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2011-09-26
2011-09-18
2011-09-15
DREAM THEATER - A Dramatic Turn Of Events
Nach der Rückkehrscheibe von Morbid Angel bespreche ich hier nun ein weiteres gespannt erwartetes Album, auf dem ein vorher für viele Fans als unersetzlich geltender Schlagzeuger nicht mehr mit von der Partie ist.
Hier handelt es sich jedoch im Gegensatz zu den Death-Metallern nicht um eine gesundheitsbedingte Langzeitpause, sondern um einen freiwilligen (und dann zu spät doch wieder bereuten) Ausstieg, da dem Rest der Band nicht nach einer mehrjährigen Kreativ-/Midlife-Crisis-Pause war.
Ich habe ja dummerweise in meinem letzten Transatlatic-Review angedroht, an dieser Stelle noch meinen Senf zu dem ganzen Portnoy/Dream Theater-Hickhack zu geben, aber eigentlich möchte ich doch lieber über die neue Musik schreiben. Also möglichst über die Musik von beiden Seiten...
Was die Musik angeht, war ich nämlich schon unmittelbar nach der Überraschung über die Trennung guter Hoffnung. Denn zum einen sollte Mike Portnoy ja nun mehr Luft für neue Glanztaten mit Transatlantic haben (aber mal sehen, der Mann macht ja momentan neben dem Testosterone...äh sorry... Adrenaline Mob jeden Monat eine neue Projektbaustelle auf), und zum anderen war einer meiner Kritikpunkte am letzten Album "Black Clouds & Silver Linings" ja, dass darauf teilweise etwas zu viel Mike Portnoy stattfand. Stattdessen hätte ich mir eher mehr kreative Anteile von Sänger James LaBrie und einen auch im Mix prominenteren Bass von John Myung gewünscht.
Dafür war der Weg ja nun frei. Und da so eine Zäsur erfahrungsgemäß idealerweise zu einem neuem Wir-Gefühl führt, standen die Chancen für das frischeste Dream Theater-Werk seit vielen Jahren eigentlich sehr gut.
Und ich muss zu meiner Freude feststellen, dass diese Chancen in jeder Beziehung genutzt wurden!
DREAM THEATER - A Dramatic Turn Of Events (2011)
Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: So richtig scheiße ist an diesem Album eigentlich nur, dass man in der Zeit, in der es läuft, nicht auch die zeitgleich erschienene Scheibe von Arch / Matheos (Review demnächst!) hören kann.
Ansonsten haben wir es hier mit einem großartigen Dream Theater-Album ohne Ausfälle zu tun, welches den goldenen Mittelweg zwischen der Progrock- ("Falling Into Infinity", "Octavarium") und der Metal-Seite ("Train Of Thought", "Systematic Chaos") der Band auf so ausbalancierte und fließende Weise findet, dass es sich in seiner Perfektion direkt neben den ganz großen All-Time-Klassikern "Scenes From A Memory" (1999) und "Images And Words" (1992) einreiht. Und auch unter jenen, die mit all diesen Albumtiteln noch nichts anfangen können, dürften die New Yorker sicher wieder neue Hörer gewinnen.
Die Mannschaft in der Einzelkritik:
- James LaBrie hat mich in der Vergangenheit zwar auf keinem Studioalbum enttäuscht, dennoch merkt man ihm deutlich an, dass er nach langer Zeit endlich mal wieder hundertprozentig so singen durfte, wie er es für richtig hält, ohne sich dabei der Laune der Woche eines Bandchefs unterzuordnen. Und ob bei den zahlreichen großen Hooks, den gefühlvollen Stücken wie "Far From Heaven" oder den seltenen, aber dafür umso effektiveren aggressiven Momenten ("Build me Up, Break me Down") - das Ergebnis ist brilliant. Für viele Portnoy-Kritiker sicherlich auch wichtig: LaBrie singt alleine!
- John Petrucci gibt sich sehr songdienlich und hat sich beim Drahtsaitenakt zwischen Vorsprung durch Technik und dem Spiel mit Seele ganz deutlich zu letzterem bekannt. Nach vielen großenteils rifforientierten Werken spielt er hier sein Gespür für Melodien und Harmonien mal wieder auf kompletter Albumlänge (= 77 Minuten) voll aus. Und was für ein Solo in "Breaking All Illusions"!
- Jordan Ruddess zeigt sich freier und vielfältiger denn je. Die Zeiten, in denen er im Unisonospiel mit der Gitarre oftmals etwas unterging, sind definitiv vorbei. Auf "A Dramatic Turn Of Events" spielt er durchgehend eine prominente, aber stets songdienliche Rolle. Neben vielen mehr als zuvor an Kevin Moore erinnernden Flächensounds ist es vor allem das sehr geschmackvolle Piano, welches sich sowohl passagenweise in den epischeren Songs als auch tragend in den Balladen wie ein roter Faden durch das Album zieht und es in meinen Ohren sogar zusammenhält.
Daneben bleibt er aber der Klanghexer, der mit Trip-Hop-Beats, blockbusterreifen Düsterchorsounds oder auch mal einem verspielten Analogsolo ("Beneath The Surface") immer wieder für überraschende Farbtupfer sorgt.
- John Myung - ist zu hören! Wirklich! Auf dem kompletten Album! Und wie aus Dankbarkeit darüber, im Mix nicht wie so oft in schlechtester Metallica-Tradition von Drums und Gitarre untergebuttert zu werden, bringt sich der Ausnahmebassist nach sehr langer Zeit auch wieder songwriterisch stärker ein. Zum Glück, denn Myung-Songs haben unter Fans nicht umsonst einen ganz besonderen Nimbus.
- Mike Mangini - der neue Mike. Mit seinem enthusiastischen und sympathischen Auftreten beim Superdrummercasting, welches als DVD-Doku "The Spirit Carries On" der CD beiliegt, aber auch schon vorher im Internet veröffentlicht wurde, konnte der ehemalige Extreme- / Steve Vai- / Annihilator- / und auch James LaBrie-Drummer nicht nur die Band, sondern auch mich als Fan voll überzeugen. Der Mann ist einfach ein Tier hinter dem Kit! Ich kann's gar nicht erwarten, ihn mir auf der Tour nächstes Jahr live anzusehen.
Auf dem Album fällt er beim ersten Durchlauf gar nicht besonders auf, oder besser gesagt: Es fällt nicht im geringsten negativ auf, dass Mike Portnoy fehlt!
Ein paar stilistische Unterschiede sind beim genaueren Hinhören aber schon auszumachen. So scheint Mangini sowohl in den straighteren als auch in den total abgefahrenen Frickeltherapieparts noch um Nuancen dichter am restlichen Instrumentarium dran zu sitzen, was zum Teil sicher an seinem extrem notenbewussten Beckenspiel liegen mag. Und ich wage sogar zu behaupten, dass er inspirierter klingt als sein bei aller Genialität doch oft voraussehbarer Vorgänger. Kurzum: Einen besseren Nachfolger hätte es für diese großen Fußstapfen wohl nicht geben können. Ausnahmedrummer ersetzt Ausnahmedrummer.
Wenn man bedenkt, dass die Band diesmal ganz bewusst zu viert komponiert hat, Mike Mangini also im Songwriting noch gar nicht beteiligt gewesen ist, kann man jetzt schon gespannt sein, was er beim nächsten Album als vollwertiges Mitglied beizusteuern hat.
Doch zunächst einmal heißt es, sich am aktuellen Album die Ohren wund zu hören. An einem der ohrwurmhaltigsten und spielfreudigsten Alben der Dream Theater-Geschichte, bei dem auch endlich mein Ruf nach weniger Gefrickel um des Gefrickels Willens gehört wurde. Das heißt aber ganz und gar nicht, dass auf vollkommen vom anderen Musikstern kommende Angeberkapriolen verzichtet wurde! Nur werden diese nicht mehr so austauschbar heruntergerifft wie teilweise auf den letzten Werken, sondern fügen sich allesamt wieder richtig schön ins große Ganze ein. Als kurze Formel könnte man sagen: Weniger Beliebigkeit, mehr Verstand. Weniger Routine, mehr Spielspaß.
Ebenso wie das Gefrickel bei Dream Theater manchmal leicht überdosiert ist der Kitsch. Auf diesem Album finden sie aber immer das richtige Maß, bzw. auch wenn es mal etwas kitschiger als nötig wird, gehören sie halt zu den wenigen Bands, die das dürfen, weil sie's können. Es gibt ja gerade im Metal viele Gruppen, die dadurch unhörbar werden...
Die Texte sind ok, es gab schon bessere, gab schon schlechtere. Mann sollte nur nicht in Interviews fragen, was sie bedeuten, das ist leider z.T. etwas ernüchternd. Aber zum Glück ist man als Nichtmuttersprachler in der Hinsicht ja nicht so sensibel.
Auf die Songs im Einzelnen möchte ich hier gar nicht weiter eingehen. Die sind nämlich alle klasse und könnten eigentlich jeder für sich als Anspieltipp genannt werden.
Nein, ich belasse es jetzt mal dabei, noch eine Lanze für das vielgescholtene Albumcover zu brechen; ich fand es in seiner in bester Prog-Tradition leicht naiven Verkopftheit von Anfang an geil! Und im Zusammenhang mit der aufwendigen restlichen Gestaltung, in der u.a. sich der Einradfahrer noch anderen Situationen stellt, muss ich sagen, dass "A Dramatic Turn Of Events" zusammen mit dem Vorgängeralbum und "Octavarium" auch optisch zu den Highlights der Band zu zählen ist.
Ganz ganz großes Kino mit Potential zum Album des Jahres!
Anspieltipps: Lost Not Forgotten, Breaking All Illusions, Bridges In The Sky, On The Backs Of Angels
2011-09-11
2011-09-10
MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus
Damals, die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht... Einige Jahre ist es ja nun auch schon her, dass der wohl charismatischste Death-Metal-Sänger und -Bassist unseres Höllenkreises, David Vincent, zu den legendären Morbid Angel zurückgekehrt ist. So lange tatsächlich, dass mir die Phase ohne ihn - trotz Spitzenalben wie "Formulas Fatal To The Flesh" und "Gasteways To Annhilation" - kaum noch im Gedächtnis geblieben ist. (Ich muss aber auch zugeben, dass ich die wirklich lange nicht mehr gehört habe.)
Man hat sich also sehr lange Zeit gelassen, ehe endlich ein neues Studioalbum anvisiert wurde, begleitet von jeder Menge schwarzmalerischem Blabbermouth-Buhei, als bekannt wurde, dass Pete Sandoval wegen schwerer Rückenprobleme im Studio und auch für die Touraktivitäten danach nicht zur Verfügung stehen würde. Morbid Angel ohne die genialen, ganz eigenen Blasts und (Nicht-)Grooves Sandovals? Für viele Fans schwer vorstellbar und auch für mich ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke.
Dennoch waren mein Vertrauen und meine Vorfreude ungebrochen groß.
Zu Recht?
MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus (2011)
Wenig überraschend macht "Illud Divinum Insanus" ziemlich genau dort weiter, wo "Domination" (das letzte Studioalbum mit Mr. Vincent, wie ihn das Booklet heute nennt) 1995 aufhörte. Es gibt also großenteils den klassischen Morbid-Angel-Death-Metal-Sound in klarer, druckvoller Produktion, mit sehr kraftvollen, deutlich artikulieren Grunts, den einmalig bösen Riffs und kranken Soli, an denen die Band sofort zu erkennen ist, alles angereichert mit einigen experimentelleren Klängen und Ideen.
Und das Schlagzeug? An manchen Stellen fehlen im Hochgeschwindigkeitsbereich schon die ganz typischen, gewohnten Snare-Akzente, aber eine enorme Kompetenz in seinem Fach ist Ersatztrommler Tim Yeung, der dafür mit ausgesprochen nähmaschineninspirierter Doublebase zu bestechen weiß, weiß der Teufel nicht abzusprechen.
Aber war da nicht noch etwas? Klar. Denn hätte die Scheibe nur typische Songs der Marke "Nevermore", "Blades For Baal" oder "Existo Vulgoré" zu bieten, hätte sie unter den Fans wohl kaum eine große Kontroverse entfacht.
Nein, das Ausmaß, in dem Morbid Angel im guten alten Industrial(-Metal) der Achtziger und frühen Neunziger wildern, und vor allem die Tatsache, dass Chefsaitenhexer Trey Azagthoth offenbar weit von seinem Mystikerthron hinabgestiegen ist und sich nicht scheut, seine Virtuosität auch mal von aus dem Thunderdome ausgebrochenen Beats niederbügeln zu lassen, ist vielen Hörern dann wohl doch zu wild.
Ich persönlich war gleich von Beginn an entzückt, als mich das Intro "Omni Potens" an die "Nova Akropola"-Phase von Laibach erinnerte. Beim dann folgenden, eigentlichen Opener "Too Extreme!" könnte ich dann gar nicht anders, als freudig zu grinsen. Eine derart manische, auch noch überlange Stumpfsinnsorgie gleich am Anfang - das ist mutig. Und macht Laune.
