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2012-04-13

Bin ich zu verwoehnt?

Schneckennetz mit lahmer Vistagurke und Uralt-IE... Ich glaube, ich erzaehl dann nachher, wie geil es auf dem Roadburn ist. ;)


In einige Accounts kann ich mich eh nicht einloggen, weil ich die Sonderzeichen auf der niederlaendischen Tastatur nicht schnalle.
 
Und das hier sollte eigentlich nur ein fickbuch-Statuseintrag sein, aber sowas geht mit diesem Browser hier natuerlich nicht. *grrmpff*

2012-03-20

Sperrmülltage sind schön.

Der Verkehr im Dorf vervielfacht sich durch immer die selben anonymen Transporter mit polnischen Kennzeichen, und sobald man die Luke zum Boden öffnet und beginnt, alte Möbel rauszuschmeißen, versammeln sie sich wie die Hundewelpen unterm Tisch beim Mittagessen..

Mit Metall und Elektroschrott füttere ich aber lieber Entsorger, von denen ich noch Geld dafür bekomme. Bei mir gab's heute in erster Linie Tische, Sitzmöbel, Matratzen, Teppiche...
Ein bisschen Metall ist aber immer ganz lustig, um zu sehen, was so passiert. Letztes mal z.B. hatte ich in einem zugegebenermaßen unüberlegten Moment ein paar kaputte Schlagzeugbecken rausgeschmissen.  Man glaubt gar nicht, wie Leute rennen können, wenn sie es laut scheppern hören!

Heute hatte ich als kleinen Appetithappen für die Eisensammler nur einen kaputten Bürostuhl mit ein paar Aluteilen im Programm. Der stand die ganze Zeit schon schön sichtbar neben mir und ich habe ihn extra lange als Teaser stehengelassen und erstmal schön nach wertlosem Zeug zum Runterschmeißen gesucht.
Als ich ihn dann endlich in die Hand nahm, kamen sie auch sofort angelaufen: "Nicht schmeißen! Nicht schmeißen!" Die Frage, ob ich auch noch eine alte Waschmaschine o.ä. runterwerfen würde, musste ich leider verneinen.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich, dass das Sperrmüllritual in den letzten zwanzig Jahren doch viel von seinem Charme eingebüßt hat. Anfangs war diese Transporterkarawane ja noch irgendwie witzig, aber allmählich wird die Nummer auch alt.
Ziehen heute noch Kinder auf Schatzsuche durchs Dorf, in der Aussicht, sich um jedes Teil, das ein bisschen glitzert, mit Erwachsenen prügeln zu müssen? Wohl eher nicht.

Immerhin konnte ich heute beim Entsorgen meines alten Sofas noch ein paar Schätze bergen, die irgendwann mal hinten in der Ritze verschwunden waren, nämlich zwei Dekoglöckchen (vermutlich von irgendwelchem Weihnachtsnaschkram), ein voll funktionsfähiger Zollstock, ein unbenutztes Tampon, sowie eine Mark und zehn Pfennig.

Die Münzen habe ich oben auf dem Sperrmüll liegen gelassen. Mal schaun, ob die heute Abend noch da sind.

2012-03-19

PAIN OF SALVATION live in der Markthalle, Hamburg (15.03.2012)

Bevor ich hier diesen Monat vor lauter anderweitiger Beschäftigung noch gar keinen Blogeintrag im März habe, erwähne ich hiermit doch mal kurz das ich vergangenen Donnerstag die fabelhaften Pain Of Salvation auf ihrer Tour zum aktuellen Album "Road Salt Two" in der leider nur halb gefüllten Markthalle erleben durfte.

Pünktlich fuhr ich zu unserem Treffpunkt los, wo kurz nach mir unser Fahrer mit den Karten eintr... nein, halt, die Karten hatte er zu Hause vergessen. Also ging es erst eine Viertelstunde später ins Auto, in dessen CD-Player sich ein Tonträger zu viel befand, der mit Schere, Zange usw. erst einmal langwierig befreit wurde, ehe es dann wirklich Richtung Hamburg ging. Ein strategischer Tankstellenzwischenstopp und ein nochmaliges Kartenvergessen (diesmal im Auto) sorgten dafür, dass wir wirklich punktgenau in dem Moment den Konzertsaal betraten, als die Vorband ihren nicht dritt-, nicht vor-, sondern exakt den allerletzten Ton spielte.
Dem Applaus nach zu urteilen waren sie wohl nicht schlecht. Hmmpff...

Zum Glück war der Headliner den Eintrittspreis aber auch alleine wert. Gut gelaunt und charismatisch versprühten Pain Of Salvation ihr Progrock-Feuerwerk in die Menge, wobei der Schwerpunkt ganz deutlich auf "Road Salt Two" lag, von der neinahe alle Songs gespielt wurden.

Überraschend für jemanden, der die Band noch nie live gesehen hat, wie sehr sich der Gesang des zweiten Gitarristen überhaupt nicht vor Daniel Gildenlöws Stimme zu verstecken braucht. Überhaupt klasse Harmonien, die da angeliefert wurden. Musik stimmt ja sowieso, dazu eine spannende Setlist inkl. einem Stück auf mehr oder weniger obskuren Akustiksaiteninstrumenten und einem Instrumententausch (u.a. der Frontmann am Schlagzeug) im Zugabenteil.

Bühnenaufbau (Drumkit vorne rechts am Bühnenrand, hinten mehrere Podeste) und Lightshow waren auch sehr gut gemacht.

Dass die Markthalle wie eingangs erwähnt nur halb gefüllt war, ist im Grunde schon als frevelhaft zu bezeichnen. Wenn man im Jubel am Konzertende die Augen geschlossen hat, war dies allerdings nicht zu merken. Nein, unter den Anwesenden gab es über diesen Abend ganz klar keine zwei Meinungen.

Spitzenentertainment!

2012-02-23

Ramamarama

Die Angst, Film zu verschwenden, ist ein schlechter Begleiter.

An diesen Leitsatz muss man sich durchaus immer mal wieder beim Fotografieren erinnern. Dies gilt insbesondere für Holgaramas (resp. Dianaramas / Adoxoramas / Pouvaramas etc.), also durch Mehrfachbelichtung und unvollständigen Weitertransport des Filmes erzeugte Panorama-Bilder.

Zum Glück habe ich diese Angst mittlerweile wieder ganz gut im Griff. Das hat natürlich auch mit den Resultaten zu tun. Wenn ich nämlich nochmal rückblickend das vergangene Jahr betrachte, stelle ich fest, dass ich wohl bei kaum einer anderen Art Fotos eine so hohen Anteil an "Volltreffern" vorweisen kann. :)

Aus diesem Anlass (bzw. um mich selbst ein wenig abzufeiern) hier einfach mal beginnend mit meinem aktuellen facebook-Titelbild eine bunte Auswahl Ramagraphien, die ich seit 2006 belichtet habe:


Ehrenbreitstein

Hohohenenwewestetedt

Kanalorama

*

♀ ♀ ♀ ♀ ♀ ♀

i t z e h o e l g a

H e l g o r a m a

Hamburg - Tunnel-o-rama

i t z e h o e l g a

Heimat-Holgarama

Autumn Adoxorama

Zürirama

HoherKastorama

gym-o-rama

Holgaland  -  Helgorama

N o r t h S e a



Nachtrag 26. Februar:

Habe nun auch auf flickr alle in einem Album gesammelt:

Der Ohlsen - View my 'Multi-Rama' set on Flickriver

2012-02-21

METALLICA - Beyond Magnetic

Weil ich heute abend gerade sonst auf nichts Lust habe, dachte ich mir, ich hau hier zur Abwechslung mal ein etwas zeitnäheres Tonträger-Rezensiönchen raus...


METALLICA - Beyond Magnetic (2012)

Was ich an Metallica ja besonders schätze und mir in diesem Maße noch von sehr viel mehr Bands wünschen würde, ist die Konsequenz, mit der sich bei ihren Alben daran orientieren, worauf sie selbst gerade Bock haben, selbst wenn es von größeren Teilen der Fans dafür Haue geben könnte.

Dass dies nicht immer mein persönliches Ding ist, wie z.B. das lieblos dahingeklatschte "S&M", in dem sie neben einem Orchester her spielten, oder das vergeigte Lulu-Projekt, bei dem sie neben Lou Reed her schrammelten, das kann ich als Preis verschmerzen. Es zwingt mich ja niemand, das Zeug zu kaufen.

Und auf der anderen Seiten stehen dafür ja auch ebenfalls kontroverse, aber aus meiner Sicht einfach schweinegeile Alben wie die Aggressionstherapie "St.Anger" oder das sämtliche vorhergehende Scheiben im besten Sinne aufgreifende letzte Werk "Death Magnetic".

Aus den Aufnahmesessions zu eben jenem stammen bekanntermaßen die vier im Schnitt sieben Minuten langen Stücke auf "Beyond Magnetic", welche Metallica erst auf ihren speziellen Jubiläumskonzerten im Dezember vorgestellt und mit dieser EP nur wenig später aufgrund großer Nachfrage ohne weitere Bearbeitung der Rohmixe veröffentlicht haben.

