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2013-11-08

DREAM THEATER - Live at Luna Park (6 Disc Deluxe Edition)

Etwas merkwürdiges Timing ist es schon, wenn einen Monat nach dem neuesten Album das Livevideo zur Tour zum zwei Jahre vorher erschienen Vorgängeralbum herauskommt.
Aber es ist halt wie es ist, ungeplante Verzögerungen bei Livealben sind ja nichts neues in der Musikwelt...

Hier ist es also, das multimediale Zeugnis der "Dramatic Tour Of Events":




DREAM THEATER - Live At Luna Park (Blu Ray/2DVD/3CD Deluxe Edition) (2013)

"Live at Luna Park" wurde gegen Ende einer langen Welttournee an zwei Abenden in Buenos Aires aufgezeichnet. Es ist das Material eines kompletten Konzertes zu sehen, sowie sechs der nur an einem der beiden Abenden gespielte Songs als Bonustracks. Da die Band während dieser Tour ja zum größten Teil bei jedem Auftritt die selben Lieder gespielt hat, ist diese Blu Ray mit 26 von insgesamt knapp 40 auf der Tour gespielten Stücken schon sehr repräsentativ.

Ich persönlich vermisse eigentlich nur "The Count Of Tuscany". Überhaupt hat es auch nach diesem Video noch kein Song von "Black Clouds & Silver Linings" auf eine offizielle Liveaufnahme geschafft, was wohl auch noch etwas damit zu tun hat, dass es sich dabei um das letzte Album mit Mike Portnoy handelt...

Dennoch ist die Setlist gelungen, und gerade zu diesem Zeitpunkt ist die Band natürlich phänomenal aufeinander abgestimmt. Das Zusammenspiel ist fantastisch, und die Bandchemie ganz offensichtlich ebenso.
Besonders hervorheben möchte in dieser Supermusikertruppe James LaBrie, dessen Gesang anscheinend einfach immer besser wird.
Und natürlich hat Drummer Mike Mangini sein Solo, bei dem er u.a. mal wieder zeigt, welches unfassbare Wirbeltempo  mit einer einzigen Hand möglich ist. Und allein sein monströses Kit ist eigentlich schon für sich eine Show. Auf der Fläche kann man in einem Club auch locker eine komplette Band unterbringen.

Das einzige, was mich an der Performance ein wenig stört, ist, dass mit John Petrucci nur ein Backgroundsänger vorhanden ist, so dass ein paar Gesänge als Konserve hinzugesteuert werden. Bei einigen Gruppen finde ich das ja normal, aber bei einer Band, die dermaßen davon lebt, eben alles tatsächlich live spielen zu können wie Dream Theater, da ist es irgendwie schon ein bisschen seltsam.

Die Filmaufnahmen sind tadellos. Die am Drumkit fest installierten Kameras fallen qualitativ zwar ein wenig gegeüber dem Rest ab, aber es wird ja auch seinen Grund haben, dass das nur ganz kleine Kästchen sind. Von daher geschenkt.
Der Sound ist im Großen und Ganzen ok, aber mit ein paar Abzügen in der B-Note. So ist die Gitarre gegenüber den Keyboards ziemlich dominant, das Publikum könnte während der Songs etwas lauter sein und ab und zu in ruhigen Passagen klingt das Gesangsmikro etwas hohl. Aber das ist halt live und nichts, was mir den Genuss verderben würde. Live halt.

Neben dem Konzert und den erwähnten Bonustracks gibt es noch ein bisschen Backstage-Dokumentation, den vor dem Konzert abgespielten Zeichentrick-Introfilm und exklusiv auf Blu Ray den Song "Outcry" mit freier Kamerawahl, wobei schön deutlich wird, was jeder Kameramann so für Fahrten zu absolvieren hat.


Wie heutzutage bei solchen Veröffentlichungen normal, gibt es von "Live at Luna Park" eine Fantastilliarde verschieden Versionen.

Ich habe mir das großformatige Fotobuch mit einer Blu Ray, 2 DVDs und 3 CDs besorgt, in erster Linie wegen der Audioaufnahmen, die man einfach häufiger nutzen kann als ein Video. Wie bei vielen solcher Packages im Filmbereich finde ich die DVDs eigentlich überflüssig, aber sie waren nunmal mit dabei.
Nachdem ich diese Edition vorbestellt hatte, kam zwar auch noch eine Variante nur mit Blu Ray und CDs heraus, die war jedoch teurer als diese, also habe ich's natürlich dabei belassen.


Das Fotobuch ist an sich eine schicke Sache, auch wenn ich nicht der Typ bin, der noch hysterisch ausflippt, wenn er Live- und Backstagefotos (plus einiger Grafiken der Bühnenshow und anderem Zeug) seiner Rockhelden sieht. Aber das Cover ist als Blickfänger schon nicht übel.

Schade nur, dass der Zustand nicht so ganz 1a ist. Die Halterungen für die Discs hinterlassen nämlich Abdrücke durch fast das gesamte Buch, der Postversand hat ein paar Ecken eingeknickt, und vor allem hat man es für den deutschen Markt wieder einmal geschafft, das Produkt zwar schön einzuschweißen, aber den kack FSK-Aufkleber trotzdem direkt aufs Cover zu kleben, von dem er selbstverständlich nicht rückstandsfrei entfernbar ist.

Das alles ist zum Glück nicht so schlimm, dass es einen sofort anspringt, somit für mich im Toleranzbereich und noch kein Reklamationsgrund - zumal das Buch für mich ja auch nicht der Kaufgrund war. Schade ist es trotzdem, da dies alles Dinge sind, die mit etwas Nachdenken und einen Millimeter mehr Mühe beim Verpacken zu vermeiden gewesen wären.

Aber was am Ende zählt, ist ja der Inhalt. Und der ist - wie man so sagt - leider geil.

Ein tolles Livevideo, welches mich in meinem Entschluss, mir Dream Theater nächstes Jahr nicht anzuschauen (nicht nochmal in dieser blöden Sporthalle in Hannover!) durchaus ein bisschen ins Wanken bringt.



Anspieltipps: Lost Not Forgotten, Metropolis Pt. 1, Outcry, The Silent Man, Drum Solo, The Spirit Carries On

2013-11-03

BELAIR X 6-12 JETSETTER - Das ungewünschte Wunderkind?

Ursprünglich wollte ich meinen Eindruck von dieser Kamera ja schon vor Monaten hier aufschreiben und so zusammen mit der La Sardina / La Sardina Belle Starr und der Diana F+ Tori Amos Edition meinen Lomography-Knipsen-Hattrick komplettieren.
Aber ich dachte mir, ich will vorher lieber noch ein paar Filme mehr mit ihr gefüllt haben... Und warum sich das dann ewig hinzog, wird spätestens mein in etwa zwei Monaten zu erwartender fotografischer Jahresrückblick erklären. ;)

Das Gute an diesem verspäteten Review ist allerdings, dass ich neben der Kamera selbst auch noch das Belairgon 114mm-Objektiv berücksichtigen kann, welches ich mir später dazu gekauft habe.

Also, das ist sie, die vor. ca. einem Jahr auf die Fotografenschaft losgelassene Lomography Belair X 6-12 Jetsetter Edition:



Sieht fein aus, nicht wahr?

Aussehen ist nur leider bekannterweise nicht alles. Schaut man in diverse Foren oder die dieser Kamera gewidmeten flickr-Gruppen, so muss man schnell annehmen, dass es sich bei ihr um den größten kommerziellen Flop der Lomography-Shop-Geschichte handeln muss.

Tatsächlich kann ich sehr gut nachvollziehen, warum dies so ist. Das zentrale Problem der Belair (egal in welcher Edition) ist einfach, dass sie von Anfang an den Bedürfnissen vorbei entwickelt wurde.

