit seiner Stimme an sich klar, versteht sich) hätte ich wahrhaftig nicht erwartet.

Die elf Songs (inkl. drei Bonustracks auf der Deluxe Edition) sind durchweg super und würden jeder als Anspieltipp taugen. Ein perfektes Comeback-Album also?

Eine Sache ist leider ziemlich daneben gegangen. Wenn man schon eine Scheibe mit so viel glaubhaftem Retro-Feeling aufnimmt, warum produziert man sie dann nicht in einem passenden, dynamischen Soundgewand und versucht also den Klang der 70er mit den Mitteln von heute zu optimieren?

Stattdessen hat man sich hier in den Loudness War-Modus begeben und mit der Prämisse "Hauptsache laut laut laut und lauter als der Rest!" gnadenlos aufgerissen und dabei insbesondere die Drums dermaßen komprimiert, dass es nicht mehr feierlich ist. Diese meisterhafte Scheibe hätte so viel hörbarer ausfallen können. Sehr schade.

Und das sage ich als jemand, der das Ding trotzdem noch gerne hört. Ich bin halt gegenüber nicht idealen Produktionen relativ tolerant und lasse mir gute Musik nur schwer verderben. (Liegt mittlerweile vielleicht auch daran, dass mein Hauptsoundproblem grundsätzlich ist, mich nicht von meinem Tinnitus stören zu lassen.)
Aber wenn wirklich alle Zeit und jedes Budget der Welt da ist, um einen Reinfall zu vermeiden, dann finde ich auch ich so etwas ärgerlich. Warum lassen sich eigentlich ausgerechnet immer jene etablierten Künstler, die es überhaupt nicht nötig haben, durch schieren Wumms gegen irgendwen aufzufallen, auf dieses Kaputtgemastere ein?

Und spezielle im Falle Iommi & Co.: die "The Devil You Know" von Heaven & Hell (=Sabbath mit Ronnie James Dio) klang doch auch ohne es zu übertreiben ganz ordentlich.

Man kann nur hoffen, dass sich dieser Trend bald verläuft.


Aber die Songs auf "13" von Black Sabbath: einwandfrei!


Und nur weil ich vergessen habe, es vorher unterzubringen, schließe ich noch mit einem Lob für das Cover der Special Edition. Eines dieser einst sehr beliebten "bewegten" Bilder, bei dem sich je nach Sichtwinkel die Flammen ändern. Schick.



Anspieltipps: Loner, Damaged Soul, End Of The Beginning, God Is Dead?

AYREON - The Theory Of Everything

Was macht man, nachdem man innerhalb von einem Dutzend Jahren mit Armeen von Gastsängern und -musikern in sechs Progmetalsciencefictionrockoperkonzeptalben im Grunde die komplette Geschichte der Menschheit von Anfang bis Ende und darüber hinaus, und dazu noch die Geschichte jener Alienrasse, die für diese Geschichte verantwortlich ist, erzählt hat?

Klar, man beschäftigt sich eine Weile mit anderen Dingen wie z.B. einem vergleichsweise entspannten Soloalbum und haut dann ein Album ausgerechnet mit dem Titel "The Theory Of Everything" raus!



AYREON - The Theory Of Everything (Limited Edition Mediabook) (2013)

Das Covergemälde ist schon mal großartig. Da bereue ich es durchaus etwas, mir nicht die großformatige Artbook-Edition des Doppelablums gegönnt zu haben. Anderseits ist der einzige derzeit verfügbare Regalplatz, um ein Cover in LP-Größe zu feiern auch schon durch Dream Theater belegt.
Die Mediabook-Version inkl. DVD mit "Making Of" und Interviews weiß aber auch zu gefallen. Inside Out wissen einfach, wie es geht.

Und noch etwas fällt beim Auspacken positiv auf, obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich dass der FSK-Aufkleber nicht "rückstandsfrei entfernbar" (ja, klar...) direkt auf dem Cover klebt, sondern einfach ein Blatt Papier miteingeschweißt ist, auf dem neben dem Cover dieser - und auch die Promoinformationen über die mitwirkenden Gastsänger usw. - mit aufgedruckt sind.
Ich finde es eigentlich schon dämlich, dieser Banalität überhaupt einen Absatz zu widmen, aber anscheinend sind die meisten Filmverleihe und Plattenfirmen ja zu doof es so zu lösen - und diese nicht entfernbaren und Cover beschädigenden Sticker gehen mir wirklich gehörig auf den Senkel. Also noch einmal Daumen hoch für Inside Out!


Nun aber zum Inhalt:

"The Theory Of Everything" - Man könnte vielleicht aus dem Titel schließen, dass Meister Arjen Lucassen hier noch einmal den ganz großen Bogen schließen und alle Vorgängeralben des Ayreon-Universums zusammenbringen und erklären möchte. Allein, das hat er ja 2008 auf "01011001" schon getan.

Nein, er lässt die Saga rund um einen mittelalterlichen Seher, die elekrische Festung, Mars, den Traumsequenzer und den Planeten Y hinter sich und fängt mit einer neuen Geschichte an.
In dieser ist die "Theory Of Everything", die große Formel, die alle anderen physikalischen Gesetze beinhaltet, eigentlich nur der MacGuffin, nach deren Erlangen mehrere Protagonisten streben, was wiederum viele der Ereignisse in Gang setzt.

Morgens um 8:49 Uhr: Der Lehrer und das Mädchen betreten den Leuchtturm und finden eine Tafel voller mathematischer Gleichungen und einen jungen Mann, welcher sich in einem katatonischen Zustand in der Ecke zusammengekauert hat. Wie ist es dazu gekommen?

Alles begann elf Jahre früher...
Es folgt eine anderthalbstündige Geschichte über einen Wissenschaftler, seine Frau, ihr gemeinsames autistisches Kind und vier weitere Figuren, die in ihr Leben hineinspielen. Stolz, Rivalität, Ruhmsucht, Liebe, alles dabei, aufgeteilt in 42 (Nerd-Alarm!) Sektionen, die vier jeweils über zwanzigminütige Songs bilden.

Das heißt, auf den CDs sind es tatsächlich 42 Tracks, in der mp3-Version, die man beim Kauf des Albums bei einem großen Versandhändler parallel erhält, sind es vier Tracks, also im Prinzip so wie auch auf der Doppel-Vinyl-Version. Ich finde die zweite Variante auch sinnvoller. Wenn etwas als ein Stück gemeint ist, dann soll man es auch so präsentieren, allein schon weil nicht jeder Player die Tracks ohne kurzes Stocken zwischendrin durchspielt und diese Absätze bei ineinander übergehenden Stücken einfach nerven. U.a. deswegen höre ich z.B. Transatlanics "The Whirlwind" lieber in der Liveversion  (1 Track statt 12).

Aber zurück zur Geschichte. Lucassen hat sich sehr darum bemüht, dass diese zwar einen gewissen Anspruch und Tiefgang hat, aber dennoch sehr leicht verständlich ist. Dazu gehört neben der Konzentration auf relativ wenige Charaktere auch, dass er mit ein paar Gewohnheiten bricht. So wird auf dem kompletten Album nur sehr selten gereimt, denn die Handlung soll sich nicht durch diesen formalen Zwang einschränken lassen.

Der gleichen Logik folgt, dass es kaum Refrains gibt. Das Leben geht weiter und so entwickeln sich auch die Stücke in immer neue Richtungen, bei denen zwar durchaus Erinnerungen an bekannte Motive anklingen, jedoch kein Thema totgeritten wird.

Das sind dann im Prinzip auch die wesentlichen Neuerungen im musikalischen Konzept.
Stilistisch bleibt Multiinstrumentalist Arjen, der die meisten Gitarren und Keyboards und den Bass wie immer selbst eingespielt hat,  dem seit "The Human Equation" eingeschlagenen Weg treu. Die Basis ist also der typische, von Ed Warbys exzellentem Powerdrumming getriebene Mix aus hymnischen Metal und mit prominenten Hammond- und Analogsynthesizer-Sounds veredeltem Progrock. Dem steht auf Augenhöhe eine kräftige von Flöten und Streichern intonierte Portion Folk zur Seite.

Neu in diesem Schmelztiegel sind Passagen, die vom Komponisten Siddharta Barnhoorn komplett im Stile eines Filmsoundtracks arrangiert worden sind und das Klangbild noch einmal um eine epische Komponente erweitern.

