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2015-04-19

ROADBURN Festival 2015 • DAY ONE : Hardrock Hideout / Wednesday, April 8th

Week one after Roadburn:

My mind is still hanging out in front of the stages of 013 and Het Patronaat in Tilburg where I witnessed roughly about thirty shows, my feet probably too (still doesn't feel normal down there). And on the other hand there's the reality of work crushing down with twice its weight, leaving me pretty exhausted in my free time. There was also a lot of catching up with the world and the web, since I didn't have any mobile device with me - and I can tell you: almost one week without any news, cute kittens and morons on facebook is really refreshing!
And of course there's a big bunch of freshly purchased music on CD, DVD, 7", 12" and even 10" which I am still digging through...

But enough of all those excuses now - it's time to finally start my six-part diary of this year's Roadburn Festival!

I had done my YouTube research on personally unbeknown artists to fill my running order, so I knew that I didn't want to risk to miss some fantastic bands on Thursday afternoon and booked one extra night in my hotel.
Now travelling on Wednesday I would not only attend the festival from the very beginning, but I could also visit the warm up concert in the Cul de Sac, a small music bar in the almost immediate neighbourhood of the 013. Though its small stage had already been part of last year's festival I had't seen a show there yet.

The all-female black thrash inferno Mortals was on my schedule for Saturday night, but that [Spoiler alert!] would not happen, so the Roadburn Hardrock Hideout (as the admission free event was called) would remain my only encounter here.

Without doing my homework the term "hardrock" may have been a little misleading this night, because the two bands, both underground acts from Belgium, played a few beats faster than the  average AC/DC or Nazareth song...  tonight's theme was 100% old school Thrash Metal.


Bark

Bark
  
Bark started with a very direct take on the subject matter, honouring Sodom and relying mainly on the open brutality and headbangibility of their riffs without too much distractions. In the mid-tempo parts there were some grooves of the Pantera/Exhorder kind and the frontman's shouting - taking the band's name literally - was clearly hardcore-infused and always right in the face.
Straight brutal thrash, performed flawlessly. No reason for a five-to-six-hour-drive in itself, but a very welcome, energetic start for the musical marathon to come.

Prematory

Prematory

Where Bark's show had mostly embraced the ass-kicking simplicity and darkness of european old school thrash, Prematory added more versatility to the mix with a very prominent wiry bass and more room for leads and harmonies, but never forgetting to push it forward. Musically you could probably namedrop half of the 80s/90s Bay Area and some more, but that could lead you to think of Prematory as a nostalgic tribute act, where in fact they do sound very fresh.
The singer tries a lot of things and sometimes he fails, but all in all this band is definitely a treat for any friend of the genre.

Good night, Tilburg!


After this fine thrash metal attack I wished Tilburg a good night and drove to my hotel in Oisterwijk with a smile on my face. Not only because I had already attended a high quality club concert, but also because I knew very well, that all the real magic was still about to happen...


2015-04-04

LAIBACH - Spectremix

Von Laibachs phänomenalen letztjährigen "Spectre"-Album ist nun eine Digital Deluxe Edition erschienen, welche neben dem regulären Album plus Bonustracks noch 9 zusätzliche Remixe enthält.

Diese Remixe kann man sich aber auch auch seperat als "Spectremix" runterladen.


LAIBACH - Spectremix (mp3) (2015)

Abgesehen von den Selbstverwurstungen Justin Broadricks habe ich mit Remix-Kultur so ziemlich gar nichts am Hut. Klar, ich kann mir vorstellen, dass das Gebastel ein nettes Hobby ist, aber der Gewinn für die Musikwelt scheint mir meistens doch eher zweifelhaft.

Da ich in Bezug auf Laibach aber eine ganz respektable Sammelwut an den Tag lege und es in der Vergangenheit durchaus schon den einen oder anderen hörbaren Remix der Band gegeben hat, habe ich den ersten eher mauen Eindruck mal beiseite gewischt und mir die Tracks gesaugt.

Tatsächlich frage ich mich bei ein paar Stücken immer noch, was zum Henker mir das jetzt sagen soll. Und besser als die Originalversion ist natürlich auch keiner der Remixe.

Dennoch... insgesamt ist der "Spectremix" ein ganz launiges kleines Album geworden.

Und das lasse ich jetzt einfach mal so als kleines vollkommen fachwissen- und informationsbefreites Review stehen.
 

Anspieltipps: We Are Millions And Millions Are One (Konstantin Sibold Remix), Eat Liver (Gramatik Remix), Eurovision (Torul Remix)

SAW THROAT - Inde$troy

- - - KLASSIKER - REVIEW - - - 

Erinnert ihr euch noch an den ranzigen Politcore von KRƎNZ ? Oder an die Liebesmusik von Waginal Krezze? Nein?
Ok, beide Gruppe haben es auch nur auf wenige für sich selbst spontan aufgenommene und vermutlich allesamt verschollene Kassetten und keine bzw. wenige regionale (und zur Hälfte vorzeitig abgebrochene) Liveshows gebracht.
Oder um es anders zu sagen: Wir alle haben doch unsere Schrottcore/Grindpunk-Leichen im Keller, nicht wahr?



Natürlich gab es auch immer Bands, welche diese "Lass uns heute mal so dreißig Knüppel-Lieder aufnehmen"-Chose immerhin so weit professionalisiert hatten, dass sie ihren Quatsch auf Singles und EPs veröffentlichten.
Die Briten Sore Throat gehörten in den späten Achtzigern dazu. Der Kern ihres Schaffens waren Knüppler und Stumpfstampfer zwischen 5 und 50 Sekunden. Auf der Compilation "And We Don't Care" mussten deswegen auch mehrere Stücke zusammengefasst werden, da auf eine CD ja nur 99 Tracks passen.
Dazu gab es hier und da mal ein wichtiges politisches Sample, eine grottige Black Sabbath-Persiflage ("Iron Lung") und total undergroundiges Gedisse von kommerziellern Ausverläufern wie Napalm Death oder D.R.I. ("Dead Rich Individuals"). *hüstel*
Ab und zu rutschte auch eine gute Riff-Idee raus, zu der man tatsächlich zwei bis drei Minuten eskalieren durfte, doch insgesamt wäre das Schaffen von Sore Throat musikhistorisch höchstens eine krakelige Randnotiz auf einem versifften Bierdeckel wert.

Gäbe es da nicht "Inde$troy" von 1989.

Ein unvergessliches soziokulturelles Schlüsselerlebnis bleibt für mich untrennbar mit diesem Album verbunden: Mein Bruder feiert seinen drölfzigsten Geburtstag, Freunde bringen Freunde mit und man hat zum ersten Mal mit diversen kleenen Dorfpankern zu tun, die damals zwischen Haaler Au und Zivilisation zu Hause sind. Es wird zwar mehr getrunken als getanzt, doch der Tanz der Saison heißt natürlich Pogo. Pogo zu allem, auch wenn es mit Musik auch im entferntesten Sinne nichts mehr zu tun hat. So wie der letzte Bonustrack von "Inde$troy", welcher nur aus wahnsinnigem Gekreische und dem Rötteln einer Kettensäge besteht. Aaaarrgh aaahhhrrrgg ahahaaarrrgh. Pogo zu "Chainsaw Death" - was für ein Bild!

Diese Tanznummer war eigentlich nur ein Hintergrundsample aus dem eigentlichen Album und ebenso wie 52 weitere Bonustracks nur auf der CD-Version zu finden, welche mich damals wochenlang bei Zapp Records (oder hieß der doch Laden anders?) in Itzehoe mit seinem verheißungsvoll böseapokalyptischkapitalismusfeindlichen Cover angelacht hatte, ehe ich es endlich mit nach Hause nahm...

