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2017-10-01

2. LAUSCHBAR Benefiz Rock Festival • 30. September 2017, Itzehoe (mit MAJAK, KAPEISTER u.a.)

Majak

Das zweite Benefiz-Festival in der Lauschbar läuft diesmal über zwei Tage. Heute bleibe ich allerdings zu Hause, denn als untrainierter Passivraucher reicht mir ein Abend leider. Aber das Problem beschrieb ich ja schon im Februar nach dem letzten Festival dort.

Habe immer noch das Gefühl, dass mir jemand eine Kippe an die Nase hält.




Abgesehen davon habe ich auch gerade selbst mit DruturuM geprobt.

Doch nun zu gestern:



Ray van Steel


Ray van Steel waren mit ihrem Power Metal ja schon letztes Mal nicht meine Baustelle. Außer einem Besetzungswechsel am Schlagzeug kann ich hier auch keine Änderung vermelden.

Sänger Raimund wurde ich gerne in einem ruhigeren Umfeld hören, da mir seine Stimme in den wenigen sanfteren Passagen am besten gefällt. Und dieses E-Flötending klingt mir nach wie vor zu sehr nach Nintendo. In einem kauzigen Krautrockumfeld könnte mir das Instrument hingegen zusagen.

Am Ende hatte man fast den Eindruck, die Band wollte das Set mit einem klassischen Metal-Drumsolo beenden, was eigentlich eine ganz coole, seltsame Idee gewesen wäre. War fast ein bisschen schade, dass die restlichen Musiker dann doch noch auf die Bühne zurückkehrten. Naja, just my two cents. Wie gesagt war das eh nicht wirklich mein Ding.


Kapeister


Den Rage Against The Machine-Gedenk-Crossover (inkl. obligatorischem "Killing In The Name"-Cover) von Kapeister fand ich auch in der Wiederholung sehr launig.
Die über die tighten Grooves sprechgesungenen Texte liefern klare Ansagen, die gerade in Zeiten politischer Blauseuche und Hitler-Tourettes wohl auch immer mal ausgesprochen werden müssen.

Nicht so sehr zündete der Versuch, relativ früh im Set mit der Johnny Cash-Version von "Hurt" eine ruhigere Note zu setzen. Das Lied war zwar in Ordnung, in diesem Umfeld aber eine unnötige Spaßbremse. Und Spaß verbreiteten die Kapeistermeister ansonsten fett und reichlich.


Surfits



Gewaltig gute Laune herrschte danach auch bei den Surfits.

Allerdings ohne mich, denn der Tag, an dem ich mit poppigen Ska-Punk was anfangen kann, liegt noch weit in der Zukunft - kurz bevor ich Reggae so richtig geil finde vermutlich.

Habe doch lieber draußen geschnackt.



Majak


Zum Abschluss des Abends (ok, es war schon weit nach Mitternacht, aber ich hatte nicht auf die Uhrzeit geachtet) gab es mit Majak eine sehr amtliche Ladung Metal.

Hauptsächlich waren es Death und Thrash, aber durchaus auch böser Hard Rock, immer mit einer spürbaren Verwurzelung in Venom und Zeitgenossen, den die Neumünsteraner zelebrierten. Die Jungs verbinden fast ausschließlich hochtraditionelles Zeug zu einer Mischung, die tatsächlich einen eigenen Sound ergibt.

Man merkt, dass Majak wissen, was sie da tun. Das trifft vor allem auf den Gesang zu, denn man hat gleich drei starke Stimmen dabei; der Leadgitarrist / Frontmann macht einen ordentlichen David Vincent. Der Rhythmusgitarrist hat eine markant tiefkehlige Stimme, für die mir momentan so gar keine Referenz einfällt. Und der Drummer haut einfach mal so die Metalsirene aus.
Nicht übel, das Ganze. Gar nicht übel.



Insgesamt war die Trefferquote für mich beim letzten Festival höher. Aber da spielten ja auch noch mehr Bands.

Und das tatsächlich langfristig erinnerungswerteste Konzert des Tages war schon die Gong-Performance, die ich direkt vorher in der Volkshochschule besucht hatte.

