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2020-06-27

DEAD NEANDERTHALS - Blood Rite

Brrrrp brrroooop krrrrgh üüüuuurrgh!

If you're hoping that Dead Neanderthals will one day drop their chill-out cool jazz jam, the title and cover artwork of this impending cassette release should already tell you that this certainly is not it.


DEAD NEANDERTHALS - Blood Rite (2020)


No, instead of anything even closely reminiscent of jazz "Blood Rite" is one mean nasty hulk of a track, spanning exactly twenty-seven minutes, which are filled with almost ridiculously distorted, slowly crawling doom death that drags your rotten ear mercilessly through the pungent sludge.

Drummer René Aquarius also delivers - a first for Dead Neanderthals - vocals, which are the most guttural and bell witchy you can get. In true fundamentalist extreme metal underground (and also funeral doom) tradition they are deliberately buried deep in the intestines of the mix.
Yes, René's death metal side from Cryptae is bleeding into this recording with a chewy strand of gooey pus.

Of course Otto Kokke, the other half of the Dutch duo is also playing an instrument on "Blood Rite".

Yes, I know which instrument it is, but honestly it almost doesn't matter, because that Earth's core shattering distortion is so overwhelming, what difference does it make if the original sound is a flute, a marimba or a self-made lute with rubber band strings?

Just know that the whole sound of this is extremely old-school Sunn O))), droning, creeping, punishing in all the right ways. Actually the sonic direction is close to that of the also still very recent Neanderthals spinoff Twin Sister, yet this is definitely gnarlier and rawer.

So what's the verdict? This is good stuff, man! I don't care if it bores you, but once again Dead Neanderthals get a big gurgling Fuck Yeah! from me.

"Blood Rite" will be premiered and up for pre-sale on Monday on Bandcamp.










2020-06-21

ZOLA JESUS - Live At Roadburn 2018

Eigentlich wollte ich die Halbjahresliste meiner zwölf Lieblingsalben des bisherigen Jahres 2020 ja erst nächstes Wochenende in den Äther pusten, doch dann kam dieses Ding mit der Post an und ich dachte mir: Jesus! Jetzt wird es ja noch schwerer als ohnehin schon, mich zu entscheiden!

Habe jene Liste dann schnell fertiggestellt, ohne es zu berücksichtigen. Dafür gibt es das Rezensiönchen nun auch gleich hinterher.





ZOLA JESUS - Live At Roadburn 2018 (clear/black pin wheel vinyl 2LP) (2020)

Über Livealben zu schreiben, wenn man das Konzert selbst schon einmal beschrieben hat, fühlt sich schon ein wenig redundant an. Vor allem dann, wenn sich am begeisterten Eindruck aus der Mitte der ersten Reihe in den zwei seitdem vergangenen Jahren nichts geändert hat.

Zola Jesus live in der Koepelhal auf dem Roadburn Festival. Das war sowohl für das Festival als Ganzes, als auch für das Publikum und die Künstlerin selbst ein ganz speziell bemerkenswertes Konzert. Eine so große stilistische Öffnung hin zum düsteren Elektro-Artpop hatte es vorher noch nicht gegeben.
Und dann war die Show auch noch inmitten eines der tödlichsten Clash-Cluster plaziert, die ich je auf einer Running Order gesehen habe. Und doch war die Bude proppevoll und die Sängerin schlug alle in ihren Bann.

Ihre während der manchmal sympathisch fahrigen Ansagen sichtliche Nervosität hat Zola Jesus mehr als erfolgreich in eine spürbar emotionale, energische Gänsehautperformance gewandelt und so - instrumental unterstützt durch eine Viola-Spielerin und einen ambient- und geräuschorientierten Gitarristen - für eines der grandiosesten, erinnernswertesten Erlebnisse des aus meiner Sicht historisch stark besetzten Roadburn-Jahres 2018 gesorgt.

Dass dieses Zeugnis davon nun die Welt erblickt hat (und angesichts der Einführung des "Bandcamp-Freitags", an dem alle Erlöse komplett an die Künstler gehen, der Veröffentlichungstermin sogar spontan drastisch vorgezogen wurde), ist daher nur folgerichtig.

Auch wenn man das in der Setlist hauptsächlich vertretene Studiowerk "Okovi" schon besitzt, lohnt sich die Anschaffung des Livealbums auf jeden Fall.

Auch optisch kann sich die Doppel-LP im Gatefold sehen lassen. Es gibt verschiedene Vinylvarianten (außerdem CD), die sich alle sehen lassen können. Ich habe mich für das schwarzweiße "Windrädchen " entschieden:




Ein Schmuckstück in allen Belangen. Wunderbar!







MIDYEAR TOP 12 : my favorite albums of 2020 (so far)

I've shared this on my profile and several groups on facebook yesterday, so why not also here?

Half of 2020 is almost over, so as one does these days here are my TOP 12 favorite albums so far, short and sweet, without further ramblings and not seperated by sub-categories like studio / live albums, boxes or whatever yet.




  1. LAIBACH


  2. TRIPTYKON with METROPOLE ORKEST


  3. DOOL


  4. BILL LASWELL


  5. BOHREN & DER CLUB OF GORE


  6. THE NECKS


  7. ORANSSI PAZUZU


  8. BADA


  9. INSECT ARK


  10. CAMEL DRIVER


  11. RADAR MEN FROM THE MOON


  12. CIRITH UNGOL




2020-06-17

RADAR MEN FROM THE MOON - The Bestial Light



Fuck je, Ik doe niet wat je me zegt!


RADAR MEN
AGAINST THE MACHINE

































































Na, das wäre doch ein schönes kleines, auf den Punkt gebrachtes Review gewesen.

Aber zumindest ein paar Zeilen mehr sollen es dann doch sein.




RADAR MEN FROM THE MOON - The Bestial Light (clear LP) (2020)


Die Niederländer RMFTM aka Radar Men From The Moon pflegen zwar auf all ihren bisherigen Veröffentlichungen einige wiedererkennbare Merkmale, sind allerdings deswegen noch lange nicht zu jenen Bands zu zählen, die sklavisch an ihrem etablierten Sound kleben.