Da alle Lieder insgesamt auf nur zwölf CD-Tracks verteilt waren, habe ich mir irgendwann die Mühe gemacht, die genauen Spielzeiten aller Stücke aufzuschreiben. Natürlich mit Fehlern, und nicht auf irgendeinem Stück Papier, sondern selbstverständlich direkt auf der weißen Rückseite des CD-Booklets.
Doof. Denn nun ratet mal, auf welche CD eines Tages - ganz Punk - eine weiße Ratte pinkeln musste?
Die Schrift suppte durch und ruinierte das Cover. Und vielleicht war dies auch einer der Gründe, warum des gesamte Album bei mir mit der Zeit ein wenig in Vergessenheit geriet. Schließlich will man nur ungern jedes mal an seine eigene Doofheit erinnert werden, wenn man eine bestimmte CD in die Hand nimmt.


2007 wurde das rare "Inde$troy"-Album als LP neu aufgelegt, leicht erkennbar am blaustichigen statt schwarzweißem Cover, was mich zuerst verwundert hat, jedoch das sehr gelungene Artwork auf der Innenseite des Gatefolds besser zur Geltung bringt.

Diesen Schatz habe ich mir neulich zugelegt und ein großartiges Werk wiederentdeckt, welches auch nach fünfundzwanzig Jahren nichts von seiner ursprünglichen Faszination eingebüßt hat.

Tatsächlich finde ich es heute, wo ich es musikalisch besser einordnen kann, sogar noch genialer...





SAW THROAT - Inde$troy (Vinyl) (1989/2007)

Aber was ist denn nun das besondere an "Inde$troy"? Nur die andere Schreibweise des Bandnamens kann es doch nicht sein.

Die Entstehung des Albums, so erzählen es die von Sänger Rich Walker verfassten, beiliegenden liner notes, basierte auf seiner spontanen Idee, den üblichen Schuh einmal ins Gegenteil zu verkehren und eine von Swans, Melvins und St. Vitus inspirierte Doom/Sludge-Scheibe aus nur einem einzigen Song aufzunehmen. Der Albumtitel war bereits aus seiner Plattensammlung von einer so benannten Thrashband geklaut und das Thema sollte die massenhafte globale Umweltzerstörung sein.

Und zum Glück fand sich in Manic Ears Records ein Geldgeber, welcher der wie immer gänzlich unvorbereiteten Band unfassbare drei Wochen im Studio ermöglichte. Und da diese Zeit nicht am Stück, sondern in drei Blöcken gebucht war, klappte das Ganze sogar irgendwie. In der ersten Woche wurden so Drogen konsumiert und nebenbei Schlagzeug- und Percussionspuren aufgenommen.
Nach ein paar Tagen, um sich darauf Gitarrenriffs auszudenken wurden dann die Saiteninstrumente eingespielt und im dritten Block folgten Effekte, Samples, Keyboards und der Gesang, für den Walker erst am Abend vor den Aufnahmen die kompletten Texte geschrieben hatte.

Yep, das klingt nicht gerade nach der Entstehung eines brillianten Konzeptalbums für die Ewigkeit.

Ist es aber!

Dabei wurde im Grunde noch nicht einmal die grobe Grundidee komplett umgesetzt, denn wirklich ein Track ist "Inde$troy" eigentlich nicht. Es sind vielmehr acht Kapitel, die einfach irgendwie anfangen und aufhören, aber noch nicht einmal durch den Versuch von flüssigen Übergängen miteineinander verbunden sind. Immerhin ist allerdings der letzte Teil ein Reprise des ersten; und stimmungsmäßig liegt in den kompletten vierzig Minuten auch alles auf einer Linie.

Teil 1 beginnt als soundtrackartiges Intro, stilistisch am ehesten als Drone zu bezeichnen. Da ist dieses einsame, durch postapokalyptisches Ödland tippelnde Ein-Finger-Keyboard, bei dem man sich kurz fragt, ob das eventuell auch ein gut dressierter Hund hätte einspielen können, im nächsten Moment jedoch selbst einwendet, dass es genau so doch genau richtig ist.
Und das ist nur die erste Ahnung einer Erkenntnis, die dieses Album mit sich bringt...

Doch zurück zur Musik: Der Track wird später noch zu einem verdammt abgründigen Brocken Brutaldoom mit unglaublich aggressiven Vocals. Und dafür, dass die Band hier für sich absolutes Neuland betritt ist das Ding noch sehr eigenständig und einprägsam.

Und das gilt für alle Teile von "Inde$troy". Fast jeder Part besteht im Grunde nur aus ein, zwei Grundideen, die zum Teil alles andere als perfekt umgesetzt werden, aber einfach super einprägsam sind. Nicht, dass es gar keine gekonnt eingespielten Passagen gibt, doch teilweise spielt eben auch ein gewisser Dilletantismus mit, der sogar so weit geht, dass der Sänger zwei Gitarrenriffs komponiert und einspielt, was die beiden ersten Versuche seines Lebens sind, rudimentär Gitarre zu spielen. Und man kommt nicht einmal zwingend darauf, welche Riffs dies sind!

Manche Teile werden von industrial-mäßigen Percussions dominiert, andere von deathmetalpunkigen Riffs. Und darüber immer dieser vollkommen angepisste gutturale Brüllgesang.
Und auch die Samples spielen eine dominante Rolle, wenn minutenlang Hubschrauber kreisen oder - wie weiter oben bereits erwähnt - einen ganzen Abschnitt lang ein irrer Schreihals mit Kettensäge die Musik begleitet.

Um ein geniales Konzeptalbum aufnehmen zu können, so ist man normalerweise geneigt zu glauben, bedarf es langer konzeptioneller Vorarbeit und auch einer gewissen musikalischen Virtuosität.
Die Erkenntnis, welche "Inde$troy" mit sich bringt, ist, dass diese Annahme schlicht falsch ist.

"Inde$troy" ist ein gewaltiger Brocken, der eine postnukleare Betonwüstenwelt mit gerodeten Wäldern und vergifteten Ozeanen, voller Smog und Krankheit für Mensch und Tier und gnadenloser Herrschaft des Kapitalismus zeichnet.
Und diese düstere Zeichnung ist musikalisch so treffend umgesetzt, dass ihr keine vermeindlichen Fehler und Schludrigkeiten etwas anhaben können. Nein, ganz im Gegenteil: alles was hier passiert, passt einfach wie die Faust aufs Auge.

Das geht auch für den sehr großräumigen Sound, der viele andere Alben sicher verdorben hätte, hier jedoch gar nicht anders vorstellbar scheint.

"Inde$troy" ist für mich persönlicher ein Klassiker des groben Krachs und wäre, wenn ich wie jüngst das eclipsed-Magazin eine Top irgendwas der besten Konzeptalben aller Zeiten anlegen würde, ganz gewiss sehr weit oben mit dabei.

Denn "Inde$troy" ist, was es eigentlich niemals sein dürfte, nämlich ein perfektes Album, welches hervorragend gealtert ist und seit 1989 nichts von seiner Relevanz eingebüßt hat.

Ich liebe jede fucking Sekunde von dieser Scheiße!

Dazu kommt noch, dass das Artwork wirklich großartig ist, insbesondere das Giftbrühe kotzende Schiff hat es mir angetan. Da ist man fast geneigt, sich ein persönliches T-Shirt zu bootleggen.


Seltsame facts am Rande:

Der Text zu einem Teil von "Indestroy" fehlt im Gatefold. Dafür steht dort jedoch ein anderer, der auf dem Album gar nicht vorkommt.

Außerdem ist in der LP-Neuauflage eine Myspace-Adresse enthalten. Mywhat? Yep, es überdauern nicht alle Dinge so lange wie ein Kultalbum.

