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2018-12-05

TOBY DRIVER, DEL JUDAS + BLURRED TWIN live auf der MS Stubnitz (04.12.2018)

Toby Driver

Hamburch, Digga! Wie bekommt man es Dir mal verklickert, dass Anwesenheitspflicht zur Bewusstseinsgymnastik und Horizonterweiterung besteht, wenn Kayo Dot-Kopf Toby Driver an der Elbe zu Gast ist? Muss sich immer erst der Ohlsen seine Wollmütze über die Ohren ziehen und achtzig Kilometer aus der Provinz angekarrt kommen, damit an Bord der MS Stubnitz ein dicker Mann in der ersten Reihe steht - bzw. die erste Reihe bildet?

Und dann auch noch an einem Dienstag. War ja klar, dass das wieder ein sehr exklusiver Genuss werden würde. Die Lage des Schiffs mitten im Nirgendwo hilft natürlich nicht an so einem Abend.

Zumindest kann man bequem direkt auf der anderen Straßenseite parken. Dachte ich. Ich war halt auch schon eine Weile nicht hier gewesen und der Parkplatz wurde zwischenzeitlich durch eine Häuserblockbaustelle okkupiert. Super, die gleichförmige Hässlichisierung des Hafens schreitet voran. Und geparkt habe ich dann weit, weit entfernt. Immerhin um diese Uhrzeit gebührenfrei.
Und man kann ja zukünftig auf ein paar Straßenrandstellflächen hoffen, wenn der ganze Architekturmurks da mal fertig ist.


Auf der Hinfahrt hatte ich mich mit dem "Arrival"-Soundtrack und Tori Amos' "Native Invader"  auf den Abend eingestimmt und wurde von der Künstlerin, die das Billing eröffnete, dann auch ganz passend abgeholt.


Blurred Twin

Eine Dame, ihre Stimme und ein Harmonium, das war alles, was es beim lokalen Support Blurred Twin zu sehen gab. Das hat vom Prinzip her schon ein bisschen was von einer sparsameren Anna von Hausswolff solo; das koffergroße Instrument ist halt doch ein bisschen handlicher als eine Pfeifenorgel. Wobei der Klang im Bauch der MS Stubnitz ja schon was klerikales hat.

Zu  Gehör kamen im bedächtig dröhnenden Takt des Blasebalgs an- und abschwellende Düsterballaden, die ihre größten Momente hatten, wenn Kristin Theresa Drechsler zu operettenhaften Bojengesang in von Kate Bush begründeter Tradition anhob.

Sehr stimmungsvoll war das. Über die gesamte Länge allerdings auch ein bisschen gleichförmig. So im letzten Drittel hätte eine Klangvariation (z.B. in Form von einem anderen Instrument, Samples oder Effekteinsatz) das Set vielleicht noch eleganter vollenden können. 


Del Judas

Auch bei Del Judas stand im Anschluss nur eine Person auf der Bühne. Der Sänger / Gitarrist benutzte allerdings noch einen Backingtrack, der Bass, Drums und weitere Instrumente lieferte.

Ein bisschen schade ist es natürlich schon immer, wenn man eine komplette Band hört, aber nicht sieht. Denn der coole Mix aus Singer/Songwriter-Americana und New Wave / Postpunk, den man irgendwo zwischen Chris Isaak und King Dude einsortieren kann, hätte an sich schon eine weniger konservenhafte Aufführung verdient.

Anderseits verstehe ich ja durchaus, dass Geld gespart werden muss. Daher ja auch der auffällige Trend, Supportacts mit auf Tour zu nehmen, die sich personell mit dem Headliner überschneiden. So auch heute, denn Del Judas aka Charlie Schmid entpuppte sich anschließend auch als Livedrummer in Toby Drivers Quartett.


Toby Driver


Der Meister selbst musste diesmal nicht multitasken wie beim letzten Kayo Dot-Auftritt, sondern konzentrierte sich voll auf seine traumhaft schlingernde Gitarre und tiefenentspannten Gesang. Nur in einer Passage übernahm er in Manier von David Bowie zu "Low"-Zeiten das Keyboard.

Jenes spielte ansonsten sein britischer Tourpartner der letzten Europarundreise 2016  Nick Hudson von The Acadamy Of The Sun. Außerdem dabei - und für die oftmals barocke Atmosphäre der Stücke vom neuen Album "They Are the Shield" unerlässlich - war Violinist Timba Harris.

Zusammen erzeugten sie eine frische Variation jenes für Driver typisch langsam mäandernden Sounds, der das Kunststück fertigbringt, einen gleichzeitig intelektuell zu stimulieren und doch in ganz ferne Nebelwelten zu entrücken. Ein dichteres akustisches Ambiente lässt sich kaum aufbauen.


Gespielt wurden ausschließlich Songs der letzten beiden Soloalben, mit deutlichem Schwerpunkt auf "They Are The Shield", welches ohne Zweifel einen Höhepunkt in seinem Schaffen darstellt und mir nun, da ich es mir vom Merchstand mitgenommen habe, natürlich Gewissensbisse bei der Erstellung meiner Best-of-2018-Liste bereitet, weil es für mich eigentlich zu spät kommt, um es dort noch einzureihen. Hrmpf.


Wie auch immer, es war wieder einmal ein fantastischer Ausflug ins Reich des außerkörperlichen Zeitstillstands. Wunderbar.



Blurred Twin:

 
 
 
 






Del Judas:

 
 
 






Toby Driver:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 





 

1 Kommentar:

  1. Cooles Bericht! Als Veranstalter danke ich dir, vor allem das du auch immer wieder von ferne kommt um das zu unterstützen.

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