Tatsächlich variiert die als Trio gestartete Instrumentalgruppe nicht nur ihren Stil an sich, sondern auch die gespielten Instrumente und die Anzahl der beteiligten Musiker von Album zu EP zu Album.
Und wenn das Spielfeld zwischen Roboterkraut, Psych Jam, Industrial, postmetallischer Heaviness und Elektrodrone noch deutlich weiter verbreitert werden soll, tut man sich auch gerne für ein komplettes Album mit anderen Bands wie z.B. 10.000 Russos zusammen.

"The Bestial Light" fährt mit sechs Mitgliedern das bisher größte reine Radar Men-Line-Up auf. Die Band besteht nun aus Bass, zwei Gitarren, zwei Drummern und einem Sänger, der zur diesmal sehr aggressiven Riff- und Rhythmusmacht in bester Agit-Manier persönlich und politisch herumschimpft.
Mein ursprünglicher Reviewansatz kommt also nicht von Ungefähr, sondern war tatsächlich das erste, was mir zu diesem Album einfiel.

Ob zwei synchrone Schlagzeuge, Gezeter mit Punkattitüde, ja sogar das Element, dass der Shouter in dem einen, poetisch "Sacred Cunt Of The Universe" getauften Stück, in dem er die Fresse hält, stattdessen zum Saxofon greift, ist so ähnlich schon von Temple Ov BBV, der fantastischen Kooperation mit Gnod  vertraut.

Im Grunde halten aber auch alle anderen Phasen der sehr fleißigen zehnjährigen Bandgeschichte in "The Bestial Light" Einzug und verbinden sich zu einem exzellent angepissten, brutal eingängigen Hassklotz mit unverkennbarer Psychedelik-Note.
Wer die Radar Men From The Moon vornehmlich von ihrem Debüt "Echo Forever" oder der "Subversive"-Trilogie kennt, den mag dieses Werk vielleicht überraschen, doch alles in allem ist dieser Evolutionsschritt der Band durchaus logisch nachvollziehbar.

Und er ist schweinegut. "The Bestial Light" haut den Putz von der Decke und wird RMFTM bei allem Risiko, den ein oder anderen Fan zu verprellen, gewiss auch viele neue Hörer erschließen.


So sieht die transparente Vinylscheibe aus:





Und so klingen die Stücke des Albums, wenn man sie in einer Isolation Session live spielt:



De Jongens kunnen het einfach. Definitiv ein Heavy-Psych-Higlight des Jahres!





2020-06-08

LOUISE LEMÓN - Devil

Eine neue Schallplatte von Louise Lemón, und sie steckt nicht in einer wichtigtuerischen, zehn Meter dicken Box?

Die Verwunderung weicht schnell der Erkenntnis, dass es sich diesmal ja auch nur um etwas über einer Viertelstunde Musik auf einer 45rpm-EP handelt.




LOUISE LEMÓN - Devil (12" EP) (2020)


Die Grundidee dieser im Proberaum von Lemóns Band aufgenommenen Kurzspielplatte war es, im Vergleich zum letzten Album etwas weniger produziert, etwas rauer und intimer zu klingen.

Nicht dass ich auf "A Broken Heart Is An Open Heart" irgendein Problem in Produktion oder Performance ausmachen könnte; es ist schließlich nicht grundlos auf Platz 4 meiner Alben des Jahres 2019 gelandet. Gerade die Rolle der Band hat mir darauf ausgesprochen gut gefallen.

Eine Verschlimmbesserung hat hier aber zum Glück auch nicht stattgefunden. Louise Lemóns warme, zwar oft dramatische, aber nie zu divenhaft angebende Stimme ist nach wie vor eine Wohltat fürs Ohr, und ihr Stil bleibt in allen Belangen klar erkennbar.

Jeder der fünf kurzen Tracks demonstriert davon eine etwas andere Facette.
Die im Vergleich durchaus etwas spontanere Banddynamik ist vor allem im leicht bluesrockigen Anstrich des Openers / Titelstücks und im gegen Ende bombastisch gospelnden "Taurus Woman" zu spüren.

Die lyncheske Gitarre in "Forever Alone" bereichert die sakrale Atmosphäre der düsteren Soulmusik um eine coole Note.  

Spätestens wenn die Gitarre wunderschön in die Pianoballade "Bathe In Gold" hineinjammert, fällt einem allerdings das sicherlich größte Manko dieser Veröffentlichung auf: Sowohl das ganze Teil als auch insbesondere die Titel der B-Seite sind schon verdammt kurz.

Ich wünsche mir im Grunde bei vier der fünf Songs, sie würden sich noch etwas mehr steigern, noch etwas länger bleiben. Die Musik der Schwedin teast immer einen Tick mehr an, als sie am Ende einlöst. Das kann auch durchaus so gewollt sein und macht "Devil" auf jeden Fall zu einer dieser EPs, die ich auch mal mehrmals direkt hintereinander hören kann bzw. muss.

Und jedes Mal stellt sich bei der Ankunft im hymnischen Mix aus Gitarren-, Rhodes- und Orgelsounds von "All My Tears" ein melancholisch erhabenes Glücksgefühl ein.

*hach*




2020-06-06

THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE - I Foresee The Dark Ahead, If I Stay / THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION - Doomjazz Future Corpses!

Auch wenn uns Jason Köhnen nach wie vor mit seinen kleiner besetzten Projekten, allen voran The Thing With Five Eyes und Bong-Ra, beglückt, so ist es nach wie vor ein Jammer, dass das im Jahr 2000 gegründete Kilimanjaro Darkjazz Ensemble logistisch und finanziell nicht zu halten war.
Experimentelle Randgruppenmusik, die irgendwo zwischen Free Jazz, Ambient, Elektronik, advantgardistischer Klassik, Post Rock, Doom, Drone und Dub lebt und doch in keinem dieser Genres ganz zu Hause ist, macht anscheinend doch nicht super sorglos reich.