Und was soll ich sagen: Das Ding macht einfach Laune und lässt sich problemlos mehrmals hintereinander hören. Jeder Song hätte auch problemlos auf "Death Magnetic" gepasst, wenn denn noch Platz gewesen wäre. Innerhalb von nur knapp dreißig Minuten spielen Metallica wieder die Stärken unterschiedlichster Phasen aus, so dass die EP im Grunde fast so etwas wie eine Miniversion des letzten Longplayers darstellt.

Der Sound ist auch genau richtig - schön schnörkellos rausgerotzt.
Ich vermisse da nichts.

Und wer sich leisten kann, sowas jahrelang unveröffentlicht im Archiv schlummern zu lassen, der gehört wohl zurecht zu den Größten. Und schmeißt hoffentlich bald wieder ein vollständiges Album in die Runde!

Anspieltipps: Just A Bullet Away, Hate Train

2012-02-12

Tonträger 2011, jetzt aber wirklich letzter Teil (10) : PAIN OF SALVATION

Da ist doch tatsächlich noch ein Album, welches ich fast unterschlagen hätte, weil es eher unerwartet aus einer CD-Sammlungsauflösung zu mir kam zu einer Zeit, in der ich es meist nur nebenbei während der Arbeit hören konnte. Dabei ist es nun wirklich erwähnenswert!

PAIN OF SALVATION - Road Salt Two (2011)

Multiinstrumentalist und Mastermind Daniel Gildenlöw ist mir zugegebenermaßen in erster Linie als Gastmusiker von Transatlantic und den Flower Kings ein Begriff. Ich kenne zwar auch die Alben "Scarsick" un "Remedy Lane", verzichte aber doch lieber darauf, diese Scheibe mit vorigen Werken in Vergleich setzen zu wollen.

Was ich definitiv sagen kann, ist, dass es wohl kaum eine Progrockband gibt, bei der selbst die kompliziertesten Läufe so nebenbei locker aus dem Ärmel geschüttelt wirken. Dabei steht Gefrickel trotz ständig in allen Musikstilen rumwildernder Gitarrenarbeit hier eigentlich nie als Selbstzweck im Vordergrund.
Nein, die Hauptrolle in dieser wilden Melange aus klassischem (Prog-)Rock zwischen Spock's Beard und Led Zeppelin, irrem Zirkus der Marke Mr. Bungle und einer Prise Western-Filmmusik spielt für mich doch der abwechslungsreiche, charismatische Gesang Gildenlöws, den ich in seiner Bandbreite am ehesten als Mischung aus Ian Gillan und Mike Patton beschreiben würde.

Oder um es einfacher auszudrücken: Das ist einfach geiler, abgefahrener Scheiß!

Mit dem Konzept des Albums habe ich mich noch nicht tiefer auseinandergesetzt, dabei ist das Booklet schon wegen der beinahe überinformativen Infotexte zu den einzelnen Songs lesenswert. Hier mal eine Kostprobe:
"Daniel sang all vocals, played fretless, fretted and slide guitars (mostly to the right in the mix), decided (in a moment of temporary brain dysfunction) to write and sing in French (of which he passed the grammars but failed the pronounciation of the word "donne"), delegated the bass playing three times before finally taking over the bass on his own, arranged and directed the string and wind sections and also bought a very expensive chromatic harmonica that he intended to use but never found the energy to learn how to play in the end."

Sympathisch. Und hörenswert natürlich auch.

Anspieltipps: The Deeper Cut, To The Shoreline, The Physics Of Gridlock, Eleven, Break Darling Break

Tonträger 2011, Teil 9 : Death Gory Fucking Metal! (AUTOPSY)

Das dreckigste zum Schluss!

Neben Morbid Angel hat nämlich auch eine andere Band, die nicht nur für mich Synonym für Death Metal ist, endlich einen neuen Longplayer rausgebracht, der es wahrhaft in sich hat...

AUTOPSY - Macabre Eternal (2011)

Die Könige des Gore Metals machen im Grunde genau da weiter, wo sie mit der vorjährigen Comeback-EP "The Tomb Within" aufgehört haben. Demnach lässt sich meine Kritik dazu fast eins zu eins auf diesen neuen kranken Brocken übertragen. Ich zitiere einfach mal die wichtigsten Passagen:

"[...] Räudig, stinkend, widerlich [...] glibberig [...] poltert, gurgelt, grunzt und keift [...] in die Fresse [...] Schädelschütteln [...] Sabber [...] grob und dreckig [...] dynamisch, organisch und anstrengend [...] Death Metal [...] Leadgitarrenduo [...] die King/Hannemann des Todesbleis [...] eitriges Randgruppenekzem [...] überzeugt und kompromisslos [...] Spaß [...] total krank [...] Wenn Autopsy auf ihrem nächsten Longplayer dieses Niveau auch nur halten, dann dürfte ein Meisterwerk zu erwarten sein, dass sich nicht hinter dem Klassiker "Mental Funeral" verstecken muss. Üüüüääärrghhh! [...] unbedingt aufs Wacken Open Air [...]"

Aber alles ist damit dann doch noch nicht gesagt.

In den zwölf Stücken dieses Albums zelebrieren Autopsy nämlich nicht nur all ihre bekannten Markenzeichen, wie doomig schleichende Leads, polternde Knüppelpassagen und diarrhoesen Magen-Darm-Gesang, sondern fügen ihrem Repertoire durchaus noch ein paar Facetten hinzu. So fällt beispielsweise schnell ins Ohr, dass neben dem gewohnten Organ von Schlagzeuger Chris Reifert in drei Songs Gitarrist Eric Cutler den - ähem - Gesang übernimmt. Passend zu den Texten, die selbst im Vergleich zum üblichen Autopsy-Schnitt noch besonders hirnkrank erscheinen, erinnert er mich dabei dabei passend zum Albumtitel "Macabre Eternal" ein wenig an die Serienmörderspezialisten Macabre.

Mit dem im bombastischen Finale passend von Schmerzensschreien untermalten Folter-Epos "Sadistic Gratification" durchbrechen Autopsy zudem erstmals die Elf-Minuten-Grenze, und dies steht ihnen ausgesprochen gut. Was für ein fröhlich verstörender Ohrwurm! Und der Soundtrack zu einem Film, der so sehr violence porn ist, dass ich bitte niemals sehen möchte.

Der größte Hit im Radio-Sinne ist für mich jedoch die zunächst im Signatur-Groove startende "Bridge of Bones", welche sich im weiteren Verlauf als Autopsys Karikatur einer Ballade entpuppt. Aus dem Lied kann man einfach nicht ohne breites Grinsen in der Fresse rausgehen.

Nein, für Leute, die es politisch und klanglich politisch korrekt glattgebügelt mögen, oder die nicht zwischen realer und fiktiver Gewalt differenzieren können, wird diese Band immer ein rotes Tuch bleiben.

Freunde des integren Old-School-Death-Metals, der hier jedoch nach wie vor relevant klingt und neunzig Prozent der Szene wie Kindergarten aussehen lässt - Ihr solltet Autopsy im Allgemeinen und "Macabre Eternal" im Speziellen unbedingt in euer eitriges Herz schließen!

Und das Beste ist:
Mit der Sammlung "All Tomorrow's Funerals" gibt es ja schon diesen Monat den nächsten Schlag in die Enddarmgrube!


Anspieltipps: Bridge Of Bones, Deliver Me From Sanity, Sadistic Gratification, Hand Of Darkness

Tonträger 2011, Teil 8 : mehr ist mehr ist mehr (TRANSATLANTIC, OPETH, VOIVOD)

"Mehr ist mehr" ist bekanntermaßen, das nicht immer aber im Falle von Transatlantic durchaus zutreffende Motto des Duos Neal Morse / Mike Portnoy.

Im Falle der folgenden drei Kritiken werde ich mich aber endlich einmal an meinen im Dezember gefassten Vorsatz halten, und mich an den Klassiker "weniger ist mehr" halten.
Sonst werde ich hiermit ja nie fertig. ;)


TRANSATLANTIC - More Never Is Enough - Live @ Manchester & Tilburg 2010 (2011)

Von allen Veröffentlichungen des letzten Jahres ist diese objektiv gesehen wohl die unnötigste. Die Whirld Tour 2010 ist mit der gleichnamigen DVD/CD-Kombi ja schließlich schon hervorragend für die Nachwelt konserviert worden.

Hier gibt es nun noch einmal gleich zwei Konzerte dieser Tour in einem. Aber echte Fans leben natürlich das Bandmotto und können nie genug bekommen. Denn auch wenn die Setlists der Shows sich gleichen, im Detail gibt es doch viele Unterschiede. Gerade beim Manchester-Gig, der die Tour nach der bereits bekannten DVD-Aufnahme abschließt, merkt man z.B., dass die Band, was Albernheiten angeht, mal so richtig Fünfe gerade sein lässt. Zum Ausgleich glänzt Roine Stolt aber auch mit besonders kreativem Spiel.

