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2021-05-13

LUSTMORD & KARIN PARK - Alter

Als Vorbesteller physisch gepresster Musik entwickelt man ja mitunter eine erstaunliche, einen manchmal sogar selbst verblüffende Engelsgeduld.
Es gibt im Wust meiner Wunschmusik allerdings durchaus ein paar Fälle, die den Faden allmählich überstrapazieren.

Wo zur Hölle steckt z.B. meine Slomatics-Split seit etlichen Wochen auf dem Transportweg fest? Und welche Rolle spielt dabei die vielleicht dümmste Volksabstimmung der modernen Geschichte?

Weder durch covid- oder brexit-bedingte Grenzschleicheren beeinträchtigt (so sollte man zumindest meinen), müsste hingegen das zudem schon längst überall sonst erschiene Package aus dem Hause Pelagic Records mit den fantastischen Live- und Studioalben von Mono und Årabrot sein. Und doch kann ich mir nur anschauen wie andere ihre Haul-Bilder posten und gewisse Händler mir mit Lieferung in wenigen Tagen eine lange Nase zeigen.

Das hat, um diese passiv-aggressive Einleitung elegant überleitend abzuschließen, natürlich den einen Vorteil, dass ich an anderer Stelle Geld spare. Denn so lange dies noch auf sich warten lässt, bin ich doch etwas gehemmt, was den Erwerb anderer eigentlich lohnenswerter Alben angeht.

Andernfalls wäre das folgende Doppelalbum nahezu ein No-Brainer.


LUSTMORD & KARIN PARK - Alter
(2021)


Lustmord ist ein Industrial/Ambient-Soloprojekt, dessen Existenz ich trotz der vierzig Jahre, die der waliser Komponist / Sounddesigner Brian Williams das Ding schon macht, erstaunlich erfolgreich ignoriert habe.

Die Norwegerin Karin Park kenne ich immerhin schon ein paar Monätchen länger. Und für alle, die vom Song "Hallucinational" nicht genug bekommen können und und trotz aller Liebe zum Album ihren Gesangsanteil auf Årabrots "Norwegian Gothic" (ja, genau das Ding, auf welches ich warte) gerne etwas größer hätten, ist diese Kooperation der beiden Musiker ein Hauptgewinn, denn hier wird das gesamte mystisch-enigmatische Spektrum ihrer stimmlichen Möglichkeiten ausgiebig auf Doppelalbumläge ausgekostet.

Über Windgeräuschen, Orgel und anderen entrückenden bis dräuenden Ambient- und Dröhnklängen klagt ihr immer von Herzen tieftrauriges Organ von vergangener Schönheit, die es in Wahrheit niemals wirklich gegeben hat. In welcher Sprache sie singt, oder ob es überhaupt eine Sprache ist, das spielt keine Rolle. Der obligatorische vergleich zur "The Serpent's Egg"-Zeit von Dead Can Dance sollte diesbezüglich selbsterklärend sein.

"Alter" ist ohne Zweifel das am meisten entschleunigende Album, welches mir dieses Jahr bislang unter die Ohren gekommen ist. Ruhend in meditativer Urkraft und gemächlich gleitend die Seele des Hörers kartographierend, ist es eines jener Werke, welches um ein Vielfaches gewaltiger wirkt, wenn man sich bewusst darauf einlässt.
Doch auch, wenn man diese Musik nur nebenbei laufen lässt, stellt sich schnell ein alle Härte und Hektik der Außenwelt (und Ungeduld auf postalische Musikversorgung zumindest temporär) vergessen machender Zen-Effekt ein.

Traumhaft.





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