Reichtum schadet auf jeden Fall auch für den Fan nicht, sind doch die Tonträger sowohl des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles als auch der Mount Fuji Doomjazz Corporation (Alias für die dunklere, noch improvisationslastigere Seite der Band) meist nur zu Mondpreisen zu haben, insbesondere auf Vinyl.

Es sei denn, man bekommt rechtzeitig mit, wenn eine Neupressung bei Denovali vorbestellbar ist, so wie im Fall dieser beiden Alben:






Das erste Werk ist streng genommen eine Compilation, welche 2011 ausschließlich als Download erschien und nun mit neun Jahren Verspätung erstmals auf Vinyl (und ebenso CD) erhältlich ist:



THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE - I Foresee The Dark Ahead, If I Stay (white vinyl 2LP) (2011/2020)

Das Ziel dieser Zusammenstellung, die aus Material der drei Alben und einer EP, vorher unveröffentlichten Tracks und einem in einem Stück eingebetteten Cover des Breakcore-Künstlers Venetian Snares besteht, war es, den vollen Abwechslungsreichtum des Darkjazz Ensembles abzubilden.

Dies ist mehr als gelungen, spiegeln sich auf den vier unschuldig weißen LP-Seiten doch tatsächlich mindestens alle weiter oben genannten Stilrichtungen wieder.


Die innerhalb einer Zeitspanne von sechs Jahren live in den Niederlanden, Ungarn, Polen, Spanien und Slowenien aufgenommenen Titel habe alle etwas andere Schwerpunkte. So geht es hier mal zwischen Postrock und cineastischem Doomjazz schwermütelnd zu, wird dort mal geradezu leichtfüßig geswingt, oder stehen sich im Finale "The MacGuffin" Köhnens heavy verzerrter Bass, elektronisches Ambientgwaber und elegische Bläser im musikalischen Mexican Standoff gegenüber.

Auf einen spezifischen Stil "plus Gimmicks" herunterbrechen kann man das Kilimanjaro Darkjazz Ensemble dabei niemals wirklich. Die Verkittung der unterschiedlichen Elemente vollzieht sich so nahtlos und natürlich, dass man ohne Hinweis nicht einmal merken würde, dass es sich hier nicht um das Ergebnis einer einzigen zusammenhängenden Aufnahmesession handelt.

In Kombination mit der hier präsentierten enormen epochalen, sehnsuchtsvollen Wucht und der schieren Qualität des Gebotenen bewirkt das genreübergreifende Wesen von "I Foresee The Dark Ahead, If I Stay", dass ich im Grunde kaum einen Fan irgendeines Musikstils zwischen smoother Jazz Fusion, neoklassischem Soundtrack, Post- und Psychedelic Rock und experimenteller Musik als potentiellen Fan pauschal ausschließen würde.

Einsortieren unter: DeadCanBohrenSigurRósMilesDavis-Superjam.







Sucht man sich die allerlangsamsten Momente des Darkjazz Ensembles heraus, spielt sie zehnfach verlangsamt ab und lässt einen Wal dazu singen, so kommt man klanglich vielleicht in Nähe des 2007 live in Amsterdam entstandenen Debüts von The Mount Fuji Doomjazz Corporation.




THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION - Doomjazz Future Corpses! (silver vinyl 2LP) (2007/2020)

"Doomjazz Future Corpses!" stürzt sich im Zeitlupentempo mit wesentlich größerer Düsternis und Heaviness auf den Hörer.

Dass Drone Metal der Marke Sunn O))) und Free Jazz eine beachtliche Schnittmenge besitzen ist Freunden des Genres natürlich bekannt. Hier wird sie in konsequentester Form zelebriert.

Der zähflüssig brummende und erhaben trompetende Doomjazzklotz ist im beiliegenden Digitaldownload zwar in neun unbetitelte Tracks aufgeteilt, doch diese Portionierung ist im Grunde komplett unnötig und rein akademisch. In Wirklichkeit rührt die Corporation eine einzige siebzigminütige Soße an.

Auf der silbernen Doppel-LP funktioniert dies natürlich nicht. Hier wird der minutenlange Dröhnton (und mindestens einer davon ist immer da) einfach konsequent ohne abfederndes Ausfaden brutal unterbrochen, was ein bisschen fies ist - irgendwie in seiner gemeinen Unvermitteltheit aber auch gerade richtig so.



Wem "I Foresee The Dark Ahead, If I Stay" gefällt, der wird ausdrücklich nicht automatisch Gefallen an "Doomjazz Future Corpses!" finden. Dafür lotet diese Inkarnation der Band einfach zu sehr die Extreme aus.

Wer allerdings eher aus der brutalen Metal-Ecke kommt und bereits freudigen Kontakt mit ultrageduldigem Drone Doom / Drone Metal in der Vita stehen hat, der mag hier allerdings durchaus den besseren Einstieg finden und sich womöglich Hals über Kopf in ein Meisterwerk des Genres verlieben, welches auch die Tore in die Welt von Ambient und Advantgarde Jazz weit öffnen kann.


Nebeneinander bilden die beiden Doppelalbum auf jeden Fall ein monumentales Spektrum der Grandiosität des Kilimanjaro/Mount Fuji-Projekts ab.

Und sie machen auch schon ein wenig Vorfreude auf Jason Köhnens neue Band Mansur, die teilweise in ähnliche Fußstapfen tritt und deren Debüt bereits - ebenfalls bei Denovali - vorbestellbar ist.






2020-06-05

BANDCAMP DAY Juni 2020, mit DOOLHOF, GOLD, JO QUAIL und THE YAZZ AHMED QUINTET

So schnell kann ein Monat um sein! Es ist (noch) Freitag, der 5. Juni und schon wieder Bandcamp-Tag, d.h. die Seite verzichtet auf Gebühren, so dass alle Einnahmen zu hundert Prozent an die Künstler gehen.

Nicht alle Musiker nehmen diesen Covid 19-Bonus in Anspruch und locken entweder mit Rabattaktionen oder spenden ihren Gewinn wiederum an einen guten Zweck.
Mein Vorsatz, das muss ich ganz ehrlich zugeben, war eigentlich, mich komplett fernzuhalten, um mein für diesen Zeitpunkt innerhalb des Monats schon genug strapaziertes Portemonaie zu entlasten.
So ganz geklappt hat dies natürlich nicht.




