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2021-03-20

SATURNIA - Stranded In The Green

Nachdem das Debüt von A/lpaca ja gerade derbe ruppig absliftete, präsentiert Sulatron Records auf dem neuen Werk von Saturnia nun mal wieder eher den entspannten Gegenpol aus beträumt verkiffter Hippiemusik.

Das führt durchaus hier und da zu einzelnen mir etwas zu marihuanasüßlichen Momenten, ist in seiner Gesamtheit allerdings verdammt gut gemacht.


SATURNIA - Stranded In The Green (2021)


Hinter neunundneunzigkommaneunneun Prozent der Musik auf diesem Album steht der portugiesische Multiinstrumentalist Luis Simões, der uns neben klassischen Rockkwerkzeugen auch ordentlich Sitar, Glockengedöns und analoge Orgeln, Synthies und Pianos durch die benebelten Sinne pustet.

Nach dem maximal esoterischen Intro "Pan Arrives" geht Saturnia mit dem fast schon archetypischen Psychrockgroove von "Keep It Long" im Grunde auf Nummer sicher. Die Sitar lullt den Genrejunkie unwiderstehlich ein, während die von einem Gastmusiker beigesteuerte Djembe-Trommel für die interessante Absetzung von der offensichtlichen Beatles-Blaupause sorgt.

Die "Fibonacci Numbers" unterlegen dann Floyd-Vibes mit Blues-Shuffle und einer subtilen, zwischen den an Tönen schwebenden Unruhe.

"Smoking In The Sun" ist ein spacig-proggiges (letztere Assoziation kommt mir vielleicht, weil mich das Ding an irgendwas von RPWL erinnert), in seiner schleppend stampfenden Rhythmik durchaus auch gefühlt leicht doomiges Instrumental, welches das Album in tief(sinnig)ere Gewässer führt, die im knapp viertelstündigen Kernstück "Super Natural" dann noch gründlicher erkundet werden.

Dieser sich sanft aufbauende Epos voller harmonisch umeinander tanzender Keyboard- und Saitensounds könnte gerade während der Strophen glatt von Steven Wilsons "The Raven That Refused To Sing"-Album gerutscht sein. Doch auch da, wo dies nicht zwingend der Fall ist, beweist Simões meisterhaftes Gespür für geschickt gelayerte Atmosphäre. Alleine dieses herrliche, am Soul- und Jazznerv tippende Rhodes-Klavier! Mjamm!

In "When I'm High" sind darauf folgend neben der Leadgitarre Klavier und Mellotron die Stars. Trotzdem ist eher kleine Stück nach "Super Natural" wohl naturgemäß der einzige leichte Spannungsabfall des Albums.

Meine Rezension folgt der Trackreihenfolge der digitalen/CD-Version von "Stranded In The Green".
Die in der ersten Pressung grüne LP ist aus Zeitgründen etwas anders aufgeteilt, und mit dem meditativen (teilweise rückwärts abgespielten, oder?) "Perfectly Lonely", sowie dem dem orientalisch europäischen Jam "Just Let Yourself Go" fehlen zwei Instrumentalhighlights auf der Vinylvariante leider komplett. Da hätte ich doch lieber für zumindest einen der beiden Tracks auf "When I'm High" verzichtet.
Aber was soll's - die Stücke existieren ja allesamt da draußen - und haben will ich diese LP dennoch auf jeden Fall. Allein schon, weil mich interessiert, wie sich diese Meine-neun-beliebtesten-Posts-auf-Instagram-Ästhetik des Covers in tatsächlich gedruckter Form macht.

Zuletzt sei noch der je nach Medium letzte/vorletzte Song "Butterfly Collector" erwähnt, der anfangs zwar Gezirpe antäuscht, um mich abzuschütteln (ok, so schlimm wie die Grillen damals bei Quad ist es nicht , haha), was sich allerdings als Synthiespielerei herausstellt. Außerdem bin ich dank dem Morgenkonzert der nur eine Deckenluke von meinem Bett entfernt lebenden Dohlenkolonie wohl eh aktuell ausreichend abgehärtet, was ornithologische Einsprengsel in meinen Musikgenuss angeht, so dass dieser Vergrämungstrick ohnehin nicht funktionieren würde. Ansonsten ruft Saturnia hier nämlich alle vorher schon bewiesenen kosmisch entrückten Qualitäten erneut ab und fügt sie zu einem erneut einfach guten, runden Song zusammen.

"Stranded In The Green" kommt mir insgesamt zwar ein paar Millimeter konventioneller vor, trifft bei mir jedoch einen ganz ähnlichen Nerv wie letztes Jahr das tolle "Cosmic Comics" von Permanent Clear Light.

Mag ich.

EDIT: Das grüne Gold ist inzwischen gelandet, und gut sieht es aus:







2021-03-18

NOKTI - Cockschmerzen

Sechs Tracks in vierzehn Minuten und das Ding heißt "Cockschmerzen".

Worum es inhaltlich auf dieser EP geht, das weiß ich mangels Fremdsprachenkenntnis nicht, doch musikalisch hat es mit krudem Porngrind erstmal nichts zu tun. Also kein Cock And Ball Torture-Tribut-Act, sondern einfach ein Wortspiel.

NOKTI - Cockschmerzen (CD) (2021)


Eine gewisse spirituelle Nähe zu Teilen der Grindcoreszene kann man Nokti anderseits auch nicht absprechen, schon weil hier auch viel derbes Zeug in kurzer Zeit untergebracht wird. Und da auch ein Saxophon zum Ensemble gehört, ist der Weg zur Assoziation mit John Zorns Naked City und in diese Richtung weitergedacht Mr. Bungle (aber nicht deren relativ gesehen fast schon biedere, jetzt reaktivierte Osterhasenphase) natürlich nicht weit.

Die ersten Vergleiche, die mir beim Hören dieses herrlich bekloppten, aber durchaus mit Substanz daherkommenden Blitzachterbahnfahrt in den Sinn kamen, waren jedoch eine ganze Ecke obskurer. Die entfernte Ähnlichkeit des Coverartworks und die Tatsache, dass ich Nokti, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte, geographisch ähnlich verortete, ließen mich schnell an das Anfang des Jahrtausends von der ungarischen Progmetalgruppe Varso veröffentlichte Album "Finding Deaf Ears" denken, obwohl sich bis auf die Vorliebe zum Grenztonalen und einige beinahe funky schräge Licks musikalisch an sich nicht all zu viele Überschneidungen finden. Außer dass das alles im durchweg guten Sinne sehr artsy und abgefahren ist natürlich.
Nicht zuletzt der (hier zwar nicht rekordreif, jedoch immer noch einigermaßen derbe) knarzende Bass brachte mich dann auch schnell auf das belgische Doomnoisejazztrio Gura. Vielleicht auch, weil ich gerade deren vor anderthalb Jahren auf der MS Stubnitz abgeerntetes T-Shirt trug.

Dabei sind andere Referenzen viel offensichtlicher. Gleich die allerersten Takte des Openers "Pijan Od Krvi" könnte unmöglich noch mehr nach Oranssi Pazuzu klingen. Und ist einem diese Ähnlichkeit erst einmal aufgefallen, bleibt sie auch für die nächsten beiden Stücke im Kopf hängen, bevor sich die EP in der zweiten Hälfte noch weiter öffnet und mehr als ein Mal die manische Seite von The Mars Volta und in parolenhaften Passagen ein bisschen auch System Of A Down beschwört. Dazwischen gibt es mit "Igrice" allerdings noch ein Old-School-Laibach-Zwischenspiel. Alles klar so weit?