Allerdings war das ja auch eine vollkommen andere Geschichte.

Und ein sehr netter Abend war es auch so. Gerne wieder! Und ich hoffe mal, in einer der künftigen Ausgaben auch von der anderen Seite der Bühne dabei sein zu können.



Ray van Steel:










Kapeister:











Majak:











PETER HEEREN Gong-Konzert in der VHS Itzehoe (30.09.2017)

Symbolbild (aus der Erinnerung gezeichnet)


Gestern war ich noch bis spät in die Nacht auf dem 2. Benefiz-Festival in der Lauschbar Itzehoe, welches übrigens heute (ohne meine Anwesenheit) andauert.

Vorher allerdings bot sich die Gelegenheit, mal eine ganz andere Art Konzert aufzusuchen.

Peter Heeren, Kirchenmusiker und Komponist aus Marne spielte in einem Klassenraum der VHS Itzehoe ein Gong-Konzert. Dazu hatte er zehn Gongs zwischen schätzungsweise 60 und 120 cm Durchmesser aufgebaut, eine beachtliche Wand, welche selbst leicht um die Ecke gestellt noch die gesamte Länge des Raumes beanspruchte.

Es gab zwei Interpretationen von Fremdkompositionen mit den unfassbar kreativen Namen "Gong" und "Klangwerk" zu hören, beide wohl so um eine halbe Stunde lang.

Sehr geduldiges, langsames, dynamisches Zeug, wie man sich leicht vorstellen kann. Unzählige Schlegel und Klöppel unterschiedlicher Größe, sowie ein Geigenbogen kamen zum Einsatz und offenbarten zahlreiche Klnagfarben der Gongs. Am zweiten Stück beteiligten sich außerdem noch ein selbstgebautes Glockenspiel aus Kupfer-Heizungsrohren und ein Zufallsklaviernoten spielender Computer.

Auch wenn diese Art Musik zu jenen gehört, bei denen meinen Tinnitus mehr nervt als sonst und der Rahmen sicherlich nicht mit einem stimmungsvoll ausgeleuchteten Club mithalten kann (für Konzerte geeignete Steinzeithöhlen haben wir hier ja leider nicht), fand ich das Ganze sehr spannend.

Abgesehen von der sterilen Hochkultur-Präsentation war dieses Konzert auch in vielerlei Hinsicht durchaus vergleichbar mit Drone- und Doomjazz-Shows. Sehr stimmungsvoll und beeindruckend.

Kann mir mal jemand ein paar riesige Gongs und einen eigenen Übungsraum dafür spendieren? Bankverbindung auf Nachfrage, ansonsten gerne per Paypal.




#LBS 39|52 - autumn



From a few days ago. Today's short trousers day.

A long as autumn is warmer than those last summer weeks I don't mind.


SLOMATICS - Futurians: Live At Roadburn

I feel like the Slomatics are a little underrepresented in this blog. I've used them as a reference / comparison a couple of times, but I haven't written about any release of them. Especially their newest studio album, last year's "Future Echo Returns" deserves some loud praise. Yet I was a late buyer, so it didn't fall under my rule of mainly reviewing music which was published in the current year, so I postponed it in favor of many other texts.

But since we're here now, let me quickly honor "Future Echo Returns" by saying that it is not only one of the finest pieces of ultra fuzzy sludge doom you can find out there, but also that its last track "Into The Eternal" is nothing less than the doom metal equivalent of Queen's "In the Lap Of The Gods... revisited". Check it out, it's fucking grand!



Of course I have written one Slomatics review, because I've seen them this April at the Roadburn Festival. That paragraph was relatively brief though, so I am happy to add a sentence or two now with the upcoming release of this live record next Friday.




SLOMATICS - Futurians: Live At Roadburn (clear vinyl LP) (2017)

Damn, this soup of fuzz and distortion the Irish trio creates with their two guitars (and not even a bass guitar) is a seriously thick and murderous fucker! To maintain its overwhelming heaviness while keeping it listenable and not burying the band's character must surely be a challenge for any sound engineer.