Anspieltipps: Indestroy

2015-04-03

BJÖRK - Vulnicura

Alle zehn Minuten wechselt auf meinem Windows-Desktop das Hintergrundbild und es kommt ein neues Motiv, vorwiegend aus den Bereichen Simpsons und Futurama, aber auch aus weiteren Fernsehserien, Kinofilmen oder der Welt der Musik.
Als ich mir gerade die neue LP von Björk auf den Tisch legte, sprang der Hintergrund auf ein zugegeben ziemlich leckeres, sideboobiges Portrait der Isländerin in ihrem legendären Schwanenkleid um.

Jenes Bild stammt aus dem Jahr 2001 und man muss anerkennen, dass sich die zierliche Isländerin fantastisch gehalten hat. Und um eine relevantere Brücke zur Gegenwart zu schlagen: Jenes Kleid wurde zwar durch seine banausige Rezeption während der Oscars berühmt, hängt jedoch mit ihrem damals aktuellen Album "Vespertine" zusammen, welches nicht nur ein Schnee/Eis/Winter-Album war, sondern ebenso ein lyrisch z.T. sehr grafisches, persönliches Werk über Björks Liebesleben, genauer gesagt über den Beginn genau jener langen Beziehung, deren Zusammenbruch sie nun auf "Vulnicura" zum Thema gemacht hat.




BJÖRK - Vulnicura (2LP) (2015)

Ja, ich bin spät dran. Durch das Leak und die daraufhin pragmatisch vorgezogene Veröffentlichung der digitalen Version ist "Vulnicura" wohl das Album mit den meisten Reviews, die geschrieben wurden, ohne dass irgendein Verfasser einen physischen Tonträger in der Hand gehalten hat.

Ok, dank Vorbestellung beim Online-Tante-Emma-Laden mit dem kleinen a am Anfang standen mir die mp3s auch schon eine Weile zur Verfügung. Aber bei momentan ohnehin stetigem Zulauf in meiner Musiksammlung und angesichts der Tatsache, dass Björk-Alben nach dem erwähnten "Vespertine" zumeist doch eher schwerere Kost sind, hatte ich die intensivere Beschäftigung mit "Vulnicura" zunächst einmal vertagt bis ich ich das Ding anfassen und auf den Plattenteller legen konnte.

Das dauerte eine Weile, denn das ohnehin erst deutlich nach der CD-Version veröffentlichte Doppel-Vinyl verzögerte sich dann nochmal um zwei Wochen... 

Doch das Warten auf diese schöne Ausgabe hat sich gelohnt.
Klar, die enge teiltransparente Plastikhülle wird wohl nicht ewig halten, doch wenn sich aus ihrer toten abgelegten Hülle mit vulvaesker Brustwunde Björks neues Ich herausschmetterlingt, ist das schon ein schönes und inhaltlich passendes Bild.

Meine Fotos zeigen den Vorgang leider aus physikalischen Zwängen verkehrt herum, aber ich möchte ja auch nicht das komplette Erlebnis spoilern:




Die Optik stimmt also. Und der musikalische Inhalt?

Es soll ja Leser geben, die nach ein paar Seiten des ersten Kapitels entscheiden, ob ihnen der Hauptcharakter sympathisch ist, und die dann ganz am Ende spicken, um sicherzugehen, dass er auch ja nicht stirbt.
Wer so an "Vulnicura" herangeht, sich also zunächst nur den Opener "Stonemilker" und das Ende "Quicksand" anhört, der könnte den Eindruck gewinnen, dass Björk wieder ganz bei ihrem Klassiker "Homogenic" mit seinen elektronischen Beats, großen Streichern und noch größeren Gefühlen angekommen ist. Und erinnert der in "Stonemilker" langsilbig und theatralisch eingeforderte "emooootional respect" nicht auch sehr an die "emooootional landscapes" in "Joga"?

Tatsächlich bleibt "Homogenic" zwar auch dazwischen die naheliegendste Referenz in Björks Diskographie, doch dieses Ding wird dabei doch deutlich düsterer und schwerverdaulicher.

"Vulnicura" ist ein chronologisch aufgebautes Trennungsalbum in drei Akten, welche sich kurz mit davor, danach und später beschreiben lassen.

Tatsächlich sind zu den Songs des ersten und zweiten Drittels sogar Zeitangaben wie "5 months before" oder "2 months after" angegeben.

In den ersten drei Stücken geht es um die Vorahnung bis Gewissheit der bevorstehenden Trennung, textlich besonders eindrucksvoll umgesetzt in "History Of Touches". Hier beschreibt Björk nur einen gemeinsamen Moment nachts im Bett, und wie in diesem alle Gefühle, Berührungen und "every single fuck we had together" (was im Zusammenhang überhaupt nicht vulgär wirkt) präsent sind, ebenso wie die Gewissheit, dass dies das letzte Mal sein wird.

Björks Texte sind auf dem gesamten Album eine erstaunlich gut funktionierende Mischung aus leidverliebten poetischen Bildern und sehr trockener, analytischer Sachlichkeit.

Das Herz der Finsternis erreicht sie, als sie im über zehn Minuten langen, im Aufbau an "The Dull Flame Of Desire" von "Volta" erinnernden Kernstück des Albums ausgiebig im "Black Lake" badet.

Danach gehen ihre Gedanken in "Family" zu den Folgen, die die Trennung für die gemeinsame Tochter hat. "Is there a place where I can pay respects to the death of my family?"

In den meisten meiner Reviews schenke ich den Texten ja eher sekundäre Aufmerksamkeit.
Bei "Vulnicura" ist dies nicht möglich, da der Inhalt absolut zentralen Charakter hat, dem sich auch die Musik vollständig beugt.
Björk singt nicht Texte auf vorher kreierten Beats und Melodien, oder wann ein Strophe-Refrain-Schema dies verlangt, sondern erzählt ihr Geschichte ganau so, wie sie es für richtig hält - und die gesamte Musik unterwirft sich ihrem lyrischen Diktat.

Das ist Gift für auf Viervierteltakt geeichte Radiohörer, aber Gold für Musikfreunde, die sich zwischendurch auch mal mit großer Klangkunst herausfordern lassen.

Das letzte Drittel von "Vulnicura", welches sich mit der Überwindung der Trennung, den Lehren und dem möglichen Gewinn daraus beschäftigt, beinhaltet wohl die - zumindest für Fans - am leichtesten zugänglichen Stücke. Die Komfortzone für Freunde der beschwingteren, leichtherzigeren und rhythmuslastigeren Björk sozusagen.

Passend dazu kommt es im ausschweifenden "Atom Dance" dann auch zum Wiederhören mit einem alten Bekannten, bzw. einer alten Bekannten, nämlich der schon auf "Volta" gastierenden Transgender-Sängerin Antony, deren zweifellos einzigartige Stimme mir solo ja zu exzentrisch merkwürdig wäre, im Zusammenspiel mit Björk jedoch immer sehr gut funktioniert.

In "Mouth Mantra" und "Quicksand" darf es zu den Streichern dann noch ordentlich brummen, blubbern und breakbeaten, so dass man mit doch eher hoffnungsvoll positiver Grundstimmung aus der teilweise wirklich sehr dunklen emotionalen Reise, welche "Vulnicura" ist, entlassen wird.

Nein, "Vulnicura" ist mit Sicherheit kein Album, mit dem ich mich ständig im Auto und Alltag berieseln werde. Dafür erfordert es einfach zu viel Aufmerksamkeit und Empathie.

Es ist zwar konzeptionell wesentlich geradliniger und einfacher zu erfassen als der extrem verkopfte Vorgänger "Biophilia", den ich mir eigentlich erst mit der Liveversion einigermaßen erschlossen habe, aber dennoch kein Album, welches zwingermaßen schon beim ersten Eindruck voll zündet.