Der fragmentarische Charakter dieses Albums mag den Zugang für den einen oder anderen Hörer vielleicht erschweren. Ich persönlich würde sagen, dass er seine größte Stärke, aber gleichzeitig  auch eine kleine Schwäche ist.

Dies ist kein Hitalbum, aus dem sich Singles extrahieren lassen, und doch sind die zahlreichen Teilstücke ja alle wirklich gut bis exzellent. (Als "nur" gut würde ich vor allem jene Passagen bezeichnen, die schon einwenig zu vertraut klingen. Natürlich soll wo Ayreon draufsteht auch Ayreon drin sein, aber wenn sich z.B. in einer Balladenpassage weibliche Gesangsstrophen mit Flöte abwechseln, klingt das hier schon sehr nach Ideenrecycling. Sowas kommt allerdings in dieser Deutlichkeit nicht allzu oft vor.)

Konzentriert man sich nur auf die Musik, dann erfordert "The Theory Of Everything" schon einiges an Aufmerksamkeit und bei einigen Übergängen vielleicht sogar Nachsicht, wenn man merkt, dass es für einige Sekunden hauptsächlich darum geht, irgendwie elegant in die folgende Tonart zu kommen.
Doch folgt man der Handlung, dann ist das alles ganz logisch und nachvollziehbar.

Der einzige echte Kritikpunkt (und das auch auf hohem Niveau) sind für mich die Promi-Solos. Klar, Keyboards von Rick Wakeman, Keith Emerson und Jordan Rudess, sowie ein Gitarrengastspiel von Steve Hackett auf einer Scheibe zu versammeln ist eine Referenz, und die Soli sind auch wirklich oberklasse, gar keine Frage. Jedoch sind sie mir viel zu kurz. Es wäre viel stärker gewesen, die Soli als ausladene Gegenpole zum sonstigen, ständig voranschreitenden Albumgeschehen aufzubauen. So setzen sie sich einfach noch zu wenig ab und wirken bisschen verschwendet.


Bleibt noch das Gesangsensemble. Nach seinem Soloalbum wenig überraschend verzichtet Arjen Lucassen auf eine eigene Rolle und überlässt das Feld zwei Damen und fünf Herren, die ihren Job fabelhaft erledigen. Eine der größten Stärken Lucassens war ja sowieso schon immer, aus seinen Gastsängern Höchstleistungen herauszuzaubern. Für mich ist der Mix aus alten Hasen und Newcomern diesmal sehr frisch. Bis auf John Wetton von King Crimson kenne sie nur beiläufig, gar nicht oder finde ihre eigentlichen  Bands - Kamelots Tommy Karevik singt die Hauptrolle - sogar ganz furchtbar.

In diesem Cast jemanden besonders hervorzuheben ist fast unfair. Insbesondere der bis zu enormen Höhen vordringende Michael Mills und Lacuna Coils Cristina Scabbia als Vater und Mutter bleiben allerdings besonders eindringlich in Erinnerung.


Fazit: "The Theory Of Everything" ist unverkennbar Ayreon, schlägt aber auch überraschende neue Richtungen ein. Wenn auch durch seinen Rockoper-Charakter nicht wirklich vergleichbar, gehört es für mich ins diesjährige Prog-Triumvirat, auf Augenhöhe mit den aktuellen Studiowerken von Dream Theater und Steven Wilson.


Anspieltipps... sind hier wirklich sinnlos. Anders als von vorne nach hinten darf man dieses Album ohnehin gar nicht hören, sonst kommt Knecht Progrock mit der Rute.

2013-12-08

STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing (Limited Edition)

Ich könnte mich dieses Jahr gewiss über vieles Beschweren, aber mit Sicherheit nicht über einen Mangel an hervorragenden neuen CDs in meiner Sammlung. Die meisten davon, welche auch 2013 erschienen sind, habe ich an dieser Stelle schon rezensiert. Ein paar besondere Perlen fehlen allerdings noch.

Eine davon stammt von einem Musiker der in meiner Wahrnehmung bisher ähnliche Probleme hatte wie sein Kumpel Mikael Åkerfeldt von Opeth, nämlich Steven Wilson. Auf dem Papier müsste dessen Band Porcupine Tree zu meinen Lieblingen gehören, und ich habe auch schon einige Songs gehört, die sehr sehr gut sind. Aber um mir eine CD von ihnen zu kaufen, dafür hat es irgendwie noch nicht genug gekickt. Vielleicht ist alles einen Tick zu clean und perfekt, ich weiß es wirklich nicht.

Als ich jedoch das Video zum Titeltrack seines Soloalbums sah, wusste ich sofort, dass ich es haben muss.





STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing ... and other stories (2013)

Wie der Titel schon sagt, erzählt jeder der sechs Songs auf diesem Album eine (fiktive) Geschichte. Und über jede dieser Geschichten ließe sich wiederum eine eigene kleine Geschichte schreiben. Das möchte ich allerdings nicht tun.

Stattdessen will ich so kurz wie möglich auf den Punkt bringen, was "The Raven That Refused To Sing" meiner Meinung nach vor allem ist, nämlich nicht weniger als ein Remake im Geiste eines der für Prog-Fans ikonenhaftesten Alben aller Zeiten - King Crimsons 1969er Debüt "In The Court Of The Crimson King".

Es handelt sich aber zum Glück keineswegs um ein Ripoff. Vielmehr wird sehr deutlich, dass sich Wilson in den letzter Zeit als Produzent (Remaster der King Crimson-Klassiker) eben sehr intensiv mit seinen Idolen auseinandergesetzt hat.

So spielen im Instrumentarium der hier vorgestellten Progrock-Epen mit relativ kleinem Gesangsanteil nicht nur die klassischen Rockinstrumente eine große Rolle, sondern ebenso Flöten, Klarinette und Saxophon.
Und wahrscheinlich der Hauptgrund, warum mir der Vergleich schon beim allerersten Durchlauf in den Sinn kam, ist das neben Hammond und weiteren Keyboards ebenso eingesetzte Mellotron, bei dem es sich tatsächlich um exakt dasselbe Originalinstrument handelt, welches Robert Fripp und Co. damals eingesetzt haben.

Und dann ist da diese ungebändigte Spielfreude. Vor allem Schlagzeuger Marco Minnemann, der mir - wie so vielen - abgesehen von einigen Youtube-Videos erst richtig seit dem berühmten Portnoy-Nachfolger-Casting von Dream Theater ein Begriff ist, bringt eine unnachahmliche Frische in den Sound.
Ich kenne keinen anderen Progrockdrummer von Weltklasse, der selbst die anspruchsvollsten Rhythmen so spontan klingen lässt. Manchmal nah am Wahnsinn klingt es immer so, als wäre der Kerl einfach gerade phänomenal gut drauf und würde das alles im ersten Take einfach so aus dem Ärmel schütteln.

Und dann sind da natürlich noch Bass / Chapman Stick, die Gitarren von Guthrie Govan und dem Meister selbst, die geschmackvollen Streicher. Kompositorisch und instrumental ist dieses Album einfach ein Traum, welches immer die richtige Balance zwischen technischem Anspruch und emotionalen Erfordernissen der Geschichten hält.
Zur Stimme dieser Geschichten habe ich noch gar nichts gesagt. Zwar ist Steven Wilson als Sänger vielleicht eher ein introvertierterer Charakter, doch dies hat er eindrucksvoll kultiviert, und außer uneingeschränktem Lob fällt mir zu seiner Darbietung nichts ein.

Die Produktion ist in Zeiten des Komprimierungswahns (auch Loudness War genannt) eine Wohltat für die Ohren und zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, chartkompatibel, absolut up to date und eben doch kompromisslos dynamisch mit großen Laut/leise-Unterschieden zu klingen.
In dieser Hinsicht dürften sich so einige Scheiben eine Scheibe von "The Raven" oder dem für mich auch im Gesamteindruck verwandten, wenn auch etwas räudigerem Auberginen-Album von Motorpsycho abschneiden.

"The Raven That Refused To Sing" ist ein zeitloses Progrock-Meisterwerk, welches dieses Jahr noch lange überdauern wird. Hier stimmt einfach alles.

Als i-Tüpfelchen ist auch das Artwork, welches die Musik sehr passend visualisiert, klasse.

Die Special Edition enthält zudem noch eine Bonus-DVD mit einem Making-Of-Video und einem hervorragenden Surround-Mix des Albums.

Nur dass das tolle Video zum Titelsong fehlt, finde ich etwas schade.