An "Destructos Vs. The Earth" stört mich nur ein wenig das max-cavaleraeske "March!"-Gebrülle, auch wenn es dem Thema und Rhythmus des Songs eigentlich angemessen ist. Das kleine Song-Anhängsel "Attack" entpuppt sich dann aber als die Blast-Spitzenleistung des Albums.
Die absolute Spitzenleistung heben sich die Floridianer aber bis ganz zum Schluss auf. In "Profundis - Mea Culpa" verschmelzen anspruchsvoller Hochgeschwindigkeits-Death-Metal, mich in ihrer Phrasierung an den frühen, noch slowenisch brüllenden Milan Fras erinnernde Beschwörungen und ein hirnkranker Schuss Kirmestechno zur Quintessenz des ganzen Albums. Mein Favorit!
Auch bei mir haben aber ein paar Stücke nicht sofort funktioniert, nämlich zunächst einmal "I Am Morbid", welches wohl die größtmögliche Annährung Morbid Angels an eine Manowar-Selbstbeweihräucherungshymne darstellt und mich vor allem wegen der Einbeziehung des Live-Publikum-Chors irritierte. Sowas wirkt fast immer aufgesetzt und darf seit der ironischen Brechung in "Silence Is Sexy" von den Einstürzenden Neubauten ja eigentlich gar nicht mehr gemacht werden. Bei der Darbietung in Wacken habe ich das Lied dann aber lieb gewonnen.
Bleibt als problematischstes Stück die andere Selbstbeweihräucherungshymne "Radikult", die textlich dann doch weit in satirische Sphären vorstösst (nicht, dass das im Metal Seltenheitswert hätte...) und musikalisch eher ein Genitorturers- als ein Morbid-Angel-Werk zu sein scheint, zumindest bis das wirklich geile Gitarrensolo kommt. Und das Outro kommt auch gut. Wobei, so wirklich schlecht ist das Lied im Grunde auch nicht. Ok, der Text schon.
Alles in allem gibt es unterm Strich wirklich wenig zu meckern an "Illud Divinum Insanus".
Kein Jahrhundertwerk, was für zukünftige Veröffentlichungen (das Alphabet ist hinter "i" ja noch lang) Luft nach oben lässt, aber eine sehr geile Scheibe allemal!
Und all jenen, denen die vier Musiker (zweiter Gitarrist ist derzeit ein Herr mit dem lustigen Namen "Destructhor") bei der Aufnahme zu viel Spaß hatten, winkt auf der Rückseite der CD noch ein grinsender Beelzebub hinterher.
Absicht?
Anspieltipps: Profundis - Mea Culpa, Blades for Baal, Beauty Meets Beast
Man hat sich also sehr lange Zeit gelassen, ehe endlich ein neues Studioalbum anvisiert wurde, begleitet von jeder Menge schwarzmalerischem Blabbermouth-Buhei, als bekannt wurde, dass Pete Sandoval wegen schwerer Rückenprobleme im Studio und auch für die Touraktivitäten danach nicht zur Verfügung stehen würde. Morbid Angel ohne die genialen, ganz eigenen Blasts und (Nicht-)Grooves Sandovals? Für viele Fans schwer vorstellbar und auch für mich ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke.
Dennoch waren mein Vertrauen und meine Vorfreude ungebrochen groß.
Zu Recht?
MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus (2011)
Wenig überraschend macht "Illud Divinum Insanus" ziemlich genau dort weiter, wo "Domination" (das letzte Studioalbum mit Mr. Vincent, wie ihn das Booklet heute nennt) 1995 aufhörte. Es gibt also großenteils den klassischen Morbid-Angel-Death-Metal-Sound in klarer, druckvoller Produktion, mit sehr kraftvollen, deutlich artikulieren Grunts, den einmalig bösen Riffs und kranken Soli, an denen die Band sofort zu erkennen ist, alles angereichert mit einigen experimentelleren Klängen und Ideen.
Und das Schlagzeug? An manchen Stellen fehlen im Hochgeschwindigkeitsbereich schon die ganz typischen, gewohnten Snare-Akzente, aber eine enorme Kompetenz in seinem Fach ist Ersatztrommler Tim Yeung, der dafür mit ausgesprochen nähmaschineninspirierter Doublebase zu bestechen weiß, weiß der Teufel nicht abzusprechen.
Aber war da nicht noch etwas? Klar. Denn hätte die Scheibe nur typische Songs der Marke "Nevermore", "Blades For Baal" oder "Existo Vulgoré" zu bieten, hätte sie unter den Fans wohl kaum eine große Kontroverse entfacht.
Nein, das Ausmaß, in dem Morbid Angel im guten alten Industrial(-Metal) der Achtziger und frühen Neunziger wildern, und vor allem die Tatsache, dass Chefsaitenhexer Trey Azagthoth offenbar weit von seinem Mystikerthron hinabgestiegen ist und sich nicht scheut, seine Virtuosität auch mal von aus dem Thunderdome ausgebrochenen Beats niederbügeln zu lassen, ist vielen Hörern dann wohl doch zu wild.
Ich persönlich war gleich von Beginn an entzückt, als mich das Intro "Omni Potens" an die "Nova Akropola"-Phase von Laibach erinnerte. Beim dann folgenden, eigentlichen Opener "Too Extreme!" könnte ich dann gar nicht anders, als freudig zu grinsen. Eine derart manische, auch noch überlange Stumpfsinnsorgie gleich am Anfang - das ist mutig. Und macht Laune.
An "Destructos Vs. The Earth" stört mich nur ein wenig das max-cavaleraeske "March!"-Gebrülle, auch wenn es dem Thema und Rhythmus des Songs eigentlich angemessen ist. Das kleine Song-Anhängsel "Attack" entpuppt sich dann aber als die Blast-Spitzenleistung des Albums.
Die absolute Spitzenleistung heben sich die Floridianer aber bis ganz zum Schluss auf. In "Profundis - Mea Culpa" verschmelzen anspruchsvoller Hochgeschwindigkeits-Death-Metal, mich in ihrer Phrasierung an den frühen, noch slowenisch brüllenden Milan Fras erinnernde Beschwörungen und ein hirnkranker Schuss Kirmestechno zur Quintessenz des ganzen Albums. Mein Favorit!
Auch bei mir haben aber ein paar Stücke nicht sofort funktioniert, nämlich zunächst einmal "I Am Morbid", welches wohl die größtmögliche Annährung Morbid Angels an eine Manowar-Selbstbeweihräucherungshymne darstellt und mich vor allem wegen der Einbeziehung des Live-Publikum-Chors irritierte. Sowas wirkt fast immer aufgesetzt und darf seit der ironischen Brechung in "Silence Is Sexy" von den Einstürzenden Neubauten ja eigentlich gar nicht mehr gemacht werden. Bei der Darbietung in Wacken habe ich das Lied dann aber lieb gewonnen.
Bleibt als problematischstes Stück die andere Selbstbeweihräucherungshymne "Radikult", die textlich dann doch weit in satirische Sphären vorstösst (nicht, dass das im Metal Seltenheitswert hätte...) und musikalisch eher ein Genitorturers- als ein Morbid-Angel-Werk zu sein scheint, zumindest bis das wirklich geile Gitarrensolo kommt. Und das Outro kommt auch gut. Wobei, so wirklich schlecht ist das Lied im Grunde auch nicht. Ok, der Text schon.
Alles in allem gibt es unterm Strich wirklich wenig zu meckern an "Illud Divinum Insanus".
Kein Jahrhundertwerk, was für zukünftige Veröffentlichungen (das Alphabet ist hinter "i" ja noch lang) Luft nach oben lässt, aber eine sehr geile Scheibe allemal!
Und all jenen, denen die vier Musiker (zweiter Gitarrist ist derzeit ein Herr mit dem lustigen Namen "Destructhor") bei der Aufnahme zu viel Spaß hatten, winkt auf der Rückseite der CD noch ein grinsender Beelzebub hinterher.
Absicht?
Anspieltipps: Profundis - Mea Culpa, Blades for Baal, Beauty Meets Beast
2011-09-08
sychshyndyrtzwynzyg
Dieses Posting kommt etwas spät, aber ich hab ja neulich so lange gebraucht, bis ich endlich mal wieder genügend Filme zusammen hatte, dass sich der Versand zum Labor lohnte...
Am 20. Juni (6/20) war mal wieder Six-20-Camera-Day, an dem käuflich nicht mehr zu erwerbender 620er-Rollfilm in antike Kameras gelegt werden. Das habe ich dann auch mal wieder gemacht. Die Bilder stinken gegen die vom letzten Jahr zwar etwas ab, aber dafür gibt es auf ihnen schön viel Gestrypp, Geschylf und Gebeum. ;)
Am 20. Juni (6/20) war mal wieder Six-20-Camera-Day, an dem käuflich nicht mehr zu erwerbender 620er-Rollfilm in antike Kameras gelegt werden. Das habe ich dann auch mal wieder gemacht. Die Bilder stinken gegen die vom letzten Jahr zwar etwas ab, aber dafür gibt es auf ihnen schön viel Gestrypp, Geschylf und Gebeum. ;)
2011-09-05
QUEEN - Sheer Heart Attack (2011 Remaster Deluxe)
Lang ist's her, dass ich hier einen Tonträger rezensiert habe, dabei wären schon so einige in Frage gekommen. Aber zunächst einmal möchte ich passend zum heutigen 65sten von Freddie da anknüpfen, wo ich zuletzt im April aufgehört habe, nämlich mit der 2011er Deluxe-Remaster-Reihe von Queen.
Allgemeines zu dieser Reihe und was unter dem Begriff "Deluxe" (leider nur) zu verstehen kann in meinem begeisterten Review zu "Queen I" nachgelesen werden. Darauf folgte eine regelrecht euphorische Kritik zu "Queen II".
Es folgt nun logischerweise das dritte Album der Königlichen:
QUEEN - Sheer Heart Attack (2011 Remaster Deluxe Edition) (1974)
Erstes Album Begeisterung, zweites Album Euphorie, drittes Album... nein, eine weitere Steigerungsstufe kann ich nicht anbieten.
Tatsächlich war "Sheer Heart Attack" auch in meiner Phase intensivsten Queen-Fantums immer ein eher obskures Album, mit dem ich nie so richtig warm geworden bin, und dass ich dementsprechend als Teenager auch nie im Original, sondern nur in Teilen als Kopie auf Kassette (jüngere Leser informieren sich bitte hier: de.wikipedia.org/wiki/Compact_Cassette) besaß.
Nun hat sich mein Musikgeschmack über die letzten zwanzig Jahre natürlich schon etwas gewandelt und mir blieb nicht verborgen, dass das Album gerade unter Anhängern progrockiger Klänge viele Anhänger hat und dementsprechend auch für mich tendentiell interessant geworden sein dürfte. Doch erst mit dem bemerkenswerten Covermedley der Songs "Tenement Funster", "Flick Of The Wrist" und "Lily Of The Valley" auf der Bonus-Disc des Dream-Theater-Albums "Black Clouds & Silver Linings" wurde mir richtig klar, dass da jahrelang ein paar echte Queen-Perlen am Rande meiner Wahrnehmung dahinvegetierten.
Dieser Missstand ist nun behoben und ich kann festhalten, dass mir das Album wesentlich besser gefällt als früher. Dennoch bleibt "Sheer Heart Attack" nur ein gutes Werk mit genialen Momenten, welches gegen die Perfektion der in der Queen-Discographie angrenzenden Alben nach wie vor abfällt.
Woran liegt das?
Mit Sicherheit nicht an der kompositorischen Klasse des schon erwähnten Song-Dreierpacks oder auch der Hit-Single "Killer Queen", ebensowenig an den exzentrisch-irrwitzigen Gesangseskapaden von "In The Lap Of The Gods" oder dem Drive von "Stone Cold Crazy", welches Metallica zu Zeiten des schwarzen Albums folgerichtig als Thrash-Metal-Song identifizierten.
Aber nicht alle Songs spielen in dieser Liga, und so hängt die B-Seite bis zum bombastischen Finale mit "In The Lap Of The Gods... revisited" schon etwas durch.
"Dear Friends" möchte vielleicht eine auf "Nevermore"-Kürze heruntergebrochene Version von "Good Night" (The Beatles) sein und ist wohl der einzige Song, der - so ketzerisch das auch klingen mag - in meiner Vorstellung dazugewinnen würde, wenn Ringo Starr statt Freddie Mercury ihn sänge.
Mit dem folgenden "Misfire" kann ich auch nicht viel anfangen, und das von Brian May gesungene "She Makes Me (Stormtrooper in Stilettos)" hat zwar Potential, verlangt aber auch in der remasterten Version einfach nach einer moderneren Produktion, um in seiner gewollten Gleichförmigkeit zu zünden.
Die Produktion ist ohnehin so eine Sache. Einer meiner alten Kritikpunkte, der nach wie vor Bestand hat, ist der Mix des Gesangs. Jener erinnernt vom Hall her machmal ans Stille Örtchen und ist bei einigen Songs einfach zu weit im Vordergrund. Ich bin ja relativ unempfindlich, was Soundmängel angeht, aber dies ist so einer der Fälle, wo mein Hörvergnügen leider schon ein bisschen eingeschränkt wird.