Ja, dieses kleine Ding ist schon ein verrücktes Huhn von einer CD.

Als ich mich schließlich auf Discogs schlau machen wollte, woher diese in Österreich veröffentlichte, handwerklich ausgezeichnete Avantgardeplosion denn tatsächlich stammte, war ich nicht wirklich erstaunt, dass die Gruppe nicht in Ungarn, sondern in Kroatien beheimatet ist, und gleich mehrere Bandmitglieder auch in der ähnlich anstrengenden aber geilen, schwarzmetallisch angestrichenen Postmetalband Hesperian Death Horse zocken.

Ja, das passt alles.

Und in der Zeit, in der Du dies alles gelesen hast, kann man sich "Cockschmerzen" auch genauso gut vollständig auf Bandcamp reinpfeifen - oder zumindest die Videos auf YouTube anschauen, haha.





2021-03-14

SENYAWA - Alkisah

Im Review zum Debütalbum von A/lpaca behauptete ich ja gerade ganz dreist, die Band sei eine Außenstelle / globale Dezentralisierungsmaßnahme von King Gizzard & The Lizard Wizard.
Dabei unterschlug ich natürlich, dass König Gizzard mit einer ganzen Reihe von für alle willigen Labels zur Veröffentlichung freigegebenen "offiziellen Bootlegs" tatsächlich im musikkulturellen Outsourcing ganz vorne mitspielen.

Einen ähnlichen Weg geht nun auch das indonesische Experimentalmusikduo Senyawa mit seinem neuen Album "Alkisah", welches gleich ein paar Dutzend Labels in verschiedenen Versionen mit underschiedlichen Covern und z.T. auch Bonusmaterial anbieten.
Und auch wenn man den großen Anteil asiatischer und transatlantischer Varianten wegen hoher Versandkosten abzieht, bleibt für den Mitteleuropäer so immer noch eine ganz ordentliche Auswahl übrig, unter denen ich mich zunächst (Spoiler: bei einer Version wird es für mich nicht bleiben.) für die des belgischen Labels Les Albums Claus entschieden habe.



SENYAWA - Alkisah (Les Albums Claus LP) (2021)

Senyawa, das sind Wukir Suryadi an selbstgebauten Saiten-, Rhythmus- und sonstigen Instrumenten, und Rully Shabara, Meister der tausend urkraftvoll theatralischen  und mystisch brutalen Stimmen, ein komplett eigenständiger Ausnahmevokalist.

Wie gewohnt existiert der Sound der Gruppe in einer singulären Parallelwelt, welche kaum hinreichende Vergleiche mit irgendetwas anderem zulässt.
Ganz eindeutig ist, dass Senyawa trotz weltmusikalischer Tendenzen und schamanistischer Atmosphäre, niemals in esoterisch verträumte Höhen entschweben, sondern immer sehr direkt bleiben, als stünden sie direkt neben dir.

Dicke Dronewände spielen hier teilweise zwar immer noch eine Rolle, doch verglichen mit dem Vorgänger "Sujud" und vor allem der Kooperation mit Sunn O)))s Stephen O'Malley, "Bima Sakti", geht es auf "Alkisah" weitaus rhythmusorientierter zu.
Viele perkussive Sounds erinnern dabei an Einstürzende Neubauten, als deren prä-zivilisatorische Fernostvariante  sich Senyawa also gewissermaßen präsentieren.

Diese Musik ist frisch und überraschend, dabei auf ganz eigene Weise irgendwie auch erstaunlich heavy. Extrem spannendes Zeug und bisher ganz klar eines meiner Lieblingsalben des noch jungen Jahres.

Die Vinyledition von Les Albums Claus ist mir allerdings ein wenig zu lieblos geraten. Das Cover ist zwar ok und die Pressung lässt auch keine Wünsche offen - wer nur darauf Wert legt, kommt mit dieser Veröffentlichung sicher klar -, doch allein, wenn die Credits einen der acht Tracks speziell erwähnen und man feststellt, dass sich auf der Hülle ja nirgends eine Tracklist befindet, merkt man, dass mehr möglich gewesen wäre.

Eine ganze Ecke mehr verspricht da die "CN Edition" von WV Sorcerer Productions, auf deren Ankunft ich allerdings noch warte. Eine Kurzrezension dazu liefere ich also später noch nach.






2021-03-13

A/LPACA - Make It Better

In diesen Zeiten eingeschränkter Reisefreiheit und unsicherer Aussichten für Livemusik ist Dezentralisierung für global operierende Bands vielleicht gar keine schlechte Strategie. Die immerhin in ihrer Heimat ja schon wieder auftrittsfähigen Aussis King Gizzard & The Lizard Wizard scheinen zumindest diesbezüglich bereits zu experimentieren und in Italien die Eröffnung einer europäischen Filiale vorzubereiten.


A/LPACA - Make It Better (2021)


Das könnte man beim Hören von A/lpacas auf Sulatron Records erschienen Debüt zumindest oft denken. Das ständige Uptempo im "Nonagon"-Drive und der durch den Effektwolf gedrehte, sehr an Stu MacKenzie erinnernde Gesang sind nur die offensichtlichsten Merkmale dieser stilistischen Affinität. Insgesamt könnte man diese deutliche Nähe wohl am ehesten als starken Kritikpunkt an "Make It Better" werten, doch ähnlich wie bei den Franzosen Karkara gilt hier entschuldigend: Warum meckern, wenn es doch so viel Spaß macht?

Es ist ja auch keine freche Kopie, wenn das Erbe von Hawkwind, Can und allem, was irgendwo zwischen der offensivsten Form von Krautrock und ungestümem (Post) Punk liegt, auf ähnliche Weise verarbeitet wird. Ok, in einzelnen Passagen wie z.B. dem Refrain von "Citadel" ist die Anlehnung schon sehr deutlich.

Doch wie gesagt: Drauf geschissen, denn was hier in erster Linie zählt, ist mein allererster Eindruck, als ich das Album morgens im Auto durch die Speaker geblasen habe und der Opening Track "Beat Club" mich zwingen wollte, aufs Gaspedal zu treten: Diese Mucke macht einfach Bock! Und daran hat sich auch nach weiteren Durchläufen nichts geändert.

A/lpaca klingen sehr roh produziert, die Saiteninstrumente sollen bis auf einige spacigere Momente vor allem fetzen, die Snaredrum scheint geradezu zu übersteuern, aber das ist alles nicht nur offensichtlich gewollt, sondern unterstreicht auch gerade diese ungezügelte Energie des Quartetts. Wirklich clean sind eigentlich nur die meisten Keyboards, welche als psychedelisch tiefenwirksamer Kontrapunkt maßgeblich die eigene Note der Gruppe  definieren.

Ich muss nicht mehr betonen, Freunde welcher Gruppen hier zugreifen sollten. Persönlich lasse ich es hier auf jeden Fall nicht bei der Promo, sondern werde mir auch das lila Vinyl ins Regal stellen.

Was muss, das muss.