Hier also meine Einkäufe:



THE YAZZ AHMED QUINTET - When We Were Live (download) (2020)

Genau wie letzten Monat eröffnet Yazz Ahmed den Reigen und steht aus Dringlichkeitsgründen hier an erster Stelle, da sie uns wieder die Pistole Trompete auf die Brust setzt und ihren aktuellen Download exklusiv nur dieses Wochenende anbietet.
Dies ist an sich schon beinahe aberwitzig, denn Liveaufnahmen der "Hohepriesterin des psychedelischen Arabischen Jazz" (Bandcamp-Profiltext) und ihrer exzellenten Band verdienen generell größtmögliche Verbreitung und Beachtung.

Bei dem zusammen fünfzig Minuten langem Material handelt es sich um im Sommer 2018 aufgenommene Darbietungen von fünf Stücken. Drei stammen vom damals aktuellen Album "La Saboteuse". Dazu gibt es "Lahan Al-Mansour" vom letztjährigen Meisterwerk "Polyhymnia" zu hören, sowie einen bisher unveröffentlichten Song namens "Whispering Gallery".

Mein Eindruck aus eigenem Erleben auf dem Überjazz Festival 2018 bestätigt sich hier: Ahmeds Mix aus Orient und Okzident, aus Jazz(fusion)-Tradition und elektronischer Moderne ist besonders live ein magisches Ereignis. Fantastisch!






GOLD - The Bedroom Sessions (download) (2020)

Auch die Niederländer Gold reiten nicht ihr erstes Bandcamp-Day-Rodeo und bieten erneut eine EP, wahlweise auch im Bündel mit physischen Extras wie T-Shirts, Postkarten oder den wieder blitzschnell ausverkauften handgeschriebenen Texten und Filmfotografien an.

Nach den "Isolation Sessions" nun also die "Bedroom Sessions". Nach der Beschreibung könnte es sich hierbei auch um die schlimmere Variante des Pandemie-Entertainments handeln; Sängerin Milena Eva und Gitarrist Thomas Sciarone interpretieren im Schlafzimmer entkernte Versionen vier eigener Songs plus - und das ist die größte Bedrohung - ausgerechnet ein Cover von Bob Dylans "Blowin' In The Wing". Auweia.

Doch gerade jenes Stück entpuppt sich mit aktualisiertem Text und vergoldeter Melodieführung als ein echtes Highlight dieser kleinen, feinen und durchaus auch in einem Studio zur Welt gekommen sein könnenden Veröffentlichung. Eine wunderschöne EP im getragen geduldigen Rhythmus ganz langsamer Dead Can Dance-Stücke. Und gegen Ende in "Teenage Lust" sogar mit einer Spur von Drone.






JO QUAIL - The Parodos Cairn (download) (2020)

Normalerweise sowohl alleine mit Loops und Pedalen, als auch als Gast wild in der Welt der anspruchsvolleren Metal/Postrock/Folk/usw.-Szene herumgeigend (Gibt es eigentlich ein entsprechendes Verb für das Cello?), zeigt sich Jo Quail auf diesem etwas über sieben Minuten langem Track mal von einer anderen Seite, nämlich als Arrangeurin und Massenkollaborateurin aus Quarantänelangeweile. "The Parodos Cairn" besteht nämlich aus 167 Musik-, Geräusch und Sprachsamplefetzen, die ihr von 124 Mitwirkenden aus allen Ecken des Globus zugeschickt wurden.

Und man muss sagen, dass sie aus dem Material eine naturgemäß ziemlich vielfältige, aber dabei auch durchaus stimmige Ambient-Reise zusammengestellt hat, die mich atmosphärisch bisweilen an den Stachelgeiger Saba Alizadeh erinnert.

Der Track ist umsonst, kann aber nach eigenem Ermessen mit einer Spende belohnt werden, welche direkt an die britische Clubrettungsinitiave Save Our Venues geht.



Apropos Jo Quail allein zu Hause: Gerade erst Anfang der Woche hat sie im Rahmen des Slay At Home Festivals von Metal Injection in ihrem gewohnten Element ein paar ihrer geloopten Cello-Kompositionen zum Besten gegeben:






DOOLHOF - Doolhof (download) (2020)

Ok. Wem alles vorherige hier noch zu gefällig und hörbar war, für den gibt es nun abschließend noch eine Entwarnung: Macht euch keine Sorgen, ich bleibe dem kranken Scheiß natürlich als Hörer erhalten! Insbesondere natürlich, wenn mir mit einem Album wie in diesem Fall ein Herzenswunsch erfüllt wird, schrieb ich in meinem letzten Roadburn Festival-Review doch: "Concerning wishes for future live at Roadburn releases Doolhof are my absolute number one."

Und genau die dort einmalig aufgeführte, ultraexperimentell improvisierte Advantgardeambientnoisedroneperformance der Herren Turner (Sumac), Brooks (Dälek) und Dennis Tyfus gibt es hier nun auf die Ohren.
Was sogar großen Teilen des abenteuerlustigen tilburger Publikums vor Ort zu viel war, das bleibt auch in der Aufzeichnung großartig. Der Mix aus geräuschender Gitarre, Samples, superbassiger Elektronik und vollkommen irrem äh... Gesang ist einfach ganz gewaltige Tonkunst.

Nur darüber, ob das hastig dahingekritzelte Cover nicht evtl. noch steigerungsfähig gewesen wäre, lässt sich natürlich noch diskutieren.

Der Erlös des Albums geht - wie alle diesen Monat erschienenen Bandcamp-Releases von Aaron Turners Label SIGE Records - an diverse nordamerikanische Bürgerrechts- und Hilfsorganisationen, die sich u.a. der Lage der Schwarzen, Opfern von Polizeigewalt, aber auch der Covid-19-Vorsorge der indigenen Navajo Nation widmen. 










