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2021-06-01

VOIVOD - The Outer Limits

Real Gone Music ist ein Label, welches sich genreunabhängig darauf spezialisiert hat, seit Ewigkeiten nicht mehr - oder vielleicht überhaupt noch nicht auf Schallplatte - gepresste Alben aus der Versenkung zu heben.

Zur Hochzeit des CD-Booms auf einem Major-Label veröffentlicht, nur in überschaubarer Vinyl-Auflage und mittlerweile ähnlich wie "Angel Rat" zu Mondpreisen gehandelt, war Voivods "The Outer Limits" ganz klar ein goldener Kandidat für diese Behandlung. Und hier ist das Ding nun.


VOIVOD - The Outer Limits (Blue/Black Swirl vinyl LP) (1993/2021)

Leider sind Real Gone nicht die geschicktesten Verpacker, so dass die LP nicht nur bei mir zu viel Spiel hatte und sich durch die Papierinnenhülle gefressen hat. Das ist dann natürlich gleich beim Auspacken ein Bummer. Aber auch ansonsten habe ich ein wenig gemischte Gefühle, was dieses Reissue angeht.

Mit der Musik hat dies selbstverständlich gar nichts zu tun!

"The Outer Limits" war, ist und wird für mich immer eines der besten Rock/Metal-Alben aller Zeiten sein. Auch wenn es natürlich schon ein unmögliches Unterfangen ist, das unangefochten beste Voivod-Werk zu küren. Zweifellos ist allerdings der Hattrick von "Nothingface" bis "The Outer Limits" von mir mit Abstand am häufigsten gehört worden.
Dass "Fix My Heart" der erste Song war, den ich von den Kanadiern live in der Markthalle Hamburg erleben durfte, haut natürlich noch einmal eine kräftige Schippe Nostalgie oben drauf.

Ich weiß, bei manchen Fans fällt das erste Album ohne Blackys "Blower Bass" schon deswegen durch, ich allerdings fand den sauber, aber kraftvoll produzierten Viersaiter von Pierre St-Jean mit seinen manchmal beinahe schon kontrabassigen Läufen trotz weniger Metal-Schauwerte schon immer großartig. Überhaupt ist der moderne, supercleane, aber deswegen niemals sterile Sound des Albums nach wie vor spektakulär.

Klanglich war das auch im Vergleich zum ja sehr auf vintage getrimmten "Angel Rat" die größtmögliche Annährung an Massenkompatibilität, zu der die Band fähig war. Dass die in dieser Produktion stimmig zueinander findende, abwechslungsreiche Mischung aus straighten Space Rock-Hymnen, dem zu dieser Richtung passend gewählten Pink Floyd-Cover "The Nile Song" und einigen der besten Progrock/metal-Hits der Bandgeschichte ("Le Pont Noire", "The Lost Machine" und natürlich der über siebzehnminütige Epos "Jack Luminous") dann doch nicht zum Chartsturm reichte, mag für MCA enttäuschend gewesen sein.

Das künstlerisch-musikalische Resultat ist allerdings ein bis heute immer noch relevantes, hervorragend gealtertes Meisterwerk, welches im Vergleich zum sperrigen Hirnwindungs-Thrash der Achtziger oder auch zur auf "Phobos" beschworenen Apokalypse vielleicht zunächst einmal konventioneller erscheinen mag, in Wahrheit aber möglicherweise eher das unkopierbarste Voivod-Album aller Zeiten ist.
Ich zumindest habe noch von keiner Gruppe gehört, die man spezifisch mit Voivod  auf "The Outer Limits" vergleichen kann. Klar, das mag zum Teil auch daran liegen, dass "Dimension Hatröss" natürlich weitaus größere Verbreitung und etablierteren Kultstatus genießt. Trotzdem: Wenn es einfacher wäre, den speziellen Spirit dieses Pulp-Science-Fiction-Spacemetal-Krachers zu emulieren, dann würden es auch mehr Leute tun.

Ok, ok... was hat es mit den "gemischten Gefühlen" auf sich?

Einmal davon abgesehen, dass man bei von Anfang an für digitale Medien produzierten Alben am wenigsten klanglichen Mehrgewinn erwarten kann - vor allem, wenn sie in der Beziehung eh schon so perfekt sind -, ist die eine Sache.
Zum anderen hätte "The Outer Limits" schlicht eine bombastischer Neupräsentation verdient. Ich weiß, Voivod sind nun mal kommerziell nicht die Beatles, doch alleine, wenn man sieht, wie proppevoll die A-Seite auf enger Rille gepackt wurde, stellt sich die Frage, ob man mit einer Doppel-LP auf 45 rpm nicht qualitativ noch besser gefahren wäre. Auch Aways Artwork hätte einfach ein Gatefold und großformatiges Booklet verdient, auf dem die Grafik für jeden Titel angemessen gewürdigt wird.
Ich hätte sogar das Cover selbst noch leicht modifiziert und statt der "Summer Edition" dort einen zur Wiederveröffentlichung passenden Text eingesetzt.

Hätte, hätte, Moonbeam-Rider-Fahrradkette.

Trotz ungenutzten Potenzials ist es natürlich trotzdem geil, das gute Stück auf Vinyl zu haben und dafür nicht aberhunderte Euros auf Discogs hinblättern zu müssen.

Schick aussehen tut das rauchig-blautransparente Ufo auch.


Da das Ding in wenigen Augenaufschlägen ausverkauft war, dürften die Preise sicher auch bald anziehen, doch keine Angst: eine rote Version ist schon angekündigt.

Und wenn die Nachfrage so stabil wie jetzt bleibt, dann wären Real Gone schlecht beraten, nicht noch weitere Farben nachzuschieben. Gelb, grün, grau, weiß, klassisch schwarz und transparent wie der Helm des Aliens sind an zur Hülle passenden Tönen schließlich noch übrig.

Zum Abschluss verdrücke ich nun noch zwei kleine Tränchen für irgendwann in den Neunzigern gestorbenes Merchandise. Eines für das Promo-Poster zum Album, welches unseren Bandproberaum von damals nicht überlebt hat, ein weiteres für das weiße Tour-T-Shirt - eines der besten Metalshirts ever, welches leider einem aus der Wand hervorstehenden Nagel zum Opfer gefallen ist. Und heute wahrscheinlich eh nicht mehr passen würde, ich weiß. Ist ja gut.





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