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2014-08-09

Wacken 2014 - Helene, hol die Hupen raus!

Es ist der erste Sonntag im August, Zeit für die alljährlichen Eindrücke eines Heimschläfers vom größten Metalfest der Welt. Und wie jedes Jahr ist dieser Heimschläfer so kaputt, dass dieser Bericht garantiert nicht noch an diesem Sonntag, sondern erst... ich sage mal einen Sonntag Samstag später fertig sein wird.


Und genau wie sich auf dem Wacken Open Air viele Dinge jedes Jahr wiederholen, so dürfte dem Stammleser der Berichte der letzten Jahre hier auch schon einiges bekannt vorkommen, z.B. die Einführung mit ein paar Worten zum Wetter, die ewig gleiche Kritik am Booking (aber hey, wenn sich das Problem sich nunmal nicht ändert!) und am Ende das doch eindeutig positive Fazit. Und was sonst noch dazwischen passt, das muss sich zeigen.

Fotogesabbel lasse allerdings diesmal aus, da ich außer ein wenig trashiger Digitalknipserei mit der Digital Harinezumi 3.0 kaum etwas in die Richtung angestellt habe.


Das Wetter war ähnlich wie letztes Mal, nur noch sonniger und noch trockener. Und da auch wieder ein leichtes Windchen wehte, war es - vor allem an den Hauptdurchgangszonen oder bei viel Action vor der Bühne - sehr sehr staubig. Am extremsten war dies am Mittwoch, als fast über dem ganzen Gelände eine gut drei Meter hohe Dreckglocke hing. Ja, man kann sich auch ohne extreme heavy fucking Matsche bis in die tiefsten Poren einsauen! Wahrscheinlich dauert es auch noch ein paar Duschen, bis ich mich wieder wirklich sauber fühle.

Doch diesen Preis zahlt man für ansonsten perfektes Open-Air-Wetter natürlich gerne.

Keinen Preis musste man hingegen zahlen, um sich neben den üblichen Getränken mit reinem Trinkwasser zu versorgen, für das es diverse Versorgungsstellen gab. Das ist nun grundsätzlich nicht neu, aber da sich in der Full Metal Bag neben dem dieses Jahr unbenutzten Regencape diesmal auch ein Wasserschlauch befand, war man natürlich eher in der Lage, diese Möglichkeit zu nutzen. Sehr gute Idee!

In der Umsetzung muss ich allerdings bemängeln, dass mir die Halterung dieses Dings schnell kaputtgerissen ist. Deswegen bin ich Donnerstag dann auch auf das altbewährte 1-Liter-Tetrapack in der Cargotasche meiner Hose umgestiegen, nur um dieses dann am Eingang wegschmeißen zu müssen, weil man neuerdings gar keine Fremdgetränke mehr mitnehmen darf. Das hat mich zunächst einmal natürlich tierisch geärgert, da ich für Donnerstag nun doch komplett auf bezahlte Getränke zum Festivaltarif angewiesen war. Freitag und Samstag habe ich meinen beschädigten Wasserbehälter dann einfach in der Full Metal Bag transportiert.

Im Nachhinein sehe ich allerdings ein, dass die Mitbring-Regelung nun zumindest eindeutig ist. Aber Himmel - macht doch eine zusätzliche Gummiringverstärkung in diesen Wasserbeutel! Ein Karabinerhaken aus Metall war im Budget ja schließlich auch drin.
Und außerdem... ja, ich weiß, es ist Wacken und es ist Metal, aber schwarz ist vielleicht nicht die ideale Farbe, wenn das Wasser eine Weile kühl bleiben soll.

Als Randnotiz zu Getränken sei noch erwähnt, dass einige Versorger gewechselt haben. So versperrt wieder Jägermeister statt Captain Morgan mit einer übergroßen Aussichtsplattform die Sicht, aus Cola wurde Pepsi und als Energydrink war statt zuletzt Relentless jetzt fast ganz ohne eigene Stände Monster dabei.
Trotzdem waren noch alte Becher mit Relentless-Logo im Umlauf. Na, wenn es da mal nicht noch hinter den Kulissen im Sponsoren-Gebälk knirscht...

Genau genommen gab es tatsächlich nur den einen Monster-Stand direkt auf dem Hauptgelände, wo u.a. ein Schlagzeugwettbewerb ausgetragen wurde, bei dem es darum ging, möglichst viele Einzelschläge pro Minute auf einer Drumometer-Snaredrum unterzubringen.


Ich habe mich dann auch mal überreden lassen, spontan die Sticks in die Hand zu nehmen und bin auf 762 Schläge gekommen. Auf einer normalen / gewohnten Snare sollte ich wohl ein paar mehr unterbringen können, aber für die Situation dort war ich durchaus zufrieden. Und verdammt - man fängt natürlich zu schnell an und ab Sekunde 40 wird die Minute dann sehr lang...

Aber damit greife ich schon vor, das war ja am Freitag.



Mittwoch

Schon von draußen hörten wir die Massen auf dem gesamten Gelände lautstark eine "Wall of Death" fordern. Oh sorry, das war ja nur vor dem örtlichen Freibad. Da darf man eigentlich mit dem Auto gar nicht hin, aber mein Bruder hatte an einer angrenzenden Weide Schafe geparkt und somit waren wir Anlieger. Auf jeden Fall schonmal lustig anzuhören.



Wie gewohnt haben wir bei Anwohnern geparkt, sind ein Stück die Hauptstraße (der zur Vollendung des Volksfest-Flairs nur noch der Autoscooter fehlt) entlang gegangen und dann natürlich zur Bandausgabe, wo uns eine epische Schlange erwartete.

Zum Glück war dies das einzige Mal, dass wir dieses Jahr irgendwo nennenswert warten mussten. Das wird auch mit einer verbesserten Besucherführung auf dem Gelände zusammenhängen. In der Anordnung gab es einige sinnvolle Änderungen - sei es z.B. die Lage des Biergartens oder dass man auf dem Weg ins Dorf nicht mehr über den berüchtigten, im Starkregenfall gemeingefährlichen Graben muss.


Mittwochs sind die großen Bühnen ja noch in Arbeit, so dass das Hauptprogramm im Bullhead City Circus spielt, wo die Landessieger des internationalen Wacken Metal Battle aufspielten, von denen wir uns einige angeschaut haben.
Ich erinnere mich daran, dass Crying Steel aus Italien und Roadwolf aus Österreich gleich mal eine ganze Reihe schlimmer Heavy-Metal-Klischees abgearbeitet haben und dass die Plattensammlung von Anstratus aus der Slowakei vor allem aus "Pleasure To Kill" von Kreator besteht.
Ich sah noch ein paar andere Bands, aber da die Sets ja ziemlich kurz waren und in den folgenden Tagen noch so vieles auf mich zukam, habe ich ehrlich gesagt weder an die guten noch an die nicht ganz so guten noch konkrete Erinnerungen.


Gut erinnern kann ich mich hingegen noch an das Duo Los Vagabundos, welches im auf der Beergarden Stage feurige Akustikversionen u.a. von Nancy Sinatra ("Bang Bang"), den Rolling Stones ("Paint It Black"), Sergio Leone, Rammstein oder arabischer Folklore darbot. War gut gemacht und mal nicht ganz das auf den kleinen Open-Air-Bühnen ansonsten stark verbreitete, betrunkenenoptimierte Partyprogramm.

Nach der letzten Metal-Battle-Band des Tages, den ziemlich wild verknoteten Red Helen aus Südafrika, machten wir früh Feierabend und kamen somit damit sowohl ohne Blasmusik, als auch Mittelaltertralala durch den ersten Festivaltag.




Donnerstag

Zunächst einmal bin ich fast normal aufgestanden und habe sogar noch ein paar Stunden gearbeitet.
Das ist für mich im Grunde der einzige Nachteil daran, zu Hause zu übernachten; dass ich mich nicht so komplett aus dem Alltag verabschieden kann wie ein Camper. Allerdings machen Dusche und Bett dieses Manko locker wieder wett.


Zurück in Wacken ging es gleich wieder ins Zelt, wo wieder auf beiden Bühnen Schlag auf Schlag die Metal Battle-Gewinner spielten.

Nachdem die Japaner ja letztes Jahr mit Mysterious Priestess eine positiv bekloppte Kapelle nach Deutschland geschickt  hatten, die selbst vor lupenreinem Jazz nicht zurückschreckte, war dieses Jahr mit Hellhound das Gegenteil vertreten, also eher sehr sehr traditioneller Metal, von dem bei mir vor allem der sehr hohe Gesang hängengeblieben ist. Ansonsten zu aufnäherkuttenbieder für meinen Geschmack.

Die Portugiesen Revolution Within trafen mit ihrem brutalem Thrash Metal und einem Sänger, der mich vom Stageacting her irgendwie an Barney von Napalm Death erinnerte, schon weit her meinen Nerv. Im Publikum ging es nun mit Mosh und Circle Pit auch ordentlich ab.

Mit den chinesischen Black Metallern Evocation und den schon durch ihren eigenwilligen und landessprachlichen Gesang auffallenden Lithauern Juodvarnis ging es gut weiter, ehe im Ring zwischen den Bühnen Wrestling angesagt war, was wir uns nicht antun wollten und uns stattdessen ein zweites Mal auf der Biergartenbühne Los Vagabundos anschauten.
Das Set der Spanier war ähnlich, aber nicht identisch mit dem vom Vortag, wofür allein schon ein Saitenriss, der solo mit Led Zeppelin überbrückt werden musste, sorgte.