2021-03-07

ÅRABROT - Norwegian Gothic / ÅRABROT - The World Must Be Destroyed

Wie bei so vielen guten Künstlern in den letzten Jahren war es die Ankündigung eines Roadburn-Lineups, welches die Band, deren Name wie der skandinavische Teil meines Frühstücks klingt, erstmals auf meinen Radar gerückt hat.

Lichterloh gezündet haben Årabrot allerdings nicht auf Anhieb, weshalb ich sie damals auch nicht live gesehen habe. Der zweite Anlauf mit ihrer Unplugged-Performance im Rahmen des Chaos Theory Livestreams hat mein Interesse an der Gruppe mit dem komischen Hut später deutlich stärker entfacht.

Und als schließlich die Promo für das neue Album im Elektrobriefkasten landete, brauchte es nur wenige Songs, ehe klar war, dass ich mir das Ding zusammen mit Monos neuem Livealbum bestellen würde.






ÅRABROT - Norwegian Gothic ("Feel It On" vinyl 2LP) (2021)

Den Kern von Årabrot bilden Sänger/Prediger/Gitarrist Kjetil Nernes und Karin Park. Das norwegische Paar lebt mit seinen Kindern in einer alten Kirche auf dem schwedischen Land. "Rock'n'roll is their religion" sagt der Pressetext. So eine Kirche ist indes nicht nur praktisch zum Wohnen, sondern taugt auch als Aufnahmestudio und Fotolocation fürs Albumcover-Shooting.

Für ihre Touren und Alben umgeben die beiden sich mit wechselnden Kollaborateuren, und allein ein Blick darauf, wer auf "Norwegian Gothic" musikalisch mitwirkt, verspricht hier einiges: Motorpsycho-Drummer Tomas Järmyr, Zu-Bassist Massimo Pupillo, Cellistin Jo Quail, Jaga Jazzist-Multiinstrumentalist Lars Horntveth und Anders Møller von Ulver sind schon für hochwertiges Handwerk stehende Hausnummern.

Nach Abzug einiger kurzer Zwischenspiele besteht "Norwegian Gothic" aus zwölf Song, die jeder auf seine Weise dieses Versprechen voll einlösen. Gothic ist dabei wohl eher Haltung als Genre, lässt sich punktuell aber durchaus auch als Stilbeschreibung anwenden, wenn sich Årabrot zwischen Postpunk, Noise Rock und Spuren von Folk bewegen. Insgesamt verhält es sich mit der Band aber ähnlich wie bei Motorpsycho so, dass der stilistische Bogen so weit gespannt wird, dass einem am Ende tatsächlich einfach nur übergreifend Rock als aus allem destillierte Definition einfällt.

Rock, der alleine durch die Rhythmussektion enorm heavy daherkommt und noch dazu ständig von einer Düsternis umwoben ist, die an Killing Joke, die ideale Fitness von Danzig, vor allem durch Nernes' oft geradezu schneidenden und beißenden Gesang an die Intensität Michael Giras und dessen Swans erinnert.
Und dass "Norwegian Gothic" dabei von unentrinnbaren, hartnäckigen Ohrwürmern geradezu überbevölkert ist, löst diese Dunkelheit keinesfalls auf, sondern steigert nur ihre Vehemenz.

Gefühlt könnten noch ein oder zwei Tracks mehr den Leadgesang von Karin Park gebrauchen, doch vielleicht ist das Verhältnis auch gerade richtig, um ihr orchestrales "Hallucinational" als Gegenpol zur groovenden und stampfenden Teufelsmusik besonders glänzen zu lassen.

Die zahlreichen überraschenden Details, die dieses Album bereithält, will ich hier gar nicht erst zu spoilern versuchen, doch wer das eine oder andere Review von mir gelesen hat, der weiß, dass ich das Finale "The Moon Is Dead" unmöglich unerwähnt lassen kann. Hier brechen Årabrot nämlich aus ihrer sonst eher kompakten Songlänge aus und lassen Streicher und Jazzsaxophon um eine eopchal dröhnende Swans-Ballade eskalieren. Großartig!

Um das Urteil geht hier kein Weg vorbei: "Norwegian Gothic" ist ein gnadenlos mitreißendes, dabei aber nie seinen künstlerischen Anspruch verratendes Rockalbum, ein gewaltiges kreatives Statement. Meisterwerk nennt man so etwas, glaube ich.

Definitiv das ultimative Indoktrinierungsmaterial für diese Kirche!









Während "Norwegian Gothic" am Freitag, den 9. April erscheint, ist bereits seit Ende Januar eine EP zum Aufwärmen zu haben: 






ÅRABROT - The World Must Be Destroyed 
("Feel It On" vinyl 12" EP) (2021)

"The World Must Be Destroyed" präsentiert die Band in einer dem Titel entsprechend rauheren, destruktiveren Form. Mehr Sludge, mehr Melvins, ein zwar klar verwandter, doch ebenso deutlich anderer Sound.
Das kommt nicht von ungefähr, da es sich hier eigentlich nicht um einen Appetizer auf das kommende Album handelt, sondern um bisher unveröffentlichte Stücke aus den Sessions zu Vorgängerwerk "Who Do You Love". Zum Personal gehörten hier u.a. Andrew Liles (Current 93) und Insekt Ark-Chefin Dana Schechter.

Kurz und heftig. Für sich sicher nicht so ein Pflichtkauf wie das kommende Album, doch durchaus auch schon sehr gutes Zeug.

Da Pelagic Records EP und Album im Bündel auf mehrfarbigem "Feel It On"-Vinyl anbietet, habe ich auch hier zugeschlagen. Hoffe dann mal, dass die Welt bis dahin doch noch einigermaßen heile bleibt und bin gespannt, wie es sich anfühlt.

[EDIT 17. Juli 2021 - Da ich anscheinend ein altes Bankkonto gespeichert hatte, wurde meine Bestellung ein biiiiischen später als erwartet bearbeitet. Aber heute habe ich die Tonträger endlichendlichendlich bekommen. Und sie sehen sensationell aus!]








2021-03-06

BANDCAMP DAY März 2021 mit KUKANGENDAI und ... ähm...

Ok, ich bin heute schreib- und auch etwas hörfaul. Deswegen werde ich den größten Teil meines Bandcamp Friday-Einkauf zu einem späteren Zeitpunkt in einem neuen Segment der "Cassette Craze Chronicles" behandeln, wenn die Dinger bei mir eingetroffen sind.

Rein digitale Veröffentlichung habe ich diesmal nicht von meiner Merkliste getilgt. Bleibt also als Thema hier und heute nur noch eine LP übrig, die erstmals vorletztes Jahr auf Stephen O'Malleys Label Ideologic Organ erschien. 


KUKANGENDAI - Palm (LP) (2019)

Die japanische Band mag mit Gitarre, Bass und Schlagzeug vielleicht wie ein klassisches Rock-Powertrio aufgestellt sein, doch da hört der einfach erklärbare Teil auch schon auf.

Kukangendai schaffen es irgendwie, polyrhythmisch anspruchsvoller als die professionell verkopftesten Jazz- und Progrockkapellen zu klingen und dabei doch nur peripher in beiden Sparten verortbar zu sein.

Der extrem experimentelle Rocksound mit starker Funk und Dub-Schlagseite ist in seinem kontrolliertem Chaos niemals wirklich nachvollziehbar, bleibt durch die beinahe schon entspannte Performance jedoch paradoxerweise erstaunlich leicht hörbar.