Das Kaufargument für über 90 Prozent derjenigen, die es mit ihr probiert haben, ist zweifellos das Format. Eine (dazu noch ziemlich schick aussehende) Balgenkamera für Mittelformat, mit der man wahlweise in den Formaten 6x6, 6x9 und vor allem 6x12 cm fotografieren kann - davon kann man doch schon mal träumen.

Die beiden Eigenschaften Balgenkamera und Panoramaformat erzeugen jedoch - meiner Meinung nach zurecht - gewisse Erwartungen, die einfach derbe enttäuscht wurden.

So habe ich z.B. bei dem happigen Preis durchaus gehofft, dass das Innenleben der Balgenkamera dem jener klassischen Vertreter ihrer Art, die man für maximal 10 Euro hinterhergeschmissen bekommt, zumindest ebenbürtig ist. Das heißt, man nimmt für die Rollenhalterung gefälligst mal vernünftiges Metall statt Plastik, von dem man jedes Mal beim Filmwechsel Angst hat, dass es abbrechen könnte. Habt ihr Entwickler noch nie eine Adox Golf oder diverse Boxkameras von innen gesehen? Die funktionieren auch nach mehr als einem halben Jahrhundert noch und man muss sich nicht ständig mit dem Fat-Roll-Syndrom (die Krankheit aller Lomo-Mittelformatknipsen) herumschlagen.

Noch beschissener und angstschweißtreibender ist es, die Masken für die verschiedenen Formate zu tauschen. Das geht erwiesenermaßen selbst mit Kunststoff besser!

Und als Krönung ganz ganz schwach ist das kleine Plastik-Nübbelchen, welches bei eingefahrener Optik den Balgen im Zaum halten soll. Tatsächlich hatte ich persönlich Glück und das Linsenstück rastete immer sicher ein. Zumindest mit den leichten mitgelieferten Wechselobjektiven. Schließe ich allerdings das Belairgon an, zieht dessen Gewicht den Balgen irgendwann nach draußen. Auch hier hätte man einfach mal schauen können, wie es früher zuverlässig funktioniert hat.

Und damit wäre ich auch schon bei den Objektiven. Mitgeliefert werden eine 58mm- und eine 90mm-Linse, beide - natürlich - aus Plastik. Klar, das ist Lomography, aber beim Panoramaformat kommt vielen Knipsern natürlich bombastische Landschaftsfotografie in den Sinn - wofür diesen Linsen einfach die Tiefenschärfe fehlt.
Wobei ich persönlich den beiden Teilen durchaus etwas abgewinnen kann (sonst hätte ich die Kamera ja wohl auch kaum behalten), aber man muss schon wissen, wie man mit ihnen umzugehen hat, und dass sich mit ihnen statt scharfer Bergpanoramen eben doch eher nähere Motive anbieten.

Ein weiterer Punkt, über den sich wahrscheinlich weniger Leute wirklich ärgern, der aber unnötig den Preis in die Höhe drückt, ist die automatische Belichtungsfunktion, mit der sich der Hersteller besonders rühmt. Denn zunächst einmal bedeutet das zwei Batterien, die man extra braucht. Aber vor allem benötigt die einfach kein Mensch!

Wer als Kameraspielkind an Lomo-Zeug und an antike Kameras gewöhnt ist, der hat für gewöhnlich auch ein einigermaßen geeichtes Belichtungspopometer bzw. einen externen Beli dabei. Aber Automatik an einer Balgenkamera? Hat wirklich jemand darauf gewartet?
Ich kann natürlich auch die Batterien rausnehmen bzw. den Bulbmodus benutzen, aber wir wissen ja, das man damit leicht verwackelt (es sei denn man benutzt ein Stativ). Noch dazu ist der Auslöser relativ grob (Gefahr des leichten Horizont-Verreißens) und hat - warum zum Teufel? - keinen Anschluss für einen Kabelauslöser.


Nach so viel Negativkritik mag man sich fragen, warum ich das Teil überhaupt behalten habe.

Naja, das  Format-Argument und das schicke Aussehen (zumindest der außen mit Metall verarbeiteten  Jetsetter Edition) wiegen eben sehr sehr schwer.
Und vor allem gefielen mir zu viele meiner Bilder einfach zu gut und ich will verdammt nochmal mehr davon machen.

Von den beiden Kit-Objektiven ziehe ich eindeutig das 90mm vor, dessen Winkel mir meistens schon weit genug ist, und mit dem ich persönlich mir etwas flexibler vorkomme.

Seit ich zusätzlich das Belairgon 114mm - eine "echte" schwere russische Glasscherbe von Zenit - besitze, hat sich die Präferenz natürlich noch einmal verschoben. Denn diese Linse taugt wirlich etwas und hebt die Bildqualität sichtlich auf ein deutlich höheres Niveau.

Belair mit Belairgon 114mm
 
Doch auch an diesem eigentlich spitzenmäßigem Extra gibt es wieder eine unnötige Nachlässigkeit auszusetzen.

Zusammen mit den Wechselobjektiven tauscht man nämlich auch den Sucher aus. Die Sucher der Kit-Objektive haben Markierungen für die unterschiedlichen Bildformate. Der Sucher vom überlegen Russenobjektiv hat diese nicht. Hä?


Tja, glaubt mir nach dem vielen Gemecker noch jemand, dass ich die Knipse unterm Strich trotzdem mag?
Ehe sie den Kaufpreis gerechtfertigt hat, muss ich allerdings noch so einige Rollen durchjagen. Aber das kommt schon - wenn die bemängelten Teile durchhalten, heißt das natürlich.

Der Gurt auf dem Foto stammt übrigens von einer Kiev 88, es ist also keiner dabei. Aber die Halterungen dafür sind in Ordnung.


Als Fazit sei gesagt, dass die Belair eine sehr spezielle Kamera ist, bei der es - vor allem wegen der offensichtlich Unzulänglichkeiten und Konzeptionsschwächen - schon zwischen Fotograf und Spielzeug funken sollte. Wer die Möglichkeit hat, sie vor dem Kauf anzutesten, der sollte dies auf jeden Fall tun.


Und nun ein paar Beispiel-Fotos!

Mit dem 58mm- und 90mm-Objektiv aufgenommen:







Belairgon 114mm:






MOTORPSYCHO - Still Life With Eggplant

Schlaft ihr auch mal da oben in Norwegen?

Das möchte man angesichts des Veröffentlichungstempos von Motorpsycho schon fragen. Nur wenige Monate nach dem unfassbaren "The Death Defying Unicorn"-Konzept-Rock/Jazz/Klassik-Überwerk erscheint tatsächlich schon das nächste Album?

Das Geheimnis ist einfach, dass sich das Trio bei der überaus anspruchsvollen Kooperation mit Ståle Storløkken zwischendurch mal ein wenig locker machen musste und so parallel auch eine Handvoll regulärer Motorpsycho-Songs entstanden, die dann auf diesem dreiviertelstündigen Silberling mit dem abermals bekloppten Titel "Stillleben mit Aubergine" gelandet sind.



MOTORPSYCHO - Still Life With Eggplant (2013)

Das erste Riff des Openers "Hell, Part 1-3" ist noch lupenreiner Stonerrock. 

Doch schon sehr bald entfaltet sich wieder die komplette musikalische Bandbreite, in der mit der Leichtigkeit von Fusionlegenden wie Weather Report klassischer Powertrio-Sound der Marke Led Zeppelin mit progressivem Psychedelic Rock, lässigem Jazz, der Melodiösität von Beach Boys und Beatles und Restspuren von Metal und dem Mut zum großen Gesangspathos vermengt werden.

Eigentlich gilt alles, was man generell zum letzten "normalen" Album "Heavy Metal Fruit" sagen konnte, auch für "Still Life With Eggplant". Das Album haut in diesselbe Kerbe. Mit "Ratcatcher" ist sogar wieder ein epischer Longtrack dabei.
Allerdings sind die Gastmusikerbeiträge diesmal etwas unauffälliger, vielleicht um das Ganze gerade nach der vorangegangenen mit Bläsern, Streichern und hastenichtgesehen vollgepackten Rockoper etwas geerdeter wirken zu lassen.