Es ist jedoch ein ganz großes, reifes Konzeptwerk, welches definitiv bei mehrmaligem Hören wächst und immer weitere Facetten von sich freilegt.

Für mich das beste Break-Up-Album seit "Black Umbrella" von Thought Industry.

Große Kunst!



Anspieltipps: Stonemilker, Atom Dance, Black Lake, Mouth Mantra


MORGOTH - Ungod

Morgoth, in den frühen Neunzigern die deutsche Death Metal-Band von Weltformat, ist zurück!

Ok, das ist jetzt nicht ganz neu, da die Jungs ja schon seit ein paar Jahren wieder live unterwegs sind. Doch nun gibt es auch endlich wieder ein neues Studioalbum.



MORGOTH - Ungod (Vinyl) (2015)

Reden wir gar nicht erst um den heißen Brei herum! "Ungod" ist exakt das, was die allermeisten Fans erhofft und erwartet haben dürften: wohlfühlige Oldie-Komfortzonenmusik für alle, die musikalisch mit Death Metal rund um 1990 - und speziell natürlich mit Morgoth - musikalisch sozialisiert wurden.

"Cursed" und "Odium" waren damals eine Macht und haben sich auch bis heute gut gehalten.
"Ungod" schließt nun genau an diese beiden Klassiker an, bzw. könnte stilistisch im Grunde dazwischen liegen, auch wenn es technisch beiden überlegen ist. Aber keine Sorge: Die Kernkompetenz der Gitarristen beschränkt sich nach wie vor auf eingängige, maßgeblich von den frühen Death inspirierte Riffs und Leads ohne prog-tastische Schnörkel.

Das thrashige Geknüppel, die Grooves, die Schreibmaschinenbassdrums, die energisch düstere Stimmung - alles wie früher. Der Sänger ist zwar neu, hat aber einen Grunzstil der kaum noch näher an Marc Grewe sein könnte. Der Titelsong ist ein Instrumental, also wie auf den Referenzalben. Der Rausschmeißer "The Dark Sleep" ist ebenfalls ein Instrumental, also wie auf den Referenzalben.

Ja sogar an ein paar Textzeilen in leicht klopsigem Englisch (besonders in "Descent Into Hell") wurde gedacht. Ich will den ganz komischen Klops gar nicht zitieren, aber kennt ihr als international gefeierte Kultband da denn niemanden, der das mal lektorieren kann?

Insgesamt sind die Lyrics allerdings schon ok. Düsterer Wortbaukasten, effektiv und mit einprägsamen Schlüsselversen - passt alles zusammen. Schön auch die augenzwinkernd programmatische Ansage am Ende des kurzen Openers "House Of Blood": "Close your eyes and you will know / This is the ultimate death metal show".

 Ja, "Ungod" ist tatsächlich 100% lupenreiner Old-School-Death Metal. Keine Experimente wie auf dem vielverrissenen, aber auch sträflich unterbewerteten "Feel Sorry For The Fanatic" von 1996, nicht einmal die vergleichsweise kleinen Schlenker von "Odium".

Die musikalische Abenteuerlustigkeit des neuen Werkes liegt demnach klar bei plusminus Null. Dem Gegenüber ist die Qualität des Gebotenen jedoch exzellent. "Ungod" ist einfach ein schweinegeiles Album.

Und für ein Comeback-Werk nach langer Pause halte ich es auch für legitim, sich an seiner besten bzw. beliebtesten Phase zu orientieren (siehe auch Godflesh oder Dead Can Dance) - unter der einen entscheidenden Bedingung allerdings, dass man nicht nur einen müden Aufguss des Vergangenen abliefert, sondern auch klar erkennen lässt, dass man auf wirklich Bock auf den Scheiß hat.
Auf dem nächsten Album allerdings dürften Harry Busse und Co. demnach von mir aus aber auch gerne wieder riskieren, möglichwerweise den einen oder anderen engstirnigen Fan vor den Kopf zu stoßen.

Denn dass ihr geile Hach-damals-Kopfschüttelmucke von früher immer noch perfekt drauf habt, das wissen wir ja nun.

Was kann man noch sagen?

positiv: Das Cover ist sehr böseschön und kommt dem matten rauhen Karton der LP-Hülle besonders zur Geltung..

negativ: Leider ist Century Media noch nicht auf den Dreh gekommen, dass sich bei Vinyl-Alben zumindest ein Coupon für die digitale Version echt gut macht und eigentlich mittlerweile Standard sein sollte. Da fragt man sich im Nachhinein dann doch, warum man sich das Ding nicht lieber inklusive AutoRip beim kleinen Plattendealer um die Ecke amazon bestellt hat.


Anspieltipps: Ungod, Snakestate, The Dark Sleep, Voice Of Slumber, God Is Evil

2015-03-25

NAPALM DEATH - Apex Predator - Easy Meat

Was? Nicht auf Vinyl? Und das bei dem *mmmmhhhh* schönen Cover?
Dabei enthält die Plattenversion doch sogar einen exklusiven Bonustrack!

Das CD-Mediabook kommt allerdings gleich mit drei (anderen) Bonustracks.
Und darauf spekulieren, dass der LP vielleicht wie vorbildlicherweise bei Deichkind ein Downloadcode für alles und noch viel mehr beiliegt, wollte ich lieber nicht...

Diese Art Entscheidung finde ich beim Albumkauf ja eher doof, vor allem bei einer Band mit  so kapitalismuskritischer Haltung wie Napalm Death.

Und das war [SPOILER ALERT!] auch schon die einzige negative Kritik, die mir zum neuen Werk der englischen Grind-Legende einfällt.


NAPALM DEATH - Apex Predator - Easy Meat (Mediabook) (2015)

Ich könnte es mir jetzt auch ganz einfach machen und sagen, dass Napalm Death es wie immer (=auf dem vorigen halben Dutzend Alben) machen. Wobei dieses "wie immer" ja zum Glück schon ein gesundes Maß an Abwechslung beinhaltet.

Die Basis ist stets schnelles, ultrabrutales und präzises Geblaste und Gestampfe, mal mit mehr, mal mit weniger Death-Metal-Einschlag, so wie ab und zu die Bremse und der Sturz in die No-Wave-Hölle.

Auf "Apex Predator - Easy Meat" ist es gleich der beschwörende, perkussive Opener und Titeltrack, bei dem Michael Gira aus der Ferne grüßt, ehe die Verstärker angeschmissen werden und mit allen Reglern auf elf das große Gedresche beginnt.

Grindcore ist nicht das Genre, in dem Lagerfeuer-Evergreens komponiert werden, doch Napalm Death schaffen es auch bei maximaler Kloppe erstaunlich oft, Ohrwürmer einzustreuen. Dazu kommen geschickt über das Album verteilte, überraschende Farbtupfer, z.B. durch Cleangesang ("Hierarchies") oder Klavier in "Clouds Of Cancer".


Barney (howling for liberation), Shane (grinding and howling for emancipation), Mitch (riffing and howling for release) und Danny (drumming out the despotic) feuern aus allen Rohren gegen Ausbeutung, Sklaverei, die dunkle Seite des globalisierten Raubtierkapitalismus. Und sie sind angefressen, wirklich wirklich angepisst. Selbst im Kontext des Œuvres der Grind-Urväter Napalm Death ist "Apex Predator" ein auffallend stinkiges Album.

Ich sag mal, die letzte Scheibe in meiner Sammlung, an die Napalm Death hier atmosphärisch anschließen, ist wohl "A World Lit Only By Fire" von Godflesh. Ich genieße die beiden auf jeden Fall gerne hintereinander.
Und ein würdiger Nachfolger für "Utilitarian" ist "Apex Predator - Easy Meat" natürlich auch.