Beim Auftritt in Tilburg ist es besonders das extra-enthusiastische Publikum, welches die Band sogar zu einer weiteren Zugabe zwingt, das die Aufzeichnung bemerkenswert macht.

Wer Transatlantic ganz in Ordnung findet und ab und zu mal hört, der braucht dieses Doppelpack nicht. Fans allerdings kommen im Grunde gar nicht daran vorbei. Denn wer weiß schon, wie lange es dauert, bis diese fantastischen Fünf mal wieder unterwegs sind?


Anspieltipps: All Of The Above, Duel With The Devil, The Whirlwind





OPETH - The Devil's Orchard - Live at Rock Hard Festival 2009 (2011)

Musikzeitschriften an sich sind ja zu Zeiten des schnellen Internets schon ein Anachronismus. Mein eclipsed-Abo beispielsweise läuft eigentlich auch nur noch aus Bequemlichkeit weiter - und weil deren CD-Sampler eigentlich immer gutes Futter für die Zufallswiedergabe meines Real Players sind.

Ansonsten braucht es schon besonders interessante Aufmacher oder Gimmicks, damit ich irgendein Magazin mit nach Hause nehme.
So ein Gimmick hatte das dortmunder Proletenblatt RockHard im September mit einer exklusiven Opeth-Live-CD zu bieten.

Aus nachvollziehbaren kommerziellen Gründen eröffnet die Scheibe zunächst einmal mit einem Studiotrack des aktuellen Albums "Heritage", welches ich tatsächlich noch nicht besitze, obwohl es ja schwer danach riecht, die Krönung der bisherigen Discographie der Schweden zu sein.

Dieses Live-Album hingegen ist eher ein Best Of. Fünf klasse Songs zwischen jeweils neun und zwölf Minuten Länge, fabelhaft gespielt, super Stimmung... da wäre man gerne dabeigewesen. Dafür nimmt man die RockHard-Ausgabe als Anhängsel doch gerne in Kauf.

Anspieltipps: The Leper Affinity, Deliverance





VOIVOD - Warriors Of Ice (2011)

Eigentlich müsste ich dieses Livealbum ja scheiße finden, weil die Band doch noch Fotos dieses Konzertes in Montreal gefunden und dementsprechend doch nicht meine Aufnahmen aus Wacken verwendet hat.
Aber anderseits ist es so natürlich stimmiger - und der Kontakt zu den kanadischen Metal-Ikonen hat sich für mich ja auch schon letztes Jahr in Zürich bezahlt gemacht. ;)

Vom Sound her ist mir diese Aufnahme schon fast etwas zu sehr in die Fresse. Aber nur fast. Schließlich handelt es sich hier ja um eine Band, die wie kaum eine andere spielerisch höchst anspruchsvolle Musik mit einer Attitüde wie Motörhead auf Speed ins Publikum schmettert. Und wo andere Gruppen sich für Aufzeichnungen besonders am Riemen reißen, da trinkt Snake anscheinend auch mal ein paar Bier mehr. Zumindest die immer irrer klingenden französischen Ansagen machen auf "Warriors Of Ice" diesen Eindruck. Und auch spielerisch klingt diese Scheibe selbst für Voivod-Verhältnisse besonders räudig.

Spielerisch bleibt es aber immer einwandfrei, und so ist dieses Livealbum ein ganz klares Statement, an wen man sich wenden muss, wenn man maximal gerockt werden will. Mehr als bei Voivod geht gegenwärtig nicht!

Und mehr - ich erwähnte es bereits weiter oben - ist mehr ist möööaahrrr!

Anspieltipps: Tribal Convictions, Nothingface, Panorama, The Unknown Knows, Astronomy Domine

Tonträger 2011, Teil 7 : transeuropäischer Eskapismus (SIGUR RÓS, ARCHIVE)

Ok, es wird jetzt wirklich mal Zeit, mit meinen Tonträgern 2011 zu Potte zu kommen, schließlich ist der Januar ja nun auch schon längst vorüber und die Jahresrückschausaison damit eigentlich zu Ende, aber was man einmal angefangen hat...

Zu Live-Alben muss man ja auch nicht zwingend viel schreiben, vor allem dann, wenn sie voll und ganz einhalten, was sie versprechen, und das ist bei den Konzertmitschnitten von Sigur Rós und Archive unzweifelhaft der Fall. Mit diesen Bild- und Tonträgern kann man sich perfekt auf die der jeweiligen Band ureigene Art in eine andere Welt entrücken lassen.


SIGUR RÓS - Inni (2011)

Die meisten Käufer dieser Doppel-Live-CD werden wissen, welcher unnachahmliche, vor allem von mit Geigenbogen gespielter E-Gitarre und in Fantasiesprache schwebendem Falsettgesang geprägter Stil sie hier erwartet. Und wer es nicht weiß, für den sollte "Inni" ein perfekter Einstieg in die fabelhafte Welt von Sigur Rós sein.
Ob man nun sanft durch neblige Traumwelten gleitet oder das Märchenland vom Gewitter sich gewaltig auftürmender Walls of Sound erschüttert wird- das Liveerlebnis wurde in seiner ganzen Dynamik perfekt eingefangen und weiß einen auf kompletter Länge in seinen Bann zu schlagen. Die Balance zwischen den zeitlosen Epen der frühen Tage und den kürzeren neueren Songs, in denen die Band ihre Vision von Pop auslebt, stimmt auch.
Eines darf man allerdings niemals tun, nämlich sich bei "Inní Mér Syngur Vitleysingur" Hape Kerkeling am Mikro vorstellen. Das Bild wird man nämlich leider nicht mehr los! ;)

Als mangelhaft bewerten muss ich leider die Verpackung. Hier wurde der richtige Kompromiss zwischen naturschonendem Material und Funktionalität leider meilenweit verpasst. Ich finde es jedenfalls wenig schön, wenn ich jedes Mal, wenn ich die Hülle in die Hand nehme aufpassen muss, dass mir CDs und DVD ins andere Ende des Raumes davonrollen.

Die eben erwähnte DVD erhält einen Konzertfilm, den ganz zu schauen ich leider noch keine Zeit und Muse hatte. Außerdem reagiert mein pc-interner Player etwas allergisch auf die Scheibe - vielleicht ist sie von der blöden Verpackung auch schon zu zerkratzt?
Der Film besteht aus neun der insgesamt fünfzehn Livetracks, welche in ausschließlich schwarzweißen, aus teils ungewöhnlichen Perspektiven abgefilmten Bildern besteht. Musiker, die Musikern auf die Finger schauen wollen, werden enttäuscht sein, da hier ganz konsequent auf das reduzierte visuelle Unterstreichen der Stimmung der Songs gesetzt wurde.

Um so ärgerlicher - wie bei vielen Konzertfilmen dieser Art - die Unterbrechungen durch Interview- und Bandhistoryschnipseln aus dem Archiv der Gruppe. Das hätte nicht sein müssen. Aber vielleicht kommt da ja auch noch interessantes zu Tage, sobald ich das Ding mal ganz bis zum Ende schaue.

Die CDs halte ich allerdings für den essentielleren Teil der Veröffentlichung. Denn eigentlich sind Sigur Rós ja ohnehin eher ein Erlebnis, zu dem man die Augen schließen und seine eigenen Bilder entstehen lassen sollte.



Anspieltipps: Popplagid, E-Bow, Svefn-G-Englar, Ný Batterí



Von der Sagenwelt Islands geht es nun ans andere Ende Europas, dorthin wo der Traum momentan eher aus ist. Nach Athen nämlich zog es die wohl legitimsten aller Pink Floyd-Nachfolger, Archive, um ein Open-Air-Konzert zu geben und aufzuzeichnen...



ARCHIVE - Live in Athens (2011)

Den Kauf alleine wert ist im Grunde schon der epochale Opener "Lights", doch auch in den folgenden knapp zwei Stunden nach diesem Klassiker fällt das Niveau bis zum mächtigen Abschluss mit "Bullets" und "Again" niemals ab.

Was diese Band mit ihren vier Sänger(inne)n - Rapper Rosko lernt man erst ab Minute 40 kennen - anfasst, das hat einfach zeitlose, auf Genreschubladen scheißende Klasse. Und natürlich ganz viel Atmosphäre und Spannung.
Einzelne Songs will ich hier eigentlich gar nicht weiter hervorheben, denn egal ob in diesen nun wummernde Electronica oder treibender Rock vorherrscht - dafür ist dieses Konzert einfach ein viel zu stimmiges Ganzes, das mich darüber fluchen lässt, eine der aktuell wohl besten Livebands dieses Planeten noch nicht leibhaftig gesehen zu haben.

Der Sound der Aufnahme ist makellos und die Bilder großartig. Hier wurde, wenn ich mich recht erinnere, statt mit üblichen Videokameras mit modernen DSLRs gefilmt, was sich in ungewöhnlichen Blickwinkeln und Schärfespielen niederschlägt, die man so von bewegten Konzertaufnahmen nicht unbedingt kennt.
Wenn man dann noch bedenkt, dass diese Show wegen schlimmen Wetters spontan von draußen nach drinnen verlegt wurde, kann man das Ergebnis gar nicht genug loben.