Nach drei Absätzen Kritik möchte ich natürlich nicht den absurden Verdacht schüren, dass es sich bei diesem Text um einen verkappten Verriss handeln könnte und erwähne deshalb als letzten Negativpunkt nur noch, dass der Song "Now I'm Here" in meinen Ohren leider nie ganz halten konnte, was sein Intro verspricht.
Ganz anders der furiose Opener "Brighton Rock". Früher war mir der Falsettgesang wohl zu anstrengend und/oder die Gitarrenpassagen zu ausufernd. Keine Ahnung, was mich geritten hat, das Ding nicht zu mögen. Sehr geiler Song!
Und die Bonus-Disc? Wie immer mit nur fünf Tracks etwas mager.
Zunächst einmal gibt es eine ordentliche, 1975 aufgenomme Live-Version von "Now I'm Here", dann als Highlights die BBC radio session-Versionen von "Flick Of The Wrist" und "Tenement Funster".
Der A Capella Mix von "Bring Back That Leroy Brown" ist eine einmal ganz lustige Studiospielerei, aber nichts, was wirklich veröffentlicht gehört.
Auch auf die abschließende Liveversion von "In The Lap Of The Gods... revisited" könnte ich gut verzichten, da sie zu einer ganz anderen Zeit entstand (1986) und sich dadurch nicht so recht ins Gesamtpaket einfügt. Unverständlich, dass man da nicht noch ein paar zeitgemäßere Aufnahmen auftreiben konnte oder wollte.
Wer bereits Besitzer von "Sheer Heart Attack" (und kein sammelnder Komplettist) ist, findet hier also keinen nennenswerten Mehrwert vor.
Dem Queen-Entdecker hingegen bietet sich mit dem letzten Frühwerk vor dem ganz großen Durchbruch die musikalische Brücke vom kauzigen Kitschprog des Vorgängers zum fast unmittelbar nachfolgenden Jahrhundert-Rockmonument "A Night At The Opera".
Ich persönlich halte die beiden Alben, welche diese Brücke verbindet, nach wie vor für essentieller, würde aber jemandem, der dies für das beste aller Queen-Werke hält, keinesfalls schlechten Geschmack attestieren.
In diesem Sinne und im Namen der rockmusikalischen Bildung: reinhören!
Anspieltipps: In The Lap Of The Gods, Flick Of The Wrist, Lily Of The Valley, Stone Cold Crazy
2011-09-04
52 Wochen | 35 | nordmilch
Ich wollte mich gerade des Motivrecyclings schuldig bekennen, aber jetzt nachdem ich auf flickr nachgesehen habe, finde ich's doch nicht so arg plagiiert. Hier geht's ja weniger um Kühe, sondern eher um Gestrypp.
Eigentlich hatte ich ja eher damit gerechnet, mein bis heute aufgeschobenes Pflichtbild in oder um Schenefeld zu machen, wo ja heute mal wieder der Musikerflohmarkt stattfand.
Diesmal hatten wir dort allerdings keinen Stand, so dass ich nur kurz vorbeischauen wollte. Und sehr kurz wurde mein Besuch kurz nach dem Mittagessen dann wirklich. Ich sah nur, dass draußen trotz zahlreicher parkender Autos kaum etwas los war. Sind die alle aus Angst vor Regen nach drinnen in die Halle geflohen? Hallenflohmarkt = doof. Ich hatte nicht einmal Lust, nachzukucken.
Bin dann zwecks kleiner Fototour nach Hohenwestedt gefahren. Auf dem Weg dorthin habe ich dann den kleinen Schlenker zu diesem Standpunkt hier gemacht. In der City selbst war dann auch überraschend viel los. Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass da ja auch Flohmarkt und verkaufsoffener Arschlochtag war. Auf People + Street hatte ich eigentlich auch keine Lust, aber irgendwie habe ich den gestern schon begonnenen ersten Film in meiner neuen alten Adox Golf dann doch vollbekommen. Und zu Hause habe ich dann gleich einen Adox-Film in die Kiev 88 gesteckt und weitergemacht. Naja, scheiß auf die unnötige Spritverbrennerei - so allmählich kann ich meine fotografische Sommerpause wohl tatsächlich als beendet betrachten. :)
2011-08-31
Helvetia 2011: Zürich
So, hier ist er nun nach blitzschnell vergangenen vier Monaten: mein letzter Fotoblogpost aus der Schweiz.
Den passenden Tagebucheintrag (inkl. Voivod-Konzertreview) gibt es HIER nachzulesen. Passenderweise trage ich auch gerade das darin erwähnte T-Shirt. Und das signierte Foto hängt natürlich längst eingerahmt an der Wand. :)
Obligatorisch an dieser Stelle wieder der Verweis auf die kompletten Helvetia 2011-Fotoalben (inkl. nicht öffentlich geschalteter Bilder): analog HIER und digital HIER!
Und dann gibt's natürlich noch das Album mit allen Fotos vom Voivod-Konzert!
Und die nächsten Bilder-Einträge hier befassen sich dann mal wieder mit nicht-touristischen, aber auch schon ziemlich ollen Kamellen. ;)
Den passenden Tagebucheintrag (inkl. Voivod-Konzertreview) gibt es HIER nachzulesen. Passenderweise trage ich auch gerade das darin erwähnte T-Shirt. Und das signierte Foto hängt natürlich längst eingerahmt an der Wand. :)
Obligatorisch an dieser Stelle wieder der Verweis auf die kompletten Helvetia 2011-Fotoalben (inkl. nicht öffentlich geschalteter Bilder): analog HIER und digital HIER!
Und dann gibt's natürlich noch das Album mit allen Fotos vom Voivod-Konzert!
Und die nächsten Bilder-Einträge hier befassen sich dann mal wieder mit nicht-touristischen, aber auch schon ziemlich ollen Kamellen. ;)
2011-08-29
52 Wochen | 34 | wetter
Neulich, kurz vor Schlimmgewitter... naja, die Stimmung habe ich nicht wirklich eingefangen. Musste halt schnell gehen und es fing schon an, zu tröpfeln.
2011-08-26
Wacken 2011 - Fotos
Nach dem Teaser von gestern hier nun die restliche Bebilderung meines diesjährigen Wacken Open Airs.
Das ich ihm Vergleich zu den vorigen Jahren fotografisch eher sparsam unterwegs war (keine DSLR diesmal), erwähnte ich ja schon... Ein paar schöne Bilder sind aber schon dabei! :)
Das ich ihm Vergleich zu den vorigen Jahren fotografisch eher sparsam unterwegs war (keine DSLR diesmal), erwähnte ich ja schon... Ein paar schöne Bilder sind aber schon dabei! :)
2011-08-25
iBülow - Ach, der lebt ja noch!
Kennt ihr das, wenn um einen herum die ganze Welt scheinbar einhellig auf gewisse hauptnachrichtenrelevante Ereignisse reagiert, während es einem selbst ganz anders geht?
Oder konkreter: Mangelt es mir an Empathie? Bin ich gar ein gefühlskaltes Monster?
Zwei Todesmeldungen diese Woche lassen mich dies ja fast ein wenig befürchten.
Zuerst war da natürlich unser aller Vorzeigehumorist Loriot, bei dem mich das Ausmaß des Schocks in Internetforen und auch in meinem direkten facebook-Umfeld irgendwie überrascht hat.
Nun habe ich mich - bei aller ehrlichen Wertschätzung - schon lange Zeit nicht mehr mit seinem Schaffen auseinandergesetzt, zum Teil auch deswegen, weil ich dieser ständigen Herausstellung Loriots als einzigem witzigen Deutschen aller Zeiten ein wenig überdrüssig geworden war.
Ich hatte ihn also nicht so recht auf dem Radar, als ich die Todesmeldung las, so dass mein erster Gedanke war: Ach, der lebt ja noch!
Wurde mir dann auch schnell klar, dass das nicht mehr so ganz stimmte.
Man verstehe mich nicht falsch, ich finde es schon traurig, dass Herr von Bülow nun nicht mehr da ist, aber bin ich wirklich so entsetzt und aufgewühlt, dass ich - so las sich mancher spontane Nachruf - das Ende alles Lachens verkünden muss?
Ganz sicher nicht. Da ist ein alter Mann mit vollendetem Lebenswerk an Altersschwäche gestorben. Das klingt doch im Vergleich zu so vielen anderen Möglichkeiten nach einem sehr wünschenswerten, versöhnlichen Abgang.
Der zweite Todesfall berührte mich da im ersten Moment schon mehr, weil es um einen Mann ging, der ohne seine tödliche Krankheit noch viele Jahre vor sich gehabt haben könnte.
Als ich jedoch einen der als Hauptaufmacher bei allen wichtigen Nachrichtenseiten ganz oben verankerten Nachrufe aufmerksamer las, da dämmerte mir, dass ein entscheidendes Detail in diesem Nekrolog nicht ganz stimmig war. Ach, überkam es mich, der lebt ja noch!
Der Verstorbene war gar nicht Steve Jobs, nein der tritt nur von seinem iJob als Apple-Chef zurück.
Aber irgendeinen Toten muss es dem Tonfall der Berichterstattung und vieler Kommentare nach einfach geben. Oder zumindest eine Ahnung des Todes, die Angst vor einer diffusen Bedrohung (vgl. auch islamistischer Terrorismus), einer apokalyptischen Umwälzung unser aller Lebensumstände.
Der allheilige Superinventor der Moderne, dessen Visionen unser aller Leben so epochal verbessert haben, lässt seine Jüngerschar führungslos zurück. Oh nein, es wird Brombeeren und Fenster regnen!
Ohne iTunes, iPhone, iPad geht heutzutage gar nichts mehr, habe ich gelesen. Und mich gewundert.
Ich bin kein Apple-Hasser, aber ich finde es schon bemerkenswert, wie dieses Unternehmen es anscheinend verstanden hat einen quasi religiösen Kult um sich herum aufzubauen, der dazu führt, dass selbst in öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern im ansonsten bei ähnlichen Großkonzernen eher überkritischen Deutschland ständig kostenlos Werbung für seine Produkte gemacht werden.
Wo bleiben die Tagesschau- und heute-Berichte, wenn Siemens eine neue Waschmaschine oder Nestlé eine neue Schokoladensorte auf den Markt bringt?
Apple stellt auch nur Produkte her, Dinge, iDinge meinetwegen.
Dinge, ohne die die Welt sich problemlos weiterdrehen würde. Dinge, die mich nicht wirklich brennend interessieren.
Und ich bin kein Apple-Hasser, nein. Die Firma stellt bloß einfach nichts her, was es mir wert wäre, dafür Geld auszugeben. iTunes war ja kostenlos, hat mich aber irgendwann genervt und wurde deinstalliert. Diese kleinen iChoc-Schokoriegel (nein, nicht von Nestlé!), sind allerdings ziemlich lecker und zum Glück relativ oft als reduzierte Ware mit kurzer Haltbarkeit zu finden. Für meine iZone-Sofortbildkamera habe ich leider noch nie Film in die Finger bekommen, da der nicht mehr produziert wird. Aber das ist ja alles nicht Apple. Von Apple schwöre ich eigentlich nur auf die Beatles.
Mag sich ja vielleicht mal ändern, wer weiß.
Aber bis dahin bleibe ich mal bei meinem atheistischen Standpunkt, dass Steve Jobs einfach nur Sachen verkauft hat, die fürs Leben nicht wirklich wichtig sind.
Ein gewisser Einfluss auf Pop- und Alltagskultur ist sicher nicht zu verkennen, aber ob der nun wirlich ähnlich essentiell ist wie beispielsweise der der Albrecht-Brüder auf unser Konsumverhalten? Ich wage das mal vorsichtig zu bezweifeln. Aber was weiß ich iloser iGnorant schon? ;)
Schönen Weltuntergang noch!
[an dieser Stelle bitte noch passendes Loriot-Zitat einsetzen]
Oder konkreter: Mangelt es mir an Empathie? Bin ich gar ein gefühlskaltes Monster?
Zwei Todesmeldungen diese Woche lassen mich dies ja fast ein wenig befürchten.
Zuerst war da natürlich unser aller Vorzeigehumorist Loriot, bei dem mich das Ausmaß des Schocks in Internetforen und auch in meinem direkten facebook-Umfeld irgendwie überrascht hat.
Nun habe ich mich - bei aller ehrlichen Wertschätzung - schon lange Zeit nicht mehr mit seinem Schaffen auseinandergesetzt, zum Teil auch deswegen, weil ich dieser ständigen Herausstellung Loriots als einzigem witzigen Deutschen aller Zeiten ein wenig überdrüssig geworden war.
Ich hatte ihn also nicht so recht auf dem Radar, als ich die Todesmeldung las, so dass mein erster Gedanke war: Ach, der lebt ja noch!
Wurde mir dann auch schnell klar, dass das nicht mehr so ganz stimmte.