Anspieltipps: Holy Drinker, The Raven That Refused To Sing, Luminol

2013-12-07

HOWARD SHORE - The Hobbit : The Desolation of Smaug (Soundtrack)

The same procedure as last year...

Nächste Woche kuck ich mir - trotz mich sonst aus Kinos fern haltender deutscher Fassung und dritter Dimension - den zweiten Teil vom "Hobbit" im Kino, worauf ich mich nun schon ein wenig mit dem Soundtrack von Howard Shore einstimme.

Und schon damit es im Regal neben die drei Soundtracks von "The Lord Of The Rings" und dem ersten Teil des "Hobbit" passt, muss es natürlich die 2-CD-Special Edition sein.


HOWARD SHORE - The Hobbit : The Desolation Of Smaug (Original Motion Picture Soundtrack - Special Edition) (2013)

Die CD-Hülle hält sich vom edlen Design her natürlich an den Vorgänger, leider hat sich aber auch bezüglich der enttäuschenden Ausführung - viele zu enge Papphülle, die bei jeder Herausnehme der Tonträger zu zerreißen droht - nichts geändert.

Dafür ist das Booklet wieder sehr umfangreich geraten, mit vielen Bildern und liner notes. Dazu gibt es das Miniposter eines Notenblattes, welches sich mit irgendeinem Smartphone-Gedöns noch interaktiv blablubb... ich habe kein iDings und lebe appfrei, also kurz gesagt: ausgelagertes Bonusmaterial. Kann demnach weg.

Zum Score an sich muss man eigentlich nicht viel sagen. Der grundsätzliche Stil mit seinem tosenden Orchesterbombast, ätherischen Chören usw. ist ja nun seit vier langen Spielfilmen bekannt.

Im Gegensatz zum ersten Teil gibt es hier aber sehr viel mehr komplett neues zu hören. Shore orientiert seine musikalischen Themen ja vor allem an Schauplätzen, Völkern und Figuren. Und anders als der erste "Hobbit"-Teil, der ja großenteils auf ähnlichen, wenn nicht sogar denselben Pfaden wie "Die Gefährten" spielt, bekommen wir es in "The Desolation Of Smaug" ja haufenweise mit Orten und Charakteren zu tun, die bisher noch nie auf der Leinwand zu sehen waren.

Deswegen werden bis auf ein kurzes Anklingen des Hobbit/Auenland-Themas keine Herr-der-Ringe-Melodien aufgewärmt, und auch das "Misty Mountains"-Thema, welches den letzen Film dominierte, ist mit dem Überqueren des Nebelgebirges erledigt und findet hier nicht mehr statt.


Inklusive der special-edition-bedingten erweiterten und Bonus-Tracks befinden sich auf diesem Soundtrack also über zwei Stunden neue Themen im vertrauten Klanggewand.

Jetzt kann man nur hoffen, dass es diesmal auch alle Tracks tatsächlich in dieser Form in den Film geschafft haben. Die Stelle in "An Unexpected Journey", wo inhaltlich vollkommen unpassend beim Kampf Thorins gegen den weißen Ork das Nazgûl-Thema recycelt wird, finde ich nämlich wirklich ärgerlich.

Die Tradition das Abspannsongs, der den Film inhaltlich mit dem nächsten Teil verbindet, wird natürlich fortgesetzt. Allerdings kann "I See Fire" von Ed Sheeran weder mit dem "Song Of The Lonely Mountain", geschweige denn mit den Liedern der Herr-der-Ringe-Trilogie mithalten. Der Gesang dieser Giatrrenballade ist mir irgendwie einfach zu unmittelerdisch.

Der Rest der beiden Scheiben funktioniert als Vorfreudegenerator aber exzellent.

Anspieltipps: Flies And Spiders, The Forest River, Girion Lord Of Dale, Inside Information, The Hunters

2013-11-20

THE HIRSCH EFFEKT, YOUR DYING TRUTH, SODIUM & UR live in Kiel (16.11.2013)

Oha, es ist ja schon wieder Mittwoch. Und da war ja letzten Samstag noch ein Konzert in der guten Alten Meierei in Kiel.

The Hirsch Effekt, die mich letzten Monat erst im Vorprogramm von The Dillinger Escape Plan beeindruckt hatten (und von denen ich mir zwischenzeitlich auch beide Alben besorgt habe), spielten dort nämlich als Headliner.

Zunächst einmal begann der Abend jedoch mit Ur, von denen ich leider nur noch das immerhin an sich schon ziemlich lange Finale des letzten Songs mitbekam. Konsequenter wallofsoundiger Doom, von dem ich gerne mehr gesehen hätte. Aber bei vier Bands muss man eben zeitig anfangen...

Die nächsten beiden Gruppen Sodium und Your Dying Truth spielen beide einen großenteils aggressiven, das harte Genre aber ab und zu auch mal ganz verlassenden Metal/Core-Mischmasch, der sich nicht groß darum kümmert, in welchem Stil er gerade daherkommt. Von Sodium ist mir besonders eine potthässlich giftgrüne Gitarre in Erinnernung geblieben, von YDT eher die LEDs am Bass.
Die Sänger beider Bands waren als Shouter ok, mir aber insgesamt zu limitiert. Ansonsten jedoch ordentliche Bands.

Schwierigkeiten mit dem Gesang haben einige Leute ja auch bei The Hirsch Effekt. Also nicht mit dem Schreien und Grunzen, sondern mit dem indierockigen Klargesang. Aber ich finde, dass man gerade live irgendwie schon kapiert, warum das so sein muss.

Und die Musik, dieser wahnwitzige Mathcore/Metal/Postrock/undhastenichtgesehn-Mix ist absolut over the top und wird mit beeindruckender Präzision vorgetragen.
Der Nachteil von einer LKW-Ladung von Effekten an den Saiteninstrumenten ist nur, dass man eine Weile brauchen kann, um das defekte Kabel zu finden. Dennoch haben die drei Hannoveraner die eine technische Panne im Set sehr sinnvoll überbrückt.

Anderseits hatte das Equipment-Nerdtum der Band wohl auch Anteil daran, dass der Sound von The Hirsch Effekt vielleicht der beste war, den ich bisher in der Meierei gehört habe. Und das bei in dieser Beziehung nicht gerade anspruchsloser Musik. Extrem gute Extremmusikgruppe!

Alles in allem ein rundum gelungenes Konzert - und das für nur 7 Euro Eintritt bei 4 guten bis hervorragenden Bands!







2013-11-14

JESU - Every Day I Get Closer To The Light From Which I Came

Wow, vierzehn Alben und/oder EPs aus neun Jahren Jesu sind es nun schon, die sich auf meinem Player tummeln. Der letzte stoffliche Tonträger war 2011 das Album "Ascension", doch seitdem habe ich meine Sammlung noch um "Christmas", "Duchess / Veiled", "Sundown / Sunrise" und "Pale Sketches" erweitert, die allesamt nur (noch) als Download zu haben sind. Besonders die beiden letztgenannten würde ich zum Fan-Pflichtprogramm zählen.

Doch nun zum aktuellen Output mit dem längsten Titel in der Jesu-Geschichte:



JESU - Every Day I Get Closer To The Light From Which I Came (2013)

Formal liegt Justin K. Broadricks neuester Streich mit fünf Tracks und einer Spielzeit von knapp über vierzig Minuten irgendwo zwischen seinen EPs und Alben.

Personell ist die Band mal wieder sehr überschaubar geraten, will sagen: der Meister hat alle Instrumente selbst eingespielt. Bis auf einen Track, doch dazu später...

Musikalisch steht nach Sekunden fest, welche Band man hört, und doch hat das Album wie alle seine Vorgänger eine ganz eigene Identität.

"Every Day" hat zwar ein paar Ausbrüche von saiteninstrumentalem Geranze, ist überwiegend jedoch ein relativ ruhiges, spielerisch anspruchsvolles, sehr feinfühliges, elegisch postrockendes Shoegaze-Album geworden. Leicht zu verdauen ist es deswegen allerdings nicht, da es sich gerade in den ruhigen Passagen extrem beim Stilmittel der kultivierten Dissonanz bedient. Da klingt alles leicht verstimmt, es leiert mitunter wie in einem defekten Kassettenrekorder. Und diese Effekte sind genau so dosiert, dass sie um den eigentlich schönen Kern der Songs herum ein hypnotisches Spannungsfeld bilden.

Tatsächlich ist das, was Herr Broadrick hier anstellt, ganz große, gereifte Klangkunst. Entsprechend avantgardeoffene Ohren vorausgesetzt natürlich.