Fazit: Qualitätsfleisch aus Meisterhand!

Bitte bald die Split-Single mit Voivod, von der ich es irgendwo munkeln hörte!
Überhaupt, was muss das mit den beiden Bands für eine saugeile Tour gewesen sein vor kurzem in Nordamerika... *Neid*

Anspieltipps: Cesspits, How The Years Condemn, Hierarchies, Stubborn Stains, Apex Predator - Easy Meat ... Zufallswiedergabe tut's auch!



2015-03-14

THE NEAL MORSE BAND + BEARDFISH live in der Markthalle, Hamburg (13.03.2015)



Gestern war es mal wieder soweit: Progfans aus aller Welt pilgerten in die Markthalle, wo zwei Jahre nach der "Momentum"-Tour mal wieder der Meister Neal Morse aufspielte, wenn auch diesmal unter der Bezeichnung The Neal Morse Band, was ich ja schon im Review zum aktuellen Album erläutert habe - und was sich auch live niederschlagen sollte...

Doch zunächst einmal zur Vorband:

Ich hatte von den Schweden Beardfish zwar schon mal hier, mal da ein Stück gehört, wusste also in etwa was mich stilistisch erwartet, doch wirklich auseinandergesetzt hatte ich mich mit der Gruppe bisher nicht. Schande über mich!
Beardfish spielen Progrock im sehr geerdeten und deswegen auch manchmal dreckigen Retrogewand, mit großem Gespür für die richtige Balance zwischen Ohrwurm und Spielerei. Vieles klingt viel straighter als es eigentlich ist - oder umgekehrt?
Irgendwo zwischen Haken und New Keepers Of The Water Towers für mich.

Auf jeden Fall habe mich die allesamt sehr ausschweifenden Stücke durchweg begeistert. Insbesondere das Normalerweise-Instrumental "Coup de Grâce" war ein Highlight. Und mit seinem plötzlichen, sehr hohen Aaaaah-Gesang in einer Passage hat es der ohnehin versatile Sänger tatsächlich geschafft, den größten Gänsehautmoment des Abends rauszuhauen.

Ansonsten gibt es als i-Tüpfelchen zur hervorragenden Musik noch das seltsame Stageacting des Bassisten, welcher - so nehme ich an - extra in Socken spielt, um seine Moves besser performen zu können.

Daumen hoch!

Setlist:
  •  Hold On
  • Comfort Zone
  • Coup de Grâce
  • If We Must Be Apart (A Love Story Continued)
  • Ludvig & Sverker






Und dann kam die Neal Morse Band, die korrekterweise eigentlich The Neal Morse Eric Gilette Bill Hubauer Randy George Mike Portnoy Band heißen sollte, so sehr agieren die fünf Musiker auf Augenhöhe.

Gleich nach dem Intro der Einstieg mit der A Capella-Harmonie von "The Call": Wow! Da wüsste man als Neuling schon über das Niveau des Abends bescheid, noch bevor überhaupt ein Instrument benutzt wird. Und dann dieser tolle Song. Randy George setzt starke Akzente mit dem Bass und auch der Vergleich von Gilette mit John Petrucci wird schnell bekräftigt. Man muss nur während seinem Solo die Augen schließen und schon ist die Illusion perfekt.

Im Verlauf des etwa zweieinhalbstündigen Sets wurde neben neuen und alten Morse-Songs auch seine Vergangenheit bei Spock's Beard gewürdigt, und in dem Teil der Show, wo er an jedem Abend der Tour ein Lied solo auf der Akustikgitarre spielt, hatte er sich diesmal von Transatlantic "Rose Colored Glasses" plus das Finale von "The Whirlwind" ausgesucht.

Diesem folgte die Ballade "Waterfall", bei dem sich Bill Hubauer (hier auch an der Akustikgitarre sowie der Klarinette), Morse, Portnoy (nur mit Tamburin) und Gilette die erste Reihe teilten und auch live mit einem sensationellen Harmoniegesang beeindruckten.

Besonders hervorheben muss ich auch "Alive Again", nicht nur weil der schon in der Studioversion siebenundzwanzig Minuten mächtige Opus an sich schon der neue "Stranger in Your Soul" ist.
Nein, die in eben jenem Transatlantic-Song gerne gepflegte Tradition des Instrumententausches im Laufenden Lied wurde hier in einer Erweiterung irgendwo in der Mitte wieder aufgegriffen und absolut auf die Spitze getrieben:
Zunächst einmal übernimmt Neal Morse das Schlagzeug von Mike Portnoy. Soweit, so bekannt. Jener schnappt sich für eine ganze Weile den Bass und gibt dabei den Präsentator für eine ganze Reihe von Soloeinlagen: Eric Gilette am Keyboard, Bill Hubauer an der Gitarre, Eric Gilette am Schlagzeug mit einer Performance, welche zeigt,  dass er dieses Gitarren-Ding notfalls auch den Nagel hängen könnte. Der Mann hat ja der legende nach seinerzeit auch auf allen Instrumenten für Neal Morse vorgespielt. Man könnte auch sagen, Mike Portnoy ist faul geworden und delegiert jetzt schon seine Drumsoli.

Was kann danach noch kommen? Klar, wenn man noch eine Steigerung braucht, dann lässt man die coolste Sau der Band, Randy George, einfach simultan ein Gitarren- und Keyboardsolo spielen!
Reicht nicht? Ok, dann kniet sich der Herr eben hin für den heiligen Gral der Prog-Nerds: das handgespielte Bass-Pedal-Solo! Und so ein paar Takte John Deacon hat man ja eh immer gerne.
(Ich war nebenbei erwähnt übrigens neulich geburtstagsbeschenkt in der Queen-Planetarium-Show "Heaven". Kann man gut mal anschauen. Mit dem Weltraum- und Bewegungszeug kommt 3D-Kino nicht mit...)

Als Zugabe kam danach noch ein großes Medley mit Stücken, bei denen man als Atheist Form vor Inhalt stellen muss, aber musikalisch kann man ja auch "Oh Lord My God" und "King Jesus" nichts anhaben.

Es hilft natürlich auch sehr, dass Neal Morse einfach ein unendlich sympathischer Charakter ist. Ich kenne wenige Musiker, die ähnlich viel Freude an der Musik ausstrahlen. Und Hugs hat er auch verteilt. Mit umgeschnallter Gitarre mitten im Publikum, in der vollen Markthalle. Das gab wohl ein paar Selfies, wegen denen die Smartphones nun mit goldenem Rahmen an die Wand gehängt werden.

Und den Goldrahmen hat dieses Konzert auch verdient. Vielen Dank die Herren!


Setlist:
  • The Call
  • Leviathan
  • The Grand Experiment
  • Harm's Way / Go The Way You Go
  • Keyboard Solo (Bill Hubauer)
  • The Creation
  • Rose Colored Glasses / The Whirlwind
  • Waterfall
  • Guitar Solo (Eric Gilette)
  • In The Fire
  • Alive Again
  • Rejoice / Oh Lord My God / Jet / Reunion / King Jesus























2015-03-09

DEICHKIND - Niveau Weshalb Warum

Schantall, die Niewoh wird doch schwindelig da oben! Hol dem da mal runter!

Enter Deichkind!



DEICHKIND - Niveau Weshalb Warum (2LP) (2015)


Deichkind ist Musik für Doofe, denn die machen voll viel so Quatsch für Doofe.

Deichkind ist Musik für Schlaue, weil die sich in jeden Quatsch für Doofe eine schlaue Metaebene hineingeheimsen können.

Deichkind sind voll doof. Die rappen über das Scrollen in der facebook-Timeline, über den Alltag auf dem Flohmarkt und über leere Joghurtbecher, die umkippen, wenn man den Löffel in sie hineinstellt.