"Still Life" ist wieder einmal ein dynamisches, mitreißendes, vor Ideen überschäumendes  Stück Rock'n'Roll, wie es in dieser scheinbar mühelosen Lockerheit und Coolness wohl nur Motorpsycho mal eben so raushauen können.

Ich könnte zwar gerne noch ein, zwei Songs mehr vertragen, aber wenn man bedenkt, dass das Ding ja großenteils quasi nebenbei komponiert wurde, dann ist die Laufzeit schon ok.

Darauf einen Auberginensaft! Skål!


Anspieltipps: August, Ratcatcher, Hell Part 1-3

2013-11-02

TREPONEM PAL - Survival Sounds

Eigentlich schreibe ich hier ja nur etwas zu Scheiben aus dem aktuellen Jahr, ansonsten wird mir das nämlich doch ein bisschen zu viel. Manchmal hat aber auch ein unwesentlich älteres Album eine Ausnahme verdient.
Zum Beispiel wenn es von zu Unrecht viel zu unbekannten Künstlern kommt.

Die einfachste Weise, die 1986 gegründte Band Treponem Pal zu beschreiben wäre wohl, sie einfach als die französischen Ministry zu bezeichnen, was auch vom Zeitpunkt der größten Erfolge Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre passen würde. Auch dass mit dem Riesen Marco Neves ein charismatischer Frontmann als Mastermind im Zentrum steht, passt in den Vergleich.

Ein Ministry-Klon war die Band allerdings nie, eher ein verwandter Geist. Fügt man zu gleichen Teilen noch die monumentale Macht der Swans und die schräge Gitarrenvirtuosität von Voivod hinzu, kommt man dem Sound der frühen Treponem Pal schon eher nah.
Auf "Excess & Overdrive" gesellte sich 1993 dann schon so etwas wie eine bekifft groovende Lässigkeit dazu, die den nach wie vor brutalen Grundklang geschickt konterkarierte.

Auf dem 1997 erschienenen, vorerst letzten Werk der Gruppe "Higher" änderte sich der Sound dann allerdings radikal, dominierte statt harten Industrial-Metal-Rhythmen doch über weite Strecken nun eine unwiderstehlich pumpende Bassdrum. Der Coversong "Funky Town" war programmatisch, viel Funk und Elektronik, selbst vor Reggae schreckten die Franzosen nicht zurück. Doch vor allem Dank der unverwechselbaren angegurgelten Shout-Stimme des Sängers und der charakteristischen Leadgitarren bestand nie Zweifel, um welche Band es sich handelte. Tatsächlich ist "Higher" für mich ein absoluter Alltime-Klassiker.

Das Reunions-Werk von 2008 habe ich verpasst. Und nach kurzem Reinhören in ein paar anscheinend erschreckend uninspirierte Metalrock-Tracks mit peinlichen Texten, möchte ich auch nichts nachholen.

Bis zum vergangenen Jahr sind sie aber zum Glück wieder warm geworden...
  


TREPONEM PAL - Survival Sounds (2012)

Falls sich die Band für "Survival Sounds" an ihren alten Taten orientiert hat, dann standen hier wohl sowohl die harten Midtempo-Grooves und Powerriffs von "Excess & Overdrive" und die abgründigen Kantigkeiten von "Aggravation" Pate, als auch die Elektroklänge und postiven Vibes von "Higher".

Der Refrain des Titelsongs macht diesen Mix mit der einfachen, aber durch seine gewohnt kraftvoll charismatische Darbietung effektiven Parole "All the freedom fighters are beautiful. All the freedom fighters are strong." schon von Beginn an zum Programm.

Viele Songtitel sind sprechend, so zeigen "Riot Dance", vor allem aber das großartige Doppel aus "Lowman Blues" und dem grenzgenialen "Drunk Waltz" tatsächlich auch die musikalische Richtung an. Wobei ein Treponam Pal-Blues natürlich ganz und gar nicht von der Blues-Polizei als sortenrein zugelassen würde.

"Survival Sounds" ist ein homogenes, geradeliniges Album mit eindeutigen Wurzeln im Industrial Metal und jeder Menge Drive. Nicht kompliziert, aber dafür sehr detailreich und voller unterschiedlichster Einflüsse und somit insgesamt wohl eigenständiger denn je. Treponem Pal sind one of a kind und verdienen schon dafür ein vielfaches ihrer jetzigen Aufmerksamkeit außerhalb ihres Heimatlandes.

Aus jetziger Sicht sind die "Survival Sounds" ganz klar eines meiner Lieblingsalben von 2012 und auch einer meiner aktuellen Favoriten des Meta-Genres "Autofahrmusik".
Leider ist die CD soweit ich weiß nur als Import zu haben, aber die paar französischen Euros Aufpreis sind formidable angelegt!


Anspieltipps: Subliminal Life, Survival Sounds, Drunk Waltz, Lowman Blues

2013-10-30

SWANS - Not Here / Not Now

Heute überraschte mich der Postbote mit einem Kugelschreiber. Ein nach CD ausschauender Brief aus Übersee per Einschreiben?

Ach, da war ja was... und zwar hatte ich mich am Crowdfunding für das neue, noch unbetitelte Swans-Album beteiligt, welches zur Zeit gerade aufgenommen wird. Also im Grunde habe ich den Nachfolger von "The Seer" mit vorfinanziert / vorbestellt und dafür als Belohnung schon jetzt diese exklusive Doppel-CD mit handgestempeltem / bemaltem / signiertem Coverartwork bekommen. Ein echtes Unikat also.

Aber ich habe hier natürlich nicht in Kunst als Kapitalanlage investiert, sondern möchte vor allem mächtige neue Swans-Musik hören. Und davon gibt es fast zwei volle fette Stunden...

Nr. 652 / 2000

SWANS - Not Here / Not Now (2013)

Michael Gira gehört nicht zu jenen Künstlern, die auf ihren Livekonzerten bequem zurücklehnen und ihre großen Hits von vor zwanzig Jahren verwalten.
Nein, das komplette Gegenteil ist der Fall. Ich hatte es ja selbst letztes Jahr im Kampnagel, Hamburg erlebt: Die Klassiker sind bei den Swans Vergangenheit und bleiben ungespielt. Das jeweils aktuelle Album ist vertreten, kann sich aber erheblich vom Studiomaterial unterscheiden. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf neuen Klangungetümen, die sich während der Tour von Show zu Probe zu Show mal geplant, mal spontan ändern, und erst im Studio zu ihrer endgültigen (?) Form reifen. Und dann beginnt das Spiel von vorne.

Jedes Swans-Konzert ist also anders und kann Songs, Fragmente und Kaskaden enthalten, die es in dieser Form nie wieder zu hören gibt.
"Not Here / Not Now" ist sozusagen eine Momentaufnahme auf dem Weg zum neuen Album. Die erste CD ist ein in Barcelona mitgeschnittenes, reines Live-Album, welches auf der zweiten CD mit einem dreiviertelstündigem, übermächtigen, alles regierenden Medleytrack fortgesetzt wird. Es folgt mit "Nathalie Neal" eine Konzertaufnahme aus Melbourne.
Bis dahin haben natürlich katharsischer Krach, brutal hypnotische Grooves / Anti-Grooves und was dieses faszinierende Dezibelmonster Swans sonst live so ausmacht, geherrscht.

Für die letzten beiden Stücke wird es dann aber ganz still und privat. Das charismatische und durchaus auch etwas selbstironische Meisterhirn Michael Gira sitzt alleine mit seiner Gitarre bei sich Zuhause und zeigt uns bei leicht übersteuertem Mikrofon - und während es draußen lautstark regnet - ein paar Liedansätze, die sich bis zum Album natürlich noch ganz anders entwickeln können... sehr low-fi, aber es funktioniert und unterhält erstaunlich gut.