Man verstehe mich nicht falsch, ich finde es schon traurig, dass Herr von Bülow nun nicht mehr da ist, aber bin ich wirklich so entsetzt und aufgewühlt, dass ich - so las sich mancher spontane Nachruf - das Ende alles Lachens verkünden muss?
Ganz sicher nicht. Da ist ein alter Mann mit vollendetem Lebenswerk an Altersschwäche gestorben. Das klingt doch im Vergleich zu so vielen anderen Möglichkeiten nach einem sehr wünschenswerten, versöhnlichen Abgang.
Der zweite Todesfall berührte mich da im ersten Moment schon mehr, weil es um einen Mann ging, der ohne seine tödliche Krankheit noch viele Jahre vor sich gehabt haben könnte.
Als ich jedoch einen der als Hauptaufmacher bei allen wichtigen Nachrichtenseiten ganz oben verankerten Nachrufe aufmerksamer las, da dämmerte mir, dass ein entscheidendes Detail in diesem Nekrolog nicht ganz stimmig war. Ach, überkam es mich, der lebt ja noch!
Der Verstorbene war gar nicht Steve Jobs, nein der tritt nur von seinem iJob als Apple-Chef zurück.
Aber irgendeinen Toten muss es dem Tonfall der Berichterstattung und vieler Kommentare nach einfach geben. Oder zumindest eine Ahnung des Todes, die Angst vor einer diffusen Bedrohung (vgl. auch islamistischer Terrorismus), einer apokalyptischen Umwälzung unser aller Lebensumstände.
Der allheilige Superinventor der Moderne, dessen Visionen unser aller Leben so epochal verbessert haben, lässt seine Jüngerschar führungslos zurück. Oh nein, es wird Brombeeren und Fenster regnen!
Ohne iTunes, iPhone, iPad geht heutzutage gar nichts mehr, habe ich gelesen. Und mich gewundert.
Ich bin kein Apple-Hasser, aber ich finde es schon bemerkenswert, wie dieses Unternehmen es anscheinend verstanden hat einen quasi religiösen Kult um sich herum aufzubauen, der dazu führt, dass selbst in öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern im ansonsten bei ähnlichen Großkonzernen eher überkritischen Deutschland ständig kostenlos Werbung für seine Produkte gemacht werden.
Wo bleiben die Tagesschau- und heute-Berichte, wenn Siemens eine neue Waschmaschine oder Nestlé eine neue Schokoladensorte auf den Markt bringt?
Apple stellt auch nur Produkte her, Dinge, iDinge meinetwegen.
Dinge, ohne die die Welt sich problemlos weiterdrehen würde. Dinge, die mich nicht wirklich brennend interessieren.
Und ich bin kein Apple-Hasser, nein. Die Firma stellt bloß einfach nichts her, was es mir wert wäre, dafür Geld auszugeben. iTunes war ja kostenlos, hat mich aber irgendwann genervt und wurde deinstalliert. Diese kleinen iChoc-Schokoriegel (nein, nicht von Nestlé!), sind allerdings ziemlich lecker und zum Glück relativ oft als reduzierte Ware mit kurzer Haltbarkeit zu finden. Für meine iZone-Sofortbildkamera habe ich leider noch nie Film in die Finger bekommen, da der nicht mehr produziert wird. Aber das ist ja alles nicht Apple. Von Apple schwöre ich eigentlich nur auf die Beatles.
Mag sich ja vielleicht mal ändern, wer weiß.
Aber bis dahin bleibe ich mal bei meinem atheistischen Standpunkt, dass Steve Jobs einfach nur Sachen verkauft hat, die fürs Leben nicht wirklich wichtig sind.
Ein gewisser Einfluss auf Pop- und Alltagskultur ist sicher nicht zu verkennen, aber ob der nun wirlich ähnlich essentiell ist wie beispielsweise der der Albrecht-Brüder auf unser Konsumverhalten? Ich wage das mal vorsichtig zu bezweifeln. Aber was weiß ich iloser iGnorant schon? ;)
Schönen Weltuntergang noch!
[an dieser Stelle bitte noch passendes Loriot-Zitat einsetzen]
2011-08-21
52 Wochen | 33 | haaler au
Nebenbei entstanden und ziemlich anspruchslos. Eigentlich war ich dort, um den Film in meiner in Wacken kaputt gegangen Adox Golf zu Ende zu füllen.
2011-08-18
Helvetia 2011: Stein am Rhein / Konstanz
Tagesausflug an den Rhein und das deutsche Bodenseeufer
Die kompletten Fotoalben HIER (Film) und HIER (digital)!
Die kompletten Fotoalben HIER (Film) und HIER (digital)!
2011-08-14
52 Wochen | 32 | lütjenbümmel brennt
Partyfeuer, gestern in Lütjenwestedt.
Ein paar andere Bilder davon und Livefotos von SPACEKLOTZ gibt es HIER zu sehen!
Das Kloster rastet aus!
Was haben wir uns gefreut, als wir von Spaceklotz eingeladen wurden, zusammen mit The Impossible Rochen Overdrive nach viel zu langer Zeit endlich mal wieder die Kultpartyhauptstadt Lütjenwestedt zu beschallen. Und was war das gestern (oder auch heute, unser Auftritt begann ja nach Mitternacht) für ein Fest!. [...]
Weiterlesen im Roten Logbuch!
2011-08-10
Wacken 2011 - Festivalbericht (komplett!)
Wacken war Scheiße!
Ozzy Osbourne hat "Dreamer" nicht gespielt!
Nein, Quatsch...
Das erste Augustwochenende ist vorbei, es ist also Zeit für meinen alljährlichen Bericht vom Wacken Open Air. Und wie jedes Jahr ist es direkt nach diesen heftigen Tagen mal wieder schwer, im Kopf zu sortieren, was man alles gesehen und erlebt hat und für wie erzählenswert erachtet. Deswegen erhebt der folgende Text weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Relevanz für den Leser. ;)
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich fand das Festival alles in allem mal wieder sehr gut, sogar besser als ich erwartet hatte, da mich das (ursprüngliche) Billing ja nicht so sehr umgehauen wie beim extrem stark besetzten W:O:A 2010.
Nachdem ich mir am itzehoer Bahnhof und in Mehlbek noch eine zweiköpfige Festivalbgleitung zusammengesammelt hatte, stand für uns am Mittwoch Abend außer dem Eintausch von Tickets gegen Bändchen nur allgemeine Einstimmung auf dem Festivalvorplatz und im Wackinger Village an. Im Grunde ist das fast ein wenig wie Jahrmarkt, nur ohne Fahrgeschäfte mit Scooter-Musik.
Als auffälligste positive Neuerung fiel gleich das wesentlich größere Bullhead-City-Zelt ins Auge, welches ich ja in den vergangenen Jahren wegen Überfüllung und Desinteresse noch nie betreten hatte. Am Donnerstag gab es dort übrigens im Rahmen des "Masters Of Comedy"-Programms den berüchtigten Auftritt von Roberto Blanco, der mit dem Timing seiner Begleitkapelle Sodom heillos überfordert schien. Der Auftritt war sicherlich vollkommen "untrue" und alles andere als eine Niveausternstunde, anderseits finde ich aber auch, dass er in der Presse wie auch der Wacken-wird-immer-mehr-zur-Kirmes-Kritik vollkommen überbewertet wird. Es waren ein paar lustige, schwachsinnige Minuten, die in Wahrheit in und um das zu dem Zeitpunkt nur schwach besuchte Zelt nur von einem Bruchteil der Leute überhaupt live wahrgenommen wurde, die jetzt - in welcher Form auch immer -darüber schreiben. Also lasst doch mal bitte die Kirche im Dorf, Leute! ;)
Links liegen gelassen habe ich wieder einmal den kostenpflichtigen Metalmarkt im Zelt und die W.E.T.-Stage, auch wenn da durchaus interessante Bands gespielt haben, wie diverse YouTube-Videos ja auch bestätigen. Aber man kann sich nunmal nicht vierteilen.
Doch auch ohne Extremzellteilung lassen sich dank immer mehr Bildschirmen erstaunlich viele Bands verfolgen, wenn man z.B. nicht Lust und Energie hat, sich direkt vor die Bühne zu begeben, sondern sich irgendwo eine Weile hinsetzen oder -legen möchte, was dank der Bodenoptimierungsmaßnahmen der letzten Jahre fast überall auf dem Gelände möglich ist. Dass es von nachts bis mittags ab und zu geregnet hatte, konnte man nachmittags am Boden z.T. kaum noch merken.
Allerdings gab es bei der Fernverfolgung des Bühnengeschehens auch ein paar lästige Einschränkungen - so waren am Freitag bis in den späten Nachmittag hinein keine Kamerateams in Aktion und stattdessen nur eine Totale der riesigen Bühnen auf den Bildschirmen zu sehen. Und wenn die Kameramänner im Einsatz waren, war die Bildregie oftmals unterirdisch - Musikervorstellungen, Soli, das Publikum - trotz Schwenkkränen! - teilweise komplett ignoriert. Ganz schlimm beispielsweise bei (den auch ansonsten ziemlich schlimmen, aber das tut jetzt nichts zur Sache) Avantasia, wo während der Einsätze zahlreicher Gastsänger das Bild einfach weiter am trinkenden, nasebohrenden, sackkratzenden Frontmann klebte. Aber auch ansonsten war die Bildregie einfach durch die Bank auffallend schlecht. Ganz nebenbei fand ich die Weitwinkelperspektive der Drumcam auch affig.
Noch dazu hinkte das Bild oftmals auffällig hinterher, außer wenn man am Moviefield gekuckt hat, wo man den Ton nächstes mal besser mit etwas Verzögerung durch die örtliche PA jagen sollte.
Am Moviefield-Bildschirm schwankte die Qualität der Übertragung ohnehin sehr. Der absolute Brüller ereignete sich dort am Donnerstag Nachmittag. Wir waren gerade kurz vor dem Auftritt von Bülent Ceylan dort und dachten uns - wie hunderte andere, teilweise extra mit Campingstühlen angetretene Besucher auch, dass man sich den halbstündigen Auftritt doch gemütlich von hier anschauen könnte. Konnte man tatsächlich - nur zu hören war nichts! Trotzdem blieben noch erstaunlich viele Leute sitzen und forderten immer wieder "Ton an!". Es dauerte offensichtliche knapp eine halbe Stunde, bis sich die Situation zu einem Verantwortlichen rumgesprochen hatte und der Ton endlich aufgeschaltet wurde. Da war Bülent aber schon in seinem Finale, in dem der Ton eher zweitrangig war, weil er da ja fast nur rumhampelte und gar keinen Text mehr hatte. Sauber! ;)
Und das war ja für mich bereits der dritte große Klopps an diesem Donnerstag to Remember, welcher schon damit begann, dass der Tagesparkplatz am Ortsausgang von Gribbohm, den ich nicht nur die letzten Jahre sondern auch gerade erst einen Tag vorher gerne genutzt hatte (und da war ich nicht allein!), nun ohne Not kein Tagesparkplatz, sondern nur noch ein reiner Bring- und Abholplatz war. Klar, dafür braucht man auch eine ganze leere Weide!
Stattdessen lag der Aussätzigenparkplatz nun am allerallerhintersten Rand von Holstenniendorf - und auf dem Weg dorthin musste man sich auch noch durch den zähen Campingplatzverkehr quälen. Da haben wir doch drauf verzichtet und sind lieber zumindest noch im Herzen Holstenniendorfs in einer kleinen Seitenstraße ohne Veranstaltungsparkverbot geblieben.
Sehr lästig, wenn eine immer gut funktionierende Sache scheinbar grundlos geändert wird. Freitag und Samstag haben wir dann eine bessere Alternative gefunden, die sich hoffentlich auch in Zukunft wieder nutzen lässt...
Und dann war da natürlich meine Lieblingsrealsatire, als ich das erste Mal auf das Infield wollte.
Letztes Jahr hatte ich ja sehr viele Fotos geschossen. Diesmal war mir schon vorher klar, dass ich diesbezüglich zurückhaltender sein wollte, vielleicht weil ich momentan ja eh nicht so sehr in der ganzen Fotografiegeschichte drinstecke. Außerdem hatte ich keinen Bock, wieder Stress mit schlecht gebrieften Securities zu bekommen, weshalb ich meine Canon 400D und auch eine analoge Spiegelreflexkamera, die ich im Vorfeld mal in Erwägung gezogen hatte, ganz zu Hause ließ.
Stattdessen trug ich nur zwei Filmknipsen bei mir, die niemals in den Verdacht zu großer Professionalität geraten würden, nämlich die fröhliche Pingo-Kamera und die gute alte Adox Golf. Doch als ich dem Ordner demonstrierte, wie auf Knopfdruck der *hüstel* mächtige antike Hochtechnologie-Balgen des Megapixelmittelformatpowermonstrums aufklappte, sagt der mir doch tatsächlich das ich die Kamera wegen des *räusper* "Zooms" nicht mitnehmen darf!