2020-06-03

ZIFIR - Demoniac Ethics

Nanu. Für eine Weile hatte ich mir doch tatsächlich eingebildet, hier ein Review zum 2017 erschienenen Zifir-Album "Kingdom Of Nothingness" verfasst zu haben.

Dass ich es nicht getan habe, ist einerseits schade, da die Scheibe es ja allein für ihr großartiges Coverartwork verdient hätte. Anderseits muss ich mich dafür im folgenden Text nicht groß wiederholen, denn am grundsätzlichen Sound der Türken hat sich auf dem aktuellen, erneut auf dem norwegischen Label Duplicate Records erschienenen Album an sich nichts geändert. Und das ist auch gut so.




ZIFIR - Demoniac Ethics (grey vinyl) (2020)


Der erfrischend unverklausiert religionsfeindliche Black Metal Zifirs war schon auf "Kingdom of Nothingness" klangästhetisch ganz klar den frühen Neunzigern, also schrammelig schriller Gitarre plus Drums plus Heisergekrächze verpflichtet. Das Duo verzichtete zwar nicht ganz auf einen Bass, brachte ihn im Mix aber sehr unauffällig - und sehr dicht auf der Bassdrum gespielt - unter, um den gewünschten Gesamteindruck nicht zu verwaschen.

Auf "Demoniac Ethics" ist die Gruppe nun allerdings ganz offiziell zum Trio gewachsen, was dem Viersaiter offenbar einen etwas präsenteren Auftritt erlaubt. Überhaupt muss man sagen, dass die Produktion in allen Belangen eine Nummer dicker aufträgt, ohne den rauen, ursprünglichen Geist zu verraten.

Der für die Band sehr typische Effekt, dass man sich mitunter wundert, was für eine gefühlte Breite der widerborstige Primitivsound entfaltet (Spoiler: Es liegt hauptsächlich an den einfach guten Gitarrenarrangements), ist auf dem neuen Album nicht mehr ganz so extrem. Aber dafür haut halt alles fetter rein.

Als fortgesetzte Tradition - und i-Tüpfelchen des Zifir-Sounds - werden dem garstigen Schwarzmetall auch auf "Demoniac Ethics" wieder klerikale Chöre entgegengestellt, welche an die orthoxen Gesänge von Batushka (jetzt komme man mir bitte nicht mit welche Batushka...) erinnern und enorm viel zur Atmosphäre beitragen.

Zum Verhältnis der beiden Alben zueinander kann man abschließend sagen, dass Zifir sich zweifellos sehr treu geblieben sind, aber alles noch ein bisschen besser machen als auf dem letzten Werk.

Geiler Black Metal, der in erster Linie immer noch böse kratzt und scheppert, sich durch relativ wenige entscheidende Kniffe jedoch gut und unverkennbar vom Einerlei abhebt.




Optisch weiß die Scheibe ebenfalls wieder sehr zu gefallen, wurde das Cover doch erneut von Alptraumkünstler Vergvoktre verantwortet.

Schön böse. Böse gut.





2020-05-31

CIRITH UNGOL - Forever Black

Manchmal ist es nur ein Satz oder ein Wort, welches mir im Kopf herumschwirrt, welches darüber entscheidet, ob ich eine Plattenkritik auf deutsch oder englisch verfasse.

So ist über Cirith Ungol zu schreiben, wahrscheinlich generell auf englisch immer ein bisschen einfacher, schon weil es für die Vokabel "unapologetic" einfach keine alltäglich geläufige deutsche Entsprechung gibt, die wirklich genau trifft, was damit gemeint ist.

Gegründet bereits Neunzehnhundertfuckingzweiundsiebzig, kann man die kalifornischen Heavy-Metal-Pioniere zum Zeitpunkt ihres Debütalbums "Frost And Fire" (1981) in eine Reihe mit NWoBHM-Bands wie Satan oder Angel Witch stellen, jenen Bands, also, die es ein bisschen böser und verschrobener als der Rest ihrer Genregenossen mochten - und immer noch sehr überzeugend mögen.

Spätestens nach ihrer Auflösung 1992 wurden Cirith Ungol dann zu einer jener mythischen Gruppen, deren Einfluss auf Legionen anderer Bands den eigenen kommerziellen Erfolg weit überragt.
Dass sie den Namen von Celtic Frost inspiriert hatten, war für mich persönlich viele Jahre lang im Grunde das einzige, was ich über die Gruppe wusste. Noch wichtiger ist natürlich das Riffing und der Gitarrensound, beides räudiger und roher als beim Vorbild Black Sabbath, deren Kombination weiterentwickelt von Celtic FrostObituary  u.v.a. zu einem Death-Metal-Standard wurde.

Neben dem US-Epicmetal, über den ich ungefähr null Fachkenntnis mein eigen nenne, gehören insbesondere alle fieseren Doomspielarten inklusive Doomdeath wie Paradise Lost (tatsächlich zufälligerweise auch der Titel des letzten Prä-Reunionsalbums) zu den Stilen, für die Cirith Ungol als frühe Blaupause gelten müssen.
Sowohl im primitiven Höhlenmenschendoom von Conan, als auch im melodisch wie spielerisch anspruchsvolleren Sound von Khemmis lässt sich heute ohne Mühe - und sogar inklusive der Fantasy-Cover mit sofortigem Wiedererkennungseffekt -, ganz direkt das Erbe der alten Ungol-Klassiker erkennen.

Die Möglichkeit, dass ihre eigene Laufbahn in auch nur halb so hohen Umlaufbahnen wie beispielsweise die der Zeitgenossen Priest oder Maiden hätte verlaufen können, war jedoch bereits aus einem ganz einfachen Grund niemals gegeben. Und dieser Grund heißt Tim Baker.
Ganz egal, ob man die Band liebt oder hasst; Darin, dass seine Gesangstimme extrem kauzig, "zu viel", zu übertrieben, also ganz klar super polarisierend ist, dürften sich wohl alle Lager einig sein.

Nicht zuletzt gibt es bei aller musikalischen Langzeitwirkung ihrer Klassiker kaum eine Band, die ausgerechnet den Gesang von Cirith Ungol emuliert. Das ist den meisten dann wohl doch zu extrem. Oder - auch nachvollziehbar - sie können's einfach nicht.