Luckily there were some capable guys involved in this, so his live album constantly operates on the threshold to "whoa, come on, this is too much, man!" and it's brilliant.

No, you won't get the level of detail or all the sci-fi nuances from the Slomatics' studio recordings here. But what you get instead is a shitload of what made this concert so special in the first place: fun!

Slomatics live at the 013, Tilburg
I probably wouldn't count this show in my top ten performances of Roadburn 2017, but that says more about the occasion than about the band. This was still a fantastic concert without any flaws. While their music of course still is the heaviest, meanest sludge, you seldom see a band play this style with such overt joy and happiness. With the exception of the historic Zeal & Ardor performance, there was no other show with this strong communal sense of "Hey, can you believe it? We're all here at Roadburn, Baby!"

Ok, I'm biased because I was there, but I really think this carries over to the record.

And if it doesn't? Well, you still have eight tracks of phenomenal crushing amplifier and Melvins worship, featuring a drummer/singer who seems to bellow at you from the surface of Mars. Not to forget the icing on the cake: Jon Davis of Conan as guest on "March Of The 1000 Volt Ghost".

The clear vinyl looks and plays good as well, so what's not to love about this?

An excellent start for the new Live at Roadburn record season. I'm excited to see which other shows I have seen may find their way onto an album.




Highlights: Supernothing, March Of The 1000 Volt Ghost, And Yet It Moves, Running Battle


2017-09-27

ZOLA JESUS - Okovi

Zola Jesus schwirrt schon länger auf meiner endlos langen Liste von Künstlern, mit denen ich mich irgendwann mal näher beschäftigen sollte, herum. Und das nicht nur, weil ich nach bestimmt schon über fünfzehn Jahren endlich, ohne die alphabetische Reihenfolge zu verbiegen, etwas anderes als den italienischen Dream Theater-Klon Zen am Ende meines CD-Regals stehen haben wollte.

Als mich das Internet neulich irgendwie auf die Bandcamp-Seite der Sängerin schubste, habe ich mich aber sofort so sehr in ihr neues Album verliebt, dass ich sie nicht länger aus meiner Sammlung ausschließen konnte.


ZOLA JESUS - Okovi (CD) (2017)

Die meisten Vergleiche, die mir zu Zola Jesus als Sängerin und zur Musik auf "Okovi" einfallen, sind wohl ziemlich offensichtlich.

Stimmlich hat sie große Ähnlichkeit mit Florence Welch, nur ein wenig tiefer. Dazu setzt sie sich natürlich auch durch ihren Akzent (US-Amerikanerin, doch ich bilde mir ein, dass sie zumindest beim Singen ebenso ihre europäisch-russischen Familienwurzeln ein bisschen kultiviert) von der Engländerin ab.

Außerdem ist gar nicht mal so selten - und gar nicht mal so übel, wie mancher erschrockene Leser jetzt denken mag - eine Spur Rihanna mit drin, z.B. in "Wiseblood".

Trotzdem ist vor allem die Ähnlichkeit zu Welch nicht nur in ihrer Phrasierung unbestreitbar. Auch Jesus' Songwriting hat insbesondere in den hymnischeren und tanzbaren Passagen des Albums starke Züge von Florence + The Machines "Ceremonials".

Sollte ich "Okovi" in einem Satz zusammenfassen müssen, dann würde ich sagen, dass es eine Kreuzung aus "Ceremonials" mit den Björk-Alben "Vulnicura" und "Homogenic" unter der Beigabe der Düsternis von Chelsea Wolfes "Pain Is Beauty" ist.

Der Bezug zu Björk ist ebenfalls unmöglich zu überhören, denn die Instrumentierung mit Streichern über Elektronik ist den genannten Alben schon sehr ähnlich. Auch was den emotionalen Einsatz angeht, braucht sich Zola Jesus nicht vor der isländischen Ikone zu verstecken.

