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2021-05-09

MOTORPSYCHO - Kingdom Of Oblivion

2017: "The Tower"

2019: "The Crucible"

2020: "The All Is One"

Wer meint, dass sich Motorpsycho nach diesem Lauf von Meisterwerken, mit denen geringere Bands ihre Karriere krönen und sich vorzeitig aufs Altenteil zurückziehen würden, irgendeine Form von Müdigkeit antäuschen würden, der hat noch nicht mitbekommen, dass das Wasser in Trondheim magische Ingredienzien hat, die zu einem Übermaß an musikalischer Kreativität und Arbeitswut führen.

Dabei ist die neueste Doppel-LP "Kingdom Of Oblivion" noch nicht einmal Resultat des Vorsatzes, ein weiteres Album aufzunehmen, sondern (unangemessen abwertend ausgedrückt) nur die Resterampe von in den vergangenen Jahren parallel zur "Gullvåg-Trilogie" entstandenen Songs, für die sich im Zusammenhang jener Longplayer noch kein Platz finden ließ.


MOTORPSYCHO - Kingdom Of Oblivion (clear vinyl 2LP) (2021)


Wer nun jedoch glaubt, es hier mit einer Compilation halbgarer B-Ware zu tun zu haben, hat sich natürlich gewaltig geschnitten. Die Norweger hangeln sich nicht nur wie gewohnt gewaltige dynamische Bögen spannend von einem Rockmeisterstück zum nächsten, sondern lassen ganze am Ende auch wie aus einem einzigen Guss klingen.

Das ganz große Avantgardekunst- und Prog-Gefrickelfass machen Motorpsycho diesmal nicht auf. Wo auf den letzten Alben Magma und King Crimson ihr Haupt in die Höhe reckten, scheinen diesmal eher Pink Floyd und Deep Purple Pate gestanden zu haben. "Kingdom Of Oblivion" klingt über weite Strecken wie Motorpsychos Version eines großen 70er-Jahre-(Hard)Rock-Klassiker-Doppelalbums.

Große Hooks, dicke Riffs, Rockstarsoli, natürlich immer mit dem typischen Markenzeichen, dass es vor allem Bent Sæthers monströses, doch stets songdienliches Bassspiel ist, welches die Musik im unaufhaltsamen Groove rollend vorantreibt.

Die offizielle Besetzung der Band ist auf diesem Album wieder einmal ein Quartett inklusive Gitarrist Reine Fiske, es tauchen zwischen den mächtigen Rockkrachern allerdings auch eine ganze Reihe balladesker und instrumentaler Stücke auf, die das Kernduo Sæther / Ryan (beinahe) im Alleingang aufgenommen hat. Was tatsächlich immerhin elf der zwölf Tracks als roten Faden gemeinsam haben, ist, dass mal subtil, mal auffällig das von der Band heißgeliebte Mellotron mit von der Partie ist. It really ties the album together. 

Die abgefahrensten Ausreißer aus dem (wieder einmal unangebracht despektierlich formuliert) soeben beschriebenen Allerlei sind das als Soundtrack zu einem Kurzfilm geschriebene "The Crimson Eye", welches allerdings gar nicht so heißt, sondern "The Watcher", weil der Text jenes Hawkwind/Motörhead-Stücks darüber zitiert wird; außerdem er sich erstaunlich mächtig auftürmende, von Sæther fast alleine eingespielte "Dreamkiller" und der zum Ende hin dann doch noch megaproggige, allerdings noch sehr viel mehr spacige Abenteuertrip "The Transmutation Of Cosmoctopus Lurker".

Das humoristischste Detail ist wohl das im ersten Durchgang durchaus überhörbare "Saxomophone" (ja, genauso geschrieben wie in der berühmten Simpsons-Folge), also das von Hans Magnus Ryan bewusst dilettantisch gespielte Saxophon in "The Hunt". Ganz meine Wellenlänge!


"Kingdom Of Oblivion" ist ein absolut komplettes Album: Musik, Texte, Artwork, Gestaltung des Gatefolds, Qualität des transparenten Tonträgers - nichts bewegt sich hier auch nur einen Millimeter unter Spitzenklasse.

Es könnte fast schon langweilig werden. Wenn es nur nicht so irre gut wäre.

Ich finde es übrigens auch mal wieder ganz entspannend, es mit einer normalen Hülle zu tun zu haben, bei der ich die LP ganz einfach aus der Seite entnehmen kann, ohne mir vorher eine Faltstrategie zurechtlegen zu müssen.

Man sieht sich dann wie immer weit oben in der Album-des-Jahres-Liste! 




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