Ok, das ist wie so oft eine sehr relative Aussage, aber ernsthaft: Wenn man nicht gerade beim ersten Hören versucht, Hirnverknoter wie "Hi-Vision" zu dechiffrieren und die absolut irren Arrangements einfach als den eigenen Musikverstand übersteigend hinnimmt, ist es einfach nur ein irre cooler, irgendwie ursprünglicher und in seiner Einzigartigkeit faszinierender Sound, mit dem Kukangendai einen hier umspülen.

Am ehesten kann ich hier punktuell den Einfluss von King Crimson und mehr noch Blind Idiot God erkennen. Ein bisschen Khruangbin, Postrock, einige ganz subtile Japanismen kann man sich auch noch hineinhören, doch im Großen und ganzen ist "Palm" eine fernab aller gewohnten Normen und Konventionen stattfindende, in sich selbst stimmig geschlossene Erfahrung.

Dieses Album ist ganz klar ein rarer musikalischer Schatz, und ich kann es kaum erwarten, diesen auf schwarzem Gold drehen zu lassen.




2021-03-01

MAJAK - Rippe's Restless Rehearsal Rumble

Montag Abend, ich bin schon viel zu früh müde. Aber hey, ein spontanes Review rauszuhauen, das wird ja wohl noch drin sein!

Ich hocke nun schließlich bereits seit ein paar Wochen tatenlos auf dieser digitalen EP. Und das ausdrücklich nicht, weil ich keinen Bock drauf hätte, sondern einfach, weil ich auf einen besonders für Gekloppe empfänglichen Moment gewartet habe, um mir diese drei neuen Tracks der Neufinsteraner Majak zu Gemüte zu führen.

Jetzt, wo ich diesen Absatz beende, habe ich das eine Dreiviertelstunde kurze Ding auch schon das erste Mal durch die Lautsprecher gejagt.
Die doppelte gute Nachricht ist, dass mir 1. (noch?) keine schlechte Nachricht einfällt und ich 2. durchaus Bock drauf habe, mich noch zwei, drei Mal von dem Zeug durchblasten zu lassen. Was die Chancen, diese Kritik tatsächlich heute noch zu veröffentlichen und folglich den Anfang nicht ändern zu müssen, natürlich erheblich verbessert.

So much winning!


MAJAK - Rippe's Restless Rehearsal Rumble
(download) (2021)

An der bereits auf dem Debütalbum "The Herald" fest etablierten Prämisse hat sich im Grunde nichts geändert. Majak haben sich also weiterhin dem okkulten Underground-Ethos verschrieben und spielen einen super direkten Metal, der vergleichbar mit Bands wie Bütcher oder Hellripper zumindest im ersten Eindruck aus der Zeit zu stammen scheint, als Speed Metal, europäischer Thrash, die erste Blackmetal-Welle und räudiger Röck'n'Roll im Wesentliche eine einzige gemeinsame Szene bildeten. (Wenn es stimmt, was die Metal-Altvorderen sagen, zumindest.)

In technischer Detailbetrachtung kommen schon einige Riffs, Blasts und Grooves hinzu, die eher die Sprache der Neunziger sprechen, doch diese Elemente sind allesamt stimmig in den böse brüllenden Achtzigerspirit eingebettet. Was Majak für mich ja am meisten ausmacht, ist dass bei aller rhythmischen Präzision und trotz soliden Heavy-Metal-Gitarrengefrickels ein großer Teil der Heaviness einer gut kultivierten Rest-Rumpeligkeit zu entspringen scheint. Eine Mischung, wie sie ähnlich z.B. einige der feinsten Momente von Kreator definiert.
Da passt dann auch der kehlige Brüllgesang, den man sicher nicht lieben muss, der aber unbestreitbar die unverblümt grobe Seite der Band exzellent unterstreicht.

Das beste an der EP - auch im Vergleich zu "The Herald" - ist allerdings, dass es sich bei dieser Vorschau auf das nächste Studiowerk um eine Live-Session handelt. Ansonsten wäre der Titel ja auch reichlich bekloppt.
Und fuck, Rippes Rasselbande rippt! Pack diese Performance in einen Laubbläser, und die Blätter trauen sich zukünftig gar nicht mehr, überhaupt vom Baum zu fallen.

Jetzt lasst uns nur schnell dieses scheiß Virus so weit in die Ecke prügeln, dass der Metalfön auch endlich wieder von einer echten Bühne aus pusten darf! Majak haben offensichtlich ganz klar Bock.







2021-02-21

Resterampe 2020 (mit BLUES PILLS, JESU und MIZMOR)



Ok, die Überschrift klingt jetzt ein wenig despektierlich. Ist aber gar nicht so gemeint. Hier frühstücke ich einfach noch ein paar Musikveröffentlichungen des letzten Jahres ab, die erst kürzlich in meine Sammlung eingegangen sind.


Den Anfang macht ein Bündel aus vier Wiederveröffentlichungen des Black/Sludge/Funeral Doom- Metal-Projekts Mizmor:


MIZMOR - Mizmor (Tape) (2012/2020)
MIZMOR - Mishlei (Tape) (2018/2020)
MIZMOR - Yodh (Tape) (2016/2020)
MIZMOR - Cairn (Tape) (2019/2020)

Das überwiegend auf Kassetten spezialisierte Label Tartarus Records hat letztes Jahr alle drei Studioalben von Mizmor in luxuriös anzuschauenden Versionen im schwarzen Karton inklusive Booklet mit Texten und Artwork neu herausgebracht. Dazu kommt die erstmals 2018 erschienene Compilation "Mishlei", welche alle Tracks der Split-Releases zwischen Debüt und "Yodh" vereint und faktisch auch ein vollwertiges Album darstellt.

Alle vier zusammen gibt es mit Rabatt und inklusive Logo-Patch als Set. Und weil mein bisher einziger Mizmor-Tonträger die "Yodh: Live at Roadburn 2018"-CD gewesen ist, war der Versuchung, hier zuzuschlagen, einfach unmöglich zu widerstehen. Zum Glück!

Denn diese räudig mächtig epochale, musikalisch so bösartige, aber inhaltlich durchaus sehr ernsthaft durchdachte Diskographie, hat einfach keinen Schwachpunkt. "Cairn" ist ganz klar das krönende Meisterwerk, doch alles davor zeigt schon sehr deutlich den Weg dahin.

Wer sich in Black Metal getunkte Yob, Conan und Bell Witch vorstellen mag, auf Longtracks und auf extreme Vocals mit Wiedererkennungswert steht (diese aus einem hohlen Baumstamm zu kriechen scheinenden Growls klingen, wie das ikonenhafte Cover von "Yodh" aussieht), der bekommt mit Mizmor eine wunschlos beglückende Vollbedienung.

Und dieses Tape-Quartett ist natürlich ein Juwel in meiner jungen Sammlung.










JESU - Never (blue in white vinyl 12" EP) (2020)

Neulich im Review des neuesten Jesu-Albums "Terminus" hatte ich ja noch zu Protokoll gegeben, die vorangegangene Comeback-EP des Justin-Broadrick-Projekt ausgelassen zu haben, da es mir zu effektüberladen experimentell war und ich mich einfach noch nicht hineinhören konnte.