Die Klangqualität der Konzertaufnahmen ist hingegen hervorragend. Und was für Soundmauern und Stimmungen die Band fabriziert ist ohnehin durchgehend erste Sahne. Als Livealbum ist "Not Here / Not Now" mindestens so gut wie "We Rose From Your Bed With The Sun In Our Head", wenn nicht sogar noch besser. Da kann ich mich allerdings nach jetzt knapp zwei Durchläufen noch nicht festlegen. Auf jeden Fall jedoch ist und bleibt diese Band laut, genial und in ihrer Sparte einzigartig und unerreicht.

"Not Here / Not Now" ist eine mächtiges, brilliantes Zeugnis des Swans-Schaffens und für mich zudem eine tolle Erinnerung an das Hamburg-Konzert vor fast einem Jahr, sowieso ein Quell ekstatischer Vorfreude auf das nächste Studiowerk. Meine Funding-Dollars sind definitiv in sicheren Händen.

Und für das liebevolle Do-It-Yourself-Cover muss ich mich wohl noch nach einem Ehrenplatz umsehen.
   

Anspieltipps: The Seer / Bring The Sun / Toussaint L'ouverture, Kirstin Supine (Demo), She Loves Us!

2013-10-24

THE DILLINGER ESCAPE PLAN, MAYBESHEWILL & THE HIRSCH EFFEKT live in Hamburg (23.10.2013)

Was für ein Konzert gestern im Knust!

The Dillinger Escape Plan schauten mit ihrem aktuellen Album "One Of Us Is The Killer" im Gepäck in Hamburg vorbei und hatten auch noch ein paar tolle Vorbands dabei.

Den Anfang machte das Trio The Hirsch Effekt, welches den Headliner in einer Ansage als beste Band des Universums ankündigte. Und dass DEP ein wichtiger Einfluss sein müssen, war angesichts des wilden, energiegeladenen Stilmixes auch leicht zu erkennen. Ein Klon ist die Band allerdings nicht, wofür u.a. die deutschsprachigen Indierock-Einflüsse sorgen.
Wir waren zu dritt auf dem Konzert, und um dem Zuspätkommer unserer Gruppe The Hirsch Effekt zu beschreiben, habe ich sie einfach als Kreuzung aus DEP und - Achtung, jetzt kommt's - Sportfreunde Stiller beschrieben. Mein Bruder hat dies später direkt an die Band weitergeleitet. Die haben diesen vergleich bisher noch nie gehört, hehe...   Wie auch immer - gute Band, aber doof zu beschreiben. Empfehlenswert!

Es folgten Maybeshewill, deren Texte weder deutsch noch englisch sind, da sie rein instrumentalen Post-Rock spielen. Die Stücke haben ihre verknoteten Schepperpassagen, sind zum großen Teil aber eher straight und setzen auf hypnotische Vielschichtigkeit. Bisweilen durchaus noch ausbaufähig gefiel mir der Auftritt insgesamt doch sehr gut. Könnte man beim Roadburn Festival (welches ich nächstes jahr übrigens wieder besuche - yay!) schon auf eine Nebenbühne stellen.

Bei The Dillinger Escape Plan rieselte dann mächtig der Putz von den Wänden.
Zappelphilippaction deluxe bei vollkommen irrer Geschwindigkeit unter beklopptem Stroboskopgewitter, welches zusammen mit der restlichen Epileptikerlightshow und zwei kleinen Videowalls zur absoluten Reizüberflutung beitrug. Wie vollkommen over the top die Musik von DEP in ihrer ganzen Brutalität und Komplexität ist, und wie unfassbar es ist, dieses Zeug so präzise in den Mob zu prügeln, das kann man gar nicht genug betonen.
The Dillinger Escape Plan gehört auf jeden Fall zu jenen Bands, nach denen man sein Leben in zwei Hälften teilen könnte (vor dem ersten Konzert / danach). Sehr beeindruckend!
Songs muss man zum Livegenuss nicht zwingend kennen, aber es hilft, weswegen ich auch froh war, dass die mir bekannten Scheiben "One Of Us Is The Killer" und "Ire Works" gut im Set vertreten waren. Und die Zugabe "Come To Daddy" von Aphex Twin war natürlich auch ein Knaller.
Actionhöhepunkt des Auftritts war, als der ohnehin ständig auf allen möglichen Boxen rumspringende Gitarrist sich plötzlich an die mit Stahlseilen an der Decke befestigte PA schwang (welche in Folge noch mehrere Songs brauchte, um wieder ganz still zu hängen), um so mit den Füßen auf das Treppengeländer zur Empore zu kommen, auf dieser ein paar Schritte hochzulaufen und sich auf halber Strecke über den Köpfen des Publikums auf einer Traverse einzunisten. Das sah einigermaßen spektakulär aus, war für den Kerl aber vermutlich nur eine leichte Fingerübung, wenn man diversen Livefotos und Videos mal glauben schenken mag...

Geniales Konzert, super Bandpackage, Sound durchweg gut, Eintrittspreis moderat - mehr kann man nicht verlangen. Gerne wieder auf der nächsten Tour!

2013-10-21

THE DILLINGER ESCAPE PLAN - One Of Us Is The Killer

Einer von uns ist das Spielkind!

Warum zum Dillinger hatte ich noch nie vorher eine CD mit Cover zum Freirubbeln? Das ist sooo toll!
Zumindest bis zu dem Punkt, an dem lauter kleine graue Fetzen von der Rubbelschicht übrig sind und das Geschabe nur noch nervt. Aber nachdem man die allerletzten Reste mit dem Daumen abgeschmiert hat, erstrahlt das Cover in seiner ganzen poetisch bunten Kraft und es hat sich irgendwie doch gelohnt.

Man kann sich das ganze Theater allerdings auch sparen und die CD einfach so aus dem Schuber holen. Das halte ich persönlich aber für geschummelt.


Oder man besorgt sich halt die normale Version von "One Of Us Is The Killer", verzichtet damit aber auch auf zwei Bonustracks. Womit wir dann aber auch schon bei der Musik wären...



THE DILLINGER ESCAPE PLAN - One Of Us Is The Killer (Special Limited Edition) (2013)

Per Definition spielt das 1997 gegründete US-Quintett ja Mathcore. Diesen Stil muss man sich in der Theorie so vorstellen, wie wenn man in einem Free Fall Tower parallel die Grundlagen der Relativitätstheorie und das Telefonbuch von Tokio paukt, während der Sitznachbar einem in die Fresse haut und man von einer Tennisballwurfmaschine mit Backsteinen beschossen wird.

In der Praxis auf "One Of Us Is The Killer" trifft das alles zwar auch irgendwie zu, doch da ist noch viel mehr. Denn abgesehen von ein paar Überschallpassagen und dem Kopfrechner "CH 375 268 277 ARS" regiert hier nicht nur der tollwütige Physikprofessor. Bei allem Irrwitz bleibt es (für Hörer mit entsprechend hartwurstiger musikalischer Sozialisation natürlich) erstaunlich zugänglich, was zum einen daran liegt, dass alle hier vertonten Weltformeln einen nicht in Ehrfurcht erstarren lassen, sondern stets schön brutal abgehen und zum Nackenschütteln einladen. Und zum anderen stecken doch enorm viele - bisweilen sogar regelrecht poppige - Ohrwürmer auf diesem Album, wofür besonders der mühelos zwischen extremem Aggrogeschrei und sanftem Falsett pendelnde Sänger Greg Puciato einen großen Teil der Verantwortung trägt.