Während wie immer seit dem letzten Jubiläum das Hauptbühnenprogramm mit dem bescheidenen Metal-goes-Top-40-Coverband-Programm von Skyline gestartet wurde, spielten im Zelt die letzten Metal Battle-Bands. Mit einem erfrischend nicht-festivaloptimierten Opener eröffneten die überwiegend mit Brüllgesang daherkommenden Progmetaller Earth Divide von - ja, da gibt es tatsächlich Bands! - den  Färöer Inseln.

Weiter ging es mit [In Mute], einer sehr gut gemachten spanischen Variante von Arch Enemy inklusive Death Metal grunzender, extrem paradiesvogeliger Frontfrau mit bunten Haaren und ungewöhnlichen Tattoos. Optisch sicherlich eine der eindrucksvollsten Gestalten des Festivals. Musikalisch weiß ich allerdings wie bei Arch Enemy trotz gutem Handwerk einfach nicht so recht, was mir das Ganze sagen will.

Die nächste Band war dann ein interessanter Kontrast, da ebenfalls von einer extrem fähigen Sängerin gefronted... womit die Gemeinsamkeiten auch schon vorbei waren.
Allein die Feenwald-Deko auf der Bühne und die Kinder im Publikum und in der schwangeren Geigerin deuteten familienfreundlichere Unterhaltung an, und tatsächlich spielten Huldre aus Dänemark überwiegend lebensbejahenden, oft flott tanzbaren, manchmal auch mystisch entrückten Folkmetal. Dieses Genre nervt ja oftmals durch mäßigen Gesang, doch die Sängerin hier erinnerte sogar mehr als einmal an die große Lisa Gerrard. Respekt!


Danach war dann reichlich Zeit, etwas einzukaufen (die Shorts, nach der ich ein Wochenende früher in Neumünster umsonst geshoppt hatte + die "A Twist Of Fate"-EP von John Arch ), zu futtern und sich erstmals das Innengelände anzuschauen. Das Bühnenprogramm hing nämlich zwei Stunden lang ziemlich durch.

Meine neue Theorie, warum jetzt immer zuerst Skyline spielen - nämlich um eine Niveauuntergrenze festzulegen, bei deren Unterschreitung allen anderen Künstlern der Saft abgedreht wird - erwies sich als extrem kurzlebig. Denn nicht nur durfte Szene-Urgestein Bülent Ceylan tausende arglose Festivalbesucher mit seinem Möchtegern-Gerammsteine nerven (vgl. auch die erneut im Paket mit der eher überflüssigen Wasteland Stage angekarrten MegaBosch); nein, Hammerfall pulverisierten diese Untergrenze geradezu.
Sorry, ich finde an dieser Band einfach alles schlecht gedacht und maximal mittelmäßig umgesetzt. Oder war es umgekehrt?

Ich war da im Grunde schon bereit für die Heimreise, weil die nächsten Tage ja lang werden würden und sowohl die Headliner Accept als auch der gefühlt zwanzigste Auftritt von Saxon für mich verzichtbar waren. Und die eigentlich geniale Partytruppe Russkaja ist ja nun mit jeweils mehreren Auftritten in mehreren Jahren hintereinander schon leicht überspielt. 2015 schau ich mir den Russentraktor vielleicht wieder an. Ich gebe mir ja auch nicht jedes Jahr ein komplettes Set von Mambo Kurt.


Doch eine Gruppe stand noch auf der Running Order, von der wir zumindest wissen wollten, ob sie schlecht sein würde - oder so schlecht, dass es schon wieder gut ist: Steel Panther.



In Augenkrebs begünstigenden Kostümen und stets das Make-Up und den Sitz der Mähne über der Bandana am Theaterspiegel prüfend beschworen Steel Panther den lange verschütteten (und von niemandem ernsthaft vermissten) Geist des 80er-Jahre-Hair Metals.

Musikalisch steckten sie dabei auch ernsthaft betrachtet Hammerfall deutlich in die Tasche, doch ansonsten ist die Gruppe, welche "Asian Hookers", das "Gloryhole" und den Verkehr mit "17 Girls In A Row" besingt, natürlich ein reine Parodie. Und zwar eine äußerst unterhaltsame. Dazu passt auch der bewusst erbärmliche Altherren-"Do you like Muschilecken"-Humor. Das gab es so ähnlich natürlich schon mit Spinal Tap, aber die sind ja nun auch schon alt und grau und reunieren sich äußerst selten. Von daher kann ich Steel Panther nur empfehlen - das Highlight des Donnerstags!

Das Publikum verstand jedenfalls den Subtext der Show, so dass die Kameramänner ziemlich gut mit dem alten Spiel "Such die Tittenmaus" zu tun hatten . Und das war auch gut so, denn irgendwo muss man ja während so einer Show auch mal hinkucken können.

Falls sich jemand den Auftritt nun im Stream ankucken möchte jedoch eine Warnung: What is seen cannot be unseen!
Ich spreche aus Erfahrung, erinnere ich mich doch tatsächlich immer noch mit Schaudern an den das Tamburin und die Hüften schwingenden Sänger der furchtbaren Paradise, die diese Nummer auf dem Wacken Open Air 1992 noch ernst gemeint hatten. Oder war das damals schon Satire und ich war nur noch zu jung, um das zu erkennen?


Accept habe ich mir zu Hause teilweise noch im Livestream angesehen. Und das reichte mir auch. Kein Fan hier, tschuldigung.



Freitag

Chtonic aus Taiwan, die mir 2012 im Zelt gut gefallen hatten, hätte ich mir generell schon gerne wieder angetan, und das nicht nur wegen dem Supermodel am Bass (vgl. auch Steel Panther). Aber elf Uhr war zu früh. Um die Zeit musste ich noch zu Hause vorm Spiegel posen.


Um eins stand ich dann allerdings vor der Party Stage für die Band, die diesen Bühnennamen rechtfertigt wie keine andere: Knorkator.

Auf der Bühne, vor der Bühne, über denen vor der Bühne: überall Bekloppte!
Es gab viele Hits, u.a. natürlich "Alter Mann" oder auch "Wir werden alle sterben", aber auch "Arschgesicht" mit dreizehnjährigem Gastsänger oder "Konrad Daumenlutscher".
Einem Unwissenden beschreiben kann man das, was Frontsau Stumpen und Co. da veranstalten, ja ohnehin nicht. Deswegen belasse ich es mal dabei, dass Knorkator nach wie vor die meiste aller Spaßmetalbands sind und wie erwartet wieder mächtig Gehirnzellen abgetötet haben. Knorke!


Danach gab es dann die weiter oben schon erwähnte Minute Snaredrum-Action mit Stephan Ohlsen, ansonsten allerdings eine längere Durststrecke, in der ich zwar von der einen oder anderen Gruppe was mitbekommen habe, aber anscheinend nicht von der, die gerade so richtig geil war.

Der am falschsten gepolte Publikumsmagnet waren wohl die generischen Stirnband-Rocker von Cop U.K., für die sich anscheinend niemand gezielt auf den Weg ins Zelt gemacht hatte. Die hamburger Thrash`n`Roller von Torment waren besser als ich sie Erinnerung hatte, aber auch nicht aufsehend genug, um ihnen mehr als zwei Sätze zu widmen. Und hätte der Sänger nicht fachmännisch eine Gitarre zersägt, dann wäre es wohl nur ein Satz geworden.

Es war um siebzehn Uhr, also fast drei Stunden nach Knorkator, als auf der Headbangers Stage das antizyklischste aller Wacken-Spektakel eingeläutet wurde: Die Excrementory Grindfuckers hatten die Bühne mit Lametta geschmückt, sich als Engel, Santa Klaus und Jesus in Schale geworfen und feierten den Release ihrer neuen Weihnachtslieder-Scheibe!
Hochgeschwindigkeitsgrindcore, unterbrochen von Versatzstücken aus Rock, Pop, Weihnachten und Stumpfsinn. Besonders romantisch, wenn die Band zusätzlich zum Keyboard auch noch die Trompete erschallen ließ. Dazu feuerten zwei Schneemaschinen unablässig Besinnlichkeit ins Publikum. Zum Schluss gab es sogar noch Bescherung, doch leider reichte mein sportlicher Einsatz nicht aus, eines der Pakete zu fangen.



So lustig das Konzert auch gewesen war, wir waren doch immer noch skeptisch, was das Festivalbilling anging. Die drei Highlights waren bisher bei aller Qualität eben doch Comedy-Acts, dazu der Leerlauf am Nachmittag... doch von nun an sollte sich das ändern!

Der nächste Programmpunkt ergab sich fluchtbedingt, denn mit Children Of Boredom kann ich ebensowenig anfangen wie mit den Shantyschlagern der Helene Fischer-Vorband Santiano, auch wenn man ja als Norddeutscher demnächst Bußgelder zahlen muss, wenn man die nicht ganz super findet.


