Most posts are in german, yet sometimes I switch to english. The title of this blog changes from time to time.
If the title is displayed in Comic Sans, please refresh the site! That's unless you really dig Comic Sans of course.
Interested in me reviewing your music? Please read this!

2020-05-09

MYRKUR - Folkesange

Wenn Amalie Bruun aka Myrkur alle schwarzmetallische oder sonstige Düsternis links liegen lässt und komplett auf schönen Wohlklang setzt, ja dann aber auch richtig. Das war auf der magischen "Mausoleum"-EP schon so und setzte sich mit ihrem letztjährigen "Folkesange"-Auftritt beim Roadburn Festival fort. Dessen Material ist seit März nun auch auf dem gleichnamigen Studioalbum zu genießen.




MYRKUR - Folkesange (LP) (2020)


Was der Titel und das Cover (welches übrigens von einem in Bruuns Wohnzimmer hängenden Familienerbstück abfotografiert und in mattem Druck wunderbar auf die Schallplattenhülle transferiert wurde) versprechen, das hält "Folkesange" auch ohne irgendwelche Ablenkungen ein.

Dieses Album widmet sich voll und ganz skandinavischen Volksliedern.
Und wo es dies dann doch nicht voll und ganz tut, ist es im Fall von Myrkurs im ähnlichen Stil geschriebenen Eigenkompositionen kaum zu bemerken, oder es fügt sich wie der kurioserweise hundertprozentig als Laibach-Track neuerer melancholischer Prägung verkaufbare Piano/Chor-Ausklang "Vinter" einfach perfekt in den Fluss des Albums ein.

Dies gilt auch für den schon durch die englische Sprache größten konzeptionellen Ausreißer, das durch Joan Baez bekannt gewordene (und auch schon sehr überzeugend von SubRosa interpretierte) Traditional "House Carpenter".




Genau wie "Mausoleum" ist "Folkesange" ein Album, welches seine mystische Kraft vor allem dadurch entfaltet, dass es die wandelbare Feenstimme Bruuns und ihrer exzellenten Chorsängerinnen in den Vordergrund stellt und instrumental oft gar nicht mehr viel auffahren muss, um eine maximalmonumental eskapistische Wirkung zu erreichen.

"Folkesange" live at Roadburn 2019
Klasse statt Masse könnte man auch sagen. Denn das im instrumentalen Anteil keine Liebe steckt, kann man wahrlich nicht behaupten. Die Auswahl der Instrumente, von denen die Sängerin einen großen Anteil wie gewohnt selbst eingespielt hat, ist schon sehr genre- fundamentalistisch. Das bedeutet, dass Klavier und Akustikgitarre hier noch zu den modernsten eingesetzten Mitteln gehören. Ansonsten bestimmen neben Perkussion u.a. Schlüsselfiedel, Leier, Mandoline, Streichharfe und ein Trio aus Geige, Viola und Cello das Bild.

An letzter ist sicherlich die wunderbare Jo Quail als Gastmusikerin unbedingt erwähnenswert. Zusammen mit den anderen Streichern schafft sie ein ausdrucksvolles emotionales Spiegelbild zu den Gesangsperformances, die ich zumeist nur als einfach überweltlich bezaubernd beschreiben kann.

Ich weiß ja, dass es ein wenig billig ist, unreflektiert solche anhimmelnden Begriffe in den Raum zu stellen. Doch was soll ich machen?
"Folkesange" will in erster Linie nun einmal wunderschöner, einen magisch aus dieser Welt entführender Wohlklang sein. Und so sehr tiefenentspannt die Seele auf Durchzug stellen wie zu diesem Album erlauben einen in diesem Jahr bisher höchstens - und auf vollkommen andere Weise - Bohren & der Club of Gore oder Chris Dingman.

Myrkur hat hier wieder einmal - und auf voller Albumlänge stringenter denn je - ganz groß abgeliefert.

Traumhaft!





Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist dass die weiter oben noch gelobte Hülle bei aller schönen Optik und Haptik leider sehr eng geraten ist. Ich habe die Papier-Innenhülle jedenfalls durch eine leichtgängigere Hülle mit Kunststofffütterung ersetzen müssen, um den Tonträger einigermaßen hinein und heraus bewegen zu können.





Keine Kommentare:

Kommentar posten