Von der musikalischen Diversität her finde ich bei diesem Härtegrad das letzte Werk "Utilitarian" von Napalm Death vergleichbar, auch wenn das stilistisch eine andere Baustelle ist.
Wer allerdings sowohl auf Barney & Co. als auch auf die härteren Sachen von Faith No More bzw. die unzähligen abgründigen Projekte von Mike Patton (z.B. Fantomas) steht, für den sind The Dillinger Escape Plan genau das richtige!
Und der im Vergleich zum restlichen Album zwar schon fast konventionelle, hitverdächtige Titelsong taugt mit seinen Melodien sogar, um sich zu trösten, dass es The Mars Volta nicht mehr gibt.
Bei Abspielen nach Zeitpunkt des Hinzufügens hatte ich dieses Album übrigens neulich auf meinem Player in direkter Nachbarschaft zu Voltas "Deloused In The Comatorium" und das ergänzte sich ganz wunderbar.


Als Bonustracks der Special Edition gibt es obendrauf einen gelungenen Remix des Titeltracks, sowie eine Demoversion von "Nothing's Funny", die dem Album allerdings nichts essentielles mehr hinzufügt.

"One Of Us Is The Killer" ist ganz gewaltiges Handgranatentennis, eine dynamische, jazzig fluffige bis verstörend brutale, technisch brilliante Scheibe, die einen in dieser Form wohl keine andere Band kredenzen könnte. Ein Meisterwerk der extremen Moderne.


Anspieltipps: One Of Us Is The Killer, Paranoia Shields, When I Lost My Bet, Nothing's Funny, One Of Us Is The Killer (Easy Girl Remix)

2013-10-14

DIE ÄRZTE - Die Nacht der Dämonen LIVE

Huuuuuuuuuuuuhhh........

Gruselig.

Aber egal, ich trau mich jetzt trotzdem ein paar Worte zum dämooohohoonischen neuen Livevideo von Die Ärzte zu schreiben. Unter den zehn Zwanzigstellionen Versionen habe ich mich für die Bluuuuhhuuuu Ray Deluxe Edition entschieden.


DIE ÄRZTE - Die Nacht der Dämonen LIVE (Blu Ray Deluxe Edition) (2013)

Diese Box enthält eigentlich für jeden etwas:
  • für Epileptiker ein aus zwei Shows in Berlin und einer in Frankfurt mit vielen schnellen Schnitten und Splitscreens zusammengebasteltes Konzert der Besten Band der Welt auf Blu Ray
  • für Rentner eines der Berlin-Konzerte mit herkömmlicherer Bildregie
  • für Blinde der komplette Spaß in mp3-Form auf einem USB-Stick
  • für Mädchen den Bonustrack "WAMMW" vom sagenumwoben sensiblen XX-Konzert
  • für Jungs eine explosive Version von "Omaboy" vom testosterondurchtränkten XY-Konzert
  • für Musikhistoriker verblüffendes Material von hinter den Kulissen
  • für Literaten ein paar Postkarten
  • für Leseratten ein dickes Booklet mit den Texten aller 47(!) Songs, in der Form wie Sie live gesungen wurden (vgl. auch Die Fantastischen Vier - "Unplugged II")
  • für Gitarristen zwei Plektren
  • für Drummer ein halber Drumstick (Hey, ist da nicht irgendwas ungerecht?)
  • für Trinker ein Flaschenöffner am Ende dieses Drumsticks
  • für VIP-Hochstapler ein Halsband mit wichtig wirkendem Ausweis
Musik wisst ihr ja: Knallharter Dubstep bis Ambient Noise, todernst und ohne die geringste Interaktion mit dem Publikum. Aber dafür lieben wir sie ja.

Die Setlist ist ähnlich wie auf den Ärztivals im August, aber noch etwas umfangreicher.
In Bremen gab es deutlich mehr Titten, aber das ist ok, für blanke Brüste gibt es ja auch extra dieses Internet.

Insgesamt ein tolles Ding, nur Farin Urlaubs Gitarrenanlage hätte konsequenterweise noch ein, zweimal mehr ausfallen können.

Anspieltipps: Cpt. Metal, Sohn der Leere, Junge, Omaboy, TCR / Westerland, Tittenmaus, Fiasko, Rebell, Anti-Zombie, Wir sind die Besten, Punkbabies

2013-10-11

DREAM THEATER - Dream Theater

Klar, nach 4 x Mike Portnoy (The Winery Dogs Album und live, Neal Morse und PSMS) sowie der aktuellen Soloscheibe von James LaBrie muss in meinem Rezensionsreigen jetzt natürlich der selbstbetitelte Kreativauswurf von James' Haupt- und Mikes Ex-Band folgen:



DREAM THEATER - Dream Theater (Deluxe Edition) (2013)

Nein, die Herren Petrucci, Rudess, Myung, Mangini und LaBrie haben es mir diesmal nicht leicht gemacht.

Zunächst einmal ist da der Verzicht auf einen Albumtitel, der angesichts der wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit anhaltenden "Where is MP?"-Heulerei natürlich auch als psychologisches Muskelspiel gesehen werden muss: Jetzt, nach elf Studioalben machen wir ohne den Ex unser ultimatives Album, welches keine weitere Erklärung braucht.
Das finde ich schon ballsy und nachvollziehbar, aber die dadurch generierte Erwartungshaltung kann bei einem derart mächtigen Backkatalog zunächst einmal nur enttäuscht werden.
So geschah es dann auch bei den beiden vorab veröffentlichten Stücken "The Enemy Inside" (geil, aber sooo geil wie erhofft?) und "Along For The Ride" (ach, schon wieder so eine Petrucci-Ballade).

Dazu ein Cover, das mich in der Vorschau irgendwie an eine Anzeige für Autos höherer Preisklasse erinnerte.

Als ich das Ding dann allerdings real in den Fingern hielt, wirkte das Artwork zum Glück u.a. durch den Prägedruck doch wie ein edles, minimalistisches Albumcover. Im All mit der Erde im Hintergrund befinden wir uns quasi eine Stufe höher als auf dem Titelbild des Vorgängeralbums "A Dramatic Turn Of Events". Ob diese Beobachtung wohl auf die Musik übertragbar ist?
So reduziert das Cover, so detailreich präsentiert sich das Innenartwork, welches in einigen Bildern sehr deutlich das Kino-Motiv behandelt, welchem der Bandname ja bekanntlich zugrunde liegt. Optisch gewinnt die Selbstbetitelung des Albums so schon sehr an Sinn. Wie sieht es hier musikalisch aus?


Bevor ich diese Fragen für mich beantworten konnte, hat es ein paar zunächst skeptische Durchläufe gebraucht, um mich auf "Dream Theater" überhaupt erstmal zu orientieren.
Inzwischen - soviel sei schon verraten - gefällt mir das gesamte Werk von vorne bis hinten. Und es wächst und wächst weiter bei jedem Hören.

Tatsächlich knüpft die Scheibe so ziemlich in jeder Beziehung an den Vorgänger an, setzt aber durchaus noch einige Sahnetupfer obendrauf.
So ist der stilistische Mix ähnlich ausgewogen angelegt, fühlt sich aber noch etwas flüssiger an. Die Emphase liegt dabei auf den Melodien, auf John Petruccis Leadgitarre, Jordan Ruddess' Klavier- und Orchestersounds, James LaBries Stimme.
Die Frickelei wird dabei nicht vernachlässigt, ordnet sich aber stets dem Song unter. Auf den Alben von "Six Degrees Of Inner Turbulence" bis "Black Clouds & Silver Linings" gab es ja  doch immer wieder diese aneinandergerifften Achterbahn-Angeberpassagen in den Longtracks, die mir bei aller Bewunderung oft ein wenig beliebig und unwesentlich für den Song vorkamen.
Hier dienen sie hingegen meistens als Grundlage für Soli und fügen sich perfekt in die Stücke ein.

Ebenfalls perfekt in den Gesamtsound eingefügt hat sich erneut Mike Mangini. Für manche Hörer vielleicht zu perfekt, da sich viele technische Feinheiten und Hexereien seines Spiels erst nach mehrmaligem Hören eröffnen und man sich zunächst fragt, wo der große Wahnsinn, der uns beim ersten Album, an dem er auch mitkomponiert hat, in Interviews versprochen wurde, denn bleibt.
Portnoys Stil (zumindest bei Dream Theater) war ja immer sehr dominant, hat die Band aber auch oft ein wenig in ein Korsett geschnürt.