Deichkind sind voll schlau. Denn einer muss ja über diese Dingen rappen.

Deichkind sind Stumpf wie Scooter.

Ja, aber in gut. Deichkind bedient sich zwar bei der schlimmsten Euro-Dancemucke der Neunziger, pickt sich daraus die Perlen, bei denen Kraftwerk-Erbe erkennbar bleibt - und das Zeug hat einfach den boombastischen Superbass und ist... ja, ich sag es mal: leider geil.

Deichkind, die Gruppe die sich um die Bereicherung der deutschen Sprache verdient gemacht hat wie Friedrich Nietzsche mit dem "Kind im Manne" und Giovanni Trapattoni mit der "Flasche leer".

Deichkind
, die schon deswegen voll Kultur und Föhtong sind.

Deichkind, mit deren modernem Klassiker "Krawall und Remmidemmi" Mambo Kurt in Wacken den Biergarten zum Eskalieren bringt.

Bitte lesen Sie den vorangegangenen Text mit der Stimme und Gestik von Markus Lanz!


Jetzt aber nochmal ernsthaft Review deshalb darum:

Ich will das Album ja doof finden, aber das geht nicht! Kann ich ja auch nichts für.

Die Musik wandelt auf dem schmalen Grad zwischen oh nee, echt? und echt gut gemacht, stürzt auch mal ab bzw. springt absichtlich runter und rappelt sich wieder auf.
Und in dem lyrisch sehr übersichtlichen Straßenkriminalitäts-Hörspiel "Oma gib Handtasche" erzählt die Musik tatsächlich eine sich vor dem inneren Auge in Scorsese-Format ausbreitende Geschichte!

Elektropunk de Luxe.

Und die Texte, die hier ja - was bei mir extrem selten vorkommt - noch wichtiger sind, stecken voller Brüller, Quatsch, Pointen und machmal tatsächlich auch einer Spur Ernst. Und abgesehen von Selbstabfeierstumpfsinn wie "Was habt ihr?" oder totalem Dada wie im Titelsong, ist da tatsächlich sehr vieles nah an Alltag, Lebensrealität, Zeitgeist, was sonst vielleicht unformuliert bliebe.

Ich könnte müsste sollte jetzt eigentlich Zitate bringen, aber die Auswahl dafür ist echt zu groß, da sich aus fast jedem der Songs Konfuzius würdige Catchphrases ableiten lassen. Gyle Rhymes eben!


"Niveau Weshalb Warum" enthält auf der Doppel-Vinyl-Version zwölf Tracks.

Für die reguläre CD wurde eine deutlich andere Reihenfolge ausgewürfelt und es kommt noch das stilistisch etwas ausscherende "Der Flohmarkt ruft" hinzu.

Die Deluxe-CD-Version enthält dazu noch alle Stücke als Instrumentalversionen und zwei weitere Bonustracks. "Schlafwandler" ist vielleicht nicht auf dem Album gelandet, da es inhaltlich recht dicht an "Like mich am Arsch" dran ist.

Und "Selber machen lassen", das größte deutsche Gastsängerschaulaufen seit Campinos "Do They Know It's Christmas", in der Bonusecke zu vestecken, ist an sich schon ein (wie immer doofes und schlaues) Statement. Smudo, Udo Lindenberg, König Boris, Sido und Jan Delay sind da nur einige, die ich auch ohne Internet-Spicken erkannt habe. Weitere sind z.B. Inga Humpe, Jennifer Weist und laibhaftig Bernd das Brot!

Kauft man sich die Schallplatte, so bekommt man noch den eierlegenden Wollmilchcode dazu, d.h. alle insgesamt 28 Tracks der Deluxe-CD sind zumindest als Download dabei. Chapeau!

"Fühl den Bierschaum, genieß diesen Trip in den Trashtraum!"


Mein Review ist fertig, endlich fertig.




Anspieltipps: Mehr als lebensgefährlich, Denken Sie groß, Die Welt ist fertig, So'ne Musik, Oma gib Handtasche


THE NEAL MORSE BAND - The Grand Experiment

Kommenden Freitag gastiert die kreative Prog-Männerfreundschaft Nr. 1, sprich Neal Morse und Mike Portnoy, mal wieder in der hamburger Markthalle.

Zeit, sich anzuhören, was für ein Album sie im Gepäck haben!


THE NEAL MORSE BAND - The Grand Experiment (LP+2CD) (2015)

Sowohl die Betonung der Band als auch der Albumtitel verraten es bereits: Dies ist kein reguläres Soloalbum des Sängers und Multi-Instrumentalisten. Einen radikalen Bruch mit Gewohntem stellt "The Grand Experiment" allerdings nicht dar. Das verrät schon ein Blick auf die Playlist, die formal denen von Spock Beards "V" oder Transatlantics "Kaleidoscope" ähnelt: ein Longtrack vorne, dann drei kürzere Stücke (inklusive einer Ballade) und zum Abschluss ein über 26minütiger Epos.
Auch dass dem Album eine Bonus-CD mit weiteren Studiosongs, einer Coverversion und Liveaufnahmen älterer Stücke beiliegt, ist beim hardest working man in prog nichts, was irgendwen überraschen dürfte.

Der einzige - aber entscheidende - Unterschied zu den vorigen Progrock-Albem von Neal Morse (also nicht den Singer/Songwriter und Worship-Alben, die der Mann ja auch noch ständig raushaut), ist dass er diesmal kein Material vorbereitet hatte, sondern alles von Null an komplett gleichberechtigt mit der Band komponiert wurde.
Die Band besteht aus fünf Sechsteln der Besetzung der "Momentum"-Tour, also neben der Rhythmussektion aus Mike Portnoy und Basser Randy George aus Bill Hubauer an Keyboards und allerhand anderem Gedöns und dem zurecht viel mit John Petrucci verglichenem Gitarren-Wunderkind Eric Gilette. Sogar Portnoy sagt das.

Und wie wirkt sich die größere Beteiligung der Musiker (laut Morse soll Bill Hubauer wahrscheinlich größere Songwritinganteile als er selbst haben) nun aus?
Vor allem in Frische!

Denn auch wenn im grundsätzlichen Aufbau nichts passiert, dass man von Neal Morse nicht erwarten würde, so hat doch jeder Song reichlich Momente, die den speziellen Charakter dieses Albums ausmachen.
Da sind z.B. die super souveränen, dominanten Grummel- und Slapakzente, die der Bass setzt, und auch alle anderen Instrumente spielen sich immer wieder offensichtlich von Morse' hier eben nicht gegebenen Masterplan frei.

Und betrachtet man nur das Drumming, so sollte "The Grand Experiment" sich auch in der Discographie Mike Portnoys sehr weit oben wiederfinden. Der Ausnahmedrummer findet hier ein sehr gutes Gleichgewicht aus Songdienlichkeit, bewährten Trademarks und überraschenden Details. Vor allem spürt man hier ähnlich wie beim Debüt der Winery Dogs einfach, dass der Mann Bock auf Mucke hat.
 
Ganz offensichtlich prägend sind natürlich die Passagen, in denen Hubauer und Gilette den Leadgesang übernehmen und sich dabei beide als echt große Vokalisten erweisen. Dass auch Mike Portnoy seine Backing- und Harmoniegesangsmomente hat, war da schon eher zu erwarten. Und dass er das mittlerweile sehr souverän macht, ist ja inzwischen auch bekannt.
Der größte (wiederkehrende) Gesangsmoment des Albums ist vielleicht die perfekt ineinander fließende Harmonie im Refrain der Ballade "Waterfall". Überhaupt, was für ein großer Song! In dieser Richtung vielleicht der größte Wurf seit "We All Need Some Light".