Von daher wäre jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt für jeden Leser, der die Band noch nie gehört hat, einfach mal in beliebiges Stück der Diskographie hineinzulauschen. Wenn Du den Gesang kacke findest, dann ist nämlich alles, was ich jetzt noch schreibe, für dich nutzlos. Cirith Ungol werden auch anno 2020 nichts für dich sein.





CIRITH UNGOL - Forever Black (light blue / red marbled vinyl) (2020)


Hier ist es nun also, das Comeback-Album.

Jahrelanges Betteln von Night Demon-Bassist und Festivalveranstalter Jarvis Leatherby, welcher letztendlich sogar als Bandmitglied hinzustieß, ging der Reunion, für die die alten Mitglieder teilweise aus dem vollkommenen musikalischen Ruhestand reanimiert und zum Wiedererlernen ihrer Instrumente motiviert werden mussten, voraus.

Es folgten eine Reihe gefeierter Shows, eine Single, sogar ein Livealbum und nun endlich "Forever Black".

Und ganz wie es sich wohl alle Beteiligten und die Fans gewünscht haben, ist dieser Longplayer ein komplett aus der Zeit gefallener Anachronismus.
Das Cover von Michael Whelan reiht sich nahtlos in die Hüllen der Achtziger ein, und gleiches gilt für alles andere.



Der Opener "Legions Arise" begrüßt uns mit dem vielleicht schlimmsten aller Metal-Klischees, der (nennen wir sie einfach mal) Fistraising Battlecry-Hymne:


"We lead not the weak, they won't answer the call
As Chaos descends, false metal will fall"

Apropos "battly cry" und apropos "chaos" (#wortbaukasten); In "Stormbringer heißt es später:

"The howling winds of Chaos sound above the battly cry
As we slay the beasts and drink their souls to keep us half alive"

"Fractus Promissum":

"Do we cover in the shadows or step into the light
Embrace the blinding fury borne of Chaos' holy might"

"Nightmare":

 "A specter in the master plan, sent here from below
Curses, Death and Chaos are the only things I know"

Und so weiter und so fort.


Kann man lustig finden. Könnte man sogar belächeln, wenn die Musik nicht so hammergut wäre.

Denn das ist eben das Ding: So sehr dies nach ewiger, mit Stahl in Stein gemeißelter Heavy-Metal-Tradition riechen mag, so wenig altbacken klingt es tatsächlich.

Dass sich einige Musiker in der Zwischenzeit gar nicht aktiv mit anderen Einflüssen auseinandergesetzt haben, mag sogar dabei geholfen haben, dass "Forever Black" in seiner vollkommenen Ignoranz der letzten dreißig Jahre Musikgeschichte zu keiner Minute so klingt wie eine Zwangsübung, die man als alte Wiedergängertruppe halt braucht, um zu legitimieren, dass man live dann doch letztendlich nur das alte Zeug zockt.

Nein, dieses Album wirkt frisch und ehrlich, weil es tatsächlich das musikalische Mindset der Band authentisch wiederspiegelt.
"Forever Black" hört sich nicht einmal nach einer alten Band an, die den Geist der Frühwerke erfolgreich wieder heraufbeschwört. Nein, man hat viel mehr den Eindruck, als würde hier man tatsächlich einen originalen Klassiker auflegen, auf dem jedes Stück seit Äonen ein Hit im Liverepertoire der Gruppe sein muss.

Und auch wenn es mir fern liegt, z.B. an "King of the Dead" (1984) etwas ändern zu wollen, lässt sich nicht überhören, dass Cirith Ungol inklusive der - physikalisch geradezu unmöglich - immer noch so kranken Stimme Tim Bakers nicht nur nur mindestens so geiles Zeug wie früher abliefern, sondern in Sachen Konsistenz über eine komplette Albumlänge sogar noch zugelegt haben.

Dass "Paradise Lost" eher durchwachsen war, mag kaum jemand bestreiten, doch auch die vorigen drei Alben hatten bei aller kultigen Heiligkeit doch allesamt ihre Tracks oder zumindest Passagen, die im Vergleich zum Rest nicht ganz so dolle toll waren.

"Forever Black" aber ist von vorne bis hinten durchgehend überragend.

Ich will mich damit nicht darauf festlegen, dass wir es hier mit dem besten Cirith Ungol-Album aller Zeiten zu tun haben, denn eine solche Beurteilung machen die dreißig bis vierzig Jahre zwischen den Veröffentlichungen dann doch unmöglich.
Eines jedoch steht für mich fest: Wer auf den alten Scheiß steht und hiermit nichts anfangen kann, der ist nicht mehr ganz frisch in der Birne.




Neben der Musik ist auch das Gesamtpaket mal wieder eine Eins, denn wie schon die Wiederveröffentlichen der ersten drei und des vierten Albums ist die Scheibe optisch schick aufgemacht, enthält Texte, ist in verschiedenen lustigen Vinylfarben erhältlich und kommt mit einem großformatigen Poster des Covers.

Fazit: Perfekt!


(Und das sagt ein ansonsten wahrhaftig nicht allergrößter Traditionsmetalfundamentalist.)  






2020-05-29

WANG WEN - 0.7

Wang Wen teilen sich nun schon seit einigen Jahren mit den oftmals eng verwandten, weltweit allerdings weitaus etablierteren Japanern Mono den Titel meiner persönlichen Lieblings-Postrockgruppe.

Wang Wens Sound ist ist dabei dabei im direkten Vergleich vielleicht nicht ganz so überwältigend intensiv, dafür allerdings stilistisch noch etwas breiter aufgestellt.

Die Anfänge der Band sind mir bisher noch nicht bekannt, doch so weit ich nun in die frühere, nur in China veröffentlichte Diskographie zurückgehört habe - also bis zum 2010 erschienen Album "L & R" - war das technische und kompositorische Niveau der Gruppe eigentlich  immer schon weitgehend gegen ernsthafte Kritik immun.