Inzwischen habe ich mich dann doch mal getraut, das immer noch in Farbvarianten erhältliche Vinyl zu bestellen. Anders als die als Beikauf mitgenommene Final-CD "Reading All The Right Symbols Wrong" von 2009, die mich auf Anhieb abholte, bleibe ich auch dabei, dass es sich bei "Never" zumindest für mich um das vielleicht bislang schwierigste Werk Broadricks (in meiner Sammlung; ich bin weit davon entfernt, Komplettist zu sein) handelt. Das Ding musste ich mir schon relativ mühsam erarbeiten.

Nicht, dass es sich hier um besonders komplizierte Musik handelt. Allerdings wurde die an sich auch emotional sehr direkte und eingängige Basis der vier Stücke dermaßen durch den Pixelschieberfleischwolf gedreht, dass der Mix aus Shoegaze und Elektro schon einen sehr fragmentarischen und künstlich distanzierten Eindruck macht.

Jetzt, da der Knoten geplatzt ist, kann ich den surreal träumerischen Charakter von "Never" auch voll genießen. Für Newbies, die nicht eh schon Fans sind, halte ich die EP allerdings für sehr herausfordernd. Da erschließt sich das stilistisch deutlich geerdetere Full-Length-Album mit Sicherheit trotz des langsameren Durchschnittstempos schneller.










BLUES PILLS - Holy Moly!
(2CD Digibook) (2020)

Zum Abschluss nun noch ganz andere Töne. Die Gemeinsamkeit zu Jesu ist, dass ich auch hier zunächst skeptisch war und lange mit dem Kauf (bzw. dem Hinzufügen auf meine Geburtstagswunschliste) zögerte.

Blues Pills ohne die naturtalentiere Wundergitarre von Dorian Sorriaux? Fehlt da nicht eines der wichtigsten Markenzeichen?
Dazu kommt die Neigung der Band, sich als erste Single gerne Stücke auszusuchen, die sehr formelhaft und on the nose sind und mich für sich erst einmal nicht allzu mächtig umhauen.

Letztendlich waren hier aber alle Sorgen müßig.

Der seit jeher für die zeitgeistige Authentizität verantwortliche Musiknerd und Hauptsongwriter Zack Anderson wechselt vom Viersaiter auf die Gitarre, was natürlich - in gar nicht so dramatischen Ausmaß - nicht mehr ganz so filigran und brilliant daherkommt, allerdings u.a. durch mehr direkten Dampf ausgeglichen wird. Sehr schnell wird klar, dass "Holy Moly!" das bisher am stärksten rockende Album der Band geworden ist.

Die von mir so hochgeschätzten Motown/Soul/Gospel-Elemente von "Lady In Gold" sind allerdings nicht verloren, sondern blitzen hier und da weiterhin hervor. Und wie!
Elin Larsson wird ja gewohnheitsmäßig von Album zu Album (und wenn live gespielt werden darf auf den Touren dazwischen) immer besser, und das gilt hier besonders für die hohen Soul-Schreie wie in "California", einem der Songs, die aus dem vorherrschenden Powertrio-Uptempo ausbrechen.
Zu jenen gehören auch das dunkle "Dust", das bittersüße "Wish I'd Known", der mit Piano und Streichern zu unerwarteter Größe wachsende "Song From A Morning Dove" und die abschließende Bluesballade "Longest Lasting Friend".

Moment! Habe ich da etwa tatsächlich "Trio" geschrieben? 

Technisch ist das für "Holy Moly!" korrekt, denn Neu-Bassist Kristoffer Schander posiert bisher nur auf Bandfotos und in Videos. Bis auf die überschaubaren, aber stets umso wirkungsvolleren Gastmusikereinsätze hören wir hier also tatsächlich das Trio LarssonAndersonKvarnström.

Vermutlich war es für die Band auch wichtig, im kleinen Kreis an diesem Ding zu werkeln. Das Resultat zeigt auf jeden Fall eine eng zusammengeschweißte und gewachsene Gruppe. Das Wunderkinder-Image früherer Tage ist komplett abgestreift und weiterer Souveränität und Songwritingqualität gewichen.

Ein großartiges Album. Vielleicht sogar das beste der Blues Pills. Allerdings  müsste man die Songs wohl live erleben, um diesen Eindruck zu verifizieren.


Eine deutliche Steigerung zur Debüt-EP "Bliss" von 2012 ist "Holy Moly!" ohne Frage. Komische Aussage, ich weiß. Darauf komme ich auch nur, weil eben jenes vergriffene Teil der Digibook-CD-Version des Albums als Bonus beiliegt.

Angesichts der vielen Neuaufnahmen und Liveversionen der hier vertretenen Hits "Bliss", "Astral Plane", "Devil Man" und "Little Sun" halte ich das Ding nicht zwingend für den allerheiligsten Gral, aber es ist halt wie es ist: Auch wenn man ein Blues Pills-Song schon neunundneunzig mal gehört hat, ist er halt beim hundertsten Durchlauf noch super.

Ok, "Devil Man" war mir in der Vergangenheit durchaus schon mal über, haha.








2021-02-17

EMMA RUTH RUNDLE & THOU - The Helm Of Sorrow

Most reviewers will obviously compare this collaborative EP of Thou and Emma Ruth Rundle with their previous full-length record "May Our Chambers Be Full". It's from the same sessions and the first limited special edition already featured the EP as an appendix.

Well, the thing with me is...
that I had ordered a copy on violet vinyl of said LP, but the retailer didn't receive enough items, so my order got canceled and I was a little sore and didn't buy the standard black version instead. I've pre-ordered a new coloured pressing now, but that will only arrive in a couple of months. And since I'm trying to develop a habit of not listening to albums to death online before I receive the actual physical copy, I'm really not familiar with the album yet.

I know that it probably is a strong album of the year 2020 contender though, because I'm a) not blind and have read stuff in the internet and I'm b) not deaf (yet) and have seen their joint performance at Roadburn Festival 2019, which was the whole cause for this liaison in the first place.



EMMA RUTH RUNDLE & THOU - The Helm Of Sorrow (12" EP) (2021)


With the disclaimer above it's clear that I can't really tell if the creative shares of the artists are distributed in the same way as on the album, but what is obvious on first listen is that the experimental slude/doom band is not collaborating just with the singer Emma Ruth Rundle, but with the whole package of guitarist, songwriter and singer.

"Orphan Limbs", the first track of the twenty minute EP, starts very quiet and reduced, centered around her typical guitar tone and surprisingly not her lead vocals, but those of Emily McWilliams, who has been a long-time member of the extended Thou family for a long time. (front left singer on this NPR music tiny desk concert)
Only in the last quarter of the song, when the volume is turned up and the shrill shrieks of Bryan Funck embody pure bestial anxiety, it is confirmed that the rest of this record will presumedly feature some super thick and heavy shit.

Further proof comes in exhibit B, "Crone Dance", where Funck and Emma Ruth Rundle share vocals equally. Technically it's inevitable that the comparison to Cult Of Luna and Julie Christmas comes to mind, even though the vibe of the tracks reminds me more of Subrosa and a version of My Dying Bride with multiplied gravity and bleakness. That final riff is so bad-ass heavy, you can bury a black whole under it.

"Recurrence" is the second track which sees ERR only on a bit of background vocal duty, while her dark melancholic guitar mixes with the sludgiest riff work, over which - almost a little too repetitive - Funck screeches out his entrails again.


Most reviewers will obviously compare the final track "Hollywood" with its original version from The Cranberries.