Zu den anderen Songs:

Der Opener "The Call" beginnt sofort mit sehr viel später wieder aufgegriffenem A Capella-Gesang und bewegt sich in den folgenden zehn Minuten vorwiegend im Reich des harten Progressive Rock mit hymnischem Gesang.
Der Titelsong ist dann ziemlich straighter Rock mit typischem Morse-Stampfriff und - ebenfalls typisch - sehr positiv aufbauender Stimmung. Ebenso wie das nach dem schon erwähnten "Waterfall" folgende, noch kompaktere, gesanglich zwischen fröhlich und sphärisch wechselnde "Agenda" wäre mir das Stück für sich alleine etwas zu einfach. Oder anders gesagt: ein komplettes Album in dieser Richtung würde ich mir nicht kaufen wollen. Im Zusammenhang funktionieren die Lieder aber gut.

"Alive Again" bildet auf Schallplatte die komplette B-Seite. Was soll ich mich groß bemühen, das Ding zu beschreiben? Es ist der Über-Epos der Scheibe mit all den lustigen, mächtigen, beeindruckenden Instrumentalpassagen, den Upbeats und den emotionalen Momenten und dem obligatorischen großen Finale... dick aufgetischt und dabei in sich sehr stimmig!

Und dann kommt ja noch die Bonus-CD, auf der das Niveau keinen Millimeter absinkt. "New Jerusalem" und "Doomsday Destiny" hätten ohne Bedenken auch aufs reguläre Album gepasst.
Und das Richard Harris-Cover "MacArthur Park" ist einfach überragend.

Es folgen mit "The Creation" und "Reunion" noch Opener und Abschluss des "One"-Albums welches Neal Morse auf dem von ihm veranstalteten Morsefest erstmals komplett live gespielt hat.
Also zusammen noch einmal eine gute halbe Stunde epischer Prog vom feinsten.


Was bleibt noch zu sagen?
Es gibt sowohl auf dem Album, als auch den Livesongs neben der Band noch Gastmusiker zu hören, also Saxophon, Streicher und Chöre.

Und natürlich sind alle Texte sehr spirituell. Neal Morse ist zutiefst religiös und trägt dies auch in die Welt hinaus. Ich persönlich kann damit gut umgehen, da ich die Lyrics zum einen ähnlich wie bei Behemoth (um mal ein extremes Beispiel zu nennen) eher als zur Musik passende Geschichte für sich ohne weltanschauliche Wertung betrachte. Und zum anderen hält sich Morse mit biblischem Vokabular auch weitgehend zurück, so dass die Texte hier auch für Atheisten persönliche Bedeutung entfalten können.
Die Bonusdisc hat da schon ein paar explizitere Momente mit dem bösen guten G-Wort, gerade im Liveteil, aber das weiß man als Fan ja und da muss man dann eben durch.

Zum Schluss noch das Äußerliche:
Obwohl es nur eine LP ist, kommt diese im Gatefold-Cover mit allen Texten der fünf regulären Tracks. Das Cover ist an sich auch schick; allerdings sollten es sich Layouter bitte sparen in solche Bilder auf dem Backcover noch die posende Band hineinzupasten - und wenn, dann doch bitte im passenden Größenverhältnis! (Hey, ich haben einen negativen Kritikpunkt gefunden!)


Fazit:
Auch wenn die letzten Absätze davon unnötigerweise etwas ablenken mögen:

"The Grand Experiment" ist ein Erfolg auf ganzer Linie, ein fettes Ausrufezeichen des Genres und der beteiligten Musiker. Das Konzert am Freitag kann also kommen!
  

Anspieltipps: Alive Again, Waterfall, The Call, MacArthur Park

2015-03-08

PAPIR - Live At Roadburn

Und zur Abwechslung - haha - mal wieder das Thema Roadburn Festival!

Ich habe dort letztes Jahr ja nun wirklich viele Shows gesehen. Da ich mich aber noch nicht aufteilen kann, habe ich auch einige Highlights verpasst. Eines davon habe ich mir jetzt als Doppel-LP nachreichen lassen. Und was für ein Highlight das ist!



PAPIR - Live At Roadburn (2LP) (2015)

Tatsächlich haben die drei Dänen ja gleich drei Auftritte auf dem Festival gehabt. Dem letzten davon, wo sie als Teil der Papermoon Sessions auf der Bühne standen, konnte ich zum Glück beiwohnen. Jener Auftritt ist übrigens ebenfalls als CD erhältlich und erscheint demnächst auch auf Vinyl.

Dieses Album dokumentiert den ersten Auftritt am Freitag. Hätte ich früher von dem Release gehört, dann wäre vielleicht auch die strenger limitierte Version mit einer zusätzlichen 10"-Platte mit Aufnahmen vom Samstag drin gewesen. Aber dafür kam ich leider zu spät. Es blieb also "nur" die Doppel-LP. Diese kommt als Teil der umweltfreundlich hergestellten "Impetus"-Serie von El Paraiso Records in einer schicken, sehr eigenwilligen Hülle, die etwas an historische Jazz-Plattencover erinnert, wobei das Sujet in diesem Fall natürlich ganz klar Rockmusik ist.
Die Qualität der Tonträger selbst ist makellos. Dazu gibt es das Cover als festen Print, als Sticker und einen Downloadgutschein für die Digitalversion des Albums, welche die Songs in der Originalreihenfolge enthält, während für die Platte etwas getauscht werden musste. Für den Hörgenuss ist die Reihenfolge allerdings unwesentlich.

Papir sind eine instrumentale Jam-Band, die rein technisch gesehen bisher eigentlich ausschließlich Livealben aufgenommen hat, live im Studio eben.
Doch auf einer Bühne des Roadburn Festivals, dem europäischen Mekka der Szene, und dementsprechend motiviert, entwickelt sich natürlich noch eine ganz eigene Energie.

Die Zutaten für ihre langen, hypnotischen Stücke holen sich Papir aus der Geschichte der Rockmusik, wobei die Labels stoner, space, psychedelic und eine Prise Kraut jedoch stets im Fokus stehen.
Die Gefahren, welche diese Stilistik in sich trägt, sind bekannt: es könnte zu selbstvergessen oder selbstverliebt werden, sich durch Phasen kreativen Leerlaufs schleppen, zu sehr Seht nur, wie wir auf Pilzen sind! rufen. Doch all dies trifft auf das dänische Trio zum Glück nicht zu.

Papir sind ruhelos, energisch. Fast das gesamte Konzert über treibt die kräftig Rhythmussektion nach vorne, während die Gitarre Stimmungsteppiche in allen Intensitäten darüber legt. Und auch wenn jedes der bis über viertelstündigen Stücke auf Wiederholungen und das vollkommene Auskosten von Themen setzt, wird das Ganze doch in keiner Minute beliebig oder langweilig.

Vergleichbare Bands gibt es gerade heute natürlich haufenweise, aus meiner Plattensammlung denke ich da z.B. an die White Hills und noch mehr an die Kieler Fuzzrocker Bone Man, denen ich einen ähnlichen Wumms bescheinigen würde. Und um auch einen ganz großen Namen zu nennen: Was diese niemals nachlassende, scheinbar ins endlose rockende Kraft von "Live at Roadburn" (und auch die Leadgitarre in "Monday") angeht, so muss ich tatsächlich ein wenig an eines meiner absoluten Lieblingslivealben aller Zeiten denken, nämlich das legendäre "Lotus" von Santana.

Als Fazit lässt sich also sagen, dass dieses Album ganz ok ist.

Nein, Quatsch! Papirs "Live at Roadburn" ist wahnsinnig gut!
Ich finde absolut gar nichts zu beanstanden.

Perfekt.