Obwohl, einen Makel gibt es schon zu verzeichnen: Warum fehlt ausgerechnet der Titelsong von "Controlling Crowds"? Das hätte nochmal ein Plus hinter die Eins gesetzt.

Dass mit "Pulse" einer meiner persönlichen Lieblinge fehlt, ist da schon eher zu verkraften, wurde der ja schon auf der "Live at the Zenith"-CD in einer unschlagbaren Version, durch die ich seinerzeit auf diese Band aufmerksam geworden bin,  auf Tonträger gebannt.

Mit Worten lassen sich Archive einfach nicht erklären. Ich kann jedem nur empfehlen, mit dieser Live-DVD in den einzigartigen Kosmos dieser Gruppe einzutauchen! In der Live-Kategorie ist dies eindeutig mein Tonträger des Jahres.

Anspieltipps: Lights, Collapse/Collide, Again, Dangervisit, Pills, Finding It So Hard

2012-02-07

DREAM THEATER live in der AWD Hall, Hannover (05.02.2012)

Lange nichts mehr geschrieben hier, dabei wollte ich doch noch meine Tonträger des Vorjahres abschließen. Kommt aber auch bald. Bestimmt! ;)

Als aktuellen Anlass für einen Eintrag gibt's aber nun das vorgestrige Konzert von Dream Theater in Hannover.

Zum Glück braucht man über Konzerte der Progmetal-Giganten ja nicht viel schreiben. Man erwartet, dass auf allerhöchstem Niveau abgeliefert wird, und das passiert dann auch.
Da kann man dann auch nur auf hohem Niveau meckern. Zum Beispiel darüber, dass der Preis wie immer ganz schön happig war, und darüber, dass es in Hamburg doch auch ganz schön - und nicht so weit zu fahren - gewesen wäre.
Die Vorband Periphery war stilistisch mit ihrem modernen Vier-Gitarren-Brüll/Sing/Hüpf/Riff-Progmetal etwas deplaziert, machte ihre Sache aber eigentlich schon ganz gut. Eine Gruppe größeren Kalibers hätte sicherlich auch länger gespielt und den Dream Theater-Auftritt nach hinten verschoben.

Aber zurück zum Meckern: Es wurde gerade mal "nur" zwei Stunden gespielt und es gab weder Songs von "Falling Into Infinity", noch von "Octavarium", "A Change Of Seasons" oder "Black Clouds & Silver Linings" zu hören!

Anderseits war die Songauswahl natürlich trotzdem super, wobei der Schwerpunkt natürlich ganz deutlich auf dem aktuellen Album "A Dramatic Turn Of Events" lag, von dem deutlich über die Hälfte live dargeboten wurde. Und Stücke wie "Breaking All Illusions", der Opener "Bridges In The Sky", "Outcry" oder das "Pull Me Under"-Surrogat "On The Backs Of Angels" haben nicht die geringste Mühe, sich neben den Klassikern zu behaupten.
Letztendlich genießen die New Yorker ja ohnehin die Lage, aus einem riesigen Repertoire schöpfen zu können, in dem jeder Fan seine ganz eigenen Lieblinge hat, ohne dass es die großen kommerziellen Single-Hits gibt, die auf Gedeih und Verderb gespielt werden müssen.

Unverzichtbar ist momentan wohl nur das Drumsolo, mit dem sich "der Neue" Mike Mangini den Fans vorstellte. Der Mann ist wirklich der Dschinn, als der er im Zeichentrickfilm am Anfang der Show vorgestellt wurde... Überhaupt muss ich sagen, dass mir die Lightshow und das Stagedesign mit den drei Lichtwürfeln, auf die Nahaufnahmen der Musiker und diverse Filme und Effekte projeziert wurden, sehr gut gefallen haben.

Den guten Mike Portnoy habe ich musikalisch nicht vermisst, dafür ist sein Nachfolger einfach zu gut. Einzig beim Gesang fehlt es manchmal an einer dritten Live-Stimme neben James LaBrie und John Petrucci.

Wie immer ist das aber Detailkritik, die den fabelhaften Gesamtauftritt der Band nicht schmälern soll. Dream Theater sind einfach eine eigene Liga, die einen stundenlang  mit offenem Mund dastehen und freudig staunen lässt. Und wenn's mal ganz gefühlvoll wie im Gitarrensolo der Hymne "The Spirit Carries On" wurde, gesellte sich auch noch eine Gänsehaut dazu...  Wenn man die nicht ohnehin schon hatte, weil man den Pullover in der Garderobe abgegeben und sich trotz der eisigen Außentemperaturen nur im T-Shirt in die Halle begeben hatte. Gruß an Sönke an dieser Stelle! ;-)

Dream Theater im Sommer wäre überhaupt auch mal nicht schlecht. Wacken anyone?

Setlist:
  • Bridges In The Sky
  • 6:00
  • Build Me Up, Break Me Down
  • Surrounded
  • The Dark Eternal Night
  • Drum Solo
  • A Fortune In Lies
  • Outcry
  • Wait For Sleep
  • Far From Heaven
  • On The Backs Of Angels
  • War Inside My Head
  • The Test That Stumped Them All
  • The Spirit Carries On
  • Breaking All Illusions
  • As I Am

2012-01-09

Tonträger 2011, Teil 6 : alles anders wie immer (CYNIC)

CYNIC - Carbon-Based Anatomy (2011)

Tja, über Cynic habe ich mittlerweile ja so viel Lob vergossen, dass mir spätestens seit dem Livereview zum Konzert am 19. Dezember eigentlich kaum noch etwas zu schreiben einfällt.

Vielleicht hilft mir ja ein Blick ins Lehrbuch für Cynic-Rezensionen...
Nein, leider nicht. nach diesem ist nämlich zunächst einmal die Messung des Metal-Gehalts wichtig, bzw. die Feststellung, ob und wie weit sich die Musik der Band seit "Focus" geändert hat. *gähn*

Also gut: Man hört schon durchaus, dass die Band im Metal verwurzelt ist, es gibt aber keine längeren Riffpassagen und auch keine Growls. Und ja, diese EP ist tatsächlich kein zweites "Focus", unterscheidet sich von den Bonus-Tracks der späteren "Focus"-Neuauflage, klingt ebenso nicht nach "Traced in Air" und knüpft auch nicht direkt da an wo "Wheels Within Wheels" auf der "Re-Traced"-EP aufgehört hat!

Und dennoch erkennt man natürlich schon nach kürzester Zeit, dass es sich um Cynic handelt. Irre! Wie überraschend! Und scheiße, was sind mir diese Kriterien kackegal. Dass Metaller oftmals engstirnige Traditionalisten sind - ok, dass wird sich auch in den nächsten dreißig Jahren nicht ändern. Aber dass gerade sogenannte Fans progressiver Bands von diesen verlangen, sich ab einem bestimmten Punkt ja nicht mehr zu ändern, da steige ich nicht hinter.



Und eigentlich machen Cynic ja in gewisser Weise doch jedesmal das gleiche. Auch "Carbon-Based Anatomy" nimmt uns mal wieder mit auf die komplette Reise durch Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt. In erstaunlich kurzer Zeit, das muss man zugeben.
Aber natürlich gibt es Unterschiede zu den vorangegangenen Trips. Der deutlichste ist wohl, dass es sich nur bei der Hälfte der sechs Tracks um vollwertige Songs handelt, die auch für sich alleine stehen können. Demnach ist es zu empfehlen, die EP stets als zusammenhängendes Gesamtwerk zu hören, das steigert die Wirkung erheblich und lässt sich bei 23 Minuten Spielzeit auch leicht einrichten.

Musikalisch gibt es nicht nur im von Gastsängerin Amy Correia intonierten, schamanenhaften Intro "Admidst the Coals", der Meditation "Bija!" und dem Ausklang "Hieroglyph", dessen Text im Booklet passenderweise recht schwer lesbar ist, einen deutlichen Einschlag von Ambientklängen und Weltmusik.
Mit diesem Einfluss, aber auch verdeutlicht in einem naiven Songtitel wie "Elves Beam Out", machen sich auch in den eigentlichen Songs die 70er Jahre stärker bemerkbar als in der Vergangenheit, ohne jedoch das wie gewohnt doch eher futuristische Gesamtklangbild an sich zu reißen.

Die Besetzung der Band ist mit Paul Masvidal, Sean Reinert und Immer-wieder-Studiobassist Sean Malone eine sichere Nummer, die jeder für sich und zusammen erst recht mit ihrem unverkennbaren Stil viele Glanzpunkte setzen. Allein der Basslauf des Titelstücks ist schon für die Götter. Dazu die exzellenten Leadgitarren und als weitere Markenzeichen das zwischen Jazz und Powerdrumming fließende Spiel Sean Reinerts und der mal ganz reduzierte, mal durch Vocoder-Effekte entrückte Gesang Paul Masvidals, schon ist man wieder ganz tief drin, im Cynic-Klangkosmos. Und wie immer gilt dabei, dass bei aller Kunst der Song an sich stets im Mittelpunkt steht.