Höhepunkt des Albums ist nach dem reduzierten Titelsong der über siebzehnminütige Longtrack "The Great Leveller", in dem - als einziger Gastmusikereinsatz - ein Ein-Mann-Streicherorchester die schiefschöne Melancholie von Jesu langsam und erhaben zu ihrer größten Blüte treibt.

Das kürzeste Stück "Grey Is The Colour" bleibt als Abschluss danach ein wenig blass. Aber das liegt vielleicht auch nur an der Farbe.

Mein Gesamturteil fällt ganz klar aus:
"Every Day I Get Closer To The Light From Which I Came" ist graues Gold!


Anspieltipps: The Great Leveller, Comforter

2013-11-12

DEATH, OBSCURA & DARKRISE live in Hamburg (11.11.2013)

"Wir sind Obscura und wir spielen Death Metal."

Das brachte das Motto des gestrigen Abends im hamburger Grünspan eigentlich ganz gut auf den Punkt.

Tatsächlich begann das Konzert schon sehr gut mit den schweizer Deathmetallern Darkrise. Dann folgten die in allen Belangen extrem von Death beeinflussten Deathmetaller Obscura mit einer beeindruckenden brutaltechnischmelodiösen Vorstellung.

Und dann als Headliner tatsächlich, leibhaftig Death!

Also mehr Death an einem Montagabend geht nicht.


Natürlich waren es ohne den 2001 verstorbenen Mastermind Chuck Schuldiner nicht die wirklich echten Death - aber doch eine der größtmöglichen Annäherungen.
Da Schuldiner die Besetzung seiner Band ja häufig rotieren ließ, gibt es eine ganze Menge ehemaliger Death-Studio- und Tourmitglieder. Mit einem ganzen Tross davon reiste bereits die Tribut-Band Death To All durch die Vereinigten Staaten. Da diese Tour jedoch einen Rechtsstreit mit zahlungsunwilligen Promotern (oder so ähnlich, habe keine Lust, das nochmal nachzurecherchieren) nach sich zog, ist den Machern die Lust auf diesen Namen vergangen, so dass die jetzigen Konzerte einfach unter dem Originalbandnamen firmieren.

"We are the Human form of Death."

Die Gruppe, die nun noch bis Ende November durch Europa tourt, ist personell etwas übersichtlicher und es handelt sich mit den beiden Cynic-Chefs Paul Masvidal und Sean Reinert, sowie Bassist Steve DiGiorgio - und somit um das Line-Up des "Human"-Albums von 1991.
Die Rolle von Chuck an Gitarre und Mikrofon übernimmt Max Phelps, ansonsten Tourmitglied von Cynic, die somit auch fast komplett auf der Bühne stehen.

Dass dieses Musikeraufgebot der Aufgabe gewachsen sein würde, war natürlich klar. Trotzdem hat mit gerade Phelps doch sehr positiv überrascht, war er mit seiner Stimme doch schon sehr nah am Original.
Steve DiGiorgio am Bass ist eine Macht für sich, wie er seine beiden Fretless-Bässe bearbeitet, von denen der eine sechs, der andere - mal ganz eigen - nur drei Saiten hat. Unzweifelhaft ein Urtyp mit unverwechselbarem Stil.
Reinert und Masvidal spielten brilliant wie immer, auch wenn der Gitarrist zeitweise mit technischen Problemen zu kämpfen hatte.

Überhaupt hakte es mit Sound und Technik manchmal etwas. Vielleicht müssen sich ein paar Dinge auch erst einspielen. War ja der erste Tag der Tour.
Zwischen den Liedern waren die Pausen manchmal etwas lang - aber das macht eigentlich nichts, wenn man bedenkt, wie es früher mit Chucks Stimm- und Beratungsorgien war. Wer Death z.B. wie ich 1998 in der Markthalle gesehen hat, weiß wovon ich spreche...   Dazu gab es zwischendurch noch eine Schuldiner-Slideshow.

Bei der Songauswahl wurde alle sieben Alben berücksichtigt. Ich habe Leute gehört, die mit der Setlist unzufrieden waren, aber es liegt wohl in der Natur der Sache, dass man es nicht allen Recht machen kann.
Wenn es nur nach mir gegangen wäre, hätten sie ja auch noch mehr vom letzten Album "The Sound Of Perseverance" gebracht.
Bei "Spirit Crusher" von eben diesem kamen dann übrigens mit dem Sänger/Gitarrist und Drummer von Obscura doch noch weitere Musiker auf die Bühne- und machten ihre Sache ausgesprochen gut.


Insgesamt war es ein sahne Konzert. Viel Death und Death und großartige Musik!

Auch wenn diese Tour sicherlich mit daran Schuld ist, dass das neue Cynic-Album erst im Februar erscheint - Vielen Dank dafür!

2013-11-09

EXIVIOUS - Liminal

Schade, dass ich das Crowdfunding für dieses Album verpasst habe. Da bekam man nämlich die Software, die extra für das Cover entwickelt wurde und konnte sich sein eigenes exklusives Poster erstellen. Aber man kann halt nicht alles haben...

Handsigniert ist mein Exemplar immerhin auch. Und ich habe noch nie ein CD-Artwork gesehen, in das sich Autogramme so nahtlos eingefügt hätten.


EXIVIOUS - Liminal (2013)

Eigentlich gilt für das zweite Album der vier Niederländer um die zwischenzeitlichen Cynic-Musiker Tymon Kruidenier und Robin Zielhorst so ziemlich alles, was ich schon über das selbstbetitelte Debütalbum geschrieben habe. Aber ich will ja nicht zu faul sein, deswegen formuliere ich es nochmal neu. Und ein paar Dinge haben sich ja doch leicht geändert...

Exivious sind eine Instrumentalband und stehen im Grunde in der Tradition großer Jazz/Fusion-Künstler der 70er wie Return To Forever oder Mahavishnu Orchestra, welche enorm spielfreudig verschiedenste Stile mit Leichtigkeit zu einem aufregendem Ganzen verschmolzen haben. Nur steht hier neben dem Jazz nicht der klassische Rock, sondern progressiver Death-Metal der Marke Death / Cynic / Pestilence (bei denen der neue Drummer Yuma van Eekelen vorher gespielt hat) Pate.

Im Vergleich zu Debüt gibt es noch einige Passagen mehr, bei denen Atmosphäre vor wildes Gefrickel geht, so ist z.B. "Movement" weitaus mehr schwebender Post-Rock als Jazz oder Metal.

Insgesamt ist "Liminal" eine bei aller Nerdigkeit doch sehr zugängliche und mitreißende Wundertüte, auf der man zu gleichen Teilen staunen und sich an zahlreichen Ohrwürmern erfreuen kann.

Besonderer Höhepunkt ist das phänomenale Gast-Saxophonsolo auf "Deeply Woven".

Schwächen kann ich mir beim schlechtesten Willen gar keine aus den Fingern saugen.

Ein phantastisches Album!



Anspieltipps: Deeply Woven, Entrust, Movement, Open

2013-11-08

DREAM THEATER - Live at Luna Park (6 Disc Deluxe Edition)

Etwas merkwürdiges Timing ist es schon, wenn einen Monat nach dem neuesten Album das Livevideo zur Tour zum zwei Jahre vorher erschienen Vorgängeralbum herauskommt.
Aber es ist halt wie es ist, ungeplante Verzögerungen bei Livealben sind ja nichts neues in der Musikwelt...

Hier ist es also, das multimediale Zeugnis der "Dramatic Tour Of Events":




DREAM THEATER - Live At Luna Park (Blu Ray/2DVD/3CD Deluxe Edition) (2013)

"Live at Luna Park" wurde gegen Ende einer langen Welttournee an zwei Abenden in Buenos Aires aufgezeichnet. Es ist das Material eines kompletten Konzertes zu sehen, sowie sechs der nur an einem der beiden Abenden gespielte Songs als Bonustracks. Da die Band während dieser Tour ja zum größten Teil bei jedem Auftritt die selben Lieder gespielt hat, ist diese Blu Ray mit 26 von insgesamt knapp 40 auf der Tour gespielten Stücken schon sehr repräsentativ.

Ich persönlich vermisse eigentlich nur "The Count Of Tuscany". Überhaupt hat es auch nach diesem Video noch kein Song von "Black Clouds & Silver Linings" auf eine offizielle Liveaufnahme geschafft, was wohl auch noch etwas damit zu tun hat, dass es sich dabei um das letzte Album mit Mike Portnoy handelt...