Mangini hingegen drängt sich dem Hörer trotz Vorsprung in Technik und Tempo weniger auf, weil er dabei einfach noch mehr mit dem restlichen Instrumentarium verschmilzt. Die Rhythmussektion aus Drums und Bass ist in dieser Phase der Bandgeschichte so gleichberechtigt wie nie zuvor. John Myung ist auf "Dream Theater" wieder hervorragend produziert und hat zahlreiche Spotlights. Keine "Metropolis"-Soli, aber viel rhythmisches und röhrendes Powerplay mit überraschend mächtigem Wumms, welches einige der auffälligsten Momente des Albums markiert.


"Dream Theater" beginnt gleich sehr bombastisch und breitwandig mit der instrumentalen "False Awakening Suite", welche es trotz drei Teilen tatsächlich nur auf unter drei Minuten Spielzeit bringt. Sie ist allerdings auch nicht nur als Albumauftakt, sondern ebenso als Aufmarschmusik für zukünftige Touren konzipiert. Und acht Minuten Konserve, bevor die Band endlich auf die Bühne kommt, würde natürlich schon an Fan-Quälerei grenzen.

Die nachfolgenden sieben Tracks sind ebenfalls allesamt mit 4:45 bis 6:52 Minuten für DT-Verhältnisse relativ kurz gehalten, und es steht ihnen ausgesprochen gut, da so wirklich keine Längen auftreten.
Mit dem vierten Stück "Enigma Machine" ist ein weiteres Instrumentalstück vertreten. Schön, dass diese alte Tradition wieder aufgegriffen wurde, denn diese Maschine hört sich sehr frisch an und gefällt mir außerordentlich gut.
Nach drei weiteren sehr epischen, sich zu immer höhrer Klasse steigernden Stücken folgt die von mir eingangs leicht gescholtene Ballade "Along For The Ride", die ich im Zusammenhang nun schätzen gelernt habe. Außerdem ist das von der Soundauswahl mutig herausstechende Keyboardsolo ein ganz wunderbarer Farbtupfer.

Der größte Auftritt von Jordan Rudess folgt allerdings erst im letzten Song, der über zwanzigminütigen "Illumination Theory". Mittendrin schrumpft dieser Progmetalkracher nämlich plötzlich zusammen und erhebt sich minutenlang als lupenreiner, ergreifender Filmscore aus Keyboards und Streicherensemble. Also wirklich original als säße man gerade in einem Blockbuster! Und was danach erst passiert, wenn die ganze Band zurückkehr, vor allem der Gesang... wow!
Der Song endet ungewöhnlich mit einer sehr langen Pause, nach der ein klaviergetragenes Thema einsetzt, welches auch gut auf das diesjährige Solowerk von Steven Wilson gepasst hätte.
Auf den meisten anderen Tonträgern hätte ich dies wohl als "Hidden Track" gewertet, doch hier gehört es für mich als Abspann und Einrahmung des Albums unbedingt dazu.


Eine beeindruckende Demonstration von allem was Dream Theater songwriterisch und technisch draufhaben ist vorbei und man kann nur mit den Klischeeworten "ganz großes Kino" schließen.
Es ist allerdings keine hintersinnfreie Actionschlacht, sondern muss sich vom Hörer evtl. schon ein wenig erarbeitet werden. Und das lohnt sich!


Die Deluxe Edition enthält das ganze Album noch einmal auf DVD im 5.1-Surround-Mix, falls Stereo einen mal langweilen sollte. Auch sehr schön!

Und weitere Extras...  hrrmmppff....  ich möchte mich ja nicht noch einmal so über Online-Bonuscontent echauffieren, wie es im Review zum letzten Studioalbum von Iron Maiden getan habe.
Wer weiß, welche große Rolle das Handy (Smartphone? Was ist das?) in meinem Leben spielt, der mag vielleicht ahnen, wie brutal gleichgültig meine Schulter zuckt, wenn ich genötigt werde, in einem CD-Booklet folgendes zu lesen: "Scan the Code with Your SmartPhone and Register to Unlock Exclusive Bonus Content."

Ach nö, mir reicht die Musik.



Anspieltipps: Illumination Theory, Enigma Machine, Surrender To Reason, The Enemy Inside

2013-09-15

PSMS - Live in Tokyo (Blu Ray)

Und noch einmal Mike Portnoy! Und dazu ebenfalls schon wieder Billy Sheehan.

Das hatten wir doch neulich schonmal, sowohl live als auch auf Platte. Musikalisch ist diese Live-Blu Ray (auch als DVD und Audio-CD erhältlich) allerdings eine ganz andere Geschichte als die Winery Dogs.

Achtung, Musiknerd-Alarm!


PORTNOY SHEEHAN MCALPINE SHERINIAN - Live in Tokyo (2013)

Wie der "Name" - Amazon kann sich nicht einmal intern entscheiden, ob man das Ding abgekürzt oder nur unter "Portnoy" verkaufen möchte -  schon vermuten lässt, handelt es sich hier um ein klassisches Supermusikertreffen, bei dem alle Beteiligten ordentlich angeben dürfen.

Ursprünglich hatte Mike Portnoy die Gruppe als einmalige Geschichte für ein Drummer-Event zusammengestellt, aber als man merkte, dass es gut lief, wurde noch eine Europa- und Asientour dazugebucht. Davon, dass diese abseits der Bühne vollkommen chaotisch und voller Spinal Tap-Momente verlaufen sein soll, wie die Beteiligten es im "Behind The Scenes" erzählen, merkt man der in Japan aufgezeichneten Performance zum Glück nichts an.

Portnoy, Sheehan, Ex-Dream Theater-Keyboarder Derek Sherian und der zum Teil achtsaitig aufspielende Supergitarrist der Steve Vai-Schule Tony MacAlpine virtuosieren sich bis auf die Zugabe "Shy Boy" instrumental durch einen bunten Katalog von Stücken ihrer Bands, Solokarrieren und Kooperationen. Derek Sherinian, Talas, Liquid Tension Experiment, Dream Theater, Tony McAlpine, Billy Cobham und Jeff Beck heißen also die Originalinterpreten.

Das Ganze ist natürlich insbesondere für Musikpolizei ein Fest, klingt einwandfrei und wurde auch sehr schön abgefilmt. Ein feines Dokument spielfreudiger Progfrickelei!


Anspieltipps: Apocalypse 1470 B.C., Lines In The Sand, Billy Sheehan Bass Solo, Shy Boy

Minox C - Die Kleinstbild-Spionageknipse

Hatte ich irgendwann mal versprochen, ein Review zur Belair zu verfassen? Sorry, das muss noch ein wenig warten...

Stattdessen sei hier kurz eine historische Kamera eingeschoben, über die ich zwar nun keinen ausführlichen Text schreiben möchte, die aber doch so ausgefallen ist, dass sie einer Erwähnung hier im Blog würdig ist:

Die Minox C.


Wie man sieht, ist das Ding sehr handlich. Neulich am Einlass vom Ärztival ist es den Ordnern in meiner Hosentasche noch nicht einmal aufgefallen. Eine echte Agentenkamera, die während des Kalten Krieges tatsächlich benutzt wurde, um z.B. Dokumente abzufotografieren.

Ein belichteter Farbfilm war in meiner Kamera noch drin.
Insgeheim hatte ich natürlich gehofft, darauf kurz vor der Wahl noch kompromittierendes Material über Frau Dr. Mutti zu finden, doch leider war auf dem überalterten und zusammenklebenden Film nichts mehr zu erkennen und er reichte nur für etwas abstrakte Scan-Kunst...