Ich hatte - und jetzt schlagt mich ruhig - tatsächlich auf Spiegel Online den Tipp gelesen, dass auf der Wackinger Stage zwischen all dem Dudelsackgetanze auch eine anspruchsvolle Folk-bis-Blackmetal-Band aus Rumänien auftreten sollte. Und tatsächlich waren Dordeduh ein sehr angenehmes, erfrischend wenig auf Festivalkompatibilität gebügeltes Kontrastprogramm. Tolle Songs, egal ob die Band auf traditionellen Instrumenten zum Träumen einlud oder in brachialen Stücken mit bewusst merkwürdigen Tempowechseln verwirrte.
Für mich eine der größten Entdeckungen des Festivals und neben Earth Divide bis dahin wohl die einzige Band, die mich auch auf dem Roadburn Festival nicht überrascht hätten. Nächstes Jahr dort vielleicht?




Um halb acht ging es zurück zur True Metal Stage, wo die drei Cellisten plus Drummer Apocalyptica auftraten. Und sie hatten ein paar Gäste dabei, nämlich ein komplettes Orchester.
Ok, das ist an sich in Wacken mittlerweile ein alter Hut, vergeht doch kein Jahr, in dem nicht mindestens eine damit in erster Linie zum eigenen Spiegelbild wichsende Band zuviel ein argloses Orchester mit auf die Bühne zerrt. Yay, was freuen wir uns schon auf U.D.O. mit Bundeswehr Musikkorps nächstes Jahr! Bitte?!

Aber dies gesagt waren natürlich ein paar dieser Konzerte auch wirklich gut gemacht, und zu welcher Band wären zusätzliche Bläser und Streicher folgerichtiger als zu Apocalyptica, die ja selbst im Grunde fast ein Kammerquartett sind?
So passte alles zusammen und es war eine mitreißende, bombastische Show.



Während die Sonne allmählich unterging und die meisten Besucher den Gesundheitszustand von Motörheads Lemmy checkten, zeigten auf der Party Stage Carcass, wie die Sache mit dem im Grindcore verwurzelten melodischen Death Metal eigentlich mal gemeint war. Was für ein krankes fettes Brett!

Auch wenn mich die zeitgleich aufgetreten The Vintage Caravan interessiert hätten - aber die sehe ich ja im Oktober noch als Support der Blues Pills - dieses meisterliche Death Metal-Inferno auf Morbid Angel-Niveau war hier in Wacken die absolut richtige Wahl. Bis dahin wohl das größte Festival-Highlight, von einer Band, die ich zu "meiner Death Metal-Zeit" anfang der Neunziger nur am Rande auf dem Radar hatte, also maximal auf selbstkopierter Kassette und "Headbanger's Ballroom"-VHS.


After Carcass and Motörhead had finished their sets, there was some time for everybody to play with their huge balls...


... before hell awaited: Zeit für Slayer!

Man kann abseits der Bühne - z.B. über den Umgang der Band mit Dave Lombardo und vieles andere - ja sagen, was man will, aber solange da vier Leute auf der Bühne stehen, die die Songs perfekt spielen können, und einer von denen Tom "Santa Rübezahl" Araya ist, der sich die Seele aus dem Leib schreit, solange ist das für mich eindeutig Slayer.
Und auch wenn der Soundmann anscheinend unter Einfluss harter Drogen die Bassdrums bis über elf hinaus hochgezogen hat - müsste ich mich wirklich für eine beste Band in Wacken dieses Jahr entscheiden, dann wäre dies trotz einiger starker Konkurrenten doch Slayer.
Ob "War Ensemble", "Disciple", "Dead Skin Mask", "Angel Of Death", "Seasons In The Abyss"... jeder Song ein Killer. Slayer sind nach wie vor die Macht, an der sich alles messen muss!
Sehr schick auch die riesigen Kreuze im Gitarrenboxendesign. Machten sich sehr schön über dem fast permanent lodernden Höllenfeuer darunter.



Zwei umgedrehte Kreuze und was Böses dazwischen sind als Bühnenbackdrop natürlich immer eine sichere Nummer, so dass sie neben allerlei anderem Zeugs auch beim nächsten Konzert wieder dabei waren. Auch King Diamond war nicht mit dem besten Klang des Festivals gesegnet, was gerade wenn man die Songs nicht alle in- und auswendig kennt, schon mal nerven kann.
Doch der King ist der King und es gibt einfach keinen zweiten. Unter seinem Make-Up inzwischen ja auch schon zweitausend Jahre alt hat er alle Stimmlagen vom bösen Gekrächze bis zur ganz hohen Gruselsirene immer noch drauf. "Eye Of The Witch" hat mich noch bis ins Bett - also wohl so bis halb vier Uhr morgens - als Ohrwurm verfolgt.





Samstag

Die Nacht und der Morgen danach wurden sehr kurz, schließlich mussten wir rechtzeitig zu Mittag wieder vor der Party Stage aufschlagen, für eine Band, die ich zuletzt - Rentneralarm! - Neunzehnhundertfuckingvierundneunzig auf dem Dynamo Open Air gesehen hatte.
Und auch wenn dies zwanzig Jahre her ist - der irgendwo zwischen Hardcore, Thrash Metal und manchmal sogar tanzbaren Elementen angesiedelte Sound von Prong ist nach wie vor unverwechselbar. Eine so präzise Groovemaschine kann man nicht programmieren. Oder um es frei nach einem großen Fernsehpoeten zu sagen: Prong sind so tight, wenn die mit Dir fertig sind, dann burns!

Auf dieses Trio hatte Wacken sehr lange gewartet, und es war trotz der frühen Spielzeit ein weiterer ganz großer Höhepunkt des Festivals.


Sodom fand ich dann im Gegensatz zu deren letztem Gastspiel 2011 ebenfalls sehr unterhaltsam, auch wenn ich sie eher entspannt aus der Ferne beobachtete. Die Thrash Metal-Institution konzentrierte sich auf seine Hits von "Ausgebombt" bis "The Saw Is The Law" und scheint generell zur Zeit ganz gut drauf zu sein.

Noch besser, obwohl ich deren Songs nicht kenne - aber "The Satanist" ist bereits bestellt - fand ich gleich im Anschluss jedoch die polnischen Black Metaller von Behemoth.
Schon das Stagedesign hob sich - zumindest die erste Hälfte des Sets lang - sehr aus der Masse hervor, da wohl irgendjemand sich gefragt hatte, wie man schwarz noch böser machen kann und dabei auf die Idee gekommen ist, es einfach mit einem weißen Hintergrund (und weißem Drumkit) zu kombinieren. Und das funktionierte tatsächlich sehr gut.
Noch eindrucksvoller wäre nur gewesen, wenn die vier Bandmitglieder den ganzen Auftritt über fest an den Stellen geklebt hätten, die vom Bühnenaufbau her für sie optimiert waren. Ich sage so etwas selten, aber je statischer die Band sich gab, desto eindrucksvoller wirkte sie tatsächlich.
Die Musik war allerdings davon unabhängig durchgehend über jeden Zweifel erhaben.





Gleich danach ging es auf der True Metal Stage relativ untrue mit dem Devin Townsend Project weiter. Devin Townsend ist ein Künstler, der von Pop über Prog bis zu extremstem Metal und zahlreichen anderen Musiksparten wohl schon alles irgendwie schon einmal gemacht hat und so überall sowohl dazugehört als auch der Außenseiter ist. Dass der Mann einen schrägen Humor hat und anscheinend zu allem was er tut eine ironische Distanz wahrt, macht ihn an sich nicht unbedingt festivaltauglicher.

Die Show deutete teilweise richtige Größe an und ich wollte sie eigentlich gut finden, hatte aber irgendwie das Gefühl, dass der Musik einiges fehlt. Tatsächlich sind die Songs, wie ich mir im nachhinein auch im Stream angeschaut habe, sehr auf Samples, Chöre usw. vom Band angewiesen, von denen zumindest an meinem Standort vieles nicht ideal ankam. So war es ganz lustig und beileibe nicht schlecht, aber eben auch keines der ganz großen Glanzlichter.


Als nächster Pflichtprogrammpunkt erwarteten uns im Zelt The Ocean, die sich, seit ich zuletzt 2008 im Vorprogramm von Opeth und Cynic sah, musikalisch enorm entwickelt haben und inzwischen ja auch einen richtig guten flexiblen Sänger in ihren Reihen wissen.

Trotz der Komplexität ihrer progessiven Post-Metal-Stücke räumte The Ocean richtig ab. Schade war nur, dass der Projektor nach einigen Minuten den Geist aufgab, so dass der vielversprechenden Videountermalung am Anfang leider nur der allmähliche Abbau der Leinwand folgte.
Dennoch die beste Gruppe unter dem Zeltdach des Bullhead City Circus.

Packt man den Anspruch der Gruppe in die Gegenteil-Maschine, so erhält man wahrscheinlich die Böhsen Onkelz. Und deren Bassist Der W war nur wenige Minuten später auf der anderen Zeltbühne dran. Will sagen: wir erlebten das größte Gedrängel des Festivals, da es wohl kaum einen Menschen gibt, der auf beide Bands steht und somit das Publikum im Zelt komplett ausgetauscht wurde.


Als nächstes wollten wir die erstmals in Wacken auftretenden Megadeth sehen, doch es spielten noch Amon Amarth, so dass wir uns zur Überbrückung zumindest mal einen halben Auftritt des Man in beige Mambo Kurt gönnten. Klar, man kennt die Heimorgelhits allmählich, aber gerade wenn Mambo exklusive Wacken-Devotionalien zu verschenken hat oder zur Gogo-Party auf die Bühne lädt, passieren doch immer wieder lustige Dinge...