Dies gilt auch für das nun von Pelagic Records neu aufgelegte sechste Album.




WANG WEN - 0.7 (LP) (2012/2020)


"0.7" besteht aus sieben Titeln, beginnt mit dem Opener "2012" und erschien ursprünglich 2012. Nein, Wang Wen lassen einem wirklich keinen Spielraum für Mysterien.

Das hindert die Musik jedoch zum Glück nicht daran, einen dennoch auf ganz große Weltfluchtreise mitzunehmen. Die typisch fernöstlichen Melodieführungen sind vorhanden, aber oft noch nicht so sehr ausgeprägt wie auf späteren Werken, und die heute so prägenden Bläser finden auf "0.7" noch gar nicht statt. Beides fiel mir allerdings erst wirklich auf, als ich mich spezifisch auf diese Merkmale konzentriert habe, denn in diesen epochalen Instrumentalstücken zwischen traumhafter Schönheit, über auch mal beschwingte lateinamerikanische Einflüsse oder tragische Streicher bis zum hoch im Himmel explodierenden Wall of Sound, fällt es ungemein schwer, irgend etwas zu vermissen.

Nein, dass der Gipfel von Wang Wens Originalität hier noch in der Zukunft liegt, schmälert den Genuss von "0.7" in keiner Weise.

Die Chinesen lieben verspielte Details, platzieren hier mal einen Part, der - auch wenn nicht quantenmathematisch verknotet - eher an eine Progrockband denken lässt, lassen dort mal das Jazzpiano hüpfen, ordnen alle Bestandteile ihres eklektischen Postrocks jedoch immer dem Grundprinzip des Genres unter, dass die ganz große, nicht in Worte zu fassende Gefühlskaskade das oberste Maß aller Dinge ist.

Wie gewohnt wird auch der visuellen Aspekt nicht vernachlässigt. Mit einer so außergewöhnlichen Präsentationsform wie bei "Sweet Home, Go!", "Invisible City" oder gar "In Course Of The Miraculous" haben wir es hier zwar nicht zu tun, das großformatige, stimmungsvollen Gemälden gewidmete Booklet macht aber durchaus was her.




Fazit: 2012 war ein gutes Jahr. Ich will zurück!

Aber immerhin hat das Loserjahr 2020 als eines seiner raren Highlights dieses Album zurückgebracht.






2020-05-24

TRIPTYKON with the METROPOLE ORKEST - Requiem (Live At Roadburn 2019)

"Thomas Gabriel Fischer completing with Triptykon plus a complete orchestra what he had begun decades ago with Celtic Frost. Only at Roadburn. The "Requiem" certainly was a performance noone would have even considered as a possibilty, before it was announced. And it surely not only for me was one of the most anticipated sets of this weekend."




TRIPTYKON with the METROPOLE ORKEST - Requiem (Live At Roadburn 2019) (deluxe dark red LP + 7" + CD + DVD Artbook) (2020)


Anyone who can vaguely remember my review of this concert might understandably be a little surprised that I'm not just writing about the CD version, but the whole all-in maximum bonus material luxury version here, because...

"I hate to say it, especially since I had already bought the "Requiem" t-shirt the day before, but the joint performance of Triptykom and the Grammy-awarded Metropole Orkest was this year's biggest disappointment."

The reason for my chagrin however had never been the musical arrangement or performance itself,

"But - and that's a big but - the sound.

Yes, being in the front meant to be closest to drums and percussions in this case, but I've spoken to attendees who had been in the middle or back and also had similar issues. Maybe it had something to do with the album / DVD production which was obviously going on (professional film camera teams are a rare sight at Roadburn), but there's just no denying, that the whole thing - and especially the band - was just not loud enough.
It's fucking heavy Triptykon and a giant stage crammed with strings and woodwinds, brass, percussion, choir... this should have been ear and soul crushing, the most epic thing ever. But compared to Mono the night before, or compared to what would happen next on this stage [being the magical show of the amazing Anna von Hausswolff], it was a tame household noise level affair."




Ok, many fans were also fine and happy with the sound and volume. Standpoints and perceptions are so subjective.
And when I spotted myself in the concert footage I was reminded that I technically wasn't in the first row like I may have claimed here or there in internet discussions - more like row two and a half or something like that -, so admittedly memory sometimes is an unreliable bitch.

I still stand by what I've written about my general impression back then, though. But thankfully I have made my peace with the somehow spoiled experience.


"I sincerely hope the post production for the upcoming release can fix it and make it a more powerful experience. The music deserved better."

Well, the first trailer for the live album already convinced me that I would indeed hear the "Requiem" as it was meant to sound now. And as I couldn't decide between vinyl and CD - and also wanted the DVD - I just went for the version which contains everything plus extras.


And about my last bitter complaint...

"And the shirt by the way is really small for its size."

Well, let's say my encounter with diabetes took care of that. It fits great now!




But now let's get to the release itself!

"Requiem (Live At Roadburn 2019)" is available in various versions: as a standard CD, as a CD+DVD mediabook, on black, white or golden vinyl (always with two posters and the DVD) and finally as the Deluxe Artbook, at which we will now take a look:




The first obvious difference to all other versions is the alternate front cover of the media book, which contains all of the content, starting with jackets for CD, DVD, the quite heavy crimson red vinyl and a just as thick one-sided bonus 7" with a rehearsal version of "Winter", the purely orchestral final part of the "Requiem", which is also featured on the CD as a bonus track.

But before we get to the music, let's turn over the page to the middle of the book, which is an actual booklet of 24 pages with pictures from rehearsals and the show as well as credits, lyrics and the initial press release from November 2018.




After that comes another jacket, in which you can find all the rest of the stuff, including three posters: One original design for the show, a "standard" band photo with the four regular members and the full version of the Deluxe Set cover artwork.




The cover artwork of all the other "Requiem" versions is included as a 12" print, as well as a card of a band photo with guest vocalist Safa Heraghi.




All in all this artbook is a pretty impressive thing and further reinforces that Tom Warrior since the final Celtic Frost album "Monotheist" just doesn't allow any half-assery concerning his physical releases.