Dennoch ist die Setlist gelungen, und gerade zu diesem Zeitpunkt ist die Band natürlich phänomenal aufeinander abgestimmt. Das Zusammenspiel ist fantastisch, und die Bandchemie ganz offensichtlich ebenso.
Besonders hervorheben möchte in dieser Supermusikertruppe James LaBrie, dessen Gesang anscheinend einfach immer besser wird.
Und natürlich hat Drummer Mike Mangini sein Solo, bei dem er u.a. mal wieder zeigt, welches unfassbare Wirbeltempo  mit einer einzigen Hand möglich ist. Und allein sein monströses Kit ist eigentlich schon für sich eine Show. Auf der Fläche kann man in einem Club auch locker eine komplette Band unterbringen.

Das einzige, was mich an der Performance ein wenig stört, ist, dass mit John Petrucci nur ein Backgroundsänger vorhanden ist, so dass ein paar Gesänge als Konserve hinzugesteuert werden. Bei einigen Gruppen finde ich das ja normal, aber bei einer Band, die dermaßen davon lebt, eben alles tatsächlich live spielen zu können wie Dream Theater, da ist es irgendwie schon ein bisschen seltsam.

Die Filmaufnahmen sind tadellos. Die am Drumkit fest installierten Kameras fallen qualitativ zwar ein wenig gegeüber dem Rest ab, aber es wird ja auch seinen Grund haben, dass das nur ganz kleine Kästchen sind. Von daher geschenkt.
Der Sound ist im Großen und Ganzen ok, aber mit ein paar Abzügen in der B-Note. So ist die Gitarre gegenüber den Keyboards ziemlich dominant, das Publikum könnte während der Songs etwas lauter sein und ab und zu in ruhigen Passagen klingt das Gesangsmikro etwas hohl. Aber das ist halt live und nichts, was mir den Genuss verderben würde. Live halt.

Neben dem Konzert und den erwähnten Bonustracks gibt es noch ein bisschen Backstage-Dokumentation, den vor dem Konzert abgespielten Zeichentrick-Introfilm und exklusiv auf Blu Ray den Song "Outcry" mit freier Kamerawahl, wobei schön deutlich wird, was jeder Kameramann so für Fahrten zu absolvieren hat.


Wie heutzutage bei solchen Veröffentlichungen normal, gibt es von "Live at Luna Park" eine Fantastilliarde verschieden Versionen.

Ich habe mir das großformatige Fotobuch mit einer Blu Ray, 2 DVDs und 3 CDs besorgt, in erster Linie wegen der Audioaufnahmen, die man einfach häufiger nutzen kann als ein Video. Wie bei vielen solcher Packages im Filmbereich finde ich die DVDs eigentlich überflüssig, aber sie waren nunmal mit dabei.
Nachdem ich diese Edition vorbestellt hatte, kam zwar auch noch eine Variante nur mit Blu Ray und CDs heraus, die war jedoch teurer als diese, also habe ich's natürlich dabei belassen.


Das Fotobuch ist an sich eine schicke Sache, auch wenn ich nicht der Typ bin, der noch hysterisch ausflippt, wenn er Live- und Backstagefotos (plus einiger Grafiken der Bühnenshow und anderem Zeug) seiner Rockhelden sieht. Aber das Cover ist als Blickfänger schon nicht übel.

Schade nur, dass der Zustand nicht so ganz 1a ist. Die Halterungen für die Discs hinterlassen nämlich Abdrücke durch fast das gesamte Buch, der Postversand hat ein paar Ecken eingeknickt, und vor allem hat man es für den deutschen Markt wieder einmal geschafft, das Produkt zwar schön einzuschweißen, aber den kack FSK-Aufkleber trotzdem direkt aufs Cover zu kleben, von dem er selbstverständlich nicht rückstandsfrei entfernbar ist.

Das alles ist zum Glück nicht so schlimm, dass es einen sofort anspringt, somit für mich im Toleranzbereich und noch kein Reklamationsgrund - zumal das Buch für mich ja auch nicht der Kaufgrund war. Schade ist es trotzdem, da dies alles Dinge sind, die mit etwas Nachdenken und einen Millimeter mehr Mühe beim Verpacken zu vermeiden gewesen wären.

Aber was am Ende zählt, ist ja der Inhalt. Und der ist - wie man so sagt - leider geil.

Ein tolles Livevideo, welches mich in meinem Entschluss, mir Dream Theater nächstes Jahr nicht anzuschauen (nicht nochmal in dieser blöden Sporthalle in Hannover!) durchaus ein bisschen ins Wanken bringt.



Anspieltipps: Lost Not Forgotten, Metropolis Pt. 1, Outcry, The Silent Man, Drum Solo, The Spirit Carries On

2013-11-03

BELAIR X 6-12 JETSETTER - Das ungewünschte Wunderkind?

Ursprünglich wollte ich meinen Eindruck von dieser Kamera ja schon vor Monaten hier aufschreiben und so zusammen mit der La Sardina / La Sardina Belle Starr und der Diana F+ Tori Amos Edition meinen Lomography-Knipsen-Hattrick komplettieren.
Aber ich dachte mir, ich will vorher lieber noch ein paar Filme mehr mit ihr gefüllt haben... Und warum sich das dann ewig hinzog, wird spätestens mein in etwa zwei Monaten zu erwartender fotografischer Jahresrückblick erklären. ;)

Das Gute an diesem verspäteten Review ist allerdings, dass ich neben der Kamera selbst auch noch das Belairgon 114mm-Objektiv berücksichtigen kann, welches ich mir später dazu gekauft habe.

Also, das ist sie, die vor. ca. einem Jahr auf die Fotografenschaft losgelassene Lomography Belair X 6-12 Jetsetter Edition:



Sieht fein aus, nicht wahr?

Aussehen ist nur leider bekannterweise nicht alles. Schaut man in diverse Foren oder die dieser Kamera gewidmeten flickr-Gruppen, so muss man schnell annehmen, dass es sich bei ihr um den größten kommerziellen Flop der Lomography-Shop-Geschichte handeln muss.

Tatsächlich kann ich sehr gut nachvollziehen, warum dies so ist. Das zentrale Problem der Belair (egal in welcher Edition) ist einfach, dass sie von Anfang an den Bedürfnissen vorbei entwickelt wurde.

Das Kaufargument für über 90 Prozent derjenigen, die es mit ihr probiert haben, ist zweifellos das Format. Eine (dazu noch ziemlich schick aussehende) Balgenkamera für Mittelformat, mit der man wahlweise in den Formaten 6x6, 6x9 und vor allem 6x12 cm fotografieren kann - davon kann man doch schon mal träumen.

Die beiden Eigenschaften Balgenkamera und Panoramaformat erzeugen jedoch - meiner Meinung nach zurecht - gewisse Erwartungen, die einfach derbe enttäuscht wurden.

So habe ich z.B. bei dem happigen Preis durchaus gehofft, dass das Innenleben der Balgenkamera dem jener klassischen Vertreter ihrer Art, die man für maximal 10 Euro hinterhergeschmissen bekommt, zumindest ebenbürtig ist. Das heißt, man nimmt für die Rollenhalterung gefälligst mal vernünftiges Metall statt Plastik, von dem man jedes Mal beim Filmwechsel Angst hat, dass es abbrechen könnte. Habt ihr Entwickler noch nie eine Adox Golf oder diverse Boxkameras von innen gesehen? Die funktionieren auch nach mehr als einem halben Jahrhundert noch und man muss sich nicht ständig mit dem Fat-Roll-Syndrom (die Krankheit aller Lomo-Mittelformatknipsen) herumschlagen.

Noch beschissener und angstschweißtreibender ist es, die Masken für die verschiedenen Formate zu tauschen. Das geht erwiesenermaßen selbst mit Kunststoff besser!

Und als Krönung ganz ganz schwach ist das kleine Plastik-Nübbelchen, welches bei eingefahrener Optik den Balgen im Zaum halten soll. Tatsächlich hatte ich persönlich Glück und das Linsenstück rastete immer sicher ein. Zumindest mit den leichten mitgelieferten Wechselobjektiven. Schließe ich allerdings das Belairgon an, zieht dessen Gewicht den Balgen irgendwann nach draußen. Auch hier hätte man einfach mal schauen können, wie es früher zuverlässig funktioniert hat.