Anders als bei The Ocean funktionierte die Sache mit der Videoshow bei Megadeth ganz wunderbar und wurde sehr effektiv eingesetzt. Dafür stimmte am Sound zunächst einmal gar nichts, da man in den ersten Songs eigentlich nur das schwächste Element - Dave Mustaines Gesang - ordentlich hören konnte. Zum Glück fing sich der Sound dann aber und auch Dave legte stimmlich noch zu.

Ich bin kein Experte für die Band, erkannte allerdings alle Songs, wenn nicht musikalisch dann zumindestens vom Titel her. Und was soll ich sagen? Natürlich sind vor allem die Leadgitarren herausragend, aber auch ansonsten fand ich den gesamten Auftritt ziemlich geil.
Dave Mustaine wird vielleicht niemals einen Nobelpreis fürs Nachdenken vorm Sprechen gewinnen, aber Metal, das muss man ihm lassen, das kann er verdammt gut!


Wie schon Dordeduh am Freitag war meine nächste Station wieder vor allem durch die Flucht vom Wacken Center bestimmt. Von Avantasia hatte ich beim letzten (und damals ja angeblich finalen) Auftritt vor  ein paar Jahren nämlich schon genug für ein Leben gesehen. Ich finde die einfach ganz schlimm und halte zwei Stunden davon für nur schwer mit den Genfer Konventionen vereinbar.


Zum Glück konnte man sich zumindest die erste Hälfte dieser Zeit wunderbar vor der Headbangers Stage die Rübe wegblasen lassen. Metal mit Opernelementen ist nicht zwingend ein Garant für meine Aufmerksamkeit, aber was die Italiener Fleshgod Apocalypse da vom Stapel ließen, war schon eine besondere Variante dieser Kombination.
Zunächst einmal spielen Fleshgod Apocalypse Black Metal mit bösem Grunzgesang und der höchsten Endgeschwindigkeit, die ich in Wacken dieses Jahr gesehen habe. Dazu sangen der Bassist und eine zusätzliche Sängerin Sopran. (Wobei übrigens die Kamera / Bildregie den männlichen Anteil des hohen Gesangs das komplette Konzert lang verpennt hat, selbst wenn nur dieser Text sang und somit wichtiger war.)
Das Ganze war ein stellenweise vollkommen überladener, aber eben gerade dadurch herrlicher Overkill. Ohrendurchpusten de Luxe!

Im Publikum sah ich übrigens eine Gruppe französischer Fans, die ich vom Snaredrum-Wettbewerb am Vortag wiedererkannte. Einer von denen hatte dort nämlich über sagenhafte tausend Schläge pro Minute geschafft, was laut Moderator bisheriger Rekord war. Und ich hatte da doch gleich geahnt, auf welche Art Musik der steht...


Danach amüsierten wir uns noch über das Angebot im Wacken-Outlet, also der Merchandising-Resterampe, in der der Artikel, den ich mir noch am ehesten kaufen würde, eine Plüsch-Kopie von Mambo Kurt inkl. Plüsch-Heimorgel war, hingen noch eine Weile auf der Wacken-Plaza und im Wackinger Village herum, und machten uns um Mitternacht herum zum großen Finale auf der Black Stage auf...




Ich habe ja gerade beim Samstag schon ein paar Mal den Sound erwähnt, was ich eigentlich möglichst vermeide, da er gerade bei so einem Riesen-Event ja ohnehin nicht an jedem Standort identisch ist. Bis auf jene besonderen Ausfälle, die ich schon erwähnt habe, war der Klang der meisten Bands zwar für ein Festival ok, ließ aber immer noch Raum, um mindestens ein Haar in der Suppe zu finden. Hier zu leise, da zu laut, zu wenig Gesang usw... Und daran, dass die Akustik im Zelt generell schwer beherrschbar ist, muss man sich eben gewöhnen.

Umso größer die Überraschung, als Kreator die Bühne betraten: Der Sound war nämlich von Anfang an perfekt! Wow!
Das Bühnenbild war immer noch jenes der Tour zu "Phantom Antichrist", welches für die Zukunft schwer zu schlagen sein dürfte. Die Songauswahl speiste sich u.a. mit dem Titelsong, "United In Hate" und der Hymne "From Flood Into Fire" aus dem aktuellen Album, sowie aus einem Feuerwerk ganz alter Schinken ("Pleasure To Kill", "Flag Of Hate") und neuerer Klassiker ("Phobia", "Hordes Of Chaos"). So gut habe ich Kreator in Wacken bisher noch nie erlebt, und dass obwohl gar kein Stück von "Coma Of Souls" im Set vertreten war.

Ganz klar ein mehr als würdiger Abschluss für ein letztendlich dann doch mal wieder überraschend starkes Open Air!




Organisatorisch und infrastrukturell war mein Eindruck dieses Jahr sehr positiv.
Die gesamte Stimmung - nicht nur bei Publikum, sondern auch bei fast allen, die dort gearbeitet haben, sehr entspannt. Da hat das Wetter natürlich auch super mitgespielt.

Allerdings sollte beim Briefing für Checkpoint-Ordner darauf geachtet werden, dass diese nicht nur wissen, mit welchem Ausweis / Band man bei ihnen durchkommt oder nicht, sondern auch, was bei der nächsten Zufahrt Sache ist. Sonst kann man sich als wertloser Normalsterblicher, der doch nur dem Tipp eines Einheimischen gefolgt ist (welche Dank ihrer Sonderrechte leider überhaupt kein Gespür für diese Materie haben), sinnlos von Zugang A nach Zugang B geschickt und dort dann noch sinnloser beschimpft werden. Und das muss echt nicht sein, wenn man durch die Extrakilometer, die die "Abkürzung" kostet, eh schon genervt ist. Auch wenn der ursprüngliche Fehler natürlich bei uns selbst lag: Never distrust a working route to the festival ground!


Wenn jetzt nur noch die üblichen Booking-Schwächen, insbesondere das Totnudeln einiger jedes Jahr und jeden Tag wiederkehrender Acts auf den kleinen Bühnen, abgestellt werden könnten...

Aber das ist wohl ebenso illusorisch wie die von mir jedes Jahr wieder gewünschte Würdigung des Progmetalsektors mit Psychotic Waltz oder Dream Theater.
Und um vielleicht eines Tages doch mal (wieder) Autopsy oder Godflesh zu sehen, fahre ich ja nun Mitte April nach Holland. Für Wacken habe ich da keine Hoffnung mehr.
Auch dass man auf dem generell ja ähnlich ausgerichteten Hellfest in Frankreich u.a. schon die Eier hatte, mit den Swans eine Gruppe einzuladen, die heavier als 99% des Metal ist, belasse ich hier mal als nicht an Erwartungen geknüpfte Randnotiz.

Die bisherigen Ankündigungen für nächstes Jahr halten ja immerhin schon ein paar interessante Namen bereit: Savatage, Amorphis mit "Tales From A Thousand Lakes"-Show, Kataklysm, Sepultura, Cannibal Corpse, die dieses Jahr verhinderten Death Angel. Da übersteht man dann wohl auch das fucking Bundeswehrorchester.

Helene Fischer stand ja schon bei Motörhead mit auf der Bühne.

Ach nee, sorry, das war ihre Mutter - Doro. Und dafür hatte die tatsächlich ihr Logo auf dem offiziellen T-Shirt?

Aber immerhin wurde an einem Slush Ice-Stand schon Kleingeld für den guten Zweck, Helene Fischer zu ficken, gesammelt. Ich weiß nicht, wie viel zusammenkam und ob die Erfolgsaussichten dieser Charity gut sind, aber da ich nun fast am Ende des Berichts bin und mir immer noch keine Überschrift eingefallen ist, die mit den letzten Jahren mithalten kann, hänge ich mich da inhaltlich einfach mal mit dran.



Wie auch immer - ich habe bereits eine Armee genetisch verbesserter außerirdischer Vampirzombieorks mit bloßen Fäusten blutig geprügelt und mir so mein X-Mas-Ticket für Wacken 2015 erstritten. Der nächste August kann also kommen!





2014-08-03

52 Wochen | 29 | wacken x-mas concert

199/365 • wacken x-mas concert Klar, bei fünf Wacken-Fotos diese Woche wäre es Quatsch, hier das Bild vom Montag oder Dienstag zu zeigen... Es war insgesamt mal wieder großartig. Demnächst kommt hier wie immer der Festivalbericht!

2014-07-27

BONGRIPPER - Miserable

Neues von Bongripper!

Das Bosheitszentrum in meinem Gehirn rastet aus!