Well, the thing with me is...
I didn't really care neither for the band nor the scene or genre in the Nineties and I'm not even sure if I have ever heard the song before or if it just sounds loosely familiar because of its vocal phrasing similarities to "Zombie".

I know that this interpretation is pretty awesome though. Not only works the intensity of Thou extremely good with dark 90s alternative rock vibe (which along with a certain grunge influence seems to be a theme throughout the whole EP), but this is also where Emma's breathy voice shines the most.
Just as her famous 2 Minutes To Late Night cover of Kate Bush's "Running Up That Hill" she also absolutely nails this stylistically very different performance.


All in all this is one of those short records you can easily listen to on a loop.

Despite their generally interesting promise I somehow couldn't really find myself in the mood to explore Thou beyond that one show and the occasional clip here and there until now, so I clearly came into this as a fan of Emma Ruth Rundle, and I'm glad that this killer EPs has now properly introduced me to the band.

Will surely be continued when the full-length finally arrives here.




2021-02-12

MONO - Beyond The Past • Live in London with the Platinum Anniversary Orchestra

Livealben haben dieser Tage ja eh schon einen bittersüßen Beigeschmack.

Und wenn sie dann auch noch von einer der mächtigsten Livebands der Gegenwart auf der Spitze ihres Schaffens kommen... puh. Schweig, meine Seele, und lass dich treiben!


MONO - Beyond The Past • Live in London with the Platinum Anniversary Orchestra (2CD) (2021)

Die (99%ig) instrumentalen Postrock-Giganten Mono sind auf der Bühne grundsätzlich eine Bank, wie ich selbst bisher viermal erleben durfte, zuletzt als eines meiner letzten Prä-Corona-Konzerte im Dezember 2019 (knapp eine Woche vor dem hier aufgenommenen Konzert) und am epischsten ein halbes Jahr vorher, als sie in Tilburg das komplette Album "Hymn To The Immortal Wind" mit dem Jo Quail-Streicherquartett und Flügel darboten.

Die Idee, mit Orchester aufzutreten, ist für die Gruppe also nicht neu und wurde in der zwanzigjährigen Bandgeschichte auch schon ein paar mal in unterschiedlichen Größenordnungen  realisiert. Vor allem ist sie natürlich auch extrem naheliegend, da Mono auf ihren Studioalben schon seit jeher mit orchestralen Arrangements arbeiten.

Diesen live einzubeziehen ist also "nur" eine weitere Schicht Volumen, Bombast, Gefühl auf den ohnehin schon unglaublich lauten, überwältigenden Grundsound der vierköpfigen Band an sich. Wobei "nur" selbstverständlich das letzte Wort ist, welches man im Zusammenhang mit diesem hier perfekt für die Ewigkeit konservierten Konzert benutzen darf. Die Wand an Klang und Emotionen, welche Mono und die zahlreichen Mitstreiter hier entfesseln, erreicht eine naturgewaltige Größe, die selbst in der Diskographie der Japaner herausragt.

Natürlich gab es vor kurzem erst die noiserockmusikalisch rauhere Steve-Albini-Studiosession auf "Before The Past • Live From Electrical Audio", doch selbst diese kann sich "Beyond The Past" gegen Ende seiner zweistündigen Spielzeit noch einverleiben, als einem auch hier der über viertelstündige Brocken "Com(?)" mit vollem Besteck durch den Körper gejagt wird.

Und an diesem Punkt ist schon so wahnsinnig viel geschehen. Das Konzert folgt zunächst zwanzig Minuten lang dem letzten Albums "Nowhere Now Here", welches insgesamt die Hälfte der Tracklist ausmacht und einige der zahlreichen Highlights markiert. So hatte mich eruptive Auftakt mit "After You Comes The Flood" blitzschnell in der Tasche und "Breathe", der erste Song der Bandgeschichte mit hauseigenem Gesang durch Basserin Tamaki, unentrinnbar verzaubert. Und was soll man erst zum Titelsong oder dem später im Set auftauchenden Spannungsbogen von "Meet Us Where The Night Ends" sagen?

Das reguläre Programm endet mit einer enorm dynamischen Version von "Halycon" und dem beinahe unverzichtbaren Überflieger "Ashes In The Snow", ehe es in der Zugabe vor dem bereits erwähnten Finale noch eine besondere Überraschung gibt, nämlich die Livepremiere des Stücks "Exit In Darkness" mit Sängerin A.A.Williams von der gleichnamigen EP. So eigenwillig sanft, warm und charismatisch... Gänsehaut!

Das Orchester, die auch hier wieder präsente Freundin der Band, Cellistin Jo Quail, alles ist hier ideal eingebettet. Die Dramaturgie der insgesamt zwölf Stücke lässt die zwei Stunden wie im Fluge vergehen. Dieses Livealbum kann alles. Vermutlich sogar die Kinder ins Bett bringen und zum Frühstück Eier kochen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das Gefühl, diese Genregroßmeister persönlich zu erleben, besser einfangen (und für alle, die nicht speziell bei diesem überlebensgroßen Event dabei gewesen sind, noch ein extra Kirsche obendrauf servieren) kann.

Ich würde "Live in London with the Platinum Anniversary Orchestra" auch ganz klar Mono-Neulingen als Einstieg empfehlen.

Ich selbst habe mir jedenfalls das Doppel-CD-Digipack bestellt. Natürlich gibt es von Pelagic Records auch wie immer schöne limitierte Vinylausgaben, die ich mir diesmal verkniffen habe, da ich mir schon von einer anderen Labelveröffentlichung, die ich hier demnächst bespreche, das (nicht ganz) schwarze Gold gönnen musste. "Musste". Ihr wisst schon...

Das Livealbum erscheint offiziell am Freitag, den neunzehnten März. Wie lange die physischen Tonträger tatsächlich auf sich warten lassen, weiß man speziell heutzutage ja nie wirklich, doch dass sich das Warten auf jeden Fall lohnt, kann ich hiermit hoch und heilig versprechen!











2021-02-11

MANSUR - Karma

Das nächste logische Review nach den beiden neuesten Reissues von The Mount Fuji Doomjazz Corporation und The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble ist natürlich der Blick darauf, was einer der treibenden Köpfe dahinter, Jason Köhnen, heute so macht.

Mansur überzeugten ein paar Monate vor dieser Debüt-LP ja bereits mit der EP "Temple". Womit wir auch schon bei meinem persönlichen Dilemma mit dieser Rezension sind. Da die konzeptionelle Prämisse stabil bleibt, habe ich eigentlich gar keine andere Wahl, als vieles von dem, was ich letztes Jahr schon schrieb zu wiederholen.


MANSUR - Karma (clear vinyl LP) (2020)


Wie schon auf der EP besteht das Trio aus Sängerin Martina Horváth, Ex-Phurpa-Mitglied Dimitry El Demerdashi an der Oud (orientalische Kurzhalslaute) und Jason Köhnen an beinahe allem anderen, also Percussions, Flöten, Keyboards, Samples und wer weiß, was noch alles... Dazu gesellen sich in den zehn durchschnittlich etwa viereinhalb Minuten kurzen Stücken hier und da noch Gastmusiker an Kontrabass und Violine.

In Köhnens Diskographie verortet sich der Sound von Mansur am ehesten auf halber Strecke zwischen dem frühen Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, welches auf "Here Be Dragons" ähnlich nahtlos Zeitlosigkeit und Moderne verband, und den noch stärkeren Arabismen und Mystizismen des direkten Vorgängerprojektes The Thing With Five Eyes.