Mit meinem ersten eigenen Film, einem für das winzige 8x11-Millimeter-Format umkonfektionierten Ilford Delta 100, war ich zum Glück etwas erfolgreicher.
Leider ist aber auch hier nur etwa ein Drittel der Fotos etwas geworden, da ich nicht wusste, dass die manuellen Verschlusszeiten nicht mehr funktionieren, man also nur noch im Automatik-Modus fotografieren kann.


Hier ein paar Resultate in größer:

Available-Light-Test mit exzentrischem Filmanfang

Gestrypp-Close-Up

Schattenspiele

Self mit Ärztival-Reisegruppe in Bremen
(mein persönliches Lieblingsbild)

BelaFarinRod live

Das berüchtigte itzehoer Millionengrab-Parkhaus

Mehr Fotos gibt es in diesem Flickr-Album zu sehen!

Das Scannen ist zwar nicht ganz einfach, aber die Handhabung der Kamera ist schon irgendwie witzig. Von daher wird dies nicht mein letzter Minox-Film gewesen sein.

Da dieser Miniaturfilm aber nur sporadisch hergestellt wird, kann es aber durchaus noch eine Weile dauern, bis ich überhaupt in der Lage bin, weiter in die Welt der Fotospione einzutauchen.

NEAL MORSE - Live Momentum (Five Disc Set)

Noch knapp eine Woche bis zur neuen Dream Theater und ich hatte ja neulich im James LaBrie-Review schon angekündigt, vorher noch einige Veröffentlichungen aus der DT-Familie hier durchgehen zu wollen. Und da macht natürlich der Ex-Drummer Mike Portnoy am meisten Arbeit (und das, obwohl ich weit davon entfernt bin, Komplettist zu sein).

Nach dessen Debüt mit der neuen Gruppe The Winery Dogs folgte vor ein paar Tagen das dazugehörige Liveerlebnis in Hamburg, für mich bisher das Konzert des Jahres.
Den zweiten Platz Zwei in meinem diesjährigen Live-Ranking belegt ebenfalls Herr Portnoy, diesmal in Diensten von Neal Morse. Kurz nach dem 25. Februar in der Markthalle habe ich mir dann auch das zur Tour passende Bild- und Tondokument besorgt:



NEAL MORSE - Live Momentum (Five Disc Set) (2013)

Wie von InsideOut gewohnt, wird bei Live-Veröffentlichungen nicht gekleckert, und so kommt "Live Momentum" als Digipack mit drei CDs und zwei DVDs. Diese enthalten neben dem Konzert noch eine ausführliche Tourdoku, die man sich als Fan zumindest einmal gut anschauen kann.

Die Musiker und die Basis des hier festgehaltenen Sets sind die selben wie in Hamburg, von daher spare ich mir hier faulerweise auch, alles zu wiederholen. Anders als in Europa spielte Meister Morse auf seiner Amerika-Tour zu "Momentum" allerdings ohne Support, so dass das Programm entsprechend länger ausfiel. Dreizehn Songs und satte einhundertundfünfundsechzig Minuten lang, um genau zu sein. Freunde des von Morse / Portnoy gelebten Mehr ist mehr werden also fürstlich bedient.

Epische Songs, griffige Melodien, musikalische Virtuosität, hervorragende Harmoniegesänge, Spielspaß ohne Ende - für Progfans bleiben hier keine Wünsche offen. Einzig die vom Schlagzeuger gesungene (und dafür vom Chef betrommelte) The Osmonds-Coverversion "Crazy Horses" fällt hier ein wenig aus dem Niveau-Rahmen. Zum Glück macht der Soli-Teil im anschließenden "Sing It High" diesen kleinen Aussetzer schnell wieder vergessen.

Als Atheist muss man sich vielleicht zunächst etwas an den dezenten religiösen Unterton gewöhnen, aber das Thema möchte ich nicht schon wieder aufwärmen. Schließlich ist Neal einer von den Guten. Und ich habe im Review zum 2010er Livealbum "So Many Roads" auch schon alles wesentliche diesbezüglich gesagt.

Ich bin von "Live Momentum" wunschlos begeistert und kann das Album/Video auch als Einstieg in das Werk des Künstlers nur bedenkenlos empfehlen.
  

Anspieltipps: Author Of Confusion, World Without End, The Conflict, Momentum, Sing It High

2013-09-11

THE WINERY DOGS live in Hamburg, 10.09.2013

Ohrwurm frisst Ohrwurm frisst Ohrwurm frisst Ohrwurm... Was für ein phänomenales Konzert das gestern im Knust war!

Zunächst einmal begann der Konzertabend ja etwas enttäuschend, da es die deutsche Nationalelf leider nicht schaffte, noch vor neun Uhr das Runde ins färöer Eckige zu befördern.

Auf der Bühne lief es dann aber zum Glück besser. Angetrieben von einem funky Vollbartbassisten und einem wildem Drummer im rosa Ron-Burgundy-Shirt legte dort die fünfköpfige Gruppe The SixxiS einen eigenwilligen, modernen Progrock mit Powermetaleinschlag aufs Parkett, zu dem mir jetzt so gar nicht die passende Referenz einfallen möchte. Aber für Hörproben gibt es ja jetzt dieses Interdings! Auf jeden Fall schon nicht schlecht.


Was um kurz nach zehn geschah, als die Herren Richie Kotzen, Billie Sheehan und Mike Portnoy die Bühne betraten, war allerdings noch eine ganz andere Liga.

Alles, was die The Winery Dogs auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum versprochen hatten, das wurde in ihrem fast zweistündigen mehr als nur eingelöst.
Zu hören gab es alle 13 Songs Albumtitel inkl. verlängerter Passagen plus japanischer Bonustrack plus vier Cover- bzw. Kotzen-Stücke plus ein erstaunlich kurz gehaltenes Drumsolo und ein vollkommen irrwitziges Bass-Solo.

Wenn es zwischen den drei Akteuren eine Zuständigkeitenaufteilung gibt, dann ist ohnehin der Wahnsinn Billy Sheehans Domäne. Wie scheinbar vierhändig dieser Verrückte Bass spielt und was für Laute er dem Instrument entlockt, das gibt es kein zweites Mal und wäre alleine schon hervorragendes Entertainment.

Mike Portnoy ist hier erstaunlicherweise weniger der Klassenclown, sondern schon eher die Stimme der Vernunft, die alles zusammenhält, während Richie Kotzen mit seinem starken Jimi-Hendrix-Einschlag im Gitarrenspiel und dieser überragenden rockigbluesigsouligfunkigen Stimme ganz klar das emotionale Zentrum, die Seele des Trios darstellt.
Sein Gesang wird ja oft mit dem Chris Cornells verglichen, und auf YouTube laufen unsinnige Schlagabtausche, wer denn besser ist. Als ich auf der Rückfahrt nach einer Weile das Radio einschaltete, lief gerade "Blackhole Sun". Ich würde mich klar für Herrn Kotzen entscheiden.

Das ganze Auftreten der Winery Dogs ist ungemein souverän, versatil und powervoll. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass sich da eine seit Ewigkeiten etablierte Band mit einem Programm voller Klassiker mit einer intimen Clubtour eine Pause von den ganz großen Bühnen nimmt.

Band sollte man in diesem Zusammenhang vielleicht auch betonen, da man ja gerade von Mike Portnoy rekordverdächtiges Multitasking zwischen verschiedenen - stets hochklassigen - Projekten gewohnt ist.

The Winery Dogs sind nun jedoch seine vollwertige, hauptberufliche Gruppe. Und das muss er uns nicht sagen, das spürt man einfach an der Energie und Chemie auf der Bühne. Spricht man von Powerrock-Trios, so führt an diesen drei Meistern ihres Fachs in Zukunft kein Weg vorbei.

Für mich bisher ohne Zweifel das Konzert des Jahres. Mehr davon bitte!



2013-08-31

Wacken 2013 - Fotos

So, gerade noch rechtzeitig im August ist endlich der eine Film entwickelt, den ich in meiner Pinguin-Plastikkamera über das Wacken Open Air-Wochenende  verschossen habe!'