"Okovi" ist insgesamt ein eher introspektives Werk, welches sich jedoch nie im Ambient-Mäandern verliert oder vor dem Zuhörer verschließt und noch dazu immer im richtigen Moment den katharsischen Ausgleich im Pop sucht. Zola Jesus meistert den Spagat zwischen künstlerischer Tiefe und Zugänglichkeit über die ganze Albumlänge.

Das einzige, was mich bisher ein bisschen stört, ist dass mir die Songs teilweise zu abrupt enden. Aber das ist schon wieder das bemüht gesuchte Haar in der Suppe, damit ich hier nicht als vollkommen unkritischer Abnicker dastehe.

Im Ernst: Vom Tränenbad "Witness" bis zum unwiderstehlichen Umpffumpffumpff von "Veka" ist dies trotz der genannten Ähnlichkeiten eine insgesamt sehr eigene, so anspruchsvolle wie ergreifende Sammlung elektrogothischen Art Pops, die in Ohr und Seele geht.

Wunderbar.




Highlights: Witness, Soak, Veka, Remains

2017-09-25

MOTORPSYCHO - The Tower

So aktiv wie Spidergawd sind, war es wohl kein großes Wunder, dass sich nach Motorpsycho-Bassist Bent Sæther auch Kenneth Kapstad irgendwann gegen die Doppelbeschäftigung bei den beiden norwegischen Bands entscheiden musste.

Der Trommelkrake ging allerdings in die andere Richtung, so dass Motorpsycho nach zehn Jahren mal wieder ohne Schlagzeuger dastanden. Während Sæther und Hans Magnus Ryan nun erst einmal überlegen mussten, in welcher Form es mit ihrer Band weitergehen sollte - die Drums mal wieder selbst einzuspielen und mit wechselden Gastmusikern zu arbeiten, stand z.B. im Raum - hat sich unter den Fans wohl kaum jemand ernsthaft  Sorgen gemacht, dass die Band in eine kreative Krise eintauchen könnte.

Spätestens als Tomas Järmyr als Ersatz verkündet wurde, waren dann wohl alle Sorgen beiseite gewischt. Nein, ich kenne sein Schaffen nicht wirklich, doch schon die vage Erinnerung an Youtube-Videos seiner Bands Zu und Yodok III reichte aus, um zu wissen, dass die hohe Latte an Können, Spielwitz und Irrsinn, die Kapstadt aufgelegt hat, wohl locker Bestand haben würde.

Oder etwa nicht?




MOTORPSYCHO - The Tower (golden vinyl 2LP) (2017)

Bereits ungehört ist "The Tower" als Statement zu erkennen. Bei Motorpsycho wird geklotzt, nicht gekleckert, also ist das erste Werk in der neuen Besetzung gleich ein Doppelalbum.

Ok, Doppelalben haben sie schon einige auf dem Buckel, darunter in den letzten Jahren u.a. titanische Werke wie "En Konsert For Folk Flest" oder das Konzeptalbum "The Death Defying Unicorn". Keines jedoch hat so ein gewaltiges Coverartwork. Nicht nur ist das finstere Covergemälde von Håkon Gullvåg - eine alptraumhafte Interpretation des Turmes zu Babel mit offensichtlichem Hieronymus-Bosch-Einschlag - eine Abkehr von den oft ja eher seltsamen Quatschcovern der Band. Es ist auch viermal so groß, da man es erst zum Poster aufgeklappt in ganzer Pracht betrachten kann. Und auch wenn dies für das Handling als LP-Hülle etwas unorthodox erscheint, muss ich doch zugeben, dass das Motiv dieses Format tatsächlich rechtfertigt.

Nein, in so einem Kunstwerk kann eigentlich kein musikalischer Stinker verpackt sein. Dagegen muss es ein physikalisches Gesetz geben.

Vor dem Auflegen schauen wir uns noch die Rückseite an. Diese enthält Credits und Texte. Eine CD liegt diesmal leider nicht bei, aber immerhin ein Downloadcode. (Den bekommt man allerdings nur, wenn man direkt bei Stickman Records bestellt!)

Das goldene Vinyl dieser limitierten Erstauflage sieht schick aus und klingt auch ordentlich.