Um den Thron der absoluten Spitzenscheiben 2011 kann "Carbon-Based Anatomy" zwar nicht mitkämpfen (dafür fehlt es einfach an Spielzeit), aber sowohl Fans, die nicht bis in alle Ewigkeit Neuauflagen der "Focus" hören wollen, als auch Neu-Zyniker machen hier mit dem Kauf nichts verkehrt.

Eine Tendenz für das nächste volle Album werde ich aus der EP nicht ableiten, denn daran halten sie sich ja ohnehin nicht. Wenn auf eines Verlass ist, dann doch dass Cynic immer sie selbst bleiben, jedoch mit jeder Veröffentlichung eine neue Facette ihres Sounds präsentieren. Und dies hoffentlich nie wieder mit einer fünfzehnjährigen Pause dazwischen!

Anspieltipps: Carbon-Based Anatomy, Box Up My Bones

2012-01-07

Tonträger 2011, Teil 5: Die nihilistische Dreifaltigkeit (JESU)

Kein Jahr, in dem uns Justin K. Broadrick nicht mit mindestens einem Release von Jesu beglückt. Um für 2011 auf drei zu kommen, habe ich allerdings etwas geschummelt, da "Heartache / Dethroned" schon im Dezember des Vorjahres rauskam. Aber der Dezember geht ja immer so schnell vorbei, deswegen wollen wir hier mal keine Haarspalterei betreiben. ;)

Außerdem hat die Musik auf dieser Doppel-EP ja ohnehin schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, handelt es sich doch um eine Wiederveröffentlichung des Debüts von Jesu, sowie die Aufbereitung noch älterer Demoaufnahmen. 

 JESU - Heartache / Dethroned (2010)

Die aus nur zwei, jeweils ca. zwanzigminütigen Songs bestehende EP "Heartache", ursprünglich 2004 erschienen, kommt zwar nun optisch reduzierter in noch monochromerer (und sich somit besser in die Diskografie einfügender) Aufmachung daher, hat aber musikalisch nichts von ihrer Kraft und Relevanz eingebüßt.
Nach wie vor ist dies eines der ganz essentiellen Werke im Broadrick-Universum.

Den Song "Heartache" kann man aus heutiger Sicht als Vorläufer des mehr als doppelt so langen Brockens "Infinity" betrachten, dem er im Aufbau nicht unähnlich ist.
Nachdem man zunächst einmal an die Zerre der Saiteninstrumente gewöhnt wird, bestimmen Riffs und relativ häufige Wechsel das Klangbild, ehe das Stück etwa in der Mitte sein langsames Mantrathema mit der immer gleichen Textzeile "But really there's nothing" findet.

Im Vergleich zu den meisten Veröffentlichungen des Vorgängerprojektes Godflesh zeigt sich der Sound insgesamt melancholischer und dynamischer, der Drumcomputer hingegen klingt in manchen Passagen noch gewollt synthetischer. In "Ruined" öffnet Broadrick seinen Klangkosmos zudem noch weiter für Pianosounds, die man früher von ihm nicht so gehört hätte. Anderseits hält dieser Track im Gegensatz zu den meisten späteren Jesu-Werken noch das damals gewohnte brutale Shouting bereit, welches im Laufe der Zeit immer mehr von der zerbrechlichen Gesangsstimme abgelöst worden ist.
Alles in allem bewegt sich "Heartache" perfekt im Spannungsfeld Mensch und Maschine, Gefühl und Kälte, Schönheit und Abgrund.

Das ältere Material der nun erstmals erschienenen "Dethroned"-EP steht dem kaum nach. Die Stücke sind zwar kürzer, dafür sind derer vier zu hören. Von harten Godflesh-Rhythmen zu melancholischeren Elegien umfasst sie ein angesichts ihrer Kürze schon bemerkenswertes Klangspektrum. Irgendwo knarrzt, ranzt und dröhnt es dabei allerdings ständig, im Vergleich zu "Heartache" ist der Sound also schon etwas dreckiger. Mit einem echten Schlagzeug hätten sich die Stücke auch allesamt gut in das erste Full-Length-Album "Jesu" eingefügt.

Als eigenständiges Merkmal dieser EP kann man die Effekte auf dem Gesang betrachten, die natürlich im Prinzip nichts wirklich neues sind, hier aber beispielsweise im Titeltrack eine besonders entfremdende Qualität entfalten.

Für Freunde der musikalischen Katharsis liefert der Meister auf diesem Solowerk wieder einmal feinste Kost, und während der hypnotischen letzten Takte von "I Can Only Disappoint You" wünscht man sich, es hätte davor noch ein bisschen mehr als eine knappe halbe Stunde Musik gegeben.

Anspieltipps: Heartache, Dethroned, Ruined, I Can Only Disappoint You





JESU - Ascension (2011)

Während ich "Heartache" (mit dem Bonus "Dethroned" nun erst recht) zu jenen Jesu-Scheiben zähle, die ich einem Neuling zum Einsteig ans Herz legen würde, sieht es bei diesem neuesten Longplayer etwas anders aus... Nein, das Album ist definitiv kein Flop! Aber es ist schon sehr... anstrengend, selbst für Jesu-Verhältnisse.

Dabei ist es aber weit entfernt von der ausufernden Stumpfheit von Songs wie dem genialen Debütalbum-Opener "Your Path To Divinity". Auch wabert sich hier kein Song über die Zehn-Minuten-Grenze. Und es mangelt ähnlich wie auf dem zweiten Album "Conqueror" oder der "Lifeline"-EP ebenso nicht an Melodien, denen man anders arrangiert schon fast Pop-Appeal attestieren könnte.

Dennoch hat sich das Album sehr langsam an mich herangeschlichen. Hört man "Ascension" nämlich nur so nebenbei, besteht das Risiko, dass einen die Musik einfach verdammt runterziehen kann.
Nie klangen Jesu (hier mal wieder als Duo mit Ted Parsons als echtem Drummer) so organisch, nie stand so wenig Maschine zwischen dem Song und den Hörer. Selbst der fragile Gesang verzichtet über weite Strecken auf die gewohnten Delay-Spielereien. Dadurch ist  "Ascension" sehr intim geworden, und so nah wie hier am emotionalen Kern der Musik zu lauschen, das erfordert schon ein gehöriges Maß an Gewöhnung. Denn hier geht es nunmal eine Stunde lang sehr langsam und schlechtwetterlyrisch zu.

"You give life and then don't feed it - It's all smothered beauty"
"Is it any wonder that something's missing forever more?"
"Age comes like the night in winter, just after we leave December"
"Can't you keep it to yourself? Does it eat you up like the cancer in us all?"

Hat man sich in dieser Gedankenwelt zu einer Stunde lang permanent schwermütig langsamer Musik erst einmal zurecht gefunden, dann dringen durch all die Depression auch die Songs zu einem durch und entfalten irgendwann auch ihre ganze Schönheit. Und am Ende - im Finale von "December", dem darauf folgenden "King of Kings" und dem abschließenden Epilog und Titelstück - meint man fast dieser Himmelfahrt (="Ascension") beizuwohnen.

Dieser Prozess der Entfaltung hat eben nur - bei mir zumindest - deutlich länger als allen vorangegangen Alben und EPs gedauert. Aber was langsam wächst, wird ja oft umso besser.
So auch hier. Hat man es sich erschlossen, so reiht sich "Ascension" nahtlos in die Reihe seiner meisterlichen Vorgänger ein.

Anspieltipps: Broken Home, King Of Kings, Small Wonder, Fools


Und nun schwelge ich noch ein wenig in bitterem Selbstmitleid, weil ich Jesu dieses Jahr nicht auf dem Roadburn Festival sehen kann...

2012-01-01

52 Wochen | 52 | fin


Na also, endlich ist dieses Trauerspiel vorbei! So viele auf den letzten Drücker rausgequetschte Notbilder. wer hätte gedacht, dass ein läppisches Digitalfoto pro Woche so kompliziert sein kann? Gerade, wo es mit dem 365-Tage-Projekt damals ja ganz gut geklappt hat. Dieses Jahr gibt's weder das eine noch das andere, stattdessen hoffentlich im monatsschnitt mal wieder ein bisschen mehr reguläre Fotografie.

Moin 2012!

2011-12-31

Tonträger 2011, Teil 4 : Das Denkmal für die Ewigkeit (QUEEN)

Als hätte ich mir in letzter Zeit nicht schon genug neue und alte CDs zugelegt, von denen ich bestimmt die Hälfte noch nicht so intensiv gehört habe, wie sie es eigentlich verdiente hätte, kam nun auf den letzten Drücker noch meine persönliche vierte aus der 2011er Queen Remaster Serie (allgemeine Ausführungen siehe Review zun "Queen I") hinzu. Chronologisch wäre eigentlich das Superlativalbum "A Night At The Opera" dran gewesen, aber mir war dann doch nach persönlich weniger vertrautem Terrain...