Insgesamt setzt sich hier der Trend weg von westlichen (Doom)-Jazz- und Klassikeinflüssen, hin zur immer weiteren weltmusikalisch folkloristischen Öffnung fort. Horvárths und El Demerdashis Anteile treffen sich für mich dabei zwischen The Moon And The Nightspirit, Dead Can Dance und Saba Alizadeh. Und mit jedem Vergleich, der mir in den Sinn kommt, fühle ich mich hier ein bisschen wie ein Frevler, der versucht, das magische Moment dieser Musik fort zu analysieren. Zum Glück bin ich zu doof, um das zu schaffen.

Köhnen war ja schon auf mehreren Alben sehr erfolgreich darin, ein menschheits- und weltumspannendes Bild zu malen, und so ist auch Mansurs "Karma" eine Geistesreise um die Welt, bei der man immer glaubt, über mehreren Orten auf gegenüberliegenden Seiten des Globus gleichzeitig zu schweben.

Diese Musik ist fremd und entrückt und gleichzeitig zutiefst vertraut.
Und auch wenn "Karma" bis auf den Ausnahmetrack "Logos" klanglich vordergründig erst einmal wenig mit den dröhnenden Kehlkopfgesängen von Phurpa zu tun hat, so scheint mir hier doch die Gemeinsamkeit einer wilden prähistorischen Urkraft gegeben, eines alle Kulturen verbindenden, auch durch die elektronischen Elemente nicht wegmodernisierten, schamanistischen Elements, welches der Musik eine substanzielle Tiefe verleiht, welche direkt jenen Teil des vererbten Unterbewusstseins triggert, der nach der höheren Bedeutung des Seins fragt.

Die Frage bleibt natürlich wichtiger als die Existenz einer Antwort. Ob hier tatsächlich wissentlich Sinn verbreitet wird, oder ob einfach nur fantastische Schauwerte betörend zusammengefügt wurden, spielt angesichts des - zu den Maximalzielen, die Musik anstreben kann zählenden - Resultats letztendlich nämlich gar keine Rolle.

Denn ein Meisterstück haben Mansur hier in jedem Fall kreiert.

Auf transparentem Vinyl (auch in schwarz und auf CD erhältlich) präsentiert Denovali die Scheibe nicht sensationell, aber gewohnt - und angemessen - schick.

Gesamturteil: ein Traum!



Die Videos von Mansur bleiben auch mit dem Album sehr sehenswert:





2021-02-07

THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION - Anthropomorphic / THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE - Here Be Dragons

Und hiermit geht Denovalis Vinyl-Wiederveröffentlichungsreihe der Alben von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und dessen improvisatorischeren Alias The Mount Fuji Doomjazz Corporation in die nächste Runde!




Wie immer gilt dabei, dass es sich um Doppelalben auf farbigem Vinyl handelt, an dem es optisch, haptisch, klanglich nichts zu Meckern gibt. Alle Alben sind ebenso auf CD erhältlich.






THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION - Anthropomorphic (Clear Yellow vinyl 2LP) (2011/2020)


"Anthropomorphic" sticht nur durch sein knallgelbes Cover aus der Diskographie der Doomjazz Corporation heraus, sondern unterscheidet sich auch in einem anderen Punkt von "Succubus", "Doomjazz Future Corpses", "Egor" und "Roadburn", die ja alle in einer Liveshow mitgeschnitten wurden.

Dieses Album wurde hingegen auf drei verschiedenen Konzerten in den Niederlanden, Polen und Russland von unterschiedlichen Bandbesetzungen aufgenommen - was man allerdings ohne Vorwissen gar nicht merken würde. Auch wenn die vier LP-Seiten als "Space", "Dimension", "Form" und "Function" betitelt sind, morphen die drei Teile zu einem großen einstündigen Stück zusammen, so wie es in der rein digitalen Bandcamp-Version ja auch präsentiert wird.

Der erste, bei weitem längste Teil, der bis tief in die zweite Seite hineinragt, wird nur von Hilary Jeffery an der effektgetränkten Posaune und Eelco Bosman an der selten konkret fassbaren, dröhnenden Gitarre bestritten.
Im zweiten Teil übernimmt Jason Köhnen das Gitarrenfundament, welches sich mit den Elektrogeräuschen Gideon Kiers' vermengt, über das Sarah Anderson an der Geige und Nina Hitz am Cello ihre Bilder malen.
Bis auf das Cello kommen im dritten Teil dann alle Instrumente zusammen und werden durch sparsame, aber umso effektivere Einsätze von Drums (Ron Goris) und mystischem Gesang (Charlotte Cegarra) komplettiert.

Melodien schälen sich nur selten heraus. Wer erwartet, dass dies irgendwann zu einem "richtigen" Song wird, der ist hier verkehrt. Nein, "Anthropomorphic" hat noch nicht einmal einen Schluss, sondern fadet auf dem Tonträger aus, kann im Kopf aber noch eine Ewigkeit weiterlaufen.
Alles hier ist Textur und Atmosphäre, bis zur Unendlichkeit verlangsamter Free Jazz. Und da dies auf meisterhaftem Niveau geschieht, muss es auch gar nicht mehr sein. Gerade die relativ reduzierte Besetzung der Corporation für drei Viertel der Albumspielzeit, übt hier einen besonderen Reiz auf mich aus.

Grafisch - und dann noch mit den gelb transparenten Schallplatten - ist das Ding natürlich auch ein Traum. Das ist ganz großes Design.








THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE - Here Be Dragons (Swamp Green vinyl 2LP) (2009/2020)

Was die Vinylfarbe angeht, ist die neue Pressung des zweiten Darkjazz Ensemble-Albums "Here Be Dragons" ganz klar subtiler, kann man ohne Gegenlicht doch glatt übersehen, dass es sich überhaupt um grün statt schwarz handelt.

Das passt auch zum musikalischen Inhalt, der wesentlich tiefer und facettenreicher ist, als ein das oberflächliche Anspielen eines beliebigen seiner neun Tracks vermitteln würde.

Was das Kilimanjaro Darkjazz Ensemble macht, ist schon stets nachvollziehbarer strukturiert als die Slow-Motion-Eskapaden der Doomjazz Corporation, wer also eher auf übersichtliche Songs, teilweise sogar mit samtweich gesäuselten Gesangsstrophen (Ich fühle mich oft ans Kaiti Kink Ensemble erinnert.) steht, der legt diese Alben sicher eher auf.

Und auf "Here Be Dragons" ist die Idee der Band wohl am dichtesten realisiert.
Unmengen cineastischer Bilder beschwörender Jazz, der einem durch das getragene Tempo sehr viel Zeit gibt, all seine sehnsuchtsvollen Streicher-, Posaunen-, Klaviereinsätze zu genießen.

Da die Rhythmen komplett von Elektroinstallateur Gideon Kiers gesampelt / programmiert sind, verschiebt sich allein hierdurch schon der stilistische Rahmen hier und dort weg vom tatsächlichen Jazz zu Dub, fast schon Trip-Hop und Post Rock, ehe im finalen "The MacGuffin" alles zerfasert und sich in Ambient und Noise auflöst.