Und damit wäre ich auch schon bei den Objektiven. Mitgeliefert werden eine 58mm- und eine 90mm-Linse, beide - natürlich - aus Plastik. Klar, das ist Lomography, aber beim Panoramaformat kommt vielen Knipsern natürlich bombastische Landschaftsfotografie in den Sinn - wofür diesen Linsen einfach die Tiefenschärfe fehlt.
Wobei ich persönlich den beiden Teilen durchaus etwas abgewinnen kann (sonst hätte ich die Kamera ja wohl auch kaum behalten), aber man muss schon wissen, wie man mit ihnen umzugehen hat, und dass sich mit ihnen statt scharfer Bergpanoramen eben doch eher nähere Motive anbieten.

Ein weiterer Punkt, über den sich wahrscheinlich weniger Leute wirklich ärgern, der aber unnötig den Preis in die Höhe drückt, ist die automatische Belichtungsfunktion, mit der sich der Hersteller besonders rühmt. Denn zunächst einmal bedeutet das zwei Batterien, die man extra braucht. Aber vor allem benötigt die einfach kein Mensch!

Wer als Kameraspielkind an Lomo-Zeug und an antike Kameras gewöhnt ist, der hat für gewöhnlich auch ein einigermaßen geeichtes Belichtungspopometer bzw. einen externen Beli dabei. Aber Automatik an einer Balgenkamera? Hat wirklich jemand darauf gewartet?
Ich kann natürlich auch die Batterien rausnehmen bzw. den Bulbmodus benutzen, aber wir wissen ja, das man damit leicht verwackelt (es sei denn man benutzt ein Stativ). Noch dazu ist der Auslöser relativ grob (Gefahr des leichten Horizont-Verreißens) und hat - warum zum Teufel? - keinen Anschluss für einen Kabelauslöser.


Nach so viel Negativkritik mag man sich fragen, warum ich das Teil überhaupt behalten habe.

Naja, das  Format-Argument und das schicke Aussehen (zumindest der außen mit Metall verarbeiteten  Jetsetter Edition) wiegen eben sehr sehr schwer.
Und vor allem gefielen mir zu viele meiner Bilder einfach zu gut und ich will verdammt nochmal mehr davon machen.

Von den beiden Kit-Objektiven ziehe ich eindeutig das 90mm vor, dessen Winkel mir meistens schon weit genug ist, und mit dem ich persönlich mir etwas flexibler vorkomme.

Seit ich zusätzlich das Belairgon 114mm - eine "echte" schwere russische Glasscherbe von Zenit - besitze, hat sich die Präferenz natürlich noch einmal verschoben. Denn diese Linse taugt wirlich etwas und hebt die Bildqualität sichtlich auf ein deutlich höheres Niveau.

Belair mit Belairgon 114mm
 
Doch auch an diesem eigentlich spitzenmäßigem Extra gibt es wieder eine unnötige Nachlässigkeit auszusetzen.

Zusammen mit den Wechselobjektiven tauscht man nämlich auch den Sucher aus. Die Sucher der Kit-Objektive haben Markierungen für die unterschiedlichen Bildformate. Der Sucher vom überlegen Russenobjektiv hat diese nicht. Hä?


Tja, glaubt mir nach dem vielen Gemecker noch jemand, dass ich die Knipse unterm Strich trotzdem mag?
Ehe sie den Kaufpreis gerechtfertigt hat, muss ich allerdings noch so einige Rollen durchjagen. Aber das kommt schon - wenn die bemängelten Teile durchhalten, heißt das natürlich.

Der Gurt auf dem Foto stammt übrigens von einer Kiev 88, es ist also keiner dabei. Aber die Halterungen dafür sind in Ordnung.


Als Fazit sei gesagt, dass die Belair eine sehr spezielle Kamera ist, bei der es - vor allem wegen der offensichtlich Unzulänglichkeiten und Konzeptionsschwächen - schon zwischen Fotograf und Spielzeug funken sollte. Wer die Möglichkeit hat, sie vor dem Kauf anzutesten, der sollte dies auf jeden Fall tun.


Und nun ein paar Beispiel-Fotos!

Mit dem 58mm- und 90mm-Objektiv aufgenommen:







Belairgon 114mm:






MOTORPSYCHO - Still Life With Eggplant

Schlaft ihr auch mal da oben in Norwegen?

Das möchte man angesichts des Veröffentlichungstempos von Motorpsycho schon fragen. Nur wenige Monate nach dem unfassbaren "The Death Defying Unicorn"-Konzept-Rock/Jazz/Klassik-Überwerk erscheint tatsächlich schon das nächste Album?

Das Geheimnis ist einfach, dass sich das Trio bei der überaus anspruchsvollen Kooperation mit Ståle Storløkken zwischendurch mal ein wenig locker machen musste und so parallel auch eine Handvoll regulärer Motorpsycho-Songs entstanden, die dann auf diesem dreiviertelstündigen Silberling mit dem abermals bekloppten Titel "Stillleben mit Aubergine" gelandet sind.



MOTORPSYCHO - Still Life With Eggplant (2013)

Das erste Riff des Openers "Hell, Part 1-3" ist noch lupenreiner Stonerrock. 

Doch schon sehr bald entfaltet sich wieder die komplette musikalische Bandbreite, in der mit der Leichtigkeit von Fusionlegenden wie Weather Report klassischer Powertrio-Sound der Marke Led Zeppelin mit progressivem Psychedelic Rock, lässigem Jazz, der Melodiösität von Beach Boys und Beatles und Restspuren von Metal und dem Mut zum großen Gesangspathos vermengt werden.

Eigentlich gilt alles, was man generell zum letzten "normalen" Album "Heavy Metal Fruit" sagen konnte, auch für "Still Life With Eggplant". Das Album haut in diesselbe Kerbe. Mit "Ratcatcher" ist sogar wieder ein epischer Longtrack dabei.
Allerdings sind die Gastmusikerbeiträge diesmal etwas unauffälliger, vielleicht um das Ganze gerade nach der vorangegangenen mit Bläsern, Streichern und hastenichtgesehen vollgepackten Rockoper etwas geerdeter wirken zu lassen.

"Still Life" ist wieder einmal ein dynamisches, mitreißendes, vor Ideen überschäumendes  Stück Rock'n'Roll, wie es in dieser scheinbar mühelosen Lockerheit und Coolness wohl nur Motorpsycho mal eben so raushauen können.

Ich könnte zwar gerne noch ein, zwei Songs mehr vertragen, aber wenn man bedenkt, dass das Ding ja großenteils quasi nebenbei komponiert wurde, dann ist die Laufzeit schon ok.

Darauf einen Auberginensaft! Skål!


Anspieltipps: August, Ratcatcher, Hell Part 1-3

2013-11-02

TREPONEM PAL - Survival Sounds

Eigentlich schreibe ich hier ja nur etwas zu Scheiben aus dem aktuellen Jahr, ansonsten wird mir das nämlich doch ein bisschen zu viel. Manchmal hat aber auch ein unwesentlich älteres Album eine Ausnahme verdient.
Zum Beispiel wenn es von zu Unrecht viel zu unbekannten Künstlern kommt.

Die einfachste Weise, die 1986 gegründte Band Treponem Pal zu beschreiben wäre wohl, sie einfach als die französischen Ministry zu bezeichnen, was auch vom Zeitpunkt der größten Erfolge Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre passen würde. Auch dass mit dem Riesen Marco Neves ein charismatischer Frontmann als Mastermind im Zentrum steht, passt in den Vergleich.

Ein Ministry-Klon war die Band allerdings nie, eher ein verwandter Geist. Fügt man zu gleichen Teilen noch die monumentale Macht der Swans und die schräge Gitarrenvirtuosität von Voivod hinzu, kommt man dem Sound der frühen Treponem Pal schon eher nah.
Auf "Excess & Overdrive" gesellte sich 1993 dann schon so etwas wie eine bekifft groovende Lässigkeit dazu, die den nach wie vor brutalen Grundklang geschickt konterkarierte.

Auf dem 1997 erschienenen, vorerst letzten Werk der Gruppe "Higher" änderte sich der Sound dann allerdings radikal, dominierte statt harten Industrial-Metal-Rhythmen doch über weite Strecken nun eine unwiderstehlich pumpende Bassdrum. Der Coversong "Funky Town" war programmatisch, viel Funk und Elektronik, selbst vor Reggae schreckten die Franzosen nicht zurück. Doch vor allem Dank der unverwechselbaren angegurgelten Shout-Stimme des Sängers und der charakteristischen Leadgitarren bestand nie Zweifel, um welche Band es sich handelte. Tatsächlich ist "Higher" für mich ein absoluter Alltime-Klassiker.