Zum Glück musste ich keinen anderen Eingang nehmen, sondern konnte den Fall gleich bei der Chefin des Eingangs prüfen lassen, welche sich prächtig amüsierte und mir Zutritt zum Gelände gewährte - unter der Auflage, mit der Kamera aber keine Videos aufzunehmen. *g*
Der gleiche Ordner hat meinem Bruder übrigens direkt nach mir sein definitiv offiziell erlaubtes 1-Liter-Tetrapack abgenommen. Meinen Albi-Saft hingegen hatte er nicht beanstandet. Das nenne ich mal irre konsequent.
Ironischerweise habe ich die Adox Golf dann fast die ganze Zeit nur nutzlos mit mir rumgeschleppt und auf dem Festivalgelände gar nicht benutzt. Als ich sie am Freitag dann endlich mal dort einsetzen wollte, hatte sich dummerweise die Schraube vom Filmtransportrad gelöst, welche sich partout nicht wieder hineindrehen lassen möchte. Ich muss das nach wie vor noch reparieren, ansonsten ist das Fotografieren damit momentan sonst ziemlich umständlich.
Nun aber endlich zum Wichtigsten, nämlich der Musik...
Mittwoch:
War wie gesagt nur Reinschnuppertag, da haben wir außer der Zugabe "Chop Suey" von Mambo Kurt eigentlich noch nichts musikalisches wirklich verfolgt.
Donnerstag:
Das Wacken Open Air kennt viele Rituale. Zu den neueren und wohl biedersten gehört die Hauptbühneneröffnung mit der Coverband Skyline inklusive peinlicher Wacken-Hymnen. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Wir sind dann auch lieber ins Dorf, mal nach dem berüchtigten verwirrten Jesus-Schild-Mann kucken, der dort stets an der Straße steht mit seiner kryptischen Rückenbotschaft: "Jesus says: I have the key to death" (oder so ähnlich). Leider konnte der Mann nicht singen.
Zum Glück hatten wir zu dem Zeitpunkt schon den zweiten Biergartenauftritt von Mambo Kurt gesehen, der erwartungsgemäß grandios blöde wie immer war. Wo bleibt das YouTube-Video, auf dem man die Wall Of Death zum "Super Mario Theme" aus dem Gameboy sehen kann?
Nach dem schon erwähnten Bülent-Ceylan-Stummfilm erwartete uns auf der Wackinger Stage die Überraschung des Tages in Form der Iron-Maiden-Tribut-Akustikband Maiden United. Langweiliger Bandname, aber was für ein Gesangsduo: Damian Wilson und Anneke van Giersbergen sorgten für reichlich freudige Gesichter und Gänsehaut im Publikum. Das Set bestand dabei hauptsächlich aus Songs von "Piece Of Mind" und "Seventh Son Of A Seventh Son". Wirklich sehr schön!
Weniger schön, aber teilweise schon lustig war das Masters Of Comedy-Programm im Zirkuszelt, dessen Finale ich ja schon weiter oben gewürdigt habe. Ein bisschen Spaß muss halt sein.
Ein bisschen Wahnsinn aber auch. Und dafür gab es ja als Headliner den Madman Ozzy Osbourne himself. Ich hatte ehrlich gesagt keine allzu großen Erwartungen an seinen Auftritt, denn wir wissen ja alle, wie der Mann gelebt hat und dass er dadurch einfach ziemlich kaputt ist. Tatsächlich tut er sich beim Gesang mitunter sehr schwer - und auch der Gitarren- und Drumsoloteil im Set war auffällig lang. Ein Gerücht sagt, er hätte so lange gebraucht, nach der Bevollmondung des Publikums mit seinem blanken Hintern seine Hose wieder zuzubekommen. ;)
Man merkt ihm schon an, dass er wohl nicht mehr leben würde, wenn ihm nicht ab und zu ein paar tausend Leute "Ozzy! Ozzy!" zubrüllen würden.
Dennoch hat er eines, was ihm zu deutlich mehr macht als einen aufmerksamkeitssüchtigen Applausjunkie: seine Stimme! Mit der Stimme ist er geboren und die nimmt er mit ins Grab. Keiner sonst hat die. Sie ist nicht perfekt und ihr wurde durch seinen Lebenswandel auch schlimm zugesetzt, aber sie hat verdammt nochmal Charakter. Da mag er auch noch so sehr rumkaspern... Daumen hoch für den Prince Of Darkness!
Freitag:
Freitag war lang. Von Vormittags bis nachts um drei auf dem Gelände...
Musikalisch ging's mittags mit Russkaja los. Sehr lustiger Russen-Ska. Das Publikumsspiel "Psycho Traktor" zur Erweiterung von kollektive Bewusstsein war im Zirkuszeltambiente schon ein echtes Entertainmentglanzstück zum Auftakt. Kann man sich durchaus mal wieder anschauen, wenn die sich auch in die Reihe der Biergarten/Wackinger/BullheadCity-Dauergäste einreihen sollten.
Von den Suicidal Tendencies hatte ich ja mein halbes Leben nichts mehr gehört. Dabei sind die live ja echt geil. Mike Muir mochte ich früher nicht. Ich weiß gar nicht, wieso. Vielleicht sabbelt er zwischen den Liedern ein bisschen viel und schnell. Die hätten eigentlich eine viel spätere Spielzeit verdient gehabt, zumal sie ja auch vor einem Jahr als erste Sensation für 2011 angekündigt worden waren. Aber das Nachmittagsschicksal ereilt ja auch andere Bands...
"Die neue Morbid Angel ist total scheiße! Das ist ja voll der Techno!" "Ohne Pete Sandoval höre ich die mir gar nicht erst an, das sind nicht mehr Morbid Angel!" "Morbid Angel hören Laibach und das sind ja voll die Nazis!" blablablubb...
Heult doch! sage ich. :-P
Morbid Angel sind Gott. Also nicht der aus der Bibel, sondern der "God Of Emptiness". Von ihrem Auftritt habe ich mir wie immer ein präzises, krankes Blastfeuerwerk des Bösen erwartet, und das haben sie auch diesmal wieder abgeliefert. Neben zahlreichen Klassikern der David-Vincent-Ära von "Altars Of Madness" bis "Domination" gab es auch drei Songs des aktuellen Rückkehralbums zu hören: "Existo Vulgore", "Nevermore" und den Song, den ich auf dem Album am gewöhnunsbedürftigsten fand, der live aber absolut zündete: "I Am Morbid".
Passend dazu kreiste während des Morbid-Angel-Auftritts ein Flugzeug hoch über dem Festival, welches ein Banner mit eben jenem Songtitel darauf spazieren flog! Wo sonst, wenn nicht in Wacken, kann man sich so etwas vorstellen? :)
Sodom danach waren dann irgendwie öde. ich war aber auch nicht ganz vorne, es gab noch kein Großbild und der Sound war ziemlich schwach. Spaß-Roberto kam auch nicht noch einmal. Am Vorabend hatte ich ja noch gedacht, dass der Auftritt im Zelt möglicherweise nur eine Generalprobe für größere Aufgaben gewesen sein könnte...
Trivium waren ja ok, also gut gemacht, wenn auch nicht mein Ding. Aber warum die in den Staaten Support auf der nächsten Tour von Dream Theater sein werden, verschließt sich mir doch ziemlich. Labels denken sich manchmal seltsame Paarungen aus.
Das nächste Death Metal Highlight waren die legendären Morgoth auf der Party Stage. Im Vergleich zu Morbid Angel die deutlich stumpfere Variante (anspruchsvolle Soli haben die Gitarristen auch zwanzig Jahre nach dem "Cursed"-Album anscheinend nicht im Repertoire), aber die Songs sind trotzdem allesamt Klassiker. Lustig die kleine Actioneinlage vom Sänger, als er die Fans begrüßte und dabei rückwärts stolperte und sich auf die Bühne legte. Nur zu leise war es. Wir standen zwar nahe an der Bühne, aber irgendwie klang es trotzdem wie ganz weit entfernt. Schade.
Dass das Publikum vergleichsweise entspannt daherkam, lag aber wohl auch daran, dass sich die Crowdsurfingkids zeitgleich bei den musikalisch weniger relevanten Heaven Shall Burn für neue Genickbruchrekorde herumtrieben.
Dennoch schaffte es ein Fan trotz aller Gräben und Aufpasser irgendwie auf die Bühne. Allerdings vermute ich mal, dass der auch zumindest irgendein farbiges Bändchen hatte - bis zu der Aktion jedenfalls.
Weiter ging es mit über zwei Stunden Judas Priest.
Ich bin nicht der ausgewiesene Experte oder Fan, aber das war durchaus mal wieder ein Metal-Urgestein, dass es wert war, es auch einmal gesehen zu haben. Vor allem, was Rob Halford immer noch mit seiner Stimme anstellt, ist schon aller Ehren wert.
Aus heutiger Sicht absolut erstaunlich ist aber, dass die homophobe Metalgemeinde in den Achtzigern die sexuelle Orientierung des Frontmannes nicht erkannt hat. Also, ich meine - mal ehrlich - und ich sage das, ohne irgendjemand damit vor den Kopf stoßen zu wollen: Wer während eines Konzertes derartig viele geschmacksgrenzwertige Denim/Leather/Glitter-Outfits mit Nieten ausführt und zum Finale in voller Village-People-Montur auf dem Motorrad einfährt, der lässt doch eigentlich keine Fragen offen, oder?
Ein Metalgott gab nun dem nächsten die Klinke in die Hand. Es folgten die kurzfristig für die verhinderten Cradle Of Filth (kein Verlust für mich) eingesprungen Celtic-Frost-Nachfolger Triptykon um Thomas Gabriel Fischer.
Für mich natürlich der absolute Glücksfall. Die Band steht schon Zeit ihres Bestehens auf meinem Wacken-Wunschzettel, und auf keinen anderen Act hatte ich eine so große Vorfreude.
Langsam, heavy, böse wie die Nacht sollte es sein. Und so kam es. Feuer brannten auf der schwach beleuchteten Bühne, der Bass wummerte in tiefsten Regionen. Von Anfang an war der Band anzumerken, dass es hier keine Kompromisse geben würde und dass vielen nebenan auf Airbourne wartenden Rockfans eine harte Prüfung bevorstehen würde.
Triptykon haben fast exakt mein Wunschset gespielt, angefangen vom Frost-Klassiker "Procreation Of The Wicked" bis zum halbstündigen Doppelpack aus der schon 2006 beim legendären Frost-Gig zelebrierten schwarzen Messe "Synagoga Satanae" und dem noch konsequenteren (und songschreiberisch besseren) Monument "The Proloning" vom Album "Eperistera Daimones". Mein tagelanger Ohrwurm! Und der Auftritt für mich ganz klar das Highlight des Festivals!
Danach hatte ich eigentlich gar keinen unmittelbaren Bedarf mehr auf ein komplett aus der Nähe verfolgtes Konzert. Dabei war die sich überschneidende Auswahl groß. Ich teilte mir die Zeit also in die Fernbeobachtung von Airbourne und den Excrementory Grindfuckers (Zelt leider schon übervoll) auf. Dabei hätte ich durchaus auch noch die Wahl gehabt, Slime oder Hayseed Dixie (letztere am nächsten Tag nachgeholt) zu sehen.
Apocalyptica habe ich mir dann vom Moviefield aus angesehen, konnte aber wegen zu leisem Sound und der üblichen unspannenden Bildregie nicht so sehr mit dem Auftritt der finnischen Cellisten warm werden, wie er es wahrscheinlich verdient hätte. Naja, müde und kaputt war ich nachts um zwei natürlich auch schon. Zum Glück war der Weg zurück zum Auto nicht so lang wie am Vortag!
Samstag:
Der letzte Festivaltag begann nach einer ziemlich kurzen Nacht (bzw. einem frühmorgendlichen Nickerchen) erst einmal mit einem kleinen Ausflug nach Itzehoe, um die donnerstags dort abgeholte Dame wieder zum Bahnhof zu bringen, wo sie sich dann auf dem Gleis entschied, statt an die polnische Grenze weiter ihrer Lieblingsband hinterherzuhoppen, doch lieber noch einen Wackentag dranzuhängen. Wie gut, dass das Bändchen noch am Arm war. ;)
Nach Wacken fuhren wir erst wieder nachmittags, als mit Knorkator auch mein einziger felsenfester Programmpunkt anstand. Alles andere sollte Bonus sein.
Vor dem meisten Konzert des Open Airs spielten auf der True Metal Stage noch Dir En Grey, die der allgemeinen Internetnachlese nach neben einer gewissen indiskutablen Onkelz-Gedenkband wohl die verhassteste Gruppe des Wochenendes waren. Gleich bei Ankunft mit den gewöhnungsbedürftigen Japanern konfrontiert zu werden, fand ich auch etwas anstrengend. Nur - anstrengend bedeutet ja nicht automatisch schlecht. Ganz im Gegenteil würde ich diese für die Bühne, auf der sie auftraten, fast unverschämt advantgardistische Band als die Entdeckung des diesjährigen Festivals für mich bezeichnen.
Die Musik lebt vor allem von einem Sänger, der wie eine Metalausführung von Diamanda Galas zwischen den stimmliche Extremen pendelt, auf eine Art und Weise, wie ich es so noch nicht gehört habe. Die japanischen Texte tragen natürlich auch noch zum Exotenstatus bei. Auch wenn es offenbar soundtechnsich arge Probleme gab - das hatte schon was.