BONGRIPPER - Miserable (2014)

Noch weniger, noch längere Songs (drei Stück von jeweils achtzehn bis achtundzwanzig Minuten) als auf "Satan Worshipping Doom", alle von den Hufen bis zu den Hörnern gefüllt mit bösebratbratzigbrutaler langsamer bis mittelschneller, rein instrumentaler Riffmacht, angesichts der selbst Chuck Norris die Knie schlottern dürften, zur Auflockerung einzig unterbrochen durch brummgesummdröhniges Düstergedrone, zu dem man auch nicht unbedingt abends einschlafen möchte, wenn einem etwas daran liegt, nicht ungewollt schlafwandelnd süße Katzenbabys aufzuschlitzen; so könnte man "Miserable" beschreiben, wenn nicht der streckenweise intensiv Black Sabbath huldigende Abschlussepos "Into Ruin" ein paar klitzekleine melancholische, fast schon sonnenstrahlige Momente sein eigen nennen würde, wobei man diese natürlich relativ im Kosmos dieser oder klanglich verwandter Bands wie Yob oder Conan betrachten muss, was bedeutet, dass letztendlich doch alles ziemlich finster und heavy daherkommt. Und ja, ich habe soeben tatsächlich einen Punkt gesetzt! Und hatte ich schon erwähnt, dass das senkrecht ausklappbare Cover auch ziemlich großartig ist? Und dass Bongripper mit dieser Scheibe - und der von mir gleichzeitig gekauften "Hippie Killer" - noch mal ein paar gute Sprossen auf der Leiter zu meinen Lieblingsbösebands aufgestiegen sind?

"Miserable" mag vom Titel her zwar deprimierend erscheinen, ist in Wahrheit jedoch heißester Doomdeath-Riffporno. Inklusive Wiederholung des Cumshots in Slow Motion natürlich.

Anspieltipps: Descent, Into Ruin

BLUES PILLS - Blues Pills

Wenn ich hier schon gerade im Classic Rock-Modus bin, dann befasse ich mich doch auch mal kurz mit dem aktuell von der gesamten Musikpresse von den Rock Hard-Proleten bis zu den eclipsed-Snobs hochgehyptem Retro-Überflieger der Stunde.

Eine schwedische Sängerin trifft zwei Musiker in den USA, man lädt Videos auf YouTube hoch, die dazu führen, dass in Spanien eine Tour gebucht wird, worauf man sich mit einem französischem Gitarristen zusammentut. Inzwischen leben sie alle in Schweden und spielen in ganz Europa...

Angesichts dieser internetbefeuerten Karriere wundert man sich ja fast ein bisschen, dass die Blues Pills mit ihrem energiegeladenen 60er/70er-Jahre-Rock eine Musik spielen, die fast schon so alt ist wie alle Bandmitglieder zusammen.



BLUES PILLS - Blues Pills (2014)

Um mich mal kurz zu fassen: Ja, ich schließe mich dem Hype vorbehaltlos an!
Und ich bin durchaus wählerisch, was meinen Blues angeht und auch von einigen Bands, die ich eigentlich mag, manchmal etwas genervt, wenn sie die alte Skala auspacken, Hölle, ich finde ja nicht einmal Led Zeppelin sooo uneingeschränkt unantastbar...

Was die vier Bluespillen, allen voran Eilin Larsson mit ihrer erstaunlich erfahren klingenden Rockröhre, hier in den Ring werfen, ist für ein Debütalbum einfach verboten gut. Schließlich handelt es sich hier ja nicht um Musikerveteranen wie die Winery Dogs, sondern um echte Newcomer. Da ist also bei allem Talent und Enthusiasmus hoffentlich - vermutlich - immer noch Luft nach oben.

Neu ist das alles nicht, will es wohl auch nicht sein, doch es ist anderseits auch authentisch und wirkt in keiner Minute gekünstelt - die Blues Pills machen zweiffelos was sie lieben - und sehr sehr gut können.

Die Special Edition enthält neben dem Album noch die vorangegangene "Devil Man"-EP, welche zwei der Albumsongs in früheren, noch deutlich anders interpretierten Versionen enthält, sowie eine Bonus-DVD mit dem Live-Auftritt vom Hammer Of Doom-Festival 2013. Hier zeigt sich bei aller instrumentalen Klasse auch sehr deutlich, dass die Frontdame bei dieser Band eindeutig im Mittelpunkt steht, was nicht gegen den Rest der Gruppe geht, sondern vor allem als Lob für ihre natürliche Bühnenpräsenz zu verstehen ist.

Und wer mit seiner Gitarre so power- wie gefühlvoll und geschmackssicher umgehen kann wie Dorian Sorriaux, der darf sich beim Stageacting auch meinetwegen gerne vornehm zurückhalten.

Eine klasse Band, die momentan anscheinend fast jeder liebt. Dieses Album ist auch ein verdammt guter Grund dafür.


Anspieltipps: High Class Woman, Jupiter, Little Sun, River

THE WINERY DOGS - Unleashed In Japan

Den zweiten Auftritt einer Band überhaupt für ein Livealbum mitschneiden? Kommt wohl eher selten vor, aber wenn man Richie Kotzen, Billy Sheehan und Mike Portnoy in eben jener Band hat, dann kann man das natürlich machen. Und wenn sich die Location dann noch anbietet, dann packt man die Gelegenheit natürlich am Schopfe.


THE WINERY DOGS - Unleashed In Japan (2014)

Das selbstbetitelte Debüt dieses Classic Rock Powertrios habe ich 2013 zu meinem Album des Jahres gekürt, und auch vom Konzert in Hamburg war ich sehr angetan. Meine Messlatte für diese Veröffentlichung ist also einigermaßen hoch.
Und auch wenn die Gruppe hier bereits spielt, als würden sie das Ding schon seit Jahren zusammen machen, handelt es sich hier leider um einen verhinderten Klassiker.

Ich meine: Nichts auf diesem Album ist schlecht, und wer die Dogs noch nicht kennt, der muss diese Scheibe sowieso unbedingt haben, da sie als Bonus-CD noch einmal das komplette Debütalbum enthält!
Durch die Liveversion des exklusiven Japan-CD-Tracks "Criminal" kommt man nun auch als Europäer in den Genuss dieses Songs. Dazu gibt es den Block aus den vier während dieser Tour gespielten Coverversionen, u.a. von Poison und Mr. Big.

Nein, was an diesem Album stört, das was fehlt! Die Live-CD enthält nur zehn Tracks und bringt es auf fünfzig Minuten, obwohl das Konzert deutlich länger war.
Ich weiß nicht, ob es produktionstechnische Gründe hat, oder ob die Herren Musiker mit den frühen Liveversionen dieser Stücke dann doch nicht mehr so ganz zufrieden waren, aber es fehlen mit "The Dying" und "Regret" leider ein paar der größten Highlights aus dem Zugabenblock. Auch "You Saved Me" mit dem großartigen Bass-Solo davor oder "The Other Side" vermisse ich doch sehr.

Auf der in Japan erschienenen DVD, die ich leider nicht besitze, ist das Konzert jedenfalls komplett.

Also: Falls man das Debüt schon besitzt ist "Unleashed In Japan" ein an sich tolles Livedokument einer der besten Rockbands, die es z.Zt. gibt - allerdings mit deutlichem Sternchenabzug wegen Highlight-Unterschlagung.

Hat man das Debüt hingegen nicht, dann kann man hiermit nichts falsch machen, da es ja wie gesagt komplett enthalten ist. (Ja, auch das Booklet mit allen Texten ist dabei.) Als Grund dafür vermute ich mal, dass es ursprünglich weltweit auf unterschiedlichen Labels erschienen ist und man es jetzt nochmal - auch in Hinblick auf zukünftige Nachproduktion - nochmal einheitlich rausbringen wollte. Aber das ist nur reine Spekulation meinerseits und kann auch Quark sein.
Ich muss mich jetzt nur noch entscheiden, ob ich Sammler genug bin, um meine Original-Debüt-CD zu behalten, oder ab ich sie an Rockbedürftige weitergebe...


Anspieltipps: Desire, Elevate, Not Hopeless, Criminal, Shine

52 Wochen | 28 | sunflowers

193/365 • sunflowers

GODFLESH - Decline & Fall

Ja, BC Green und JK Broadrick sind wieder da!

Ok, nicht dass Arbeitstier Justin Broadrick jemals weg war. Aber hier ist nun nach den diversen Live-Aktivitäten der letzten Jahre, von denen ich leider noch keiner beiwohnen konnte, auch ein Studio-Zeugnis der Wiederzusammenkunft von Godflesh:



GODFLESH - Decline & Fall (Japan CD) (2014)

Es ist zwar zunächst nur eine EP, mit der sich das Duo zurückmeldet, aber was für eine! Die vier Tracks (plus zwei Dub-Mixe, wenn man sich die japanische Version gönnt, wozu ich ausdrücklich raten möchte) sind allesamt klassische Godflesh im besten Sinne und lassen sich besonders vom Sound der Rhythmussektion her am ehesten mit früheren Werken wie "Slavestate", "Selfless" und "Streetcleaner" vergleichen.

Das heißt, dass nicht nur der Bass grummelt und röttelt wie ein perfekt getunter Lanz Bulldog, dass sich einem nicht nur Broadricks Gitarre in ihrem unverwechselbaren patentierten ultraheavy Godflesh-Sound in die Ohren sägt, dass der Mann nicht nur aggressiv tiefbrüllt und mit viel Delay absichtlich schiefsingt, sondern vor allem auch, dass der Drumcomputer mit dem Selbstbewusstsein eines alten Atari, dessen Diskettenlaufwerk iPhones frühstückt, einfach mal ganz unverhohlen nach Drumcomputer klingt. Warum auch nicht? Man achte nur mal auf die Digital-Hi-Hat im Titelsong; das muss einfach so!