QUEEN -Innuendo (2011 Remaster Deluxe Edition) (1991)

Als "Innuendo" erschien, war es für den gerade Heavy, Thrash und Death Metal bis Grindcore und andere extreme Musikstile entdeckenden Vierzehnjährigen, der nun unfassbare zwanzig Jahre später diese Zeilen schreibt, eine ziemliche Enttäuschung.

In der Musikpresse war die illusionäre Hoffnung auf eine zweite Opernnacht geschürt worden, der auch ein überragendes Spitzenalbum kaum gerecht werden konnte.
In der Rückschau muss ich allerdings einräumen, dass sich Queen auf dem letzten zu Freddie Mercurys Lebzeiten veröffentlichten Album diesem Anspruch schon erstaunlich weit angenähert haben. Nein, mit Heterogenität und Pathos wurde hier wahrlich nicht gekleckert.

Doch damals hat bei mir eigentlich nur der bombastische Titelsong mit seinem irrwitzigen Flamenco-Mittelteil gezündet, so dass ich mich auch mit der Single begnügt habe. Schon mit der Produktion des restlichen Albums, die sich so gar nicht festlegen mochte, ob sie Rock oder Pop sein wollte, waren meine pupertierenden Ohren wohl schon überfordert. Und auch inhaltlich lag da etwas schwer fassbares in vielen Songs, das nicht unbedingt meiner Erwartungshaltung an ein Rockalbum entsprach.

Heute wissen wir natürlich alle um den Hintergrund, vor dem dieses Album entstanden ist. Und dieses Wissen macht eine differenzierte Beurteilung von "Innuendo" im Grunde unmöglich, da es doch bei jedem Hören mitschwingt. Wer sich todkrank immer wieder aufrafft, um im Studio einige der größten Gesangsleistungen seiner Karriere abzurufen ("Don't Try So Hard"), der darf es - als Sänger von Queen sowieso! -  mit dem Kitsch auch mal einen Schritt zu weit treiben oder ein albernes Liedchen über seine Lieblingskatze ("Delilah") singen.
Auch kann man sich ja gar nicht dagegen wehren, jede Textzeile auf möglichen Bezug zu Mercurys Lebenssituation zu analysieren, auch wenn ein solcher oft vermutlich gar nicht gegeben ist.
Wer weiß - vielleicht wäre vieles mit einem kerngesunden Sänger gar nicht so anders ausgefallen. So gab es einen beinahe klassischen Gospel ("All God's People") ja schließlich auch schon mit "Jesus" auf der allerersten Veröffentlichung der Königlichen.

Wie auch immer es darum bestellt sein mag, "Innuendo" ist selbstverständlich das große Denkmal des Freddie Mercury, mit dem er theatralisch und gleichzeitig künstlerisch wertvoll wie kein Rockstar vor oder nach ihm seinen eigenen Abgang orchestriert hat. Wie kann man dieses Album hören, ohne spätestens im Finale der abschließenden Hymne "The Show Must Go On" eine Gänsehaut zu bekommen?

Anderseits - und das ist der Punkt, der mich nun nach dem neuem Kennenlernen sehr positiv überrascht hat - ist "Innuendo" auch ein wirkliches Gemeinschaftswerk einer Rockband, zu der jedes Mitglied einen enormen kreativen und spielerischen Anteil beigesteuert hat. Auch wenn bei einem so breiten stilistischen Spektrum zwangsweise nicht jeder Song auf gleicher Höhe begeistern kann, so sind doch sämtliche Stücke überreich an Ideen, Details und dem spürbaren unbedingten Willen, noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen.

Der remasterte Sound transferiert "Innuendo" klanglich perfekt in die Zeit der zu spät Geborenen oder damals ignoranten Teenager. Mich haut dieses Werk gerade richtig um - so groß hatte ich es wahrlich nicht in Erinnerung. Eine sehr schöne Nach-Weihnachts-Überraschung!


Geschmälert wird der Eindruck erwartungsgemäß durch die magere Bonus-CD. Wobei alle Stücke darauf durchaus hörbar sind und ihre Berechtigung haben. Aber wenn es gerade aus dieser Schaffensphase doch laut Wikipedia noch so viele unveröffentlichte Songs geben soll, wären diese dann nicht relevanter als die Pilotgesangsversionen von "Ride The Wild Wind" und "Headlong" bzw. die alternativen Varianten von "I Can't Live With You" und "I'm Going Slightly Mad"?


Immerhin ist mit Brian Mays Blues "Lost Opportunity" auch eine nicht schon vom Album bekannte Komposition vertreten. Trotzdem hat man wieder einmal das Gefühl, dass das exklusivste Bonusmaterial möglicherweise für eine dieser superteuren Sammlerboxen, wie sie bei vielen Bands bzw. Plattenfirmen aktuell in Mode sind, aufgespart wird.

Schade eigentlich. Folglich kann man bei "Innuendo", ähnlich wie bei "Sheer Heart Attack", auch gepflegt zum günstigeren Fußgänger-Remaster statt zur Deluxe-Version greifen, ohne dass einem etwas essentielles entgeht.

Das Album selbst jedoch würde ich aber auf keinen Fall noch einmal zwanzig Jahre lang verpassen wollen. Wir haben viel nachzuholen, wir beide!


Anspieltipps: Innuendo, The Show Must Go On, Don't Try So Hard, I'm Going Slightly Mad

2011-12-29

Tonträger 2011, Teil 3 : Battle of Redheads (BJÖRK, TORI AMOS)

Ein Review-Doppelpack mit Tori Amos und Björk - nein, originell ist das nicht, ich weiß. Aber hey - auch wenn musikalisch eigentlich nur wenige Berührungspunkte existieren, so gibt es doch durchaus gute Gründe dafür!

Erstens sind die Alben der beiden Damen im September und Oktober zeitnah zueinander erschienen, zweitens sind es die einzigen 2011 erschienenen Alben von Sängerinnen, die ich mir zugelegt habe - und drittens hat Björk es mit ihrem Rothaarperückenlook doch ganz klar auf einen Catfight abgesehen! ;)

Natürlich gibt es zwischen den beiden noch weitere Gemeinsamkeiten jenseits der Tatsache, dass es sich brilliante Sängerinnen und Songschreiberinnen handelt, die nun schon seit Jahrzehnten beweisen, dass sie wirklich schlecht vermutlich gar nicht können.
Beide neigen jedoch auch leicht zur Überkonzeptionalisierung ihrer Werke, was einem im Vorfeld manchmal ein bisschen Sorgen macht, dass die Hörbarkeit der Songs darunter leiden könnte. Meistens lässt sich der konstruierte Überbau im Endeffekt dann aber wahrnehmen oder ignorieren, wie man gerade möchte und es bleiben einfach eine Menge toller Songs, wobei man sich bei Björk bei ca. einem Viertel der Stücke etwas mehr rhythmische Catchiness wünscht, während Frau Amos oft derart viele Songs auf einen Tonträger packt, dass eine Handvoll beinahe zwangsläufig kompositorisch abfallen muss und beim Hören dann stets geskippt wird. Nicht weil die Lieder schlecht wären, sondern weil die restlichen zwanzig Stück halt ein eine noch höhere Klasse besitzen.

Am hohen Songausstoß liegt es dann auch, dass ich als Fan bei Tori Amos eigentlich immer ein, zwei Jahre hinter dem aktuellsten Schaffen zurückliege, weil ich das jeweilige Vorgängeralbum noch gar nicht ganz "ausgehört" habe. (Dass ich die "Night Of Hunters" bereits besitze, ist allein dem amazon-Adventskalender zuzuschreiben.)
Zudem werden die Cover und Promobilder leider auch immer weniger zum Kaufanreiz, weil das gebotoxte (?) Püppchen darauf leider seit ein paar Jahren nur noch bedingt mit jener Person zu tun hat, die dann glücklicherweise doch noch zu hören ist. Schon traurig zu sehen, wie eine der einst heißesten Künstlerinnen des Erdballs nicht mit der Tatsache klarkommt, dass ab einem bestimmten Alter nunmal Falten auftreten können. Hätte ihr doch nur mal jemand gesagt, dass das gar nicht schlimm ist...

In punkto würdevolles Altern liegt Björk also klar vorne.

Dafür hat die Isländerin andere Wege, einem Angst zu machen, doch dazu jetzt mehr in der Albumkritik, die an Umfang wohl kaum mit dieser Einleitung wird mithalten können. ;)


BJÖRK - Biophilia (2011)

Kleine Teaser und Appetithäppchen sind ja meistens eine feine Sache, aber - auch wenn ich mich dem als facebook-Follower ja freiwillig aussetze - was von Björk im Vorfeld dieses Albums kam, hat oft einfach nur genervt und eher mein Desinteresse geschürt.
Multimediageschwafel, immer wieder Apps... auch wenn Steve Jobs ja nun heilig ist - i mich am Arsch, ich will doch einfach nur neue Musik von Björk hören!