Zu Knorkator sollte ich eigentlich nur auf den Mitschnitt des Auftritts verweisen (gibt es diesem Internet da irgendwo) - wie soll man den Auftritt der Quatschmacher um Stumpen und Co. denn auch mit bloßen Worten würdigen? Vor der Partystage war es voll wie sonst wohl nie an diesem Wochenende, und auch wenn die erste exzessive Crowdsurfingwelle nur die Flucht zur Seite erlaubte, war das Gesamterlebnis Knorkator äußerst unterhaltsam. Von allen Spaßmetalbands sind sie eindeutig die meisten! ;)
Ich finde ja im allgemeinen, dass das andauernde Spaßcrowdsurfen in Wacken sich in den letzten Jahren zu einer echten, gefährlichen Plage entwickelt hat (siehe auch Bilddiskussion hier), aber bei dieser "asozialen" Band erwartet man es ja wenigstens - und Stumpen deeskaliert es im Grunde auch von der Bühne aus, indem er die Leute zu allen möglichen anderen albernen Mitmachspielchen animiert, bei denen man sich dann nicht ständig umdrehen und teils sich fast übereinanderstapelnde Mädels und Teletubbies (zum Glück gibt es nur 4 davon!) weiterwuchten musste. Der Huckepackpogo zum Beispiel war für die meisten Leute eigentlich recht angenehm, weil sich dadurch auf einmal überall weiterer Stehplatz auftat. ;)
Geile Band - schön dass sie wieder da sind!
Bei Iced Earth war ich dann nicht aufmerksam genug, um den Auftritt hier weiter kommentieren zu können.
Hab ich die überhaupt ganz gesehen? Irgendwann habe ich ja auch noch eine Runde der Highland Games im Wackinger Village gesehen. War das am Samstag? Ich glaube ja.
Danach war es auf jeden Fall schon wieder früher Abend und es spielte auf der Black Stage eine Band, die ich schon seit ganz langer Zeit nicht mehr wirklich im Blickfeld hatte, nämlich Sepultura. Und ich muss sagen - was ich sah, gefiel mir sehr! Vor allem Sänger Derrick Green macht in meinen Augen eine wesentliche bessere Figur als sein mit Soulfly nur noch ziemlich peinlicher Vorgänger Max Cavalera.
Den gesamten Auftritt werde ich wohl noch im Internet nachholen müssen, da ich mich nach einigen Songs inkl. dem Ministry-Cover "Just One Fix" in Richtung Biergarten abgesetzt habe, wo gerade wieder Hayseed Dixie spielten, die mein Bruder am Vortag gesehen und mir dringend empfohlen hatte. Zu recht!
Superschnneller Bluegrass/Dixie-Sound, in dem auf lustige Weise diverse Rockklassiker dargeboten wurden, als absolutes Highlight eine irrwitzige Version des größten "killing song" aller Zeiten, Queens "Bohemian Rhapsody"! Trotzdem hoffe ich, dass die Gruppe nicht schon nächstes Jahr wieder Biergarten-Dauergast wird. Dann würde ich nämlich das vorzeitige Verlassen des Sepultura-Auftritts schon etwas bereuen.
Um zwanzig Uhr spielten bei zeitweise fast keinem Parallelprogramm auf anderen Bühnen Avantasia. Naja, hat man sich halt hingelegt und die mitgenommen. Bisher hatte ich aufgrund einiger an diesem Projekt beteiligten Namen ja gar keine Lust, in die überhaupt reinzuhören und deswegen nur Vorurteile im Kopf. Diese Vorurteile haben sich dann aber mit Karacho bestätigt. Billig aufgeblasener Tralala-Kitschmetal inkl. "My Heart Will Go On"-Gedenkballade. Einen Zugabensong fand ich streckenweise erträglich, aber ansonsten zweifellos das Schlimmste, was ich diesmal gesehen habe. Traurig auch, wieviel Musiker- und Sängertalent gleichzeitig auf einer Bühne verschwendet werden kann. Dagegen sind ja Blind Guardian richtig cool.
Soll ja angeblich der allerletzte Auftritt gewesen sein. Aber solche Versprechen sind ja gerade in Wacken nicht viel wert...
Der Abschluss des Festivals mit dem Doppelpack aus Kreator und Motörhead war dann aber versöhnlicher.
Die Ruhrpottler lieferten ein Thrashfest allererster Güte ab, bei dem mich vor allem beeindruckte, dass die alten Primitivklopper wie "Flag Of Hate", "Endless Pain", "Pleasure To Kill" oder auch "Betrayer" inzwischen so präzise gespielt sind, dass es sich schon beinahe nach Slayer anhört. Das war in der guten alten Rumpelzeit noch nicht so.
Motörhead waren dann Motörhead, wobei erwähnenswert ist, dass Lemmy stimmlich gut drauf war. Ansonsten ist das Trio in Wacken ja auch schon eher Ritual als Band. Also durchaus geil, aber nicht so neu, dass es einen davon abhielt, sich schon vor Ablauf der sehr langen Spielzeit auf den Heimweg zu machen und sich bis zum Auto vom Rock'n'Roll begleiten zu lassen.
So entgingen wir auch dem nennenswertesten Regenfall an diesem zwar zweitweise wolkenverhangenen, aber meistens trockenen und warmen, also vom Wetter sehr begünstigten Festival. So einen Sonnenbrand auf der Nase hatte ich auch lange nicht mehr.
Und wenn ich bedenke, was diese Woche so runterkam... Glück gehabt!
Das war's dann mit Wacken 2011.
Fazit:
Wacken ist ein wenig wie die Herr-der-Ringe-Filmtrilogie - man kann als Buchkenner stundenlang drüber lästern, aber es bleibt immer noch geil! ;)
Neben den Top 3 Triptykon, Morbid Angel und Knorkator wieder sehr viel weitere geile Musik gehört.
Und so ein großartiges Metalfest quasi fast vor der Haustür zu haben, ist immer noch irgendwie etwas unwirklich und bizarr.
Die eine oder andere Anekdote habe ich jetzt sicherlich vergessen, so zum Beispiel die nicht wirklich leckere Sache mit dem elektrischen Bullen, auf dem der Nacktritt umsonst ist, oder der Typ der sich Freitagnacht auf das nicht mehr bewachte Pfahlsitzen-Feld (für sechs Stunden am Stück gab es dort den Hauptgewinn) begab und sich aufrecht auf die Rückenlehne eines Pfahles stellte. Das hätte auch böse enden können...
Und dann war da natürlich noch die nächtliche Fahrt auf der Schleichwegstrecke Mehlbek-Hörsten-Schenefeld, auf der mir ein Hase direkt neben einer Katze ins Scheinwerferlicht geriet. Was die da wohl zusammen getrieben haben? Mysteriös.
Das Ticket für 2011 ist bereits bestellt. Leider hat es im ungeheuren Ansturm auf die Seite für das schon nach 45 Minuten ausverkaufte X-Mas-Package nicht mehr gereicht (und ich hatte es zwischenzeitlich schon im Warenkorb!), und leider ist das Ticket auch wieder satte 20,- Euro teurer geworden.
Die bisher bekanntgegebenen Headliner sind fast alle so Kandidaten der Kategorie "Ach, die schon wieder? Muss das sein?". Positive Ausnahme bisher Ministry und die sicherlich auch nicht uninteressanten Forbidden.
Aber ernsthaft die Scorpions? hatten die nicht versprochen, dass schon längst Schluss sein sollte?
Meine Wunschbands sind vor allem folgende schon ewig überfällig bzw. dieses Jahr vom Wacken-Booking sträflich verpassten Gruppen:
Autopsy, Dream Theater, Godflesh, Psychotic Waltz und - auch wenn ich nicht der allergrößte Fan bin, aber weil's sich metalhistorisch einfach gehört - Megadeth! Die obligatorischen Niemals-nach-Wacken-Kommer Metallica wären bei 150,- Euro Eintritt schon fast wieder berechtigt, aber daran glaube ich inzwischen nicht mehr. ;)
Dass es ein viel zu starkes Gewicht auf gewisse Labels gibt und einige Gruppen unverhältnismäßig überpräsentiert sind, geht mir ja eigentlich eher auf den Sack. Aber natürlich gibt's auch für mich Bands, die gerne das Airbourne-Dauerabo (drei mal Hauptbühne innerhalb von vier Jahren!) bekommen dürften. Da wären z.B. Atheist, Cynic und Voivod. Auf Swashbuckle hätte ich auch wieder Bock. Und Macabre sowieso! Gegen einen Doom-Klassiker wie Candlemass oder Count Raven wäre auch nichts einzuwenden. Und als lustiger Act noch Tenacious D!
Und wenn schon Rockoper, dann doch bitte Ayreon!
Im Zirkuszelt meinetwegen auch mal mittags Rihanna und Britney Spears. Merkt ja eh kaum jemand. *g*
Ozzy Osbourne hat "Dreamer" nicht gespielt!
Nein, Quatsch...
Das erste Augustwochenende ist vorbei, es ist also Zeit für meinen alljährlichen Bericht vom Wacken Open Air. Und wie jedes Jahr ist es direkt nach diesen heftigen Tagen mal wieder schwer, im Kopf zu sortieren, was man alles gesehen und erlebt hat und für wie erzählenswert erachtet. Deswegen erhebt der folgende Text weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Relevanz für den Leser. ;)
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich fand das Festival alles in allem mal wieder sehr gut, sogar besser als ich erwartet hatte, da mich das (ursprüngliche) Billing ja nicht so sehr umgehauen wie beim extrem stark besetzten W:O:A 2010.
Nachdem ich mir am itzehoer Bahnhof und in Mehlbek noch eine zweiköpfige Festivalbgleitung zusammengesammelt hatte, stand für uns am Mittwoch Abend außer dem Eintausch von Tickets gegen Bändchen nur allgemeine Einstimmung auf dem Festivalvorplatz und im Wackinger Village an. Im Grunde ist das fast ein wenig wie Jahrmarkt, nur ohne Fahrgeschäfte mit Scooter-Musik.
Als auffälligste positive Neuerung fiel gleich das wesentlich größere Bullhead-City-Zelt ins Auge, welches ich ja in den vergangenen Jahren wegen Überfüllung und Desinteresse noch nie betreten hatte. Am Donnerstag gab es dort übrigens im Rahmen des "Masters Of Comedy"-Programms den berüchtigten Auftritt von Roberto Blanco, der mit dem Timing seiner Begleitkapelle Sodom heillos überfordert schien. Der Auftritt war sicherlich vollkommen "untrue" und alles andere als eine Niveausternstunde, anderseits finde ich aber auch, dass er in der Presse wie auch der Wacken-wird-immer-mehr-zur-Kirmes-Kritik vollkommen überbewertet wird. Es waren ein paar lustige, schwachsinnige Minuten, die in Wahrheit in und um das zu dem Zeitpunkt nur schwach besuchte Zelt nur von einem Bruchteil der Leute überhaupt live wahrgenommen wurde, die jetzt - in welcher Form auch immer -darüber schreiben. Also lasst doch mal bitte die Kirche im Dorf, Leute! ;)
Links liegen gelassen habe ich wieder einmal den kostenpflichtigen Metalmarkt im Zelt und die W.E.T.-Stage, auch wenn da durchaus interessante Bands gespielt haben, wie diverse YouTube-Videos ja auch bestätigen. Aber man kann sich nunmal nicht vierteilen.
Doch auch ohne Extremzellteilung lassen sich dank immer mehr Bildschirmen erstaunlich viele Bands verfolgen, wenn man z.B. nicht Lust und Energie hat, sich direkt vor die Bühne zu begeben, sondern sich irgendwo eine Weile hinsetzen oder -legen möchte, was dank der Bodenoptimierungsmaßnahmen der letzten Jahre fast überall auf dem Gelände möglich ist. Dass es von nachts bis mittags ab und zu geregnet hatte, konnte man nachmittags am Boden z.T. kaum noch merken.
Allerdings gab es bei der Fernverfolgung des Bühnengeschehens auch ein paar lästige Einschränkungen - so waren am Freitag bis in den späten Nachmittag hinein keine Kamerateams in Aktion und stattdessen nur eine Totale der riesigen Bühnen auf den Bildschirmen zu sehen. Und wenn die Kameramänner im Einsatz waren, war die Bildregie oftmals unterirdisch - Musikervorstellungen, Soli, das Publikum - trotz Schwenkkränen! - teilweise komplett ignoriert. Ganz schlimm beispielsweise bei (den auch ansonsten ziemlich schlimmen, aber das tut jetzt nichts zur Sache) Avantasia, wo während der Einsätze zahlreicher Gastsänger das Bild einfach weiter am trinkenden, nasebohrenden, sackkratzenden Frontmann klebte. Aber auch ansonsten war die Bildregie einfach durch die Bank auffallend schlecht. Ganz nebenbei fand ich die Weitwinkelperspektive der Drumcam auch affig.