Im Grunde ist "Decline & Fail" ein kleines Best of Godflesh, ohne dabei jedoch auch nur ansatzweise als Nostalgietrip alter Männer rüberzukommen.
Diese EP klintgt frisch und hungrig. Ich habe hier dreizehn ältere Veröffentlichungen zum Vergleich und muss sagen, dass die Produktion fetter denn je ist.

Super Ding, das Bock auf ein ganzes Album macht. Auch für Neulinge ein guter Einstieg.


Anspieltipps: Decline & Fall, Ringer (DUB), Playing With Fire

BODY COUNT - Manslaughter

Ok, dann will ich heute doch mal wieder ein paar Musikrezensionen aus meinem Blogzylinder zaubern!

Den Anfang macht eine Scheibe, die sicherlich nicht auf Schönheitspreise oder Spitzenplätze in Jahrespolls hoffen kann, mich dafür aber nicht nur an ein trotz Katastrophensounds legendäres Konzert auf der Großen Freiheit in den frühen Neunzigern erinnert, sondern auch exzellent auf die Glocke gibt:


BODY COUNT - Manslaughter (2014)

Als Gangster-Rapper Ice-T vor unfassbaren zweiundzwanzig Jahren mit dem Debütalbum seiner Band durchstartete, sorgte dieses nicht nur durch seine explicit lyrics für weltweite Aufmerksamkeit, sondern war mit seiner Mischung aus Hardcore, Punk, Metal und Hip Hop auch musikalisch sehr innovativ.  Auch wenn andere Crossover-Bands jener Zeit sicherlich virtuoser unterwegs waren, habe ich das Gefühl, dass Body Counts musikhistorische Bedeutung nach wie vor unterbewertet wird.

Vielleicht haben viele Fans sie auch trotz diverser noch folgender Alben einfach vergessen. Ich gebe zu, dass sie von meinem Radar sehr sehr lange verschwunden waren. Tatsächlich habe ich gerade eben erst auf Wikipedia gelesen, dass drei Mitglieder der damaligen Besetzung - durch Leukämie, Krebs und eine Kugel auf offener Straße - gar nicht mehr am Leben sind. Was für ein Runterzieher.


Doch nun zum aktuellen Album "Manslaughter":

Musik und Produktion sind tadellos. Die Rezeptur ist zwar noch diesselbe wie anno dazumal, also inzwischen natürlich keinesfalls mehr revolutionär. Doch das macht überhaupt nichts, weil alles mehr denn ja knallt und in die Beine und den Nacken fährt.
Besonders die Thrash-Attacken wie z.B. im Titeltrack oder im Finale von "Enter The Dark Side" mit slayereskem Lead-Geschreddel hätte ich so heftig nicht erwartet. Abgesehen vom Remake von Ice-Ts Bitch-Inventur "99 Problems", wo die Band eher den Hip-Hop-Backdrop macht (allerdings gibt es als Bonustrack auch noch eine Rockversion), besteht das Album fast durchgehend aus geilem Mosh- und Headbangerscheiß.

Ice-T ist nach wie vor ein lausiger Sänger, aber zum Glück shoutet er ja in erster Linie und erzählt Geschichten, rappt dabei aber auch eher selten.

Inhaltlich sind Body Count immer dann am stärksten, wenn sie wie z.B. im Opener "Talk Shit, Get Shot" oder in "Black Voodoo Sex" vollkommen undifferenziert und überzeichnet in Gewalt- und Hip-Hop/Gangtsa/Bitch/Sex-Klischees baden. Wer das ernst und als Grund zur Besorgnis sieht, der glaubt auch, dass Will Ferrells "Anchorman" eine Dokumentation ist.
Großartig auch das textlich erneuerte Cover des Suicidal Tendencies-Klassikers "Institutionalized", in denen Ice-T sich über lächerliche Luxusprobleme (Oprah vs. X-Box, E-Mail-Kundenservice, Veganer, die beim Mittagspausensandwich stören) aufregt.

Eher so im Mittelfeld bewegen sich die ernsthaft kritischeren Texte, von denen mir "Back To Rehab" noch am besten gefällt. Ansonsten stellt sich natürlich auch die Frage nach Ts persönlicher Street Credibility und inwiefern die tatsächlich noch vorhanden ist. Ich weiß es nicht...
Aber allein durch die energische Performance wird diese Frage auch unbedeutend, weil die Scheibe halt einfach Laune macht.

Bloß am Ende bzw. vor dem Bonustrack wird es textlich einmal ganz schlimm, wenn in "I Will Always Love You" auf kitschige Weise US-Veteranen besungen werden.
Nun war Ice-T ja selbst in der Armee und ich nehme ihm durchaus ab, dass es von Herzen kommt, aber sorry, ich komme mit dieser US-Mentalität, dass alle Soldaten uneingeschränkt Helden sind, die sich für ihr Land aufopfern, einfach nicht klar. Selbst bei einigermaßen gescheiten Amis ist daran ja nicht zu rütteln.
Wann war denn der letzte Krieg, in dem amerikanische Soldaten wirklich ihr Heimatland verteidigt haben? Und kann ich selbst von einem Ami, der gerade die Schule beendet hat, nicht erwartet, dass er weiß, in was für Kriegen US-Soldaten sinnlos verheizt werden, bevor er sich rekrutieren lässt? Ich meine ja nur, dass man angehenden Soldaten auch ein Fünkchen eigene Verantwortung für ihre Entscheidung zugestehen könnte... Naja, was bringt es sich darüber zu echauffieren, man kann den Track ja schließlich skippen.


Insgesamt bleibt es bei dem Fazit:
Kein Klassiker für die Ewigkeit, aber geiler Scheiß!


Anspieltipps: Manslaughter, Enter The Dark Side, Bitch In The Pit, Talk Shit Get Shot, Institutionalized 2014

2014-07-13

DREAM THEATER im Stadtpark Hamburg (12.07.2014)

Die Schmerzen sind zum Glück geringer als erwartet, dennoch wurde die eigentlich ja sowieso schon ewig vorhandene Erkenntnis, dass ich mal wieder ein Minimum an Sport treiben sollte, gestern kurz vor dem Konzert von Dream Theater auf der Freilichtbühne im Stadtpark erneut bekräftigt.


Nein, die zwanzig Minuten Fußweg vom Parkplatz bis zur Bühne waren eigentlich nicht das Problem. Als ich allerdings zwanzig Minuten vor Beginn (und der ist im Stadtpark immer pünktlich) auf den letzten Metern zum Veranstaltungsort beim Einstecken eines Flyers bemerkte, dass ich die Tickets im Auto vergessen hatte, da hätte ich mir doch eine nähere Parklücke gewünscht. Bei der Hitze untrainiert und im mäßig geeigneten Schuhwerk den vollen Paniklauf durchziehen, war nicht drin, wenn ich das Konzert noch auf den Beinen erleben wollte, also immer schön auf die Uhr geschaut und die Strecke gut eingeteilt... Am Ende kam der dicke Mann genau zum Intro vor der Bühne an. Und nach dem ersten Song konnte ich dann auch wieder einigermaßen normal atmen.


Dream Theater legten gleich mit ein paar der härteren Nummern der letzten drei Alben los, von denen "The Shattered Fortress" wohl die größte Überraschung darstellte (falls man die Setlist nicht schon im Internet gespickt hat) und "On The Backs Of Angels" schon frühzeitig als Ersatz für "Pull Me Under" fungierte. Der erste ganz große Höhepunkt war für mich, der die Band 1997 kennengelernt hat, der "Falling Into Infinity"-Epos "Trial Of Tears", in dem Jordan Rudess zum ersten Mal sein portables Keyboard in die Hand nahm. Überhaupt legt der Mann mit seinen dreh-, schwenk-, kippbaren Ständern und Kameras viel Wert darauf, sichtbar zu machen, was er tut. Von vielen anderen Keyboardern sieht man ja nur, dass sie hinter ihrem Instrument stehen und irgendwas tun.



Und wo ich schon bei den Einzelmusikern bin: Als nächstes folgte das Instrumentalstück "Enigma Machine" vom aktuellen Album, in welches ein exzellentes, kurzweiliges und auch kompositorisch passendes Drum-Solo eingebaut wurde. Aber Mike Mangini ist natürlich auch ohne Solo eine Show für sich. Im Studio könnte manches von ihm durchaus noch markanter werden, aber live kann ich mir Dream Theater ohne dieses Monstrum hinter der Riesenschießbude kaum noch vorstellen. (Zumal ich ja auch mit Herrn Portnoy in dessen neuen Job bei den Winery Dogs sehr glücklich bin.)

Im folgenden "Breaking All Illusions" erwartete die Zuschauer dann eine der größten Solo-Sternstunden von John Petrucci, der übrigens Geburtstag feierte, laut Sänger James LaBrie seinen zweiundzwanzigsten. Respekt!
Aber ich will und muss gar nicht weiter auf musikalische Einzelleistungen eingehen. Natürlich ist bei dieser Band jeder ständig auf Weltniveau. Die New Yorker Dream Theater sind die deutsche Nationalmannschaft des Progmetal. (Ich schreibe das hier noch vor dem WM-Finale.)


