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2022-04-18

CENTRE EL MUUSA - Purple Stones

Moin Misha!

Dies ist also meine fünfte Begegnung mit dem estnischen Allegassenhansdampf. Der Mann deckte in diesem mir bekannten, kleinen Ausschnitt seines Schaffens bereits eine respektable musikalische Bandbreite ab: wilder Garagenkrautrock auf dem gleichnamigen Debütalbum von Centre El Muusa, ein ungleich epischer ausuferndes Windparksonnenaufgangskonzert, spaciger Doomjazz mit dem Estrada Orchestra und einen Mix aus Library Music, Spiritual Jazz, Ambient und Psychedelic Rock mit der Misha Panfilov Sound Combo.

Und was kommt nun?

CENTRE EL MUUSA - Purple Stones (2022)

Fuzzig treibender Psychrock ist auf dem zweiten Album von Centre El Muusa durchaus immer noch ein wichtiges Element, doch gleichzeitig öffnet sich die Band hier weit zu allen Seiten und lässt nicht nur die kreative Befruchtung aus den anderen Projekten Panfilovs und seiner Mitmusiker Volodja Brodsky (Synthies und Wurlitzer), Monika Erdmann (Bass) und Aleksei Semenihhin (Schlagzeug) zu, sondern geht sogar hier und da noch etwas darüber hinaus, was sich z.B. im Country/Western-Einschlag des Openers "Pony Road" äußert.

Super produziert, jedoch immer noch mit dem richtigen Maß an gesunder Dreckigkeit, resonieren einem vor allem die Tastensounds, aber auch Panfilovs Gitarre richtig schön Weltflucht induzierend im Bregen.
Das Debüt fand ich ja schon ziemlich gut, doch diese gereifteren Centre El Muusa gefallen mir jetzt noch eine ganze Spur besser. Allerfeinst.

Und dass die (wie die LP bei Sulatron Records erhältliche) CD-Version drei Tracks des oben erwähnten Extrem-Social-Distancing-Konzerts von 2020 als Bonus enthält, wertet das Ding noch zusätzlich auf. Allein das elektrische Klavier in "Mia" ist ein Traum.

Zum Coverartwork... hmm... habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Meinung in Stein gemeißelt. Im Zweifelsfall muss das wohl so. Miles Davis war in seiner funkigsten Phase auch nicht schlimmer, oder?   







2020-05-23

CENTRE EL MUUSA - Centre El Muusa


"Maaamaaa, da kommen Geräusche aus der Garage!"

"Hast Du das Tor wieder beim Spielen offen gelassen, David? Das sind bestimmt die Schwalben, die sich einen Nistplatz suchen und dann wieder auf Papas Auto kacken!"

[Schritte; Tür zur Garage wird geöffnet]

"Nein Mama, das sind keine Schwalben! Das ist eine Musikgruppe!"

"Oh nein, scheuch die doch bitte gleich weg! Die machen sich sonst breit und Papa hat nachher gar keinen Platz mehr zum Parken!"

...

"Mama, die gehen nicht weg!"

"Hast Du denen gesagt, dass sie gehen sollen?"

"Ja, aber die verstehen mich nicht! Ich glaube das sind Letten! Oder Litauer!"




CENTRE EL MUUSA - Centre El Muusa (2020)

Ja, diese instrumentalen Rabauken aus Estland geben sich in der Tat sehr garagig. So ranzend und knisternd übersteuert dröhnt ihr kosmisches Gefuzze zunächst, dass ich sie nach den ersten paar Minuten des Openers "Turkeyfish" glatt noch unterschätzt habe.

Auch das eher funpunkige Spaßcover bereitet einen ja nicht unbedingt auf distinguierte Hochkultur vor.

Doch unter dem DIY-Gewand ihres Sounds schrammeln, orgeln und spacen sich Centre El Muusa tatsächlich eine saustarke Krautrockvollbedienung zusammen, die gegen Ende in "Mia" mit jazzigem Bass und schwebendem Synthieklavier sogar noch richtig stabil geerdete Tiefe und exosphärische Höhe entwickelt.

Was nicht heißt, dass die ruppigere Seite der Band keinen Spaß machen würde. Nein, das unterstreicht als letzter der sechs Tracks auch "Szolnok", der ein bisschen den kalifornischen Spirit der El Paraiso-Psychrocker Monarch atmet. Mit einem Schuss "Vana Tallinn" (örtliche Likörspezialität der estländischen Hauptstadt, wie ich Superalkoholexperte aus dem Effeff weiß) natürlich.

Erhältlich ist "Centre El Muusa" bei Sulatron Records auf CD und türkisem Vinyl.