(Sorry Belle Starr, ich weiß dass ich eigentlich versprochen hatte, Dich auch mitzunehmen... nächstes Jahr bestimmt!)


Hier sind nun die Fotos vom Film, die ich nicht zeigen möchte, weil sie mir zu schlecht, unscharf oder unwichtig sind:








 

Die Bilder, die ich gerne zeigen möchte, enthalten u.a. einen weiteren Beweis für Jan Delays tatsächliche Anwesenheit ...


 ... die Aufklärung, was eure Töchter in Wacken wirklich getan haben ...


... und reichlich Gegenlicht für alle!



Zu sehen gibt es das komplette Album HIER AUF FLICKR!





Sommer, Sonne, Stadtpark - Ron Hank live (30.08.2013)

Ron Hank, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Helge Schneider, der halt besser als Name geeignet ist, wenn man als "Helge Schneider" auftreten möchte, hat zu seinem 58sten Geburtstag in Hamburg aufgespielt und es gab wie erwartet wieder eine volle Ladung quälend amüsanter Jazzclownerei.

Die Band war großenteils eine andere als letztes Jahr - als besonderes Highlight war Peter "Der Nasenmann" Thoms an den Percussions mit dabei - und es war natürlich etwas weniger Best-of-Programm, da Ron ja mit "Sommer, Sonne, Kaktus" diesmal auch ein aktuelles Studioalbum im Gepäck hatte, von dem einige Stücke vertreten waren, u.a. gleich zu Beginn die großartige Sprachfehlerversion von "Mister Bojangles".

Mit etwas weniger ausschweifenden Erzählungen wäre vielleicht auch Platz für zwei Lieder mehr gewesen, aber die zähen Unsinnspassagen gehören nunmal ebenso wie der traditionsbewusste Jazz zu einem Ron-Hank-Konzert dazu.

Kurz und bündig: Es war wieder große Klasse!

Einzige Minuspunkte: Dieser besoffene Teenager, der im zweiten Block ausgerechnet hinter mir sein gesamtes Umfeld nerven musste und das sehr stille Wetter, welches in den Pausen immer wieder das stumpfe Umpfumpfumpfumpfumpf der Malleschlagerparty auf der anderen Seite des Stadtparks hinüberschallen ließ.

Ansonsten genügt es wohl zu sagen, was der Meister den anwesenden Journalisten in die Notizblöcke diktiert hat:

"Helge Schneider im Stadtpark. Es war sehr schön."

2013-08-26

DIE ÄRZTE / ÄRZTIVAL Bremen (live am 24. August 2013)

Lang lang war mein letztes DIE ÄRZTE-Konzert her... die Tour zur "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" war das, für die Älteren, die sich noch dran erinnern. ;)

Es war also allerhöchste Zeit, die beste Band der Welt mal wieder bei dem zu beobachten, was sie am besten kann, auch wenn dies eine zweistündige Autofahrt nach Bremen zum sogenannten "Ärztival" auf der Bürgerweide bedeutete.

Da wir noch ein zuviel gekauftes Ticket loswerden mussten, waren wir pünktlich zum Einlass dort.

Die erste Band des Abends sahen wir jedoch trotzdem nicht, weil wir Hunger hatten und uns gegen Festivalfraß und für bremer Lokalkolorit entschieden. Die nächsten Restaurants hatten noch nicht geöffnet oder Urlaub, also landeten wir bei einem Imbisswagen am Supermarkt, der uns zunächst mit seinem nicht gerade rasanten Zubereitungstempo, dann allerdings tatsächlich mit einer großzügig portionierten 1A-Currywurst mit sehr leckeren Pommes überraschte. Und eine Bonuswurst, die unsere Vierergruppe sich teilen konnte, gab es noch obendrauf! Kulinarisch war der Tag so schonmal ein voller Erfolg.

Musikalisch ging es dann auf dem Festivalgelände, das wir zum Glück betreten durften, weil wir keine verbotenen Gegenstände wie professionelle Kameras, Pyrotechnik oder Nazis dabei hatten, in die Punk-Zeitmaschine. Diese führte uns zum 28. Februar 1996. Da hatten wir die UK Subs nämlich zuletzt bei uns um die Ecke im "High Noon" in Schenefeld gesehen. Und damals gab es die Gruppe auch schon zwanzig Jahre. Echter Blaupausen-Punk also. Irgendwie ganz cool, aber doch noch weit vom Misfits/Danzig-Konzert neulich in Wacken entfernt. Zu lange durfte der Auftritt nicht werden, und das tat er auch nicht.

Apropos Wacken: Sönke und ich haben festgestellt, dass es für uns ein ziemlich absurdes Gefühl ist, aufgrund unserer T-Shirts mit "Ey geil, Du warst ja Wacken!" angesprochen zu werden. Als ob das etwas besonderes wäre... Hier in der Gegend vergeht schließlich kaum ein Tag, an dem man nicht Leute wirklich aller Altersschichten mit  Fan- oder Crew-Shirts vom kleinen Jazzfest um die Ecke sieht.

Aber zurück nach Bremen: Dort enterten vier bezaubernde Norwegerinnen zu fünft* die Bühne, spielten und tauschten wie blöde einen Riesenhaufen Instrumente (Bass-Balalaika, Banjo, Keyboard, Drums, Trompete usw.) und fabrizierten dabei einen sehr unterhaltsamen Mix aus Country, Polka und allen anderen Folkmusikarten, Punk, Pop und Rockibilly und wasweißich, gekrönt von tollem mehrstimmigen Gesang. Tolle Gute-Laune Musik, stellenweise ganz schön überdreht vorgetragen. Name: Katzenjammer
Merken!

(*eine ziemlich schwanger, "Yes, so I had sex.")


Schon um halb neun - Open Airs mitten in der Stadt müssen ja zeitig Schluss machen - wurde es dann Zeit für die Gastgeber des Abends. Die Ärzte betraten eine von aufblasbaren Gwendolines gesäumte, unterhaltungselektronisch perfekt ausgestattete Bühne (= tolle Light- und Leinwandshow) und taten genau das, was alle von ihnen erwarteten. Außer "Cpt. Metal" zu spielen leider. Naja, als Trost gab es jedenfalls "Dauerwelle vs. Minipli".

Ansonsten bot das Set aber eine gute Mischung aus alt und neu, ohne-geht-nicht und kleinen Überraschungen. Insgesamt waren es beinahe drei Dutzend Songs, inklusive spezieller Arrangements, sogar ein paar Rockstar-Soli und *ähem* Jazzeinlagen und der üblichen niveautechnischen Grenzwertunterschreitungen. FarinBelaRod waren super drauf, die weiblichen Fans sehr brustentblößungsfreudig, Sound und Wetter stimmten auch...  was will man mehr?

Es gibt doch nichts besseres zu tun, als sich Die Ärzte anzuschauen!


Setlist:

  1. Wie es geht
  2. 2000 Mädchen
  3. Bettmagnet
  4. Hurra
  5. Tamagotchi
  6. Lasse redn
  7. Ist das noch Punkrock?
  8. Geld
  9. Deine Schuld
  10. Perfekt
  11. Waldspaziergang mit Folgen
  12. Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas!
  13. Lied vom Scheitern
  14. Wir sind die Besten
  15. Heulerei
  16. Sohn der Leere
  17. Anti-Zombie
  18. Das finde ich gut...  1/2 Lovesong
  19. ZeiDverschwÄndung
  20. Westerland
  21. Fiasko
  22. Ignorama
  23. Schrei nach Liebe
  24. Unrockbar
  25. Der Graf
  26. Rebell
  27. Junge
  28. Himmelblau
  29. Alleine in der Nacht
  30. Sweet Sweet Gwendoline
  31. TCR
  32. Zu spät
  33. Dauerwelle vs. Minipli
  34. Gute Nacht