Der erste Teil des Abends war vorüber und Band und Fans hatten erstmal fünfzehn Minuten Pause. Deren zweite Hälfte wurde allerdings auf der Videowand mit reichlich YouTube-Schnipseln verkürzt: ungewöhnliche Dream Theater-Coverversionen, Fans spielen Mike Manginis Audition nach ("Triangle Guy"), Petrucci und LaBrie haben einen Lachflash im Interview usw.
Dazu noch diverse Fake-Werbespots, u.a. für Actionfiguren... Da fällt mir jetzt auf, dass ich überhaupt gar nicht am Merchandise-Stand gewesen bin. Da hat doch irgendwas nicht funktioniert!


Die zweite Konzerthälfte bestand aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums jenes Albums (welches Petrucci also als Zweijähriger eingefiedelt hat) aus der zweiten Hälfte von "Awake". Yep, inklusive dem live vor dieser Tour nie gespielten Kevin-Moore-Song "Space-Dye Vest"! Großartig!

Mit der monumentalen "Illumination Theory", die ich persönlich auch gerne gegen den "Count Of Tusnay" getauscht hätte - aber man kann ja nicht alles haben -, schloss das Set dann wieder mit einer neuen Komposition.






Insgesamt war die Setlist vielleicht die beste seit der "Scenes From A Memory"-Tour im Jahr 2000.
Ein Schnelldurchlauf durch das legendäre Konzeptalbum bildete dann passenderweise auch die Zugabe für das erstklassige Konzert.

Und was kann man sonst noch sagen?
Auch wenn im Stadtpark immer pünktlich um zehn Schluss sein muss und es eine strenge Lautstärkenbegrenzung gibt, ziehe ich Dream Theater bei bestem Sommerwetter draußen jederzeit Dream Theater in seelenloser und eiskalter Mehrzweckhalle im Winter vor.

Außerdem lustig: Dieser eine dauerangespannte Security-Mensch, Fantyp Böhse Onkelz, der anscheinend von der friedlichen Gesamtsitation total überfordert war und auch in den veträumtesten Passagen stets nervös mit einem Bombenanschlag zu rechnen schien. Schon fast eine Show für sich, vergleiche auch Mike Mangini, halt nur ohne spezielle Fähigkeiten.


Ja Mensch, was soll ich als Fazit sagen: gestern Dream Theater at their best, heute Abend voraussichtlich noch Weltmeister - was für ein feines Wochenende!

Und gleich laufe ich nochmal eine Runde, so lange der Muskelkater sowieso noch zwickt.

Es sei denn, mir fällt gleich noch spontan eine doofe Ausrede ein, haha...
Oh, jetzt regnet es. Und ich will mich doch nicht erkälten.







Setlist:
  • The Enemy Inside
  • The Shattered Fortress
  • On The Backs Of Angels
  • The Looking Glass
  • Trial Of Tears
  • Enigma Machine
  • Along For The Ride
  • Breaking All Illusions
  • The Mirror
  • Lie
  • Lifting Shadows Off A Dream
  • Scarred
  • Space-Dye Vest
  • Illumination Theory
  • Overture 1928
  • Strange Déja Vu
  • The Dance Of Eternity
  • Finally Free

2014-07-06

52 Wochen | 25 | hand

170/365 • hand

Die Auswahl fiel schwer diese Woche, aber dieses Bild hat wohl am ehesten mit "echter" Fotografie zu tun. ;)

2014-07-02

meine Roadburn-Scheiben (AVATARIUM, BONG, LUMERIANS, NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS, PAPIR MEETS ELECTRIC MOON, SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES, THE DEVIL'S BLOOD, TRIPTYKON, YOB)

Ob ich es dieses Jahr wieder durchziehe, alle von mir gekauften dieses Jahr erschienen CDs zu reviewen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, da ich z.Zt. wirklich kaum Zeit übrig habe.

Ich werde jetzt aber mal wieder anfangen, ab und zu etwas zu schreiben. Beginnen möchte ich mit einer weiteren Roadburn-Huldigung, in der ich ein paar Worte zu allen Tonträgern verliere, die ich mir während oder infolge des Festivals zugelegt habe. Und das sind schon einige mehr als nach jeder anderen Veranstaltung. Nach Wacken verspüre ich nämlich keinen vergleichbaren Kaufrausch.

Nicht berücksichtigt sind die zwei, drei Alben, die ich mir in Vorbereitung aufs Festival besorgt habe, sowie die (vor)bestellten Werke von Conan und Yob, die noch nicht bei mir eingetrudelt sind. Und wer weiß, was da sonst noch kommt...




AVATARIUM - Avatarium (2013)

Als Candlemass-Fan hätte ich mir das Debütalbum der vermutlich legitimsten Nachfolgeband vielleicht auch eines Tages ohne das Festival gekauft. Nach dem Auftritt beim Afterburner führte aber kein Weg daran vorbei. Tatsächlich geht es auf dem selbstbetitelten Werk ja sogar eine Ecke kreativer und stilistisch offener zu als auf den letzten Scheiben von Candlemass (welche ich nach wie vor grandios finde), so dass ich mich an Avatarium auch schon mehr festgehört habe. Der auch im Studio fantastische Gesang von Jennie-Ann Smith trägt natürlich auch einen erheblichen Teil dazu bei. Hätte ich die Band letztes Jahr schon entdeckt, wäre ihr ein Spitzenplatz in meinem Jahresrückblick sicher gewesen.

Anspieltipps: Moonhorse, Boneflower, Tides Of Telepathy





BONG - Mana-Yood-Sushai (2012)

Ultragemächlicher Drone-Doom trifft meditative bis beschwörerische indische Klänge. Zwei Tracks, einer 27, der andere 19 Minuten lang. Nicht nur live ist Bong eine der konsequentesten Bands, die ich je erlebt habe. Dabei ist "Mana-Yood-Sushai" ein erstaunlich zugängliches Werk. Vorausgesetzt, ich habe die Zeit, mag ich gerade den Titeltrack bei jeder Gelegenheit gerne hören, wobei ich nachts im Auto besonders empfehlen möchte. Wie sich dieses Ding innerhalb eines einzigen Themas so ganz allmählich immer weiter steigert, das ist schon ganz große Kunst. Der zweite Song "Trees, Grass And Stones" funktioniert ähnlich, nähert sich aber etwas mehr "normaler" Rockmusik an und garniert das hypnotische Erlebnis streckenweise mit einer schönen, an die guten alten Fields Of The Nephilim erinnernden Leadgitarre.

Anspieltipp: Dreams Of Mana-Yood-Sushai





BONG - Stoner Rock (2014)

Der Albumtitel ist gleich mal ein Statement: Vergesst alles, was ihr über das Musikgenre Stoner Rock zu wissen glaubt! Das hier und nichts anderes ist "Stoner Rock". Und das angesichts eines Werkes, das viele Hörer wahrscheinlich nicht einmal mehr unter dem Obergebriff "Rock" einordnen würden, so weit ist es von dessen üblichen Erscheinungsformen entfernt. Das über 36minütige "Polaris" ist die ultimative Bong-Prüfung. Überstehst Du dieses schleichende Ungetüm, dessen Zeitlupenriff aus einem einzigen - ja wirklich einem einzigen! - Ton besteht, dann sind alle anderen Stücke der Band ein Spaziergang. Das gilt dann auch für das nachfolgende, fast ebenso lange "Out Of The Aeons", welches sich an Komplexität des Arrangements im relativen Vergleich wie Progrock ausmacht. Die meisten Musikkonsumenten kämen ohne Zuhilfenahme leichter Drogen aber wahrscheinlich gar nicht bis hierher. Ich bin auch ohne Hilfmittel begeistert, finde die "Mana-Yood-Sushai" allerdings noch etwas fluffiger. 

Anspieltipp: Polaris





LUMERIANS - The High Frontier (2013)

Lumerians spielen trippig seltsame Feelgoodmucke, die ich nach wie vor kaum irgendwo einordnen kann. Also wiederhole ich einfach mal sinngemäß, was ich schon im Livereview geschrieben habe: Tanzbare Musik mit Vocoder-Gesang, funkigem Bass und wechselndem Fokus auf Gitarre und Keyboards, in der sich Spuren sowohl von Krautrock als auch von den Beach Boys oder wenn man lustig ist sogar Daft Punk ausmachen lassen. Wobei in den letzten Vergleich wahrscheinlich noch der Eindruck der Liveshow mitschwingt... Auf jeden Fall super Zeugs.

Anspieltipps: Koman Tong, Dogon Genesis, Abudhabijhab






NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS - The Cosmic Child (2013)

Man könnte sagen, die schwedische Band mit dem grenzgenialen Namen spielt in den 70er Jahren geerdeten Progmetal. Aber ich behaupte einfach mal, New Keepers Of The Water Towers sind die cooleren Opeth. Also minus Death Metal und plus Stoner Rock und Pink Floyd natürlich. "Cosmic Child" könnte meinetwegen noch gerne ein oder zwei Tracks mehr vertragen, ist davon abgesehen aber ein uneingeschränkt empfehlenswertes episches Metal-und-drüber-hinaus-Album.