Atmosphärisch bleiben Köhnen, Cegarra und Co. dabei allerdings immer sehr koherent und entlassen einen für keinen Moment aus der spannungsgeladenen Szenerie ihres imaginären Films.
Neben dem Corporation-Album "Succubus" scheint mir "There Be Dragons" so das am klarsten das Genre Doomjazz definierendste Werk des Ensembles zu sein.

Essentiell.






2021-02-06

BANDCAMP DAY Februar 2021 mit CHELSEA WOLFE feat. EMMA RUTH RUNDLE, RYLEY WALKER and KIKAGAKU MOYO und BURNPILOT

Auweia, ich horte und ordere im Moment doch schon wieder viel mehr Musik, als ich überhaupt angemessen konsumieren kann! Und dann kommt auch noch der Bandcamp Friday aus dem Winterurlaub zurück. Für die nächsten Monate gilt also wieder, dass jeweils am ersten Freitag Bandcamp auf Gebühren verzichtet und hundert Prozent der Einnahmen an die Künstler/Labels gehen.

Da ich wie gesagt erstmal wieder mit dem Hören hinterher kommen muss, habe ich mich einigermaßen zurückgehalten und ein paar interessante Veröffentlichungen zunächst nur vorgemerkt.

Diese drei waren allerdings zwingend fällig: 



CHELSEA WOLFE feat. EMMA RUTH RUNDLE - Anhedonia (download) (2021)

Bereits vor einer Woche erschienen, ist dieser gemeinsame Song der beiden Sargent House-Gewächse Chelsea Wolfe und Emma Ruth Rundle natürlich für jeden Fan ein absoluter No-Brainer. Mit beiden Künstlerinnen an Gesang und Gitarre, und von Ben Chisholm mit reichlich Synthieatmosphäre unterlegt, ist "Anhedonia" eine auch textlich sehr bewegende Düsterballade, die viele Hörer unweigerlich nach einem gemeinsamen Album schreien lässt.
Ich persönlich finde nicht, dass man diese Magie überstrapazieren sollte. Doch ein physischer Labelsampler, der verschiedene einzeln veröffentlichte Solosongs und Kollaborationen (natürlich inklusive Namen wie Lingua Ignota, Brutus, Dylan Carlson, Jaye JayleMutoid Man) zusammenstellt, wäre schon eine Idee, oder?




RYLEY WALKER and KIKAGAKU MOYO - Deep Fried Grandeur (download) (2021)

Der Singer/Songwriter Ryley Walker war mir bisher nicht bekannt, und allzu viel wird mich dieses Album über seinen regulären Sound sicherlich auch nicht lehren, handelt es sich doch um die Liveaufnahme eines Konzerts vom Le Guess Who? Festival 2018, für das ihn die Veranstalter gebeten haben, mit einer anderen Band des Billings zu kooperieren. Zur Freude aller Freunde erstklassiger Psychedlic-Rock-Improvisation hat er dafür die Japaner Kikagaku Moyo ausgewählt.
Ähnlich wie deren Jam mit Earthless, den ich 2018 auf dem Roadburn Festival bezeugen durfte, ist das, was die insgesamt neun Musiker hier vom Stapel lassen, Garant für offene Münder und entrückte Glückseligkeit. Allerfeinster weltmusikalisch angehauchter Jam auf einem Niveau, das ähnlich noch von Größen wie Brian Ellis oder Causa Sui rausgehauen werden dürfte. Wem das auf Schallplatte erschwinglich über den Weg läuft, der sollte auf jeden Fall zugreifen!




BURNPILOT - Infinitism (black/white vinyl) (2020)

Dieses aktuelle Album des Pink Tank Records-Trios aus der Stadt, die es nicht gibt, kam bereits letztes Jahr im April raus, ging damals allerdings wie so vieles komplett an mir vorbei. Zum Glück konnte ich mit nun aber immer noch eines der letzten Exemplare der schwarz/weiß geteilten Schallplattenversion sichern.
Beide Seiten bestehen jeweils aus einer langen, überwiegend instrumentalen Krautrockachterbahnfahrt, was mit der traditionellen Selbstbeschreibung als "Psychedelic Punk" nur noch punktuell rudimentär zu tun hat, was mir aber gar nichts ausmacht, da diese abenteuerlich ausschweifende, hier tanzbar auf der Bassdrum umpffumpffende, dort ruhelos voranpreschend rockende und anderswo elektronisch wabernde Version der Band ja auch schon live 2018 mein Lieblingspilot gewesen ist. "Infinitism" ist in Nachbarschaft von Alben wie Slifts "Ummon" und "\ /" von den Labelkollegen Camel Driver nun auf jeden Fall auch einer meiner Psych-Lieblinglinge 2020.  


EDIT 19.02.: Die LP ist zwischenzeitlich angekommen. Ist schwer, klingt gut und sieht schön schwarzweiß aus.




2021-02-04

It's February. Obviously. (But what does it mean for this blog?)

 


In previous years this picture would have looked different, because I made it a Christmas tradition to gift myself a calendar with prints of concert photographs I had taken with my Harinezumi camera during the year.
This time there was of course a painful lack of material to do that, so I just bought an empty calendar on which I tape some old stuff at the beginning of each month. Which is nice too, since it gives some old prints a purpose for a couple of weeks.

But yeah, it's now one year since I was able to write about a live show on this blog. Which is not only sad for the fact that I fucking need live music in my life, but also because those live reviews have kind of become the soul of this whole blog operation.
Of course they never made the majority of entries here, but without them my motivation - or let's better say my creative inspiration - to write about music in general is... not really declining, but surely wavering to some degree.


Partially it may also be an attention matter. Not that I generally have a big problem with writing mostly for myself and a rather small crowd (I wouldn't randomly switch between english and german or just change the blog title as often as I do if I had), but it is nice to get some traction here and there. And that mainly happens through artists who actively share my writings on facebook (like Laibach as a prime example) and live reviews plus the occasional other lucky link.

Some photographic topics also have that potential to attract viewers, but I've been getting more and more behind in scanning, editing and publishing my pictures, and I don't see that changing in the near future. Especially for the editing part I just rarely find the nerves these days, even though I mostly just clean up scratches and lint from the negatives.

I didn't even bother to compilate my photographic highlights of 2020 here. I have still shot stuff (both released and unreleased) which I'm pretty happy with, but there are just too many distractions and changes outside of my hobbies right now, and ultimately I have to draw some lines where I admit that just don't have enough time and energy left at the moment.


One of said changes is that I'm transitioning into a new full-time job outside of my home right now. I know, that's not the most exemplary move during a pandemic, but it's just impossible to learn new tasks and processes from the reclusive comfort of your home office. It's a relatively safe environment, the occasional covid-19 test inclusive, though. That test isn't as bad as I imagined it to be, but boy, I'm still very much in for the vaccine, so please bring it!

And while there are of course significants ups about my new occupation (why else would I've taken it?), there are of course a couple of downsides, which might affect the form and/or frequency of this blog. Less opportunity to listen to music is undoubtly a major one, but also the luxury of just writing or proof-reading a couple of lines during lunch break will surely be missed.

So if there'll be significantly less post here in the future, you have an idea why that's the case. But maybe there won't even be such a drastic difference. I honestly don't know. Let's just see how things go...


What I know for sure though is that it's only around ten hours until the next Bandcamp Friday.

So what are you waiting for? Get this one!


Or this!




Or this!





It's all pay what you want, so where's the harm? Come on! :)