Und nun also zur Musik: Sind Motorpsycho eine komplett neue Band?

Nein, natürlich nicht. Das Schlagzeugspiel von Järmyr ist etwas konkreter und härter als das seines Vorgängers, und er bringt außerdem noch mehr zusätzliche Perkussion und auch Gesang ein.

Dies alles schlägt sich gewiss nieder. So passt sich die Band an und dreht einigen Stücken den Fuzz deutlich rauf. Es wird leicht zugänglicht auf den Punkt gestonerrockt und die Songs sind gesanglich alle mit den drei großen Hs (Hooks, Harmonien und Hitpotential) ausgestattet.

Daneben gibt es aber nach vor noch reichlich Leises und Verspieltes.
So sind die mit ca. dreieinhalb Minuten mit Abstand kürzesten Lieder "Stardust" und "Maypole" beide von leichtem Hippiegeist getragener Folk, das eine Stück noch eher balladesk, das andere von lateinamerikanischer Rhythmik beschwingt.

Darüber hinaus ist ebenso das King Crimson worshipping nahezu allgegenwärtig. Mindestens drei der zehn Tracks muss man wohl mit dem überstrapazierten Begriff Prog-Epos belegen.

Mal bewegen Motorpsycho sich in jenen klanglich eher im normal von Motorpsycho gewohnten Rahmen wie in dem von treibenden Riffs und Licks befeuerten und zum Ende explosiv eskalierenden Albumabschluss "Ship Of Fools", mal steigen sie in bester Psych-Rock-Manier aus dem Pilztripgewaber auf ("Intrepid Explorer").

Mein persönlicher Favorit ist gleichzeitig mit fast sechszehn Minuten der längste Track.
"A Pacific Sonata"beginnt ebenfalls ganz ruhig und trumpft gleich mit großartigem Gesang auf. Der Song lässt sich viel Zeit, ehe er in eine fantastische zweite Hälfte übergeht, die wie die direkte Kreuzung aus Jazz Fusion und Post Rock (dieses Klavier!) klingt. Die größte Stärke dieses Übertracks ist vielleicht, dass er sich zwar immer weiter steigert und immer größer klingt, so dass man es sich kaum noch cineastischer vorstellen kann, Motorpsycho dafür aber nicht einmal alle zur Verfügung stehenden Dynamikstufen ausnutzen müssen. Fette Riffs, Bass zum Anschlag, Wall of Sound? Nein, hier wird schon mit anderen Mitteln maximale Intensität erreicht.


Und so sehr ich gerade "A Pacific Sonata" auch liebe, ich würde nicht sagen, dass irgendein anderes Lied schlechter ist. Nein, jedes einzelne Stück ist von vorne bis hinten großartig. Ich habe noch nicht die Spur eines Ausfalls entdeckt.
Sicher, das kann man wohl von mindestens jedem zweiten Album der Band sagen. Aber wie Motorpsycho hier in jedem Stück (mindestens) einen anderen Aspekt ihrer musikalischen Identität in den Mittelpunkt stellen und zu einem kompositorischen Volltreffer verwandeln, ist selbst innerhalb ihrer Vita höchst beeindruckend.

Jeder Song hier wäre ein eigenes Review wert. So viele mögliche Querverweise und Superlative... Auch die Texte verdienten Extratext. Und die Produktion ist sowieso das i-Tüpfelchen.
Aber hey, ich kann dem Ding hier eh nicht gerecht werden.


Was soll ich noch sagen? Motorpsycho treten hier als eine der besten Rockbands des Planeten in Erscheinung, die auch nach nun schon bald dreißig nimmermüden Jahren immer noch locker eine von Seite A bis D mit kreativen Höchstleistungen vollgepresste Ladung Platte in die Welt schleudern können, dass Otto Normalmusiker die Ohren schlackern.

Ich möchte ihm schon beinahe in die Fresse hauen, damit ich wieder mehr andere Musik hören kann, so gut ist "The Tower".

Album des Jahres? Mal sehen... Bei mir werden Motorpsycho nach bisherigem Stand wohl mit Dool und Loss um diesen Titel kämpfen.