Anspieltipps: Pyre For The Red Sage, The Great Leveller






PAPIR MEETS ELECTRIC MOON - The Papermoon Sessions (2013)

Im Livebreicht habe ich zu den Papermoon Sessions nicht viel geschrieben, und auch bei diesem Tonträger würde ich nicht auf die Idee kommen, mir eine musikalische Tiefenanalyse aus den Fingern zu saugen. Zwei erfahrene Space Rock Jam-Bands treffen aufeinander und jammen Spacerock. Das tun sie sehr gekonnt, in drei Tracks zusammen eine Dreiviertelstunde lang. Ob man drauf steht, können einem eh nur die eigenen Ohren zeigen. Von mir gibt jedenfalls die volle Kaufempfehlung!

Anspieltipp: Farewell Mr. Space Echo





THE DEVIL'S BLOOD - The Thousandfold Epicentre (2011)

Nein, natürlich haben sie nicht auf dem Festival gespielt. Bis auf ein paar Livevideos ist der Hype rund um The Devil's Blood jedoch damals komplett an mir vorbeigegangen. Der Auftritt und die Veröffentlichung der Nachfolgeband haben mich jedoch schwer beeindruckt, so dass ich jetzt gerne nachsitze. Die Kombination von Bandname, Titel und Cover schreit geradezu "Klassiker" und diese Erwartungshaltung löst die Musik dann auch mühelos ein. The Devil's Blood spielten Proto Metal, was eigentlich widersinnig ist, da dieser Kunstbegriff ja einer Reihe ganz unterschiedlicher - und bereits von anderen Genres beanspruchter - Künstler wie z.B. Blue Öyster Cult, King Crimson und Led Zeppelin im Nachhinein als Musik beschreibt, die vor der Definition bzw. den Definitionen von "Heavy Metal" bereits einige seiner Schlüsselelemente vorweg genommen haben. Demnach kann also vierzig Jahre später keine Band mehr Proto Metal sein, es sei denn sie benutzt eine Zeitmaschine, um die Musikgeschichte neu zu schreiben. Und genau das haben The Devil's Blood im Grunde getan. Ihr treibender, von wilden Gitarren und der charismatischen Stimme Farida Lemouchis dominierter, rauschhafter, besessener, beschwörerischer Okkultrock ist ganz klar ein missing link und ein Höhepunkt in der Evolution des Metal.

Anspieltipps: She, The Thousandfold Epicentre, Cruel Lover






SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Earth Air Spirit Water Fire (2014)

Nach der Auflösung von The Devil's Blood blieb sich Mastermind Selim Lemouchi musikalisch in gewisser Weise treu, da auch in seinem neuen Projekt statt einfach alte Idole zu kopieren "Was wäre wenn?" mit der Rockhistorie gespielt wurde. Wo er vorher die Ursprünge des Heavy Metal neu erdacht hatte, flog er diesmal mit der Zeitmaschine tief in die psychedelische Frühphase von Pink Floyd zurück ließ jene in seinem Paralleluniversum sich nicht Richtung der gebremsten, kontrollierten "Dark Side Of The Moon" und "The Wall" entwickeln, sondern baute stattdessen auf der ungezügelten Seite der Band auf ließ diese auf neue Einflüsse treffen. Das Line-Up wurde etwas aufgestockt, insbesondere die beiden unisono spielenden Drummer fallen auch im Studio als besonderes Stilmittel auf. Für den emotionalen Höhepunkt sorgt im Finale "Molasses" wieder einmal Selims Schwester Farida mit einer zeitweise an Lisa Gerrard (Dead Can Dance) anklingenden, äußerst eindringlichen Gesangsdarbietung. Doch auch die - an wen wohl erinnernden? - männlichen Harmoniegesänge können sich hören lassen.

Anspieltipps: Molasses, Chiaroscuro



SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Mens Animus Corpus (2013)

Für die "Earth Air Spirit Water Fire" vorangegangene EP gilt noch nicht ganz, was ich über das Album geschrieben habe. Um noch einmal das Zeitmaschinenmotiv aufzugreifen: auf "Mens Animus Corpus" war diese anscheinend noch aus Richtung The Devil's Blood unterwegs und noch nicht ganz beim eigentlichen Ziel angekommen. Sehr hörenswert ist dieser halbstünder ebenfalls. Aber auch wenn "Your Way Down" fantastisch exzessiv vierzehn Minuten lang auf einem wilden Rockriff herumwütet, fehlt noch das ganz große Gefühlskino, wohl auch weil Farida Lemouchi hier noch nicht wieder mit an Bord war.

Anspieltipp: Your Way Down






TRIPTYKON - Melana Chasmata (2014)

Das neueste Werk der Celtic Frost-Nachfolgeband hätte ich mir natürlich auch ohne Roadburn Fesival besorgt. Ich hatte sie auch schon vorbestellt. Aber da der Veröffentlichungstermin  ja genau auf dem Wochenende lag, habe ich mir "Melana Chasmata" dann doch gleich direkt im 013 eingesteckt.

Grundsätzlich verfolgt das Album, welches erneut ein Gemälde des kürzlich verstorbenen Künstlers (und persönlichen Freundes von Thomas Gabriel Fischer) H.R. Giger als Cover schmückt, einen ähnlichen Sound wie seine Vorgänger "Monotheist" (Celtic Frost) und "Eperistera Daimones" (Triptykon). Das ohnehin schon breite stilistische Band, welches sich durch die Düsternis spannt, wird hier noch einmal zu beiden Seiten hin verlängert. Und auch die Detailverliebtheit scheint mir gewachsen zu sein. Im Wechselspiel zwischen Aggression und Melancholie liegt letztere (gefühlt, nicht nachgemessen) vorne. Und auch wenn die Schweizer mit einigen lange ausexerzierten Riffs oder dem experimentellen Ausklang "Waiting" schon beinahe versuchen, einen Teil der Hörerschaft abzustoßen - "Melana Chasmata" will über seine gesamten fast siebzig Minuten einfach niemals langweilig werden. Egal welches Tempo, ob Death oder "Gothic", was Triptykon anfasst, das hat Tiefgang und wird mit dem Selbstbewusstsein desjenigen, der es erfunden hat zelebriert.
Fischer ist auch nach über dreißig Jahren des Metal-Pioniertums immer noch ein Innovator. Und mit Triptykon schart er auf Augenhöhe eine hungrige Band um sich, deren individuelle musikalische Klasse am Gesamtwerk einen ebenso großen Anteil hat wie seine persönliche Vision.
Mein Fazit: Dieses Album gehört mit Sicherheit zu den besten seiner Laufbahn und unterstreicht, was ich anderorts schon geschrieben habe, nämlich dass Triptykon zu den wichtigsten Metalbands der Gegenwart zählen.

Anspieltipps: Black Snow, Tree Of Suffocating Souls, In The Sleep Of Death, Boleskin House






YOB - Atma (2011)

Dieser Gitarrensound! Die gewöhnungsbedürftige, beim ersten Hören dumpf erscheinende, tiefknarzende Verzerrung, mit der Mike Scheidt das Klangbild des Trios dominiert und mit der er neben purer Doom-Metal-Wucht auch überraschend dynamisch agieren kann, ist an sich schon ein eigenes Review wert. Musikalisch sind Yob für mich die epische US-Powermetal-Version der Melvins. Ungemein mächtig, cool, böse, und dabei niemals kitschig. Die Soundphilosophie - vermeintlich unterproduziert, aber in Wahrheit von der ersten bis zur letzten Minute auf den Punkt genau richtig - lässt auch vergleiche mit den letzten Alben von Autopsy zu. Im Grunde enthält Yobs "Atma" fast alles, was im (langsamen bis Midtempo-)Metal besonders geil ist. Herausragend finde ich speziell, wie auf dem Album über vier lange Songs die Spannung gehalten wird und man hat die ganze Zeit das Gefühl hat, dass die Band sich noch mühevoll selbst zügelt, um irgendwas zurückzuhalten.
Und im abschließenden "Adrift In The Ocean" lassen die Amis es dann raus. Offene, teilweise sogar schöne Klänge formen einen epochalen Metal-Longtrack mit grandiosem Leadgitarrenfinale für die Ewigkeit. Gewaltig!

Anspieltipps: Adrift In The Ocean, Atma






YOB - The Unreal Never Lived (2005)

Fast alles was man Gutes über "Atma" sagen kann, trifft so auch schon auf das ein paar Jahre ältere Werk "The Unreal Never Lived" zu. Statt einer übergreifenden Dramaturgie, die die ganz große emotionale Tiefe bis zum Schluss hinauszögert, spielen sich hier die Spannungskurven noch mehr in den Songs für sich ab. Derer sind vier, und sie sind alle zwischen neun und über einundzwanzig Minuten lang. Unterm Strich gibt es also neben mächtigem Geranze für die Magengrube also auch mehr Momente zum ehrfürchtigen Schwelgen. Der zwischen Death Metal-Grunts und rauer Power Metal-Sirene variierende Gesang muss auch lobend erwähnt werden. Und was für ein gewaltiger Songbrocken ist "The Mental Tyrant"? Fantastisch! Sound und Stil von Yob haben sich hier bereits gefunden und sollte ich mich zwischen "Atma" und "The Unreal Never Lived" entscheiden müssen, es würde mir das Hirn zerreißen. Wird wohl Zeit, dass der nach Ansicht vieler Fans eigentliche Magnum Opus der Band "The Great Cessation" endlich wieder lieferbar wird, um mich davor zu bewahren.

Anpieltipps: The Mental Tyrant, Quantum Mystic

52 Wochen | 24 | poção mágica

160/365 • poção mágica