Anspieltipps: Sunday #2, Live I, Monday


LUCIFER - Anubis / Morning Star

Erst einmal einen dicken Dank an Rise Above Records, dass man dort auch von schnell vergriffenen Kleinauflagen wie dieser goldenen 7"-Scheibe ein paar für Schadensfälle zurücklegt. Mein Exemplar kam nämlich mit  kratzwütigem Plastikkrümel in der Hülle und war somit nur einseitig zu gebrauchen.

Nun habe ich die Debüt-Single von Anubis endlich in voll funktionstüchtiger Ausführung und das beschädigte Teil hängt mit der Schokoladenseite nach außen an der Wand.




LUCIFER - Anubis / Morning Star (7") (2015)

Lucifer ist die neue Band von Sängerin Johanna Sadonis nach der Auflösung der leider allzu kurzlebigen The Oath. (Nein, mit wirklich brandneuen Bandnamen hat es die Dame nicht so.)

Die Fragen, die man als Fan an diese insgesamt knapp neunminütige Vorstellung der neuen Gruppe hat, sind also ganz klar: Schließt es an das selbstbetitelte Album von The Oath an? Und ist es genauso gut?

Die erste Frage muss ich bejeinen. Beide Songs könnten fast Coverversionen von Stücken aus einer Schatzkiste unveröffentlichter Black Sabbath-Perlen sein. Will sagen: Das reine Doom-Element wird hier noch ein wenig mehr umarmt als bei The Oath, was die Gruppe musikalisch durchaus noch mehr in die Ecke von Avatarium rückt. Aber wer sagt mir, dass sich jene Band nicht auch so hätte entwickeln können?

Zum Glück ist diese Frage ja irrelevant. Was zählt ist, dass "Anubis" und "Morning Star" wirklich zwei ganz starke Songs für Freunde des traditionellen, im Blues geerdeten und authentisch produzierten 70er-Jahre-Metals sind, die einfach Laune und Bock auf mehr machen. Müsste ich mich für eine Seite entscheiden, dann nähme ich "Morning Star", weil es mir da der Gesang besonders angetan hat. Das hohe Niveau der Vorgängerband wurde auf jeden Fall gehalten!

Ich bin schon gespannt aufs Album und kann nur hoffen, dass ich es auf die Reihe bekomme, mir die Show von Lucifer auf dem kommenden Roadburn-Festival zu Gemüte zu führen.

Anspieltipps: Morning Star, Anubis

2015-03-04

LUMERIANS - Transmissions From Telos Vol. III

"Earth looks so tiny from here... yet so beautiful. I'll never grow tired of this view.
And it makes you think, you know, of the bigger picture. I mean... like... imagine a world without horses, but with zebras instead. - Not much different, except for the stripes, you might say. But consider that you can only tame a zebra. But you cannot domesticate it!"

"Wow. Never thought of that.
Oh wait, we got something there!"

"Noise?"

"No, that's an intelligent signal. Transmissions."

"Yeah, I see it! See where it's coming from? That's insane!"

"Unbefuckinlievable..."

"I have the audio now. Scanning for voices."

"Anything?"

"Na. Nothing. Only sounds. But I'm pretty sure we can get the message anyway.
Let me put it on the speakers."

"Niiiiiice."

"Let's watch some muted curling videos to that!"

"Yeah, curling!" 


LUMERIANS - Transmissions From Telos Vol. III (Vinyl) (2014)

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    \\_    ||       || ||
     \_]   ||       || ||
          /_;      /_
Anspieltipps: Hook For An Eye, Murder Dubbs, Caballero Futuro

ARCHIVE - Restriction

Ok, nach dem tollen Konzert am Sonntag will ich natürlich auch noch ein paar Worte zum aktuellen Longplayer von Archive verlieren, welchen ich neulich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe.



ARCHIVE - Restriction (2LP+CD) (2015)

Ich fange mal mit den Äußerlichkeiten an: Die Gatefold-Hülle dieser Doppel-LP ist definitiv ein Hinkucker. So ein Layout kann nicht groß genug sein kann. Ich meine, seht es euch an:


Epischer geht es ja wohl kaum. Und das mit einem Band-steht-irgendwo-in-der-Gegend-herum-Coverfoto! ;)

Wie auf dem oberen Bild zu sehen, enthält das Package neben den schweren Vinylscheiben auch eine CD-Version des Albums. Löblich.

Was das musikalische Werk angeht, so kann ich sicher sagen, dass dieses Album vieles nicht ist:
Es ist nicht so dystopisch düster wie "Controlling Crowds". Es ist nicht so emotional wie "With Us Until We're Dead". Und es wartet auch nicht mit Artrock-Mammuttracks wie "Lights" oder "Again" auf.

Dennoch ist "Restriction" jederzeit unverkennbar Archive, also diese stimmige Melange aus Postrock, Electronica und hastenichtgesehn, in der Ordnung und Ausarten, Unterkühltheit und Leidenschaft keine zwingenden Gegensätze sind.

Das Album beginnt ohne Vorgeplänkel gleich flott mit "Feel It". Der von Dave Pen gesungene Track erinnert an rockigere Sachen der neueren Radiohead, und auch im weiteren Verlauf bleibt dies die Band, mit der man Archive auf "Restriction" wohl am ehesten vergleichen kann. Sofern man denn nach externen Vergleichen sucht...

Der Titelsong hat mit Pollard Berriers Wiederholungs-Gesang eines von mehreren leicht gewöhnungsbedürftigen Gimmicks auf dem Album, an die man sich evtl. in mehreren Durchläufen gewöhnen muss, ehe sie richtig zünden. Aber diese sperrigen Tracks und/oder Details, die überwunden werden wollen, sind bei Archive ja nichts neues. Besser, als wenn einem an einem Werk gleich alles vorbehaltlos gefällt und es einen nach ein paar Wochen langweilt, nicht wahr?

Das dritte Stück "Kid Corner" ist mit seinen tanzbaren Grooves tatsächlich einer meiner Favoriten. Es singt Holly Martin, womit die Reihe der Leadvokalisten, die sich die insgesamt zwölf Stücke einigermaßen gerecht aufteilen, fast komplett wäre.
Fehlt nur noch noch Maria Q, welche allerdings diesmal nur einen Song singt. "Half Built Houses" ist vielleicht auch der am wenigsten repräsentativste Track von "Restriction", hebt sich jedoch zur Halbzeit des Albums auch schön ab.

Ein ganz deutliches Merkmal von "Restriction" ist, dass sich beinahe durch das komplette Album ein unermüdlicher Puls zieht. Ob in Form von stillen oder lärmenden Loops, Delay, funkigen Gitarren, elektronischen Rhythmen oder echten Percussions - irgendwas treibt die Musik immer nach vorne. Dass die Stücke in der CD-Version ohne Pause ineinander fließen, verstärkt den Eindruck eines einzigen Flusses. Ein Album, das man als Album hören sollte!
(Auf der Vinyl-Version sind es natürlich nur jeweils drei Songs, die maximal am Stück zusammenhängen, was den Gesamteindruck aber nicht wesentlich ändert.)

Auf weitere Songs muss ich nicht detailliert eingehen. Es gibt noch viele Highlights - ob "Ruination", die Ballade "Black And Blue" (wie das aktuell internetberühmte Kleid) und das große Doppelfinale aus "Greater Goodbye" und "Ladders" - auf einem Werk voller einwandfreier Archive-Qualitätsmusik. Und das ganze Ding wird in Dauerrotation immer besser.

Könnte ich etwas am Album ändern, dann würde ich höchstens die Hälfte der ruhigsten Passagen streichen und dafür an anderer Stelle am oberen Ende des Lärmspektrums eine Stufe ergänzen. Das allerdings auch nicht, weil es nötig wäre, sondern nur weil ich Bock auf Krach habe.


Anspieltipps: Ruination, Kid Corner, Greater Goodbye, Half Built Houses, End Of Our Days