Man ist ja schon fast dankbar, dass "Biophilia" dann tatsächlich auch als herkömmliche CD zum ganz normalen passiven Anhören erschienen ist. Und es ist dann doch ein zwar teilweise etwas düsteres, aber insgesamt doch ziemlich normales Björk-Album geworden, mit Songs die auch auf "Homogenic" oder "Volta" gepasst hätten. Zwar gibt es ein Soundkonzept mit reduzierten Elektropassagen, viel düsterem Brummen, spannenden, harmonisch grenzwertigen Chören und sporadisch herausexplodierenden Beats, doch so zwingend wie auf dem Schnee-Album "Vespertine" oder dem Acapella-Werk "Medúlla" kommt es nicht daher.
Dass hier für einzelne Songs spezielle Instrumente erfunden worden sind, drängt sich durch den reinen Höreindruck auch nicht auf, das muss man schon wissen.

Alle externen Informationen außen vor lassend, bleibt am Ende ein solides, also 95% Prozent der modernen Popmusik locker einkassierendes Björk-Album, welches ich jedem Fan weiterempfehlen würde, auch wenn der ganz große Funke früherer Tage nicht überspringen mag.

Kurz vor und nach "Biophilia" habe ich mir dieses Jahr die Live-Serie zu den ersten vier Alben "Debut", "Post", "Homogenic" und "Vespertine" gekauft - und häufiger gehört. Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich mir mal wieder ein ganz und gar organisches Björk-Album mit klassisch echten, traditionellen Instrumenten wünschen. Ob nun mehr in Richtung Rock, Pop, Folk, wasauchimmer wäre mir ja egal, aber ich glaube, so ein bisschen zurück zum Konventionellen wäre durchaus mal ganz erfrischend, um nicht auf hohem Advantgarde-Niveau zu stagnieren...


Anspieltipps: Mutual Core, Nattura, Crystalline



Stagnation auf hohem Niveau ist ein Vorwurf, den man Tori Amos in den vergangenen zehn Jahren durchaus machen konnte - "Scarlet's Walk", "The Beekeeper" und "American Doll Posse" waren allesamt Spitzenalben, deren Songs man untereinander aber durchaus hätte vertauschen können. Mit dem verruchten "Abnormally Attracted to Sin" und dem Beinahe-Weihnachtsalbum "Midwinter Graces" (welches ich noch nicht beurteilen kann, da ich wie gesagt normalerweise bei Tori immer etwas hinterherhänge), haben ihre Veröffentlichungen dann zwar wieder einen stärkes albumspezifischeres musikalisches Wasserzeichen erhalten.

Doch was mit "Night Of Hunters" kommen sollte, war aufgrund dieser Tendenz sicherlich nicht zu erwarten...

TORI AMOS - Night Of Hunters (2011)

Schon die Veröffentlichung auf dem Label "Deutsche Grammophon" deutet darauf hin, dass die US-Amerikanerin sich offensichtlich von potentiell chartaffiner Popmusik losgesagt hat.

Stattdessen geht sie zurück zu den Wurzeln, was in diesem Fall nicht etwa  ihr Hit-Debütalbum "Little Earthquakes", sondern noch viel weiter zurück eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer klassischen Klavierausbildung bedeutet - und wie noch nie zuvor ihre ganze Klasse als Komponistin aufzeigt.

"Night Of Hunters" ist ein ausschließlich mit Piano, Kammerorchester und natürlich Gesang vorgetragener Liederzyklus, bei dem jedes Stück auf einer klassischen Komposition - bspw. von Schubert, Mendelssohn, Chopin oder Bach - beruht.
Das mag für Klassikbanausen, wie ich ja auch einer bin, in der Theorie zwar potentiell interessant, aber nicht zwingend spannend klingen. In der Praxis jedoch macht sich Frau Amos die Stücke so weit zu eigen, dass niemals der Eindruck einer "Popsängerin goes Klassik"-Scheibe entsteht, sondern man stets das Gefühl hat, einem hundertprozentigen Tori-Amos-Album zu lauschen, und zwar dem wohl tiefgreifendsten, wie sage ich es... mächtigsten, und auf jeden Fall einem der besten ihrer Diskographie.

Das an sich schon besondere Gesamtkonzept mal außer Acht lassend fallen neben den ungewohnt langen Instrumentalpassagen ("Seven Sisters" oder der Mittelteil des zentralen 10-Minuten-Epos "Star Whisperer") besonders die vielen Duette auf "Night Of Hunters" aus dem üblichen Rahmen.
Wenn sie in der Vergangenheit Duette gesungen hat, waren ihre Gesangspartner ja meistens kontrastierende tiefe Männerstimmen, hier jedoch singt Tori Amos bei gleich vier Stücken gemeinsam mit ihrer wie ihr kindliches Spiegelbild klingenden, elfjährigen Tochter. Dass hier großes Gesangstalent weitervererbt wurde, ist unverkennbar. "Job's Coffin" trägt Natashya Hawley sogar fast im Alleingang. Diesen Namen in sieben, acht Jahren auf einem Soloalbum wiederzufinden wäre sicherlich keine allzugroße Überraschung.

Eine weitere gelungene Gesangspaarung gibt es im Titelsong, wo Tori Amos auf die anscheinend im klassischen Gesang geübte, aber ebenfalls klangfarblich ähnliche Stimme ihrer Nichte Kelsey Dobyns trifft.


Auch wenn mit dem etwas zu langen "Battle Of Trees" und dem nicht ganz so starken Hauptthema von "Your Ghost" noch kleine Ansätze für Negativkritik vorhanden sind; "Night Of Hunters" ist - auch ohne Pauke - ein kreativer Paukenschlag von Tori Amos und für mich ganz klar eines der absoluten Top-Alben 2011!

Anspieltipps: Star Whisperer, Snowblind, Nautical Twilight, Night Of Hunters


Und was den im Titel ausgerufenen Kampf der Rotschöpfe angeht - sorry Björk, aber mit noch so viel Apple und löblicher Anstrengung ist gegen Toris geballte Kreativmacht diesmal einfach unmöglich zu gewinnen!

2011-12-25

52 Wochen | 51 | osterhasi


Es war so kalt, dass meine Nichte gleich alle neuen Klamotten auf einmal anprobieren musste. ;)

Tonträger 2011, Teil 2: Amboss auf Amboss (ANVIL)

 ANVIL - Monument Of Metal (2011)

Nach dem - berechtigen - Hype um die hervorragende Filmdokumentation "Anvil - The Story Of Anvil" war es natürlich nur folgerichtig, den vielen dadurch neu gewonnenen Fans, zu denen auch ich mich zähle, eine Übersicht über das bisherige Schaffen in Form einer Best Of anzubieten.Wie es sich bei einer so durch und durch geerdeten Band wie Anvil gehört, hat die Band die enthaltenen Tracks selbst verlesen. Ein paar Songs der ersten drei Alben "Hard'n'Heavy", "Metal on Metal" und "Forged in Fire" wurden sogar extra neu aufgenommen. Und im Cover, welches selbstverständlich einen Amboss zeigt, sollte jeder, der den Film gesehen hat, ein gewisses Gemälde von Schlagzeuger Robb Reiner wiedererkennen. Und zum Glück ist es nicht jenes, welches im Treppenflur zur Toilette hängt. *g*

Musikalisch gibt es hier ausschließlich - na klar! - Heavy Metal. Diesen könnte man noch weiter spezifizieren finden sich bei Anvil ja zahlreiche Spielarten wie Power Metal, Hard Rock, Doom, Thrash etc. wieder, aber bei einer Band, die länger da ist als die meisten anderen und einfach nur konsequent ihr Ding macht, sind solche akademischen Spitzfindigkeiten im Grunde müßig. Anvil rocken!
Das muss man wissen - und wer es noch nicht tut, der kann sich auf "Monument Of Metal" hervorragend informieren.

Anspieltipps: Plenty Of Power, Park That Truck, Metal On Metal, Thumb Hang


Reicht die Musikkasse aber nur für einen Tonträger, so gibt es allerdings tatsächlich einen noch besseren Einstieg in die Welt des Ambosses:

ANVIL - Juggernaut Of Justice (2011)

Was schon auf "This Is Thirteen" versucht, aber noch nicht hundertprozentig umgesetzt wurde, nämlich ein absolut frisches und endlich mal auch voll auf der Höhe der Zeit produziertes Anvil-Album aufzunehmen, ist mit dem vierzehnten Studioalbum, der Gewalt der Gerechtigkeit, nun vollends gelungen.

So wurden zwei lange mitgeschleppte Schwächen abgestellt: Lips, als Gitarrensau über alle Zweifel erhaben, ist nun einmal nicht der größte aller Metal-Tenöre und versucht sich auf diesem Album nicht mehr an Bereichen, die ihn stimmlich überfordern und kann so durchgehend überzeugen.


Power-Drummer Robb Reiner verhält sich songdienlicher als bei vielen älteren Songs, indem er das Tier auch mal ein paar Takte lang zurückhält und dann umso effektiver von der Kette lässt, so z.B. beim mit Bläsersätzen (!) überraschenden Instrumental-Show-Off "Swing Thing".