Das Reunions-Werk von 2008 habe ich verpasst. Und nach kurzem Reinhören in ein paar anscheinend erschreckend uninspirierte Metalrock-Tracks mit peinlichen Texten, möchte ich auch nichts nachholen.

Bis zum vergangenen Jahr sind sie aber zum Glück wieder warm geworden...
  


TREPONEM PAL - Survival Sounds (2012)

Falls sich die Band für "Survival Sounds" an ihren alten Taten orientiert hat, dann standen hier wohl sowohl die harten Midtempo-Grooves und Powerriffs von "Excess & Overdrive" und die abgründigen Kantigkeiten von "Aggravation" Pate, als auch die Elektroklänge und postiven Vibes von "Higher".

Der Refrain des Titelsongs macht diesen Mix mit der einfachen, aber durch seine gewohnt kraftvoll charismatische Darbietung effektiven Parole "All the freedom fighters are beautiful. All the freedom fighters are strong." schon von Beginn an zum Programm.

Viele Songtitel sind sprechend, so zeigen "Riot Dance", vor allem aber das großartige Doppel aus "Lowman Blues" und dem grenzgenialen "Drunk Waltz" tatsächlich auch die musikalische Richtung an. Wobei ein Treponam Pal-Blues natürlich ganz und gar nicht von der Blues-Polizei als sortenrein zugelassen würde.

"Survival Sounds" ist ein homogenes, geradeliniges Album mit eindeutigen Wurzeln im Industrial Metal und jeder Menge Drive. Nicht kompliziert, aber dafür sehr detailreich und voller unterschiedlichster Einflüsse und somit insgesamt wohl eigenständiger denn je. Treponem Pal sind one of a kind und verdienen schon dafür ein vielfaches ihrer jetzigen Aufmerksamkeit außerhalb ihres Heimatlandes.

Aus jetziger Sicht sind die "Survival Sounds" ganz klar eines meiner Lieblingsalben von 2012 und auch einer meiner aktuellen Favoriten des Meta-Genres "Autofahrmusik".
Leider ist die CD soweit ich weiß nur als Import zu haben, aber die paar französischen Euros Aufpreis sind formidable angelegt!


Anspieltipps: Subliminal Life, Survival Sounds, Drunk Waltz, Lowman Blues

2013-10-30

SWANS - Not Here / Not Now

Heute überraschte mich der Postbote mit einem Kugelschreiber. Ein nach CD ausschauender Brief aus Übersee per Einschreiben?

Ach, da war ja was... und zwar hatte ich mich am Crowdfunding für das neue, noch unbetitelte Swans-Album beteiligt, welches zur Zeit gerade aufgenommen wird. Also im Grunde habe ich den Nachfolger von "The Seer" mit vorfinanziert / vorbestellt und dafür als Belohnung schon jetzt diese exklusive Doppel-CD mit handgestempeltem / bemaltem / signiertem Coverartwork bekommen. Ein echtes Unikat also.

Aber ich habe hier natürlich nicht in Kunst als Kapitalanlage investiert, sondern möchte vor allem mächtige neue Swans-Musik hören. Und davon gibt es fast zwei volle fette Stunden...

Nr. 652 / 2000

SWANS - Not Here / Not Now (2013)

Michael Gira gehört nicht zu jenen Künstlern, die auf ihren Livekonzerten bequem zurücklehnen und ihre großen Hits von vor zwanzig Jahren verwalten.
Nein, das komplette Gegenteil ist der Fall. Ich hatte es ja selbst letztes Jahr im Kampnagel, Hamburg erlebt: Die Klassiker sind bei den Swans Vergangenheit und bleiben ungespielt. Das jeweils aktuelle Album ist vertreten, kann sich aber erheblich vom Studiomaterial unterscheiden. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf neuen Klangungetümen, die sich während der Tour von Show zu Probe zu Show mal geplant, mal spontan ändern, und erst im Studio zu ihrer endgültigen (?) Form reifen. Und dann beginnt das Spiel von vorne.

Jedes Swans-Konzert ist also anders und kann Songs, Fragmente und Kaskaden enthalten, die es in dieser Form nie wieder zu hören gibt.
"Not Here / Not Now" ist sozusagen eine Momentaufnahme auf dem Weg zum neuen Album. Die erste CD ist ein in Barcelona mitgeschnittenes, reines Live-Album, welches auf der zweiten CD mit einem dreiviertelstündigem, übermächtigen, alles regierenden Medleytrack fortgesetzt wird. Es folgt mit "Nathalie Neal" eine Konzertaufnahme aus Melbourne.
Bis dahin haben natürlich katharsischer Krach, brutal hypnotische Grooves / Anti-Grooves und was dieses faszinierende Dezibelmonster Swans sonst live so ausmacht, geherrscht.

Für die letzten beiden Stücke wird es dann aber ganz still und privat. Das charismatische und durchaus auch etwas selbstironische Meisterhirn Michael Gira sitzt alleine mit seiner Gitarre bei sich Zuhause und zeigt uns bei leicht übersteuertem Mikrofon - und während es draußen lautstark regnet - ein paar Liedansätze, die sich bis zum Album natürlich noch ganz anders entwickeln können... sehr low-fi, aber es funktioniert und unterhält erstaunlich gut.

Die Klangqualität der Konzertaufnahmen ist hingegen hervorragend. Und was für Soundmauern und Stimmungen die Band fabriziert ist ohnehin durchgehend erste Sahne. Als Livealbum ist "Not Here / Not Now" mindestens so gut wie "We Rose From Your Bed With The Sun In Our Head", wenn nicht sogar noch besser. Da kann ich mich allerdings nach jetzt knapp zwei Durchläufen noch nicht festlegen. Auf jeden Fall jedoch ist und bleibt diese Band laut, genial und in ihrer Sparte einzigartig und unerreicht.

"Not Here / Not Now" ist eine mächtiges, brilliantes Zeugnis des Swans-Schaffens und für mich zudem eine tolle Erinnerung an das Hamburg-Konzert vor fast einem Jahr, sowieso ein Quell ekstatischer Vorfreude auf das nächste Studiowerk. Meine Funding-Dollars sind definitiv in sicheren Händen.

Und für das liebevolle Do-It-Yourself-Cover muss ich mich wohl noch nach einem Ehrenplatz umsehen.
   

Anspieltipps: The Seer / Bring The Sun / Toussaint L'ouverture, Kirstin Supine (Demo), She Loves Us!

2013-10-24

THE DILLINGER ESCAPE PLAN, MAYBESHEWILL & THE HIRSCH EFFEKT live in Hamburg (23.10.2013)

Was für ein Konzert gestern im Knust!

The Dillinger Escape Plan schauten mit ihrem aktuellen Album "One Of Us Is The Killer" im Gepäck in Hamburg vorbei und hatten auch noch ein paar tolle Vorbands dabei.

Den Anfang machte das Trio The Hirsch Effekt, welches den Headliner in einer Ansage als beste Band des Universums ankündigte. Und dass DEP ein wichtiger Einfluss sein müssen, war angesichts des wilden, energiegeladenen Stilmixes auch leicht zu erkennen. Ein Klon ist die Band allerdings nicht, wofür u.a. die deutschsprachigen Indierock-Einflüsse sorgen.
Wir waren zu dritt auf dem Konzert, und um dem Zuspätkommer unserer Gruppe The Hirsch Effekt zu beschreiben, habe ich sie einfach als Kreuzung aus DEP und - Achtung, jetzt kommt's - Sportfreunde Stiller beschrieben. Mein Bruder hat dies später direkt an die Band weitergeleitet. Die haben diesen vergleich bisher noch nie gehört, hehe...   Wie auch immer - gute Band, aber doof zu beschreiben. Empfehlenswert!

Es folgten Maybeshewill, deren Texte weder deutsch noch englisch sind, da sie rein instrumentalen Post-Rock spielen. Die Stücke haben ihre verknoteten Schepperpassagen, sind zum großen Teil aber eher straight und setzen auf hypnotische Vielschichtigkeit. Bisweilen durchaus noch ausbaufähig gefiel mir der Auftritt insgesamt doch sehr gut. Könnte man beim Roadburn Festival (welches ich nächstes jahr übrigens wieder besuche - yay!) schon auf eine Nebenbühne stellen.