Or let's say almost, because there's one overlooked weak point in the whole packaging: The final item has a narrower size than the rest, which means it can move inside the poster jacket during transport and damage the surrounding cardboard with its corners.
So I had to fix a tear with tape, which while it didn't upset me that seriously, I still find it worth mentioning, just in case anyone working on similar packaging projects is reading this: Make sure that everything measures and is securely fixed in place!


The item itself may be of little practical use - at least for most listeners -, but it's undeniably interesting: It's the full orchestra score of "Requiem".

Already the overview of the orchestration gives away a couple of hints (for example the trumpet having an "airy, smooth Jazz-sound"), that this is not your standard metal band plays with orchestra show, which has kind of become a trope and bane of certain big festivals, whenever they feel the need to produce something "special".
Not saying that these things are generally bad, but there's definitely a trend to just combine the ready-made material of the band with some pleasing harmonies and that's most of it. It's sonically big and impressive, but it often lacks depths and character beyond that effect.

Further into the actual score the instructions make the picture even clearer:
"bowed cymbal (inverted) on timpano skin: bow, than move pedal up and down ad lib to play with the resulting metallic overtones"
"crashtone (continuous): drag bow slowly over dampened E-string with too much pressure"

Not that these examples taken by themselves actually prove anything, but the overall impression is that this obviously is not an another-day-in-the-office job, where the musicians just get the sheet and play through the notes, but where their individual expression is encouraged.

Which is further underlined by the fact that the composition refrains from constantly blasting with everything at its disposal at the the same time, but instead often uses minimalistic arrangements to spotlight certain instruments - and to create dynamics of tension and relief, which isn't exactly the strong suit of too many rock plus orchestra collaborations. 




I'm still amazed that particularly this piece exists at all. Not only for the costs and logistics, but also for the relative obscurity of its origin. "Rex Irae" was just one track on the almost ridiculously diverse Celtic Frost masterpiece "Into The Pandemonium" from 1987, "Winter" a short orchestral piece released 2006 on "Monotheist". Together they only clock in at about ten minutes.

If you had asked me about ideas for a special Triptykon / Celtic Frost show of this scale, my first one would have been to just play "Pandemonium" in its entirety, with all its orchestral, electronic and mexican radio quirks and facettes.
Or you could just collect all the pieces with classical influences and female lead vocals from both bands' whole discographies. Maybe plus a couple of new arrangements of some "greatest hits". Without a doubt there's enough material to create an overwhelming, epic show.

But to take the overture and epilogue of a back then not even existing centerpiece and compose that missing extra half hour of music from scratch, surely was the least safe, yet artistically most challenging option.


"Requiem" begins with "Rex Irae", which right from the beginning sounds noticably different to the album version. It has been transferred from the standard tuning of Frost to the lower doom / death sound of Triptykon, the details of the song and the pure musicianship of the band itself are both clearly refined.
The most notable of all the changes lies in the also deeper vocals, not only from Tom Warrior, whose half-spoken wailings are already established to be in lower registers in this millenium.
Above all the female lead vocals are interpreted in a new way. While the operatic touch of the original is still maintained in the background by the four alto and soprano singers of the Kobra Ensemble choir, the lead voice of Safa Heraghi transports much more warmth and emotion than Claudia-Maria Mokri's album approach.

None of these changes diminish the groundbreaking status of the original, but if you listen to both versions back to back, you can't deny that this new version is the superior one. Quite a good start in my book.




In the over thirty-two minutes of the following "Grave Eternal" band and orchestra are going full doom and slowly walk through various movements with shifting focus and intensity. From just cymbals and timpani playing a game of questions and answers, over sparse mantras grounded by the distinctivly snarling bass of Vanja Slajh, to breathtaking morbid bombast, when all strings, brass, vocals and tubular bells come together. Wave after wave this chapter of the "Requiem" sees Triptykon moving further into advantgarde territory than ever before. It may require some patience here and there, but it always rewards you afterwards.

As mentioned before the Metropole Orkest never comes over as an amorphic "classical music" blob, but gives its individual characters quite soom room for expression. As a result there is a lot of interaction beyond just the band playing here and the orchestra there. In this arrangement, which further develops the themes set in "Rex Irae", the connection between the multiple parts are substantial and go deep. You really feel like everyone on this stage has an equally important purpose, that there's nothing you could just take away.

Lead guitarist V. Santura tastefully channeling his inner David Gilmour early on remains the biggest case of rock stardom during the whole show, other than that Triptykon really blend in and let the music speak for itself. And boy, it has a lot to say!


Not that there would have been space for any circus shenanigans anyway. As you can see on the professionally filmed DVD, the stage was crammed like a can of sardines.

Speaking of the DVD: The concert footage just starts and plays indefinitely. There's no menu, no additional making of material or something like that, but that's totally fine with me, considering all the work and manpower which already went into everything here. And let's be honest: All possible bonus stuff apart from the show itself you would probably watch once and then never again.




After "Grave Eternal" Triptykon exits the stage and leaves the mournfully solemn conclusion "Winter" solely to the Metropole Orkest and the choir.

That the recording can allow itself to wait one and half minutes, before it slowly fades out the frenetic applause afterwards, says more than I can explain here. And remember that several audience members weren't even a hundred percent happy on the spot!

But now, eternalized on this audio and video recording, this is just perfect.


The only way you could improve this would be to travel back in time, boost the volume of the live sound in the 013 and persuade Fischer to add "Tristesses De La Lune" and "Oriental Masquerade" to the set as an encore.

Alright, I'll shut up now.






What Triptykon have achieved here is highly remarkable and should be the universally accepted benchmark for artistic integrity and adventurous courage in any future metal / orchestra production from whoever, regardless of budget or subgenre.

I know it won't be, just as there has never been a second album quite like "Into The Pandemonium", but one can dream and demand shit, right?



It's hard to imagine "Requiem (Live At Roadburn 2019)" not being my favorite live recording at the end of the year. I won't say never, because 2020 is kind of uhm... special, right? But it seems exremely unlikely.

Respect. I doff my hat!