Auch ansonsten zeigen die Kanadier vom black-sabbathesken "Paranormal" über unwiderstehliche Groovestampfer wie "New Orleans Voo Doo" bis zu schnellen Krachern wie "Running" oder "When Hell Breaks Loose" die ganze Palette ihres Könnens. Schwachstellen habe ich auf diesem Album noch keine ausmachen können. Auch die Bonus-Tracks der Special Edition hauen rein und runden das Album perfekt ab.

Dazu gibt's noch noch eines der großkotzigsten und somit besten Anvil-Coverartworks aller Zeiten.
Es ist doch schön zu sehen, wie sich die alten Herren bei aller Leidenschaft für ihre Musik nach wie vor niemals zu ernst nehmen. Allein wer das Konzept, auf jedem Titel seiner Band "Amboss" einen Amboss zu zeigen und stets das Schema "Stabreim auf Stabreim" anzuwenden, über so lange Zeit so gnadenlos durchzieht, der kann doch nur ein guter Mensch sein.

In der Kategorie prog-freier Metal ist "Juggernaut of Justice" für mich das Nummer-Eins-Album dieses Jahres.

Und aufgemerkt: Ich habe in zwei Rezensionen nicht einmal das Wort "Spinal Tap" benutzt! ;)

Anspieltipps: New Orleans Voo Doo, Swing Thing, Paranormal, Fuken Eh!

2011-12-23

Tonträger 2011, Teil 1 : A Sympathetic Attack Of The Divine Queen


In bester, 2010 begründeter Tradition, möchte ich zum Jahreswechsel auch 2011 wieder einen Blick bzw. ein Ohr auf die in den vergangenen zwölf Monaten erschienenen CDs und Musik-DVDs in meiner Sammlung werfen.

Da es ein paar mehr sind als letztes Jahr und ich manchen Scheiben auch noch gar nicht die eigentlich gebührende Aufmerksamkeit schenken konnte, fallen die Kritiken voraussichtlich etwas kürzer aus als letztes Mal.

Ganz kurz wird es auf jedem Fall in diesem ersten Teil, da ich hier nur noch einmal die Tonträger aufzählen möchte, zu denen ich bereits eine Rezension geschrieben habe.

Das Progmetal-Doppelpack - zeitgleich erschienen und auf Augenhöhe irgendwo über den Wolken:




Nicht 100%ig neu, aber nach wie vor relevant - die ersten drei Alben der königlichen Remaster-Serie:






Das wohl kontroverseste Todesbleigeschütz des Jahres:



6 down, 12 to go... Demnächst geht es an dieser Stelle dann weiter mit A wie "Amboss".

ARCH / MATHEOS - Sympathetic Resonance

"Review demnächst" habe ich vor ein paar Monaten in meiner Kritik der aktuellen Dream Theater-Scheibe geschrieben. Ähem, naja... Es gab dann halt viel Arbeit und wenig Zeit für diese Seite. Dabei habe ich die ersten beiden Absätze doch schon seit Ewigkeiten als Entwurf hier schlummern...

Bitte beachten: Die folgende Plattenkritik wurde in Unkenntnis jeglichen früheren gemeinsamen Schaffens der Beteiligten verfasst. Oder anders gesagt: Obwohl ich Fates Warning mal in Wacken bestaunt und für interessant befunden habe, kenne ich die Band nicht wirklich. 1993 ist ja nun auch schon eine Weile her. Aber immerhin meine ich mich noch erinnern zu können, von wo aus auf dem damaligen Festivalgelände ich mir die Progmetaller angeschaut habe. Das ist ja auch schon was wert.

Fans müssen mir also nachsehen, dass ich trotz der Tatsache, dass dieses Projekt ausschließlich aus aktuellen und ehemaligen Fates Warning-Mitgliedern besteht, keine entsprechenden Vergleiche ziehen kann.

ARCH / MATHEOS - Sympathetic Resonance (2011)

Dass das Projekt nicht unter dem Namen Fates Warning firmiert, sondern als Kooperation von Sänger John Arch und Gitarrist Jim Matheos präsentiert wird, scheint mir "Unwissenden" aber schon aus musikalischer Sicht sehr folgerichtig, denn es sind auch musikalisch vor allem diese beiden Pole, die das gesamte Geschehen auf dem Album bestimmen.

Auf der einen Seite ist da ein nicht enden wollendes Arsenal an Power-Riffs, die einen in allen bekannten Prog-Taktarten kreuz und quer durchschütteln. Zwar agiert auch das restliche Intrumentarium auf allerhöchstem Niveau, doch es hält sich in sofern zurück, als dass die Gitarre stets die Richtung vorgibt, der die Rhythmussektion auch durch die aberwitzigsten Schlenker folgt.

Natürlich gibt es außer geballter Riffgewalt auch hervorragende Harmonien und brilliante Leads auf die Ohren, doch die Melodien trägt vor allem John Arch mit seiner sich oftmals in erstaunlichen Spiralen über der Musik windenden Ausnahmestimme, von der man sich tatsächlich kaum vorstellen kann, dass sie außer für zwei Songs einer EP seit über 20 Jahren nicht im Einsatz gewesen sein soll.

Arch/Matheos spielen Progmetal, der - auch wenn es wie im finalen Track "Incense And Myrrh" mal etwas balladesker klingt - in jeder Minute Metal ist. Und der vor allem ohne jeden B-Noten-Abzug so durch und durch großartig ist, dass ich mir schon beim ersten Hören sicher war, hier einem Klassiker zu lauschen, den ich auch in zehn oder zwanzig Jahren noch genauso genial finden werde. Und bisher wächst das Album auch tatsächlich immer noch bei jedem Durchlauf.

Es handelt sich hierbei also auf keinen Fall um ein reines Nischenalbum nur für Hardcore-Fans der alten Fates Warning, sondern um ein modernes zeitloses, auch ohne diesen Kontext höchst relevantes Metal-Meisterwerk, wie es nicht alle Tage in die Welt entlassen wird.
Um aber nicht ganz auf Namedropping zu verzichten, sei am Ende dieser Kritik noch "A Social Grace", das Debut von Psychotic Waltz genannt. An den Geist jenes Albums fühle ich mich beim Hören von "Sympathetic Resonance" nämlich stark erinnert.

Für ein Album des Jahres mag ich mich 2011 aufgrund vieler Spitzenveröffentlichungen zwar nicht entscheiden, aber wenn ich es müsste, dann hätten Arch/Matheos mehr als gute Chancen auf den Titel.

Anspieltipps: Incense And Myrrh, Neurotically Wired, Stained Glass Sky

2011-12-20

CYNIC live im Hafenklang, Hamburg (19.12.2011)

Die Kommentare unter Youtube-Posts sind für gewöhnlich ja kein Hort überschäumender Weisheit, doch neulich las ich unter einem Video von Cynic einen äußerst gehaltvollen Satz, der in etwa lautete: "I saw them live, but I didn't make it to the end of the show, because I jizzed my pants and had to go home."

Ich konnte mich gestern zum Glück beherrschen und so den ganzen Auftritt von Paul Masvidal und co. genießen. Nur von dem auch ganz und gar nicht üblen Instrumental-Progmetal der Vorband Chimp Spanner habe ich leider nicht alles mitbekommen, da fälschlicherweise noch eine dritte Band aus Hamburg im Internet angekündigt war, die mich nicht interessierte, weshalb ich zu Beginn des Sets noch ein paar Meter weiter Richtung Fischmarkt etwas essen war.

Wie auch immer - Zu Cynic weiß ich inzwischen gar keine Superlative mehr auszupacken, weshalb ich mir jeden Versuch einer Erklärung der Band für Unwissende an dieser Stelle einfach mal spare. Genau wie 2008 in Wacken und in der Markthalle und 2009 im Logo, war der Ohrgasmus mal wieder garantiert. Als minimaler Kritikpunkt bleibt nur, dass die (instrumental über jeden Zweifel erhabene) neue Besetzung vom Stageacting her ruhig noch etwas agiler werden könnte.
Und trotz aller Kürze der Tonträger haben Cynic doch mittlerweile schon so viel Material, dass schon mehr als ein, zwei Klassiker im Set leider unberücksichtigt bleiben mussten. (z.B. kein "Textures", "Uroboric Forms" oder "Nunc Stans")

Aber das ist halt der Lauf der Zeit, dafür gab es mit den Songs der aktuellen EP "Carbon-Based Anatomy" und dem Stück "Wheels Within Weels" ja auch viel neueres gutes Zeug zu hören. Und der letztes Mal in Hamburg vermisste Überkracher "How Could I?" war diesmal wieder dabei. Was will man also mehr?
Genau, mehr geht eigentlich nicht. Da muss sich Weihnachten aber anstrengen, um einigermaßen mitzuhalten. ;)

Ich bin selig. Om.

Setlist (ohne Gewähr, da aus dem Gedächtnis):
  • Hieroglyph /  Amidst The Coals
  • Carbon-Based Anatomy
  • Evolutionary Sleeper
  • How Could I?
  • Adam's Murmur
  • Celestial Voyage
  • Elves Beam Out
  • King Of Those Who Know
  • Veil Of Maya
  • Wheels Within Wheels
  • Integral Birth (erste Strophe in der Re-Traced-Version)
  • Box Up My Bones
  • The Space For This