Noch dazu hinkte das Bild oftmals auffällig hinterher, außer wenn man am Moviefield gekuckt hat, wo man den Ton nächstes mal besser mit etwas Verzögerung durch die örtliche PA jagen sollte.
Am Moviefield-Bildschirm schwankte die Qualität der Übertragung ohnehin sehr. Der absolute Brüller ereignete sich dort am Donnerstag Nachmittag. Wir waren gerade kurz vor dem Auftritt von Bülent Ceylan dort und dachten uns - wie hunderte andere, teilweise extra mit Campingstühlen angetretene Besucher auch, dass man sich den halbstündigen Auftritt doch gemütlich von hier anschauen könnte. Konnte man tatsächlich - nur zu hören war nichts! Trotzdem blieben noch erstaunlich viele Leute sitzen und forderten immer wieder "Ton an!". Es dauerte offensichtliche knapp eine halbe Stunde, bis sich die Situation zu einem Verantwortlichen rumgesprochen hatte und der Ton endlich aufgeschaltet wurde. Da war Bülent aber schon in seinem Finale, in dem der Ton eher zweitrangig war, weil er da ja fast nur rumhampelte und gar keinen Text mehr hatte. Sauber! ;)
Und das war ja für mich bereits der dritte große Klopps an diesem Donnerstag to Remember, welcher schon damit begann, dass der Tagesparkplatz am Ortsausgang von Gribbohm, den ich nicht nur die letzten Jahre sondern auch gerade erst einen Tag vorher gerne genutzt hatte (und da war ich nicht allein!), nun ohne Not kein Tagesparkplatz, sondern nur noch ein reiner Bring- und Abholplatz war. Klar, dafür braucht man auch eine ganze leere Weide!
Stattdessen lag der Aussätzigenparkplatz nun am allerallerhintersten Rand von Holstenniendorf - und auf dem Weg dorthin musste man sich auch noch durch den zähen Campingplatzverkehr quälen. Da haben wir doch drauf verzichtet und sind lieber zumindest noch im Herzen Holstenniendorfs in einer kleinen Seitenstraße ohne Veranstaltungsparkverbot geblieben.
Sehr lästig, wenn eine immer gut funktionierende Sache scheinbar grundlos geändert wird. Freitag und Samstag haben wir dann eine bessere Alternative gefunden, die sich hoffentlich auch in Zukunft wieder nutzen lässt...
Und dann war da natürlich meine Lieblingsrealsatire, als ich das erste Mal auf das Infield wollte.
Letztes Jahr hatte ich ja sehr viele Fotos geschossen. Diesmal war mir schon vorher klar, dass ich diesbezüglich zurückhaltender sein wollte, vielleicht weil ich momentan ja eh nicht so sehr in der ganzen Fotografiegeschichte drinstecke. Außerdem hatte ich keinen Bock, wieder Stress mit schlecht gebrieften Securities zu bekommen, weshalb ich meine Canon 400D und auch eine analoge Spiegelreflexkamera, die ich im Vorfeld mal in Erwägung gezogen hatte, ganz zu Hause ließ.
Stattdessen trug ich nur zwei Filmknipsen bei mir, die niemals in den Verdacht zu großer Professionalität geraten würden, nämlich die fröhliche Pingo-Kamera und die gute alte Adox Golf. Doch als ich dem Ordner demonstrierte, wie auf Knopfdruck der *hüstel* mächtige antike Hochtechnologie-Balgen des Megapixelmittelformatpowermonstrums aufklappte, sagt der mir doch tatsächlich das ich die Kamera wegen des *räusper* "Zooms" nicht mitnehmen darf!
Zum Glück musste ich keinen anderen Eingang nehmen, sondern konnte den Fall gleich bei der Chefin des Eingangs prüfen lassen, welche sich prächtig amüsierte und mir Zutritt zum Gelände gewährte - unter der Auflage, mit der Kamera aber keine Videos aufzunehmen. *g*
Der gleiche Ordner hat meinem Bruder übrigens direkt nach mir sein definitiv offiziell erlaubtes 1-Liter-Tetrapack abgenommen. Meinen Albi-Saft hingegen hatte er nicht beanstandet. Das nenne ich mal irre konsequent.
Ironischerweise habe ich die Adox Golf dann fast die ganze Zeit nur nutzlos mit mir rumgeschleppt und auf dem Festivalgelände gar nicht benutzt. Als ich sie am Freitag dann endlich mal dort einsetzen wollte, hatte sich dummerweise die Schraube vom Filmtransportrad gelöst, welche sich partout nicht wieder hineindrehen lassen möchte. Ich muss das nach wie vor noch reparieren, ansonsten ist das Fotografieren damit momentan sonst ziemlich umständlich.
Nun aber endlich zum Wichtigsten, nämlich der Musik...
Mittwoch:
War wie gesagt nur Reinschnuppertag, da haben wir außer der Zugabe "Chop Suey" von Mambo Kurt eigentlich noch nichts musikalisches wirklich verfolgt.
Donnerstag:
Das Wacken Open Air kennt viele Rituale. Zu den neueren und wohl biedersten gehört die Hauptbühneneröffnung mit der Coverband Skyline inklusive peinlicher Wacken-Hymnen. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Wir sind dann auch lieber ins Dorf, mal nach dem berüchtigten verwirrten Jesus-Schild-Mann kucken, der dort stets an der Straße steht mit seiner kryptischen Rückenbotschaft: "Jesus says: I have the key to death" (oder so ähnlich). Leider konnte der Mann nicht singen.
Zum Glück hatten wir zu dem Zeitpunkt schon den zweiten Biergartenauftritt von Mambo Kurt gesehen, der erwartungsgemäß grandios blöde wie immer war. Wo bleibt das YouTube-Video, auf dem man die Wall Of Death zum "Super Mario Theme" aus dem Gameboy sehen kann?
Nach dem schon erwähnten Bülent-Ceylan-Stummfilm erwartete uns auf der Wackinger Stage die Überraschung des Tages in Form der Iron-Maiden-Tribut-Akustikband Maiden United. Langweiliger Bandname, aber was für ein Gesangsduo: Damian Wilson und Anneke van Giersbergen sorgten für reichlich freudige Gesichter und Gänsehaut im Publikum. Das Set bestand dabei hauptsächlich aus Songs von "Piece Of Mind" und "Seventh Son Of A Seventh Son". Wirklich sehr schön!
Weniger schön, aber teilweise schon lustig war das Masters Of Comedy-Programm im Zirkuszelt, dessen Finale ich ja schon weiter oben gewürdigt habe. Ein bisschen Spaß muss halt sein.
Ein bisschen Wahnsinn aber auch. Und dafür gab es ja als Headliner den Madman Ozzy Osbourne himself. Ich hatte ehrlich gesagt keine allzu großen Erwartungen an seinen Auftritt, denn wir wissen ja alle, wie der Mann gelebt hat und dass er dadurch einfach ziemlich kaputt ist. Tatsächlich tut er sich beim Gesang mitunter sehr schwer - und auch der Gitarren- und Drumsoloteil im Set war auffällig lang. Ein Gerücht sagt, er hätte so lange gebraucht, nach der Bevollmondung des Publikums mit seinem blanken Hintern seine Hose wieder zuzubekommen. ;)
Man merkt ihm schon an, dass er wohl nicht mehr leben würde, wenn ihm nicht ab und zu ein paar tausend Leute "Ozzy! Ozzy!" zubrüllen würden.
Dennoch hat er eines, was ihm zu deutlich mehr macht als einen aufmerksamkeitssüchtigen Applausjunkie: seine Stimme! Mit der Stimme ist er geboren und die nimmt er mit ins Grab. Keiner sonst hat die. Sie ist nicht perfekt und ihr wurde durch seinen Lebenswandel auch schlimm zugesetzt, aber sie hat verdammt nochmal Charakter. Da mag er auch noch so sehr rumkaspern... Daumen hoch für den Prince Of Darkness!
Freitag:
Freitag war lang. Von Vormittags bis nachts um drei auf dem Gelände...
Musikalisch ging's mittags mit Russkaja los. Sehr lustiger Russen-Ska. Das Publikumsspiel "Psycho Traktor" zur Erweiterung von kollektive Bewusstsein war im Zirkuszeltambiente schon ein echtes Entertainmentglanzstück zum Auftakt. Kann man sich durchaus mal wieder anschauen, wenn die sich auch in die Reihe der Biergarten/Wackinger/BullheadCity-Dauergäste einreihen sollten.
Von den Suicidal Tendencies hatte ich ja mein halbes Leben nichts mehr gehört. Dabei sind die live ja echt geil. Mike Muir mochte ich früher nicht. Ich weiß gar nicht, wieso. Vielleicht sabbelt er zwischen den Liedern ein bisschen viel und schnell. Die hätten eigentlich eine viel spätere Spielzeit verdient gehabt, zumal sie ja auch vor einem Jahr als erste Sensation für 2011 angekündigt worden waren. Aber das Nachmittagsschicksal ereilt ja auch andere Bands...
"Die neue Morbid Angel ist total scheiße! Das ist ja voll der Techno!" "Ohne Pete Sandoval höre ich die mir gar nicht erst an, das sind nicht mehr Morbid Angel!" "Morbid Angel hören Laibach und das sind ja voll die Nazis!" blablablubb...
Heult doch! sage ich. :-P
Morbid Angel sind Gott. Also nicht der aus der Bibel, sondern der "God Of Emptiness". Von ihrem Auftritt habe ich mir wie immer ein präzises, krankes Blastfeuerwerk des Bösen erwartet, und das haben sie auch diesmal wieder abgeliefert. Neben zahlreichen Klassikern der David-Vincent-Ära von "Altars Of Madness" bis "Domination" gab es auch drei Songs des aktuellen Rückkehralbums zu hören: "Existo Vulgore", "Nevermore" und den Song, den ich auf dem Album am gewöhnunsbedürftigsten fand, der live aber absolut zündete: "I Am Morbid".
Passend dazu kreiste während des Morbid-Angel-Auftritts ein Flugzeug hoch über dem Festival, welches ein Banner mit eben jenem Songtitel darauf spazieren flog! Wo sonst, wenn nicht in Wacken, kann man sich so etwas vorstellen? :)
Sodom danach waren dann irgendwie öde. ich war aber auch nicht ganz vorne, es gab noch kein Großbild und der Sound war ziemlich schwach. Spaß-Roberto kam auch nicht noch einmal. Am Vorabend hatte ich ja noch gedacht, dass der Auftritt im Zelt möglicherweise nur eine Generalprobe für größere Aufgaben gewesen sein könnte...
Trivium waren ja ok, also gut gemacht, wenn auch nicht mein Ding. Aber warum die in den Staaten Support auf der nächsten Tour von Dream Theater sein werden, verschließt sich mir doch ziemlich. Labels denken sich manchmal seltsame Paarungen aus.
Das nächste Death Metal Highlight waren die legendären Morgoth auf der Party Stage. Im Vergleich zu Morbid Angel die deutlich stumpfere Variante (anspruchsvolle Soli haben die Gitarristen auch zwanzig Jahre nach dem "Cursed"-Album anscheinend nicht im Repertoire), aber die Songs sind trotzdem allesamt Klassiker. Lustig die kleine Actioneinlage vom Sänger, als er die Fans begrüßte und dabei rückwärts stolperte und sich auf die Bühne legte. Nur zu leise war es. Wir standen zwar nahe an der Bühne, aber irgendwie klang es trotzdem wie ganz weit entfernt. Schade.
Dass das Publikum vergleichsweise entspannt daherkam, lag aber wohl auch daran, dass sich die Crowdsurfingkids zeitgleich bei den musikalisch weniger relevanten Heaven Shall Burn für neue Genickbruchrekorde herumtrieben.
Dennoch schaffte es ein Fan trotz aller Gräben und Aufpasser irgendwie auf die Bühne. Allerdings vermute ich mal, dass der auch zumindest irgendein farbiges Bändchen hatte - bis zu der Aktion jedenfalls.
Weiter ging es mit über zwei Stunden Judas Priest.
Ich bin nicht der ausgewiesene Experte oder Fan, aber das war durchaus mal wieder ein Metal-Urgestein, dass es wert war, es auch einmal gesehen zu haben. Vor allem, was Rob Halford immer noch mit seiner Stimme anstellt, ist schon aller Ehren wert.
Aus heutiger Sicht absolut erstaunlich ist aber, dass die homophobe Metalgemeinde in den Achtzigern die sexuelle Orientierung des Frontmannes nicht erkannt hat. Also, ich meine - mal ehrlich - und ich sage das, ohne irgendjemand damit vor den Kopf stoßen zu wollen: Wer während eines Konzertes derartig viele geschmacksgrenzwertige Denim/Leather/Glitter-Outfits mit Nieten ausführt und zum Finale in voller Village-People-Montur auf dem Motorrad einfährt, der lässt doch eigentlich keine Fragen offen, oder?
Ein Metalgott gab nun dem nächsten die Klinke in die Hand. Es folgten die kurzfristig für die verhinderten Cradle Of Filth (kein Verlust für mich) eingesprungen Celtic-Frost-Nachfolger Triptykon um Thomas Gabriel Fischer.