Highlights: A Pacific Sonata, * The Tower, Ship Of Fools, A.S.F.E., The Cuckoo



* Ganz ehrlich, ab hier kann man eigentlich alle Songs des Albums in beliebiger Reihenfolge auflisten.



LÄRMHINWEIS!




"Druturum II: This Gloom Is All Ours"

DruturuM plays:



druturum II-I
druturum II-II
druturum II-III




Rock's, Windbergen (Dithmarschen), IV. XI. MMXVII


Veranstaltungsseite auf facebook

druturum.blogspot.com




2017-09-24

#LBS 38|52 - done my shit



Any blue-brown stains which may occur after today's election are not my fault.



EJECT NOISE FIX + DISSMELAND im Jugendtreff Itzehoe (23.09.2017)

Eject Noise Fix

Es ist eine taktische Wahl. Schreibe ich diesen kleinen Konzertbericht jetzt noch vor 18:00 Uhr, weil ich danach vor lauter Ärger über Neu-Nazideutschland keinen Bock mehr habe - oder schreibe ich ihn extra erst nach 18:00 Uhr zu Ende, um mich von der ganzen Scheiße abzulenken?


Wann war ich eigentlich das letzte Mal im Jugendtreff am Holzkamp in Itzehoe gewesen?
Muss auch schon ein paar Jahre her sein. Auf jeden Fall habe ich zu der Zeit noch nicht zu jedem lokalen Konzert etwas geschrieben. Ich glaube, es war irgendwas mit Thrash Metal... oder mit Die Void. Vielleicht war das auch beides zusammen... Ohne dieses Blog ist mein Gedächtnis offenbar ein Sieb.

Unter dem Motto "Noise aus der Nachbarschaft" spielten dort gestern jedenfalls Eject Noise Fix und Dissmeland auf. Und da die dritte Band Powerpissed kurzfristig absagen musste, taten sich die Mitglieder der verbliebenen Gruppen spontan zum an ihren weißen Mützen erkennbaren bluBoys zusammen.


bluBoys

Das bluBoys-Set war (bis auf den recycelten Song einer ehemaligen gemeinsamen Band von anno dazumal) komplett improvisiert, und das Publikum war auch aufgerufen, gerne ein Instrument in die Hand zu nehmen. Die große Stunde geltungsbedürftiger Gitarristen, sollte man meinen. Aber nein, nicht die beiden Sechsaiter, sondern nur Bass und Schlagzeug wechselten zwischendurch ihre Bedienung.

Das Ergebnis war eine gar nicht üble Melange aus Krach, Punk, ein bisschen Psychedelik und verwandtem schrägschönen Scheiß. Gute Chemie insgesamt, das war fein verrücktes Jamtainment.



Dissmeland

Beim ersten Song von Dissmeland (oder auch DML) dachte ich zuerst noch, das wäre mir vielleicht zu Punk nach Zahlen. Doch schnell zeigte sich, das die Hamburger jede Menge gute Ideen in ihre Songs gepackt haben, die das Zeug auch für mich nicht genresozialisierten Zuschauer interessant machten.
Auch wenn Noise wichtiges Thema war, fanden gerade die leiseren Töne fanden viel Zuspruch im Publikum. Und zum Finale gab's sogar ein mittelbombastisches Postrock-Build-Up.

Mid-set-special-move: Einfach mal Drummer und Gitarrist für zwei Stücke gegeneinander eintauschen. Warum auch nicht?


Eject Noise Fix


Jupp, Herr Prox, Sie haben ja recht. Das war Astra sei Dank im Vergleich zum Lauschbar-Auftritt im Februar schon alles ein bisschen hektisch und fahrig.

Allerdings muss man dem hyperaktiven Riffbingo-Instrumentalduo Eject Noise Fix lassen, dass ihre irrwitzigen Stücke auch in grobmotorischerer Ausführung immer noch gut knallen und den Kopf zerkneten.
Stinkt die Musik nach Fisch, freut sich der Seehund, wie wir in Norddeutschland sagen.