Bei The Dillinger Escape Plan rieselte dann mächtig der Putz von den Wänden.
Zappelphilippaction deluxe bei vollkommen irrer Geschwindigkeit unter beklopptem Stroboskopgewitter, welches zusammen mit der restlichen Epileptikerlightshow und zwei kleinen Videowalls zur absoluten Reizüberflutung beitrug. Wie vollkommen over the top die Musik von DEP in ihrer ganzen Brutalität und Komplexität ist, und wie unfassbar es ist, dieses Zeug so präzise in den Mob zu prügeln, das kann man gar nicht genug betonen.
The Dillinger Escape Plan gehört auf jeden Fall zu jenen Bands, nach denen man sein Leben in zwei Hälften teilen könnte (vor dem ersten Konzert / danach). Sehr beeindruckend!
Songs muss man zum Livegenuss nicht zwingend kennen, aber es hilft, weswegen ich auch froh war, dass die mir bekannten Scheiben "One Of Us Is The Killer" und "Ire Works" gut im Set vertreten waren. Und die Zugabe "Come To Daddy" von Aphex Twin war natürlich auch ein Knaller.
Actionhöhepunkt des Auftritts war, als der ohnehin ständig auf allen möglichen Boxen rumspringende Gitarrist sich plötzlich an die mit Stahlseilen an der Decke befestigte PA schwang (welche in Folge noch mehrere Songs brauchte, um wieder ganz still zu hängen), um so mit den Füßen auf das Treppengeländer zur Empore zu kommen, auf dieser ein paar Schritte hochzulaufen und sich auf halber Strecke über den Köpfen des Publikums auf einer Traverse einzunisten. Das sah einigermaßen spektakulär aus, war für den Kerl aber vermutlich nur eine leichte Fingerübung, wenn man diversen Livefotos und Videos mal glauben schenken mag...

Geniales Konzert, super Bandpackage, Sound durchweg gut, Eintrittspreis moderat - mehr kann man nicht verlangen. Gerne wieder auf der nächsten Tour!

2013-10-21

THE DILLINGER ESCAPE PLAN - One Of Us Is The Killer

Einer von uns ist das Spielkind!

Warum zum Dillinger hatte ich noch nie vorher eine CD mit Cover zum Freirubbeln? Das ist sooo toll!
Zumindest bis zu dem Punkt, an dem lauter kleine graue Fetzen von der Rubbelschicht übrig sind und das Geschabe nur noch nervt. Aber nachdem man die allerletzten Reste mit dem Daumen abgeschmiert hat, erstrahlt das Cover in seiner ganzen poetisch bunten Kraft und es hat sich irgendwie doch gelohnt.

Man kann sich das ganze Theater allerdings auch sparen und die CD einfach so aus dem Schuber holen. Das halte ich persönlich aber für geschummelt.


Oder man besorgt sich halt die normale Version von "One Of Us Is The Killer", verzichtet damit aber auch auf zwei Bonustracks. Womit wir dann aber auch schon bei der Musik wären...



THE DILLINGER ESCAPE PLAN - One Of Us Is The Killer (Special Limited Edition) (2013)

Per Definition spielt das 1997 gegründete US-Quintett ja Mathcore. Diesen Stil muss man sich in der Theorie so vorstellen, wie wenn man in einem Free Fall Tower parallel die Grundlagen der Relativitätstheorie und das Telefonbuch von Tokio paukt, während der Sitznachbar einem in die Fresse haut und man von einer Tennisballwurfmaschine mit Backsteinen beschossen wird.

In der Praxis auf "One Of Us Is The Killer" trifft das alles zwar auch irgendwie zu, doch da ist noch viel mehr. Denn abgesehen von ein paar Überschallpassagen und dem Kopfrechner "CH 375 268 277 ARS" regiert hier nicht nur der tollwütige Physikprofessor. Bei allem Irrwitz bleibt es (für Hörer mit entsprechend hartwurstiger musikalischer Sozialisation natürlich) erstaunlich zugänglich, was zum einen daran liegt, dass alle hier vertonten Weltformeln einen nicht in Ehrfurcht erstarren lassen, sondern stets schön brutal abgehen und zum Nackenschütteln einladen. Und zum anderen stecken doch enorm viele - bisweilen sogar regelrecht poppige - Ohrwürmer auf diesem Album, wofür besonders der mühelos zwischen extremem Aggrogeschrei und sanftem Falsett pendelnde Sänger Greg Puciato einen großen Teil der Verantwortung trägt.

Von der musikalischen Diversität her finde ich bei diesem Härtegrad das letzte Werk "Utilitarian" von Napalm Death vergleichbar, auch wenn das stilistisch eine andere Baustelle ist.
Wer allerdings sowohl auf Barney & Co. als auch auf die härteren Sachen von Faith No More bzw. die unzähligen abgründigen Projekte von Mike Patton (z.B. Fantomas) steht, für den sind The Dillinger Escape Plan genau das richtige!
Und der im Vergleich zum restlichen Album zwar schon fast konventionelle, hitverdächtige Titelsong taugt mit seinen Melodien sogar, um sich zu trösten, dass es The Mars Volta nicht mehr gibt.
Bei Abspielen nach Zeitpunkt des Hinzufügens hatte ich dieses Album übrigens neulich auf meinem Player in direkter Nachbarschaft zu Voltas "Deloused In The Comatorium" und das ergänzte sich ganz wunderbar.


Als Bonustracks der Special Edition gibt es obendrauf einen gelungenen Remix des Titeltracks, sowie eine Demoversion von "Nothing's Funny", die dem Album allerdings nichts essentielles mehr hinzufügt.

"One Of Us Is The Killer" ist ganz gewaltiges Handgranatentennis, eine dynamische, jazzig fluffige bis verstörend brutale, technisch brilliante Scheibe, die einen in dieser Form wohl keine andere Band kredenzen könnte. Ein Meisterwerk der extremen Moderne.


Anspieltipps: One Of Us Is The Killer, Paranoia Shields, When I Lost My Bet, Nothing's Funny, One Of Us Is The Killer (Easy Girl Remix)

2013-10-14

DIE ÄRZTE - Die Nacht der Dämonen LIVE

Huuuuuuuuuuuuhhh........

Gruselig.

Aber egal, ich trau mich jetzt trotzdem ein paar Worte zum dämooohohoonischen neuen Livevideo von Die Ärzte zu schreiben. Unter den zehn Zwanzigstellionen Versionen habe ich mich für die Bluuuuhhuuuu Ray Deluxe Edition entschieden.


DIE ÄRZTE - Die Nacht der Dämonen LIVE (Blu Ray Deluxe Edition) (2013)

Diese Box enthält eigentlich für jeden etwas:
  • für Epileptiker ein aus zwei Shows in Berlin und einer in Frankfurt mit vielen schnellen Schnitten und Splitscreens zusammengebasteltes Konzert der Besten Band der Welt auf Blu Ray
  • für Rentner eines der Berlin-Konzerte mit herkömmlicherer Bildregie
  • für Blinde der komplette Spaß in mp3-Form auf einem USB-Stick
  • für Mädchen den Bonustrack "WAMMW" vom sagenumwoben sensiblen XX-Konzert
  • für Jungs eine explosive Version von "Omaboy" vom testosterondurchtränkten XY-Konzert
  • für Musikhistoriker verblüffendes Material von hinter den Kulissen
  • für Literaten ein paar Postkarten
  • für Leseratten ein dickes Booklet mit den Texten aller 47(!) Songs, in der Form wie Sie live gesungen wurden (vgl. auch Die Fantastischen Vier - "Unplugged II")
  • für Gitarristen zwei Plektren
  • für Drummer ein halber Drumstick (Hey, ist da nicht irgendwas ungerecht?)
  • für Trinker ein Flaschenöffner am Ende dieses Drumsticks
  • für VIP-Hochstapler ein Halsband mit wichtig wirkendem Ausweis
Musik wisst ihr ja: Knallharter Dubstep bis Ambient Noise, todernst und ohne die geringste Interaktion mit dem Publikum. Aber dafür lieben wir sie ja.

Die Setlist ist ähnlich wie auf den Ärztivals im August, aber noch etwas umfangreicher.
In Bremen gab es deutlich mehr Titten, aber das ist ok, für blanke Brüste gibt es ja auch extra dieses Internet.

Insgesamt ein tolles Ding, nur Farin Urlaubs Gitarrenanlage hätte konsequenterweise noch ein, zweimal mehr ausfallen können.

Anspieltipps: Cpt. Metal, Sohn der Leere, Junge, Omaboy, TCR / Westerland, Tittenmaus, Fiasko, Rebell, Anti-Zombie, Wir sind die Besten, Punkbabies