Für mich natürlich der absolute Glücksfall. Die Band steht schon Zeit ihres Bestehens auf meinem Wacken-Wunschzettel, und auf keinen anderen Act hatte ich eine so große Vorfreude.
Langsam, heavy, böse wie die Nacht sollte es sein. Und so kam es. Feuer brannten auf der schwach beleuchteten Bühne, der Bass wummerte in tiefsten Regionen. Von Anfang an war der Band anzumerken, dass es hier keine Kompromisse geben würde und dass vielen nebenan auf Airbourne wartenden Rockfans eine harte Prüfung bevorstehen würde.
Triptykon haben fast exakt mein Wunschset gespielt, angefangen vom Frost-Klassiker "Procreation Of The Wicked" bis zum halbstündigen Doppelpack aus der schon 2006 beim legendären Frost-Gig zelebrierten schwarzen Messe "Synagoga Satanae" und dem noch konsequenteren (und songschreiberisch besseren) Monument "The Proloning" vom Album "Eperistera Daimones". Mein tagelanger Ohrwurm! Und der Auftritt für mich ganz klar das Highlight des Festivals!
Danach hatte ich eigentlich gar keinen unmittelbaren Bedarf mehr auf ein komplett aus der Nähe verfolgtes Konzert. Dabei war die sich überschneidende Auswahl groß. Ich teilte mir die Zeit also in die Fernbeobachtung von Airbourne und den Excrementory Grindfuckers (Zelt leider schon übervoll) auf. Dabei hätte ich durchaus auch noch die Wahl gehabt, Slime oder Hayseed Dixie (letztere am nächsten Tag nachgeholt) zu sehen.
Apocalyptica habe ich mir dann vom Moviefield aus angesehen, konnte aber wegen zu leisem Sound und der üblichen unspannenden Bildregie nicht so sehr mit dem Auftritt der finnischen Cellisten warm werden, wie er es wahrscheinlich verdient hätte. Naja, müde und kaputt war ich nachts um zwei natürlich auch schon. Zum Glück war der Weg zurück zum Auto nicht so lang wie am Vortag!
Samstag:
Der letzte Festivaltag begann nach einer ziemlich kurzen Nacht (bzw. einem frühmorgendlichen Nickerchen) erst einmal mit einem kleinen Ausflug nach Itzehoe, um die donnerstags dort abgeholte Dame wieder zum Bahnhof zu bringen, wo sie sich dann auf dem Gleis entschied, statt an die polnische Grenze weiter ihrer Lieblingsband hinterherzuhoppen, doch lieber noch einen Wackentag dranzuhängen. Wie gut, dass das Bändchen noch am Arm war. ;)
Nach Wacken fuhren wir erst wieder nachmittags, als mit Knorkator auch mein einziger felsenfester Programmpunkt anstand. Alles andere sollte Bonus sein.
Vor dem meisten Konzert des Open Airs spielten auf der True Metal Stage noch Dir En Grey, die der allgemeinen Internetnachlese nach neben einer gewissen indiskutablen Onkelz-Gedenkband wohl die verhassteste Gruppe des Wochenendes waren. Gleich bei Ankunft mit den gewöhnungsbedürftigen Japanern konfrontiert zu werden, fand ich auch etwas anstrengend. Nur - anstrengend bedeutet ja nicht automatisch schlecht. Ganz im Gegenteil würde ich diese für die Bühne, auf der sie auftraten, fast unverschämt advantgardistische Band als die Entdeckung des diesjährigen Festivals für mich bezeichnen.
Die Musik lebt vor allem von einem Sänger, der wie eine Metalausführung von Diamanda Galas zwischen den stimmliche Extremen pendelt, auf eine Art und Weise, wie ich es so noch nicht gehört habe. Die japanischen Texte tragen natürlich auch noch zum Exotenstatus bei. Auch wenn es offenbar soundtechnsich arge Probleme gab - das hatte schon was.
Zu Knorkator sollte ich eigentlich nur auf den Mitschnitt des Auftritts verweisen (gibt es diesem Internet da irgendwo) - wie soll man den Auftritt der Quatschmacher um Stumpen und Co. denn auch mit bloßen Worten würdigen? Vor der Partystage war es voll wie sonst wohl nie an diesem Wochenende, und auch wenn die erste exzessive Crowdsurfingwelle nur die Flucht zur Seite erlaubte, war das Gesamterlebnis Knorkator äußerst unterhaltsam. Von allen Spaßmetalbands sind sie eindeutig die meisten! ;)
Ich finde ja im allgemeinen, dass das andauernde Spaßcrowdsurfen in Wacken sich in den letzten Jahren zu einer echten, gefährlichen Plage entwickelt hat (siehe auch Bilddiskussion hier), aber bei dieser "asozialen" Band erwartet man es ja wenigstens - und Stumpen deeskaliert es im Grunde auch von der Bühne aus, indem er die Leute zu allen möglichen anderen albernen Mitmachspielchen animiert, bei denen man sich dann nicht ständig umdrehen und teils sich fast übereinanderstapelnde Mädels und Teletubbies (zum Glück gibt es nur 4 davon!) weiterwuchten musste. Der Huckepackpogo zum Beispiel war für die meisten Leute eigentlich recht angenehm, weil sich dadurch auf einmal überall weiterer Stehplatz auftat. ;)
Geile Band - schön dass sie wieder da sind!
Bei Iced Earth war ich dann nicht aufmerksam genug, um den Auftritt hier weiter kommentieren zu können.
Hab ich die überhaupt ganz gesehen? Irgendwann habe ich ja auch noch eine Runde der Highland Games im Wackinger Village gesehen. War das am Samstag? Ich glaube ja.
Danach war es auf jeden Fall schon wieder früher Abend und es spielte auf der Black Stage eine Band, die ich schon seit ganz langer Zeit nicht mehr wirklich im Blickfeld hatte, nämlich Sepultura. Und ich muss sagen - was ich sah, gefiel mir sehr! Vor allem Sänger Derrick Green macht in meinen Augen eine wesentliche bessere Figur als sein mit Soulfly nur noch ziemlich peinlicher Vorgänger Max Cavalera.
Den gesamten Auftritt werde ich wohl noch im Internet nachholen müssen, da ich mich nach einigen Songs inkl. dem Ministry-Cover "Just One Fix" in Richtung Biergarten abgesetzt habe, wo gerade wieder Hayseed Dixie spielten, die mein Bruder am Vortag gesehen und mir dringend empfohlen hatte. Zu recht!
Superschnneller Bluegrass/Dixie-Sound, in dem auf lustige Weise diverse Rockklassiker dargeboten wurden, als absolutes Highlight eine irrwitzige Version des größten "killing song" aller Zeiten, Queens "Bohemian Rhapsody"! Trotzdem hoffe ich, dass die Gruppe nicht schon nächstes Jahr wieder Biergarten-Dauergast wird. Dann würde ich nämlich das vorzeitige Verlassen des Sepultura-Auftritts schon etwas bereuen.
Um zwanzig Uhr spielten bei zeitweise fast keinem Parallelprogramm auf anderen Bühnen Avantasia. Naja, hat man sich halt hingelegt und die mitgenommen. Bisher hatte ich aufgrund einiger an diesem Projekt beteiligten Namen ja gar keine Lust, in die überhaupt reinzuhören und deswegen nur Vorurteile im Kopf. Diese Vorurteile haben sich dann aber mit Karacho bestätigt. Billig aufgeblasener Tralala-Kitschmetal inkl. "My Heart Will Go On"-Gedenkballade. Einen Zugabensong fand ich streckenweise erträglich, aber ansonsten zweifellos das Schlimmste, was ich diesmal gesehen habe. Traurig auch, wieviel Musiker- und Sängertalent gleichzeitig auf einer Bühne verschwendet werden kann. Dagegen sind ja Blind Guardian richtig cool.
Soll ja angeblich der allerletzte Auftritt gewesen sein. Aber solche Versprechen sind ja gerade in Wacken nicht viel wert...
Der Abschluss des Festivals mit dem Doppelpack aus Kreator und Motörhead war dann aber versöhnlicher.
Die Ruhrpottler lieferten ein Thrashfest allererster Güte ab, bei dem mich vor allem beeindruckte, dass die alten Primitivklopper wie "Flag Of Hate", "Endless Pain", "Pleasure To Kill" oder auch "Betrayer" inzwischen so präzise gespielt sind, dass es sich schon beinahe nach Slayer anhört. Das war in der guten alten Rumpelzeit noch nicht so.
Motörhead waren dann Motörhead, wobei erwähnenswert ist, dass Lemmy stimmlich gut drauf war. Ansonsten ist das Trio in Wacken ja auch schon eher Ritual als Band. Also durchaus geil, aber nicht so neu, dass es einen davon abhielt, sich schon vor Ablauf der sehr langen Spielzeit auf den Heimweg zu machen und sich bis zum Auto vom Rock'n'Roll begleiten zu lassen.
So entgingen wir auch dem nennenswertesten Regenfall an diesem zwar zweitweise wolkenverhangenen, aber meistens trockenen und warmen, also vom Wetter sehr begünstigten Festival. So einen Sonnenbrand auf der Nase hatte ich auch lange nicht mehr.
Und wenn ich bedenke, was diese Woche so runterkam... Glück gehabt!
Das war's dann mit Wacken 2011.
Fazit:
Wacken ist ein wenig wie die Herr-der-Ringe-Filmtrilogie - man kann als Buchkenner stundenlang drüber lästern, aber es bleibt immer noch geil! ;)
Neben den Top 3 Triptykon, Morbid Angel und Knorkator wieder sehr viel weitere geile Musik gehört.
Und so ein großartiges Metalfest quasi fast vor der Haustür zu haben, ist immer noch irgendwie etwas unwirklich und bizarr.
Die eine oder andere Anekdote habe ich jetzt sicherlich vergessen, so zum Beispiel die nicht wirklich leckere Sache mit dem elektrischen Bullen, auf dem der Nacktritt umsonst ist, oder der Typ der sich Freitagnacht auf das nicht mehr bewachte Pfahlsitzen-Feld (für sechs Stunden am Stück gab es dort den Hauptgewinn) begab und sich aufrecht auf die Rückenlehne eines Pfahles stellte. Das hätte auch böse enden können...
Und dann war da natürlich noch die nächtliche Fahrt auf der Schleichwegstrecke Mehlbek-Hörsten-Schenefeld, auf der mir ein Hase direkt neben einer Katze ins Scheinwerferlicht geriet. Was die da wohl zusammen getrieben haben? Mysteriös.
Das Ticket für 2011 ist bereits bestellt. Leider hat es im ungeheuren Ansturm auf die Seite für das schon nach 45 Minuten ausverkaufte X-Mas-Package nicht mehr gereicht (und ich hatte es zwischenzeitlich schon im Warenkorb!), und leider ist das Ticket auch wieder satte 20,- Euro teurer geworden.
Die bisher bekanntgegebenen Headliner sind fast alle so Kandidaten der Kategorie "Ach, die schon wieder? Muss das sein?". Positive Ausnahme bisher Ministry und die sicherlich auch nicht uninteressanten Forbidden.
Aber ernsthaft die Scorpions? hatten die nicht versprochen, dass schon längst Schluss sein sollte?
Meine Wunschbands sind vor allem folgende schon ewig überfällig bzw. dieses Jahr vom Wacken-Booking sträflich verpassten Gruppen:
Autopsy, Dream Theater, Godflesh, Psychotic Waltz und - auch wenn ich nicht der allergrößte Fan bin, aber weil's sich metalhistorisch einfach gehört - Megadeth! Die obligatorischen Niemals-nach-Wacken-Kommer Metallica wären bei 150,- Euro Eintritt schon fast wieder berechtigt, aber daran glaube ich inzwischen nicht mehr. ;)
Dass es ein viel zu starkes Gewicht auf gewisse Labels gibt und einige Gruppen unverhältnismäßig überpräsentiert sind, geht mir ja eigentlich eher auf den Sack. Aber natürlich gibt's auch für mich Bands, die gerne das Airbourne-Dauerabo (drei mal Hauptbühne innerhalb von vier Jahren!) bekommen dürften. Da wären z.B. Atheist, Cynic und Voivod. Auf Swashbuckle hätte ich auch wieder Bock. Und Macabre sowieso! Gegen einen Doom-Klassiker wie Candlemass oder Count Raven wäre auch nichts einzuwenden. Und als lustiger Act noch Tenacious D!
Und wenn schon Rockoper, dann doch bitte Ayreon!
Im Zirkuszelt meinetwegen auch mal mittags Rihanna und Britney Spears. Merkt ja eh kaum jemand. *g*
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W:O:A
2011-08-07
52 Wochen | 31 | wacken
Nein, stimmt gar nicht. Hatte nämlich keine Digitalkamera mit zum Festival. Aber mehr zum Thema "Wacken und Fotografie" später in meinem Festivalbericht. ;)
Das Bild ist aber immerhin während des Festivals entstanden, nämlich bevor wir Samstag losgefahren sind.
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