Sauberer Abend!

bluBoys:









Dissmeland:








Eject Noise Fix:









 

2017-09-15

DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND - What Makes You Pray

It's that time of the year again. In einem Monat, Mitte Oktober, beweisen Der Blutharsch And The Infinite Church Of The Leading Hand mal wieder, dass sie nicht nur live spielen und unverlangt nackige Backstageeinblicke auf facebook posten können. Dann erscheint auf allen gängigen Formaten (LP, Knäckebrot, Toast, ihr wisst schon) das neueste Studioalbum der österreichischen Finsterpsychedeliker.


DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND - What Makes You Pray (2017)

Das Album wird eröffnet mit dem zwölfminütigen Stück "Shine", einer geduldigen Meditation, in der allerhand Keyboardklänge und andere Geräusche über einem hypnotisch ranzenden Bassriff schweben, was insgesamt eine Stimmung ergibt, wie man sie ähnlich bei entrückten Doomern wie Bong oder Zaum erleben kann. Und nebenbei übermittelt der Opener auch gleich in seinen ersten Sekunden die frohe Kunde, dass der gelungene Sound von "Sucht & Ordnung" kein Ausrutscher war, sondern dass die Zeiten dumpfer Unterproduktion bei DBATICOTLH wohl tatsächlich dauerhaft vorbei sind.

Die restlichen acht Songs und Zwischenspiele sind alle deutlich kürzer, und mit dieser kompakten Struktur schließt "What Makes You Pray" insgesamt weniger an die langen Jams von "Sucht & Ordnung" und den "Wolvennest Sessions", sondern vielmehr an das von (relativ betrachtet) konventionellerem Songwriting geprägte Album "Joyride" von 2015 an.

Stilistisch fahren Der Blhsdaoifuhsdfhsfdhkjlkjh dabei ein breites Programm auf, dessen größte Konstante die zumeist sehr repetive Rhythmussektion ist. Darüber haben die Stücke mal einen instrumentalen Schwerpunkt, mal die Hauptgewichtung auf Marthynnas für mich immer noch nicht hundertprozentig einsortierbaren Gesang, der den ohnehin großteils recht düsteren Stücken einen noch enigmatischeren und z.T. auch strengeren Anstrich verleiht.

Ob organischer oder eher roboterhaft, fast immer sind auch ein unterschwelliges cineastisches Element und eine gewisse Coolness zugegen. Insgesamt passen die dunklen, neueren White Hills-Sachen ganz gut als Referenz für das, was uns Albin Julius und Co. hier ins Gehirn telekinesen.

Die am meisten als andersartig herausragenden Tracks sind das Ambient-"Interludio", das Postrock-zum-mit-ausgebreiteten-Armen-im-Regen-Stehen-Zwischenspiel "Right" und mein persönlicher Favorit "El Veaso". Es gibt Dinge, mit denen kriegst Du mich musikalisch so ziemlich immer rum, eine ordentliche Prise morriconeskes Spaghettiwesterntum gehört ganz gewiss dazu und macht dieses Stück für mich zu einem der lässigsten Ohrwürmer des Jahres.

Der Rausschmeißer "Time" ist eine bewusst etwas schräge und unbequem stolpernde Industrial-Ballade, so dass man "What Makes You Pray" mit einem Anflug von Erleichterung verlässt. Danach folgt allerdings noch ein hidden track. Vor diesem empfehle ich allerdings dringend, die Lautstärke ein paar Stufen höher zu drehen, damit man auch alle Details mitbekommt.

Fazit / Prädikat: ziemlich geil.

Fans von Der Blopwequihldjkösdsdkaä werden gewiss nicht enttäuscht, und auch wer Der Bliasdizfgbwefhsdjhllkjhfl noch nicht kennt, aber meint, für Dark Psychedelic Rock mit Doom-, Industrial-, Ambient- und Drone-Einsprengseln empfänglich zu sein, könnte hier eine neue Lieblingsband entdecken.


Highlights: El Veaso, Shine, What Makes You Pray